Hier werden, wie vormals im Print-Magazin, verschiedenste CDs vorgestellt.

Soweit nicht anders genannt, alle Reviews von Manfred Hesse

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Tim Bluhm – Sorta Surviving
(VÖ: 29.03.2019)

Der Mann hatte einige Nackenschläge zu verkraften. 2015 überlebte er einen Flugzeugabsturz und seit 2017 kämpfte er mit verschiedenen Infektionen um sein Leben. Als seine Ehe und musikalische Partnerschaft mit Frau Nicki 2018 zerbrach, war für Tim Bluhm nur noch eine Richtung erkennbar. Nach vorn. Der Multiinstrumentalist, Gründer und Mitglied von etlichen Bands, denen er meist als Frontsänger vorstand, fügte nun der langen Reihe von Alben auf denen er solo oder in einer Band mitwirkte, ein neues Soloalbum hinzu. “Sorta Surviving“ ist so etwas wie der ganz persönliche Blick nach vorn. So beginnt das Album auch folgerichtig mit dem Titel “Jesus Save A Singer“, in welchem er seinem Schöpfer dankt und sich selbst lediglich als einen einfachen Sänger tituliert. Singer/Songwriter Music der zurückgenommenen Art und feine Honky Tonk Music erwartet die Hörer. Ein guter Schuss musikalische Retrospektive macht aus “Sorta Surviving“ ein gängiges Album, das aber dennoch eine Botschaft trägt. Tim Bluhm, der im Süden von Kalifornien aufwuchs, beherrscht verschiedene Gitarren, Piano und Drums. Seine Songs trägt er mit einer angenehm warmen Stimme vor, die, wenn nötig, auch eindringlich sein kann. Seine Singleauskopplung “Raining Gravel“ ist eine Ballade, die dem American Chanson eher angehört als Country Music. Der Titelsong beschreibt das Leben als Musiker, der stets auf Achse ist und der bemerkt, dass er ein Alter erreicht hat, in welchem die Girls vor der Bühne nicht mehr der eigenen Altersgruppe entsprechen. Beinahe viereinhalb Minuten widmet Tim Bluhm dem Titel “Del Rio Dan“. Ein Titel, der eher in die Psychedelic Folk Ecke gehört. Eine Coverversion des Klassikers “I Still Miss Someone“ ist in der Bearbeitung von Tim Bluhm eine sehr persönlich gefärbte Ballade. Er kann aber auch anders. “Squeaky Wheel“ ist ein Uptempo Road Song, der vom Umherreisen, vom Ankommen und Weiterziehen und den Begegnungen dazwischen erzählt. Da treibt ein feines Banjo den Song weiter und weiter. Mit “Kern River“ endet das Album “Sorta Surviving“ mit seinen 10 Tracks. Der letzte Titel ist Country Music pur und eine Hommage an etliche Orte in den Rockies. Von Lake Shasta bis zum Kern River und Mount Whitney. Gut, dass es Tim Bluhm wieder gut zu gehen scheint. Seine eingeschlagene Richtung als Interpret stimmt auf jeden Fall.

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Steve Earle & The Dukes – Guy
(29.03.2019)

Man ist von Steve Earle ja gewohnt, dass er sich nicht verbiegen lässt und dass er seine Vorstellung von Country Music mit Outlaw Elementen und Rock zu verbinden versteht. So ist auch sein neues Album “Guy“ in diesem Sinne keine Ausnahme. Aber Steve Earle lässt hier mit seiner Band, The Dukes, seinen Freund und sein Vorbild Guy Clark posthum auf großer Bühne auftreten. Guy Clark war, wie Steve Earle, nie auf Chartplatzierungen aus. Er war ein Singer/Songwriter aus Texas, der eine Fülle bemerkenswerter Titel schrieb. 16 davon hat Steve Earle nun ausgesucht um seinen Hero zu ehren, der im Mai 2016 verstarb. Ob “Desperados Waiting For A Train“, “Rita Ballou“, “The Ballad Of Laverne And Captain Flint“, “The Last Gunfighter Ballad“ oder zum Schluss des Albums “Old Friends“, man hat Guy Clark vor Augen. Alle Titel sind eingerahmt vom typischen Sound der Dukes und sofort als Musik von Steve Earle erkennbar. Balladen soweit das Ohr hören kann. Dabei gibt es immer mal wieder Überraschungen im Arrangement. Steve Earle hat eben sein ganz eigenes und teils geniales Gefühl für die Präsentation von Musik. Etliche der Songs dürfen 4 Minuten und länger sein und damit haben die Musiker den Rahmen, der aus den Titeln ein ums andere Mal einen Hörgenuss werden lässt. Man wird Titel von Guy Clark kaum in den Charts finden. Fans der texanischen Country Music werden ihn aber als einen der ganz Großen seines Faches in Erinnerung halten. Ohne Zweifel wird dies auch Steve Earle zu teil werden. Seine Spuren in der Country Music hat er nicht nur als Interpret sondern auch als sehr geachteter Produzent mehr als deutlich hinterlassen. Kein Mainstream kann ihn dabei stören. Das Album “Guy“ ist voller Hochachtung vor dem Freund und Mentor produziert und bekommt dadurch einen besonderen Charme. Das ist kein Stoff zum Abfeiern, eher zum Nachdenken.

