Wie vormals im Print-Magazin, werden hier, verschiedenste CDs vorgestellt. Hier die Besprechungen die weiter zurück liegen

Soweit nicht anders genannt, alle Reviews von Manfred Hesse

CD Besprechungen - Inhaltsverzeichnis

Mary Chapin Carpenter – The Dirt And The Stars

(VÖ: 07.08.2020)

Fans feiner Lyrics, die manchmal so verblüffende Wendungen nehmen, und Fans ganz ausgeklügelter Musik mal als Americana, mal als American Chanson und selten als Country Music Anlehnung wissen um die Qualitäten von Mary Chapin Carpenter. Die Sängerin aus New Jersey ist seit über 30 Jahren eine ganz bedeutende Künstlerin dieser Genres. Sie als Country Sängerin zu bezeichnen, wäre nicht gerecht. Sie ist viel mehr. Fast immer stemmt sie sich gegen Mainstream und bietet ihren Fans musikalisches Seelenfutter vom Allerfeinsten. Leichte Unterhaltung ist einfach nicht ihr Ding und so lässt sie ihre Titel auch gerne mal vier, fünf oder bis zu sieben Minuten weilen. Da versteht es sich von selbst, dass die musikalische Untermalung nur von richtigen Könnern ihres Fachs gestaltet wird. Das ist immer eine Freude zu hören. Den Andeutungen und Narrativen ihrer Songs zu folgen, ist nicht immer leicht.  Country Music sucht man auch auf dem Album “The Dirt And The Stars“ vergebens. Mary Chapin Carpenter kann ihre Vergangenheit in der Folk Music Szene nicht verleugnen. Allerdings hat sie dieses Genre mit ihren Ansprüchen angereichert. Ihre Stimme, die oft dunkel dann aber wieder angehoben intensiv die Hörer fasziniert, ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für die Sängerin. Oft sind bittere Lebensweisheiten die Inhalte ihrer Songs. So wie bei “Asking For A Friend“ oder bei “It’s Ok To Feel Sad“. Die nachdenklichen Parts werden gern von Piano und Cello untermalt oder von Mary Chapin Carpenter mehr gehaucht als gesungen. Mit dem Titelsong “The Dirt And The Stars“ blickt eine Frau in ihren besten Jahren mit einer wissenden Sehnsucht auf das zurück, was damals leicht und flüchtig war. Da ist eine Künstlerin auf dem Zenit ihres Ausdruckes und anspruchsvoller Botschaften angekommen. Das ist keine leichte Kost und damit umso wertvoller in der heutigen Ex und Hopp Zeit. Ob eine B3 Organ oder eine wunderbar nostalgisch gespielte halbakustische Gitarre die Songs umschmeicheln, da ist jede Menge Raum gelassen für diese künstlerischen Elemente. Das allein ist das Hören des Albums “The Dirt And The Stars“ von Mary Chapin Carpenter wert. Welch ein Genuss. Mit zwei Bonus Tracks ist das Album somit auf 13 Songs und über eine Stunde Spieldauer eine echte Bereicherung gut sortierter Musiksammlungen.

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Michael Hearne – Better Days

(VÖ: 18.01.2021)

Es gibt sie noch, die Singer und Songwriter, die mit eher leisen Tönen und feinen Texten begeistern können. Michael Hearne ist solch ein Könner. Der so untypisch zurückhaltende Texaner, macht seit über vierzig Jahren eine Mischung aus Folk und Country Music und unterhält seine Hörer auf eine unaufdringliche und dennoch eindringliche Weise. Wenn er etwa bei “Tennessee Road“ an den großen Elvis Presley erinnert oder bei “A Song For John Prine“ an den 2020 verstorbenen Meister des Songschreibens gedenkt, Michael Hearne setzt eine liebgewonnene Tradition fort. So sind seine Songs eine Demonstration, wie man auch ohne Arrangement Tricks gute musikalische Unterhaltung präsentieren kann. Die Nähe seiner Heimat zu Mexico hat ihn sicher für den Titel “Una Mas, Por Favor“ inspiriert. Man möchte einstimmen: davon darf es ruhig etwas mehr sein. Zum Schluss des Albums “Better Days“ erinnert er mit “Mother Nature“ daran, dass wir doch nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen sind. So verbindet Michael Hearne Aussagen mit feiner Musik, die sowohl unterhält aber auch einmal innehalten lässt. Das ist beileibe keine charttaugliche Radio Play Music. Und genau das macht den Wert dieses Albums aus. Eine Ruhe Oase in der oft so übertrieben hektischen Zeit, von der wir uns so gern einmal eine Pause wünschen. “Better Days“ von Michael Hearne ist so eine Möglichkeit des Entspannens.

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The Small Town Sinners – Union Ave

(VÖ: 05.11.2020)

Punk, Grunge, Blues, Rock trifft manchmal auf Country. Die drei Männer und die Frau, die vermutlich die Jungs der Band voll im Griff hat, das sind The Small Town Sinners. “Union Ave“, mit dem Coverbild aus Bakersfield, ist das Debütalbum der Band. Sie entziehen sich jeglicher Versuche, sie in eine Musikrichtung zu verorten. Das ist Avantgarde pur und somit keine einfache Kost. Wenn mal Songs wie “Where We Go“ im Bob Dylan Sound ertönen oder “Cheaters Love Song“ á la Townes Van Zandt, ist die außergewöhnliche musikalische Anspruchshaltung der Band greifbar. “Union Ave“ ist ein ganz und gar ungewöhnliches Album. Mit 15 Titeln ist dieser Ausflug in die Hemisphäre der Musik für Fans von Kunst fernab des Mainstream ein fetter Happen. Country Music Fans werden hier sicher nicht fündig. Interessant aber dennoch.

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Tony Kerr – Crying My Heart Out Over You

(VÖ: 2021)

Fans alter Country Music Songs oder Titel aus längst vergangener Zeit, aufgepasst: Das Album des irischen Country Sängers Tony Kerr, “Crying My Heart Out Over You“, bietet genau das. Wunderbar nostalgische Titel, wie den Titelsong oder den Merle Haggard Klassiker “Silver Wings“. Oder “Don’t Let Me Cross Over“, eine Nummer Eins für Carl & Pearl Butler im Jahr 1962. Wer bei “Back In Love By Monday“ nicht ins Schwärmen gerät, hat allerhöchstens die Gnade der späten Geburt. Nicht zu vergessen, das Duett mit Leona Williams, “Just Between The Two Of Us“, welches einst Merle Haggard mit Ehefrau Bonnie Owens einsang. Das Album des hierzulande recht unbekannten Iren Tony Kerr ist eine liebevolle Erinnerung an alte Zeiten. Aber nicht nur das. Tony Kerr ist ein richtig guter Country Sänger und mit diesem Album rührt er an das Herz eines jeden Fans guter alter Country Music. Oh wie selten gibt es solches heutzutage.

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Branded Bluegrass – Somebody‘s Child

(VÖ: 11.01.2021)

Ein Familienprojekt von Larry Norfleet, Jesse Norfleet und Tristen Norfleet, ergänzt durch Upright Bass Player Mike Martin ist unter dem Bandnamen Branded Bluegrass am Start. Alle Mitglieder spielten schon länger in verschiedenen Bands der Bluegrass Music. So ist auch das Album “Somebody‘s Child“ weitestgehend als Bluegrass Album zu hören. Etwas Gospel, etwas Storytelling Country, alles in feine akustische Instrumentierung gehüllt, und fertig ist das Paket. Mit der Single “Mama‘s Kitchen Table“ geht es los. In dem kleinen Heim spielte sich das Leben rund um den Küchentisch halt ab. Leider können die Lead Vocals mit der Virtuosität der Instrumente nur schwerlich mithalten. 12 Songs umfasst das Album der Band aus Kokomo, Indiana. Besondere Highlights sind aber nicht darunter. So fließen die Melodien dahin und nach 40 Minuten hat man sich kurzweilig unterhalten.

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Catherine Britt – Home Truths

(VÖ: 15.01.2021)

Freunde der australischen Country Music werden Catherine Britt sicher kennen. Ihr erstes Studioalbum stammt bereits aus 2001. Nach einer Lehrzeit in Nashville kehrte Catherine Britt auf den fünften Kontinent zurück und arbeitete dort sowohl solo, als auch in einem Bandprojekt. Ihr Album “Home Truths“ ist eine Rückkehr zu der Country Music, die sie früher präsentierte. Eher traditionell gegründet und dennoch leichtgängig und absolut radiotauglich. Zu Beginn erläutert sie im Song “I’m A Country Song“ ihr Country Feeling. Sie ist gereift, auch weil das Leben sie durch eine Brustkrebserkrankung schwer geprüft hat. Nun als mehrfache Mutter hat sie das Girlie Image vergangener Tage abgestreift. Bei “Country Fan“ hat sie sich den australischen Vorzeige Country Sänger Lee Kernaghan als Duett Partner gesichert. Bei “Hard To Love“ mischt Jim Lauderdale mit. Catherine Britt kann stimmgewaltig mit etlichen der ganz hochdekorierten Sängerinnen der Neuzeit mithalten. Mit viel Empathie und Kraft interpretiert sie ihre Songs in welchen sie Erfahrungen wie das Mutter Sein in “Gonna Be Momma“ besingt oder die bitteren Wahrheiten wie im Titelsong “Home Truths“. Das Album ist aufmerksam arrangiert und bietet sowohl den Fans moderner Interpretationen als auch Traditionalisten genügend Songs die gefallen. Mit diesen Titeln des Albums “Home Truths“ von Catherine Britt ist man angenehm unterhalten.

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Scott MacKay – Stupid Cupid

(VÖ: 08.01.2021)

Aus Kanada kamen schon immer bemerkenswerte Interpretinnen und Interpreten der Country Music. Vom legendären Hank Snow bis zur Pop Country Überfliegerin Shania Twain. Aber auch Terri Clark, k.d. lang, Anne Murray oder jüngst Tenille Townes haben es über ihr Heimatland hinausgeschafft, als Stars der Country Music große Beachtung zu erlangen. Da kommt plötzlich ( okay seit 2012) ein Scott MacKay her und macht mit ganz besonderer Beziehung zur Country Music auf sich aufmerksam. Er fühlt sich der Country Music der 1950er und 1960er Jahre verbunden und so ist sein drittes Album “Stupid Cupid“ auch in Arrangement und Instrumentierung dieser Zeit entlehnt. Nach dem Albumtitel “Stupid Cupid“ und anschließend “11 Yellow Roses“, zwei flotte Two Step Dance Songs, folgen mit “Opposites Attract“ und “Romance Novel“ ruhigere Balladen. Nachdenklich machend und mit einer ins Herz gehenden Mundharmonika untermalt, ist der Titel “They’re Makin‘ Love Below Us“. So wechseln sich flotte Rhythmen mit langsamen Balladen ab und versetzen die Hörer wieder in die Zeit der guten alten Country Music. Zum Schluss gibt es noch etwas Lebenshilfe mit den nur gesprochenen Zeilen zu “God Walks Into A Bar“. In jeder Hinsicht außergewöhnlich für die heutige Zeit ist das Album “Stupid Cupid“ von Scott MacKay.

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Morgan Wallen – Dangerous – The Double Album

(VÖ: 08.01.2021)

Der Mann wird bereits als der kommende Superstar der Country Music gehandelt. Gemessen an seinen Download Zahlen ist Morgan Wallen ganz sicher auf diesem Weg. Nach zwei EPs und seinem ersten kompletten Album “If I Know Me“ aus 2018 folgt nun mit “Dangerous – The Double Album“ ein Mammutprojekt, welches mit 30 Titeln und eineinhalb Stunden Spieldauer für die Fans ein ganz dickes Paket darstellt. Die Corona bedingte Zwangspause im Tour Plan generierte jede Menge Zeit um neue Songs zu schreiben. Und so folgte Song auf Song. Morgan Wallen wollte nach eigenen Angaben kein Doppel Album machen, als er anfing zu schreiben. Schon gar nicht sollten “Lückenfüller“ produziert werden. So ist er stolz auf jeden einzelnen Track auf seinem neuen Album. Treibende Rhythmen, starke Erzählungen in modernes Arrangement gepackt, so zieht es sich durch vielen Songs. Gleich die ersten Titel lassen die Zuhörer in seiner Musik versinken. In “Sand In My Boots“ entwickelt sich eine Geschichte um eine sich anbahnende Beziehung, erzählt in feinster Modern Country Music. Gleich darauf folgt mit “Wasted On You“ das Bild eines verkaterten Morgens mit der Erkenntnis, dass er selbst Schuld hat wenn die Beziehung kaputt geht. Es folgen einige Songs, die sich um Whiskey als vermeintlichen Helfer drehen. Da sind auch einige Country Pop Rock Arrangements dabei. Dann aber gibt es wieder feine Country Music, etwa mit der modernen Ballade “Wonderin‘ Bout The Wind“. Mit Kollege Chris Stapleton bestellt er bei “Only Thing That’s Gone“ beim Bartender den letzten, starken Drink. Mit der Ballade von Jason Isbell “Cover Me Up“ hinterlässt Morgan Wallen einen ganz starken Eindruck. Intensiv, kraftvoll und voller Emotion. Immer wieder geht es in den Texten um das Leben in den kleinen Orten, die man kaum Städte nennen kann und das Erstaunen, in einer anderen, beispielsweise Nashville, Welt die Augen zu öffnen. Beim Titelsong “Dangerous“ muss man schon sehr fit sein um den in rasendem Tempo gesungenen Versen folgen zu können. Das ist ein poporientierter Titel, auf den man gut hätte verzichten können. Bei der Fülle an Titeln kann man leicht den Überblick verlieren. Manches klingt ähnlich. Dennoch ist das Album “Dangerous“ von Morgan Wallen ein gelungenes Projekt, welches den Interpreten richtig gut präsentiert. Feine Balladen wechseln sich mit rockigeren Songs ab. Da mussten wohl jede Menge Songs einfach mal veröffentlicht werden. Offensichtlich hat Morgan Wallen noch viel mehr auf der Pfanne. Sonst hätte er aus diesem Doppelalbum sicher zwei getrennte Werke gemacht. Man darf gespannt sein, was von ihm noch zu hören sein wird.

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Steve Earle & The Dukes  – J.T.

(VÖ: 04.01.2021)

Steve Earle ist ein Ausnahmekünstler aber auch einer, an dem sich die Geister scheiden. Zum einen ist er ein genialer Songschreiber und Produzent, auch als Interpret hat er große Erfolge eingeheimst. Als Vater hatte er ganz sicher Defizite. Am 23.08.2020 starb sein Sohn Justin Townes an einer Überdosis Heroin. Vater Steve Earle, selbst immer mit diesen Dämonen kämpfend, musste seinen Sohn vor ihm gehen lassen. Das ist harter Tobak. Er setzt noch einen drauf, indem er ein Tribute Album für seinen Sohn veröffentlicht. Mit dem Album “J.T.“ setzt er posthum Justin Townes Earle, den er nach seinem musikalischen Hero Townes Van Zandt benannte, ein Denkmal. Zehn Songs seines Sohnes nahm er mit seiner Band The Dukes auf und ergänzte um seine eigenen persönlichen Worte im letzten Titel “Last Words“. Das ist kein Album zum Feiern obwohl mit Titeln wie “They Killed John Henry“ oder “I Don’t Care“ und “Harlem River Blues“ eine beinahe fröhliche Beschwingtheit einhergeht. Das Album “J.T.“ ist nur etwas für Steve Earle Fans. Dass Steve Earle nach seinen Tribute Alben für Guy Clark (“Guy“) und Townes Van Zandt (“Townes“) nun auch für seinen Sohn ein Tribute machen musste, ist bewegend und hat mit fröhlicher Unterhaltung nichts zu tun.

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The Infamous Stringdusters – Dust The Halls: An Acoustic Christmas Holiday!

(VÖ: 04.12.2020)

Für ihren innovativen Umgang mit Bluegrass Music sind The Infamous Stringdusters u.a. mit einem Grammy dekoriert worden. Alle fünf Musiker aus Nashville sind Meister ihres Fachs. Hinzu kommt, dass die Band immer wieder mit intelligenten Ausflügen in die Welt der Musik aufwarten und mal Bluegrass, mal akustische Aufarbeitungen unterschiedlicher Genres angehen. Zunächst wollte die Band nur Konzerte geben. Mittlerweile haben sie zehn Studioalben produziert. Ein Christmas Album stand erst einmal nicht auf der To Do Liste. Mit “Dust The Halls: An Acoustic Christmas Holiday!“ hat sich das geändert. Zehn der bekanntesten Christmas Songs haben The Infamous Stringdusters überarbeitet. Diese akustische Präsentation ist sowohl absolut hörenswert, als auch ganz sicher eine liebenswerte Abwechslung unter den Christmas Produktionen, welche manchmal hart an der Grenze zum Kitsch vorbei schrammen. Nicht so hier. Von “Joy To The World“, tatsächlich macht der Titel Laune, über “Little Drummer Boy“ und “Jingle Bells“, das jazzige “Christmas Is Coming“ bis zu “Holy Night“ spannen The Infamous Stringdusters einen Bogen, der sowohl die Festlichkeit berücksichtigt, als auch fröhliche Unterhaltung bietet. Das ist ein selten zu beobachtendes Können im Zusammenhang mit Christmas Alben. Also unbedingt für das nächste Weihnachtsfest vormerken. Mit dem Titel gebenden Schlusstitel, “Dust The Halls“, haben The Infamous Stringdusters allen Staub weggefegt und die Ankunft des Herrn gebührend vorbereitet.

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Sturgill Simpson
– Cuttin‘ Grass Vol.1 – The Butcher Shoppe Sessions (VÖ: 16.10.2020)
– Cuttin‘ Grass Vol.2 – The Cowboy Arms Sessions (VÖ: 11.12.2020)

Als sich Sturgill Simpson 2020 von einer Covid 19 Erkrankung erholt hatte, durchstöberte er seinen Songfundus. Die Idee dahinter: er wollte alte Songs neu interpretieren, sie bis auf den Kern entkleiden und schauen, ob sie sich auch überarbeitet hören lassen können. Falls nicht wären es eben keine guten Songs. Okay, Sturgill Simpson benutzte dafür einen Kraftausdruck. So ist er halt. Sperrig, unangepasst, oppositionell aber irgendwie mit besonderen Gaben ausgestattet. Als Singer/Songwriter ist er unter seinen Kollegen hochgeachtet und so war es für ihn auch kein Problem für sein Projekt “Cuttin‘ Gras“ die Creme de la Creme der Instrumenten Zauberer zu gewinnen. Gleich einmal 20 Songs hat er auf den ersten Teil des Projektes unter dem Untertitel “The Butcher Shoppe Sessions“ gepackt. Bluegrass ist das Genre und bietet mit beinahe einer Stunde jede Menge toller Bluegrass Music. Hinzu kommt die Stimme von Sturgill Simpson, die den Mann aus Kentucky zu einem Outlaw macht und herrlich traditionell klingt. Dabei kann Sturgill Simpson auch ganz anders und manche Produktion von ihm hat seine Fans schon mal verwundert die Köpfe schütteln lassen. Am Album “Cuttin‘ Grass Vol.1 – The Butcher Shoppe Sessions“, welches auch im gleichnamigen, von David Ferguson und John Prine geleiteten Studio produziert wurde, gibt es nichts zu meckern. Feine Bluegrass Music, tolle Songs.

Das Nachfolge Album “Cuttin‘ Grass Vol.2 – The Cowboy Arms Sessions“ bietet noch einmal 12 Titel im klaren Bluegrass Gewand. Von “Call To Arms“ über “Hero“ und “Tennessee“ bis “You Can Have The Crown“, wieder haben die Übersetzungen von Sturgill Simpson Songs in das Bluegrass Genre bestanden. Hier und da schlich sich ein schlichtes Singer/Songwriter Arrangement ein, welches dem Hörgenuss jedoch zugutekommt. Noch einmal hält Sturgill Simpson eine gute halbe Stunde Country Music bereit, die keinen Zweifel daran lässt, dass hier ein sehr bewusst traditionell arbeitender Musiker am Werke ist. Und so widmet er den letzten Song, “Hobo Cartoon“ der ganz alten Zeit indem er Jimmie Rodgers und Bing Crosby ehrt und sich in die „Roarin‘ 20s“ wünscht. Wer auch nur ansatzweise mit Bluegrass etwas anfangen kann, sollte sich die beiden Alben “ Cuttin‘ Grass Vol.1 – The Butcher Shoppe Sessions“ und “Cuttin‘ Grass Vol.2 – The Cowboy Arms Sessions“ nicht entgehen lassen. Hörgenuss ist garantiert.

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Aaron Watson – American Soul

(VÖ: 08.01.2021)

Wie Aaron Watson bereits bei seinem letzten Album “Red Bandana“ aus 2019 erläuterte, symbolisiert dieses Accessoire für ihn das Herz der einfachen, hart arbeitenden Menschen. Etwas “old school“ wie er selbst sagt, aber zeitlos. Diesem Thema hat er sich auch in seinem neuen Album “American Soul“ gewidmet. In den zehn Titeln geht es um klassische Country Music Themen. Die Freitagabend Sause, die bittere Erkenntnis des Verlassenwerdens, die in Stein gemeißelten Tugenden der „wahren Amerikaner“ und das Wissen, dass nur der eigene Hund ihn noch nie enttäuschte. Auch der Whiskey wird ausreichend zitiert, so dass das Album “American Soul“ genau auch das beinhaltet, was sich Aaron Watson unter der amerikanischen Seele vorstellt. Der Texaner aus Amarillo stellt nun sein achtes Studioalbum vor und bleibt mit der Musik der traditionellen Ausrichtung treu. Wenngleich die Arrangements gern mit rockigeren Sequenzen aufwarten. Nein, Texas Honky Tonk ist das nicht, aber durchaus kurzweilig. Die Charts hat Aaron Watson bislang noch nicht gestürmt und auch mit diesem Album wird das schwer möglich sein. Trotz teils vieler Liedstrophen sind die Botschaften einfach und vorhersehbar. Es muss ja nicht immer die Spitze sein. Oft genügt es, einfach “old school“ zu sein und sich nicht zu verbiegen.

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Barry Gibb – Greenfields – The Gibb Brothers Songbook Vol.1

(VÖ: 08.01.2021)

Wer erinnert sich noch an die großen Erfolge der Bee Gees, die in den 1960er und 1970er Jahren der Popmusik weltweit ihren Stempel aufdrückten? Von den drei Brüdern lebt nur noch der älteste. Nun hat Barry Gibb im Gedenken an seine verstorbenen Brüder Robin und Maurice im gemeinsamen Songbook gekramt. Mit der Unterstützung des Produzenten Dave Cobb hat er für eine Neuveröffentlichung vieler der Erfolgssongs der Bee Gees etliche namhafte Stars, nicht nur der Country Music, als Duett Partner gewinnen können. Keith Urban, Little Big Town, Alison Krauss oder Dolly Parton und andere. Wer könnte sich besser als Partnerin bei “Too Much Heaven“ eignen, den Falsettgesang von Barry harmonisch zu begleiten, als Alison Krauss? Die Gruppe Little Big Town ist bei “Lonely Days“ und “How Deep Is Your Love“ vertreten. Bei letzterem Titel greift mit Tommy Emmanuel ein wahrer Meister an der Gitarre ein und so entstand ein viereinhalb Minuten Werk. Der ersten Zeile des letzten Titels “Butterfly“ ist vielleicht der Albumtitel “Greenfields“ entlehnt. Dort heißt es: „Green fields where we used to wander.“ Seine Affinität zu Country Music hat Barry Gibb beinahe zu einem Bürger Nashvilles werden lassen. Deshalb die vielen Stars der Country Music als Partner. Längst ist er eine Ikone der Popgeschichte. Mit Dolly Parton holte er sich zum Titel “Words“ ebenfalls eine Ikone ins Studio. Obwohl das Album sofort in fast allen Chartlisten bis ganz nach oben kletterte, ist und bleibt es Musik Popmusik. Sicher für eingefleischte Fans der Bee Gees eine liebenswerte Erinnerung an lange vergangene Zeiten. Vielleicht denkt der fast 75-jährige Barry auch schon an sein musikalisches Vermächtnis. So gesehen hat Barry Gibb mit “Greenfields – The Gibb Brothers Songbook Vol.1“ alles richtig gemacht. Sicher wird ein Vol. 2 bald folgen.

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Markus Rill – New Crop

(VÖ: 11.12.2020)

Für die Verwirklichung eines langen gehegten Wunschs, ein akustisches Album aufzunehmen, hat sich Markus Rill, der “Dylan aus München“, die Mitarbeit von Robert Hasleder gesichert, der ihn mit seinen Fähigkeiten, beinahe alle Instrumente spielen zu können, die mit Saiten bespannt sind, unterstützt. Markus Rill hatte in der Vergangenheit immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Zum einen mit seinen Songtexten, die eindrucksvoll gekonnt Geschichten erzählen können. Zum anderen mit der Mischung aus Folk, Rock, Country, Americana, die seine Alben bislang gefüllt hat. Seine rauchige Stimme verleiht seinen Balladen oft einen melancholischen Hintergrund. So sind auch die 10 Titel auf dem Akustik Album “New Crop“ sehr ruhig arrangiert. Die Corona Pandemie brachte Markus Rill und Robert Hasleder auf die Idee, im eigenen Kellerstudio zu produzieren. Bis auf den Dylan Song “Man In The Long Black Coat“ stammen alle anderen Titel von Markus Rill selbst. Damit beweist er einmal mehr, dass ihn seine Qualität als Songschreiber hierzulande zur Elite seiner Zunft zugehörig macht. Hinzu kommt, dass auch Markus Rill sehr wohl in der Lage ist, sich auf seiner Gitarre eindrucksvoll zu begleiten und in Szene zu setzen. Dennoch ist das Album “New Crop“ eher etwas für Freunde von Singer/Songwriter Music. Diese Songs sind für intensives Zuhören geschrieben und wer sich darauf einlässt, wird mit einer guten halben Stunde feiner Unterhaltung belohnt. Unzählige verschiedene Instrumente lassen Markus Rill und Robert Hasleder erklingen und schaffen einen wunderbaren Klangteppich, der die Zuhörer sicher manchmal zum Träumen bringt. Es ist immer wieder schön zu wissen, dass es Musiker gibt, die sich nicht dem Diktat der Dudel Musik unterwerfen. Wenn es wieder möglich ist, lohnt sich ganz sicher ein Konzertbesuch von und mit Markus Rill.

