Hier werden, wie vormals im Print-Magazin, verschiedenste CDs vorgestellt.

Soweit nicht anders genannt, alle Reviews von Manfred Hesse

 

 

CD Besprechungen - Inhaltsverzeichnis

BaCoN – Sizzling at the Rattlesnake Saloon

(VÖ: 2019)

Diejenigen Fans, die am 13.1.2019 im Münchner Rattlesnake Saloon zu Gast waren, erlebten eine gigantische Party und sie haben wahrscheinlich fieberhaft darauf gewartet, dass die versprochene CD mit dem Mitschnitt dieses Abends erscheint. Damals gab sich das Trio BaCoN die Ehre, das sind die beiden Sänger und Songschreiber Jeffrey Backus aus Landshut und Jesse Cole aus Berlin sowie ihr Partner Nick Nolte aus Burgthann (nicht zu verwechseln mit dem Schauspieler) am Cajon die Ehre. Weil Jesse an dem Tag Geburtstag hatten, wollten die drei etwas ganz besonderes daraus machen und luden sich noch drei namhafte Musikerkollegen ein: Achilles Kuhn an der Steel Guitar, Steiger Mich´ am Banjo (beide aus der Oberpfalz) sowie den Bassisten Jim Klopfenstein, den man in der Münchner Szene sicher nicht vorstellen muss. Da wurden eine Reihe herrlicher Country-Klassiker zelebriert, doch auf die nun erschienene CD packte man ausschließlich die Songs, die Jeffrey und Jesse selbst geschrieben haben. Jeder der beiden hat etwa die Hälfte dieser 15 Titel beigesteuert. Das sind Songs mitten aus dem Leben gegriffen und die klingen einfach traumhaft schön. Wir können sie hier nicht alle aufzählen, aber einer der schönsten dürfte „Love Ain´t Easy“ aus der Feder von Jesse sein, der klingt so ein wenig nach Eagles. Bewundernswert, wie die drei Gastmusiker hier mit den Solisten harmoniert haben, obwohl sie die Songs nie zuvor einstudiert hatten. Dass auch der Humor nicht zu kurz kommt, wenn eine solch illustre Band auf der Bühne steht, versteht sich von selbst und selbst das kommt auf der CD rüber. Siehe die trockenen Kommentare von Steiger Mich´ im Hintergrund, sowie das Gelächter der Gäste. Ein Song ist dabei, den Jesse und Jeffrey nicht selbst geschrieben haben: „I Ain´t Your Milkin´ Cow“ stammt von Gus Backus, Jeffrey´s berühmtem Vater. Keinen konnte ahnen, dass Gus nur etwa einen Monat nach diesem Konzert für immer von uns gehen würde. Und einen vortrefflichen Song gibt es, den Jesse und Jeffrey zusammen verfasst haben: „I Ain´t Nothing Serious“, da geht´s um eine gesunde Portion Selbstironie. Seinen schönsten Song „The Cropduster“ hat sich Jeffrey für den Schluss aufgehoben. Diese CD ist etwas ganz besonderes und sollte in der Sammlung eines echten Country-Fans nicht fehlen. Review: Jürgen Stier

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Tim Grimm – Heart Land Again

(VÖ: 27.09.2019)

Im Jahr 2000 hatte Tim Grimm sein Coming Out mit dem Album “Heartland“. Nun fast 20 Jahre später, legt er die Songs von damals neu auf. Diesmal aber mit seiner Family Band. Das sind seine Ehefrau Jan Lucas Grimm und den beiden Söhnen Connor und Jackson. Tim Grimm gehört seit Jahren zu den besten Interpreten der American Folk Music und hatte mit der Familie bereits in 2017 mit “A Stranger In This Time“ ein Projekt am Start. Wird er auch als Folk Music Hero gefeiert, er ist oft mehr “Country“ als mancher Interpret der Neuzeit, der sich diesem Genre zugehörig fühlt. Außerdem ist der Folk von Tim Grimm oftmals ein flotter, rhythmischer, ja sogar tanzbarer Folk. Daneben stehen aber auch so wunderbare Balladen wie “Better Days“, die fast mit Erzählstimme vorgetragen sind und über ein wundervoll gefühlvolles Arrangement verfügen. Laid Back total. Das muss man erst einmal sacken lassen. Da lässt ein Musiker seine 20 Jahre alte Musik in neuem Gewand erstrahlen und ist dennoch ganz, ganz weit vom Mainstream entfernt. Das erfordert Mut und vor allem Liebe. Liebe zu dieser Musik und zu den Menschen des Heartland von denen Tim Grimm seine Stories “geborgt“ hat. In den ländlichen Gebieten, in denen die Menschen oftmals sehr hart arbeiten müssen um ihren Lebensunterhalt zu sichern, gibt es besondere Sichten auf das Leben. Hier zählen andere Dinge wie Konsumzwänge und überhebliches Imponiergehabe. Hier geht es um Verlässlichkeit, um Geradlinigkeit und Ausdauer. Dass daneben aber auch Freude am Leben entsteht, davon erzählt Tim Grimm. Mit zwei neuen Titeln hat er sein Album “Heart Land Again“ ergänzt. Überwiegend ist das Arrangement der Songs auf die feinen akustischen Gitarrenriffs gegründet und sorgen für ein besonderes Hörvergnügen. Wer möchte da eine Grenze zwischen Country und Folk Music ziehen? Völlig egal. Wer Tim Grimm von damals verpasst hat, sollte hier ganz sicher einmal mit Freude zuhören. Welch eine Freude muss Tim Grimm selbst haben, mit seiner Familie das zu tun, was ihm am meisten Spaß macht. Musik.

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Eric Paslay – Live In Glasgow

(VÖ: 20.09.2019)

Eric Paslay machte 2011 auf sich aufmerksam, als er erstmals in den Top 50 auftauchte. Zwei Jahre später hatte er eine Nummer Zwei mit dem Titel “Friday Night“. Beim Mitschnitt seines Livekonzertes in Glasgow, anlässlich seiner Europa Tour 2019, fehlen seine Hits wie “Song About A Girl“, “Friday Night“ oder “She Don’t Love You“ natürlich nicht. Ganz sicher hat Eric Paslay Country Music in die Wiege gelegt bekommen. Als Interpret der Neuzeit, widmet er sich allerdings oft den fetzigen, rockigen und leider auch Mainstream Musiken, mit denen die Charts erobert werden und mit denen man Hallen füllen kann. Klar, dass jede Menge Begeisterung der schottischen Fans auf dem Live Album “Live In Glasgow“ zu hören ist. Der Texaner unterhielt sein Auditorium zwischen den Titeln humorvoll und dennoch auf den Punkt zeigend. Wie es oft bei Livekonzerten ist, dauern manche Titel inklusive der Anmoderation schon mal locker über 5, manchmal über 6 Minuten. Titel 4 auf dem Album, zeigt bei der Trennungsballade “Amarillo Rain“ einen gefühlvollen und gleichzeitig unglaublich engagierten Sänger und Interpreten. Da ist jede der über 5 Minuten ein Genuss. Auf einmal passt das bombastische Arrangement wie Deckel auf Topf. Angenehm seine Moderation, dass Musik ein verbindendes Element in der ganzen Welt ist. „Egal welche Flagge du schwenkst. Es kommt darauf an, was du im Herzen empfindest.“ In einer Liveshow gelingen auch Experimente wie Songs zu verbinden, wie der Track “Here Comes Love/On The Road Again“ beweist. Der Wechsel zwischen soliden Balladen und den modernen Rock Country Stücken, haben ganz sicher das Konzert in Glasgow zu einem Erlebnis werden lassen. Das Album zum Konzert gibt einen Eindruck davon und macht neugierig auf Eric Paslay und was da noch alles zu erwarten sein wird.

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Kevin Daniel – Things I Don’t See

(VÖ: 20.09.2019)

Nach zwei EPs, mit denen Kevin Daniel vorsichtig in das Business startete, erschien nun mit seinem Album “Things I Don’t See“ der erste Longplayer. Dabei ist Musik seit früher Kindheit zu einem Lebensmittelpunkt für den Mann aus North Carolina geworden. Seine EP “FLY“ entstand allerdings aus einer tragischen Wende in seinem Leben, als er erfuhr, dass seine Mutter und Stiefvater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Kevin Daniel schrieb daraufhin etliche Titel, um das Erlebte zu verarbeiten. Bis dahin hatte er in zwei Quartetten mitgespielt, in vier Hochschulorchestern, zwei Jazz und Blue Bands, einer Bluegrass Band, einer Punk Ska Gruppe Musik gemacht und als Tenor in einer A Capella Band gesungen. Seine Fähigkeiten als Multiinstrumentalist waren dabei in jeder seiner Bands hochgeschätzt. Weil Kevin Daniel über so viele verschiedene Einflüsse zu seinem ersten Studioalbum kam, wird seine Musik am ehesten mit Americana beschrieben. Wenngleich seine Balladen ganz gut in das Genre Country Music passen. Er hat was zu erzählen und er tut dies sehr eindringlich. Mit Arrangements, die eigenwillig, rockig und dann wieder in Kombination z.B. mit breitem Raum für eine Pedal Steel daherkommen. Mit einer sehr einprägsamen Stimme, die über ein Vibrato verfügt, dringt Kevin Daniel in die Ohren. Titel wie “22“, bei welchem Celli einen Song begleiten, der eigentlich eine Country Music Instrumentierung fordert oder “Xanax, Cocaine & Whiskey“, der als ein Honky Tonk Waltz eingespielt wurde, zeigen, dass auch sein Verständnis vom Geschichtenerzählen von seichten Mainstream Balladen weit entfernt sind. Immer wenn man geglaubt hat, der gerade erklingende Song ist klar, hat Kevin Daniel eine kleine Überraschung im Arrangement im Ärmel. Nach 11 Tracks überlegt man unwillkürlich was man eigentlich gehört hat. Auf jeden Fall ein sehr interessantes und anspruchsvolles Album, welches viel mehr Country in seinem Americana beinhaltet. Da hat das Zuhören richtig Spaß gemacht.

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Home Free – Dive Bar Saints

(VÖ: 06.09.2019)

Kaum jemand wird bezweifeln, dass Home Free zurzeit die beste A Capella Formation ist, die sich (nicht ausschließlich) mit Country Music befasst. Sind auch ihre Charterfolge eher zu vernachlässigen, haben die fünf Musiker seit dem Jahr 2000 für jede Menge Aufmerksamkeit gesorgt. Dabei haben einige Wechsel in der Besetzung von Home Free stattgefunden. Vor allem ein Bass Sänger war nicht leicht zu finden, der ins Konzept und die Harmonien passte. Es ist immer wieder frappierend, was die Sänger und der für das Beatboxing zuständige Vokal Perkussionist aus ihren Songs herausholen. Mit dem Album “Dive Bar Saints“ legen Home Free ein Produkt vor, das sie diesmal ganz allein verantworten. 12 Titel, die hier und da auch mit instrumentaler Begleitung arrangiert wurden, wirken wie eh und je durch die fantastischen Harmoniegesänge und die kleinen Überraschungen, die immer mal wieder eingebaut sind. Neu auch, dass es sich bei den Titeln auf “Dive Bar Saints“ nicht nur um Cover Songs handelt. Gerade Tim Foust (der mit dem unglaublichen Bass) schrieb bei etlichen Titeln mit. Foust brachte auch wesentlich mehr Country in das Repertoire von Home Free. Allein dem Tenorsänger Rob Lundquist zuzuhören ist ein Genuss. Wenn Home Free den Vince Gill Titel “Go Rest High On That Mountain“ vortragen, der plötzlich in ein “Amazing Grace“ mutiert, kommt die Klasse des Arrangements zutage. Home Free eben. Zum Schluss des Albums “Dive Bar Saints“ räumen Home Free mit den Ressentiments gegenüber der Hymne “Take Me Home, Country Roads“ auf und präsentieren eine sowohl respektvolle als auch eigenständig interpretierte Coverversion. Sicher auch mit einem Augenzwinkern. Die Fans müssen nicht fürchten, dass Home Free sich allzu weit von ihren wunderbaren A Capella Fähigkeiten entfernen werden. Das ist große Kunst.

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Jenny Anne Mannan – Carnies & Cowboys

(VÖ: 03.09.2019)

Nach ihrem Album “Saints & Sinners“ aus dem Jahr 2012 mussten erst 7 Jahre vergehen, bis von der charismatischen Multiinstrumentalistin Jenny Anne Mannan ein neues Studioalbum erschien. “Carnies & Cowboys“ heißt das Werk und bietet mit seinen 12 Tracks jede Menge feiner Musik. Jenny Anne Mannan, die mit der Familie Watkins, dem damaligen Rückgrat der Nickel Creek Band, eng verbunden ist, ist selbst eine mehrfach ausgezeichnete Fiddlerin und mit verschiedenen Formationen im Bluegrass zuhause. Solo Projekte dürfen deshalb auch durchaus einmal von Pop Country beeinflusst sein. „Meine Musik ist die Tochter von Texas Fiddling und der Familie Bluegrass; das Stiefkind des Rock’n’Rolls; die Nichte von Old Country, Gospel und Whiskey; die Enkelin von Mountain Old Time Music.“ So beschreibt Jenny Anne Mannan ihre musikalische Ausrichtung. So vielfältig sind auch die Titel ihres Albums “Carnies & Cowboys“. Sie transportiert ihre Songs mit einer einprägsamen Stimme, die trotz des einen oder anderen Wacklers sehr klar und dominant ist. Country Music ihrer eigenen Art traut sich die Sängerin aus dem US Bundesstaat Washington zu präsentieren. Fest auf Old Time Tunes gegründet, sind ihre Songs aber dennoch frisch und scheinen aus der Zeit gefallen zu sein. So überwiegen auch die Balladen, die tatsächlich als Enkel der Mountain Old Time Music gelten können. “Lead Me To The Gallows“ oder “Prepare For Me A Place“ sind solche Beispiele. Auch die Spieldauer der meisten Songs liegt über 4 Minuten, bei “100 Ways To Beat The Blues“ sogar bei 6:32 Minuten. Damit das Album nicht zu balladesk ausfällt, hat Jenny Anne Mannan mit “Tattoos“ und “The Road“ etwas flottere Rhythmen eingeflochten. Es bleiben dennoch Balladen und das ist gut so. “Carnies & Cowboys“, der Titel erschließt sich im letzten Song, “Minnesota State Fair“, einer Ballade um das Geschehen dieser Veranstaltung. Das Album “Carnies & Cowboys“ von Jenny Anne Mannan ist außergewöhnlich und, weil richtige Country Music, absolut empfehlenswert.

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Trisha Yearwood – Every Girl

(VÖ: 30.08.2019)

Als Trisha Yearwood sich 2018 einen lang gehegten Wunsch erfüllte und mit “Let’s Be Frank“ ein Tribute Album an den großen amerikanischen Sänger und Entertainer Frank Sinatra aufnahm, war ihre Fangemeinde zunächst irritiert. Aber mit ihrer Stimme, die sehr wohl auch mit einem großen Orchester beeindruckt, konnte Trisha Yearwood beweisen, welch gute Interpretin sie ist. Davor war sie über 10 Jahre abstinent, was Veröffentlichungen von Studioalben anbetrifft. Nun gibt es wieder einen Longplayer von ihr. Was dürfen die Fans von dem Album “Every Girl“ erwarten? Mit 14 Songs gibt es jede Menge Musik von einer der erfolgreichsten Interpretinnen der Country Music schlechthin. Wenn es mit “Workin‘ On Whiskey“ losgeht, ist augenblicklich klar, dass hier wieder die Trisha Yearwood am Start ist, auf die man so lange warten musste. Kraftvoll und eindringlich klingt sie, wie eh und je. Yeah. Gleich danach erklingt ein Popsong, der jedem Musical entsprungen sein könnte. Na ja. Doch schon mit der, Piano begleiteten, Ballade “Home“ werden die Hörer wieder versöhnt. Trisha Yearwood kann aus solch einem Material eine Country Ballade machen. Der Titel “Every Girl In This Town“, der dem Album den Namen gab, ist wieder eine typische Trisha Yearwood Ballade. Mit unglaublicher Power vorgetragen, singt sie vom Erwachsenwerden junger Mädchen und hat diese Zielgruppe klar im Blick. Und es geht weiter mit den “Yearwood-Balladen“. Bei “What Gave Me Away“ darf Gatte Garth Brooks ein wenig unterstützen, obwohl das gar nicht nötig wäre. “Something Kinda Like It“ lässt Raum für tolle Instrumente und hat Speed. Gleich darauf wird es bei “When Lonely Calls“ wieder sehr getragen, bevor mit “The Matador“ die vielleicht schönste Ballade des Albums “Every Girl“ erklingt. Gänsehaut garantiert. Das setzt sich auch bei “Bible And A 44“ fort, der Ballade über den Vater, mit Patty Loveless in den Harmony Vocals. Das Duett mit Don Henley, “Love You Anyway“ beschließt dieses großartige Album. Endlich ist sie wieder da. Die Trisha Yearwood, die Country Music und vieles mehr so unglaublich intensiv darbieten kann. Wow.