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Adam Carroll – I Walked In Them Shoes
(VÖ: 12.04.2019)

Kein geringerer als Produzent Lloyd Maines hielt die Fäden in der Hand als Adam Carroll sein nunmehr neuntes Album in einer einzigen Sitzung aufnahm und steuerte seinerseits den einen oder anderen Instrumentalpart bei. Carroll nennt als erste Vorbilder Joe Ely, Robert Earl Keen und Guy Clark und schon weiß man, dieser Kerl ist Texaner und fügt sich in die Tradition texanischen Songwriter ein. Gesang ist nicht sein herausragendes Merkmal. Adam Carroll war zunächst durch Rock Music beeinflusst und übte auf der E-Gitarre. „Doch erst die akustische Gitarre ließ mich fühlen, wie kein anderes Instrument vorher.“ So beschrieb Adam Carroll, wie er zu seinem Stil kam und wie er sich mit den Balladen identifiziert, die er zu seiner Akustikgitarre vorträgt. Manchmal klingt er wie Townes Van Zandt und wirkt in seiner Direktheit und Schnörkellosigkeit beinahe introvertiert. Da erinnert er an Bob Dylan und fügt eine weitere Assoziation eines musikalischen Überfliegers für die Hörer hinzu. Auch auf die typische Harmonica Begleitung verzichtet er nicht. Es versteht sich von selbst, dass alle 10 Titel seines Albums “I Walked In Them Shoes“ von ihm selbst geschrieben wurden. Er kündigt sie auch kurz und knapp mit Titel an, was für ein Studioalbum eher ungewöhnlich ist. Da die Titel sich gleichen, wie ein Ei dem anderen, fehlt dem Album etwas Esprit. Nur Stimme und eine akustische Gitarre. Das hat etwas von Live Atmosphäre eines kleinen Klubs. Sicher gut geeignet für einen ganz ruhigen Kaminabend mit einem guten Buch und die Musik bildet den leisen Hintergrund. Auch für Freunde von Storytelling Songs ist “I Walked In Them Shoes“ eine gut verständliche Kost. 

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Horse Mountain: Songs From The Attic
(VÖ: 2019)

Es gibt eine bemerkenswerte neue CD und die kommt nicht aus den USA. Das Duo ‚Horse Mountain’ im schwäbischen Kusterdingen beheimatet, konnten wir u.a. schon ein paar Mal beim Bluegrass-Festival in Birkenried erleben. Seit sage und schreibe 45 Jahren musizieren Birgit und Dieter Stoll bereits zusammen und diese Erfahrung zahlt sich aus. Das neue Werk trägt den Titel „Songs From The Attic“, weil es praktisch im heimischen Dachboden aufgenommen wurde. Doch keine Sorge, die Akustik ist tadellos. Handgemachte, akustische Folk- Country- und Americana-Music haben die beiden sich vorgenommen und genau das können sie auch am besten. Überwiegend kommen hier nur akustische Gitarren, Kontrabass, Banjo und Mundharmonika zum Einsatz, nur bei wenigen Titeln erklingt mal eine Melodie auf der E-Gitarre oder der Steel-Guitar. Alle Instrumente haben die Birgit und Dieter selber eingespielt. Sage und schreibe achtzehn Songs enthält diese CD. Wir können die hier natürlich nicht alle einzeln würdigen, nur so viel: aus dem Umfeld der Byrds stammt „Sin City“, geschrieben 1969 von Chris Hillman und Gram Parsons. Noch etwas älter ist „Hard Times“ (1854) vom ‚Vater der amerikanischen Musik’, Stephen Foster, der damals mehr als 200 Volkslieder komponiert hat. So geht das munter weiter mit „City of New Orleans“ in der Originalfassung von Steve Goodman, das wir alle von Arlo Guthrie kennen. „500 Miles“ wurde erstmal ein Hit von den Journeymen (1961) und der Klassiker „Don´t Fence Me In“ (1934) wurde so oft gecovered, dass man es gar nicht mehr aufzählen kann. Bei „Jealous Heart“ (Jenny Lou Carson, 1944) stutzten wir einen Moment: Die Melodie kennen wir doch? Klar, das Lied gab´s mal auf deutsch von Lale Andersen („Blaue Nacht am Hafen“). Es ist unglaublich, was die beiden hier ausgegraben und gekonnt neu aufbereitet haben. Die Songs klingen herrlich und die Zeit beim Hören vergeht wie im Flug. Lobo, die Everly Brothers oder Willie Nelson hätten sicher ihren Spaß, diese Versionen Ihrer Songs zu hören. „Songs From The Attic“ ist ein echtes Juwel, das in der Sammlung von Liebhabern authentischer Folk- und Country-Music nicht fehlen sollte.
Jürgen Stier

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Reba McEntire – Stronger Than The Truth
(VÖ: 05.04.2019)