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Willie Nelson – American Outlaw All-Star Concert

(VÖ: 11.12.2020)

Einen Sampler ganz besonderer Art, ist das Album “Willie Nelson – American Outlaw All-Star Concert“, welches die Songs von Willie Nelson so richtig abfeiert. Gleich zu Beginn schmettert Chris Stapleton “Whiskey River“, gefolgt von Lee Ann Womack und “Three Days“. Dann geht es Schlag auf Schlag. Nach Margo Price unterstützt von Steve Earle geben Nathaniel Rateliff, Lyle Lovett feat. Ray Benson, Vince Gill, Jamey Johnson, The Avett Brothers, Norah Jones, Jack Johnson und Eric Church das Mikrofon einander weiter. Dann folgt eine Reihe von Willie Nelson Titel, bei denen er sich wiederum Partner/innen suchte. Von Sheryl Crow und Emmylou Harris über Jimmy Buffet, Kris Kristofferson, Rodney Crowell bis zu George Strait. Mit “Georgia“, diesmal von Jamey Johnson interpretiert und “City Of New Orleans“ von Willie selbst, feat. Susan Tedeschi und Derek Trucks, bietet das Album gleich zwei über 5 Minuten Titel. Bei letzterem ließ Willie Nelson der Dame den gesanglichen Vortritt, die den Song wohltuend aufpeppt. The Avett Brothers, die Folkrocker aus North Carolina, machen aus “Bloody Mary Morning“ einen mitreißenden Mix aus Bluegrass- und Folk Rock. Danach lässt sich die Soul- und Jazzkönigin Norah Jones von ihrer Band The Little Willies unterstützen, mit der sie ihrer Leidenschaft für “Country Goes Jazz“ frönt. Wenn Jack Johnson sein “Willie Got Me Stoned“ (…and took all my money) intoniert, ist ein Schmunzeln nicht mehr zu verhindern. Da hätte was dran sein können. Wann hört man einmal einen weichgespülten Eric Church? Bei “Me And Paul“ etwa auf diesem außergewöhnlichen Album. Wenn Emmylou Harris “Pancho And Lefty“ anstimmt, laufen Schauer über den Rücken. Der Einsatz von Willie zu diesem seinem Epos tut sein Übriges. Nicht zu vergessen seine Gitarre Trigger, die so unverkennbar ist, wie der Meister selbst. Das Album “Willie Nelson – American Outlaw All-Star Concert“ ist eine ganz besonders gelungene Zusammenstellung, die sowohl Konzertathmosphäre, als auch ganz tolle Duette und Erinnerungen an vergangene Zeiten bietet. 23 Titel und beinahe eineinhalb Stunden richtig guter Unterhaltung. Was, bitte schön, will man mehr?

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Dean Brody – Boys

(VÖ: 18.11.2020)

Zu Beginn seines siebten, mit acht Titeln knapp bemessenen, Albums “Boys“ stellt der Kanadier Dean Brody mit dem Opener “Boys“ den Unterschied zwischen einem Heranwachsenden und einem Mann heraus. Während die Jungen noch nicht in der Lage sind ihre Ich Bezogenheit zu überwinden, sind erwachsene Männer fähig, auf das andere Geschlecht mit Empathie, Rücksicht und Respekt zu reagieren. Eine schöne Theorie. Brody wird bei diesem Song von der amerikanischen Country Interpretin und Songschreiberin Mickey Guyton unterstützt. Mit “Lightning Bug“ wird das Thema des Titels so seicht, dass die Ooh, Ooh, Ooh‘s dem Popschnulzencharakter gerecht werden. Doch mit “Can’t Help Myself“ hat er die Kurve zum Bad Boy gekriegt. Eine unmissverständliche Warnung an alle, die seiner kleinen Tochter Böses antun würden, besingt Dean Brody in “I’d Go To Jail“. Nötigenfalls würde er auch ins Gefängnis gehen. Eine besondere Liebeserklärung folgt mit “Stay Up“ und er hat das Country Feeling wieder. Eine, heutzutage kaum zu erlebende, Unbeschwertheit besingt Dean Brody im Titel “Canadian Summer“ mit der Beschreibung, was man alles Schönes machen kann im “kanadischen Sommer“. Seine “Bucket List“ im gleichnamigen Titel enthält alles, was ein richtiger Kerl so benötigt. Bier jeglicher Art und Label, von Heineken über Shiner, Yuengling, Bud Light oder Moosehead. Okay?! So pendeln die Titel seines Albums “Boys“ zwischen sentimentalen Balladen und Männerfantasien. Meist in gute Country Music gehüllt, ist das Album leicht verdaulich hörenswert.

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Easton Corbin – Didn’t Miss A Beat

(VÖ: 13.11.2020)

Fünf Jahre ist es her, seit Easton Corbin ein Studioalbum veröffentlichte. Pandemie Zeit ist EP Zeit. So hat auch Easton Corbin gerade mal sechs Titel auf seine EP “Didn’t Miss A Beat“ gepackt. Zwischen dem Opener „Turn Up“, der Hoffnung auf eine Nacht mit der Angebeteten und dem Schlusstitel “Here’s To The Next One“ hat Easton Corbin einige intime Gedanken und nachvollziehbare Gefühlslagen in eingängige Country Music gehüllt. Von der Selbsterkenntnis, zu viel zu trinken und das Leben nicht ernst genug zu nehmen bis zur Erkenntnis, dass aus getrennten Beziehungen keine Freundschaften entstehen können, Easton Corbin lässt die Konsumenten teilhaben, an den so banal normalen Irrungen und Wirrungen des Lebens. Schade, dass es diesmal nur sechs Titel sind.

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Russell Dickerson – Southern Symphony

(VÖ: 04.12.2020)

Das zweite Album von Russell Dickerson hat er etwas hochtrabend “Southern Symphony“ genannt. Mit der Feier Hymne “Never Get Old“ beginnt das Album und hat etwas mehr Wiederholungen in den Versen als in der Entwicklung des Textes. Mit “Home Sweet“ ist sowohl die vertraute Heimat als auch die Nähe zur Liebsten gemeint. In die Irre führen soll der Titel “Love You Like I used To“, in welchem Russell Dickerson beteuert, dass er seine Partnerin nicht mehr liebt wie bisher. Sondern immer mehr und mehr. Noch ein “Eineinhalb Vers Song“ ist “Forever For A Little While“, in welchem man umsonst auf eine Fortsetzung der Story hofft. Stattdessen werden Lyrics bis zur totalen Ermüdung wiederholt. Mit dem Duo Florida Georgie Line zelebriert Russell Dickerson einen modernen Rock Country, der weder begeistert noch aus dem modernen Angebot heraussticht. Der Titelsong ist zweifelsohne eine Liebeserklärung an die Heimat. Russell Dickerson stammt aus Tennessee und so ist dieser Song übertragbar auf den gesamten Süden der USA. Bei allen der 10 Songs des Albums “Southern Symphony“ hat Russell Dickerson als Songschreiber mitgewirkt und es scheint, als sei aus seinem Schreibstift oft mehr Text gekommen als nötig gewesen wäre. Dann wieder sind Texte so wenig ausgearbeitet und auch durch Musik oder Arrangement nicht attraktiver geraten. Hat man die zehn Titel konsumiert bleibt leider kein bleibender Eindruck. 

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Garth Brooks – Fun

(VÖ: 20.11.2020)

Lässt man einmal all die Vermarktungsspielchen beiseite, die dazu dienen sollen, dem geschäftstüchtigen Mega Star Garth Brooks noch mehr Einnahmen zu generieren, ist das lange angekündigte neue Album “Fun“ eine Demonstration des Könnens dieses Ausnahmeinterpreten der Country Music. Mit dem Opener “The Road I’m On“, ein Country Song mit Groove und jeder Menge Garth Brooks, jubelt er, dass er wieder auf Tour sein kann und was er so vermisst hat. Das klingt, als wäre er nicht etliche Jahre in musikalische Rente gegangen. “That’s What Cowboys Do“ ist ein Titel, der verblüffend in Sujet und Arrangement an seinen ehemaligen Mitbewerber George Strait erinnert. Ein wenig rockiger kommt dann eine Hymne auf das Kneipenleben, welches „Er“ gerne jeden Tag leben würde, “All Day Long“. Mit Ehefrau Trisha Yearwood singt Garth Brooks dann das Duett “Shallow“, welches einst Lady Gaga und Bradley Cooper zu einer Filmhymne machten. Zweifelsohne ein Wagnis, doch Yearwood/Brooks können das einfach. Ganz im Gegensatz zum Titel “Amen“, lässt Garth Brooks bei diesem Song den Bad Boy raushängen. Ein Bekenntnis für Gefühle und den Mut, diese auch zu zeigen, besingt er bei “The Courage Of Love“. Mit “Message In A Bottle“ (nicht verwechseln mit dem Welthit von The Police) erklingt ein wenig Caribbean Sound und man würde sich nicht wundern, würde Jimmy Buffet mit in den Song einsteigen. Für Freunde der getragenen Ballade hat Garth Brooks auf seinem Album “Fun“ den Titel “Stronger Than Me“ platziert. Einen kleinen Einblick in ein “Bandleben“ gibt Garth bei “(A Hard Way To Make An) Easy Livin‘“. Ein starkes Statement liefert der Titel “Where The Cross Don’t Burn“ in welchem die Rassenthematik ebenso angesprochen ist, wie die Besinnung auf das Wesentliche im Leben. Wenn dann ein betagter (leider jüngst verstorben) Charley Pride eine Strophe beisteuert, ist Emotion garantiert. 14 Songs umfasst das Album “Fun“ von Garth Brooks und macht in der Tat Spaß beim Zuhören. Eine musikalische Reise durch verschiedene Themen und Arrangements, die von einem überzeugenden Garth Brooks vorgetragen wurden. Das Warten hat sich nicht nur für Garth Brooks Fans absolut gelohnt. Dieser Kerl kann’s einfach.

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Granger Smith – Country Things – Vol.2

(VÖ: 27.11.2020)

Wer bereits bei der Veröffentlichung des Albums “Country Things – Vol.1“ von Granger Smith Appetit bekommen hatte auf Country Music des Texaners Granger Smith, hat nun die Möglichkeit die acht Titel aus Vol.1 erneut auf dem Nachfolgeralbum “Country Things – Vol.2“ zu hören. Zusätzlich gibt es 10 weitere Songs, einige von seinem Alter Ego Earl Dibbles jr.. Mit diesem Schachzug hatte Granger Smith erstmals etwas mehr Aufmerksamkeit erlangt. Denn seine Bemühungen, in Nashville Fuß zu fassen, waren nicht von großem Erfolg gekrönt. Zurück in Texas machte er seine Country Music weiter, die man auch in der modernen Form als richtige Country Music bezeichnen muss. Da werden halt die Geschichten der Familie und deren Lebensumständen erzählt und auch die “Beziehungskisten“ werden ausgiebig strapaziert. Earl Dibbles jr. sorgt zudem für die Karikatur des Blue Collar Man und seinen einfachen Vergnügungen im Saloon, oder so. Einige der Songs wie etwa “Mexico“ oder “Hate You Like I Love You“ haben durchaus Potenzial. Leider werden sie durch die Pop Country Effekte der Produktion zu Massenware degradiert. Dass es auch anders geht zeigt der Titel “6 String Stories“ der trotz modernem Arrangement eine eindringliche Ballade bleibt. “That’s Why I Love Dirt Roads“ ist mit einem treibenden Beat ein absolut radiotauglicher Song. Die “Earl Dibbles jr.“ Titel, “Workaholic“, “Diesel“ oder “Country And Ya Know It“ erinnern an die gute alte Zeit der Comedians á la Grandpa Jones oder Minnie Pearl. Die Pandemie mit Covid 19 hat so manche Pläne von Musikern auf der ganzen Welt gestört oder gar zerstört. Warum sollte man sonst erst ein Album mit 8 Songs herausgeben und wenige Wochen später die “Gesamtausgabe“ des Albums mit 18 Titeln folgen lassen? Granger Smith hat damit eine leichte Unterhaltung platziert, leider viel zu viel Pop Elemente in seine Country Music einfließen lassen.

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Little Texas – God Blessed Texas: The Singles 1992 – 1996

(VÖ: 2020)

Die texanische Band Little Texas um Frontmann Tim Rushlow hatte zwischen 1991 und 1997 ihre erfolgreichste Zeit. Kraftvoller Country Rock, gefühlvolle Balladen mit feinem Harmoniegesang waren ihre Markenzeichen. Während die fetten Uptempo Songs wie “Kick A Little“ oder der Titelsong “God Blessed Texas“ für jede Menge Spaß gesorgt haben, sind die feinen Balladen wie “My Love“ oder “What Might Have Been“ zu den größten Erfolgen von Little Texas geworden. Nun also ein fast vollständiger Überblick über die, in den Charts platzierten, Titel aus dem 1990er Jahrzehnt. Mit den 23 Tracks auf dem Album “God Blessed Texas: The Singles 1992 – 1996“ sind Fans echt gut bedient, die bislang noch nicht viel von Little Texas gehört haben. Kurz vor dem Jahrtausendwechsel löste sich die Band auf und sowohl Tim Rushlow als auch Bandkollege Brady Seals versuchten Solokarrieren, die allerdings nicht richtig in Gang kamen. Auch eine Wiedervereinigung 2007 der Band, allerdings ohne die Solokünstler Rushlow und Seals, blieb auch in den Startblöcken stecken. Lediglich vier Alben als Little Texas Band verbuchen die Musiker aus Arlington, Tx, plus ein Greatest Hits Album, die alle recht gut liefen. Die Zeit dieser Musik ist schon eine Weile her. Sie macht dennoch immer noch Freude beim Zuhören. Wer bei “Amy’s Back In Austin“ und den herzzerreißenden Lyrics mit dem verlassenen Mann nicht mitfühlt, der braucht etwas Nachhilfe in Emotions. “God Blessed Texas: The Singles 1992 – 1996“ ist eine sehr schöne Zusammenstellung der Musik der Band Little Texas aus dieser Zeit. Das hat schon Retro Charakter.

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Collin Raye – Scars

(VÖ: 20.11.2020)

Beinahe hätten wir Collin Raye nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Lange, sehr lange Zeit hat er keine musikalischen Lebenszeichen von sich gegeben. Das letzte Album “Never Going Back“ stammt aus dem Jahr 2009. Nun aber hat sich der 60-jährige Collin Raye an ein “Debütalbum“ getraut. Als Songschreiber war er bisher nicht in Erscheinung getreten. Mit seinem Bruder Scotty Wray schrieb er beinahe alle der 14 Songs auf seinem Album “Scars“. Scotty Wray war es auch, der als Bandmitglied von Miranda Lambert seine “Chefin“ bewegen konnte, am Titelsong “Scars“ als Duett Partnerin mitzuwirken. In diesem Titel geht es um die Verletzungen, die das Leben mit sich bringen kann. Wenn falsche Entscheidungen, Auseinandersetzungen und Enttäuschungen eben Narben auf der Haut aber auch auf der Seele hinterlassen. Collin Raye hat seine Songs auf dem Album “Scars“ sehr an Pop Music und den Beat der 80er Jahre angelehnt. Wenn er dann wieder Country Music zulässt, wie bei “Loved By An Angel“, ist er wieder der Collin Raye, den man gern in Erinnerung hat. Bei “Rodeo Girl“ lässt es der Sänger aus Arkansas in texanischem Honky Tonk swingen, dass es eine Freude ist zuzuhören. Immer wieder ist die Musik eher Americana als Country aber kraftvoll, toll arrangiert und absolut hörenswert. So wechseln sich Uptempo Stücke mit Laid Back Balladen ab, die zudem mit viel intelligenten Texten gespickt sind. “I’ve Got A Lot To Drink About“, “Young As We’re Ever Gonna Be“ oder der Schlusstitel “Mama Sure Could Sing“ zeugen davon. Das Album “Scars“ von Collin Raye mit fast einer Stunde Musik mit ihm und, wer möchte kann ja mal mitraten bei welchem Titel, Vince Gill, ist eine sehr gelungene Produktion. Da kommt ein Star der 1990er Jahre wieder zum Vorschein und beugt sich nicht dem Diktat der Jetztzeit. Das wird nicht nur seine Fans begeistern.

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Lee Brice – Hey World

VÖ: 20.11.2020)

Mit dem Vater Sohn Ding “Atta Boy“ startet Lee Brice sein fünftes Studioalbum “Hey World“. Der Country Rocker beschreibt bei “One Of Them Girls“ eine erste Begegnung mit einer schwer einzuschätzenden Frau. Mehr Testosteron schüttet er aus bei “More Beer“, ganz im Rocker Style. Mit einem leisen Murmeln eines kleinen Baches wird “Memory I Don’t Mess With“ eingeleitet. Ein eher weicher Song, der aber textlich kaum überzeugen kann. Zu schlagerhaft ist das Schmachten nach der “Einen“. Leider hat man bei der Produktion auf Computerspuren gesetzt und das eintönige Bum-Bum-Bum und die wiederkehrenden Produktionsgimmicks zeugen von Sparsamkeit. Zunehmend wandelt sich der Rocker im Verlauf des Albums zum Schmusesänger. Dabei überzeugt er als harter Kerl viel mehr. Und dann hat er mit “Country Knows“ eine Hymne auf seine Lieblingsmusik rausgehauen, die ganz sicher vielen Country Music Fans aus der Seele gesprochen ist. Country weiß, wie er sich fühlt, rettet seine Seele und heilt seine Wunden. Das, in eine eingängige Melodie gekleidet, was braucht man mehr? Der Song “I Hope You’re Happy Now“ mit Duettpartnerin Carly Pearce ist neben “One Of Them Girls“ erneut ein Chartstürmer Titel. Mit dem Titelsong “Hey World“ endet das Album. Die Welt da draußen soll ihn einfach mal in Ruhe lassen. Genug der schlechten Nachrichten. Alles was er möchte, ist mal zur Ruhe zu kommen. Was für ein Statement in diesen krisengeschüttelten Zeiten. Das Album “Hey World“ ist eine feine Unterhaltung und zeigt den Country Rocker Lee Brice von einer sehr einfühlsamen Seite.

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The Swon Brothers – Nashlahoma

(VÖ: 20.11.2020)

Aus der Familien Gospel Formation Exodus sind Zach und Colton Swon längst entwachsen. Als Duo The Swon Brothers, haben sie seit 2009 nun ihr viertes Album, “Nashlahoma“ vorgelegt. Die Wortschöpfung zeigt einmal mehr, dass Nashville für viele Country Musiker einfach ein Muss ist und dennoch haben die Brüder aus Oklahoma im zweiten Wortteil ihre Heimat nicht vergessen lassen wollen. Im Opener “Best Of The Best“ reihen sich Superlative an Superlative um nur unzureichend zu beschreiben was die Angebetete sein kann. Und die Anschmachtungen setzen sich auch bei “Drink You Up“ und “Good To You“ fort. Eine Lobpreisung aller Mütter dieser Welt wird in “Mommas“ thematisiert. Die Titel sind oberflächlich arrangiert und mit Computerunterstützung etwas zu viel Pop Music als Country. Zudem ragt kein Titel heraus, der sich aus dem modernen Gedudel erheben könnte. Lediglich der Titel “Travellin‘ On“, für den The Swon Brothers Vince Gill als Gesangspartner gewinnen konnten, stich etwas heraus. Nach 12 Titeln bleibt der Eindruck, dass sich die Verbindung von Nashville und Oklahoma nicht zu einer homogenen Masse vermischen lässt. Anhörbar ist das Album “Nashlahoma“ sicherlich. Überzeugend nicht. Schon allein die Extended Version des besten Titels “Travelin‘ On“ ist Beweis genug, dass ein toller Song nicht ausreicht, um ein gutes Album zu produzieren.

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Brad Paisley – Christmas (Deluxe Version)

(VÖ: 06.11.2020)
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Home Free – Warmest Winter

(VÖ: 02.10.2020)
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Mitchell Tenpenny – Neon Christmas

(VÖ: 23.10.2020)
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Alle Jahre wieder, kommt nicht nur das Christuskind, es werden auch wieder Christmas Alben aller Art angepriesen. Nicht ganz einfach, weil die Anzahl der traditionellen Weihnachtssongs begrenzt ist. Was bleibt, sind Interpretationen dieser allzu bekannten Weisen, die bisweilen arg weit hergeholt sind. Unter den Corona Einschränkungen haben die Musikschaffenden in aller Welt zu leiden. Dennoch muss man nicht, wie im Fall von Brad Paisley vorgehen, der sein “Christmas“ Album aus dem Jahr 2006 nun erneut unter die Leute bringen will. Zu den unveränderten 10 Titeln des alten Albums, kommen heuer 4 neue Tracks hinzu. Die allerdings strapazieren die Konsumenten bis zur Grenze des Erträglichen. “Kung Poo Buckaroo Holiday“, eine posthume Persiflage mit George Jones und Little Jimmie Dickens wartet mit so vielen Piep Tönen auf, die die nicht veröffentlichbaren Textstellen überlagern, dass manchmal nur noch Pieps zu hören sind. Was soll das? Natürlich feiert sich Brad Paisley wieder als Ausnahmegitarrist bis zum Exzess. Dieses Album ist absolut entbehrlich.

Auch von der zurzeit wohl besten Vokalgruppe, Home Free, gibt es ein Christmas Album. “Warmest Winter“ heißt das Werk und beginnt zunächst in gewohntem Stil mit dem Titel “Christmas Don’t Be Late“. Dann geht es bei “Christmas In L.A.“ über in eine jazzige Stimmung, die keinen Spielraum mehr lässt, um das irgendwie in eine Weihnachtsstimmung einzuordnen. Home Free experimentieren immer gern mit Songs aus verschiedenen Genres. Doch ob das bei einem Christmas Album derart ausgelebt werden muss, bleibt fraglich. Da ist man richtig froh, dass sich mit “Tennessee Christmas“ mit Sängerin Rachel Wammack und “Christmas In Dixie“ von und mit Alabama“ zwei “gängige“ Weihnachtstitel auf das Album “Warmest Winter geschafft haben. Immer wieder beeindruckend, wie Home Free mit ihren Satzgesängen ganz besondere Stimmungen erzeugen können. Dennoch kann dieses Album keine Vorfreude auf Weihnachten erzeugen.

Mitchell Tenpenny hat eine EP mit dem Titel “Neon Christmas“ vorgelegt. Was zunächst mit einer richtig guten Version von “O Holy Night“ beginnt, wandelt sich zu einem R&B Sound bei “Snow Angels“. Der Titelsong “Neon Christmas“ soll wohl dem bekanntesten Pop Weihnachtssong von Wham Konkurrenz machen. Diese sieben Songs müssen unter keinem Weihnachtsbaum erklingen.

So weit die Weihnachtsfeier-CD-Ecke

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Steve Azar – My Mississippi Reunion

(VÖ: 23.10.2020)

Steve Azar ist ein Interpret, der ganz sicher mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Nicht weil er ein sehr empathischer Mensch ist, der schon sehr früh in seiner Karriere entschied, sich für benachteiligte und missbrauchte Kinder einzusetzen. Der Singer/Songwriter aus Greenville, Mississippi, verfügt über ein besonderes Charisma. Hinzu kommt seine Stimme, die ihn sowohl Blues als auch Country überzeugend interpretieren lässt. Mit dem Album “My Mississippi Reunion“ lässt Steve Azar acht seiner früher aufgenommenen Songs als Remastered Versions wieder auferstehen. Hinzu kommen drei neue Songs wie “Rosedale“, “Midnight“ und “Coldwater“, welches er mit Kumpel Cedric Burnside aufgenommen hat. Das Album ist eine erneute Hommage an seine Heimat Mississippi. 11 Titel hat Steve Azar für sein Album “My Mississippi Reunion“ ausgewählt, die seinerzeit nicht den Sprung in die Charts schafften. Hörenswert allemal. Allerdings sicher nur für Sammler oder Fans von Steve Azar begehrenswert.