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Riley Green – Different `Round Here

(VÖ: 20.09.2019)

Riley Green, Singer/Songwriter aus Alabama, legt mit “Different `Round Here“ sein Debutalbum vor. Mit der bereits 2018 erfolgreichen Single “There Was This Girl“ beginnt das Werk mit einer Hymne auf ein besonderes Mädchen. Aber gleich mit den nächsten Titeln “Different `Round Here“ und “Same Old Song“ macht Riley Green deutlich, dass er in den Klischees des Lebens eines echten Südstaatlers verhaftet sein will. Fischen, Jagen, Trinken, Kämpfen, Trucks und so weiter. Aus diesen Songs tropft der amerikanische Nationalismus pur. Die Verherrlichung von Red, White and Blue schlechthin. Musikalisch ist das in moderne, rocklastige Gitarrenriffs verpackt und somit dem Zeitgeist angepasst. Wenn Riley Green in Erinnerung an seinen Großvater, Bufford Green, die feine Ballade “I Wish Grandpas Never Died“ stellt sich eine nachdenkliche Stimmung ein. Der Mittelteil des Albums ist dann auch wesentlich ruhiger als der Beginn. Na also, geht doch und moderne Country Music erklingt. “Bettin‘ Man“, “Numbers On The Cars“ etwa oder “Break Up More Often“ zeugen davon. “Different `Round Here“ ist mit 14 Titeln üppig ausgefallen. Allerdings klingen einige Songs aber sehr ähnlich und Inhalte werden ebenfalls mehrfach strapaziert. Aber das Werk ist keineswegs langweilig. Hier und da, hätte weniger Arrangement und weniger Gitarreneinsatz den Songs besser getan. Nach vier Wochen in den Alben Charts und der Spitzenplatzierung 11, geht es stetig abwärts mit “Different `Round Here“. Von diesen Alben gibt es mehr als genug.

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T.G. Sheppard – Midnight In Memphis

(VÖ: 20.09.2019)

Die letzte Nummer Eins von T.G. Sheppard war vor über 30 Jahren mit “Strong Heart“. Dabei hatte es 1974 mit seiner ersten Top Platzierung, “Devil In A Bottle“ vielversprechend begonnen. Tatsächlich hatte T.G. Sheppard zwischen 1974 und 1986 immerhin 14 Nummer Ein Hits. Sein letztes Album, “T.G. Sheppard & Friends“ stammt aus dem Jahr 2015. Nun hat der 75-jährige Mann aus Humboldt, Tennessee, mit dem Album “Midnight In Memphis“ ein neues Projekt am Start. Wie der Titel vermuten lässt, darf der größte aller Interpreten der populären Musik, Elvis Presley, hier gewürdigt werden. Mit seinem Song “I Wanna Live Like Elvis“ geschieht dies gleich zu Beginn des Albums. Dass T.G. Sheppard immer noch ein großer Interpret ist, beweist er Song für Song. Ist seine Stimme auch nicht mehr ganz so gewaltig und wackelt hier und da, seine Ausstrahlung ist beeindruckend. 13 Titel, von denen viele die vier Minutengrenze überschreiten, hat er auf dieses Album gepackt. Vor Cover Songs wie “Black Coffee“ schreckt er auch nicht zurück. Was besticht, ist die klare Aufnahme seiner Stimme, so dass man den Texten leicht folgen kann. Ja, T.G. Sheppard ist ein Vertreter der Country Music längst vergangener Zeiten auch wenn die Produktion dieses Album mit jeder Menge Computer Schnick-Schnack versucht, ein modernes Outfit zu kreieren. Vor allem die wenig intelligenten Drums stören oft. Es ist immer wieder schön, dass Country Music Interpreten auch in fortgeschrittenem Alter stattfinden können. Gerade sie haben ja oft eine Menge zu vermitteln. Klar, dass hier nur Fans die Ohren öffnen, die noch wissen, was eine Wählscheibe ist. “Midnight In Memphis“ ist sicher kein Jahrhundertwerk aber eine liebenswerte Begegnung mit einem beinahe in Vergessenheit geratenen Künstler. Wenn das Album mit “The Day Elvis Died“, ist nicht nur der Kreis um Memphis geschlossen. Es lässt leider auch die Gewissheit zurück, dass alle einmal gehen müssen. T.G. Sheppard sei ein langer und erfüllter Lebensabend gegönnt.

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The Grascals – Straighten The Curves

(VÖ: 20.09.2019)

Nashville scheint nun nicht gerade das Zentrum der Bluegrass Music zu sein. Dennoch kommt eine der hochdekoriertesten Formationen dieses Genres aus der Music City USA. The Grascals, nun auch schon 15 Jahre am Start, wurden zuletzt als Band mit dem Preis für die beste Instrumental Gruppe vor der Society of the Preservation of Bluegrass Music of America geehrt. Zudem bekam das Bandmitglied Kristin Scott Benson zum wiederholten Mal den Titel Banjo Performer Of The Year. Da sind mit ihr 5 weitere Kollegen Garanten für exzellente Musik. So auch wieder auf dem neuen Album “Straighten The Curves“. The Grascals verstehen es, traditionellen Bluegrass so aufzuarbeiten, dass auch modernerer Musik zugetanen Fans begeistert zuhören. Der Satzgesang, die herausragende Instrumentenbeherrschung und nicht zuletzt die Songauswahl und deren Mischung machen aus einem Album wie “Straighten The Curves“ einen besonderen Genuss. Immer mal wieder erklingen Songs, die zunächst gar nicht recht in den Bluegrass passen wollen. Die Ballade “They Laughed“ ist solch ein Beispiel. Da dürfen die Highspeedplayer einmal ausruhen und eine ruhige Laid Back Melodie vortragen. Der alte Eddie Rabbit Knaller “Drivin‘ My Life Away“ bekommt in der Version von The Grascals ein neues Gewand. Und einem der größten Blue Collar Artists, Merle Haggard, setzen sie mit dem Titel “Haggard“ ein musikalisches Denkmal. Mit dem Instrumental “AndiWayne“ führen die Grascals die Hörer wieder in die Gefilde der akustischen Akrobatik zurück. Mit “What Does God Look Like“ folgt eine Ballade, die mit den wunderbaren Möglichkeiten der tollen Instrumentierung spielt. So wechseln Hardcore Bluegrass Stücke mit Gospel Songs oder an Country Music angelehnten Bluegrass ab. Die Mischung der 12 Titel macht die Attraktivität des Albums “Straighten The Curves“ aus. Von solch intelligenter und liebevoll eingespielter Musik darf es jederzeit mehr sein.

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Lakeside – Moving On

(VÖ: 13.09.2019)

Sonntagmorgen und den Besuch der Kirche verpasst? Kein Problem. Das neue Album der Gospel/Bluegrass Formation Lakeside in den Player und den 11 Songs lauschen. Da ist soviel Glaube, Hingabe und Demut enthalten, dass es einem Kirchenbesuch beinahe gleichkommt. Was die beiden gesetzten Herren Jackie Cummings (bass, lead/harmony vocals) und Greg Blankenship (mandolin, lead/harmony vocals) ihren wesentlich jüngeren Bandkollegen Lucas Blankenship, John Robert Freels und Walt Williamson beibringen konnten, ist akustische Musik auf hohem Niveau. Durch und durch dem christlichen Leitfaden verpflichtet, ist das Album “Moving On“ speziell dem Gospel Genre entnommen. “I Saw The Light“, “Trusting The Grace“, “A Sinners Prayer“ oder “Power In His Name“ zeigen im Titel schon, worum es geht. Beinahe nebenbei erklingen die akustischen Instrumente in feinster Qualität. Was als Familienunternehmen, The Gospel Bluegrass Boys aus Madisonville, Tennessee, begann, wurde zur Formation Lakeside weil sich einige Bandbesetzungsänderungen ergaben. “Moving On“ ist ein berührendes Album. Man darf solch ein Album nicht zerreden, ob man nun gläubig ist oder nicht. Selbst für eher weniger gläubige Hörer ist diese Musik ein wohltuender Genuss.

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Crystal Gayle – You Don’t Know Me

(VÖ: 06.09.2019)

Mindestens so lang wie ihre beeindruckende Haarpracht ist die Karriere von Crystal Gayle. Im September 1970 hatte sie ihren Charteinstieg mit “I’ve Cried (The Blue Out Of My Eyes), damals ein Platz 23. Nach 16 Jahren Abstinenz hat sie nun mit einem Nostalgie Album “You Don’t Know Me“ wieder einen Longplayer auf dem Markt. Mit dem alten Marty Robbins Titel “Ribbon Of Darkness“ beginnt die Retrospektive. Die folgenden 14 Tracks zelebrieren das Comeback einer Zeit der Country Music, welches heutzutage aus der Zeit gefallen scheint. “Please Help Me I’m Falling“ (Hank Locklin), “Hello Walls“ (Willie Nelson), “There Goes My Everything“ (Dallas Frazier/Jack Greene) und so weiter und so weiter. Etwas störend ist das Low Budget Arrangement, welches mit Computerunterstützung nicht für den nötigen Tiefgang sorgt. Crystal Gayle, die jüngere Schwester von Loretta Lynn, hat die Gene, die ihr ein lebenslanges Können als Sängerin bescheren. Eine reife Persönlichkeit präsentiert hier einen Hit längst vergangener Zeit auf den nächsten. Gut, dass wenigstens ihre Stimme nicht “geschönt“ wurde. Das Feeling für die alten Kamellen hat Crystal Gayle nicht verloren obwohl sie sich ab dem Ende der 1970er Jahre den Crossover Songs in Richtung Pop widmete. Die vielen Klassiker hat man ganz sicher in den Originalen in besserer Erinnerung als in der Interpretation von Crystal Gayle. Bemerkenswert, dass solch ein Album heutzutage eine Chance auf Veröffentlichung hat. Allein das ist aller Ehren wert.

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Zac Brown Band – The Owl

(VÖ: 20.09.2019)

Man muss Zac Brown als Kopf der gleichnamigen Band als einen der herausragenden musikalischen Köpfe der letzten Jahre einordnen. Allerdings möchte man angesichts der tollen Titel, die so wunderbar in die Country Music hineingepasst haben, beim Hören des neuen Albums, “The Owl“, vor Enttäuschung aufschreien. Schon mit dem Album “Jekyll & Hyde“ aus 2015 hatte Zac Brown die Country Music Pfade eigenwillig verändert. Nun mit diesem Werk verlässt er ganz und gar dieses Genre. R&B, Dancefloor Pop, Rock, Rap und Hip-Hop dominieren. Nachdem man die ersten drei Titel “The Woods“, “Need Is“ und “OMW“ überstanden hat, platziert Zac Brown mit der Popballade “Someone I Used To Know“, zugegeben ein fettes Teil nur leider keine Country Music, den Versuch einer Versöhnung mit vielleicht verschreckten Hörern. Auch “Me And The Boys In The Band“ ist so ein musikalisches Feigenblatt. Mit dem Produzenten Jason „Poo Bear“ Boyd, der für Justin Bieber oder Brantley Gilbert arbeitete, ist die Ausrichtung auf Pop und Country ferne Genres gewollt. Da nützt es auch nichts, dass zum Schluss mit “Leaving Love Behind“ eine von Piano begleitete Ballade erklingt, die den Sänger Zac Brown deutlich heraushebt. “The Owl“ ist musikalisch sicher seinem Können und seinem Niveau angepasst. Für Fans der Country Music, selbst der zeitgemäßen, scheint dieses Album eher nicht gedacht. Die Fleischtöpfe der anderen Genres scheinen halt besser gefüllt zu sein.

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The Highwomen – The Highwomen

(VÖ: 06.09.2019)

Da haben sich vier Künstlerinnen, die längst eigene Solokarrieren haben, für ihre Zusammenarbeit einen bedeutungsvollen Bandnamen gegeben. Natürlich wird man an die Jahrhundertkollaboration von Jennings, Kristofferson, Cash und Nelson erinnert, die als Highwaymen unterwegs waren. Rein zufällig? Wenn nicht, dann muss das gleichnamige Album von Brandi Carlisle, Natalie Hemby, Maren Morris und Amanda Shires einige Vergleiche aushalten. So beginnt das Album auch gleich mit der feminisierten Version des Klassikers “Highwayman“ als “Highwomen“. Da zeigen die vier Damen ihre stimmlichen Qualitäten nacheinander und als Quartett wie im Vorbild. Laut eigener Einschätzung soll das Album ein eindeutiges Bekenntnis zu der Power von Frauen und deren selbstbewusster Einnahme gleichberechtigter Positionen in der Musik sein. „Jeder kann eine Highwoman sein. Es geht darum, sich zusammenzuschließen, das eigene Ego, so sehr es nur geht zurückzustellen, sich gegenseitig hochzuhalten und andere Frauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu (ver-)stärken. Schulter an Schulter.“ Diese Überschrift wollen die Highwomen über ihr Album geschrieben wissen. Jede der vier Frauen schreibt ihre Titel gern selbst und so sind die 12 Songs auf “Highwomen“ von ihnen geschrieben oder mitgeschrieben. Selbst den Albumtitel haben sie “umgeformt“. Die Themen variieren. Von der Emanzipation der Frau wie in “Redesigning Women“ zu enttäuschter Liebe bei “Loose Chains“ und dem Gefühl als Hausfrau eingezwängt zu sein, wie bei “My Name Can’t Be Mama“. Noch einige andere, auch gesellschaftlich immer noch nicht akzeptierte, Themen erwarten die Hörer. Musikalisch wechseln sich Balladen mit Uptempo Stücken ab, wobei die nachdenklichen Titel überwiegen. Das Album der Highwomen ist eindeutig an das weibliche Publikum gerichtet. Dass Frauen sich ihre verdienten Plätze in der Musik erobern, ist nicht neu. Auch in der Country Music. Hält das Album also, was der Titel vermuten ließ? Ja und nein. Manchmal wird etwas zu viel Pathos eingesetzt um kritische Themen zu transportieren. Manchmal plätschert die Melodie dahin. Country? Allemal. Berechtigt waren die Highwomen mit ihrem Album auf Platz Eins der Album Charts. Durchaus hörenswert.

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Kevin Fowler – Barstool Stories

(VÖ: 23.08.2019)

Mit Charterfolgen hat Kevin Fowler sich und seine Fans bislang nicht verwöhnt. Ob das diesmal mit dem Album “Barstool Stories“ gelingen kann? Mit der Single “Neon“ beginnt das Album schon mal mit jeder Menge Speed, gefolgt von “Breakin‘ In A Broken Heart“ einem tanzbaren Honky Tonk. Und mit “Country Song To Sing“ lässt Kevin Fowler in einer Ballade ein Klischee auf das nächste folgen. Dazu darf eine Steel Guitar einmal zeigen, was man damit machen kann. Ist das schon wieder zu viel Tradition? Sollte es Kevin Fowler gelingen, der Versuchung an die großen Dollartöpfe um jeden Preis zu gelangen widerstehen? Es wäre für jeden echten Country Music Fan ein Gewinn. 11 Titel bietet das Album “Barstool Stories“ und überrascht wohltuend nicht mit Mainstream, sondern bleibt herrlich der texanischen Honky Tonk Music verpflichtet. So kann bei “Tequila Kisses“ musikalisch die Nähe der Grenze zu Mexiko eingearbeitet werden. Mit “Better With Beer“ und “A Drinkin‘ Song“ ist das Thema Alkohol dann ausreichend gewürdigt, wobei man bei letzterem wunderbar schwofen kann. Noch eine feine Ballade, “She’s Growing On Me“ rundet das Album “Barstool Stories“ ab. “Fake I.D.“ ist ein weiterer Song zum Abfeiern, bevor die Ballade “Heaven“ das Album beschließt. Nun ist auch klar, warum Kevin Fowler nicht ganz oben in den Charts zu finden sein wird. Zu traditionell, zu texanisch, zu Country. Großartig.