Retro ist in. Das dachte sich auch Reba McEntire und kündigte ihr neues Album als “pure country music“ an. Im ersten Titel, “Swing All Night Long With You“ geht es auch gleich mit einem aufgeweckten Honky Tonk Swing traditionell los. Darauf folgt mit dem Titelsong “Stronger Than The Truth“ eine Ballade, wie man sie von Reba McEntire erwarten darf. Eine Trennungsgeschichte bei der ein Fazit bleibt: es gibt keinen Whiskey, der stärker ist, als die Wahrheit. Das gleiche Sujet bedient der Titel “Storm In A Shot Glass“, diesmal als Mainstream Rockballade arrangiert. Eine Hommage an Tammy Wynette verbirgt sich in dem bitteren Resümee “Tammy Wynette Kind Of Pain“. Bis auf den Songschreibertrick, die Titel “Stand By Your Man“ und “D-I-V-O-R-C-E“ zu zitieren, bleibt der Song etwas zurück. Verwöhnt wird man aber gleich darauf mit der Ballade “Cactus In A Coffee Can“. Darin wird eine herzzerreißende Geschichte erzählt. Zwei Frauen sitzen im Flugzeug nebeneinander und kommen ins Gespräch, in dessen Verlauf, die eine ihre Lebensgeschichte erzählt, die zu Tränen rührt. Das ist der Stoff, den Reba McEntire braucht, um mit ihrer außergewöhnlichen Stimme tiefer gehende Gefühle auszudrücken. Produzent Buddy Cannon hat für einige besondere Gitarrenparts mit Brent Mason einen der besten seines Fachs ins Studio geholt, was gelegentlich für richtig feinen Musikgenuss sorgt. Das Album “Stronger Than The Truth“ ist ohne Zweifel ein Country Album, welches auf Balladen setzt, die die Hörer im Innersten berühren sollen. Das gelingt, weil Reba McEntire in der Lage ist, wie kaum eine andere, solche Inhalte zu transportieren. Dass es bei den 12 Titeln lediglich zweimal fröhlich swingen und zweimal rockig grooven darf, ist zu vernachlässigen. Den Schluss des Albums “Stronger Than The Truth“ bildet die Ballade “You Never Gave Up On Me“. Das gab es doch schon einmal. 1982 hatte Crystal Gayle einen gleichnamigen Titel in den Charts. Mit einem anderen Text und mit leisen Pianoklängen werden die Hörer entlassen. Ja, das Album enthält Country Music. Ob es, wie angekündigt, das Album ist, welches Reba McEntire wieder zurück zu ihren Country Music Wurzeln führt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist “Stronger Than The Truth“ eine feine Zusammenstellung, überwiegend balladesker Musik und für einen genüsslichen Musikabend bestens geeignet.

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Aaron Lewis – State I’m In
(VÖ: 12.04.2019)

Neues vom Wanderer zwischen den Genres Grunge und Country, Aaron Lewis. Sein nunmehr drittes Album, welches sich mit Country Music beschäftigt, heißt “State I’m In“. Mittlerweile dürfte sich der bärtige Endvierziger aus Vermont vom Gespött erholt haben, als er 2014 die amerikanische Hymne mit einem falschen Text vortrug. Zuvor hatte er ziemlich über Pop-Diva Christina Aguilera hergezogen, die den gleichen Fehler gemacht hatte. Verletzlich präsentiert sich Aaron Lewis im Titelsong “State I’m In“, in welchem er sowohl sein Leben als Musiker zu beklagen scheint, als auch eine verlorene Beziehung. Martialisch ist der Titel “God And Guns“ angelegt. Da wird die uramerikanische Beziehung zu Waffen und eine unbedingte Vaterlandsliebe beschworen. Eine hierzulande eher umstrittene Einstellung. So schwanken die Inhalte des Albums “State I’m In“ von Aaron Lewis zwischen dem Image eines harten Kerls, dem man besser nicht blöd kommt und dem empfindsamen, einsamen Wolf, den es auf der Suche nach Glück umhertreibt. Einen interessanten Gedanken besingt Aaron Lewis bei “If I Were The Devil“. Angesichts dessen, was er alles tun würde, wenn er der Teufel wäre, zieht er eine ernüchternde Bilanz. Was alltäglich so geschieht in der Welt, lässt für den Teufel wenig zu tun übrig. Alles, was ihm an Qualen für die Menschen einfällt, haben diese sich selbst bereits angetan. Aaron Lewis ist auf allen 10 Songs der Erzähler mit einer Bass-Bariton Stimme, die ein Outlaw haben muss. Wenn er beispielsweise im Titel “Burnt The Sawmill Down“ besingt, dass er das Sägewerk des Vaters seiner Angebeteten niederbrannte, nachdem dieser ihn mit Waffengewalt von seiner Tochter fernhielt. Schon mit seinem letzten Album “Sinner“ hat Aaron Lewis klar gemacht, dass er die Country Music bereichern kann. Mit seinem neuen Werk “State I’m In“ unterstreicht er dies. Aaron Lewis wird die Charts nicht ansatzweise erobern können. Aber er steht für eine Country Music, die absolut in die Zeit passt.