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Tanya Tucker – Live From The Troubadour

(VÖ: 23.10.2020)

Sie ist wahrlich kein Teenie mehr, so wie 1972 bei ihrem Identifikationssong “Delta Dawn“, welcher ihr den Beinamen Delta Dawn Girl bescherte. Ihr teils ausschweifendes Leben hat ihr manche Spur ins Gesicht gezeichnet und ihre letzte Nummer Eins liegt nun auch schon über 30 Jahre zurück. Doch ein Stehauf Frauchen ist die Texanerin aus Seminole all die Jahre gewesen. Als sie 2019 nach zehn Jahren Abstinenz wieder ein Studioalbum vorlegte, bekam sie postwendend zwei Grammys für das Werk. Was ist es, dass diese Sängerin auszeichnet? Ist es die Stimme, die so unfertig klingt und dennoch so einprägsam ist. Oder ist es die Professionalität, mit der Tanya Tucker alle Hindernisse in ihrer Karriere überwinden konnte? Selbstironisch kommentierte sie 2019 bei dem Live Konzert im legendären Klub Troubadours in West Hollywood, dass sie zum ersten Mal dort auftreten dürfe. Der Mitschnitt dieses Konzertes ist eine Retrospektive ihrer erfolgreichsten Songs von “What’s Your Mamas Name“ über “Would You Lay With Me (In A Field Of Stone)“, “Strong Enough To Bend“ bis zu “Texas (When I Die)“. Mit 16 Titeln haben die Produzenten Brandi Carlisle und Shooter Jennings ein üppiges Album aufgelegt. Zudem ist die, Corona bedingt, zurückgenommene Live Atmosphäre gut eingefangen und man spürt die Sehnsucht nach dem ehemals aus den Fugen zu geratenen Klubs in Kalifornien. Das Album schließt mit “Amazing Grace“, welches nach den ersten Zeilen in “Delta Dawn“ übergeht. Über eine Stunde Musik von Tanya Tucker, die auch in gesetzterem Alter kaum von ihrer Faszination verloren hat.

Trace Adkins – Ain’t That Kind Of Cowboy

(VÖ: 16.10.2020)

“Ain’t That Kind Of Cowboy“ ist die neue EP von Trace Adkins. Sechs Titel sind nicht gerade üppig, aber Trace Adkins füllt dermaßen den Raum, dass Hörgenuss garantiert ist. Der große Mann aus Louisiana blickt nun auch schon auf fast ein Vierteljahrhundert seiner Karriere, die 1997 mit (This Ain’t) No Thinkin‘ Thing“ seine erste Nummer Eins zeitigte. Mit seinem Bass/Bariton hat er immer sofort die ungeteilte Aufmerksamkeit der Hörer. Damit spielt er zuweilen gekonnt. So zum Beispiel bei “Big“. Nach diesem doch recht poppigen Titel, folgt mit “Running Into You“ eine feine Trennungsballade, die Trace Adkins sehr gefühlvoll interpretiert. So wechseln die “Männer“ Songs mit gefühlvollen Titeln und man wünschte, es wäre ein komplettes Album geworden.

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Ward Thomas – Invitation

(VÖ: 09.10.2020)

Lust auf Pop Music in Reinform, die sich mit dem Anflug von Country Elementen zu verkleiden sucht? Dann ist das neue Album des Zwillings Dous aus Großbritannien, Ward Thomas, genau richtig. Die Schwestern, die im Abstand von 10 Minuten das Licht der Welt erblickten, werden vom sehr begüterten Vater in jeder Weise unterstützt. Das Album lässt zunächst mehrere Titel erklingen, die so was von Pop Music sind. Mit “Dear Me“, ein a capella Stück, lassen Catherine und Lizzy Ward Thomas ihre nahe Verwandtschaft in ihrem sehr dichten Harmoniegesang deutlich werden. Dann geht es weiter mit Computer Drums und allem Pop Gedöns. “Wait Up“ könnte im aktuellen Radio Play durchaus einen Platz ergattern. “Painted Legacy“ ist eine niedliche Pop Ballade. Wenn bei “Halfway“ die Ward Thomas Zwillinge den Pop Star James Blunt unterstützen, ist die Ausrichtung des vierten Albums zementiert. Warum das Album mit dem alten Fleetwood Mac Song “Landslide“ endet, wo doch Natalie Maines von den Dixie Chicks (neuerdings nur noch Chicks) seinerzeit die Trauben schon sehr hoch gehängt hat, ist ein netter Versuch dem Girlie Pop Album “Invitation“ von Ward Thomas mehr Tiefe zu geben.

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BlackHawk – Just About Right Live From Atlanta

(VÖ: 02.11.2020)

Vielleicht sind die Live Mitschnitte von Konzerten in Zeiten der Auftrittsverbote eine gute Möglichkeit, den Fans etwas dieser besonderen Atmosphäre ins eigene Heim zu bringen. Mit dem Album “Just About Right: Live From Atlanta“ tun Henry Paul, Randy Threat, der den viel zu früh verstorbenen Van Stephenson ersetzte, und Dave Robbins, als Band BlackHawk zu Superstars geworden, genau dies. Allerdings stammt der Mitschnitt ihres Konzertes im Eddie’s Attic in Atlanta, Georgia, schon aus dem Jahr 2017. Dafür bietet das Album 22 Titel, die alle die großartige Karriere von BlackHawk dokumentieren. Zudem haben BlackHawk mehr auf Akustik gesetzt als auf den Studioalben mit denen die, in Nashville gecasteten, Musiker in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre die Charts gestürmt haben. Eine Stunde und 38 Minuten Musik in Liveatmosphäre und mit der einzigartigen Stimme von Henry Paul, sind eine gute Ablenkung von der erzwungenen Konzertabstinenz der Jetztzeit. So fehlen die großen Erfolge wie “I’m Not Strong Enough To Say No“, “Every Once In A While“ oder “Like There Ain’t No Yesterday“ nicht im Set Up. Mit “Goodbye Says It All“ geht das Album los und endet mit “Big Guitar“. Jede Menge BlackHawk und jede Menge Erinnerungen an die erfolgreichste Zeit der Band. Etwas Neues gab es seit 2014 nicht mehr von ihnen, sieht man einmal vom Christmas Album des Vorjahres ab.

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Chris Stapleton – Starting Over

(VÖ: 13.11.2020)

Nach dem grandiosen Erfolg seines Debütalbums “Traveller“ aus dem Jahr 2015 und den beiden Nachfolgern “From A Room: Volume 1 und Volume 2“ aus 2017 warteten die Fans ungeduldig auf ein neues Album des stimmgewaltigen Sängers, Songschreibers, Gitarristen und Produzenten Chris Stapleton aus Lexington, Kentucky. Gleich zu Beginn stellt Chris seine Top Seller Single “Starting Over“ vor. Mit einfachen aber eindrucksvollen Worten kann Chris Stapleton darin eine Liebeserklärung skizzieren, die für ein ganzes gemeinsames Leben reichen wird. Mit einem fetten Blues geht es bei “Devil Always Made Me Think Twice“ weiter und “Cold“ im gleichen Genre verpackt, thematisiert eindringlich eine herbe Enttäuschung durch eine Trennung. In “When I’m With You“ erkennt Stapleton, dass er, nun schon vierzigjährig, erkennen muss, dass am Fuß des Regenbogens kein Gold zu finden ist. Aber wenn er mit “ihr“ zusammen ist….Mit “Joy Of My Life“ erinnert Chris Stapleton an John Fogerty, der den Song 1997 seiner Frau Julie widmete. Der Verlust seines Hundes Maggie war Anlass den Titel “Maggie’s Song“ auf dem Album “Starting Over“ zu platzieren. Dass Whiskey am Ende den Schmerz doch nicht besiegen kann, ist Thema in “Whiskey Sunrise“ und eine Hommage an Guy Clark erklingt mit der Coverversion seines Titels “Old Friends“ und der Feststellung, dass es die guten, alten Freunde sind, die man nicht kaufen kann und doch so wichtig sind. Vielleicht der bemerkenswerteste Song ist “Nashville TN“, in welchem Chris Stapleton ein Goodbye an die Music City interpretiert, die ihn alles lehrte. Nun aber scheint es Zeit gekommen, (musikalisch) neue Wege zu gehen. Zu sehr habe sich die Stadt verändert. Welch ein mutiges Statement. “Starting Over“ ist ein starkes Album des genialen Songwriters und eindrucksvollen Interpreten Chris Stapleton. Das Warten auf das neue Album hat sich gelohnt.

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Billy Ray Cyrus – The Singing Hills Sessions – Mojave

(VÖ:09.11.2020)

Die zweite Folge der EP Serie “The Singing Hills Sessions“ mit dem Untertitel “Mojave“ von Billy Ray Cyrus bietet, mit fünf Titeln, knappe Unterhaltung. Dafür aber, für seine Verhältnisse, ruhige und besinnliche Balladen. Für Überraschungen ist Billy Ray Cyrus immer gut und so beginnt seine EP mit dem Titel “Mama Said Knock You Out“, einer Bearbeitung des Originals des US Rappers LL Cool J aus dem Jahr 1991. Billy Ray Cyrus singt oder spricht den Titel, der eher Rap als Country ist. Mit “Ghost Dance“ erzeugt er eine düstere Stimmung von Verlorenheit und Hoffnungslosigkeit, aus der möglicherweise die Beschwörung durch einen Geistertanz heraushelfen kann. “Holdin‘ On“ thematisiert den Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu wollen und die Trennung der Beziehung rückgängig zu machen, wenn es denn möglich wäre. Mit der bitter-trotzigen Aussage in “Good At Goodbyes“ ist die EP auch schon wieder aus. Der Schlusstitel ist locker flockiger Two Step, aber die Zeilen sind voller Resignation. Der Abschnitt “Mojave“ der “Singing Hills Sessions“, der tatsächlich nahe der Mojave Wüste aufgenommen wurde, zeigt einen anderen Billy Ray Cyrus, der sich in der Vergangenheit ja immer wieder von Country Music früherer Jahre entfernt hatte. Man darf gespannt sein, ob und wie diese EP Reihe weitergeführt wird.

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Brothers Osborne – Skeletons

(VÖ: 09.10.2020)

An diesem Brüder Duo scheiden sich die Geister. Zum einen brillieren John und TJ Osborne mit unglaublichem Können an ihren Gitarren, zum anderen provozieren sie mit ihrer Auffassung von Musik, die zwar moderne Country Music genannt werden will, aber teils so eigenwillig daherkommt, dass es eher experimentelle Rock Music darstellt. Gern lassen Brothers Osborne ihre Titel abrupt und überraschend aufhören. So nach dem Motto: habe fertig. Das dritte Studioalbum der Brüder aus Maryland heißt “Skeletons“ und meint damit, dass man fast überall “Leichen im Keller“ finden kann. Das Album ist mit Augenmerk produziert. Immer dann, wenn man sich einen ruhigeren Titel herbeisehnt, folgt er prompt. Heißt, dass Brothers Osborne auch Balladen können, die dennoch in ihrem Sinn mit allerlei Schnick Schnack aufgemotzt sind. TJ Osborne kann mit seinem Bass-Bariton Geschichten erzählen, die eindrucksvoll unter die Haut gehen. Der Titeltrack “Skeletons“ bleibt allerdings etwas hinter den geweckten Erwartungen zurück. Ein weiterer Song mit bitterem Inhalt ist “Back On The Bottle“. Darin geht es um das Ende einer Beziehung, die den Protagonisten bislang abgehalten hat, wie früher, sich dem Whiskey hinzugeben. Nun aber, wo “sie“ fort ist, hängt er wieder an der Flasche. Auch “High Note“ ist trotz der fließenden eingängigen Melodie eine bittere Reflektion einer gescheiterten Beziehung. Völlig ungewöhnlich ist der Titel “Muscat Green“ als Instrumental mal als Gitarrenrock, mal als Piano Jazz arrangiert und geht nahtlos über in den nächsten Titel “Dead Man’s Curve“, ein Vergleich einer “Schönheit“ mit einer todbringenden Kurve, die schon viele Opfer forderte. Der vielleicht bedeutendste Titel auf dem Album “Skeletons“ von Brothers Osborne ist “Make It A Good One“. Darin haben die Brüder den Rat verpackt, das Leben in vollen Zügen zu genießen, die Gelegenheiten zu erkennen und zu nutzen und nicht zu zaudern. Zum Ende gibt es mit “Old Man’s Boots“ noch einen Vater Sohn Song, in welchem Thomas Osborne erzählt, dass er froh ist, ein kleines Stück in den “Stiefeln“ seines Vaters gehen zu können. Brothers Osborne legen mit ihrem dritten Album “Skeletons“ die Latte für Qualität, Musikverständnis und Inhalt recht hoch. Das muss auch alle Country Fans überzeugen, die mit moderner rockorientierter Country Music gehadert haben.

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CAM – The Otherside

(VÖ: 30.10.2020)

Es scheint ein klares Konzept hinter der Karriere von Cameron Marvel Ochs, Künstlername CAM, zu stehen. Das nun erschienene neue Album “The Otherside“ von CAM ist wieder im gehörigen Zeitabstand von 5 Jahren zum Vorgängeralbum “Untamed“ und von 10 Jahren zum Debütalbum “Burning House“ platziert. Zufall oder Konzept? Ebenfalls unverändert ist die musikalische Ausrichtung auch im dritten Studioalbum von CAM. Es handelt sich erneut um Country Pop und das mit voller Absicht. Die Sängerin aus Kalifornien hat sich aber weiterentwickelt. Das anfängliche Girlie-Image legt sie zunehmend ab und die Mutterrolle scheint ihr auch einen erweiterten Blick auf das Leben gegeben zu haben. Gleich mit dem Opener “Redwood Tree“ hält sie eine imaginäre Zweisprache mit einem der legendären Mammutbäume, deren Alter ein Menschenleben klein und unbedeutend erscheinen lässt. Der Titelsong “The Otherside“ ist erwartungsgemäß poporientiert textlich ausgebreitet und geht das Thema Trennung an. “Classic“ ist ein Titel, der musikalisch und textlich völlig unbedeutend daherkommt. Das kann man vergessen. Dagegen hat der Titel “Forgetting You“, von ihr und Lori McKenna geschrieben, sowohl mehr Country abgekriegt als auch inhaltlich mehr zu bieten. Ein Song, nur von CAM geschrieben, sticht heraus. “When Goodbye Means“ ist eine herzergreifende Story über eine Frau, die die Trennung kommen sieht und dennoch die Hoffnung auf ein gutes Ende nicht aufgeben will. In “Diane“ geht CAM der Frage nach, wie die Frau des Geliebten und sie selbst so dumm sein konnten, den Lügen des untreuen Kerls zu glauben. Mit den 11 Titeln auf ihrem Album “The Otherside“ setzt CAM fort, was mit ihrem Überflieger Hit “Burning House“ begann. Ein klares Bekenntnis zu Pop Country Music. Und wenn schon diese Musikrichtung, dann gern so konsequent und gekonnt umgesetzt wie auf “The Otherside“.

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Earl Thomas Conley – Promised Land: The Lost Album

(VÖ: 25.09.2020)

Earl Thomas Conley gehört zweifelsohne zu jenen Country Music Interpreten, deren Können und deren Karriere völlig zu Unrecht wenig beachtet wurde. Dabei hat er in der Dekade der 1980er Jahre 18 Nummer Eins Hits und 24 TopTen Platzierungen verbucht. Aber nur sein Greatest Hits Album aus 1985 wurde eine Nummer Eins. Gut, dass es seine Tochter geschafft hat, bislang unveröffentliches Material zu einem Album werden zu lassen, welches an ihren Vater und einen der Country Music Stars der Country Pop Aera erinnert. Alle 12 Titel auf dem nun erschienen Album “Promised Land: The Lost Album“ sind von Earl Thomas Conley geschrieben oder zumindest mitgeschrieben. Musikalisch wird man in die Zeit versetzt, die kurz vor dem Garth Brooks Jahrzehnt noch R&B, Soul und Pop Einflüsse gleichermaßen an Country Music anpasste. Earl Thomas Conley hatte eine Soulstimme, die man ihm, als nicht schwarzen Sänger, kaum zugetraut hätte. Als er 1981 mit seinem größten Erfolg “Fire And Smoke“ erstmals eine Nummer Eins platzieren konnte, begann eine Serie von Top Platzierungen wie mit “Love Out Loud“, “What I‘d Say“, “Chance Of Lovin‘ You“ oder “Once In A Blue Moon“. Typisch für die damalige Zeit ist die B-3 Organ, die auch auf den “verlorenen“ Songs des Album “Promised Land: The Lost Album“ immer wieder an diese Zeit erinnert. Der Songschreiber und Produzent Nelson Larkin (gest. 2013) hatte die Oberaufsicht über die Produktion des Albums, von dem die Tochter von Earl Thomas Conley sagt, dass es ihrem Vater sehr am Herzen lag, diese Musik mit seinen Fans zu teilen. Viel Gefühl und Anspruch hatte er in diese Titel gelegt. Solche Posthum Alben lassen, gerade jüngere, Fans oft ratlos zurück. So ist auch dieses Album eine liebenswerte Erinnerung an eine große Stimme und einen feinen Kerl. Zudem ist “Promised Land: The Lost Album“ ein kleines Vermächtnis von Earl Thomas Conley. Mit einer feinen Hand und dem Wissen, wie sich diese Musik seinerzeit angehört hat, ist das Album produziert und macht einfach Spaß, obwohl man weiß, dass Earl Thomas Conley seit vorigem Jahr nicht mehr unter uns weilt.

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Mark Stoffel – Coffee & Cake

(VÖ: 2020)

Die langjährigen Fans hierzulande werden sich sicher gerne an Mark Stoffel erinnern. Der spielte Mandoline und Fiddle bei „Shady Mix“, einer sehr beliebten Band aus dem Raum München, die auch Franken oft zu Gast war. Noch länger liegt sein Mitwirken bei der Band „Mainspring“ zurück. 2002 wanderte Mark in die USA aus und ließ sich in Illinois nieder, wo er weiterhin gerne Bluegrass-Music spielt. 2008 kam er auf Besuch in die alte Heimat und hatte eine CD unter dem Titel „one-o-five“ im Gepäck. Jetzt hat sich Mark endlich mal wieder zurückgemeldet. Sein neuestes Werk heißt „Coffee & Cake“ und besteht erneut ausschließlich aus instrumentalen Bluegrass-Titeln. Zehn der dreizehn Stücke hat Mark selber komponiert. Schon beim ersten Reinhören wir klar: diese CD ist ein Juwel, ein Titel klingt schöner als der andere. Insgesamt ist dieses Werk etwas schwungvoller ausgefallen als seine erste CD. Mark spielt auf allen 13 Stücken Mandoline und seine Kollegen, die ihn bei den Aufnahmen begleiten, hat er offenbar sehr sorgfältig gewählt. Zwei Namen fallen uns sofort auf: Rob Ickes am Dobro zählt ja zu den international anerkannten Meistern auf diesem Instrument und die Fiddlerin Becky Buller kennt man auch hierzulande spätestens seit sie in der Band von Valery Smith für Furore gesorgt hat (2008 u.a. zu Gast im Kulturforum in Fürth). Wie kam der Titel der CD zustande? Mark liebt die deutsche Tradition, am Nachmittag mit Familie, Freunden oder Kollegen eine Pause einzulegen, um sich bei Kaffee und Kuchen gemütlich zu unterhalten und das macht er auch gerne den Menschen in den USA schmackhaft. Ein Bild davon, aufgenommen in einem Café in Illinois finden wir in dem hübsch aufgemachten CD-Cover. Mein persönlicher Lieblings-Titel ist „Frost On The Pretzel“, zu dem man augenblicklich einen flotten Twostep tanzen möchte. Deutsche Brezen, die vermisst er sehr in den USA, darum hat er gelernt, sie selber zu backen. Erwähnenswert auch „Finn and Ollie“, gewidmet Mark´s beiden Söhnen, auf die er mächtig stolz ist. Neben den zehn eigenen Stücken finden wir noch den neu aufpolierten Bluegrass-Klassiker „The Old Mountaineer“ von Bill Monroe sowie ein Medley aus zwei sehr irisch klingenden Reels. Den Knaller hat sich Mark für den Schluss aufgehoben. Glenn Miller´s „In The Mood“ in einer genialen Bluegrass-Version, bei der nicht weniger als zwanzig Musiker in die Saiten von Mandolinen, Mandocello und Mandola hauen! Diese CD ist etwas ganz besonderes und sollte in der Sammlung eines echten Bluegrass-Fans nicht fehlen, zu bestellen über die Internetseite markstoffel.com 
Jürgen Stier

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Margie Singleton – Never Mind

(VÖ: 30.10.2020)

Nostalgie pur und ein Stück Musikgeschichte vereinen sich in der fünf Titel umfassenden EP “Never MInd“ von Margie Singleton. Allein schon die Biografie von Margie Singleton könnte Stoff für etliche Country Songs hergeben. Bereits mit 13 Jahren ging sie eine Teenager Ehe mit Shelby Singleton ein, bekam mit 15 ihr erstes Kind und brachte sich nebenbei das Gitarre Spiel bei. Mit Anfang Zwanzig ging es los mit einer Karriere als Sängerin, die beinahe 7 Jahrzehnte währte. Unvergessen ihre Duette mit George Jones, Faron Young oder mit ihrem zweiten Mann Leon Ashley. Die Liste ihrer Charteinträge ist nicht besonders lang. Sicher auch ihrer Entscheidung geschuldet, sich um ihre Familie mehr zu kümmern als um ihre Karriere. Nach dem Tod ihres Gatten Leon Ashley 2013 ermunterte sie Sohn Steve Singleton, statt sich zurückzuziehen, wieder Songs zu schreiben und aufzunehmen. Steve Singleton ist auch für die Produktion der EP “Never Mind“ mit Partner Derrick Dexter Mathis verantwortlich. Die fünf Titel sind ein flüchtiger Blick in und über das Leben von Margie Singleton und sind mal Country mal Blues. Man muss es einfach einmal betonen. Margie Singleton wurde 1935 geboren und hat 2020 mit 85 Lebensjahren immer noch Spaß an ihrer Musik. Klar, dass diese EP aus der Zeit gefallen ist. Trotz schwindendem Druck in der Stimme kann man erahnen, dass Margie Singleton eine sehr geachtete Sängerin ihrer Zeit war. Solche (musikalischen) Geschichten um Stars in hohem Alter dürfen in der Country Music Welt einfach stattfinden. Ein ums andere Mal sind solche späten Wiedersehen (-hören) eine liebenswerte Erinnerung. Leider in der heutigen Zeit nicht sehr häufig.

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Slim Dime – The Long Journey Home

(VÖ: 14.09.2020)

Akustische Musik, die sich ganz und gar den alten überlieferten Weisen widmet, erklingt auf dem Album des Dous Slime Dime aus Melbourne, Australia. Mal instrumental mit zwei Gitarren oder mit Gitarre und Banjo vorgetragen, mal alte Songs meist vom weiblichen Part des Duos, Jen Land, eingesungen. Zugegeben, das ist schon sehr spezieller Stoff. Mit Partner Chris Taylor wollen Slim Dime alten Melodien und Songs neues Leben einhauchen oder sie einfach nicht in Vergessenheit rutschen lassen. Dabei sind auch eher Anlehnungen an Folk Music zu hören. Mit 16 Titeln und über eine Stunde Laufzeit ist das Album “The Long Journey Home“ recht üppig ausgefallen. Das klingt alles sehr hausbacken und eher nach Hausmusik. Trotz aller Virtuosität an den Instrumenten kann solche Musik nur ein Nischenprodukt sein, welches sicher nicht in vielen Musikregalen stehen wird.

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Moe Bandy – A Love Like That

(VÖ: 28.08.2020)

Es ist ein Segen, dass Country Music Interpreten wie Moe Bandy selbst im Alter von weit über 70 Jahren immer noch Songs erfinden, interpretieren und in Alben verewigen. Dabei kann Moe Bandy auf eine fast 50-jährige, durchaus erfolgreiche, Karriere zurückblicken. Allerdings war er nie einer der ganz großen Stars. Vielleicht, weil er immer ein sehr bodenständiger Interpret war und ist, der als ehemaliger Rodeo Reiter das Leben dieser Artisten im Fokus hatte. Auch Trucker und andere “Blue Collar People“ waren in seinem Fokus. Kurzum, er präsentiert Country Music der traditionellen Art, wie sie ursprünglicher nicht sein könnte. Auf sein neues Album “A Love Like That“ hat er 11 Titel gepackt. Es beginnt mit “Tonight Was Made For The Two Of Us“, einem feinen Two Step. Mit einem seiner erfolgreichsten Songs, “Hank Williams, You Wrote My Life“, gab er 1975 die Richtung vor, die bis heute seine Musik prägt; stammt er doch wie Hank Williams aus Meridian, Mississippi. So reihen sich “Oldtime Perlen“ aneinander und die meist tanzbaren Songs kommen in traditioneller Instrumentierung und Arrangement ohne sonstiges Beiwerk aus. Die Stimme mag nicht mehr ganz so frisch sein wie 40 Jahre zuvor, dafür aber ist sie voller Wissen. Moe Bandy singt über erfüllte Liebe genauso, wie über kaputte Beziehungen, über das Scheitern an sich oder über Träume eines besseren Lebens. Einprägsam die Story im Titel “Heartache Doesn’t Have A Closing Time“ über einen betrügenden Mannes, der sich in einer Bar dem Schnaps und bitteren Erkenntnissen hingibt. Dies ist eigentlich ein American Chanson. “Life Of A Rodeo Cowboy“ ist ein melancholischer Blick auf das Leben dieser “Nomaden“. Immer wieder darf eine Steel Guitar oder eine Fiddle für den prägenden Sound sorgen, wenn Moe Bandy melancholische Balladen wie “You Can’t Stop A Heart From Breaking“ anstimmt. Zum Schluss des Albums “A Love Like That“ sinniert Moe Bandy mit Altersweisheit über die Frage, was in seinem Leben hätte anders laufen können. Da passt auch die alte Nummer Eins von Ray Price aus 1958, “City Lights“ in die Melancholie der vorangegangenen Songs. Mit diesem Album hat Moe Bandy den Fans alter Melodien und Country Music ein besonderes Geschenk gemacht.