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Justin Moore – Late Nights And Longnecks

(VÖ: 23.08.2019)

Seine Herkunft kann Justin Moore auch in seinem fünften Studioalbum nicht außen vorlassen. Er stammt aus einem kleinen Kaff in Arkansas und seine erste Nummer Eins, “Small Town USA“, erzählte 2009 auch davon. Auf dem neuen Album präsentiert sich der stimmgewaltige Moore mit lauten, fetzigen Titeln, die gern mit den Lebensumständen spielen, die man in einer Kleinstadtumgebung zu ertragen hat. Moderne Country Music und ein Refresh des Begriffes Neotraditionalist, beschreiben wohl annähernd, was die Konsumenten bei seinem Album “Late Nights And Longnecks“ erwartet. Da sind fast alle Themen alter Tradition vertreten. Alkohol in seinen Facetten, vom Spaßmacher bis hin zum Zerstörer. Liebe zum Vaterland und wie man ein „echter“ Amerikaner wird. Natürlich auch die Religion und die Familie. Klar, das gab es alles schon. Lässt man sich einmal von der Musik leiten, erschließt sich ein grundsolides Country Music Album, welches obwohl recht flott und modern eingespielt, sich gegen die Überfälle der Rock Music auf die Country Music schützen konnte. 10 Songs in alt bekanntem Gewand und dennoch hörenswert. Justin Moore schafft es mit seiner Stimme und seinem Engagement die Zuhörer mit dem zu versorgen, was Country Music ausmacht. Geschichten erzählend, wenn auch thematisch oft gehört, ist Justin Moore mit seinen Songs keinesfalls langweilig. Dafür sorgt das Arrangement, welches immer knapp am Rand zu den ganz harten Klängen des zeitgemäßen Mainstreams aufgesetzt wurden. So verbindet der Titel “Small Town Street Cred“ das Thema seiner ersten Nummer Eins, gepaart mit den viel zu Rock lastigen Klängen der Neuzeit. Soll sich heutzutage ein Album verkaufen, muss es wohl solche Adaptionen enthalten und die Konsumenten müssen das ertragen. In vorgenanntem Titel, wurde den Gitarreros etwas zu viel Freiraum gelassen. Und so verkommt der traditionelle Ansatz fast vollständig. Wen kümmert da noch, dass die Themen so altbacken sind? Gut, dass es zum Schluss noch drei Titel gibt, die die Ohren entlasten. “Late Nights And Longnecks“ von Justin Moore ist der Versuch eines richtig guten Interpreten für jeden Geschmack ein Häppchen bereitzuhalten. Für den großen Wurf bis an die Spitze der Alben Charts hat es diesmal nicht gelangt.

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Heartland – I Loved Her First – The Heart Of Heartland

(VÖ: 26.07.2019)

Da werden die Fans ganz schön verladen. Der Titel der neuen Produktion der Indie Formation Heartland ist derselbe wie 2006 ihres ersten und bislang einzigen Albums. Als Re-Release ist das neue Werk angekündigt und wer geglaubt hat, die Tracks von damals werden nun, etwas aufpoliert, in neuem Gewand erscheinen, irrte gewaltig. Bis auf den einzigartigen Erfolgstitel, der “Wedding Story“, “I Loved Her First“ sind die übrigen 9 Titel des Albums neu. Neu ist allerdings auch, dass sich die Band mit Tracy Lawrence, der bei fast allen Tracks als Partner zu hören ist, einen Hochkaräter ins Boot geholt haben. Das Album beginnt mit “Thank God For The Hard Times“, einer grundsoliden modern eingespielten Ballade, gefolgt von “Let Go“, einer Slow Tune Trennungsballade. Die langsamen Titel dominieren das Album und zeigen eine Intension auf, die den Songs zugrunde liegt. Es geht um ein ureigenes Anliegen der Country Music, das Geschichtenerzählen. Die jeweils führende Stimme der Akteure passen auch überaus gut in dieses Genre. “Judge A Man By His Woman“ etwa ist 4:21 Minuten lang und wartet mit einer B3-Organ Begleitung auf, die heutzutage beinahe in Vergessenheit geraten ist. Noch ein “Longplayer“ erklingt 4 Minuten lang mit dem Titel “Angel“. Nachdem der zehnte Track, “When Love Comes Around“ unter Mithilfe von Samantha Crawford verklungen ist, reibt man sich verwundert die Ohren. Da hat Heartland mit “I Loved Her First“ (klar, dass dieser Track heraussticht) nach so langer Zeit wieder ein Album am Start und dann so etwas. 10 Balladen, in einer Zeit, in der es manchen Fans ja nicht rockig genug sein kann. Mutig und gut. Warum das Verwirrspiel mit einem Re-Release bleibt aber das Geheimnis von Heartland.

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Midland – Let It Roll

(VÖ: 23.08.2019)

Den Aufschlag machten Midland 2017, als sie gleich mit ihrem ersten Album “On The Rocks“ auf Platz 2 der Country Album Charts stürmten. Da haben sich Mark Wystrach, Jess Carson und Cameron Duddy die Messlatte für das Nachfolgealbum verdammt hochgelegt. Mit “Let It Roll“ als Titelsong beginnt das neue Album kräftig, rockig und fett. Gleich danach erklingt mit “Fourteen Gears“ eine Midtempo Ballade, die auch aus einer anderen Epoche der Country Music stammen könnte. Modern und traditionell zugleich. Leicht verdaulich und absolut Spaß bereitend. So geht Country mit Potenzial zum Feiern. Mark Wystrach ist die Stimme, Jess Carson der Gitarrist und Cameron Duddy der Bassist. In dieser einfachen Grundbesetzung ist die Musik von Midland entsprechend kompromisslos. Dass Midland aus Texas kommen, ist nach den ersten Titeln bereits klar. Honky Tonk auf hohem Niveau, Gitarrenriffs fernab vom Herzschmerz und knallige Rhythmen machen den Beginn des Albums aus. Doch Midland können auch anders, was man bei der feinen Ballade mit dem alten Thema “Cheatin‘ Songs“ hören kann. Mit 14 Titeln ist das Album “Let It Roll“ üppig ausgefallen. Bei allen Songs waren Midland federführend als Songschreiber unter Mithilfe einiger sehr bekannter Kollegen verantwortlich. Von Song zu Song verstärkt sich der Wohlfühlcharakter beim Zuhören. Dafür sorgte das Produzenten Trio Dann Huff, Shane McAnally und Josh Osborne. Da ist schon mal das eine oder andere Arrangement sehr aufdringlich. Doch schon ist es wieder direkt und eindringlich allein durch die Stimme von Mark Wystrach getragen, wie bei “I Love You Goodbye“. In bester Honky Tonk Tradition mit einem Augenzwinkern erklingt “Every Song’s A Drinkin‘ Song“ mit der umwerfenden Erkenntnis, dass jeder Song ein Drinking Song ist, wenn du trinkst. “Fast Hearts And Slow Towns“, “Cheatin‘ By The Rules“, “Playboys“ oder der Schlusstitel “Roll Away“, da reiht sich Country Music an Country Music. Kein Wunder, dass es Midland mit ihrem Album “Let It Roll“ diesmal bis auf Platz Eins der Country Music Album Charts geschafft haben. Leider ist die Dichte der herausragenden Produktionen heutzutage so hoch, dass sich kaum ein gutes Album länger dort oben halten kann. “Let It Roll“ von Midland sollte in keiner Country Music Sammlung fehlen.

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Ty Herndon – Got It Covered

(23.08.2019)

Was soll das denn? Da veröffentlicht Ty Herndon nach seinem letzten Album “House On Fire“ aus 2016 endlich wieder ein neues Werk und dann eines mit 15 Cover Songs seiner eigenen Hits. Komisch. Doch es steckt ganz sicher ein triftiger Grund dahinter. Ty Herndon outete sich nach zwei gescheiterten Ehen als schwul. Dass dies im Genre Country Music ähnlich gern gesehen wird, wie im Profifußball, war nicht gerade förderlich für den Mann aus dem tiefen Süden der USA. Kaum einer interessiert sich dafür, welche Qualen jemand aushalten muss, der sich sein Leben lang verstellen musste. So gesehen könnte es sein, dass Ty Herndon sich mit dem Album “Got It Covered“ neu erfindet. In zweifacher Hinsicht bekommt der Titel des Albums besondere Bedeutung. Schluss mit dem Verbergen und gleichzeitiges Modernisieren der, doch so erfolgreichen, Titel wie “Living In A Moment“, “What Mattered Most“, “I Want My Goodbye Back“, “A Man Holdin‘ On (To A Woman Letting Go)“ und, und, und. Die alt bekannten Titel zeitgemäßer präsentiert zu bekommen, ist erstmal nicht schlecht. Auf die vier Dance Mix Versionen von “Living In A Moment“, “Walking In Memphis (gleich zwei Versionen?) und “That Kind Of Night“ hätte der gute Sänger Ty Herndon doch bitte verzichten sollen. Damit lockt er keine Teenies auf die Tanzfläche und das gesetztere Publikum wird sich lieber an seinen ursprünglichen Charterfolgen erfreuen. Ganz ehrlich? Auch wenn man Ty Herndon als Interpret sehr mag, auf dieses Album kann man getrost verzichten.

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Rodney Crowell – Texas

(VÖ: 16.08.2019)

Eine besondere Hommage an seine Heimat Texas, wo er 1950 in Houston das Licht der Welt erblickte, hat sich Rodney Crowell mit seinem Album “Texas“ gegönnt.  Obwohl Rodney Crowell aus 1988/89 fünf Nummer Eins Charterfolge vorweisen kann, war er nie einer, der auf den Mainstream geschielt hat. So sind auch die ersten Titel auf “Texas“ schwerer Blues-Rock, wo man unweigerlich an die harten Jungs auf den Ölfeldern denken muss, wenn die sich nach Feierabend im Saloon den Dreck aus der Kehle spülen. Erstaunlich, dass da Gastinterpreten/innen wie Lee Ann Womack, Vince Gill oder Randy Rogers mit von der Partie sind. “Deep In The Heart Of Uncertain Texas“ ist unzweifelhaft ein texanischer Country Waltz, der zudem durch Ronnie Dunn, Willie Nelson und Lee Ann Womack eine besondere Aufwertung bekommt. Beim nächsten Titel reibt man sich die Ohren. Da klingt es gleich wie seinerzeit bei den Beatles und wer singt da mit Rodney Crowell? Genau, Ringo Starr. Der wiederum war der erste, der bei der Produktion von “Texas“ dabei sein wollte. Nach und nach kamen weitere Stars dazu und so ist dieses Album ein “Lone Star-Centric Album Of Collaborations“. Okay, die Titel heben sich gewaltig vom Mainstream und von seichten Country Music Balladen ab. Hier toben das Leben und die Musiker sich an ihren Instrumenten aus. Dafür sind mit Lyle Lovett (“What You Gonna Do Now“ mit knalligen Drums) und Steve Earle (Brown & Root, Brown & Root) auch Musiker mit dabei, die für Unabhängigkeit und Rebellion immer zu haben sind. Speziell sind Titel wie “I’ll Show Me“, welches, bluesig und mit Piano und B3-Organ gleichzeitig begleitet, eher ein American Chanson darstellt. Mit “The Border“ macht Rodney Crowell auf die unsäglichen Geschehnisse an der mexikanisch-amerikanischen Grenze aufmerksam. Ein berührender Titel. Die Two Step ummantelte Geschichte von den beiden jungen Kriminellen “Treetop Slim & Billy Lowgrass“ markiert wieder einen typischen Songwriter Song. Wenn mit “Texas Draught Part 1“ das Album endet, hat man das Gefühl, ein Stück vom echten Texas kennengelernt zu haben. Dem Altmeister Rodney Crowell sei Dank.

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CAAMP – By And By

(VÖ: 26.07.2019)

Ein ganz und gar außergewöhnliches Album ist der dritte Longplayer des Indie Folk Trios CAAMP. „Wir schrieben die Songs auf “By And By“ in der Hoffnung, dass sie Schmerz lindern und Freude bereiten.“ Ein ehrenwerter und hoher Anspruch. Mit “Feels Like Home“ beginnt eine musikalische Reise durch die Zeit des Erwachsenwerdens der drei Musiker. Taylor Meier und Evan Westfall kennen sich bereits seit ihrer gemeinsamen Schulzeit. Dort hatten sie gleiches Interesse an der Musik von Creedence Clearwater Revival, The Hollies und Cat Stevens. Taylor Meier ist die Stimme und der Gitarrist, Evan Westfall ist für Harmony Vocals , Banjo und Percussion zuständig, während Matt Winson den Bass beisteuert. Die Titel auf “By And By“ haben einen Retro Touch und sind minimalistisch umgesetzt. Wer allerdings ein dahinplätscherndes Folk Album erwartet, wird überrascht sein, mit welchen Raffinessen und Tempowechseln CAAMP ihr Album entwickelt haben. Schon bekommt man den Eindruck, dass hier und da im One Take Verfahren aufgenommen wurde. Hat auch Country Music hier keinen Eingang gefunden, sind die 12 Titel auf “By And By“ dennoch ein feiner Appetithappen. So selbstverständlich klar und schnörkellos und dabei pfiffig ausgearbeitet, sind die Songs immer höchst interessant und bereiten tatsächlich Freude. In den Texten geht es nach eigenen Angaben um Themen wie, zu viele Drinks mit den besten Leuten zu haben, die man kennt, um Herzschmerz und Trennung und Liebe. Einige der Titel wurden geschrieben, als die Musiker 17 Jahre alt waren, erzählen die jetzt 25-jährigen. Ob man so jungen Menschen einen bereits dermaßen tiefen Blick in die verschiedenen Höhen und Tiefen des Lebens abnehmen sollte? “By And By“ ist ein feines Album, ob man es nun in Folk-Rock, Americana oder Indie-Folk verortet, ist völlig egal. Einfach zuhören und mitfühlen.

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Tanya Tucker – While I’m Livin‘

(VÖ: 23.08.2019)

17 Jahre sind eine lange Zeit, in der wir kein neues Album von Tanya Tucker hören durften. Das mutete an, wie das aktive Karriereende der texanischen Ikone der Country Music. Die beiden Alben nach 2002, “Live At Billy Bob’s“ und “My Turn“ enthielten keine neuen Titel. Wie es auch immer gelungen ist, Tanya Tucker wieder ins Studio zu bekommen, ist das Geheimnis der Produzenten Brandi Carlisle und Shooter Jennings. Brandi Carlisle hat sicher mit ihren Fähigkeiten als Songschreiberin gepunktet und Shooter Jennings profitierte davon, dass Tanya Tucker den Sohn ihres guten Freundes Waylon Jennings bereits als kleinen Bub auf dem Schoß geschaukelt hat. Nicht immer gelingen solche “Revivals“. In diesem Fall aber schon. Gleich beim ersten Titel “Mustang Ridge“, wenn die Stimme von Tanya Tucker einsetzt, ist man um Jahre zurückversetzt. Wie (Entschuldigung) geil ist das denn, die Stimme der Frau wieder zu hören, die das weibliche Pendent zu dem Klischee des rauen, whiskeytrinkenden, ewig ruhelosen Country Interpreten galt. In der Tat hat die Biografie von Tanya Tucker so einige Kapitel, auf die sie sicher heute gerne verzichtet hätte. Das hört man auch in ihrer Stimme, die immer noch einzigartig rau und zerrissen zugleich klingt. So ist auch der Titel des 10 Titel umfassenden Albums bedeutungsvoll gewählt. “While I’m Livin‘“ ähnelt einer musikalischen Biografie von Tanya Tucker und ist damit umso berührender. Nach so vielen Jahren der Abstinenz ist ihre Stimme immer noch kraftvoll und eindringlich. Bis auf die Coverversionen “High Ridin‘ Heroes“, “Hard Luck“ und “The House That Build Me“, wurden die restlichen Titel von Brandi Carlisle, Tim & Phil Hanseroth und Tanya Tucker selbst geschrieben. Wenn beispielsweise “The Day My Heart Goes Still“ erklingt, hört man nicht nur den Song. Man kann ihn mitfühlen. Selbst die Coverversion von dem Miranda Lambert Hit “The House That Build Me“, bekommt durch die Interpretation von Tanya Tucker einen Vintage Charakter, der den Titel erneut aufwertet und die Zuhörer ganz tief berührt. Kaum eine andere Sängerin kann soviel Vorwurf, soviel Leid und soviel Gefühl in ihre Songs legen, wie Tanya Tucker. Der Titel “Seminole Wind Calling“ demonstriert das eindrucksvoll. “While I’m Livin‘“ ist ein Album, welches Tanya Tucker bestimmt einen Platz in den Rängen der ewigen Klassiker beschert. Nicht nur angesichts der von ihr bis dahin geleistete Arbeit für die Country Music.