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Brooks & Dunn – Reboot
(VÖ: 05.04.2019)

Als Brooks & Dunn 2009 beschlossen, zukünftig getrennte musikalische Wege zu gehen, hatte ihre letzte Nummer Eins bereits fünf Jahre auf dem Buckel. Der Stern des, mit Awards überhäuften, Super Duos schien zu verblassen. Zudem hatten Kix Brooks und Ronnie Dunn unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung ihrer Zusammenarbeit. Ob die große Ehre, 2019 in die Reihe der Besten der Besten in die Country Music Hall Of Fame gewählt worden zu sein, den Ausschlag gab, nach 10 Jahren der Abstinenz ein gemeinsames, neues Album vorzulegen, sei dahingestellt. Mit “Reboot“ haben Brooks & Dunn ein Ausrufezeichen gesetzt. Beinahe selbstlos, haben sie für 12 ihrer erfolgreichen Titel junge, aktuell angesagte Kolleginnen und Kollegen ins Studio geholt und neu aufgenommen. Mit dem Abräumer der jüngsten Vergangenheit, Luke Combs, beginnt das Album treffend mit dem Song “Brand New Man“. Brett Young steuert bei “Ain’t Nothing ‘Bout You“ jede Menge Soul bei und “Neon Moon“ erlebt ein Reboot der Sonderklasse durch Kacey Musgraves. Neue Arrangements unter der Regie von Dann Huff lassen die altbekannten Erfolgstitel neu erstrahlen. “Lost And Found“ mit Tyler Booth, “Hard Working Man“ mit Brothers Osborne, “You’re Gonna Miss Me When I’m Gone“, überraschend different arrangiert, mit Ashley McBryde und “My Maria“ mit Thomas Rhett bilden das Mittelstück des Albums “Reboot“. Mit “Red Dirt Road“ beginnt die Schlusssequenz des Albums bei dem Cody Johnson seinen Einsatz hat. Selbst der sehr strapazierte Line Dance Knaller “Boot Scootin‘ Boogie“ erlebt ein Refresh mit Brooks & Dunn und den Männern der Gruppe Midland. “Mama Don’t Get Dressed Up For Nothing“ in einer Country Rock Version der Gruppe LANCO sorgt für zeitgemäßen Sound, bevor “Believe“ unter Mitwirkung von Kane Brown, der mit seinem R&B Hintergrund dem Album “Reboot“ von Brooks & Dunn einen sehr besinnlichen Ausgang beschert. Dieses Album präsentiert keineswegs “alten Wein in neuen Schläuchen“. Vielmehr ist diese Zusammenstellung ein Beispiel dafür, was man aus herausragend guter Musik machen kann. Zudem ebenso beispielgebend, was “altgediente“ und hochdekorierte Interpreten ihren “musikalischen Kindern“ weiterzugeben haben. Für Brooks & Dunn Fans ein Muss. Allemal aber für Fans guter Country Music in modernem Gewand ein Appetithappen.

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Randy Rogers Band – Hellbent
(VÖ: 26.04.2019)

Nach drei Jahren wieder ein Album der Randy Rogers Band. “Hellbent“ heißt es und hält manchmal was der Titel, übersetzt “wie wild“, verspricht. Mit „Drinking Money“ geht es auch gleich zur Sache. “Sie“ ist nicht zugegen um “Ihm“ zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat und so gibt er sein Geld aus für Whiskey und Poker, wohlwissend, dass dieser Lebenswandel das Leben kosten kann. Mit “Anchors Away“ stellen Randy Rogers und seine Band eine Trennung einmal ganz anders dar. Guten alten Roots Country Rock präsentiert der Titel “Comal County Line“. Ein beschwingter Walzertakt rahmt “We Never Made It To Mexico“ ein. Aus den manchmal gleichförmig klingenden Balladen sticht “Fire In The Hole“ heraus und beschreibt eine Liebe, die ein kurze Zündschnur hat und den Beteiligten wie eine Bombe um die Ohren fliegt. Ein Sad Song ist “Wine In A Coffee Cup“ in welchem es um die Lügen und Vertuschungen geht, die eine Alkoholabhängige zur täglichen Routine gemacht hat. Die Texte der 11 Titel auf “Hellbent“ der Randy Rogers Band scheinen alle aus dem echten Leben der Bandmitglieder zu stammen. Da wird die Trivialität eines unspektakulären Lebens ungeschminkt beschrieben aber auch die weniger erbauenden Seiten von Abhängigkeit und der verzweifelte Versuch der ganzen Tristesse zu entfliehen. Musikalisch ist dieses Album eher Normalmaß, was aber der Country Music sehr wohl gut zu Gesicht steht. Es muss ja nicht immer “Höher, Weiter, Schneller“ zur Maxime ausgerufen werden. Klare, nicht auf Effekthascherei ausgerichtete, Musik, bereichert die Menükarte der Country Musik auf angenehme Weise. “Hellbent“ ist wieder ein Beispiel dafür, dass es auch abseits der Charts sehr viel zu entdecken gibt.