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Maceo – Boomtown

(VÖ: 2020)

In den ersten Zeilen der Homepage der Band Maceo heißt es: „Ganz sicher können alle, die nicht in den Zwanzigern sind, mit der Auffassung von Country Music der jungen Menschen von heute, nichts anfangen.“ So möchte auch die Band Maceo nicht alten Zöpfen huldigen, sondern ihre kraftvolle Country, Rock und Blues Musik präsentieren. Marty Brown formierte 2015 die Band und scharte einige hervorragende Musiker um sich. Richtig gehört. Marty Brown, aber nicht der Vater, sondern der Sohn. Marty jr. hat also jede Menge Berührung mit traditioneller Country Music, die sein Vater Marty Brown sr. vertritt. Allerdings ohne größere Erfolge für den Vater. Vater und Sohn schrieben jedoch viele Songs gemeinsam, so dass der Band Maceo auch aus diesem Fundus so einiges Material zur Verfügung steht. Das Album “Boomtown“ und der Bandname, deuten aber schon an, dass es sich garantiert um Country Music “vom Lande“ handelt. Benannt haben sich die vier Musiker nach der “One Horse Town“ Maceo in Kentucky, welche garantiert kein Boomtown wird. Allerdings geht es los mit dem Rock Titel “Fit To Be Tied“ und das Album scheint der Einlassung auf der Homepage gerecht zu werden. Schwere Gitarrenriffs und die Aussage von Marty Brown, dass er ein Outlaw, ein Rebell, ein Rocker und Roller, ein Gitarrenspieler, ein Kämpfer und ein Country Sänger sei, geben einen ersten Einblick in das, was Maceo unter ihrer Country Music verstehen, die absolut in die Zeit passt. Doch gleich darauf erklingt mit “Lessons In Lonely“ eine wunderbare Ballade, modern und traditionell zugleich. Da kommt die Zusammenarbeit mit Vater Marty Brown durch. Richtig ab geht es beim Honky Tonk Titel “Backwards Ballcap Beer Drinking Kind Of Crowd“. Da zucken die Tanzbeine. Mit “Barbwire & Cornfields“ wird, als Einleitung für den Titelsong “Boomtown“, noch einmal ein Hohelied auf das Leben in einer Stadt weitab von den Megacitys gesungen. Mit “Old Legends“ erklingt eine Hommage an die Legenden der Country Music, die durch ihre Musik immer weiterleben. Mit viel Liebe zum Detail sind die Songs eingespielt und arrangiert. Immer mit einem Blues, der zu Country gehört wie Topf und Deckel. Balladen wie “Old Legends“ oder “Colorado Crazy“ dürfen auch einmal die Fünf Minuten Grenze brechen. Der letzte Titel, “Memphis Delta King“ ist wieder ein härterer Blues Rock Song. Das Album “Boomtown“ von Maceo ist ein rund um gelungenes Werk, welches mit “nur“ 10 Titeln jede Menge Spaß verbreitet und zudem über hörenswerte Texte verfügt. Ein tolles Debüt Album. Sogar für die nicht mehr Zwanzigjährigen Country Music Fans.

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Mo Pitney – Ain’t Looking Back

(VÖ: 14.08.2020)

Schon sein Debütalbum erregte 2016 die Gemüter. Wie konnte ein so junger Kerl, gerade Anfang Zwanzig, solch ein traditionelles Album machen? Bravo und gut so, urteilten andere. Vier Jahre später folgt nun das zweite Album von Mo Pitney, der immer noch nicht aus den Zwanzigern heraus ist. Was hat der junge Mann aus Cherry Valley, Illinois, nun vorgelegt? “Ain’t Looking Back“ heißt sein neues Album und anders als vermutet, beginnt es mit dem Titel “A Music Man“ wie es traditioneller kaum sein kann. Beinahe wie eine Rechtfertigung erläutert Mo Pitney, dass er keinen Ruhm oder viel Geld sucht. Er will einfach das tun, was ihm tief im Herzen liegt. Musik zu machen. Diese ruhige Ballade, mit der Unterstützung von Jamey Johnson, der zum Schluss seinen Bariton beisteuert, ist ein Einstieg nach Maß. Mit jeder Menge Sprachwitz sind die Texte gespickt, die aber “nur“ die altbekannten Themen aufarbeiten wie Trennung, Liebe, Sehnsucht oder Aufbruch in eine bessere Zukunft. Mit dem Titel “Old Home Place“ lässt Mo Pitney seine “All Star Band aus vergangener Bluegrass Zusammenarbeit wieder auftreten und richtig “grassen“. Die vollkommene Zufriedenheit drückt Mo Pitney in seinem Song “Mattress On The Floor“ aus, wenn “sie“ den Kopf auf seine Brust legt, mit dem Blick zur Zimmerdecke obwohl lediglich eine Matratze auf dem Boden das Mobiliar darstellt. Mehr Country geht nicht. Oder doch? Mit “Old Stuff Better“ drückt Mo Pitney aus, was ihn an den alten Dingen festhalten lässt. Wie etwa seine alte Jeans, seinen alten Pick Up, die alten Songs, die alten Gitarren oder die alten Stars. Wow! Ein solches Bekenntnis eines jungen Mannes in der heutigen Zeit. Zum Schluss seines Albums “Ain’t Looking Back“ darf auch ein religiöser Titel nicht fehlen indem er sich in die Figur des “Jonas“ begibt. Wenn die 13 Songs verklungen sind, weiß man, dass Mo Pitney nicht auf seine Vergangenheit blicken wollte. Er geht seinen, wohltuend traditionellen musikalischen Weg weiter, ohne sich umzuschauen und zu bangen, was andere Leute davon halten. “Ain’t Looking Back“ ist ein feines Album eines feingeistigen Texters und Sängers, der es schafft, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Und das ganz ohne Drum Computer und Disco Gedröhne. Country Music at its best. 

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Tim McGraw – Here On Earth

(VÖ: 21.08.2020)

Was hat dieser Mann nicht schon alles an Ehrungen, Chartplatzierungen an der Spitze und Awards erreicht. Erfolgsverwöhnt hat Tim McGraw immer wieder in den letzten Jahren nach neuen Wegen gesucht, seine Musik zu präsentieren. Oftmals hatten sich diese Ambitionen in Rock Music verirrt und von Country Music entfernt. Für sein neues Projekt, wechselt er zum Label Big Machine Records und ist in bewährter Zusammenarbeit mit Byron Gallimore als Produzent auch selbst verantwortlich. “Here On Earth“ ist ein Album welches sehr ambitioniert auftritt, sowohl im Titel als auch in der Aufmachung. Da scheint der weite Weltraum gerade groß genug zu sein um die Titel mit den gewaltigen Textpassagen aufnehmen zu können. Sehr ungewohnt beginnt das Album mit “L.A.“ was mit Streichern und sanften orchestralem Arrangement an die Hochzeit des Country Pop aus den 1970er Jahren erinnert. Der Titelsong “Here On Earth“ thematisiert das Wunder des Lebens ebenso, wie die Frage nach dem Selbst oder dem Sinn im eigenen Dasein. Unter dem, ging es wohl nicht. Ein wenig sehr dick aufgetragen, aber für eine Country Pop Ballade geeignet. Eine gewisse Überproduktion scheint da durchaus zu passen. Die meisten Texte sind dermaßen Pop Music Stuff, dass es gut ist, wenn solches Material von Tim McGraw vorgetragen wird. Ihm wird man das abkaufen. Allerdings ist das Album mit 16 Titeln und über einer Stunde Dauer schon anstrengend um es aufmerksam zu verfolgen. Nur gut, dass die Grundlinie der Produktion auf ruhige Melodien gesetzt ist und weniger mit Rock Music aufwartet. “I Called Mama“ oder “Not From California“ sind solch ruhige Balladen, die aber nicht ohne jede Menge Arrangement in Szene gesetzt sind. “Here On Earth“ ist streckenweise schwülstig und überladen. Das mag daran liegen, dass die meisten der Texte von mehreren Songschreibern verfasst wurden. Da haben sich die Wortakrobaten wahrscheinlich gerne mal gegenseitig übertreffen wollen. Musikalisch ist das Pop Country Music, vorgetragen von einem Tim McGraw, der allerdings alle diese Herausforderungen meistert. Weil er halt ein Großer ist.

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RaeLynn – Baytown

(VÖ: 14.08.2020)

Barbie Goes Country könnte man annehmen, wenn man das Cover der EP “Baytown“ der Texanerin Racheal Lynn Woodward, Künstlername RaeLynn, betrachtet. RaeLynn hat bereits mit 15 Lebensjahren ihre musikalische Karriere gestartet und sich über die Talentshow “The Voice“ ins Rampenlicht gebracht. Klar, dass eine so junge Frau ein ebenso junges Publikum ansprechen möchte. Nach dem Studioalbum “WildHorse“ und dem folgenden Wechsel zum Label Big Machine Records ist nun ein EP Werk erschienen, welches sich klar mit Country Music schmückt. Allerdings mit Country Music, welche auf Radio Play ausgerichtet ist und mit Rap oder Pop ohne Ende arrangiert wurde. Es gibt unter den sechs Titeln auch ruhige Momente, wie bei “Me About Me“ oder bei “Fake Girl Town“. Den Schluss bildet das pubertäre Teenagergezeter in “Bra Off“ aus dem Vorjahr. Da soll die Trennung vom Freund so sein, als ob RaeLynn ihren BH auszieht. Das mag nachvollziehen wer kann. Hoffentlich entwickelt sich die junge Dame weiter. Solch eine Musik braucht es nicht in der Country Music, ist aber leider immer bestimmender geworden, was Radio Play und Chart Voting anbetrifft.

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Brent Cobb – Keep ‘Em On They Toes

(VÖ: 02.10.2020)

Brent Cobb hatte schon früh Berührung mit der Musik, weil sein Vater in einer Band spielte. Als Teenager traf er seinen Cousin, den bekannten Produzenten Dave Cobb und gab ihm ein Demo Band,  in der Hoffnung, Dave würde seine Kontakte für ihn nutzen. Tatsächlich gelang der Versuch und Brent Cobb verließ bald darauf seine Heimat Georgia und zog ins Mekka der Country Music, nach Nashville. Mittlerweile schätzt man ihn dort als Songschreiber, der mit seinen beinahe philosophischen Lyrics, Hits für etliche Meg Stars geschrieben hat. Seine eigene Solokarriere dümpelt aber eher so vor sich hin. 2006 veröffentlichte, der damals Zwanzigjährige, sein Debütalbum “No Place Left To Leave“. Es folgte zehn Jahre später das Album “Shine On Rainy Day“ und 2018 “Providence Canyon“. Jetzt liegt sein neuestes Werk “Keep ‘Em On They Toes“ vor. Wer über den grammatikalischen Fehler stolpert, muss seine Einlassungen zu seinem Album nachlesen. Mittlerweile ist Brent Cobb in seine Heimat Georgia zurückgekehrt und erklärt daher: „Es ist komisch, denn die letzten beiden Alben handelten von mir, wie ich in Georgia aufwuchs, und jetzt sind wir wieder hier. Ich schreibe nicht mehr darüber, dass ich es vermisse, also kommen die Songs jetzt von innen. Es ist keine Sehnsucht nach Heimat, es ist das, woran ich denke, jetzt, da ich hier unten lebe“. In reduzierter Singer/Songwriter Qualität bietet das Album “Keep ‘Em On They Toes“ zehn Songs, die unaufgeregt Geschichten erzählen, die echte Lebenserfahrungen spiegeln. Ob es die Erkenntnis ist, dass gute Zeiten meist nicht von Dauer sind oder, wie im Titelsong, Brent Cobb den Ratschlag gibt, nicht allzu sehr auf die Meinung anderer zu hören und seinen eigenen Weg unbeirrt zu gehen. Brent Cobb ist ein Storyteller. Als Sänger offenbart er einige Schwächen, was seiner Karriere bislang einen größeren Erfolg vorenthielt. Seine Musik pendelt zwischen Americana, Outlaw Country, Southern Rock und Country. Immerhin bekam  Brent Cobb 2018 für “Shine On Rainy Day” einen Grammy für das beste Americana Album. In der zweiten Hälfte seines neuen Albums, sind die Songs zunehmend von den teils nicht einfach nachvollziehbaren Gedanken geprägt. Damit wird endgültig klar, dass Brent Cobb nicht einfache Chart Mucke präsentieren möchte. Ihm liegen Dinge auf der Seele, die ihren Ausdruck einfordern. „Meine letzten beiden Alben handelten von Menschen und Orten, und ich wollte, dass dieses Album von Gedanken und Gefühlen handelt“, sagt er. Zu der Grammatik im Titel “Keep ‚‘Em On They Toes“ erklärt er einfach: „So reden die Leute hier, wo ich lebe. Ich wollte das unverfälscht lassen.“ Dieses Album findet sicher seine Liebhaber, ist aber eher etwas für Spezialisten.

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Justin Moore – Live At The Ryman

(VÖ: 25.09.2020)

2018 hatte die Welt noch keine Ahnung, was 2020 mit der Corona Pandemie alles verändert werden würde. Oder doch? Jedenfalls hatte Justin Moore den richtigen Riecher gehabt, als er sein Livekonzert in der berühmten Konzerthalle Ryman Auditorium in Nashville mitschneiden ließ. Nun lässt er seine Fans und die, die es sicher noch werden, an diesem Konzertabend teilhaben. Mit dem Livealbum “Live At The Ryman“ präsentiert der Mann aus Arkansas, dessen fünf Studioalben seit 2009 alle unter die Top3 der Alben Charts gelangten, mit 17 Titeln eine geballte Ladung Power. Gleich mit dem Opener “Hank It“ und “Backwoods“ feuert Justin Moore kraftvolle Rock Country Titel ab, die von den Konzertbesuchern frenetisch bejubelt werden. Doch schon bei “Flying Down A Backroad“ dürften alle Handy Lampen den Saal beleuchtet haben. In der Folge lässt er einen Hit nach dem anderen auf die Besucher einprasseln. Da fehlen seine größten Erfolge wie “Til My Last Day“ (in der Live Version fast 6 Minuten lang), “If Heaven Wasn’t So Far Away“ oder “Lettin‘ The NIght Roll“ natürlich nicht. Justin Moore hat eine tolle Stimme, jede Menge Ausstrahlung und er scheint richtig Spaß gehabt zu haben. Das überträgt sich auch auf die Hörer seines Albums “Live At The Ryman“. Man bedauert wieder  einmal, nicht dabei gewesen zu sein. Die Hütte brannte und das zu recht. Wenn das volle Haus seine Texte mit singt, bekommt man Gänsehaut. Zum Schluss gibt Justin Moore noch einmal richtig Gas und mit “I Could Kick Your Ass“, wo der Text sicher auf die gegenwärtige Situation des eingeschränkten Lebens durchaus anwendbar ist, und “Point At You“ lässt er die Besucher noch einmal total abfeiern. Sind Livemitschnitte oft mit Vorsicht zu genießen, ist das “Live At The Ryman“ von Justin Moore sowohl technisch einwandfrei, als auch musikalisch ein Highlight. Eine geballte Ladung Justin Moore.

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Terri Clark – It’s Christmas…Cheers

(VÖ: 25.09.2020)

Alle Jahre wieder – ist Weihnachten. Und wer schnell ist, kann vielleicht als erstes auf dem Gabentisch mit seinem Weihnachtsalbum landen. Diesmal hat es Terri Clark schon im September eingetütet. An sich sind Weihnachtsalben weniger interessant ob ihrer Aktualität. Eher, weil es interessant ist, wie gestandene Musiker die vielen und vor allem länglich bekannten Melodien umsetzen. Von Terri Clark war lange nichts Neues mehr zu hören. Ihr letztes Studioalbum datiert aus dem Jahr 2011. Die Kanadierin, die (!) in die Country Music Hall Of Fame gewählt wurde, hat die ersten vier Titel allein eingesungen. Dann aber hat sie sich für weitere Songs Unterstützung von Ricky Skaggs, Dierks Bentley, Vince Gill, The Oak Ridge Boys, Pam Tillis und Suzy Bogguss gesichert. Das Album “It’s Christmas…Cheers“ beginnt jazzig und hält aber mit “Cowboy Christmas“ eine echte Country Weihnacht ab. Sicher ein Highlight das “Silent Night“ im Duett mit Vince Gill. Terri Clark scheint in sich zu ruhen und mit der Welt im Reinen zu sein. Souverän präsentiert sie die 10 Weihnachtssongs, die obwohl oft gehört, von ihr sympathisch und empathisch dargebracht sind. Wer also auf Weihnachtsalben steht, sollte hier zugreifen.

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Sean Harrison – Halfway From Nashville

(Vorbesprechung – VÖ: 06.11.2020)

Eigentlich war Sean Harrison ein Kind, welches mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde. Sein Vater lehrte kreatives Schreiben an der Universität von Arkansas und die “schönen Künste“ wurden in seinem Elternhaus entsprechend hochgehalten. Sean entschied sich für die Musik. Die Turbulenzen der 1960er Jahre prägten den jungen Mann und er brach aus seinem damaligen Leben aus, um etliche Jahre in verschiedenen Gegenden von Europa zu leben und, wie heute selbst sagt, verschwendete jede Menge (Lebens-) Zeit. Alkohol- und Drogensucht hinderten ihn ebenfalls, seine Karriere als Musiker zu verfolgen. Zum Glück liegen diese Zeiten weit zurück und nun macht er sich daran, die längst in ihm gereiften Songs zu präsentieren. Vorweg, ein begnadeter Sänger ist er nicht, seine Musik ist nicht spektakulär und das Musik Arrangement ist eher verhalten traditionell. Dennoch hat Sean Harrison Einiges zu erzählen und tut dies gelegentlich mit humorigem Augenzwinkern. 12 Titel umfasst das Album “Halfway From Nashville“ und gleich mit dem Opener und Titelsong hoffte Sean Harrison, dass ihn Songs, etwa von Merle Haggard, Bob Dylan aber ganz sicher von Johnny Cash, wieder den rechten Weg zeigen. Sean Harrison verarbeitet in seinen Songs ohne Zweifel einige seiner Lebensweisheiten, die er durch bittere Erfahrungen lernen musste. Seine Lyrics sind daher auch klar und deutlich. Keine schlagerhaften Verschleierungen trüben da die Botschaft. In “Wake Up Dead“ setzt er sich mit dem Tod auseinander, der sicher nicht wie erhofft eintreten wird. Eine bittere Erkenntnis zieht Sean Harrison im Song “Paydays“, als er konstatiert, seine Frau liebt ihn nur am Zahltag. Mit dem Singer/Songwriter Schmankerl “Breathe Out Her Name“ endet das Album “Halfway From Nashville“ und wenn man die Lyrics der Titel aufmerksam verfolgt hat, ist das Erbe, welches Sean Harrison von seinen Eltern mitbekam, unverkennbar. Diese Musik ist schnörkellose Country Music im Singer/ Songwriter Format.

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Kelsea Ballerini – ballerini

(VÖ: 11.09.2020)

Nachdem die Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums “kelsea“ mitten in die Hochphase der ersten Corona Pandemie Welle fiel, unternimmt Kelsea Ballerini mit dem Album “ballerini“ einen zweiten Versuch die 13 Songs den Konsumenten schmackhaft zu machen. Neu aufgenommen und arrangiert sind die Titel von allem Pop-Drum-Herum befreit und klingen beinahe wie ein Akustikalbum. Und tatsächlich, der Versuch scheint zu gelingen. Die Titel erreichen eindringlicher und unverstellter die aufmerksamen Zuhörer. Hatte das Vorgängeralbum den Eindruck vermittelt, Kelsea Ballerini wollte im Windschatten von Taylor Swift unverhohlen die Pop Music mit etwas Country Sound verbinden, so können sich die geneigten Hörer nun ganz auf die Lyrics der Songs konzentrieren. Diese sind eindeutig an ein junges, weibliches Publikum gerichtet und thematisieren das Erwachsenwerden in verschiedenen Facetten. Was davon tatsächlich persönliches Erleben oder Empfinden ist, bleibt dahingestellt. Obwohl Kelsea Ballerini an den meisten Titeln mitgeschrieben hat, haben einige der angesagtesten Songschreiber Nashvilles hier ihre Finger im Spiel, wie etwa Shane McAnally, Ross Copperman oder Nicolle Galyon.  Beispielsweise “Love And Hate“ klingt tatsächlich nach Country Music, ganz ohne das Fingerschnipsen und die Pianobegleitung der ursprünglichen Fassung. Auch die nachdenkliche Ballade “Half Of My Hometown“ kommt ohne die Hilfe von Kenny Chesney, wie beim Vorgängeralbum, exzellent aus. Kelsea Ballerini ist auf dem Weg zu einer bemerkenswerten Künstlerin. Man darf mit Spannung erwarten, was sie in Zukunft für ein gereiftes Publikum, mit dem sie ja mitwächst, bereithält. Ihr Album “ballerini“ ist ein erster Fingerzeig in diese Richtung und zeigt, was man mit Produktion und Arrangement für Unterschiede erzeugen kann. Diese Kelsea Ballerini ist eine modern klingende Pop Country Interpretin, die ganz gut ohne das ganze Pop Arrangement Gedöns auskommt.

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Lindsay Ell – Heart Theory

(VÖ: 14.08.2020)

Die Beschreibung des fünften Studioalbums der Kanadierin und talentierten Gitarristin Lindsay Ell gebietet zunächst einmal vorsichtige Zurückhaltung. Die 12 Songs sollen als Konzeptalbum die „sieben Stufen der Trauer“ darstellen. Starker Tobak. Mit “Hit Me“ geht die Reise durch das Tränenland los und Lindsay Ell beschreibt ein Beziehungsaus und ein Gefühlschaos, welches zwischen Lachen und Weinen pendelt. Mit “How Good“ folgt die Trotzreaktion, nach dem Motto, du weißt ja gar nicht was du verpasst hast. Dann schlägt bei “I Don’t Love You“ die Einsamkeit zu und mit “Wrong Girl“ folgt die erste Analyse der Gründe des Beziehungsdramas. So geht es Song für Song weiter in den Phasen der Trauer, bis endlich im Schlusstitel einer neuen Beziehung eine Chance gegeben wird. Alle Titel sind in Pop Country eingewickelt und das passt auch gut zu diesem Konzept. Weder die Bitterkeit noch das Besinnen auf die eigene Stärke ist jedoch ausreichend ausgearbeitet. Wenn schon Konzept, dann bitte richtig. Gerade die Country Music verträgt starken Ausdruck. So bleibt vom Album “Heart Theory“ von Lindsay Ell nur der Eindruck eines Pop Country Albums unter vielen. Da wäre noch mehr drin gewesen.

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Keith Urban – The Speed Of Now, Part 1

(VÖ: 18.09.2020)

Seit Beginn seiner Karriere macht der gebürtige Neuseeländer Keith Urban durch seine Musikalität und Fertigkeit, auf allen Instrumenten virtuos zu spielen auf die man Saiten ziehen kann, auf sich aufmerksam. Spätestens nach seinem dritten Studioalbum “Be Here“ aus dem Jahr 2004 weiß man, dass er sich einer Crossover Mischung aus Country, Pop und leichtem Rock verschrieben hat. Diesem Stilmix ist er treu geblieben und lauscht man heutzutage den angesagten Country Hit Radio Sendern in den USA, begegnet man Keith Urban und seinen seichten Pop Balladen und Country Rock Mischungen am laufenden Band. Er hat möglicherweise ein Radio Play wie kaum ein zweiter Interpret. Mit seinem 11. Studioalbum “The Speed Of Now, Part 1“ setzt er konsequent in Szene, was zurzeit angesagt ist. Computerdesignte Pop-Musik, deren künstliche Klangteppiche eher Ex und Hopp Qualität haben. Dass man diese Titel nicht verinnerlicht, ist aber nicht tragisch. Keith Urban scheint solche Songs produzieren zu können, als schöpfe er aus einem nimmer versiegenden Quell. Für sein neues Projekt hat er sich mit Pink im Song “One Too Many“ eine hoch talentierte Pop Ikone gesichert. Gleich zu Beginn erklingt mit “Out The Cage“ ein Titel, der mit Disco Funk Artist Nile Rodgers und dem Trap Hip-Hop Rapper Breland gleich einmal klarstellt, dass sich Keith Urbans musikalische Ambitionen nicht in enge Käfige zwängen lassen.  Dennoch muss man ebenso klarstellen, dass sich Keith Urban, trotz seiner Vorliebe, immer mal wieder ein Banjo mitklimpern zu lassen, von echter Country Music weit entfernt hat. Seine Fans werden sich über das 16 Titel umfassende Album “The Speed Of Now, Part 1“ ganz sicher freuen. Für den Schluss hat sich Keith Urban etwas besonderes ausgedacht. Da erscheint der Titel “We Were“ gleich zweimal hintereinander. Allerdings ist beim letzten Song des Albums Kollege Eric Church mit von der Partie, der sich, für seine Verhältnisse, allzu sehr an den Schmusesong angepasst hat. Fans von Country Music werden sich schwertun, dieses Album ohne Pause anzuhören. Dennoch, Keith Urban ist ein herausragender Künstler, Songschreiber und vor allem Wissender, wie das Musik Geschäft heutzutage funktioniert und wie man sich ein großes Stück vom Kuchen sichern kann.