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Vince Gill – Okie

(VÖ: 23.08.2019)

Wenn einer der talentiertesten Musiker der Country Music sein Album “Okie“ nennt, muss man einfach die Ohren spitzen. Sein letztes Album “Down To My Last Habit“ ist aus dem Jahr 2016 und nach erfolgreicher Tour mit den Eagles, die Vince Gill herausragend ergänzte, hatte er wieder Zeit für ein Studioalbum. Schaut man sich die Auflistung der Preise und Auszeichnungen an, die Vince Gill bislang bekommen hat, weiß man, dass er einer der Edelsteine der Country Music ist. Das fantastische Gefühl für Musik, seine unglaublich intensive Art zu interpretieren und nicht zuletzt sein Können als Gitarrist, gehören zum Besten, was es derzeit in der Country Music zu bestaunen gibt. Mit seinem Album “Okie“ gibt der sympathische Mann aus Nashville einen tiefen Einblick in sein Empfinden der Musik. Seine Bescheidenheit ist beinahe sprichwörtlich und so finden immer wieder ehrende Titel für Kollegen Eingang in seine Alben. Diesmal explizit für Guy Clark, “Nothin‘ Like A Guy Clark Song“ oder mit “A World Without Merle Haggard“ für den Grantler Merle Haggard. Auch seine Frau Amy Grant bedachte er mit dem Titel “When My Amy Prays“. Ebenso seinen Vater mit dem Titel “That Old Man Of Mine“, der ihn immer ermunterte, seinen Weg in der Musik zu gehen. Wer außer Vince Gill könnte sich trauen, ein Album mit 12 Balladen ohne jedwedes Arrangement-Gedönse zu präsentieren? Zu jedem der Titel könnte man ausführlich Stellung nehmen. Das hieße aber vielleicht, diese besondere Stimmung, die dieses Album ausmacht, vorab zu zerreden. Vince Gill erzeugt mit seinem Album “Okie“ eine ganz einzigartige Rückbesinnung auf eine Zeit, in der die Country Music die Menschen in ihren schweren Stunden begleitete und aufrichtete. Diese Verbeugung vor seinen alten Kollegen ist es wert in die Regale der Fans aufgenommen zu werden. Wenn die graue Herbstzeit beginnt, sollten diese Songs unbedingt erklingen. Wer dann noch nicht verstanden hat, was Country Music ausmachen kann, dem ist wahrscheinlich nicht zu helfen.

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Tracy Lawrence – Made In America

(VÖ: 16.08.2019)

“Time Marches On“, das gilt auch für Tracy Lawrence, dessen gleichnamige Single 1996 sein bislang größter Hit war. An Charterfolgen gemessen, ist Tracy Lawrence nach seinem fulminanten Start zu Beginn der 1990er Jahre, eher ein Interpret im Mittelfeld. Dass er aber immer für Country Music sorgte und sich nicht jedem Pop Geklingel unterwarf, macht ihn zu einem, der die Fahne der Country Music hochzuhalten versucht. Wurde er zuletzt für seine doch sehr dem Zeitgeist angepassten Alben kritisiert, kündigte er sein neues Album “Made In America“ wieder als eines der “straighten“ Country Alben an. Inhaltlich greift der große Sänger aus Texas in die bewährte Klischeekiste. Mit “Made In America“ sollten die Themen angesprochen werden, auf die seine Landsleute so stolz sind. Soweit so nachvollziehbar. Mit dem Titelsong “Made In America“ beginnt das Album in gewohnter Tracy Lawrence Manier der 1990er. Da ist natürlich auch der unverwechselbare Klang seiner Stimme ein Ausrufezeichen. „Das ist mein persönlichstes Album, das ich je gemacht habe. Das ist, worauf ich stolz bin und ehrt die amerikanischen Arbeiter und alles was gut für unser Land ist. Ich habe etliche der 12 Songs mitgeschrieben, habe in jedem Titel mein Herz und meine Seele ausgeschüttet. Ich denke, es wird bei meinen Fans nachwirken und bei allen Liebhabern von Country Music in dieser Nation.“ Solche Einlassungen, wie die von Tracy Lawrence zu seinem Album “Made In America“, hat man zur Genüge gehört. Entblättert man das Drumherum, bleibt ein Eindruck, der in die politische Situation in Amerika einzuordnen ist. Abgesehen davon, ist Tracy Lawrence kein Album gelungen, welches Geschichte schreiben kann. Das Arrangement ist immer noch viel zu rockig und lässt Balladen wie “Nothin‘ Burns Like You“ nicht dazu kommen, ganz tief in die Gefühle der Konsumenten vorzudringen. Wenn dann Titel wie “First Step To Leaving“ oder “It Ain’t You“ erklingen, hat man den Tracy Lawrence vor Augen und im Ohr, den man wegen seiner Stimmlage und seines Ausdruckes liebt. Gerade den locker flockigen Melodien kann er eine feine Intension mitgeben und man weiß gar nicht, soll man nun darauf tanzen oder lieber zuhören. Oder am besten beides. Vielleicht das Highlight des Albums markiert “Givin‘ Momma Reasons To Pray“. Diese Ballade erinnert an längst vergangene Zeiten, als Geschichten aus dem wahren Leben das wesentliche Merkmal der Country Music war. Auf einmal erklingt dann auch ein Solo der Steel Guitar wie selbstverständlich und nicht verdrängt durch Pop Arrangements. Leider geht diese feine Stimmung zum Ende des Albums verloren und dem Zeitgeist huldigend, wird es wieder rockiger und das ständige Wummern der Hintergrundmusik wird zum Einheitsbrei.

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Willie Nelson – Ride Me Back Home

(VÖ: 21.06.2019)

Der Mann ist 86 (!) Jahre alt und scheint immer noch genug Kraft und Lust an der Musik zu haben. Das allein ist schon bemerkenswert. Nun liegt sein neues Werk vor und widmet den ersten und Titelsong, “Ride Me Back Home“ seiner besonderen Aufmerksamkeit für Pferde. 11 Songs, überwiegend von Willie Nelson und seinem Produzenten Buddy Cannon geschrieben, lassen die Hörer staunen, was der “Red Headed Stranger“ immer noch draufhat. Okay, die Stimme wirkt hin und wieder etwas brüchig. Bei Songs wie “My Favorite Picture Of You“ ist dies sogar gefühlvoll eingesetzt. Gern verlässt Willie Nelson eingetretene Country Music Pfade. So lässt er bei “Seven Year Itch“ ein jazziges American Chanson erklingen. Eine gehörige Portion Politik liegt im Titel “Immigrant Eyes“ in welchem sein treuer Wegbegleiter, seine Gitarre “Trigger“, wieder virtuos von ihm in Szene gesetzt wird. Willie Nelson liebt den Jazz in Verbindung mit seinem Singer/Songwriter Material. Fans purer Country Music müssen hier stark sein. Aber schon mit “One More Song To Write“ ist er wieder der Country Willie Nelson. “Nobody’s Listening“ erzählt die bittere Geschichte eines Mannes, der nahe New Orleans bei dem damaligen Jahrhundertsturm all seinen Besitz verlor, den er sich so hart erarbeitet hatte und er ist sich sicher, niemand hört ihm zu. Mit “It’s Hard To Be Humble“ erklingt ein selbstironischer Walzer über einen Mann, der findet, dass es hart ist, freundlich zu sein, wenn man so ein toller Hecht ist. Bei diesem Song sind die Söhne von Willie Nelson, Lucas und Micah, mit von der Partie. Ein typischer Laid Back Titel, “Maybe I Should’ve Been Listening“ beschließt das Album “Ride Me Back Home“ und bilanziert traurig, dass er wohl besser zugehört hätte, als sie Auf Wiedersehen sagte. Sind vielleicht auch, an Charterfolgen gemessen, die erfolgreichsten Zeiten von Willie Nelson vergangen, für einen intensiven Hörgenuss sorgt er immer noch.

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William Lee Golden – My Life’s Work

(VÖ: 19.07.2019)

Ganz sicher eine der schillerndsten Figuren der Country Music ist William Lee Golden. Nicht erst seit seinem 80. Geburtstag, fällt er durch seinen langen weißen Bart und die schlohweißen langen Haare auf. Der ehemalige Bariton der Oak Ridge Boys blickt auf ein Leben voller Hochs und Tiefs. Beinahe legendär seine gescheiterten Ehen. Unstet ist er geblieben. Dabei widmete er sich zuletzt mehr und mehr der Gospel Music und seiner naiven Malerei. Mit dem Album “My Life’s Work“ sorgt er schon wieder für Verwirrung. Gab es nicht 2000 schon einmal ein Album dieses Namens? Egal. Mit 11 Tracks ist dieses neue Album mit dem bezeichnenden Titelsong so etwas wie eine Lebensbilanz. Und William Lee Golden kann nicht verleugnen, dass er zeit seines Lebens mit der Super Formation Oak Ridge Boys in Verbindung gebracht wird. Er klingt halt so und er liebt die Harmonien aus dieser Zeit, die auch das neue Album stützen. Als Solo Künstler hat William Lee Golden bislang kaum große Erfolge gehabt. Etwas nostalgisch klingen die Titel auf “My Life’s Work“ trotz aller Drum Computer Sequenzen und Arrangement Schnick Schnacks. Doch singen kann er nun mal und das macht dieses Album hörenswert. Ob bei den ruhigen Balladen oder den rockigen Uptempo Stücken, stets interpretiert er sehr eindringlich. Besondere Aufmerksamkeit bekommen die beiden Schlusstitel, “The Stone“ und “Burnin‘ Up The Road“, die mit 4:58 Minuten und 5:26 Minuten breiten Raum einnehmen. “My Life’s Work“ ist ein Retro Album eines Sängers, der in seinem früheren Leben alle Ehrungen erfahren hat, die man bekommen kann. Furore wird er mit dem Album “My Life’s Work“ aber nicht machen können.

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Malenco – Berries For The Old Town
(VÖ: 26.07.2019)

Das Label Brambus hat schon oft eher ungewöhnliche Künstlerinnen und Künstler oder außergewöhnliche Musik präsentiert. Der neue Zugang heißt Malenco und der Musiker aus der Schweiz, hat sein drittes Album sehr experimentell aufgestellt. “Berries For The Old Town“ oszilliert zwischen Singer/Songwriter Music, Americana und experimentellem Folk. Die 10 Titel des Albums werden einerseits als rau und ungeschliffen, andererseits “wie in Stein gemeißelt“ beschrieben. Tatsächlich hat sich der Produzent mit Pop Music Hintergrund, Sandro Dietrich, schon Mühe gegeben, die von Malenco recht ungeschmückten Titel mittels feiner Hand zu einem Fluss zu bringen. Mag die Stimme von Malenco noch ausbaufähig sein, dem folkigen Songwriter Material scheint sie angepasst. Seine überdeutliche Aussprache der Texte lässt die Zuhörer erfahren, welche Stories sich in seinen Songs verbergen. Manchmal lässt Bob Dylan grüßen, wenn Malenco Gitarre und Harmonika bespielt und ansonsten seine Geschichte erzählt. Besonders experimentell und etwas schwerer verdaulich, sind Titel wie “My Own Free Will“ oder “Easy To Go With The Tide“. Mit “Blossom White Girl“ enthält das Album “Berries For The Old Town“ einen Titel, der eher locker flockig daherkommt. Hat man alle Songs gehört, bleibt der Eindruck eines Albums aus dem Experimentallabor. Da trifft ein hoher Anspruch an Aussage auf das Problem der publikumswirksamen Präsentation. Malenco präsentiert hier Musik für Liebhaber und keinesfalls für ein breites Publikum.

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Zane Williams – The Oak Tree And The Weed
(VÖ: 17.06.2019)

„Ich liebe Country Music und ich möchte sie nicht untergehen sehen. Ich möchte eine ruhige Country Music alter Schule machen, die von den Leuten gehört wird, wenn sie auf ihrer Veranda sitzen und der untergehenden Sonne zuschauen. Diese Musik ist nicht schick oder ausgefallen. Sie ist ehrlich und real. Ist das nicht das, wie Country Music sein sollte?“ Solche Gedanken entnimmt der geneigte Fan dem Internet Auftritt von Zane Williams. Der Sohn zweier Professoren mit dem eigenen Studium der Mathematik hat sich ganz und gar der “Poesie für den einfachen Mann“ verschrieben. Sein siebtes Album “The Oak Tree And The Weed“ ist live mitgeschnitten und dokumentiert wie dicht Zane Williams am Publikum arbeitet und mit welch tollen Musikern er sich umgibt. Da konnte und sollte kein Produzenten Schnick Schnack seine Musik beeinflussen. Da hört man Texas Honky Tonk Music und Western Swing neben Singer/Songwriter Balladen. So kamen auch einige Ansagen mit auf den Tonträger, die gefühlvoll einstimmen auf die folgenden Songs. In etlichen Titeln erweckt Zane Williams das Feeling längst vergangen geglaubter Zeiten der Country Musik. Manchmal genügt seine feine Gitarrenbegleitung allein aus, um den Song fühlbar werden zu lassen. Gleichen sich auch einige Titel wie ein Ei dem anderen, so schüttet Zane Williams auf seinem Album “The Oak Tree And The Weed“ ein Füllhorn bester Country Music aus. Eine Country Music, die nicht dem Zeitgeist entgegen- sondern gegenübersteht. Manchmal werden seine Titel phasenweise “nur“ gesprochen und erzählen somit ihre Botschaft. So auch beim Titelsong “The Oak Tree And The Weed“. Nach 19 Titeln verklingt der letzte Ton und lässt die Hörer mit dem Gefühl zurück, an einem Konzert teilgenommen zu haben, welches direkt zum Kern der Country Music führte.

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Jared Rogerson – Branch Of The Tree
(VÖ: 02.07.2019)

2005 veröffentlichte Jared Rogerson sein erstes Album “Bad Hay“ eine Heimproduktion und dies sollte das Outcoming des Cowboy Interpreten aus Wyoming sein. Mit dem Album “Branch Of The Tree“ stellt er nun sein fünftes Werk vor. Zunächst besticht die deutliche Aussprache des Sängers, die es leicht macht, seine Texte zu verfolgen. 10 Titel umfasst “Branch Of The Tree“ und beginnt mit “Right Here With Us“, einer tanzbaren Pop Country Nummer, die ein wenig an Schlagermusik erinnert. Auch die Ballade “Cowboy Face“ ist textlich eher ein Leichtgewicht. Mit dem Titelsong wird es ein wenig düster und rockiger; allerdings hört es sich aufgesetzt an. Nach der Ballade “Beautiful Scars“ folgt der Two Step “In This Cage“. Etwas heraus sticht der Uptempo Song “Texas In 1880“. Musikalisch ist da mehr los und Jared Rogerson interpretiert direkter, authentischer. Er ist auch als alleiniger Produzent für sein Album “Branch Of The Tree“ verantwortlich. Da dürfen einige Balladen auch die 4 Minuten Grenze überschreiten. Mit einer fast 5 Minuten währenden Ballade, “I Could Use A Song“, endet seine Zusammenstellung. Bombastisch und überfrachtet entlässt dieser Titel die Hörer. “Branch Of The Tree“ scheint alle Klischees zu bedienen, mit denen manche Kritiker die Country Music zu diffamieren versuchen. Das mag für viele Fans mitten ins Interesse treffen. Für manche wäre etwas weniger Pathos und mehr “Reality“ dichter an der Country Music. “Branch Of The Tree“ von Jared Rogerson fordert sicherlich zu kritischer Auseinandersetzung mit seinem Album heraus.