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Markus Rill & The Troublemakers – Songland
(VÖ: 03.05.2019)

Seit langer Zeit entwickelt sich Markus Rill immer weiter als herausragender Musiker aus Deutschland. Über zwanzig Jahre legte er etliche Alben vom Feinsten vor und blieb dennoch ein Geheimtipp. Das könnte daran liegen, dass sich Markus Rill mit seiner Band, The Troublemakers, stets einer Schubladen Kategorisierung erfolgreich entzogen hat. Er wird mal als Folk Musiker, mal als Singer Songwriter, mal als Interpret guter, handgemachter, inhaltsvoller Balladen, mal als Americana Künstler und mal als Interpret von Country Music eingeschätzt. Klar, er präsentiert alle diese Stile. Aber Markus Rill steht für viele Musikrichtungen, nur einen gewissen Anspruch müssen sie gewährleisten. Mit dem neuen Album, “Songland“, warten in den 15 Tracks wieder einige Überraschungen auf die Konsumenten. “Fearless“ etwa präsentiert eine feine Gospel Adaption mit Textzeilen wie: „born to be fearless, born to be free.“ Es sind die Texte, die solch ein Album zu einem besonderen Produkt machen. Obwohl die Band, The Troublemakers, eine neue Besetzung aufweist, sind ihre ausnahmslos qualitativ hochwertig eingespielten Instrumentalparts angenehm zurückgenommen. So bleibt die Stimme von Markus Rill im Vordergrund und gibt jedem, manchmal emotional an die Grenzen gehenden, Gefühl rau und authentisch Ausdruck. “Songland“ ist wieder ein Album von Markus Rill & The Troublemakers welches heraussticht, aus den vielen Pop-Musik Alben, die sich mit Einsatz von Steel Guitar oder Fiddle und Banjo den Anschein von Americana oder Country Music geben. Diese Musiker um den Würzburger, der längst seine Ehrungen auch in Nashville bekommen hat, gehen einen anderen Weg. Das Arrangement der Titel auf “Songland“ lässt für viele verschiedene musikalische Vorlieben Raum und dürfte ganz sicher ein breites Fanpublikum finden. Es handelt sich nicht um kommerziellen Einheitsbrei, sondern um ganz fein ausgearbeitete Titel eines der wohl besten Songschreibers in Deutschland. Mit einer besonderen Melancholie geht “Songland“ mit dem Titel “The Great Mystery“ zu Ende. „Wo werde ich hingehen, wer werde ich sein, wen werde ich lieben, wird sie mich lieben, was werde ich finden, was werde ich sehen – das ist ein großes Mysterium.“ Wie ein Ausrufezeichen unterstreicht der letzte Titel die Intension von Markus Rill, die dieses Album wieder so gelungen werden ließ. “Songland“ ist ganz sicher ein Ausflug in das Land guter Musik und feiner Balladen.

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Marty Brown – American Highway
(17.05.2019)

25 Jahre sind vergangen, bis sich Marty Brown wieder in ein Aufnahmestudio begeben hat. Was war da los? Der Mann aus Kentucky ist ein bekennendes Landei. Dass er mit dem Leben und Lebensentwürfen vieler Menschen in den großen Städten seine Probleme hat, äußerte er immer wieder. Eine Art von Unangepasstheit, wenn man so will, hat bei Plattenbossen eher für Zurückhaltung gesorgt. Marty Brown wuchs in den Tabakfeldern seiner Heimat auf, wo er später auch arbeitete. Die Liebe zur Musik erbte er von seinen Eltern. Besonders seine Mutter lehrte ihn erste Gitarrengriffe und etliche Songs, die sie besonders gern und häufig sang. Kein Wunder, dass sich aus seiner Biografie entnehmen lässt, dass er als seine musikalischen Einflüsse, neben seinen Eltern, Hank Williams, John Denver, George Jones oder Roy Orbison nennt. Aber auch die Musik von Neil Diamond hat es ihm angetan. “American Highway“ ist das fünfte Album von Marty Brown, nachdem die vier Vorgänger nur wenig Aufmerksamkeit erregten. Für die ganz große Karriere hatte es bislang nicht gereicht. Mit den 10 Tracks auf “American Highway“ präsentiert Marty Brown Country Rock oder einfach All-American Singer Songwriter Music. Seine Stärke liegt im Songwriting. So hat er äußerst erfolgreiche Titel geschrieben. “I’m From The Country And I Like It That Way”für Tracy Byrd, “When I Stop Loving You” für Trace Adkins, „It Ain’t Me If It Ain’t You“ für Brooks & Dunn oder „I Pulled A Hank Last Night“ fürWilliam Michael Morgan, sind Beispiele für sein Talent als Songschreiber. Außerdem tourte er z.B. mit Garth Brooks, Alan Jackson oder Hank Williams Jr.. Das Attribut authentisch trifft seine Interpretationen wohl am ehesten. Marty Brown ist kein Gesangsvirtuose. Wenn er aber seine ruhigen Balladen mit tieferer Stimmlage erzählt, ist er absolut hörenswert. Das Album startet mit dem Road Song “American Highway“ und gleich darauf kommentiert er bei “I’m On A Roll (Better Than It’s Ever Been)“, friedlich versöhnt, seine Vergangenheit, in der er so manchen Nackenschlag hinnehmen musste und blickt auf sein heutiges Leben mit Zufriedenheit. Bei “When The Blues Come Around“ lässt er aber doch Gedanken an seine harten Zeiten zu, auf die man am Besten vorbereitet sein sollte. Es steckt überhaupt sehr viel von Marty Brown in den Songs auf seinem Album “American Highway“. Da mussten sicher etliche Emotionen verarbeitet werden. Ehrlicher kann man sich kaum präsentieren. Man sollte die Titel nicht an sich vorbeifließen lassen. Es lohnt sich einmal genauer hinzuhören.