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Eric Paslay – Nice Guy

(VÖ: 14.08.2020)

Als Songschreiber hat Eric Paslay schon einige große Erfolge zu verzeichnen. Sogar ein Grammy wurde ihm verliehen für den Song “Even If It Breaks Your Heart“, den sich die Eli Young Band gesichert hatte. 2014 hatte Eric Paslay sein, nach ihm benanntes, Debütalbum veröffentlicht. Nun doch einige Jahre später, ist sein zweites Studioalbum herausgekommen. „Ich hatte nicht geplant, dass zwischen den Studioalben so viel Zeit vergeht. Aber ich war nicht untätig und schrieb fleißig an neuem Material. Das Leben hat manche Wendungen für dich und das muss in die Lieder einfließen. Ich habe geheiratet und wir haben ein Baby bekommen. Also waren da sehr wichtige Dinge im Vordergrund.“ Eric Paslay hatte mit der EP “Heartbeat Higher“ die Zeit etwas verkürzt und nun dieses Material um weitere Songs zu seinem neuen Album “Nice Guy“ ergänzt. Schon das Cover verrät eine gewisse Schlitzohrigkeit. Da ist Eric abgebildet, wie er erkennungsdienstlich erfasst wird. Mit dem EP Song “Heartbeat Higher“ beginnt das neue Album und präsentiert ein Rock Pop Country Duett mit Sarah Buxton. Eric Paslay vermittelt das Image eines rauen Kerls, seine Texte sind jedoch oft schlagerhaft verschwurbelt. Man weiß manchmal nicht, was die Aussage des Songs sein soll. So wie bei “Boat In A Bottle“ und das computerunterstützte Arrangement zielt auf Radio Play. Country Music geht anders. “Under Your Spell“ ist wieder so ein Titel, der aus einem postpubertären Hormonkarussell gefallen zu sein scheint. Für den Schlusstitel der 12 Songs auf seinem Album “Nice Guy“ hat sich Eric Paslay über vier Minuten Zeit gelassen und erzählt, dass eine Frau gut für einen Mann ist, so wie er sie beschreibt. Texte, die viel zu viel offenlassen und eine Musik, die aus der Nashville Konservenfabrik stammt, haben diesem Album nicht gerade gutgetan. Es scheint, als konnte sich Eric Paslay nicht entscheiden, entweder ein Country Rocker oder ein Schmusesänger zu sein.

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Caylee Hammack – If It Wasn’t For You

(VÖ: 14.08.2020)

Eine weitere Dame schickt sich an, in der Country Music Furore zu machen. Caylee Hammack stammt aus Georgia und unterschied sich in ihrer Jugend durch ihren Musikgeschmack von ihren Geschwistern. Während diese eher Southern Rock oder Britney Spears Pop bevorzugten, hatte es Caylee Hammack die Musik der Dixie Chicks oder von SheDaisy angetan. Obwohl erst 26 Jahre alt, hat sie schon einige Nackenschläge hinnehmen müssen. Ihre Tennis Ambitionen wurden jäh gestoppt, als ein Tumor operativ entfernt werden musste. Fortan stand die Musik im Vordergrund und im Selbststudium entwickelte sie sich weiter. Während ihrer Zeit an der Belmont University, zerbrach ihre damalige Beziehung und als Luke Bryan sie lockte, begab sich Caylee Hammack auf ihren Trip nach Nashville. Bald war das mitgebrachte Geld aufgebraucht, das Auto wurde zum Hotelzimmer und später, als sie in einem Haus wohnte, brannte dies nach einem elektrischen Defekt ab. So gesehen hat Caylee Hammack jede Menge Stoff für Songs in ihrem persönlichen Gepäck. Ihr Debütalbum “If It Wasn’t For You“, welches recht ungewöhnlich und mutig von ihr selbst produziert wurde, umfasst 13 Tracks und reicht von lauter Rock Music über Rock Pop Mainstream bis zu leisen Balladen. Mit ganz zarten Tönen beginnt der erste Titel, “Just Friends“ um dann in eine rockige Version einer Beschreibung eines Beziehungsendes überzugehen. Bei “Redhead“ beschreibt Caylee Hammack wie es ist, als wilde Rothaarige aufzuwachsen und wird vom ebenfalls rothaarigen Wirbelwind Reba McEntire gesanglich unterstützt. Mit „Looking For A Lighter“ schlägt sie wieder leisere Töne an, die sich erneut um eine zerbrochene Beziehung drehen. Dieses Sujet zieht sich durch einige der Titel auf “If It Wasn’t For You“ und trifft ganz sicher den Geschmack des eher jüngeren Publikums. Nicht zuletzt durch die Pop Music Arrangements oder rockigen Verkleidungen, die Country Music manchmal vermissen lassen. Ihre Familie macht Caylee Hammack auch mehrfach zum Thema ihrer Songs, etwa bei “Sister“ oder “Family Tree“. Geballte Pop Country Frauen Power bringt der Titel “Mean Something“, in welchem neben Caylee Hammack auch Ashley McBryde und Tenille Townes von der Partie sind. Eine feinsinnige Beschreibung, wie das Leben einen heranwachsenden Teenager verändern kann, bietet “Small Town Hypocrite“. Das Album “If It Wasn’t For You“ ist sicher kein Meilenstein der Country Music geworden. Doch sollte man diese Künstlerin weiterhin im Fokus halten.

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Dallas Smith – Timeless

(VÖ: 28.08.2020)

Dallas Smith ist ein kanadischer Musiker, der als Sänger der Gruppe Default in den Genres Hard Rock, Post-Grunge, Alternative Rock und Alternative Metal zu Hause ist. Als Solokünstler widmet er sich der modernen Country Music, wobei ihm seine Erfahrungen der Musik der Band Default sicher ganz nahe geblieben sind. Mit seinem fünften Studioalbum “Timeless“ ergänzt er die 6 Titel seiner bereits ein Jahr zuvor erschienenen EP “The Fall“ um weitere sechs Titel. Mit der wortreichen Ballade “Drop“ beginnt das Album “Timeless“. Der anschließende Titelsong stellt klar, dass alle möglichen Dinge vergänglich sind, sogar “Country Roads“ von John Denver, außer der Liebe zu seiner Angebeteten. Die Kehrseite dieser Gedanken, wird im Titel “Some Things Never Change“ aufgegriffen. In bester Honky Tonk Manier wird unterstrichen, dass sich manche Dinge eben doch niemals ändern. Während sich z.B. der Preis für Benzin stetig verändert, geht man erst in die Kirche und danach zum Biertrinken. Das ändere sich nicht, behauptet Dallas Smith. In der fetten Country Ballade “Damn Sun“, klagt Dallas Smith die Sonne an, die “dieser besonderen Nacht“ ein Ende setzt. Ein toller Kunstgriff des Songschreibens. Mit dem Schlusstitel “People I’ve Known“, erinnert er an all die Menschen, die ihn zu dem gemacht haben, der er heute ist. Das Album “Timeless“ ist ein Country Music Album, welches modern produziert und präsentiert, jede Menge Radio Play generieren dürfte. Allen Songs sind umfangreiche Lyrics unterlegt und so mancher Gedanke erschließt sich erst beim zweiten Hinhören. “Timeless“ ist keineswegs nur eine “aufgeblasene“ EP. Das Album rückt lediglich die, vielleicht weniger beachtete Veröffentlichung aus 2019, mehr in den aktuellen Blickwinkel. Auf jeden Fall ist es ein bemerkenswertes Country Music Album von Dallas Smith. Da kommt hoffentlich noch mehr.

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Steve Thomas & The Time Machine – All Of These Years

(VÖ: 24.04.2020)

Wenn jemand die Bluegrass Music vertreten kann, dann ist es Steve Thomas. Nicht nur, dass sich seine Biografie eignet, einen Roman damit zu füllen. Er ist als Multiinstrumentalist ein Künstler, der zum Who Is Who der Bluegrasser gehört. Steve Thomas arbeitete mit Del McCoury, The Osborne Brothers, Jim and Jesse, The Whites, Aaron Tippin, Barbara Mandrell, Kenny Chesney, Brooks and Dunn, John Michael Montgomery, Montgomery Gentry, Lee Ann Womack, und Lorrie Morgan. Daneben ist er als Songschreiber, Arrangeur und Produzent in Nashville tätig. Mit seinen vier Sidemen, die sich The Time Machine genannt haben (und damit die Liste der Bands mit gleichem Namen ergänzen), hat Steve Thomas nun das Album “All Of These Years“ veröffentlicht. Mit den 12 Tracks des Albums transportieren Steve Thomas & The Time Machine jede Menge Bluegrass, Blues und akustisch eingespielte Country Music. Der Hank Snow Klassiker “I Wonder Where You Are Tonight“, “My Heart Is Always Headed Back To You“, “We’ll Meet Again Sweetheart“ oder “The Moon Over Georgia“ sind Country Titel wie sie sein müssen. “Rocky Road Blues“ und “The Rat Race“ bringen den Blues genau wie der Titelsong “All Of These Years“. “Daddy’s Twin I-Beam“ oder “Lucky Man“ lassen beschwingten Bluegrass Melodien freien Lauf. Manchmal sind die Harmonien ein wenig schräg und erinnern latent an den High Lonesome Sound. Also, für einen so talentierten und geachteten Musiker ist auch ein Album unter Eigenverantwortung ein Wagnis. In diesem Fall aber durchaus geglückt. Nicht zuletzt sorgen die tollen Musiker für einen frischen und unterhaltsamen Sound, der auch den Nicht Bluegrass Fans genügend Spaß beim Zuhören bietet.

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The Barefoot Movement – Rise & Fly

(VÖ: 20.03.2020)

Auch die Bluegrass Music wird immer wieder von jungen Musikern in die “Neuzeit“ transportiert und entsprechend interpretiert. Dafür stehen die vier Musiker der Formation The Barefoot Movement. Bandleader, Fiddler und Songschreiber Noah Wall, Mandolinist Tommy Norris und ihre Kolleginnen Alex Conerly, Gitarre, und Upright Bass Player Katie Blomarz haben die EP “Rise & Fly“ mit 5 Tracks am Start. Es beginnt mit dem Roots Music Titel “Early In The Morning“ und man sieht die arbeitenden Menschen auf den Baumwollfeldern vor sich, die sich die Arbeit mit gemeinsamem Gesang erleichtern. Eindrucksvoll interpretiert von The Barefoot Movement. Der “Lonely Mississippi Blues“ ist eine Metamorphose von Musik der schwarzen Bevölkerung des Südens der USA in die Interpretation junger weißer Musiker/innen. “The End Of The Day“ schließt diesen Appetithappen der Musik der Formation The Barefoot Movement. “Rise & Fly“ zeugt von großem Musikverständnis und großer Verbundenheit zur Musik, die nicht die aktuellen Charts im Blick hat, sondern mit feinen Harmonien und virtuoser Instrumentierung viel mehr die Qualität und Authentizität in den Fokus stellt. Klasse Musik für Freunde ganz besonderer “Country Music“.

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The Roe Family Singers – Roll Up The Rug!

(VÖ:  08.05.2020)

Wer einmal tief in Roots Music oder Old Time Hillbilly eintauchen möchte, dem sei die Musik von The Roe Family Singers ans Herz gelegt. Da erklingt mal eine “singende Säge“, es wird die Musik zum Clogging präsentiert oder eine Autoharp erinnert an die Musik längst vergangener Zeiten. Fiddle Tunes, Barn Dance Music und was damals alles zur Unterhaltung am arbeitsfreien Wochenende gehörte, diesen Themen haben sich Kim Roe (mehrfach als beste Sängerin ausgezeichnet) und Ehemann Quillan Roe (auch als Mitglied der Formation Accident Clearinghouse bekannt) gewidmet. Eigentlich könnte eine Zusammenarbeit von Mann und Frau in einer Band nicht funktionieren, sagte Quillan Roe. Aber seine Gattin setzte sich durch und so kam es zum gemeinsamen Projekt. Ungewöhnlich allemal. Auch dass sie aus dem Nordstaat der USA, Minnesota, stammen, verwundert angesichts ihrer Songauswahl, die man eher in die Appalachen verorten möchte. Mit 15 Titeln ist das Album “Roll Up The Rug!“ recht üppig ausgefallen und überrascht mit Titeln wie “My Grandfather‘s Clock“ und der singenden Säge. “Hey Good Lookin‘“, “Tennessee Stud“ oder “Red River Valley“ sind altbekannte Standards.  Die meisten Titel sind vom Banjo von Quillan Roe sowohl gestützt als auch angetrieben. The Roe Family Singers ist eine Formation, die, unterstützt durch verschiedene Musiker, eine Band repräsentiert, die so einfach und ungeschminkt daherkommt, als seien sie die musizierenden Nachbarn von nebenan. Das ist keine “getrimmte“ Musik. Einfach und für Liebhaber. Fans der modernen Country Music lassen das besser aus.

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Bradley & Adair – Oh Darlin‘

(VÖ: 21.02.2020)

Hinter dem Namen Bradley & Adair verbergen sich die schon seit langem hochgeachteten Bluegrass Musikerinnen Dale Ann Bradley und Tina Adair. Mit ihren Bandkolleginnen Deanie Richardson und Gina Britt sind sie die Bluegrass Formation Sister Sadie. Nun also ein Projekt des Duos Bradley & Adair. “Oh Darlin‘“ heißt das Album und der erste Titel, der 1986 von The O’Kanes in die Top Ten der Billboard Charts gelangte. Mit einer gesungenen Tragödie um eine Mutter, die lieber ausging uns sich vergnügte als bei ihrem Kind zu bleiben und ihr Kind später zuhause sterbend fand, geht es im Titel “Mommy Please Stay Home With Me“.  Ein Song, den Eddy Arnold, der Star der 1940er und 1950er Jahre eingesungen hatte. Damit wird klar, worum es Bradley & Adair geht. Sie haben sich viele alte Songs ausgesucht und sie in ihrem (Bluegrass) Sinne überarbeitet. So bekam auch “Apartment No 9“ mit dem Tammy Wynette ihre Chartkarriere begann, einen neuen “Anstrich“. Die beiden Musikerinnen sind solo, als auch als Duo, für ihren Gesang mehrfach ausgezeichnet. Bei den Award Verleihungen der Bluegrass Association sind sie immer ganz weit vorn nominiert. Dieses Können stützt das Album “Oh Darlin‘“ in allen Titeln. Hinzu kommt eine feine instrumentale Bearbeitung, nicht zuletzt durch die einfühlsame Mandolinenbegleitung von Tina Adair. Für ihr Duo Projekt haben sich Bradley & Adair Songs aus den 1940er, 1950er, 1960er und späteren Jahre ausgesucht. Also die Musik, die ihre Eltern hörten und mit der sie aufwuchsen. So erklingen “Pick Me Up On Your Way Down“, “Singing Waterfall“, “Hold To God’s Unchanging Hand“ oder “Rockin‘ In An Old Rocking Chair“ wie aus der Zeit gefallen, was durchaus beabsichtigt ist. Wer einmal Lust verspürt, auf eine halbe Stunde feiner Unterhaltung ohne Gedröhne, mit tollen Harmonien und akustischem Arrangement, der sollte sich das Album “Oh Darlin‘“ von Bradley & Adair nicht entgehen lassen.

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Flashback – Blues Around My Cabin

(VÖ: 27.03.2020)

Manchmal ist das so eine riskante Sache mit der Wiederauferstehung von Bands, die sich bereits aufgelöst hatten.  So haben sich nach 20 Jahren unterschiedlicher Wege die Mitglieder aus dem weiteren Umfeld der Band von J.D. Crowe als die Bluegrass Formation Flashback zusammengetan. Lassen wir die Nostalgie einmal beiseite. Leadsänger Richard Bennett, der den Gitarrensound beisteuert, hatte auch damals bei J.D. Crowe den Ton angegeben. Auch bei dem mit einem Grammy ausgezeichneten Album “Flashback“, welches der “neuen“ Band den Namen gab. Bassist Curt Chapman war über ein Jahrzehnt Garant für Rhythmus und Tempo für J.D. Crowe und seine Musiker. Multiinstrumentalist Don Rigsby ist sowohl als Tenor Lead Vocal Künstler, als auch als Mandolinist, Fiddler und, wenn gefragt, als Dulcimer Spieler eine wahre Größe. Stuart Wyrick, seinerzeit als Banjo Spieler nach dem Ausstieg von J.D. Crowe angeheuert, ist seit vielen Jahren in etlichen Formationen zu finden gewesen. Allen ist gemeinsam, dass sie bereits in sehr früher Jugend Instrumente spielen lernten und die Bluegrass Music wie Schwämme aufnahmen. So zeugt das dritte Album von Flashback natürlich von den besonderen Fähigkeiten dieser Musiker. “Blues Around My Cabin“ bietet mit 11 Titeln eine Fülle ganz herausragender Bluegrass Music, die durch besonders gelungene Harmonien im Gesang und traditionellem High Lonesome Sound besticht. Ob Walzer, Gospel, Ballade oder mitreißende Acoustic Music, das Album “Blues Around My Cabin“ ist ein Genuss und alles andere als “die Bude umgebende Traurigkeit“. Bluegrass Fans werden dieses Album ganz sicher in ihre Sammlung holen.

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JB & Jamie Dailey – Step Back In Time

(VÖ: 08.05.2020)

Wer einmal erfahren möchte, vom wem Jamie Dailey, der eine Part von Dailey & Vincent, sein Gefühl für Oldtime Music und die tiefe Gläubigkeit geerbt hat, der höre das Album “Step Back In Time“ von Vater JB und Sohn Jamie Dailey an. Mit “Ashes Of Love“ geht es los und es folgen alte Weisen Schlag auf Schlag. Ja, die Stimme vom über siebzigjährigen JB ist nicht mehr so stabil. Aber mit Sohn Jamie, der nie versucht, seinen Dad zu übertönen, erklingt Musik, wie sie in längst vergangener Zeit in manchem Haus in den Appalachen gespielt und gesungen wurde. Wenn man zudem weiß, dass JB Dailey seit einiger Zeit von der Parkinson Krankheit heimgesucht wird, kann man nachvollziehen, wie stolz Vater und Sohn auf ihr gemeinsames Projekt sind. Es ergibt keinen Sinn, einzelne Titel des 13 Tracks umfassenden Albums “Step Back In Time“ von JB & Jamie Dailey herauszustellen. Es ist ein liebenswertes “Familiending“, welches so nur in der Country Music stattfinden darf. Der Titel ist Programm. Das Album schließt mit “Gloryland“, einer a capella Version, bei der man einmal raten darf, wer die tiefe Bassstimme eingesungen hat. Dieses Album ist etwas für Fans von Jamie Dailey und für Fans von Oldtime Tunes fernab vom Chartgeschehen der Jetztzeit.

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Josh Turner – Country State Of Mine

(VÖ: 21.08.2020)

Josh Turner ist seit Jahrzehnten einer der besten Interpreten echter Country Music, die er gekonnt in modernen Gewändern zu präsentieren weiß. Seine tolle Stimme, die von warmem Bariton bis zu knarzigem Bass reicht, hat ihm eine Sonderstellung eingebracht. Seit 2003, als er mit seinem Debütalbum “Long Black Train“ und der gleichnamigen Single auf sich aufmerksam machte, hat er bis heute immer an traditioneller Country Music festgehalten. Mit seinem neuen Album, “Country State Of Mind“ unterstreicht er einmal mehr, wo er seine musikalische Herkunft sieht und in welcher Tradition er sich verpflichtet fühlt. Wer außer ihm, könnte es fertigbringen, ein Album mit Coverversionen alter Hits herauszubringen und dazu noch die “Altvorderen“ mit ins Studio zu holen? Das Album beginnt mit dem Klassiker von Keith Whitley, “I’m No Stranger To The Rain“ und Josh Turner kopiert den viel zu früh verstorbenen Whitley nicht, er klingt phasenweise einfach so unglaublich ähnlich, dass er den Song einmal mehr zu großer Geltung kommen lässt. Bei “I’ve Got It Made“ nähert er sich aber doch sehr an die gezogene Phrasierung des Vorbildes John Anderson an. Der steigt in den Song mit ein und lässt keinen (augenzwinkernden) Zweifel daran, wer hier der Chef ist. Mit “Why Me“ folgt ein Titel, der einst für Kris Kristofferson seine einzige Nummer Eins war. Josh Turner singt ihn mit klarer Aussprache und lässt den Text wirken. Dann erklingt die brüchige Stimme von Kris Kristofferson und erinnert uns daran, dass auch er mittlerweile deutlich über 80 Jahre alt ist. Die Single zum Album Titel, “Country State Of Mind“, zelebriert Josh Turner mit Chris Janson. Die beiden lassen den Song von Hank Williams Jr. wieder einmal richtig grooven wie einst 1986 das Original. Klasse. Mit “I Can Tell By The Way You Dance“ wird “The Voice“, Vern Gosdin, mit seiner Nummer Eins aus 1984 geehrt. Den Titel “Alone And Forsaken“, der der Bluegrass Music entnommen ist, interpretieren Josh Tuner und Alison Moorer mit traurigem, getragenem Gesang, weit ab von fröhlicher Partymucke. Doch gleich darauf huldigt Josh Turner einem seiner Heroes, Randy Travis, mit “Forever And Ever Amen“. Wunderbar, dass Randy Travis es sich nehmen ließ, selbst ans Mikro zu gehen und das abschließende “Amen“ beizusteuern. Mit “Midnight in Montgomery“, der Hymne über das Leben von Hank Williams, hat sich Josh Turner an großes Material herangewagt. Etwas zu dick aufgetragen, kann die Produktion die Melancholie des Originals nur teilweise nachhalten. Nach neun Titeln ist Schluss und es bleibt die Gewissheit, eine ganz tolle halbe Stunde mit herausragender Country Music genossen zu haben. Welch ein schönes Album von einem tollen Interpreten und bekennendem Fan wirklicher Country Music.

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Mac MacAnally – Once In A Lifetime

(VÖ: 31.07.2020)

Ohne diese genialen Musiker und Songschreiber könnte kein Musik Genre auskommen. Dass Mac MacAnnally sich der Country Music verbunden fühlt, ist für dieses Genre ein Glücksfall. Der Mann wurde bislang zehn Mal als bester Musiker des Jahres von der CMA geehrt! Mac MacAnally ist ein Multiinstrumentalist und ein Multitalent. Aber, wie das so oft bei genialen Musikern ist, sie haben für sich selbst einen Lebensentwurf, der sich nicht an den angesagten Mainstreaminteressen orientiert. So hat auch er keine nennenswerte Chartpräsenz vorzuweisen. Ob sich das mit seinem neuen Album “Once In A Lifetime“ ändern lässt? Sozusagen „einmal im Leben“. Okay, das kostet einen Einwurf ins Phrasenschwein. Aber Mac MacAnally macht es gleich mit dem ersten Titel, “Alive And In Between“, einem bluesigen Titel, deutlich, dass er nicht auf Chartpräsenz schielt. Mit der Single und Albumtitel, “Once In A Lifetime“, erinnert Mac MacAnally daran, dass jeder Tag ein besonderer ist den man genießen sollte. “First Sign Of Trouble“ kommt als lupenreiner Blues daher und Tracks wie “Changing Channels“ sind von einer konzertant gespielten Gitarre begleitete wunderbare Balladen. Wenn dann ein absoluter Klassiker wie das Beatles Opus “Norwegian Wood“ in der Bearbeitung von Mac MacAnally erklingt, ist endgültig klar, dass es hier um ein musikalisch hochklassig angelegtes Projekt eines Ausnahmekünstlers geht. Ja klar, das ist nicht pure Country Music. Dennoch ist das Album “Once In A Lifetime“ ein erstklassiges Werk mit dem man eine Perle in seine Sammlung einreihen kann. Den Gitarrenkünsten von Mac MacAnally zu lauschen, ist allein schon ein Genuss. Wie viele der anderen Begleitinstrumente er eingespielt hat? Das macht einfach Spaß beim Zuhören. Der Mann braucht keine Nummer Eins Platzierungen. Hauptsache, er beeinflusst mit seinem Können auch weiterhin viele Künstlerinnen und Künstler der Country Music.

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Mary Chapin Carpenter – The Dirt And The Stars

(VÖ: 07.08.2020)

Mit dem gewaltigen Thema, der Frage nach dem Sinn des Lebens, beschäftigt sich Mary Chapin Carpenter nicht erst mit ihrem jüngsten Album “The Dirt And The Stars“. Gleich mit dem Opener “Farther Along And Further In“ stellt sie in den Zeilen “ We’re atoms and stardust circling catching the light then we’re gone again“ fest, dass wir nur Atome und Sternenstaub sind, die kurzfristig das Licht reflektieren und dann wieder verschwunden sind. Dass gebrochene Herzen auf ganz unterschiedliche Weise kaputtgehen, wie bei “All Broken Hearts Break Differently“, wer hat darüber schon einmal einen Song gehört? Inhaltschwer und bedeutungsschwanger geht es von Titel zu Titel. Mary Chapin Carpenter ist längst zur Hohepriesterin der bittersüßen und sehr oft bitteren Balladen avanciert. Wenn der letzte Song, “The Dirt And The Stars“, der dem Album den Namen gab erklingt, wird noch einmal das Hin und Her des Lebens angesprochen und lässt die geneigten Hörer, wie so oft bei Mary Chapin Carpenter, mit fragendem Blick zurück. Ja, das Leben ist nicht immer nur Party und Fun, auch wenn gerade in diesen Zeiten manche meinen, so müsste das Leben sein. Mary Chapin Carpenter steht mit ihren sehr getragenen und melancholischen Songs völlig im Gegensatz zu Party und Fröhlichkeit. Das zelebriert sie bereits seit Jahren und vermischt Country, Folk und Rock zu einer ganz eigenen Mischung, die aber nicht jeden Charakter trifft. Wenn diese Melancholie und gedanklichen Tiefgänge ihr Lebensinhalt sind, wie hält sie das aus? Eine Lebenshilfestellung für die Hörer dieser Musik kann das nicht sein. Harter Stoff. Nicht für jedefrau/jedermann geeignet.