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Aaron Watson – Red Bandana
(VÖ: 21.06.2019)

Zeit vergeht und Aaron Watson blickt nun auch schon auf 20 Jahre im Music Business zurück. Das tut er mit seinem neuen Album “Red Bandana“, welches 20 neue Songs enthält, die alle von ihm geschrieben wurden. Dabei ist es gerade einmal 2 Jahre her, seit der Veröffentlichung des letzten Albums “Vaquero“. Das neue Werk beginnt mit einer Hommage an seinen texanischen Songwriter Kollegen Guy Clark, gefolgt von dem Instrumental “El Comienzo Del Viaje“ im Tex-Mex Gewand, welches als Intro für den nächsten Titel “Dark Horse“ dient. Das könnte durchaus als Filmmusik durchgehen und lässt die weiten Landschaften vor den Augen der Hörer entstehen, die als Kulisse eines jeden Western dienen. Aaron Watson sagt über sich selbst: „Ich habe mich immer als einen Anti-Rock Interpret empfunden. Die Leute mögen mich, nicht weil ich ein Rock Star bin, sondern weil ich wie sie bin.“ Tatsächlich ist Aaron Watson ein sperriger, unangepasster Typ. Er geht seinen Weg mit vielen Windungen. Da blitzt eine unbändige Kraft weitab vom Mainstream auf und gleich darauf scheint er mit genau diesem Genre zu flirten. Das hat ja auch immer wieder für Charterfolge gesorgt und Radio Play hat noch nie geschadet. Selbst orchestrale Violinen Sätze als Bridges sind ihm recht. Mit der Singleauskopplung “Kiss That Girl Goodbye“ schielt Aaron Watson ganz unverhohlen auf die Charts, was auch gelingt angesichts der Pop Elemente, mit denen der Song aufgepeppt wurde. Mit “Country Radio“ lässt er einen Ohrenschmeichler folgen, der eine Folge von drei Titel über vier Minuten Spieldauer einleitet. Es folgt eine endlose Aufzählung von legendären Interpreten, die Aaron Watson im Song “Legends“ als seine Helden vorstellt. Bestimmt nicht zufällig angelehnt an die besten Zeiten von George Strait, ist “Am I Amarillo“, welches in Stil und Musiksequenzen beinahe plagiatisch vorbeifließt. Bei “Live Or Die Trying“ greift Aaron Watson zu Bro Country und macht wieder einmal deutlich, dass man bei ihm auf Wendungen und Überraschungen gefasst sein muss. Der Titelsong “Red Bandana“ ist wieder eine Wendung. Ein überwiegend gesprochener Song, der die eine oder andere Lebensweisheit aneinanderreiht um mit einem opulenten, anderthalbminütigen Outro zu enden. Ganz und gar außergewöhnlich ist die Zusammenstellung auf “Red Bandana“ und dürfte den Songwriter, den Interpreten, den Texaner und Chartkünstler Aaron Watson rundum präsentiert zu haben. Mit diesem umfangreichen Werk sind die Hörer mit verschiedensten Vorlieben fürstlich bedient. Mit dem letzten Titel “58“, der 58 Sekunden dauert, endet augenzwinkernd das Album “Red Bandana“ von Aaron Watson.

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Bruce Robison & Kelly Willis – Beautiful Lie
(VÖ: 21.06.2019)

Was? Jetzt macht Bruce Willis auch Musik? Nein, nur zu schnell über das Cover gelesen. Es handelt sich beim Album “Beautiful Lie“ um die neue Kollaboration des Ehepaares Kelly Willis und Bruce Robison. Zum vierten Mal haben sie sich zusammengetan und präsentieren 10 Duette. Beide Künstler sind ja in eigenen Projekten musikalisch unterwegs. Bruce Robison ist gefragter Songschreiber (Travelling Soldier) und fungiert als Frontmann bei Bruce Robison And The Back Porch Band. Kelly Willis ist eine viel beschäftigte Interpretin, deren Genres sowohl Americana als auch Neo Traditionalismus sind. Auf ihrem Album “Beautiful Lie“ geht es indes sehr traditionell zu. Neben Uptempo Songs bestechen vor allem Balladen, wie etwa der Titelsong “Beautiful Lie“, eine Coverversion des Titels von den Amazing Rhythm Aces. Dass Bruce Robison und Kelly Willis neben der Erziehung ihrer vier Kinder die Zeit finden, auch zusammenzuarbeiten, ist ein Gewinn für die Musik. Bei “Brand New Me“ grooved es vier Minuten dreißig und übergibt an den letzten Titel. So herrlich unaufgeregt ist das Album “Beautiful Lie“, etwa bei “Coming Down“, “Lost My Best“ oder beim Schlusssong “Heartache To Houston“. “Beautiful Lie“ zeugt von einer Liebe zur Musik und von einem Verständnis zueinander, sowie zum Genre Country Music in vielen Facetten. Eine willkommene Abwechslung vom Mainstream Dauergedröhne.

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Dale Watson – Live Deluxe…Plus
(VÖ: 19.07.2019)

Dale Watson ist schon eine imposante Erscheinung. Mittlerweile ist seine Haartolle schlohweiß und lässt ihn noch interessanter erscheinen. Er wurde in Alabama geboren, zog aber schon früh mit den Eltern nach Texas. Heute nennt man ihn auch den texanischen Troubadour. Offenbar war die Nachfrage groß genug, um mit der 2 CDs umfassenden Neuerscheinung herauszukommen. Es handelt sich bei den jeweils 23 Tracks um aufgehübschte Aufnahmen der Livekonzerte “Live In London, England“ (aus 2002) und “Live At Newland, NL“ (aus 2006). Wer sich von den teils abrupten Ausblendungen der Liveakustik nicht abschrecken lässt, kann sich also mit “Live Deluxe…Plus“ die Konzerte ins Regal holen, die im Original nicht mehr zu bekommen sind. Für Dale Watson Fans ein Muss. Allen anderen seien seine Studioalben empfohlen. Oder ein Livekonzert, vielleicht im Continental Club in Austin, Texas. Dale Watson ist ein Interpret dessen Stimme sowohl an Merle Haggard als auch an Elvis erinnert, mit deren Musik er ja auch immer wieder leibäugelt. 46 Livemitschnitte, die teils durch die Zurufe des Publikums aneinandergereiht wurden, stellen eine geballte Ladung Musik dar, die, nicht dabei gewesenen, Fans ein wenig von der damaligen Atmosphäre nacherleben lässt.

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Jim Lauderdale – From Another World
(VÖ: 21.06.2019)

In den Charts einst und heute findet man seinen Namen nur sehr selten. Jim Lauderdale, der von Kollegen als einer der fleißigsten Musiker der Country Music gelobt wird, ist sich selbst stets treu geblieben. Er zielt nicht unbedingt auf die Charts. Dennoch haben Songs aus seiner Feder anderen Stars zu großen Erfolgen verholfen. Er gilt eher als ein Americana Interpret, der gern experimentiert und Grenzen auflöst. Dass beweist er auch auf seinem neuen Album “From Another World“. Ist der Titel nun selbstironisch gewählt oder nicht, die Musik von Jim Lauderdale ist anders. Schon zum Anfang des Albums erklingt mit “Some Horses Run Free“ ein Titel, der sich ohne weiteres in einen fetten Rocksong wandeln ließe und dennoch dicht am Genre Country Music bleibt. Wie aus den 1960er Jahren scheint “The Secrets Of The Pyramids“ in die Neuzeit gekommen zu sein. Ob da die Beatles Pate standen ohne es zu wissen? Den Texten von Jim Lauderdale kann man entnehmen, dass es ihm um seine Mitmenschen geht, die er genau beobachtet und analysiert. Wenn “One Away“ erklingt, scheint man allerdings sowohl in eine längst vergangene Zeit versetzt, als auch in eine andere musikalische Welt transportiert. Da verschwimmen die Grenzen zwischen Country und Beat/Pop. Dann wieder bei “Listen“ gibt es eine ganz feine Songwriter Ballade, die mit Laid Back Music für eine relaxte Stimmung sorgt. Dieses Feeling wird mit “For Keeps“ fortgesetzt, bevor mit “Slow Turn In The Road“ wieder die Verbindung von Psychedelic Music und Americana einen gelungenen Versuch darstellt. Ganz traditionelle Klänge bietet der Titel “I’ll Forgive You If You Don’t“. Etwas schnulzig ist “The Graceland Horses“ bevor der letzte Titel “Are You Trying To Make A Song Out Of Us?“ eine Mixtur aus Rock, Funk und Americana zu sein scheint. Den guten Eindruck der so verschiedenen musikalischen Interessen von Jim Lauderdale könnte man beinahe vergessen. Lässt man diesen Titel mal beiseite, hat “From Another World“ von Jim Lauderdale zum einen seinen Ruf als Individualist gestärkt und zugleich bewiesen, dass er ein Könner ist.

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The Steel Wheels – Over The Trees
(VÖ: 11.07.2019)

„Wir wissen, wo wir herkommen. Wir sind eine String Band aus Virginia aber wir entwickeln uns weiter mit diesem Album und wir begrüßen die Zukunft.“ Ein selbstbewusstes Statement begleitet die Veröffentlichung des siebten Albums der Accoustic Roots Music Gruppe, die sich anschickt, die Country Music um einen weiteren Horizont zu erweitern. Mit ausgeklügelten Harmony Vocals, außergewöhnlichen Arrangements und besonders eindrucksvoller Instrumentenbeherrschung, bieten die fünf Musiker von gefühlvollen Balladen wie etwa “I’ll Be Ready“ und “Falling“ und beatgetriebenen Songs wie “Keep On“ ein breites Spektrum. Experimentell klingen viele der 11 Songs auf “Over The Trees“. Dabei ist das Grundthema des Albums eher traurig, besinnlich. Unter dem Eindruck des frühen Todes der zehnjährigen Tochter von Fiddler Eric Brubaker entstanden Songs die von Nöten und Ängsten berichten. Wenn das Album mit dem a capella Titel “This Year“ endet, ist man von diesem Spirit umfangen. Sehr wahrscheinlich, dass man dann auf Repeat drückt, um noch einmal von der besonderen Klasse dieser Band und den tollen Harmonien zu kosten. Wow, wie weit weg vom Mainstream entzieht sich diese Musik jedweden Schubladendenkens und ist dennoch so unglaublich gut.

 

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Darryl Worley – Second Wind: Latest And Greatest
(VÖ: 26.04.2019)

Mit lediglich 3 Nummer Eins Hits ist Darryl Worley nicht gerade ein Superstar. Obwohl sein patriotischer Titel “Have You Forgotten?“, der Ballade über den Terrorangriff auf die Twin Towers aus dem Jahr 2003, ganze 7 Wochen den Platz Eins der Charts innehatte. Auch die beiden anderen Platz Eins Titel von ihm, “Awful, Beautiful Life“ und “I Miss My Friend“ stammen aus den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts. Neben den genannten Titeln erwarten den Konsumenten auf seinem neuen Album “Second Wind: Latest And Greatest“ aus den bereits früher veröffentlichten Songs noch “When You Need My Love“, “Good Day To Run“, Titelsong “Second Wind“, “Family Tree“ und “Tennessee River Run“. Damit sind 8 der 15 Titel auf “Second Wind“ den “Greatest“ zuzuordnen. Da wechseln feine Balladen mit rockigen bzw. tanzbaren Uptempo Stücken ab. Darryl Worley, der waschechte Tennessee Boy, hat sich mit nur 20 Titeln, die er in die Charts bringen konnte, einen sicherlich soliden guten Ruf erarbeitet. Sein letztes Album, “Sounds Like Life“ stammt aus dem Jahr 2009 und landete unter “ferner liefen“. Danach hatte Darryl Worley noch zwei Singles in den Charts, die beide aus unveröffentlichten Alben entnommen waren. Schlagzeilen machte er 2007 mit seinen Nacktaufnahmen im Magazin “Playgirl“. Nun also 7 neue Titel und der Versuch mit dem Album “Second Wind“ noch einmal Luft unter die Schwingen zu bekommen. Die “Latest“ Titel beginnen mit “Lonely Alone“, einer ruhigen Ballade, die durchaus an seine früheren Erfolge heranreicht. Bei “Whiskey Makes Me Think About You“ verbindet sich Funk, Soul und Country auf eine sympathische Weise. Dabei bleibt die Stimme des Erzählers Darryl Worley stets im Vordergrund und zeugt von einer fähigen Hand am Mischpult. “It’s Good To Be Me“ markiert einen weiteren modernen Country Music Titel, der tanzbar und eindringlich zugleich ist. “Do Something Good“ ist dann eine ruhige Ballade mit der Aufforderung seinen Mitmenschen doch einfach mal etwas Gutes zu tun. Obwohl angekündigt war, dass dieses Album den traditionellen Country Sänger Darryl Worley und den neuen funky souligen Interpreten Darryl Worley präsentiert, fügen sich die “Greatest“ mit den “Latest“ zu einem homogenen Album zusammen. Lediglich der Bläsersatz im Intro des Schlusstitels, “Working On A Love Song“ lässt mehr Soul Feeling entstehen. Alles in Allem ein gelungenes Album. Darryl Worley bleibt ein bemerkenswerter Interpret der Country Music, Nummer Eins Hits hin oder her.

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Lonesome River Band – Outside Looking In
(VÖ: 24.05.2019)

Seit nunmehr über 30 Jahren gibt es die Lonesome River Band und ist eine der herausragenden Stützen der Bluegrass Music überhaupt. Sammy Shelor, der Banjoist und Bandleader, verstand es über all die Jahre die Besten der Besten Musiker in seine Formation zu integrieren. So liest sich die Liste der ehemaligen Mitglieder und der Gastinstrumentalisten wie das Who Is Who der Bluegrass Music. Die letzten vier Alben aus der langen Liste der Diskografie der Band entstanden beim Label Mountain Home. So auch das neueste Werk, “Outside Looking In“. 13 Titel umfasst das Album und wechselt von klassischem High Speed Bluegrass zu Storytelling Ballads, die dann in ausgefeilte Arrangements gekleidet sind und die Hörer mit den akustischen Instrumenten in feine Stimmung versetzen können. Der ausgeklügelte Satzgesang, z.B. bei “Little Magnolia“ trägt ebenfalls zu der Klasse der Lonesome River Band bei, die ja gerade deswegen mit vielen Preisen überschüttet wurden. In etlichen Songs bekommen die Musiker ausreichend Gelegenheiten ihre Instrumente in begeisternden Soli zu präsentieren. “If I Had A Cheating Heart“ mit 4:20 Minuten ist solch eine tolle Darbietung. Der Titelsong, “Outside Looking In“ oder “Cassidy’s Prayer Book“ beinhalten durchaus Texte, die man auf sich wirken lassen sollte. “Circle Of Lies“ oder “Wreck Of My Heart“ beschreiben die Schwierigkeiten in kaputten Beziehungen. Ein Instrumentaltitel darf auch nicht fehlen und so kann man bei “Home Of The Red Fox“ alle Instrumente pur und sauber herausgearbeitet genießen. Das Album “Outside Looking In“ der Lonesome River Band endet mit einer Coverversion von “Calling Elvis“ aus der Feder von Mark Knopfler und ist mit fast 5 Minuten ähnlich opulent wie bei dem Meister Knopfler und seinen Dire Straits. Dieses Album ist sehr empfehlenswert auch für Hörer, die keine absoluten Bluegrass Fans sind.