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Brent Moyer – Doing Better Now
(VÖ: 26.04.2019)

Auch abseits der Charts gibt es Musiker und Interpreten, die für die Country Music sehr wichtig sind. Oder vielleicht gerade deshalb. Musiker, deren Hauptanliegen gute Musik ist, haben es bisweilen schwer eine verdiente Anerkennung zu bekommen. Das trifft auch auf Brent Moyer zu, der seit über 30 Jahren als Interpret, Songschreiber und Produzent arbeitet. Sein exzellentes Gitarre Spiel garantiert ihm und den Fans stets ein hohes Niveau in seinen Songs. Auf seinem neuen Album, “Doing Better Now“ hat er sich bei 10 der 12 Songs Co-Autoren ins Boot geholt. Illustre Namen wie Joe Collins, John Hadley oder Thomm Jutz liest man da. Letzterer, bestens bekannt als der Ausnahmegitarrist aus dem Badischen, der in Nashville als Produzent arbeitet und sich nicht nur im Bluegrass einen geachteten Namen gemacht hat, steuert mit “Just To See The Other Side“ einen Americana Titel aus seiner Feder bei. Das Album beginnt mit einem fließenden Country Song, der aus einer Vergangenheit grüßt, als Rock und harter Sound noch in weiter Ferne lagen. Gleich darauf erklingt mit “Stop Boudé“ eine Cajun Music und mit “Broke A Lot Of Mirrors“ ein Storytelling Honky Tonk. “Lawrenceburg“ könnte eine Titelmusik für einen Cowboyfilm sein. Sein Synonym, The Global Cowboy, hat sicher damit zu tun, dass er sich in seiner langen Karriere sehr oft in die weite Welt getraut hat. So produziert er schon lange beim Schweizer Label Brambus Records und seine aktuelle Tour findet auch überwiegend in der Schweiz statt. Auf dem Titelsong “Doing Better Now“ swingt es vorzüglich und wartet mit feinen Instrumentaleinlagen auf. Mit angenehmer Baritonstimme bringt Brent Moyer bei “Not About Nice“ auch bittere Erkenntnisse, von einer Jazztrompete eingerahmt, leicht verdaulich zu Gehör. Ein Beispiel für feines Gitarre Spiel ist der Titel “Snowblind“, der in ein mexikanisches Arrangement gekleidet ist und mit dem Saxophon von Jay Patton zur Weltmusik mutiert. Ein Highlight des Albums. Der über 70-jährige Brent Moyer hat der Musikwelt ganz sicher noch viel zu geben. Beim letzten Titel, “Love And Laughter“, ist der, mit brüchiger Stimme vorgetragene, Teil schon zu Ende, als sich noch einmal ein feines Gitarre-Outro anfügt und das Album wunderbar ausklingen lässt. “Doing Better Now“ ist ein wirklich “gut gemachtes“ Album von hoher Qualität.

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George Strait – Honky Tonk Time Machine
(VÖ: 29.03.2019)