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Noah Schnacky – Noah Schnacky

(VÖ: 24.07.2020)

Ein junger Newcomer will mit einer sieben Titel umfassenden EP, die seinen Namen trägt, auf sich aufmerksam machen. Noah Schnacky heißt der Twen und seine EP. Dafür hat er Eingang gefunden in das Major Label Big Machine, welches zurzeit einige der angesagtesten Künstler verlegt. Der Opener seiner EP handelt, textlich tricky gelungen, vom, leider vor dem Kennenlernen, verstorbenen Schwiegervater in spe, den er so gern kennengelernt hätte und dem er dankbar ist für die Tochter. Noah Schnacky ist ein Interpret seiner Zeit, der eher mit Social Media kokettiert und klar die Zukunft, musikalisch und medial im Blick hat. Seine Musik ist also auch eher Pop und chart- zumindest aber radioorientiert. Ob das Country Music ist, interpretieren viele Fans sicherlich unterschiedlich. Dabei versteht es Noah Schnacky auf einem Appetizer Album ganz zeitgemäße Musik mit an richtiger Country Musik angelehnte Klänge zu präsentieren. Dass er auch durchaus tief gegründete Country Music kennt, beweist er in dem, zugegeben modern präsentierten, Pop Country Song “Maybe Will“. Dieser Titel markiert auch einen Äquator auf seiner EP. Alle Songs vorher waren recht zeitgemäß, danach aber zeigt der junge Mann aus Minnesota, dass er Country Music fühlt. Der Anfang ist gemacht und wenn auch die Kasse klingen soll (der Traum jedes Künstlers), man darf hoffen, dass Noah Schnacky gelingt, der Country Music Gutes beizutragen. 

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Carolina Blue – Take Me Back

(VÖ: 19.06.2020)

Bluegrass Freunde aufgepasst. Das neue Album von Carolina Blue ist wieder ein absoluter Genuss. “Take Me Back“ ist mit 12 Titeln ordentlich gepackt. Track für Track ein Spaß. Wie oft im Bluegrass, werden auch eher ernste Themen in mitreißende Rhythmen verpackt. So auch gleich beim Opener “Grown Cold“, in welchem es um eine erkaltete Beziehung und die Trauer darüber geht. Da legt Sänger Tim Jones den Begriff des High Lonesome Sound auf seine eigene Art aus. Die Liebe zur Heimat North Carolina und den Appalachain Mountains, zelebrieren die fünf Musiker im Titel “Take Me To The Mountains“. Eine wunderbar relaxte Version ist “Blue Grass“, in welchem klagender Satzgesang dominiert. Doch schon folgt mit “Ballad Of Mary Ann“ eine leicht verdauliche, beschwingte Geschichte. Ursprünglich ist der Titel “Too Wet To Plow“, der an die Entstehung der Bluegrass Music erinnert, als man sich nach getaner Arbeit zum gemeinsamen Musizieren traf. Was wäre ein Bluegrass Album ohne Gospel Music? Mit “I’m Gonna Wait On Jesus“ und “March Around Jericho“ wird diesem Genre eindrucksvoll Genüge getan. Hier ist der Satzgesang der vier Männer von Carolina Blue ein sehr angenehmer Klangteppich. Die einzige Frau der Band, Aynsley Porchak, singt übrigens nicht. Dafür aber, ist sie eine mehrfach ausgezeichnete Virtuosin an der Fiddle. Die Instrumentierung von Carolina Blue ist folgerichtig absolut traditionell und selbstverständlich akustisch. So darf auch ein Instrumental nicht fehlen. “Black Knob Breakdown“ lässt allen Instrumenten Raum zur Entfaltung und man kann sich vom Können dieser Musiker überzeugen. Carolina Blue schaffen es “spielend“, Bluegrass Music zum einen ganz traditionell aber auch modern und lustvoll zu präsentieren. Ihr Album “Take Me Back“ ist wieder ein Volltreffer.

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Cassadee Pope – Rise And Shine

(VÖ: 07.08.2020)

Dass Cassadee Pope einst als Frontfrau der Punk Band Hey Monday ihre Karriere begann, kann man angesichts der Musik, die sie heutzutage präsentiert, kaum glauben. Sie selbst sieht sich als Pop und Country Sängerin. Das neue Album hat auch eher Pop Charakter. Zur Country Music kam sie allerdings erst, als sie 2012 beim Talentwettbewerb The Voice teilnahm und im Team von Blake Shelton gewann. Da tat sie gut daran, einige Country Songs in ihr Programm aufzunehmen. Nur zwei Alben standen bislang in ihrer Diskografie. “Frame By Frame“ aus 2013 und “Stages“ aus 2019. Nun hat sie ein, mit acht Titeln ausgestattetes, übersichtliches Album vorgelegt. Mit “Rise And Shine“, als Akustik Album konzipiert, hat die Sängerin aus Florida den Anspruch, ein wenig Lebenshilfe für ihre Fans zu bieten. Gerade in der Pandemiezeit möchte sie Mut machen und aufzeigen, dass man immer die Chance hat, nach Niederlagen wieder aufzustehen. Schon gleich mit dem ersten Titel, “Let Me Go“ beklagt sie ein nicht gefundenes Verständnis in ihrer Beziehung und möchte sich nun lösen. Im Titel “Hoodie“ wird wortreich eher ein Bild einer Pubertierenden gezeichnet. Dabei ist Cassadee Pope den Twenties entwachsen. Wortreich geht es auch in den folgenden Titeln weiter. Assoziationen zu anderen in der Pop Music erfolgreichen Künstlerinnen werden wach. Der Versuch einer Lebenshilfe ist wohl an eine junge Hörerschaft gerichtet. Auch der Titel Track ist recht schwulstig angelegt, wenngleich etwas “erwachsener“ vorgetragen. Das Album “Rise And Shine“ von Cassadee Pope ist ganz sicher kein Must Have.

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Alecia Nugent – The Old Side Of Town

(VÖ: 18.09.2020)

Viel zu lange mussten wir auf neue Musik von Alecia Nugent warten. Nach einer Trennung und der Entscheidung, erst einmal für ihre Töchter da sein zu wollen, zog sie sich vom Music Business zurück. Die lange Abstinenz war nicht geplant, aber nachdem die Kinder ihre eigenen Wege gehen, zog es Alecia Nugent wieder nach Nashville, wo sie schon einmal, aus ihrer Heimat Louisiana kommend, ihr Glück als Interpretin suchte. Sie kam sehr früh in ihrem Leben mit traditioneller Country Music, aber vor allem mit Bluegrass Music in Kontakt. Im Bluegrass hat sich ihre Stimme ausgebildet, was man viele Jahrzahnte später auch immer noch hört. Mit ihrem Album “The Old Side Of Town“ präsentiert Alecia Nugent 9 Songs, die zum Teil von ihr geschrieben sind und teilweise ihre eigenen Erfahrungen spiegeln. Gleich der Opener und Titelsong stammt aber von Tom T. Hall, dem sie sich sehr verbunden fühlt, hat sich doch die Familie Hall um sie gekümmert, als sie nach Nashville kam. Alecia Nugent hat für dieses Country Music Album Songs ausgesucht, die teils sehr ernste Hintergründe haben, die bittere Lebenserfahrungen transportieren und die sehr berührend sind. Bis auf “Too Bad You’re No Good“ sind die Tracks auch eher getragene Balladen, die aber von ausgezeichneten Könnern an den Instrumenten begleitet werden. Namen wie Brent Mason, Stuart Duncan, Paul Franklin oder Rob Ikes sind die virtuosen Begleiter auf diesem Album. In “I Might Have One Too“ erzählt sie von dem Geständnis des Partners, sie betrogen zu haben. Der Geliebten ihres Mannes legt sie in “The Other Woman“ dar, dass sie immer die andere Frau sein wird und sich nicht von “Ihm“ blenden lassen soll, denn sie war selbst einmal “die andere Frau“. Ein Titel sticht besonders heraus und ist als Bonus Track ein zweites Mal auf das Album gelangt. “They Don’t Make ‘Em Like Daddy“ ist eine besonders liebevolle Erinnerung an ihren Vater, mit dem sie noch auf der Bühne der Grand Ole Opry stehen konnte, bevor er von ihr ging. “The Old Side Of Town“ ist so ungewöhnlich traditionell in der heutigen Zeit, dass man sich verwundert die Ohren reibt. Wie viel Liebe zu dieser Musik muss Alecia Nugent haben, um so ein Comeback zu starten. Das ist richtig gute Country Music. Tolle Texte, tolle Arrangements (da dürfen Instrumente zeigen, was man mit ihnen machen kann) und gefühlvoll vorgetragene Songs. Hoffentlich müssen wir nicht wieder so lange auf eine Fortsetzung warten.

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Willie Nelson – First Rose Of Spring

(VÖ: 03.07.2020)

Ein Privileg der Jugend ist es, zu glauben, dass nur sie das Leben richtig anfasst und voller Zuversicht und Ungestüm erobert. Kaum vorstellbar für sie, dass es vorangegangenen Generationen einmal ähnlich erging. Da kommt so ein, Verzeihung, Fossil der Country Music und zeigt mit wenigen Songs auf, dass sich das Leben immer nach den gleichen Regeln zu entwickeln scheint. Mit 87 Jahren hat Willie Nelson ganz sicher eine Menge an Lebenserfahrung weiterzugeben. Aber auch an musikalischem Erbe. Er scherte sich nie um Konventionen. Er zelebrierte Western Music, Jazz oder Country Pop so wie es ihm gefiel. Aber viele seiner intensiven Balladen, werden immer in den Annalen der Country Music gelistet sein. Mit dem neuen Album “First Rose Of Spring“, reiht Willie Nelson eine Lebensweisheit an die nächste. Ruhig, melancholisch, vorausahnend lässt er uns mitfühlen, wie es ist, dem eigenen Ende näher zu kommen. Mag es auch noch so weit entfernt sein. Erinnerungen, unerfüllte Wünsche oder einfach die Hoffnung auf ein gnädiges Ausscheiden aus dem Rummel des Lebens, kennzeichnen die Titel auf “First Rose Of Spring“. Rückblickend stellt Willie im Titel “Stealing Home“ fest, dass die Zeit ihm das einstige Zuhause gestohlen hat. Das Haus ist doch recht klein, Vater hat seine Haare verloren, der Hund rennt nicht mehr hinter dem Ball her. So Vieles hat sich verändert. Im Titelsong geht es um eine lebenslang währende Liebe. Jedes Jahr brachte “Er“ seiner Liebsten die erste Rose des Frühlings. Als “Sie“ von ihm ging, fielen seine Tränen auf die erste Rose des Frühlings. Kitsch? Nein. Metaphern, die beschreiben, auf was es im Leben tatsächlich ankommt. Fast alle der 11 Songs tragen eine melancholische oder romantische Botschaft. Ließe sich doch nur ein Bruchteil an die nächsten Generationen weitergeben… Über allen Titeln wacht Trigger, die arg mitgenommene Gitarre des Altmeisters. Willie Nelson spielt dieses Instrument nicht, er lässt es selbst sprechen. Das wird es so nie mehr geben. Großartig. Take Care Of You, Willie.

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Brett Eldredge – Sunday Drive

(VÖ: 10.07.2020)

Lässt man einmal außen vor, was Brett Eldredge bisher schon erreichte, stellt das neue Album “Sunday Drive“ erneut seine Klasse unter Beweis. Wer kann schon mit solch einem Soul in der Stimme Country Music interpretieren? Wenn auch der eine oder andere Song auf dem Album mehr nach R&B klingt, denn nach Country Music, so ist das dennoch großes Kino. Ein ums andere Mal haben die Produzenten Ian Fitchuk und Daniel Tashian eine konzertante Pianobegleitung arrangiert und unterstützen so die weitausgreifenden Balladen wie etwa “Crowd My Mind“ oder “Good Day“ bei der aber etwas weniger Gedröhne dem Titel mehr Ausdruck verliehen hätte. Der Titelsong “Sunday Drive“ ist einzig nicht von ihm geschrieben und von dem Brett Eldredge sagt, er habe ihn vor vielen Jahren gehört und hoffte immer, er könne ihn mal aufnehmen. Bis heute hat er angeblich keine Urhebererlaubnis. Dieser Ballade wird mit beinahe fünf Minuten verschwenderisch viel Zeit gegeben. Wer im weiteren Verlauf des Albums auf Country Music wartete, sieht sich am Ende enttäuscht. Von den 12 Titeln erinnern lediglich zwei an Country. Der Rest ist etwas zu dick aufgetragener Soul und R&B. Aber abgesehen davon, ist “Sunday Drive“ absolut hörenswert. Das liegt nicht zuletzt an der großartigen Interpretation von Brett Eldredge. Mancher Text ist allerdings mächtig schwülstig.

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Luke Bryan – Born Here Live Here Die Here

(VÖ: 07.08.2020)

Mit einer Feierhymne, “Knockin‘ Boots“, lässt es Luke Bryan zum Beginn seines neuen Albums “Born Here Live Here Die Here“ erst einmal richtig krachen. Der Sonnyboy aus Georgia, der seit 2010 regelmäßig die Charts anführt, hat 10 Titel auf sein neues Studioalbum gepackt. Zu wenig? Abwarten. Bei “What She Want’s Tonight“ überschlägt er sich in seiner Verliebtheit zu “Ihr“ und der etwas zu poppig ausgefallene Titel ist auch dementsprechend großzügig arrangiert. Aber er drückt pure Begeisterung und Lebensfreude aus. Mit dem Titelsong lässt Luke Bryan allen konservativen Verharrungsexperten eine Hymne angedeihen. Obwohl, „Sie“ ist der Grund, warum er nur hier leben möchte, wo er geboren wurde und wo er sterben möchte. Und mit “One Magarita“ folgt gleich wieder ein Gute Laune-Feier-Song, der wunderbar zum Sommer passt. Bei “Too Drunk To Drive“ erfährt der aufmerksame Hörer, dass man auch ohne Alkohol betrunken sein kann. Von “Ihr“. Mit dem Tear Jerker “Build Me A Daddy“ unterbricht die Reihe der Gute-Laune-Musik und lässt die Hörer innehalten. Mit “For A Boat“ wird das Vater-Sohn Verhältnis strapaziert. Nun ist klar, das Album “Born Here Live Here Die Here“ von Luke Bryan transportiert sowohl fröhliche Inhalte aber auch Nachdenkliches, welches oft musikalisch leicht daherkommt. Der gute Eindruck wird ein ums andere Mal durch Computer Mucke getrübt. Klar, Radioplay bringt Money. Mehr Sorgfalt, gute Titel mit Gespür zu präsentieren, bringt nachhaltigen Respekt. Da kann sich Luke Bryan noch steigern.

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Rascal Flatts – How They Remember You

(VÖ: 31.07.2020)

Das Überflieger Trio Rascal Flatts hatte für Ende 2020, im 20sten Jahr ihrer Karriere, ihre Auflösung angekündigt. Wie so vieles Andere auch, hat Covid 19 ihre Pläne für die Abschlusstournee durchkreuzt. 2017 erschien das letzte Album, “Back To Life“, welches sich nicht bis ganz nach oben durchsetzen konnte. Nun also ein sieben Titel umfassendes Werk, irgendwo zwischen EP und vollem Album. Mit dem Opener und Titelsong beginnt es mit einigen ernsten Gedanken. Was bleibt von uns, wenn wir einmal von der Bühne des Lebens abgetreten sind? Rascal Flatts wären nicht sie selbst, entstünde daraus nicht eine bombastische Pop Country Ballade. Bis auf den Schlusstitel sind die Tracks 2 bis 6 Pop Music der reinsten Form. Boom-Chick, Boom-Chick untermalen fast alle Songs und die Harmonien erinnern zeitweise an Bee Gees Sound. Ohne Frage, artistische Gesangspartien, machen aus den teils leichtgewichtigen Texten um Beziehungsturbulenzen echte Hinhörer. Für Fans traditioneller Country Music ist das computergesteuerte Arrangement eher ermüdend. Als Schlusstitel haben sich die Cousins Jay DeMarcus und Gary LeVox sowie Gitarrist Joe Don Rooney mit “Through The Years“ einen Titel von Kenny Rogers ausgesucht, der ebenso wie der Opener auf das bevorstehende Karriereende von Rascal Flatts hindeuten könnte. Sollte das passieren, darf man gespannt sein, ob eine Solokarriere für den stimmgewaltigen Sänger Gary LeVox gestartet wird.

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Tenille Townes – The Lemonade Stand

(VÖ: 26.06.2020)

2019 war ihr Jahr. Zumindest in Kanada, ihrem Heimatland. Als Tenille Nicole Nadkrynechny wurde die 26-jährige in Grande Prairie, Alberta, geboren. Klar, dass hier ein Künstlernachname hermusste. Bei der jährlichen Preisverleihung der Canadian Country Music Association gewann sie letztes Jahr gleich in 5 Kategorien. Besondere Beachtung bekam ihre Single “Somebody’s Daughter“, die es bis unter die Top 30 der Charts in den USA geschafft hat. Das dritte Studioalbum von Tenille Townes beginnt mit einer wortgewaltigen Story über ein Mädchen, welches sich gegen die Anmachsprüche der Jungs wehrt und betont, sie warte auf den „Richtigen“. Mit ihrer Girlie Stimme bedient sie fabrikgestylten Pop Country, welcher auf ein junges Publikum zielt. Mit “Jersey On The Wall (I’m Just Asking)“ zeichnet sie ein Bild einer pubertierenden jungen Frau, die manche Fragen an das Leben hat. Beim Titel “White Horse“ mischen sich Dance Beat mit Rock Riffs und Pop Chor. Das ist eher zum Weghören. Leider reißt der Erfolgstitel “Somebody’s Daughter“ nicht das Ruder herum. Hat man bis Titel 12 durchgehalten, bleibt der Eindruck, ein Album gehört zu haben, welches Tenille Townes später einmal vielleicht etwas peinlich sein könnte. Sehr unerwachsen und dennoch mit erwartungsvollem Anspruch präsentiert. Eher anstrengend als unterhaltsam.

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The Chicks – Gaslighter

(VÖ: 17.07.2020)

Die erfolgreichste Frauenformation der Country Music hat schon immer die Fans in Lager geteilt. Besonders nachdem mit der gewaltigen Stimme von Natalie Maines die Karriere der, damals noch, Dixie Chicks kometenhaft nach oben ging. Doch auf ihrem Höhepunkt, machten die drei Künstlerinnen klar, dass sie auch politisch eine Stimme erheben wollen. Ihre Kritik am damaligen Präsidenten der USA provozierte unglaubliche Reaktionen bis hin zu Morddrohungen. Das erzkonservative Music Business der Country Music, strafte das Trio entsprechend ab. Babypausen aller drei Künstlerinnen verschafften etwas Abstand von allem. Mit dem Album “Taking The Long Way“ waren die Dixie Chicks zuletzt 2006 gelistet worden. Musikalisch hatten sie schon längst die Pop Music in ihre mit Bluegrass Elementen garnierten Arrangements eingebunden. In diesem Jahr nun ein weiterer Wandel. Angesichts der Rassendiskriminierungen in den USA, strichen sie das “Dixie“, als Synonym für die Südstaaten der USA, die seinerzeit für Sklavenhaltung eintraten, aus ihrem Bandnamen. Übrig blieb “The Chicks“. Nach 14 Jahren nahmen The Chicks mit “Gaslighter“ ein neues Studioalbum auf. Die Abkehr von Country Music geht damit weiter als jemals zuvor. Mit 12 Titeln präsentieren The Chicks wie eh und je eine stimmgewaltige Natalie Maines und ausgeklügelte virtuose Instrumentenbeherrschung. Fans der “Chicks“ fügen dieses Album sicher in ihre Sammlung ein.

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Wendy Moten – I’ve Got You Covered

(VÖ: 12.02.2020)

Hand aufs Herz, wer kennt Wendy Moten? Die Soulstimme aus Memphis Tennessee? Sie selbst hatte bislang fünf Alben veröffentlicht. Ihre Zusammenarbeit mit Michael Bolten, Eric Clapton, Faith Hill & Tim McGraw oder Martina McBride aber auch mit Bonnie Tyler deutet sowohl die Vielseitigkeit als auch die Klasse von Wendy Moten an. Von Jazz und R&B, von Soul bis Pop, all diese Genres bedient sie hervorragend. Obwohl aus der Musikmetropole Memphis stammend, hatte Wendy Moten schon immer ein Faible für die Dynamik der Music City USA, Nashville. Nun liegt ein, mit neun Titeln gefülltes, Album von ihr vor, welches Songs präsentiert, die in der Country Music schon einmal besondere Bedeutung hatten. Los geht’s mit dem alten Ernest Tubb Klassiker “Drivin‘ Nails In My Coffin“. “Don’t Touch Me“ und “Ode To Billy Joe“ folgen, um dann Platz zu machen, für eine wundervolle Interpretation des George Jones Hammertitels “Walk Through This World With Me“, der mit einem behutsamen Arrangement besonders zur Geltung kommt. Immer hat Vince Gill seine Finger mit im Spiel. Für Wendy Moten ist Vince Gill “The Emperor Of Nashville“ mit dem sie auch den Linda Ronstadt Titel “Faithless Love“ als Duett zelebriert. Man glaubt es kaum, sogar ein Rhonda Vincent Song wird von Wendy Moten aufgegriffen. “Every Season Changes You“, ist beschwingt und so was von gut. Auch die First Lady der Country Music, Tammy Wynette, bekommt von ihr Konkurrenz. Der Titel “‘Til I Get It Right“ steht auf gleichem Niveau und ist kein Plagiat! Wer einmal erfahren möchte, was man (oder in diesem Fall frau) aus gutem Songmaterial machen kann, der höre hier genauer hin. Country Music von einer Soul Queen interpretiert. Welch ein Genuss. Leider ist nach 32 Minuten Schluss. Davon bitte jederzeit mehr.

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Rumer – Nashville Tears

(VÖ: 14.08.2020)

Das Album “Nashville Tears“ von Rumer ist in jeder Beziehung ungewöhnlich. Hinter diesem Künstlernamen verbirgt sich die britische Singer/Songwriterin Sarah Joyce, die mit diesem Album dem texanischen Songwriter Hugh Prestwood ein musikalisches Denkmal setzt. Prestwood schrieb so erfolgreiche Titel wie “The Song Remembers When“ (Trisha Yearwood), “Ghost In This House“ (Shenandoah, Alison Krauss), “Hard Rock Bottom Of Your Heart“ (Randy Travis) oder “Back When“ (Vern Gosdin). Lange lebte Rumer in Arkansas und so blieb die Nähe zu Country Music nicht aus. Lange hatte sie nach den traurigsten Songs Ausschau gehalten. Im Fundus von Hugh Prestwood wurde sie schließlich fündig. Mehr als das. Sie stellte 15 Titel zusammen, interpretierte sie neu und schuf damit ein Album, welches für alle Melancholiker ein absolutes Muss darstellt. Teilweise sind unveröffentlichte Songs darunter und so gibt es auch Oasen der Erholung von der Melancholie, etwa beim beschwingteren Titel “Deep Summer In The Deep South“. Manchmal sind die Titel eher Popsongs oder Chansons, losgelöst von Genres, manchmal aber auch richtig Country. Rumer schafft es, die Titel uneitel zu präsentieren und die Arrangements unterstreichen die Songs und dröhnen sie nicht kaputt. So bleibt stets im Vordergrund, welch tolles Songmaterial Hugh Prestwood geschaffen hat. Ihre Interpretation von “The Song Remembers When“ ist eher leise und zart und besteht dennoch gegen den Vergleich zur stimmgewaltigen Trisha Yearwood. Für diesen Song gab es seinerzeit einen Emmy Award. Eine Stunde mit emotionalen, melancholischen Titeln ist sicher nicht für jede Hörerschaft annehmbar. Für Freunde ruhiger, feiner Musik, vorgetragen von der behutsam mit diesem herausragenden Songmaterial umgehenden Rumer, ist das Album “Nashville Tears“ ein Fest.