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Rodney Atkins – Caught Up In The Country
(VÖ: 09.05.2019)

Was Veröffentlichungen von Alben betrifft, war es sehr ruhig um Rodney Atkins geworden. Immerhin stammt sein letztes Werk, “Take A Back Road“, aus dem Jahr 2011. Nun liegt sein neues Album “Caught Up In The Country“ vor und lässt keinen Zweifel daran, dass Rodney Atkins zu den angesagten Interpreten der Country Music zählt. Er war auch nicht untätig in den letzten Jahren, tourte fleißig und arbeitete an neuer Musik. Dafür nahm er sich, laut eigener Aussage, einfach mal mehr Zeit für jeden Song. So entstanden sehr persönliche Titel, die ganz sicher auch auf den Einfluss seiner Frau Rose Falcon zurückzuführen sind. Sie hat als Songwriterin einige Songs für Top Acts geschrieben. 2017 bekam sie Sohn Ryder und damit hatte die junge Familie eine neue Aufgabe. Auf dem Album “Caught Up In The Country“ wechseln sich kraftvolle, rockige Titel mit feinen Balladen unter den 12 Titeln ab. Zu Beginn bei “Burn Something“ ertönt ein ruhiges Intro und eine ruhige Erzählerstimme von Rodney Atkins, um zu einer richtig kraftvollen Ballade zu mutieren, in der es um eine explosive Beziehung geht. Mit dem Titelsong, “Caught Up In The Country“, erklärt Rodney Atkins, warum er sich im Leben auf dem Land so aufgehoben fühlt. Im Arrangement wird aber unverhohlen mit fetten Beats und Mainstream Firlefanz auf die Charts gezielt. Ob das gelingt? Es sei ihm gegönnt seinen bislang sechs Nummer Eins Erfolgen weitere hinzuzufügen. Mit der Ballade “Figure Out You (Riddle)“ erinnern Rodney Atkins und Rose Falcon an Tim McGraw und Faith Hill. Dabei ist ihr Liebesduett genauso intensiv und hörenswert. “My Life“ setzt die Liebesballaden fort wie auch “Cover Me Up“. Bis zum Schlusstitel, “Waiting On A Good Day“ ändert sich die Grundstimmung nicht und so haben die Balladen eindeutig den meisten Raum bekommen. Mag auch noch so viel Persönliches in dem Album “Caught Up In The Country“ verarbeitet sein, Rodney Atkins wünscht man sich eher mit seinen rockigen Titeln.

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Blue Moon Rising – After All This Time
(VÖ: 17.05.2019)

Als Tim Tipton, Justin Moses (heute nicht mehr dabei), Chris West und Keith Garrett im Jahr 2000 die Band Blue Moon Rising gründeten, sollte es zunächst nur darum gehen, unter Freunden überlieferte Bluegrass Melodien aufzugreifen und Spaß am gemeinsamen Musizieren zu haben. Bald schon stellte sich heraus, dass ihnen mehr Potenzial zur Verfügung stand, als die Musiker selbst von sich angenommen hatten. Nun, beinahe 20 Jahre später, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Formation Blue Moon Rising eine feste Größe innerhalb der Bluegrass Music ist. Ihr siebtes Album, “After All This Time“, zeugt davon. 13 Titel umfasst das Album und führt die Hörer behutsam von Titel zu Titel in eine Welt der sowohl virtuos als auch beinahe geheimnisvoll interpretierten Bluegrass Music. Der fein ausgearbeitete Satzgesang kann jedwedes Sujet transportieren. Da kommen altbekannte Titel wie “It Doesn’t Matter Anymore“ oder “Stand By Me“ auf eine äußerst wohltuende Weise zu Gehör. Blue Moon Rising präsentieren auf “After All This Time“ keine rekordverdächtige High Speed Bluegrass Music. Da steht eher eine ganz entspannte Laid Back Stimmung im Vordergrund. Dabei kommen aber die Fähigkeiten der sechs Musiker keinesfalls zu kurz. Brandon Bostic (Resonator Guitar), Chris West (Guitar), Justin Jenkins (Banjo), Keith Garrett (Mandolin), Randall Massengill (Guitar) und Tim Tipton (Bass) haben ein Arrangement zugrunde gelegt, welches dem Genre Bluegrass einen weichen Teppich unterlegt. Natürlich dürfen Soli aller Instrumentalisten stattfinden. Bei solch einer Musik kann man sich einfach zurücklehnen und genießen. Beinahe überflüssig, einzelne Titel des Albums “After All This Time“ von Blue Moon Rising herauszustellen. Ein Highlight allerdings ist die Adaption des Fred Eaglesmith Titels, “The Rocket“, in das Genre Bluegrass. Ein absoluter Ohrenschmeichler. Wenn zum Ende des Albums mit “We’ll Meet Again Sweetheart“ erklingt, ist nicht nur eine Hommage an Lester Flatt & Earl Scruggs gelungen. Ein tolles Album findet so einen würdigen Abschluss und kann nur bestens empfohlen werden.

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Liam Kennedy-Clark – Another Habit
(VÖ: 24.05.2019)

Gern vergisst man hierzulande, dass es “Down Under“ auch Country Music gibt. Im Land und Erdteil Australien denkt man nicht sofort an Country obwohl eine ganze Reihe ganz hervorragender Musiker dieses Genre bereichert haben. So wie Lee Kernaghan, der auch als „“Ziehvater“ für Liam Kennedy-Clark gelten darf und der über ihn sagt, er sein ein brillianter neuer Singer/Songwriter, eine Granate als Gitarrist und der Shooting Star in der australischen Country Music Szene. Dem Multiinstrumentalist wurde eine Fülle von Talent in die Wiege gelegt. Liam Kennedy-Clark scheint mit und durch die Musik überhaupt zu leben. Sein drittes Album, “Another Heart“, ist modern und traditionell zugleich. Die Arrangements sind teils bombastisch, teils zurückgenommen und präsentieren die Titel stets angemessen, ob als ruhige Ballade oder Uptempo Stück. Auf den 10 Songs seines Albums “Another Habit“ präsentiert Liam Kennedy-Clark eine Country Music, die erkennbar nicht aus dem Mutterland dieses Genres stammt, aber dennoch so zeitgemäß und gleichzeitig traditionell daherkommt. Sicher ist ein solches Werk nicht mit den heute angesagten Chartstürmern zu vergleichen. Diesem jungen Künstler sei zu wünschen, dass er seinen Weg in der Country Music weitergeht und dass man ihn weltweit zur Kenntnis nimmt.

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Ian Noe – Between The Country
(VÖ: 31.05.2019)

Liebhaber von klarer, unverstellter Singer/Songwriter Music sollten sich diesen Namen merken: Ian Noe. Kaum ein Interpret der letzten Jahre war so dicht an Bob Dylan, einem der größten Singer/ Songwriter, wie Ian Noe. Stimme, Arrangement, Texte, Ausdruck und was auch immer, man ist verblüfft. Wow, mit welcher Intension dieser Musiker seine Stories erzählt, ist ganz großes Kino. Soll man da auf einen der 10 Titel seines Albums “Between The Country“ besonders eingehen? Nur insoweit, als es sich hierbei eher um den Folk Rock handelt, der einst Bob Dylan groß machte. Wie es im Genre Folk recht üblich ist, erzählt auch Ian Noe manchmal über 4 Minuten lang seine Geschichten. Wunderbare Laid Back Music, der man einen Tiefgang nicht absprechen kann. Nennt er auch John Prine oder Merle Haggard als besondere Einflussgrößen für seine Musik, die Folk Music hat ihn am stärksten beeinflusst. Für alle Freunde von weiteren seiner Vorbilder wie Woodie Guthrie oder Neil Young ist Ian Noe eine wundervolle Ergänzung. “Between The Country“ bereichert jedes gut sortierte Musikregal.

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Dustin Sonnier – Between The Stones And Jones
(VÖ: 24.05.2019)

Geht das überhaupt? Musik zwischen den Rolling Stones und George Jones zu präsentieren. Da hat sich der junge Musiker aus Louisiana mächtig viel vorgenommen. Sein zweites Album, “Between The Stones And Jones“ will genau diesen vermeintlichen Gegensatz aufarbeiten.  So geht es also los mit einem rockigen “The Way She’s Looking“. “Ain’t Got One Honky Tonk“ relativiert aber sogleich die Richtung des Albums und lässt erst einmal beschwingten Honky Tonk erklingen. Bei “Dear Huntin‘“ hört man einer Ballade im Dreivierteltakt zu und vermisst die Stones keineswegs. Der Titelsong “Between The Stones And Jones“ fällt weniger als Rocknummer aus. Vielmehr als ein fetziges Uptempo Honky Tonk Stück. Der etwas in die Irre führende Titel “What She Don’t Know, Won’t Hurt Her“ ist dann aber eindeutig eine Hommage an George Jones, einen der größten Interpreten der Country Music überhaupt. Im weiteren Verlauf der 14 Songs auf “Between The Stones And Jones“ wechseln sich Balladen, swingender Honky Tonk und rockige Titel ab. Da ist für jeden etwas dabei. Dustin Sonnier verfügt zudem über eine trainierte Stimme, die den verschiedenen Titeln stets gerecht wird. Den Mann sollte man sich merken und man darf sich schon einmal auf weitere Alben des Country Interpreten aus dem tiefen Süden der USA freuen.

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Tim Bluhm – Sorta Surviving
(VÖ: 29.03.2019)

Der Mann hatte einige Nackenschläge zu verkraften. 2015 überlebte er einen Flugzeugabsturz und seit 2017 kämpfte er mit verschiedenen Infektionen um sein Leben. Als seine Ehe und musikalische Partnerschaft mit Frau Nicki 2018 zerbrach, war für Tim Bluhm nur noch eine Richtung erkennbar. Nach vorn. Der Multiinstrumentalist, Gründer und Mitglied von etlichen Bands, denen er meist als Frontsänger vorstand, fügte nun der langen Reihe von Alben auf denen er solo oder in einer Band mitwirkte, ein neues Soloalbum hinzu. “Sorta Surviving“ ist so etwas wie der ganz persönliche Blick nach vorn. So beginnt das Album auch folgerichtig mit dem Titel “Jesus Save A Singer“, in welchem er seinem Schöpfer dankt und sich selbst lediglich als einen einfachen Sänger tituliert. Singer/Songwriter Music der zurückgenommenen Art und feine Honky Tonk Music erwartet die Hörer. Ein guter Schuss musikalische Retrospektive macht aus “Sorta Surviving“ ein gängiges Album, das aber dennoch eine Botschaft trägt. Tim Bluhm, der im Süden von Kalifornien aufwuchs, beherrscht verschiedene Gitarren, Piano und Drums. Seine Songs trägt er mit einer angenehm warmen Stimme vor, die, wenn nötig, auch eindringlich sein kann. Seine Singleauskopplung “Raining Gravel“ ist eine Ballade, die dem American Chanson eher angehört als Country Music. Der Titelsong beschreibt das Leben als Musiker, der stets auf Achse ist und der bemerkt, dass er ein Alter erreicht hat, in welchem die Girls vor der Bühne nicht mehr der eigenen Altersgruppe entsprechen. Beinahe viereinhalb Minuten widmet Tim Bluhm dem Titel “Del Rio Dan“. Ein Titel, der eher in die Psychedelic Folk Ecke gehört. Eine Coverversion des Klassikers “I Still Miss Someone“ ist in der Bearbeitung von Tim Bluhm eine sehr persönlich gefärbte Ballade. Er kann aber auch anders. “Squeaky Wheel“ ist ein Uptempo Road Song, der vom Umherreisen, vom Ankommen und Weiterziehen und den Begegnungen dazwischen erzählt. Da treibt ein feines Banjo den Song weiter und weiter. Mit “Kern River“ endet das Album “Sorta Surviving“ mit seinen 10 Tracks. Der letzte Titel ist Country Music pur und eine Hommage an etliche Orte in den Rockies. Von Lake Shasta bis zum Kern River und Mount Whitney. Gut, dass es Tim Bluhm wieder gut zu gehen scheint. Seine eingeschlagene Richtung als Interpret stimmt auf jeden Fall.

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Steve Earle & The Dukes – Guy
(29.03.2019)

Man ist von Steve Earle ja gewohnt, dass er sich nicht verbiegen lässt und dass er seine Vorstellung von Country Music mit Outlaw Elementen und Rock zu verbinden versteht. So ist auch sein neues Album “Guy“ in diesem Sinne keine Ausnahme. Aber Steve Earle lässt hier mit seiner Band, The Dukes, seinen Freund und sein Vorbild Guy Clark posthum auf großer Bühne auftreten. Guy Clark war, wie Steve Earle, nie auf Chartplatzierungen aus. Er war ein Singer/Songwriter aus Texas, der eine Fülle bemerkenswerter Titel schrieb. 16 davon hat Steve Earle nun ausgesucht um seinen Hero zu ehren, der im Mai 2016 verstarb. Ob “Desperados Waiting For A Train“, “Rita Ballou“, “The Ballad Of Laverne And Captain Flint“, “The Last Gunfighter Ballad“ oder zum Schluss des Albums “Old Friends“, man hat Guy Clark vor Augen. Alle Titel sind eingerahmt vom typischen Sound der Dukes und sofort als Musik von Steve Earle erkennbar. Balladen soweit das Ohr hören kann. Dabei gibt es immer mal wieder Überraschungen im Arrangement. Steve Earle hat eben sein ganz eigenes und teils geniales Gefühl für die Präsentation von Musik. Etliche der Songs dürfen 4 Minuten und länger sein und damit haben die Musiker den Rahmen, der aus den Titeln ein ums andere Mal einen Hörgenuss werden lässt. Man wird Titel von Guy Clark kaum in den Charts finden. Fans der texanischen Country Music werden ihn aber als einen der ganz Großen seines Faches in Erinnerung halten. Ohne Zweifel wird dies auch Steve Earle zu teil werden. Seine Spuren in der Country Music hat er nicht nur als Interpret sondern auch als sehr geachteter Produzent mehr als deutlich hinterlassen. Kein Mainstream kann ihn dabei stören. Das Album “Guy“ ist voller Hochachtung vor dem Freund und Mentor produziert und bekommt dadurch einen besonderen Charme. Das ist kein Stoff zum Abfeiern, eher zum Nachdenken.

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Adam Carroll – I Walked In Them Shoes
(VÖ: 12.04.2019)

Kein geringerer als Produzent Lloyd Maines hielt die Fäden in der Hand als Adam Carroll sein nunmehr neuntes Album in einer einzigen Sitzung aufnahm und steuerte seinerseits den einen oder anderen Instrumentalpart bei. Carroll nennt als erste Vorbilder Joe Ely, Robert Earl Keen und Guy Clark und schon weiß man, dieser Kerl ist Texaner und fügt sich in die Tradition texanischen Songwriter ein. Gesang ist nicht sein herausragendes Merkmal. Adam Carroll war zunächst durch Rock Music beeinflusst und übte auf der E-Gitarre. „Doch erst die akustische Gitarre ließ mich fühlen, wie kein anderes Instrument vorher.“ So beschrieb Adam Carroll, wie er zu seinem Stil kam und wie er sich mit den Balladen identifiziert, die er zu seiner Akustikgitarre vorträgt. Manchmal klingt er wie Townes Van Zandt und wirkt in seiner Direktheit und Schnörkellosigkeit beinahe introvertiert. Da erinnert er an Bob Dylan und fügt eine weitere Assoziation eines musikalischen Überfliegers für die Hörer hinzu. Auch auf die typische Harmonica Begleitung verzichtet er nicht. Es versteht sich von selbst, dass alle 10 Titel seines Albums “I Walked In Them Shoes“ von ihm selbst geschrieben wurden. Er kündigt sie auch kurz und knapp mit Titel an, was für ein Studioalbum eher ungewöhnlich ist. Da die Titel sich gleichen, wie ein Ei dem anderen, fehlt dem Album etwas Esprit. Nur Stimme und eine akustische Gitarre. Das hat etwas von Live Atmosphäre eines kleinen Klubs. Sicher gut geeignet für einen ganz ruhigen Kaminabend mit einem guten Buch und die Musik bildet den leisen Hintergrund. Auch für Freunde von Storytelling Songs ist “I Walked In Them Shoes“ eine gut verständliche Kost.