Es ist schon 5 Jahre her, seit George Strait mit der “The Cowoy Rides Away Tour“ seinen Bühnenabschied beging. Der Musik wollte er aber treu bleiben und legte folglich weitere Alben auf. Nach nunmehr drei Jahren folgt mit “Honky Tonk Time Machine“ eine neue Produktion des Country Stars, der Superlativen sammelt wie kaum ein anderer. Sage und schreibe über 60 Nummer Eins Hits, sagenhafte Zuschauerzahlen bei seinen Konzerten und die Tatsache, dass er seit seinem ersten Charteintrag mit der Single “Unwound“ aus 1981 beinahe 40 Jahre als Top Act der Country Music gilt. Sein Stil ist texanisch geprägt und bedient, wie auch im neuesten Album, den Honky Tonk wie auch die ruhigen Balladen. George Strait ist sich stets treu geblieben und die Fans können sich auf ihn verlassen. 13 Titel, bei den meisten hat George Strait als Co-Autor mitgewirkt, bieten den Fans der eher traditionell angelegten Country Music wieder ein feines Album. Mit der Single “God And Country Music“ will George Strait wieder ganz nach oben. Ob das gelingt? Es ist so ein vertracktes Ding mit der Gunst der Konsumenten. Hat man einmal seinen schrittweisen Rückzug verkündet, wird es zunehmend schwerer als aktueller Star präsent zu bleiben. Früher konnten die Plattenverkäufe für volle Konzerthallen sorgen. Heute ist es eher umgekehrt. Insoweit hat George Strait seinen “Abgang“ vorbereitet. Oder etwa nicht? Schon füllt er doch wieder Stadien mit der aktuellen “Strait To Vegas“ Show. Der Rücktritt vom Rücktritt? Bei der Qualität von George Strait selbst und seinen Songschreibern wie Dean Dillon oder Sohn Bubba Strait klingt, swingt und schmeichelt es wie eh und je. Wenn “Take Me Away“ die Hörer zum Two Step im Texas Honky Tonk auffordert oder bei der Stroytelling Ballade “The Weight Of The Badge“ an die Menschen erinnert, die für die Gemeinschaft Gesundheit oder gar das eigene Leben riskieren, sind die Hörer mitten im Herz der Country Music angekommen. Selbst die aufpolierte Version von “Old Violin“, das einst Johnny Paycheck unter die Top 25 brachte, ist eine ganz feine Ergänzung des Albums “Honky Tonk Machine“. Obwohl der Sound und die Interpretation von George Strait den Fans so präsent und vertraut erscheint, gibt es immer wieder besonders gute Titel zu entdecken. So auch diesmal. Der Mittsechziger kann der Country Music ganz sicher noch einige Jahre wertvolle Beiträge hinzufügen. Den Abschluss bildet “Sing One With Willie“, eine Walzerversion, die an solche Heroen wie Merle Haggard, Waylon Jennings oder Johnny Cash erinnert. Das einzigartige Gitarre Spiel von Willie Nelson kündigt den Altmeister schon lange an, bevor er selbst einen Gesangspart übernimmt. “Honky Tonk Machine“ ist ein wertvolles Album und unterstreicht erneut die große Klasse von George Strait.

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Clay Walker – Long Live The Cowboy
(VÖ: 21.01.2019)

Er sei nun endlich bei sich angekommen. Das lässt Clay Walker zur bevorstehenden Veröffentlichung seines Albums “Long Live The Cowboy“ verlauten. Es war sehr ruhig um ihn geworden. Sein letzter Charteintrag stammt aus dem Jahr 2012 und sein letztes Album “She Won’t Be Lonely Long“ sogar aus 2010. Mit den 11 Songs auf dem neuen Longplayer will Clay Walker an die zeitgenössische Spitzengruppe der Country Music Anschluss finden. Man merkt dem Album an, dass hier mit aller Macht der Zeitgeist beschworen wird. Doch wie man aus einem Arbeitspferd kein Rennwunder machen kann, so ist das auch mit Clay Walker. Die Kiekser in seiner Stimme sind reifer und auch weniger geworden. Aber den modernen Cowboy muss man ihm nicht unbedingt abnehmen. Gerade von ihm, der seine Nummer Eins Erfolge in den Jahren 1993 bis 1997 hatte und mit “Rumor Has It“ oder “This Woman And This Man“ durchaus herausragende Titel platzierte, erwartet man keine Rock Country oder Bro Country Music. Das passt einfach nicht. “Little Miss Whiskey“ ist so ein wenig überzeugender Versuch ganz hypermodern zu erscheinen. Dabei ist Clay Walker immer dann richtig gut, wenn er seine Balladen wie “Napkin“ oder “Workin‘ On Me“ vorträgt. Doch auch ein Uptempo Song kommt richtig gut. “Makes Me Want To Stay“ hat einen treibenden Groove und ein modernes aber gut abgestimmtes Arrangement. Mit “Love Is Like The Rain“ endet das Album und da ist er gut herauszuhören, der Clay Walker, der keine Stimmakrobatik braucht und dennoch seine Inhalte eindringlich präsentiert. Die Verwandlung in einen Rocker steht ihm nicht und seine Fans lieben ihn für das, was er seit eh und je gut kann. Mit “Long Live The Cowboy“ hat der fast 50-jährige Texaner ein Album vorgelegt, welches einige irritierende Titel aufweist, aber letztlich zu einem versöhnlichen Gesamteindruck führt.