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The Wildmans – The Wildmans

(VÖ: Mai 2020, CD: 07.08.2020)

Da tun sich vier junge Musikstudenten zusammen, um Musik zu machen. So jung sie auch sind, haben sie teils als Instrumentalisten bereits bedeutende Wettbewerbe gewonnen. Und das Genre? Bluegrass und mehr. Mitten aus dem Herzen der Appalachen, aus Virginia, kommen Eli und Aila Wildman sowie Victor Furtado und Sean Newman. Gemeinsam sind sie The Wildmans. Auf ihrem Debütalbum sind lediglich neun Titel. Aber die haben es in sich. Mit “You’re Gonna Make Me Lonesome When You Go“ beginnt das Album mit einer eher poppigen Bluegrass Nummer. Aber traditioneller als der folgende Titel, “Richmond“ kann man Bluegrass nicht präsentieren. Eine a capella Strophe zu Beginn und begeisternde Instrumentalmusik, lassen drei Minuten Spaß aufkommen. Eine schwere Blues Version bietet “Sitting On Top Of The World“. Experimentell beginnt der Doppel Titel “Monster Ride/Rock Of Ages“, um sich nach und nach zu einem gewaltigen Hörgenuss zu entwickeln. War Teil Eins eine astreine Bluegrass Version, folgt mit “Rock Of Ages“ ein Blues, der das Attribut “Blues des weißen Mannes“ eindrucksvoll unterstreicht. Großes Kino, aber keine leichte Kost. Leichtgängiger ist dafür aber “Rid My Mind“, wie fast alle Titel eingesungen von Aila Wildman. “Lost In A Foreign Country“ ist Jazz pur und das mit akustischen Instrumenten begleitet und demonstriert die musikalische Vielfalt der jungen Musiker. Gleich mehrere Stücke sind fünf, sechs oder gar sieben Minuten lang. Das Album “The Wildmans“ bietet somit eine Dreiviertelstunde anspruchsvolle und virtuos eingespielte Musik, die sich zwar nahe an Bluegrass orientiert, aber vielfältig interpretiert wurde. Hörenswert.

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Travis Denning – Beer’s Better Cold

(VÖ: 15.05.2020)

Für seine erste Veröffentlichung hat sich Travis Denning für eine sechs Titel umfassende EP entschieden. Dafür hat er den “bedeutsamen“ aber zutreffenden Titel “Beer’s Better Cold“ ausgedacht. Das Thema Bier kehrt auch im Opener Titel “Where’s That Beer Been“ wieder. Da fühlt man sich in eine Saloon Atmosphäre mit jeder Menge Testosteronüberschuss versetzt. “After A Few“ stammt aus 2019 und dürfte aufmerksamen Radiohörern sicher bekannt sein. Die rockige Country Version hatte sich in die Top Ten der Charts und auf Platz Eins der Radio Play List katapultiert. Mit 28 Jahren ist Travis Denning ein Jungstar. Er interpretiert aber wie ein altgedienter Künstler. Mit Radio Play Potenzial ausgestattet ist auch der Pop/Rock Country Titel “Tank Of Gas And A Radio Song“.  Mit dem Titelsong “Beer’s Better Cold“ trifft Travis Denning den Zeitgeist mit einer modernen Country Nummer. Da steht ein junger Mann an der Startlinie zu einer Karriere, die für ihn richtig gut werden kann. Dem Mann aus Georgia mit dem Jungengesicht und der rau-heiseren Stimme ist Einiges zuzutrauen. Hoffentlich gibt es bald einen richtigen Longplayer. “Beer’s Better Cold“ ist schon einmal ein wohlschmeckender Appetithappen.

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Kody West – Overgrown

(VÖ: 17.04.2020)

Nach dem Achtungserfolg des Debütalbums “Green“, aus dem Jahr 2017, hat Kody West mit “Overgrown“ wieder ein Studioalbum in Eigenregie produziert. Obwohl ein Mann in den Zwanzigern, verfügt der Texaner mit Stützpunkt nahe Dallas über jede Menge Erfahrung, sowohl als Musiker als auch als Tour Manager. So hat er das nötige Wissen, um sich selbst unabhängig zu präsentieren. Seine Musik ist wohltuend anders und ist oft eher Country Rock und Americana als Country Music. Ausgefeilte Arrangements, die stets auf Gitarrensound gründen, kennzeichnen die meisten seiner Songs. Allerdings scheint sich Kody West dem EP Format verpflichtet und verwöhnt seine Fans nicht mit umfangreichen Alben. “Overgrown“ bietet gerade einmal 8 Titel. Er scheint auch die Titel seiner Songs gern kurz zu fassen. Im Gegensatz zu seiner Musik, die opulent und geradlinig seiner Intension, Musik zu präsentieren, folgt. Mit schweren Gitarrenriffs werden die bitteren Zeilen der Story einer Trennung beim Opener “Loose Ends“ begleitet. Vergleichsweise balladesk bleibt auch der Titel “Alone“ beim gleichen Thema. Mit “October“ stellt Kody West die entscheidende Frage: ist es vorbei? Bei “Short“ überrascht er die Hörer sowohl mit der tatsächlichen Kürze des Songs, als auch mit einer Akustikversion, die direkt aus der Ideensammlung, beinahe unbearbeitet, Eingang auf das Album gefunden hat.  Auch mit “Overgrown“, dem Album namensgebenden Titel, umreißt Kody West das Thema Trennung mit gelungenen Lyrics und abwechslungsreichem Arrangement. Mit diesem Album hat Kody West, der mit seiner Band fast das ganze Jahr über tourt, einen Appetithappen ausgelegt, der in der Tat neugierig macht auf mehr. Vielleicht müssen die Fans nicht wieder 3 Jahre warten.

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Kristian Bush – Southern Gravity (The Complete Collection)

(VÖ: 24.04.2020)

Bereits 2015 veröffentlichte Kristian Bush sein Solo Debütalbum. Die Babypause von Kollegin Jennifer Nettles und das furchtbare Unglück bei der Indiana State Fair, bei dem durch ein Unwetter die Bühne einstürzte und sieben Menschen ihr Leben verloren, hatten tiefe Spuren bei ihm hinterlassen. Als das Projekt Sugarland mit Jennifer Nettles keine Fortsetzung fand, war der Entschluss, es mit einem Soloalbum zu probieren, naheliegend. „Ich hatte ganz vergessen, welch wunderbares Instrument die Stimme sein kann.“ So kommentierte Kristian Bush die Wiederentdeckung seiner Leadstimme. Der Multiinstrumentalist hat also ein “neues“ Instrument“ in sein Repertoire hinzugefügt. Das Album “Southern Gravity“ umfasste seinerzeit 12 Titel. Die ergänzte Neuveröffentlichung fügt sieben Songs hinzu, die bislang in der Schublade lagen. Pop Country, Country Rock und durchaus radiotaugliche Titel charakterisieren die Musik von Kristian Bush. Dass er bei Sugarland hinter der stimmgewaltigen Jennifer Nettles oft etwas zu kurz kam, macht ihn jetzt umso interessanter. Denn er kann sich durchaus hören lassen. Locker flockige Titel wie “Flip-Flops“ bis zu ruhigen Balladen wie “House On A Beach“ lassen ein breites musikalisches Spektrum auf die Hörer wirken. Mit “American Window“, ein klischeehafter Blick auf sein geliebtes Vaterland, startet der Anhang der Complete Collection und setzt das bisher Gehörte nahtlos fort. Mächtig viel Gefühl investiert Kristian Bush in Titel wie “Burning Flowers“ oder der Pop Ballade “My Heart“. Die Lyrics bei “Falling“ sind recht konstruiert, und so setzt der Titel ganz und gar auf Pop Country. Sein Freischwimmer Album aus 2015 hat Potenzial. Doch auch mit den Bonus Tracks wird daraus kein Meilenstein der Country Music.

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Old Dominion – Old Dominion (Deluxe Edition)

(VÖ: 27.05.2020)

Im Januar wurde das Album “Old Dominion“ von der gleichnamigen Band im Wheel Magazin besprochen. Nun gibt es eine Deluxe Edition, die das Sommerloch überbrücken soll. Lediglich drei Bonus Tracks hat die Boygroup der ursprünglichen Trackliste angehängt. “I’m On It“, “Goes Without Saying“ und “Can‘t Get You“ setzen stilistisch und qualitativ fort, was die 12 vorhergehenden Titel boten. Lediglich die Ballade “Goes Without Saying“ ist geschmeidig. Das Deluxe Album endet mit einem unsäglichen Rock Titel, “Can’t Get You“ und hinterlässt einen unnötig schrägen Eindruck, der Country Music Fans eher abschrecken wird.

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Pam Tillis – Looking For A Feeling

(VÖ: 24.04.2020)

Auf dem Cover ihres neuen Albums “Looking For A Freedom“, blickt Pam Tillis lasziv sonnenbebrillt nach oben. Der Schriftzug erinnert an die Flower-Power Zeit. Was mag sich hinter dieser Fassade verbergen? Der Titeltrack deutet es bereits an. Hier geht es um Selbstfindung. Mit “Better Friends“ erklingt eine Ballade, wie aus der Zeit gefallen. Musikalisch zurückgenommen, darf Pam Tillis davon singen, was sie sich in ihrer schwierigen Beziehung wünscht. Country Music? Eher nicht. Im Titel “Dolly 1969“ singt und spricht Pam Tillis über eines ihrer Jugendidole und die Sehnsucht nach dieser Zeit. In der Tat scheinen die Songs aus einer vergangenen Zeit zu stammen. Das Arrangement unterstützt diesen Eindruck und bleibt wohltuend bescheiden. “My Kind Of Medicine“ erzählt eindrucksvoll von einer Einstellung zu den wahrhaft gesunden Dingen im Leben, wie Natur, Haustiere und gute menschliche Beziehungen. Alles Erkenntnisse, die Mann oder Frau mit fortschreitendem Alter zu schätzen wissen. “Dark Turn Of Mind“ ist mehr ein American Chanson denn ein Country Song und Pam Tillis setzt ihre Stimme, wie so oft, jazzig ein. Wieder so ein Titel aus einer anderen Zeit. Nostalgiker werden hier ihre Freude haben. Pam Tillis tut gut daran, nicht zu versuchen, die heutigen Charts zu stürmen. Ihre einzige Nummer Eins (“Mi Vida Loca“) liegt ja auch schon ein Vierteljahrhundert zurück. Die 12 Titel auf “Looking For A Feeling“ sind für ihre Fans sicher ein Genuss. Für den eiligen Konsumenten ist das eher weniger interessant.

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Randy Rogers & Wade Bowen – Hold My Beer Vol. 2

(VÖ: 07.05.2020)

Als 2015 das Volume 1 von Randy Rogers und Wade Bowen unter dem Titel “Hold My Beer“ erschien, hatte eine texanische Zusammenarbeit wieder einmal bewiesen, dass Country Music zeitgemäß und dennoch traditionell gegründet weiter existiert. Gleich mit dem Opener “FM/AM“ des Albums “Hold My Beer Vol. 2“ machen die beiden Texaner Randy Rogers und Wade Bowen klar, dass es wieder um Country Music geht, die erst einmal keinen Pfifferling auf Radio Play und die Charts gibt. Bitter die Erkenntnis bei “Rodeo Clown“, dass “Sie“ ihn wegen eines Rodeo Clowns verlassen hat. Es hätte ein Doktor, ein Anwalt oder so etwas sein dürfen. Aber kein Rodeo Clown. Ganz sicher nicht zur Nachahmung empfohlen, sind die in “Habits“ beschriebenen Gewohnheiten, ob Whiskey oder Frauen oder was auch immer einen kaputt machen kann. Eine Warnung vor dem Festhalten an schlechten Gewohnheiten. Dabei auch noch den gedanklichen Bogen zu Merle Haggard und George Jones zu schlagen, macht diesen Titel dennoch so liebenswert nostalgisch. Und Ole Merle wird noch einmal besungen bei “Let Merle Be Merle“ und dem Apell alles beim Alten zu lassen. Randy Rogers & Wade Bowen lassen musikalisch eine Zeit wiederkehren, die mit den schönsten Balladen, Geschichten und Melodien wahrer Country Music für Unsterblichkeit dieses Genres sorgte. Die beiden Interpreten und offensichtlichen Fans dieser Zeit kriegen es hin, den längst von uns gegangenen Waylon Jennings und dessen Sohn Scooter in ihren Song “Ode To Ben Dorcy“ einzubinden. Und sie vergessen auch nicht einer weiteren texanischen Spezialität Raum zu geben. Der Western Swing mit Unterstützung durch die Formation Asleep At The Wheel bei “Mi Amigo“ sorgt für jede Menge Swing und Spaß. Die Befürchtung des Niederganges der traditionellen Country Music wird im Song “This Ain’t My Town“ Ausdruck verliehen. Bitter, aber da ist absolut was dran. Eine äußerst lehrreiche Ballade folgt mit “Her“, die mit der Quintessenz aufwartet, niemals mit der eigenen Freundin in einer Bar den Durst zu stillen, wenn du nicht mehr vertragen kannst als die Thekenbekanntschaft. Mit “Hold My Beer“ endet das Album gleichen Namens Vol. 2 und wer da nicht die 12 Titel ein zweites Mal startet, dem ist nicht zu helfen. Welch ein Genuss in der heutigen Zeit. Party, Spaß und klasse Country Music, was will man mehr. Honky Tonk Atmosphäre ob mit oder ohne Bier ist garantiert.

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Bobby Bare – Great American Saturday Night

(VÖ: 17.04.2020)

Einer der letzten lebenden großen Interpreten traditioneller Country Music der 1960er und 1970er Jahre lässt mit der erstmaligen Veröffentlichung seines Albums, “Great American Saturday Night“, diese gute alte Zeit wieder auferstehen. Ein Livemitschnitt mit 13 Titeln, die alle von Shel Silverstein geschrieben wurden, lediglich bei zwei Songs ist er Co-Autor. Damals als Konzeptalbum gedacht, schlummerte der Mitschnitt eines Samstagabendkonzertes in der Schublade. Es war also an der Zeit, dem großartigen Shel Silverstein zu gedenken, der 1999 bereits verstarb. Was hat dieser Songschreiber für erfolgreiche Titel erdacht. So ist dieses Album auch eine Hommage an das künstlerische Multitalent aus Chicago. Mit der Feierhymne “Great American Saturday Night“ beginnt das gleichnamige Album. Aber auch nachdenklichere Titel wie “Painting Her Fingernails“ oder “Good Night Little House Plant“ finden Platz in der Trackliste. Der warme Bariton von Bobby Bare schien geradezu geschaffen, um diese Balladen von Shel Silverstein vorzutragen. Beinahe eine Entschuldigung “nur“ ein einfacher Sänger einfacher Songs zu sein, ist der Titel “Living Legend“ und trifft sowohl auf Bobby Bare, als auch auf Shel Silverstein zu. Stichwort ‘einfache Songs‘, mit “They Won’t Let Us Show It At The Beach“ ist ein weiterer Titel wie geschaffen, um die Party Meute zum Mitsingen zu animieren. Die lassen sich auch nicht lange bitten und haben Spaß. Mit “Time“ lebt das vergessene Genre des gesprochenen Songs auf und welche Stimme könnte das besser, als die vom Altmeister Bobby Bare, der im April dieses Jahres seinen 85. Geburtstag feierte. “Me And Jimmie Rodgers“ lässt in mehr als fünf Minuten den Blick weit zurück gehen. Nach beinahe 50 Minuten geht diese Great American Saturday Night zu Ende. Ein sehr sympathischer Rückblick, der endlich veröffentlicht wurde.

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Chris Roberts – Mountain Standard Time

(VÖ: 24.04.2020)

Der Titel dieses Albums soll ein wenig in die Irre führen. Es ist aber sicher nicht die Zeitzone MST auf dem nordamerikanischen Kontinent gemeint. Eher ist der Titel Programm. Denn was Chris Roberts mit den 12, meist selbstgeschriebenen, Titeln auf dem Album “Mountain Standard Time“ vorstellt, ist Mountain Standard Music. Mal Bluegrass, mal Singer/ Songwriter Music, mal traditionell, mal in die Jetztzeit übertragen, das ist Musik zum Zuhören und Zurücklehnen. Mit dem Titel “Something To Brag About“ ehrt Chris Roberts seinen Weggefährten Charlie Louvin, aus dessen Feder der Song stammt. Hier vorgetragen mit der Unterstützung von Ashley Campbell, ja der Tochter von Glen Campbell. Man kann der Stimme von Chris Roberts leicht folgen und seine Texte klar und verständlich wahrnehmen. Die Titel sind von wunderbar eingespielten akustischen Instrumenten umhüllt und nehmen die Hörer ganz einfach in eine Komfortzone mit. “Keep On Rolling“ entfernt sich vom klassischen Bluegrass und verbindet sich mit Rock Music, allerdings balladesk. Americana ist wohl die Heimat des Titels “Sink Or Swim“, erneut mit der Bluegrass Instrumentierung arrangiert. Doch mit “Tracks And Trains“ ist man wieder zurückgekehrt zu traditioneller Musik und dem Standardthema Trains. “The Rarest Flowers“, die es natürlich nur hoch in den Bergen gibt, besingt Chris Roberts mit jeder Menge Gefühl die seltensten Blumen im übertragenen Sinn. “Dying To Live Again“ wird von einem Banjo eingeleitet. Dann übernehmen Gitarre und Mandoline und eine Dobro lässt Töne verschmelzen. Das ist sehr feine Musik. Beim Joni Mitchell Klassiker “Both Sides Now“ scheint sich Chris Roberts stimmlich etwas viel zugemutet zu haben. Mit einem weiteren Klassiker, “Less Of Me“ aus der Feder von Glen Campbell schließt das Album “Mountain Standard Time“ von Chris Roberts und hat die Hörer eine Dreiviertelstunde bestens unterhalten.

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Gretchen Peters – The Night You Wrote That Song – The Songs Of Mickey Newbury

(VÖ: 15.05.2020)

Es ist immer wieder gut wahrzunehmen, dass Interpreten sehr wohl zu würdigen wissen, welche Bedeutung geniale Songschreiber für ihre Musik haben. Einer, dessen Name so gar nicht geläufig ist, ist Mickey Newbury. Dabei hat der Mann aus Houston, Texas, für so viele Interpreten Hits geschrieben. Er sei ein Hippie Cowboy sagte einst Radio Urgestein Ralph Emery über ihn. Selbst konnte Mickey Newbury als Interpret nicht die großen Erfolge landen. Vielleicht ist Gretchen Peters genau die richtige Interpretin um das musikalische Vermächtnis von Mickey Newbury zu verwalten. Ist sie doch selbst eine Songschreiberin, die eher in der zweiten Reihe steht und ihre Kompositionen oft genug anderen Superstars überließ. Mit ihrem Mann Barry Walsh hat sie mit dem Album “The Night You Wrote That Song – The Songs Of Mickey Newbury“ viel Liebe und Hingabe in das Arrangement und ihre Interpretation der 12 Titel investiert. Nach fünf ganz ruhigen Balladen erklingt mit “Why You Been Gone So Long“ erstmals ein rockiger Song, bei dem sich eine Retro Gitarre einbringen darf und ein Piano mal die Führung übernimmt. Mickey Newbury hat für viele Interpreten in unterschiedlichen Genres gearbeitet. Doch schon mit “Frisco Depot“ ist die Laid Back Music zurück. “Leavin‘ Kentucky“ beschreibt den Weg so vieler Interpreten, die sich nach Nashville aufmachten, ihr Glück zu finden. Wer erinnert sich nicht an “San Franzisco Mabel Joy“? So mancher Titel erzählt bittersüße Geschichten voller Melancholie. Gretchen Peters hat das mit ganzer Aufmerksamkeit und Feinfühligkeit aufgegriffen. Dieses Album ist kein Fastfood. Das ist etwas für Feinschmecker und Liebhaber intelligenter, teils konzertanter Unterhaltung mit Tiefgang. Schön, dass es so etwas noch gibt.

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James Robert Webb – James Robert Webb

(VÖ: 27.03.2020)

Stell dir vor, du musst zum Arzt und wirst dort mit Country Music begrüßt. Gibt’s nicht? Vielleicht. Aber vorstellbar. James Robert Webb ist praktizierender Arzt und Country Music Interpret. 2016 war sein Coming Out und nun hat er ein Album mit seinem Namen betitelt. 13 Songs, die von Buddy Cannon produziert wurden, lassen keinen Zweifel daran, dass er ein moderner Country Music Interpret ist. Da rockt es und hat mit Uptempo Stücken ganz sicher Radiopotenzial. Wie bei “Now We’re Gettin‘ Somewhere“, welches zu Beginn gleich für ausgelassene Stimmung sorgt. Doch auch verhaltener kann James Robert Webb interpretieren. “Stories To Tell“, ein Blick auf die ersten musikalischen Einflüsse seiner Karriere. Dabei nennt er sogar George Jones (allerdings nur die flotteren Titel) und erinnert die 1990er Jahre als eine besondere Blütezeit der Country Music. Klingt James Robert Webb zunächst wie einige andere Sänger auch, so entwickelt sich nach und nach ein Eindruck eines grundsoliden Country Traditionalisten, der es aber versteht, in der heutigen Zeit zu punkten. Sicher hat ihm da Buddy Cannon viele Richtungen gewiesen. “Okfuskee Whiskey“ ist so ein Titel, der ganz traditionell gegründet ist und in der Bearbeitung von James Robert Webb so modern daherkommt. „Ich weiß manchmal selbst nicht, wie ich das alles unter einen Hut kriege. Karriere, Beruf und Familie. Aber eins weiß ich, ich kann meine Patienten nicht im Stich lassen und meine Familie geht mir über alles. Die Musik ist ein wundervolles Hobby. Wird ein wenig mehr daraus, dann auch gut.“ So denkt der Mann aus Tulsa, Oklahoma. Da darf auch der Titel “Tulsa Time“, einst von Don Williams in die Charts gebracht, nicht fehlen. James Robert Webb lässt es aber hierbei mächtig fröhlich swingen. Völlig entspannt präsentiert er sein selbstbetiteltes Album und muss gar nicht verkrampft auf Radio Play und die Charts schielen. Dem Mann macht Spaß was er tut. Den Hörern wird es ebenfalls gefallen.

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Jimmy Buffett – Life On The Flip Side

(VÖ: 29.05.2020)

Jimmy Buffett, dem Caribbean Cowboy, scheint mal wieder die Sonne auf den Bauch und er lässt seine Fans mit seinem neuen Album “Life On The Flip Side“ daran teilhaben. Ob er die beste Strandbar im Titel “Down At The Lah De Dah“ besingt oder sich bei “Who Gets To Live Like This“ fragt, wer solch ein Leben leben darf wie er es kann, stets klingen die Songs locker flockig und beschwingt. Pop Music ist das allemal. Seine Versuche Anfang der 1970er Jahre in Nashville als Interpret Karriere zu machen, blieben zunächst ohne nennenswerten Erfolg. Erst als der studierte Journalist seinen Lebensmittelpunkt nach Florida verlegte und ihn die Leichtigkeit der karibischen Musik einfing, sollte sich seine Karriere stetig nach oben verändern. Heute ist er einer der wohlhabendsten Künstler der Pop Country Music. Jimmy Buffett entwickelte eine Musik, die ihn einzigartig macht und die ihm beim Publikum große Beachtung einbringt. Da gibt es sowohl die beliebten Party Songs aber auch die eine oder andere Reflektion mit durchaus intelligentem Tiefgang. Manchmal scheint es als steuerte er in seinem 30. Album einige Lebenserfahrungen bei, die schon hier und da Vermächtnischarakter haben. Oft täuscht die flotte Music über die Botschaften hinweg. “Hey That‘s My Wave“ ist eine Surfer Hymne, gefolgt von einem eher misslungenen Ausflug in Rock Music und der küchenpsychologischen Aussage “The World Is What You Make It“. Bei “Half Drunk“ mixt Jimmy Buffet einen 30er Jahre Jazz in die Track List. Country Fans, auch die Caribbean Pop Country Fans, werden da eher weghören. Im Verlauf der Trackliste reihen sich Titel aneinander, die sich von den eingangs noch lose mit Country verbundenen Klängen immer mehr entfernen. Wenn mit “Book On The Shelf“ nach 14 Titeln das Album “Life On The Flip Side“ endet, hat man schon den Wunsch, wieder Country Music zu hören. Aber so ist er nun mal, der Jimmy Buffett. Die gehörte Musik auf seinem neuen Album, hat streckenweise Schlagercharakter und ist mit der einen oder anderen Lebensweisheit á la Jimmy Buffett überfrachtet. Für eine unbeschwerte Unterhaltung taugt “Life On The Flip Side“ allemal.

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Kenny Chesney – Here And Now

(VÖ: 01.05.2020)

Gewohnt mit schweren Gitarrenriffs und rockig beginnt das 19. Album “Here And Now“ von Kenny Chesney mit dem Titel “We Do“. Der Titelsong ist ein Loblied auf das Leben, so wie es ist. Mit allen Höhen und Tiefen im Hier und Jetzt. Ungewöhnlich, dass ein Mann eine bittere Lebensbeschreibung einer Frau erzählt, die irgendwie im Leben stecken geblieben ist. Kenny Chesney macht das sehr eindringlich bei “Everyone She Knows“. Dass man sein Leben auch verschwenden kann, beschreibt der Titel “Wasted“. Immer wieder sind die Geschichten über das Erwachsenwerden in Country Rock Music gehüllt und sind dem Zeitgeistgemäß, radiotauglich arrangiert. Bei “Heartbreakers“ fragt Kenny Chesney, was wohl aus all seinen Jugendbekanntschaften geworden sei. Und immer sind die Texte umfangreich und zwingen zum genaueren Zuhören. Die Singleauskopplung “Tip Of My Tongue“, eine Liebeserklärung mit leichter Erotik, sollte die Charts erobern, was ja auch gelang. Wenn Kenny Chesney sich mal etwas mehr ruhigeren Songs widmet, kommt seine Stimme viel besser zur Geltung wie bei “Beautiful World“. Den schönsten Song hat Kenny Chesney für den Schluss seines Albums “Here And Now“ aufgehoben. Im Titel “Guys Named Captain“ werden verschiedene Captains der Geschichte beschrieben, um sie alle mit dem eigenen Vater, Captain Vick, zu vergleichen, der die Mandoline spielte und den er so vermisst. Es fällt der Kunstfigur Kenny Chesney bestimmt nicht leicht, sich von seinem Jungenimage zu lösen und sich auf eine erwachsenere Zielgruppe zu fokussieren. Ansätze sind unter den 12 Titeln auf dem Album “Here And Now“ vorhanden. Ein Könner wie er, sollte aber in der Lage sein, seine Karriere den Erfordernissen des Lebens anzupassen.