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Horse Mountain: Songs From The Attic
(VÖ: 2019)

Es gibt eine bemerkenswerte neue CD und die kommt nicht aus den USA. Das Duo ‚Horse Mountain’ im schwäbischen Kusterdingen beheimatet, konnten wir u.a. schon ein paar Mal beim Bluegrass-Festival in Birkenried erleben. Seit sage und schreibe 45 Jahren musizieren Birgit und Dieter Stoll bereits zusammen und diese Erfahrung zahlt sich aus. Das neue Werk trägt den Titel „Songs From The Attic“, weil es praktisch im heimischen Dachboden aufgenommen wurde. Doch keine Sorge, die Akustik ist tadellos. Handgemachte, akustische Folk- Country- und Americana-Music haben die beiden sich vorgenommen und genau das können sie auch am besten. Überwiegend kommen hier nur akustische Gitarren, Kontrabass, Banjo und Mundharmonika zum Einsatz, nur bei wenigen Titeln erklingt mal eine Melodie auf der E-Gitarre oder der Steel-Guitar. Alle Instrumente haben die Birgit und Dieter selber eingespielt. Sage und schreibe achtzehn Songs enthält diese CD. Wir können die hier natürlich nicht alle einzeln würdigen, nur so viel: aus dem Umfeld der Byrds stammt „Sin City“, geschrieben 1969 von Chris Hillman und Gram Parsons. Noch etwas älter ist „Hard Times“ (1854) vom ‚Vater der amerikanischen Musik’, Stephen Foster, der damals mehr als 200 Volkslieder komponiert hat. So geht das munter weiter mit „City of New Orleans“ in der Originalfassung von Steve Goodman, das wir alle von Arlo Guthrie kennen. „500 Miles“ wurde erstmal ein Hit von den Journeymen (1961) und der Klassiker „Don´t Fence Me In“ (1934) wurde so oft gecovered, dass man es gar nicht mehr aufzählen kann. Bei „Jealous Heart“ (Jenny Lou Carson, 1944) stutzten wir einen Moment: Die Melodie kennen wir doch? Klar, das Lied gab´s mal auf deutsch von Lale Andersen („Blaue Nacht am Hafen“). Es ist unglaublich, was die beiden hier ausgegraben und gekonnt neu aufbereitet haben. Die Songs klingen herrlich und die Zeit beim Hören vergeht wie im Flug. Lobo, die Everly Brothers oder Willie Nelson hätten sicher ihren Spaß, diese Versionen Ihrer Songs zu hören. „Songs From The Attic“ ist ein echtes Juwel, das in der Sammlung von Liebhabern authentischer Folk- und Country-Music nicht fehlen sollte.

Jürgen Stier

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Reba McEntire – Stronger Than The Truth
(VÖ: 05.04.2019)

Retro ist in. Das dachte sich auch Reba McEntire und kündigte ihr neues Album als “pure country music“ an. Im ersten Titel, “Swing All Night Long With You“ geht es auch gleich mit einem aufgeweckten Honky Tonk Swing traditionell los. Darauf folgt mit dem Titelsong “Stronger Than The Truth“ eine Ballade, wie man sie von Reba McEntire erwarten darf. Eine Trennungsgeschichte bei der ein Fazit bleibt: es gibt keinen Whiskey, der stärker ist, als die Wahrheit. Das gleiche Sujet bedient der Titel “Storm In A Shot Glass“, diesmal als Mainstream Rockballade arrangiert. Eine Hommage an Tammy Wynette verbirgt sich in dem bitteren Resümee “Tammy Wynette Kind Of Pain“. Bis auf den Songschreibertrick, die Titel “Stand By Your Man“ und “D-I-V-O-R-C-E“ zu zitieren, bleibt der Song etwas zurück. Verwöhnt wird man aber gleich darauf mit der Ballade “Cactus In A Coffee Can“. Darin wird eine herzzerreißende Geschichte erzählt. Zwei Frauen sitzen im Flugzeug nebeneinander und kommen ins Gespräch, in dessen Verlauf, die eine ihre Lebensgeschichte erzählt, die zu Tränen rührt. Das ist der Stoff, den Reba McEntire braucht, um mit ihrer außergewöhnlichen Stimme tiefer gehende Gefühle auszudrücken. Produzent Buddy Cannon hat für einige besondere Gitarrenparts mit Brent Mason einen der besten seines Fachs ins Studio geholt, was gelegentlich für richtig feinen Musikgenuss sorgt. Das Album “Stronger Than The Truth“ ist ohne Zweifel ein Country Album, welches auf Balladen setzt, die die Hörer im Innersten berühren sollen. Das gelingt, weil Reba McEntire in der Lage ist, wie kaum eine andere, solche Inhalte zu transportieren. Dass es bei den 12 Titeln lediglich zweimal fröhlich swingen und zweimal rockig grooven darf, ist zu vernachlässigen. Den Schluss des Albums “Stronger Than The Truth“ bildet die Ballade “You Never Gave Up On Me“. Das gab es doch schon einmal. 1982 hatte Crystal Gayle einen gleichnamigen Titel in den Charts. Mit einem anderen Text und mit leisen Pianoklängen werden die Hörer entlassen. Ja, das Album enthält Country Music. Ob es, wie angekündigt, das Album ist, welches Reba McEntire wieder zurück zu ihren Country Music Wurzeln führt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist “Stronger Than The Truth“ eine feine Zusammenstellung, überwiegend balladesker Musik und für einen genüsslichen Musikabend bestens geeignet.

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Aaron Lewis – State I’m In
(VÖ: 12.04.2019)

Neues vom Wanderer zwischen den Genres Grunge und Country, Aaron Lewis. Sein nunmehr drittes Album, welches sich mit Country Music beschäftigt, heißt “State I’m In“. Mittlerweile dürfte sich der bärtige Endvierziger aus Vermont vom Gespött erholt haben, als er 2014 die amerikanische Hymne mit einem falschen Text vortrug. Zuvor hatte er ziemlich über Pop-Diva Christina Aguilera hergezogen, die den gleichen Fehler gemacht hatte. Verletzlich präsentiert sich Aaron Lewis im Titelsong “State I’m In“, in welchem er sowohl sein Leben als Musiker zu beklagen scheint, als auch eine verlorene Beziehung. Martialisch ist der Titel “God And Guns“ angelegt. Da wird die uramerikanische Beziehung zu Waffen und eine unbedingte Vaterlandsliebe beschworen. Eine hierzulande eher umstrittene Einstellung. So schwanken die Inhalte des Albums “State I’m In“ von Aaron Lewis zwischen dem Image eines harten Kerls, dem man besser nicht blöd kommt und dem empfindsamen, einsamen Wolf, den es auf der Suche nach Glück umhertreibt. Einen interessanten Gedanken besingt Aaron Lewis bei “If I Were The Devil“. Angesichts dessen, was er alles tun würde, wenn er der Teufel wäre, zieht er eine ernüchternde Bilanz. Was alltäglich so geschieht in der Welt, lässt für den Teufel wenig zu tun übrig. Alles, was ihm an Qualen für die Menschen einfällt, haben diese sich selbst bereits angetan. Aaron Lewis ist auf allen 10 Songs der Erzähler mit einer Bass-Bariton Stimme, die ein Outlaw haben muss. Wenn er beispielsweise im Titel “Burnt The Sawmill Down“ besingt, dass er das Sägewerk des Vaters seiner Angebeteten niederbrannte, nachdem dieser ihn mit Waffengewalt von seiner Tochter fernhielt. Schon mit seinem letzten Album “Sinner“ hat Aaron Lewis klar gemacht, dass er die Country Music bereichern kann. Mit seinem neuen Werk “State I’m In“ unterstreicht er dies. Aaron Lewis wird die Charts nicht ansatzweise erobern können. Aber er steht für eine Country Music, die absolut in die Zeit passt.

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Brooks & Dunn – Reboot
(VÖ: 05.04.2019)

Als Brooks & Dunn 2009 beschlossen, zukünftig getrennte musikalische Wege zu gehen, hatte ihre letzte Nummer Eins bereits fünf Jahre auf dem Buckel. Der Stern des, mit Awards überhäuften, Super Duos schien zu verblassen. Zudem hatten Kix Brooks und Ronnie Dunn unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung ihrer Zusammenarbeit. Ob die große Ehre, 2019 in die Reihe der Besten der Besten in die Country Music Hall Of Fame gewählt worden zu sein, den Ausschlag gab, nach 10 Jahren der Abstinenz ein gemeinsames, neues Album vorzulegen, sei dahingestellt. Mit “Reboot“ haben Brooks & Dunn ein Ausrufezeichen gesetzt. Beinahe selbstlos, haben sie für 12 ihrer erfolgreichen Titel junge, aktuell angesagte Kolleginnen und Kollegen ins Studio geholt und neu aufgenommen. Mit dem Abräumer der jüngsten Vergangenheit, Luke Combs, beginnt das Album treffend mit dem Song “Brand New Man“. Brett Young steuert bei “Ain’t Nothing ‘Bout You“ jede Menge Soul bei und “Neon Moon“ erlebt ein Reboot der Sonderklasse durch Kacey Musgraves. Neue Arrangements unter der Regie von Dann Huff lassen die altbekannten Erfolgstitel neu erstrahlen. “Lost And Found“ mit Tyler Booth, “Hard Working Man“ mit Brothers Osborne, “You’re Gonna Miss Me When I’m Gone“, überraschend different arrangiert, mit Ashley McBryde und “My Maria“ mit Thomas Rhett bilden das Mittelstück des Albums “Reboot“. Mit “Red Dirt Road“ beginnt die Schlusssequenz des Albums bei dem Cody Johnson seinen Einsatz hat. Selbst der sehr strapazierte Line Dance Knaller “Boot Scootin‘ Boogie“ erlebt ein Refresh mit Brooks & Dunn und den Männern der Gruppe Midland. “Mama Don’t Get Dressed Up For Nothing“ in einer Country Rock Version der Gruppe LANCO sorgt für zeitgemäßen Sound, bevor “Believe“ unter Mitwirkung von Kane Brown, der mit seinem R&B Hintergrund dem Album “Reboot“ von Brooks & Dunn einen sehr besinnlichen Ausgang beschert. Dieses Album präsentiert keineswegs “alten Wein in neuen Schläuchen“. Vielmehr ist diese Zusammenstellung ein Beispiel dafür, was man aus herausragend guter Musik machen kann. Zudem ebenso beispielgebend, was “altgediente“ und hochdekorierte Interpreten ihren “musikalischen Kindern“ weiterzugeben haben. Für Brooks & Dunn Fans ein Muss. Allemal aber für Fans guter Country Music in modernem Gewand ein Appetithappen.

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Randy Rogers Band – Hellbent
(VÖ: 26.04.2019)

Nach drei Jahren wieder ein Album der Randy Rogers Band. “Hellbent“ heißt es und hält manchmal was der Titel, übersetzt “wie wild“, verspricht. Mit „Drinking Money“ geht es auch gleich zur Sache. “Sie“ ist nicht zugegen um “Ihm“ zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat und so gibt er sein Geld aus für Whiskey und Poker, wohlwissend, dass dieser Lebenswandel das Leben kosten kann. Mit “Anchors Away“ stellen Randy Rogers und seine Band eine Trennung einmal ganz anders dar. Guten alten Roots Country Rock präsentiert der Titel “Comal County Line“. Ein beschwingter Walzertakt rahmt “We Never Made It To Mexico“ ein. Aus den manchmal gleichförmig klingenden Balladen sticht “Fire In The Hole“ heraus und beschreibt eine Liebe, die ein kurze Zündschnur hat und den Beteiligten wie eine Bombe um die Ohren fliegt. Ein Sad Song ist “Wine In A Coffee Cup“ in welchem es um die Lügen und Vertuschungen geht, die eine Alkoholabhängige zur täglichen Routine gemacht hat. Die Texte der 11 Titel auf “Hellbent“ der Randy Rogers Band scheinen alle aus dem echten Leben der Bandmitglieder zu stammen. Da wird die Trivialität eines unspektakulären Lebens ungeschminkt beschrieben aber auch die weniger erbauenden Seiten von Abhängigkeit und der verzweifelte Versuch der ganzen Tristesse zu entfliehen. Musikalisch ist dieses Album eher Normalmaß, was aber der Country Music sehr wohl gut zu Gesicht steht. Es muss ja nicht immer “Höher, Weiter, Schneller“ zur Maxime ausgerufen werden. Klare, nicht auf Effekthascherei ausgerichtete, Musik, bereichert die Menükarte der Country Musik auf angenehme Weise. “Hellbent“ ist wieder ein Beispiel dafür, dass es auch abseits der Charts sehr viel zu entdecken gibt.

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Markus Rill & The Troublemakers – Songland
(VÖ: 03.05.2019)

Seit langer Zeit entwickelt sich Markus Rill immer weiter als herausragender Musiker aus Deutschland. Über zwanzig Jahre legte er etliche Alben vom Feinsten vor und blieb dennoch ein Geheimtipp. Das könnte daran liegen, dass sich Markus Rill mit seiner Band, The Troublemakers, stets einer Schubladen Kategorisierung erfolgreich entzogen hat. Er wird mal als Folk Musiker, mal als Singer Songwriter, mal als Interpret guter, handgemachter, inhaltsvoller Balladen, mal als Americana Künstler und mal als Interpret von Country Music eingeschätzt. Klar, er präsentiert alle diese Stile. Aber Markus Rill steht für viele Musikrichtungen, nur einen gewissen Anspruch müssen sie gewährleisten. Mit dem neuen Album, “Songland“, warten in den 15 Tracks wieder einige Überraschungen auf die Konsumenten. “Fearless“ etwa präsentiert eine feine Gospel Adaption mit Textzeilen wie: „born to be fearless, born to be free.“ Es sind die Texte, die solch ein Album zu einem besonderen Produkt machen. Obwohl die Band, The Troublemakers, eine neue Besetzung aufweist, sind ihre ausnahmslos qualitativ hochwertig eingespielten Instrumentalparts angenehm zurückgenommen. So bleibt die Stimme von Markus Rill im Vordergrund und gibt jedem, manchmal emotional an die Grenzen gehenden, Gefühl rau und authentisch Ausdruck. “Songland“ ist wieder ein Album von Markus Rill & The Troublemakers welches heraussticht, aus den vielen Pop-Musik Alben, die sich mit Einsatz von Steel Guitar oder Fiddle und Banjo den Anschein von Americana oder Country Music geben. Diese Musiker um den Würzburger, der längst seine Ehrungen auch in Nashville bekommen hat, gehen einen anderen Weg. Das Arrangement der Titel auf “Songland“ lässt für viele verschiedene musikalische Vorlieben Raum und dürfte ganz sicher ein breites Fanpublikum finden. Es handelt sich nicht um kommerziellen Einheitsbrei, sondern um ganz fein ausgearbeitete Titel eines der wohl besten Songschreibers in Deutschland. Mit einer besonderen Melancholie geht “Songland“ mit dem Titel “The Great Mystery“ zu Ende. „Wo werde ich hingehen, wer werde ich sein, wen werde ich lieben, wird sie mich lieben, was werde ich finden, was werde ich sehen – das ist ein großes Mysterium.“ Wie ein Ausrufezeichen unterstreicht der letzte Titel die Intension von Markus Rill, die dieses Album wieder so gelungen werden ließ. “Songland“ ist ganz sicher ein Ausflug in das Land guter Musik und feiner Balladen.