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Detentions – Yes It Is
(VÖ: 11.01.2019)

Der Name der Formation Detentions bedeutet frei übersetzt: Nachsitzen. Dan Sullivan und Chris Hillier sind beide Lehrer und so lag der witzige Name sicher nahe. Nachdem die beiden ihre Gemeinsamkeiten in der Vorliebe für Musik entdeckten, führte ihre Zusammenarbeit 2010 schließlich zu ihrem ersten Album “Rockamole“. Nun haben sie ihr fünftes Album am Start. “Yes It Is“ ist erneut geprägt durch die unaufgeregten Arrangements, die feinen Balladen und klaren Texte. Das ist Singer/Songwriter Music vom Feinsten. Eine Mischung aus Country/Rock/Coastal und Americana bilden das musikalische Gerüst für die Music von The Detentions. Die beiden Musiker beschreiben ihre musikalischen Einflüsse von Kiss, The Police über The Beatles über Singer/Songwriter Jim Croce, Gordon Lightfoot und John Mellencamp bis Robert Earl Keen, James McMurtry, Jerry Jeff Walker und Walt Wilkins. Bei solch einer Bandbreite ist für verschiedenste Unterhaltung gesorgt. Mal locker und flockig, mal ganz ruhig und besinnlich bis zu eher fröhlichen Titeln reicht das Angebot. Nach “nur“ 10 Titeln ist Schluss und man hätte gern noch mehr gehört. Vielleicht sollte man mal in den Vorgängeralben stöbern. Auf jeden Fall heben sich The Detentions wohltuend vom Radio Play ab. 

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Thomm Jutz, Eric Brace, Peter Cooper – Riverland
(VÖ: 8. Februar 2019)

Ein neues Konzeptalbum des herausragenden Gitarristen und hoch geachteten Produzenten Thomm Jutz, der diesmal mit den Kollegen Eric Brace und Peter Cooper kollaboriert, nimmt auf den 14 Tracks Bezüge zu bestimmten Büchern, die mit dem Thema Mississippi umgehen. Ob Mark Twain, Willie Morris oder William Faulkner, die literarischen Vorlagen handeln entweder vom großen “Old Man River“ oder vom Bundesstaat Mississippi, vor allem aber von den Menschen im Süden der USA entlang des gewaltigsten Flusses Nordamerikas. Thomm Jutz sagte hierzu: „Die amerikanische Musik ist so stark beeinflusst durch den Staat Mississippi und durch den Fluss, dass daran keiner vorbeikommt, der sich für amerikanische Musik interessiert“. Grandiose Ideen des Produzenten, Gitarristen, Songschreiber und Harmoniesänger Jutz, die Geschichte und Geschichten des Mangolia State musikalisch aufzuarbeiten. Die große Flut, der Bürgerkrieg, Rassenproblematik oder ganz einfach die Heimat des Blues, das sind unerschöpfliche Themen, die ja auch die genannten Literaten beeinflusst haben. Die Kollegen Eric Brace und Peter Cooper sind sozusagen die Frontmänner des Projektes. Schon mit dem ersten Titel, “River City“, wird deutlich, dass es hier um wunderbar behutsam arrangierte und eingespielte Musik geht. Gitarre Spiel wie seichte Wellen des Mississippi, begleitet von sanft durchdringenden Bassklängen, die andeuten, dass der große Fluss auch wild und gefährlich sein kann. Da widmen sie einen Titel Mike Fink, Beiname “King Of The Keelboat Men“, dem Raubein und legendären Flussschiffer, der mit den Kielbootseglern auf dem Mississippi unterwegs war. Aber mit “To Be A Steamboat Man“ geht es um die modernere Technik der Dampfschifffahrt. Mit der besinnlich fließenden Ballade “Mississippi Rest My Soul“ endet das “Riverland“. Mit diesem Album zeigen Eric Brace, Peter Cooper und Thomm Jutz eine ganz eigene, besondere Seite von Musik aus dem Süden der USA. Lässt man sich darauf ein, öffnet sich der Blick auf die Gemeinsamkeiten, die Menschen dort wie hier miteinander verbinden. “Riverland“ ist ein Album für Liebhaber echter, handgemachter Singer/Songwriter Music vom Feinsten.

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Joe Nichols – Never Gets Old – Traditional Country Series
(VÖ: 31. August 2018)

Ein Projekt, welches auf einer außergewöhnlichen Idee beruht, ist von Joe Nichols 2018 auf den Weg gebracht worden. Der Sänger aus Arkansas, dessen Karriere 2002 mit seinem Hit “Brokenheartsville“ so richtig durchstartete, kam wohl 2017 nach seinem Album “Never Gets Old“ auf die Idee, jeden Monat eine Coverversion alter Hits seiner musikalischen Vorbilder zu veröffentlichen. Dazu jeweils ein extra produziertes Video. Die EP “Never Gets Old – Traditional Country Series“ beginnt mit dem Song “Good Ole Boys Like Me“, der einst für Don Williams ein Top 2 Hit war. Weiter geht es mit “The Rose Is For Today“ (No. 70 der Billboard Charts 1981 für Jim Chesnut). Eine ganz ruhige Version des Merle Haggard Klassikers “Sing Me Back Home“ schließt sich an. Ein Ronnie Milsap Titel, “There’s No Gettin‘ Over Me“ aus dem Jahr 1981 und “Ten Feet Away“ von Keith Whitley sind Titel 4 und 5, bevor mit “Choices“ vom Altmeister George Jones und aus der Feder von Billy Yates die Hommage an diese Künstler und an diese tollen Titel endet. Eine feine Auswahl, die von Joe Nichols auf seine eigene Art interpretiert wurde und vielleicht gerade deshalb keineswegs verstaubt daherkommen. Gerne mehr davon.

Manfred Hesse