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Marty Brown – American Highway
(17.05.2019)

25 Jahre sind vergangen, bis sich Marty Brown wieder in ein Aufnahmestudio begeben hat. Was war da los? Der Mann aus Kentucky ist ein bekennendes Landei. Dass er mit dem Leben und Lebensentwürfen vieler Menschen in den großen Städten seine Probleme hat, äußerte er immer wieder. Eine Art von Unangepasstheit, wenn man so will, hat bei Plattenbossen eher für Zurückhaltung gesorgt. Marty Brown wuchs in den Tabakfeldern seiner Heimat auf, wo er später auch arbeitete. Die Liebe zur Musik erbte er von seinen Eltern. Besonders seine Mutter lehrte ihn erste Gitarrengriffe und etliche Songs, die sie besonders gern und häufig sang. Kein Wunder, dass sich aus seiner Biografie entnehmen lässt, dass er als seine musikalischen Einflüsse, neben seinen Eltern, Hank Williams, John Denver, George Jones oder Roy Orbison nennt. Aber auch die Musik von Neil Diamond hat es ihm angetan. “American Highway“ ist das fünfte Album von Marty Brown, nachdem die vier Vorgänger nur wenig Aufmerksamkeit erregten. Für die ganz große Karriere hatte es bislang nicht gereicht. Mit den 10 Tracks auf “American Highway“ präsentiert Marty Brown Country Rock oder einfach All-American Singer Songwriter Music. Seine Stärke liegt im Songwriting. So hat er äußerst erfolgreiche Titel geschrieben. “I’m From The Country And I Like It That Way”für Tracy Byrd, “When I Stop Loving You” für Trace Adkins, „It Ain’t Me If It Ain’t You“ für Brooks & Dunn oder „I Pulled A Hank Last Night“ fürWilliam Michael Morgan, sind Beispiele für sein Talent als Songschreiber. Außerdem tourte er z.B. mit Garth Brooks, Alan Jackson oder Hank Williams Jr.. Das Attribut authentisch trifft seine Interpretationen wohl am ehesten. Marty Brown ist kein Gesangsvirtuose. Wenn er aber seine ruhigen Balladen mit tieferer Stimmlage erzählt, ist er absolut hörenswert. Das Album startet mit dem Road Song “American Highway“ und gleich darauf kommentiert er bei “I’m On A Roll (Better Than It’s Ever Been)“, friedlich versöhnt, seine Vergangenheit, in der er so manchen Nackenschlag hinnehmen musste und blickt auf sein heutiges Leben mit Zufriedenheit. Bei “When The Blues Come Around“ lässt er aber doch Gedanken an seine harten Zeiten zu, auf die man am Besten vorbereitet sein sollte. Es steckt überhaupt sehr viel von Marty Brown in den Songs auf seinem Album “American Highway“. Da mussten sicher etliche Emotionen verarbeitet werden. Ehrlicher kann man sich kaum präsentieren. Man sollte die Titel nicht an sich vorbeifließen lassen. Es lohnt sich einmal genauer hinzuhören.

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Brent Moyer – Doing Better Now
(VÖ: 26.04.2019)

Auch abseits der Charts gibt es Musiker und Interpreten, die für die Country Music sehr wichtig sind. Oder vielleicht gerade deshalb. Musiker, deren Hauptanliegen gute Musik ist, haben es bisweilen schwer eine verdiente Anerkennung zu bekommen. Das trifft auch auf Brent Moyer zu, der seit über 30 Jahren als Interpret, Songschreiber und Produzent arbeitet. Sein exzellentes Gitarre Spiel garantiert ihm und den Fans stets ein hohes Niveau in seinen Songs. Auf seinem neuen Album, “Doing Better Now“ hat er sich bei 10 der 12 Songs Co-Autoren ins Boot geholt. Illustre Namen wie Joe Collins, John Hadley oder Thomm Jutz liest man da. Letzterer, bestens bekannt als der Ausnahmegitarrist aus dem Badischen, der in Nashville als Produzent arbeitet und sich nicht nur im Bluegrass einen geachteten Namen gemacht hat, steuert mit “Just To See The Other Side“ einen Americana Titel aus seiner Feder bei. Das Album beginnt mit einem fließenden Country Song, der aus einer Vergangenheit grüßt, als Rock und harter Sound noch in weiter Ferne lagen. Gleich darauf erklingt mit “Stop Boudé“ eine Cajun Music und mit “Broke A Lot Of Mirrors“ ein Storytelling Honky Tonk. “Lawrenceburg“ könnte eine Titelmusik für einen Cowboyfilm sein. Sein Synonym, The Global Cowboy, hat sicher damit zu tun, dass er sich in seiner langen Karriere sehr oft in die weite Welt getraut hat. So produziert er schon lange beim Schweizer Label Brambus Records und seine aktuelle Tour findet auch überwiegend in der Schweiz statt. Auf dem Titelsong “Doing Better Now“ swingt es vorzüglich und wartet mit feinen Instrumentaleinlagen auf. Mit angenehmer Baritonstimme bringt Brent Moyer bei “Not About Nice“ auch bittere Erkenntnisse, von einer Jazztrompete eingerahmt, leicht verdaulich zu Gehör. Ein Beispiel für feines Gitarre Spiel ist der Titel “Snowblind“, der in ein mexikanisches Arrangement gekleidet ist und mit dem Saxophon von Jay Patton zur Weltmusik mutiert. Ein Highlight des Albums. Der über 70-jährige Brent Moyer hat der Musikwelt ganz sicher noch viel zu geben. Beim letzten Titel, “Love And Laughter“, ist der, mit brüchiger Stimme vorgetragene, Teil schon zu Ende, als sich noch einmal ein feines Gitarre-Outro anfügt und das Album wunderbar ausklingen lässt. “Doing Better Now“ ist ein wirklich “gut gemachtes“ Album von hoher Qualität.

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George Strait – Honky Tonk Time Machine
(VÖ: 29.03.2019)

Es ist schon 5 Jahre her, seit George Strait mit der “The Cowoy Rides Away Tour“ seinen Bühnenabschied beging. Der Musik wollte er aber treu bleiben und legte folglich weitere Alben auf. Nach nunmehr drei Jahren folgt mit “Honky Tonk Time Machine“ eine neue Produktion des Country Stars, der Superlativen sammelt wie kaum ein anderer. Sage und schreibe über 60 Nummer Eins Hits, sagenhafte Zuschauerzahlen bei seinen Konzerten und die Tatsache, dass er seit seinem ersten Charteintrag mit der Single “Unwound“ aus 1981 beinahe 40 Jahre als Top Act der Country Music gilt. Sein Stil ist texanisch geprägt und bedient, wie auch im neuesten Album, den Honky Tonk wie auch die ruhigen Balladen. George Strait ist sich stets treu geblieben und die Fans können sich auf ihn verlassen. 13 Titel, bei den meisten hat George Strait als Co-Autor mitgewirkt, bieten den Fans der eher traditionell angelegten Country Music wieder ein feines Album. Mit der Single “God And Country Music“ will George Strait wieder ganz nach oben. Ob das gelingt? Es ist so ein vertracktes Ding mit der Gunst der Konsumenten. Hat man einmal seinen schrittweisen Rückzug verkündet, wird es zunehmend schwerer als aktueller Star präsent zu bleiben. Früher konnten die Plattenverkäufe für volle Konzerthallen sorgen. Heute ist es eher umgekehrt. Insoweit hat George Strait seinen “Abgang“ vorbereitet. Oder etwa nicht? Schon füllt er doch wieder Stadien mit der aktuellen “Strait To Vegas“ Show. Der Rücktritt vom Rücktritt? Bei der Qualität von George Strait selbst und seinen Songschreibern wie Dean Dillon oder Sohn Bubba Strait klingt, swingt und schmeichelt es wie eh und je. Wenn “Take Me Away“ die Hörer zum Two Step im Texas Honky Tonk auffordert oder bei der Stroytelling Ballade “The Weight Of The Badge“ an die Menschen erinnert, die für die Gemeinschaft Gesundheit oder gar das eigene Leben riskieren, sind die Hörer mitten im Herz der Country Music angekommen. Selbst die aufpolierte Version von “Old Violin“, das einst Johnny Paycheck unter die Top 25 brachte, ist eine ganz feine Ergänzung des Albums “Honky Tonk Machine“. Obwohl der Sound und die Interpretation von George Strait den Fans so präsent und vertraut erscheint, gibt es immer wieder besonders gute Titel zu entdecken. So auch diesmal. Der Mittsechziger kann der Country Music ganz sicher noch einige Jahre wertvolle Beiträge hinzufügen. Den Abschluss bildet “Sing One With Willie“, eine Walzerversion, die an solche Heroen wie Merle Haggard, Waylon Jennings oder Johnny Cash erinnert. Das einzigartige Gitarre Spiel von Willie Nelson kündigt den Altmeister schon lange an, bevor er selbst einen Gesangspart übernimmt. “Honky Tonk Machine“ ist ein wertvolles Album und unterstreicht erneut die große Klasse von George Strait.

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Clay Walker – Long Live The Cowboy
(VÖ: 21.01.2019)

Er sei nun endlich bei sich angekommen. Das lässt Clay Walker zur bevorstehenden Veröffentlichung seines Albums “Long Live The Cowboy“ verlauten. Es war sehr ruhig um ihn geworden. Sein letzter Charteintrag stammt aus dem Jahr 2012 und sein letztes Album “She Won’t Be Lonely Long“ sogar aus 2010. Mit den 11 Songs auf dem neuen Longplayer will Clay Walker an die zeitgenössische Spitzengruppe der Country Music Anschluss finden. Man merkt dem Album an, dass hier mit aller Macht der Zeitgeist beschworen wird. Doch wie man aus einem Arbeitspferd kein Rennwunder machen kann, so ist das auch mit Clay Walker. Die Kiekser in seiner Stimme sind reifer und auch weniger geworden. Aber den modernen Cowboy muss man ihm nicht unbedingt abnehmen. Gerade von ihm, der seine Nummer Eins Erfolge in den Jahren 1993 bis 1997 hatte und mit “Rumor Has It“ oder “This Woman And This Man“ durchaus herausragende Titel platzierte, erwartet man keine Rock Country oder Bro Country Music. Das passt einfach nicht. “Little Miss Whiskey“ ist so ein wenig überzeugender Versuch ganz hypermodern zu erscheinen. Dabei ist Clay Walker immer dann richtig gut, wenn er seine Balladen wie “Napkin“ oder “Workin‘ On Me“ vorträgt. Doch auch ein Uptempo Song kommt richtig gut. “Makes Me Want To Stay“ hat einen treibenden Groove und ein modernes aber gut abgestimmtes Arrangement. Mit “Love Is Like The Rain“ endet das Album und da ist er gut herauszuhören, der Clay Walker, der keine Stimmakrobatik braucht und dennoch seine Inhalte eindringlich präsentiert. Die Verwandlung in einen Rocker steht ihm nicht und seine Fans lieben ihn für das, was er seit eh und je gut kann. Mit “Long Live The Cowboy“ hat der fast 50-jährige Texaner ein Album vorgelegt, welches einige irritierende Titel aufweist, aber letztlich zu einem versöhnlichen Gesamteindruck führt.

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Detentions – Yes It Is
(VÖ: 11.01.2019)

 

Der Name der Formation Detentions bedeutet frei übersetzt: Nachsitzen. Dan Sullivan und Chris Hillier sind beide Lehrer und so lag der witzige Name sicher nahe. Nachdem die beiden ihre Gemeinsamkeiten in der Vorliebe für Musik entdeckten, führte ihre Zusammenarbeit 2010 schließlich zu ihrem ersten Album “Rockamole“. Nun haben sie ihr fünftes Album am Start. “Yes It Is“ ist erneut geprägt durch die unaufgeregten Arrangements, die feinen Balladen und klaren Texte. Das ist Singer/Songwriter Music vom Feinsten. Eine Mischung aus Country/Rock/Coastal und Americana bilden das musikalische Gerüst für die Music von The Detentions. Die beiden Musiker beschreiben ihre musikalischen Einflüsse von Kiss, The Police über The Beatles über Singer/Songwriter Jim Croce, Gordon Lightfoot und John Mellencamp bis Robert Earl Keen, James McMurtry, Jerry Jeff Walker und Walt Wilkins. Bei solch einer Bandbreite ist für verschiedenste Unterhaltung gesorgt. Mal locker und flockig, mal ganz ruhig und besinnlich bis zu eher fröhlichen Titeln reicht das Angebot. Nach “nur“ 10 Titeln ist Schluss und man hätte gern noch mehr gehört. Vielleicht sollte man mal in den Vorgängeralben stöbern. Auf jeden Fall heben sich The Detentions wohltuend vom Radio Play ab.

 

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Thomm Jutz, Eric Brace, Peter Cooper – Riverland
(VÖ: 8. Februar 2019)

 

Ein neues Konzeptalbum des herausragenden Gitarristen und hoch geachteten Produzenten Thomm Jutz, der diesmal mit den Kollegen Eric Brace und Peter Cooper kollaboriert, nimmt auf den 14 Tracks Bezüge zu bestimmten Büchern, die mit dem Thema Mississippi umgehen. Ob Mark Twain, Willie Morris oder William Faulkner, die literarischen Vorlagen handeln entweder vom großen “Old Man River“ oder vom Bundesstaat Mississippi, vor allem aber von den Menschen im Süden der USA entlang des gewaltigsten Flusses Nordamerikas. Thomm Jutz sagte hierzu: „Die amerikanische Musik ist so stark beeinflusst durch den Staat Mississippi und durch den Fluss, dass daran keiner vorbeikommt, der sich für amerikanische Musik interessiert“. Grandiose Ideen des Produzenten, Gitarristen, Songschreiber und Harmoniesänger Jutz, die Geschichte und Geschichten des Mangolia State musikalisch aufzuarbeiten. Die große Flut, der Bürgerkrieg, Rassenproblematik oder ganz einfach die Heimat des Blues, das sind unerschöpfliche Themen, die ja auch die genannten Literaten beeinflusst haben. Die Kollegen Eric Brace und Peter Cooper sind sozusagen die Frontmänner des Projektes. Schon mit dem ersten Titel, “River City“, wird deutlich, dass es hier um wunderbar behutsam arrangierte und eingespielte Musik geht. Gitarre Spiel wie seichte Wellen des Mississippi, begleitet von sanft durchdringenden Bassklängen, die andeuten, dass der große Fluss auch wild und gefährlich sein kann. Da widmen sie einen Titel Mike Fink, Beiname “King Of The Keelboat Men“, dem Raubein und legendären Flussschiffer, der mit den Kielbootseglern auf dem Mississippi unterwegs war. Aber mit “To Be A Steamboat Man“ geht es um die modernere Technik der Dampfschifffahrt. Mit der besinnlich fließenden Ballade “Mississippi Rest My Soul“ endet das “Riverland“. Mit diesem Album zeigen Eric Brace, Peter Cooper und Thomm Jutz eine ganz eigene, besondere Seite von Musik aus dem Süden der USA. Lässt man sich darauf ein, öffnet sich der Blick auf die Gemeinsamkeiten, die Menschen dort wie hier miteinander verbinden. “Riverland“ ist ein Album für Liebhaber echter, handgemachter Singer/Songwriter Music vom Feinsten.

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Joe Nichols – Never Gets Old – Traditional Country Series
(VÖ: 31. August 2018)

 

Ein Projekt, welches auf einer außergewöhnlichen Idee beruht, ist von Joe Nichols 2018 auf den Weg gebracht worden. Der Sänger aus Arkansas, dessen Karriere 2002 mit seinem Hit “Brokenheartsville“ so richtig durchstartete, kam wohl 2017 nach seinem Album “Never Gets Old“ auf die Idee, jeden Monat eine Coverversion alter Hits seiner musikalischen Vorbilder zu veröffentlichen. Dazu jeweils ein extra produziertes Video. Die EP “Never Gets Old – Traditional Country Series“ beginnt mit dem Song “Good Ole Boys Like Me“, der einst für Don Williams ein Top 2 Hit war. Weiter geht es mit “The Rose Is For Today“ (No. 70 der Billboard Charts 1981 für Jim Chesnut). Eine ganz ruhige Version des Merle Haggard Klassikers “Sing Me Back Home“ schließt sich an. Ein Ronnie Milsap Titel, “There’s No Gettin‘ Over Me“ aus dem Jahr 1981 und “Ten Feet Away“ von Keith Whitley sind Titel 4 und 5, bevor mit “Choices“ vom Altmeister George Jones und aus der Feder von Billy Yates die Hommage an diese Künstler und an diese tollen Titel endet. Eine feine Auswahl, die von Joe Nichols auf seine eigene Art interpretiert wurde und vielleicht gerade deshalb keineswegs verstaubt daherkommen. Gerne mehr davon.

Manfred Hesse