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Kip Moore – Wild World

(VÖ: 29.05.2020)

Drei Jahre nach seinem Album “Slowheart“ hat Kip Moore wieder ein Studioalbum vorgelegt. Der Mann aus Georgia mit der rauen Stimme hat auf dem neuen Werk “Wild World“ 13 frische Titel am Start. Mit der verhinderten Liebe zu seiner “Janie Blue“ geht es los. Dann folgt ein Western Song der ganz anderen Art, in welchem alle Western Klischees vorkommen, die jedoch in treibendem rockigem Sound verpackt sind. Eine tolle Arrangement Idee. Eine bombastische Verbindung von R&B Sound und Rock Country markiert der Titel “Fire And Flame“, in welchem Erlösung das Hauptthema ist. Der Titelsong handelt vom Ratschlag einer Mutter, sich nicht dem Mammon zu verschreiben und stolz auf das zu sein, was man kann und eine gute Frau zu finden. Textlich und musikalisch kann allerdings der Titel “Red White Blue Jean American Dream“ weniger überzeugen. Bei “She’s Mine“ ist man unwillkürlich an die britische Gruppe Smokie erinnert, die Kip Moore vielleicht nicht einmal kennt. Die Macher bei MCA Nashville haben ganze Arbeit geleistet und die Songs bis an die Grenzen des Machbaren ausarrangiert. Doch das schadet den Songs nicht, weil die Stimme von Kip Moore so einzigartig und anders ist. Sind auch einige leichtgewichtige Songs auf dem Album “Wild World“, so wird es aber nie eintönig. Es sind immer wieder ruhigere Titel eingebunden. Ein besonderes Liebeslied ist “Sweet Virginia“, verbunden mit der Frage an die Liebste, was er nur falsch gemacht hat und wie er für sie sein soll. Sogar romantisch will er werden. Und wie er romantisch sein kann. Bei “South“ versichert er der “Verflossenen“ seine ewige Liebe. Konzeptionell angelegt, ist der Schluss des Albums “Wild World“ von Kip Moore, wo er in den drei letzten Songs die weichere Seite von sich offenbart. Country Music? Nach modernen Maßstäben sicherlich. In Nashville legt man das Genre Country Music sehr weit gefächert aus. Kip Moore ist auf jeden Fall ein Interpret, dem man gern ein ganzes Album lang zuhört. Erfrischend.

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Daryl Mosley – The Secret Of Life

(VÖ: geplant 22.05.2020)

Mit einem Blick zurück auf das eigene Leben in der Singleauskopplung “A Few Years Ago“, beginnt das Debütalbum “The Secret Of Life“ von Daryl Mosley. Debütalbum? Dabei ist Daryl Mosley bereits seit seinem 15. Lebensjahr als Musiker tätig und blickt als heute 55-Jähriger auf einige Jahrzehnte im Musikgeschäft zurück.  Dennoch ist erst jetzt sein erstes Soloalbum erschienen. Als Überschrift über sein musikalisches Schaffen, muss das Genre Bluegrass stehen. Zunächst war er in der Formation New Tradition und wechselte Anfang der 2000er Jahre zu den Osborne Brothers. 2010 spielte er Bass in der Band The Farm Hands, die er im Sommer 2019 wieder verließ, um weniger Auftritte zu absolvieren und sich mehr seinem Songwriting zu widmen. Das ist, neben seiner angenehmen Stimme, sein größtes Talent. Dass er verschiedene Instrumente zu bedienen weiß, versteht sich fast von selbst. Im Titelsong “The Secret Of Life“ geht es schlicht um die Frage, was das Geheimnis des Lebens ist. Da zeigt sich das besondere Songwriting von Daryl Mosley, der in einer unaufgeregten Weise alle die Dinge beschreibt, die ein Leben lebenswert und erfüllt machen. So reihen sich die Geschichten aneinander, die vom einfachen Leben auf dem Land erzählen, vom Vater, der sich um die Familie kümmert und hart arbeitet bis zum einfachen aber intensiven Liebesgeständnis. Eingebettet sind die 11 Titel des Albums “The Secret Of Life“ in warme, von akustischen Instrumenten getragenen, Melodien und sanften Arrangements. Man hört die große Erfahrung von Daryl Mosley als Musiker und Leadsänger. Er weiß einen Song zu transportieren und er lässt Bluegrass ganz stressfrei als Gerüst seiner Stories für sich sprechen. Immer steht eine deutliche Artikulation im Vordergrund. So kann man mühelos seinen feinen Textzeilen lauschen. Bei “The Deal“ betrachtet Daryl Mosley seine moralische Botschaft von der “Rückseite“ und beschreibt, was man bekommt, wenn man mit dem Antichristen einen Pakt schließt. Im Titel “I’d Write You“ treibt er aber seine Bescheidenheit auf die Spitze, indem er besingt, was er tun würde, hätte er die Fähigkeit seine Gefühle in Texten oder Bildern auszudrücken. Doch genau das macht er im Album “The Secret Of Life“. Vielleicht sogar mit einer zu großen Portion Moral und sauberem Image. Dennoch ist dieses Album ein Genuss mit ganz feiner Musik und wohltuendem Gesang.

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John Anderson – Years

(VÖ: 10.04.2020)

Er phrasiert wie eh und je. Das Alleinstellungsmerkmal von John Anderson ist und bleibt seine einzigartige Art des Vortrages. Beinahe 40 Jahre nach seiner ersten Nummer Eins, “Wild And Blue“ aus dem Jahr 1982, gibt es ein neues Album von John Anderson. Fünf Jahre mussten die Fans darauf warten. Vom Cover des neuen Albums “Years“ schaut ein sichtbar gealterter, weißhaariger Mann mit Cowboyhut nachdenklich nach oben. Das lässt vermuten, dass sich in den 10 Songs des Albums die eine oder andere Lebensweisheit verbirgt. Dabei ist John Anderson mit seinen beinahe 65 Jahren in einem, für Country Musiker, “Best Ager“ Bereich. Er klingt stabil, wenn auch gesetzt. Wer seinen Werdegang nicht so genau verfolgte, wird keine allzu großen Unterschiede zu seinen Alben aus der Vorzeit erkennen. Das ist gut so und bemerkenswert zugleich. Wieder einer der “Alten“, die sich gegen die Übernahme ihrer geliebten Musik durch popverwirrte Schnellgeldmacher stemmen. Hier darf Musik einmal individuell sein, wie etwa der Instrumentalpart im Titel “What’s A Man Got To Do“. Ein Song wie er sein muss. Sehr schön. Auch bei “Wild And Free“ scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wer dabei nicht an die Ära der ganz großen Country Music Interpreten denkt, dem steht vielleicht die Gnade der späten Geburt im Weg. Ja, das Album “Years“ blickt auf viele Jahre Country Music und auf die eigene Karriere von John Anderson zurück und hat ein paar Erkenntnisse im Gepäck. “All We‘re Really Looking For“ ist eine Reminiszenz an die Liebe in ihren vielfältigen Formen. Dass alter Wein mitunter besser wird, gilt auch für die Musik von John Anderson. So wird man gern unterhalten. So wie man sich einen alten Film immer wieder gern anschaut.

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Ashley McBryde – Never Will

(VÖ: 03.04.2020)

Mit einem bärenstarken Beat und eindrucksvollem Arrangement beginnt das Album “Never Will“ mit dem Titel “Hang In There Girl“. Auch mit dem zweiten Song “One Night Standards“ ist klargestellt, dass hier eine andere weibliche Stimme die Country Music aufmischt. Endlich ein Gegenpart zu Chris Stapleton, Like Combs und Co. Rau und bitter kommen manche Texte daher. Etwa bei “Shut Up Sheila“, wo Sheila die Klappe halten soll mit ihrer Moral, da man so sei wie man sei. Auch die treibenden Rockgitarren lassen da keinen Zweifel aufkommen, dass moderne Country Music mit allem Rockimage auch genau das sein kann: Country Music. Mit der selbstzerstörerischen Erkenntnis in dem locker flockig daherkommenden Titel “The First Thing That I Reach For“, dass das Erste nachdem das Verlangen steht, auch das Letzte ist, was man tatsächlich braucht, findet der rote Faden dieses Albums eine Fortsetzung. Selbst eine Reflektion des Tour Daseins in “Sparrow“ ist eine bittere Essenz. Eine Steigerung erfährt das Album textlich im Song “Martha Devine“ in welchem sich eine familiäre Katastrophe Bahn bricht. Eine wunderbar zurückgenommene Ballade ist “Stone“, in der die Erkenntnis thematisiert wird, dass man von den Eltern doch so manches Verhalten vererbt bekam. Und dann der Titelsong “Never Will“, in welchem Ashley McBryde ganz vehement klarstellt, dass sie sich nicht vereinnahmen lassen will. “I didn’t, I don’t, I never will“ lautet deshalb auch die wichtigste Zeile. Das Album “Never Will“ endet ungewöhnlich mit “Styrofoam“ einer Hymne auf Styropor und hinterlässt den Eindruck eines ganz starken Albums. Geniale Texte, die ungeschminkt einen Blick auf, das manchmal harte, Gefühlsleben von Menschen deutlich machen und Songs, die von einer kaum durch Chartorientierung gezügelten Interpretin dargebracht werden. Nach dem Knaller “Girl Going Nowhere“ nun ein weiteres Album von Ashley McBryde, der Frau aus Arkansas, die sich anschickt, die Männerdomäne rockiger Country Music zu erobern.

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Sam Hunt – Southside

(VÖ: 03.04.2020)

Nun ist das zweite Studioalbum von Sam Hunt am Start. “Southside“ heißt es und man musste sechs Jahre darauf warten. Nach der ruhigen Ballade “2016“ zu Beginn, folgt mit “Hard To Forget“ ein Titel, dem gleich acht Autoren zugeschrieben wird. Er beginnt aber mit einem Original Einspieler des Titels “There Stands The Glas“ von Webb Pierce und geht dann über in eine Hip-Hop Version, die auch gern Bro Country genannt wird. Eine lustige Idee. “Kinfolks“ hat jede Menge Radiopotenzial, ist aber ebenfalls dem genannten Genre zuzuordnen. So etabliert sich Sam Hunt eindeutig musikalisch als Vertreter der modernen Country Music und hat doch so viel Country zu bieten. Der ehemalige American Football Spieler hatte erst so gar nichts mit Musik am Hut. Eine der vielen Verletzungen durch den Sport, zwang ihn zu längerer Genesungspause, in der er sich, um die Langeweile zu vertreiben, selbst das Gitarre Spiel beibrachte. Leider sind etliche der 12 Titel seines Albums “Southside“ überproduziert. Erklingt dann einmal ein zurückgenommener Song wie etwa “Sinning With You“, fragt man sich, warum man der, wenn auch modernen, Country Music nicht den Vortritt vor den Hip-Hop Computer Schablonen gelassen hat. Da ist eine Menge Potenzial. Ein wenig mehr Mut und Bekenntnis zu echter Country Music und dann sollte das klappen mit der Karriere von Sam Hunt.

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Lukas Nelson & Promise Of The Real – Naked Garden

(VÖ: 27.03.2020)

Mit der sieben Minuten rockig beginnenden Version des Titels “Entire Different Stars“, werden die Hörer des neuen Albums von Lukas Nelson & Promise Of The Real mit sphärischen, psychedelischen Partien konfrontiert, die unvermittelt in einen Country Music Waltz münden. Damit ist klar, dass sich diese Formation an keine Konventionen halten will. Da wird dem musikalischen Eigensinn freien Lauf gelassen. Die ehemalige Begleitband von Neil Young hat mit ihrem Frontmann Lukas Nelson jede Menge Berührung zur Country Music. Aber auch zu Americana, Songwriter Music, Swing und Jazz. Das musikalische Schaffen des Vaters Willie Nelson halt. Lukas Nelson & Promise Of The Real wird als Country Rock Band bezeichnet. Das kann man unterstreichen. Aber da offenbart sich mehr. Ungewöhnlich die Arrangements, die Tempi Wechsel und nicht zuletzt die Stimme von Lukas Nelson, die so verblüffend dem Vater ähnelt und dennoch eine ganz eigene Intension besitzt. Mit 15 Titeln und einer Spieldauer von über einer Stunde, werden die Konsumenten fürstlich bedient. Besonders Fans von avantgardistischen Bemühungen, verschiedene Einflüsse zu einer eigenen Musikauffassung zu vereinen. Das ist Kunst in ihrer reinen Form. Nicht ein neidischer Blick auf das Chartgeschehen in Nashville. Country Music ist bei manchen Titeln latent vorhanden, manchmal überraschend hervorkommend. Meist jedoch handelt es sich um Rock Music, die oft Retro Charakter hat. “Back When I Cared“ ist solch ein Titel. “Movie In My Mind“ ist eine intensive Liebeserklärung, die in einem sehr aufmerksam machenden Arrangement präsentiert ist. Ähnlich gekonnt, ist das Songwriting bei “Focus On The Music“, welches wieder eigenwillig und hörenswert arrangiert wurde. Manche Titel bekamen Zusätze wie “Alternate Version“ oder “Alternate Mix“. “Out IN L.A.“ wurde als “Extended Version“ präsentiert. Das Album “Naked Garden“ ist so ungewöhnlich wie sein Name oder Name der Band. Nein, Country Music ist das nicht. Durch verschiedene Genres von Rock über R&B bis Alternative reicht der Spannungsbogen. Lukas Nelson & Promise Of The Real haben wieder einmal Musik für Liebhaber nicht reglementierter, von Spielfreude getriebener, künstlerischer Interpretation vorgelegt. Großes Kino.

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Carly Pearce – Carly Pearce

(VÖ: 14.02.2020)

Das zweite Album ihrer Karriere benennt Carly Pearce nach sich selbst. Das klingt nach Angekommen Sein, nach Etablierung. In der Tat hat Carly Pearce, wie wird es in den Staaten immer so gern herausgestellt, hart für ihren Erfolg gearbeitet. Spätestens seit ihrer Heirat mit Country Interpret Michael Ray, der auch als Duett Partner auf dem neuen Album von ihr fungiert, hat Nashville von ihr Notiz genommen. Auch Carly Pearce versucht den Spagat zwischen traditionell gegründeter Country Music und unverhohlenem Country Pop. Dabei hilft oft genug eine gewisse Überproduktion, leider auch bei ihrem zweiten Album. Radio Play garantiert. Sogar feine Balladen wie “Halfway“ bleiben vor dem Zugriff übermotivierter Arrangeure nicht verschont. Da hilft es auch nicht viel, dass hier und da ein “Feigenblatt-Banjo“ mitklimpern darf. Diese zarten Andeutungen von Country Music werden wie bei “Hearts Going Out Of It’s Mind“ gleich wieder von Pop Gedröhne zunichte gemacht. 13 Titel umfasst das Album “Carly Pearce“ von eben jener Interpretin und hinterlässt nicht den gewünschten Effekt, dass man sich an diese Künstlerin im Besonderen erinnern wird. Zu gleichgeschaltet ist die Produktion, um an das schnelle Geld zu kommen. Ein wirklicher A-Ha Effekt stellt sich bei diesen Pop Produktionen nicht ein. Die Konkurrenz ist da einfach zu gewaltig. Warum also die Country Music als Transportmittel hernehmen? Die Songs verklingen und gut.

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Steep Canyon Rangers – North Carolina Songbook

(VÖ: 29.11.2019)

Dass diese Bluegrass Band zum Besten gehört, was Country Music zu bieten hat, ist seit langem bekannt. Deshalb ist auch ein Mitschnitt des Konzertes der Steep Canyon Rangers auf dem “Merlefest“ aus dem Jahr 2019 absolut empfehlenswert. Schon allein der Opener “Stand By Me“ ist absolute Spitze. Doch schon geht es weiter mit dem bekannt treibenden Sound und dem Standard “Don’t Let Your Deal Go Down“. Da wird einem beim Zuhören schwindelig. Könner sind sie alle an ihren Instrumenten, was die Musiker von Steep Canyon Rangers auch eindrucksvoll in Szene zu setzen wissen. Mit “Blue Monk“ folgt ein Instrumental und hat so gar nichts mit einem traurigen Mönch zu tun. “Sweet Baby James“, die James Taylor Ballade, ist hier beinahe a capella eingespielt und setzt ein Ausrufezeichen hinter die Vielseitigkeit der Steep Canyon Rangers. Mit “I’ve Endured“ hat man 6 Minuten Zeit, die Instrumentalparts zu genießen, die die Gesangpassagen umrahmen. Es sind nur 8 Titel auf diesem Livemitschnitt, aber von ganz tollen Musikern dargebracht. Zum Schluss mit “Your Lone Journey“ eine Hommage an den genialen Songwriter Doc Watson, einer getragenen Ballade über die Klage eines auf Erden zurückgebliebenen Partners. Musik für Liebhaber.

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Suzie Candell – Restless

(VÖ: 27.03.2020)

Schon mal von Suzie Candell gehört? Nicht? Dann wird es Zeit. Okay, manche kennen die Sängerin vielleicht aus der Schweiz, wo sie als Suzie Candell & The Screwdrivers bekannt ist. Eine Country Interpretin aus dem Alpenraum? Ja, und wie. Mit jeder Menge Country in der Stimme ausgestattet, verfügt Suzie Candell außerdem über das richtige Timing und die teils lässige, teils gefühlsbetonte Interpretation für Country Music. Mit “California Dreamin‘“ beginnt das Album “Restless“, welches eine Sammlung eigener Songs darstellt, die der Sängerin schon länger auf der Seele und in der Schublade lagen. Dass sie dabei auch auf eine richtig gute Produktion geachtet hat, ist besonders hervorzuheben. Da sind eben richtig gute Musiker am Werk und lassen der Lead Stimme den nötigen Raum, ohne die eigene Brillianz zu verstecken. Da ist der eine oder andere Pop Country Titel dabei und immer wieder moderne echte Country Music Balladen. Suzie Candell spart auch nicht mit Klischees wie bei “Whiskey And Why“, einer wundervollen Schmachtballade. Besondere Aufmerksamkeit zollt sie ihrem Song “Me And This Gun“. Diese bittersüße Ballade scheint direkt aus dem Herzen von Nashville zu kommen. Allerdings ohne überflüssiges Arrangement. Festgelegt ist Suzie Candell nicht. Von Blues über Rock bis zu beschwingtem Honky Tonk, reichen die Songs im Mittelteil des Albums. Dann folgt der Titel, der dem Album den Namen gab. “Restless“ ist eine Liebeserklärung par excellence. Das Album “Restless“ macht richtig Freude und man kann nur hoffen, dass Suzie Candell noch einige Titel mehr in der Schublade hat. Das war mal richtig Country Music aus Europa.

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The Shires – Good Years

(VÖ: 13.03.2020)

Am neuen Album des britischen Duos The Shires ist aus Sicht eines Country Pop Fans nichts auszusetzen. Radio Play garantiert. Natürlich haben sich Ben Earle und Chrissie Rhodes nach Nashville begeben, um dort ihr neues Werk zu produzieren. Dementsprechend überproduziert ist es dann auch. Pop Music durch und durch. Erklingt dann mal die eine oder andere Ballade, ist man oft an bekannte Vorgänger erinnert. Das ständige Treiben der Drums ist man schnell leid. Bemerkenswert, dass es im Mutterland des Beat und herausragender Pop und Rock Music Giganten, Musiker wie The Shires gibt, die sich an Country Music anlehnen wollen.

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Sons Of The Pioneers – The Lost Masters

(VÖ: 13.03.2020)

Ein kleines Schatzkästlein für Freunde der “uralten“ Western Music ist mit dem Album “The Lost Masters“ von den Sons Of The Pioneers geöffnet worden. Unter dem Label Country Rewind erschien diese Zusammenstellung von 16 Titeln, die die Fans dieser besonderen Musik erfreuen möchte. Und nur die Fans dieser Musik. Unendliche B-Western Movies wurden mit den Melodien der Vokalgruppe um Bob Nolan und seinerzeit Roy Rogers untermalt. Heutzutage ein Relikt beinahe aus der Urzeit.


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Kelsea Ballerini -Kelsea

(VÖ: 20.03.2020)

Ja, Ja, in die Fußstapfen oder in eine Nachfolge von Taylor Swift zu kommen, wünschen sich sicherlich viele junge Interpretinnen. Kelsea Ballerini scheint da eine klare Zielrichtung zu haben. Ihr drittes Album, welches mit Ihrem Vornamen betitelt, den Eindruck vermitteln soll, dass es hier um ihr persönlichstes Album geht, hält mit seinen 13 Titeln jede Menge Pop Music bereit. Hier und da schleicht sich ein Pop Country Titel, wie “Homecoming Queen“ hinein. “The Other Girl“ mit der Unterstützung durch Schwester Halsey demonstriert computergestützten Pop Einheitssound, der mit Country Music so gar nichts zu tun hat. Da hilft es auch nichts, dass Kenny Chesney beim Duett “Half Of My Hometown“ seine Finger an Titel gelegt haben soll und für etwas Country Feeling sorgte. Selbst gute Ansätze zu einer Ballade wie bei “Love Me Like A Girl“ werden dem Drum Computer geopfert. Damit ist die Zielgruppe klar umgrenzt. Ob das tatsächlich gute Pop Music ist, wird sich zeigen.

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Jim Lauderdale – When Carolina Comes Home Again

(VÖ: 06.03.2020)

Die Liste seiner Alben ist sehr lang, die Einträge in die Charts dafür sehr kurz. Damit ist klar, dass es Jim Lauderdale bei seiner Musik nicht um Mainstream und Radio Play geht. Er ist ein hochgeachteter Songschreiber, dessen Titel oft genug für andere Stars zu Hits wurden. Ihm brachte es mehrere Grammy Auszeichnungen ein. Sein Album “From Another World“ aus dem Vorjahr setzte auf E-Gitarren Sound und war Americana näher als Country. Mit den 13 Titeln seines neuen Albums “When Carolina Comes Home Again“ verkörpert Jim Lauderdale den Typ des traditionellen Country Music Interpreten. Da werden Country Music Titel mit klassisch eingespielten Banjo-, Mandolinen- und Fiddle Klängen untermalt und der nicht elektronisch aufgehübschte Gesang von Jim Lauderdale, vermittelt eine besondere Geradlinigkeit. Hinzu kommt, dass er ein ausgezeichneter Gitarrist ist. “When Carolina Comes Home Again“ ist tatsächlich ein “Wieder nach Hause kommen“. Dabei gilt Jim Lauderdale unter anderem als ein Wegbereiter der Musikrichtung, die heute Americana genannt wird. Experimente scheinen ihn immer wieder zu reizen. Wenn er bei “It Just Takes One To Wonder“ einen schlageresken Two Step zelebriert oder bei “Cackalacky“ mit leicht schrägem Gesang die traditionelle Musik feiert, kann man nachvollziehen, warum er unangepasst seinen eigenen Weg zu gehen weiß. Das ist erfrischend anders und kommt ohne Computer Gedöns hervorragend aus. “You’ll Have To Earn It“ lässt einen beschwingten Walzer erklingen, “You’ve Got This“ einen Bluegrass Titel und “Mountaineer“ erzählt eine Geschichte wie für Camp Fire erfunden. Da lässt der Meister einmal ausgiebig seine Gitarre sprechen. Bei “Spin A Yarn“ ist man an seinen Chef Partner Ralph Stanley erinnert, bei dessen Clinch Mountain Boys er mitspielte. 13 Titel, die Country Music vom Feinsten transportieren, lassen das Album “When Carolina Comes Home Again“ zu einer Reminiszenz an wirkliche Country Music werden. Dem gereiften Musiker muss man zu seiner Geradlinigkeit und seinem Widerstand gegen allzu moderne Produktionen gratulieren. Wer also einmal wieder Fiddle Sound, Banjo, Mandoline und Gitarre in ausgiebigen Soli hören möchte, ist hier genau richtig. So muss Country.

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Hailey Whitters – The Dream

(VÖ: 28.02.2020)

Oft stecken hinter den großen Erfolgen der Big Player im Musikgeschäft die emsig arbeitenden Songschreiber, Arrangeure und Produzenten, die aus dem Songmaterial einen Hit machen, Hailey Whitters ist solch eine fleißige Schreiberin, die, ob nun autobiografisch oder nicht, mit dem ersten Song, “Ten Year Town“ auf ihrem Album “The Dream“, die Gefühlswelt der Musiker/innen und Intepret/innen beschreibt, die Tag für Tag auf ihren Durchbruch warten und trotz aller Frustrationen die Hoffnung nicht aufgeben. Ein gelungener Einstieg in ein Album. Nachdenklich und melancholisch ist auch “Red Wine And Blue“. Hailey Whitters, die aussieht wie die jüngere Ausgabe von Miranda Lambert, trägt diesen Song mit einer Girlie Stimme vor, die aber über viel Bitterkeit verfügt. Mit “Dream Girl“ wird dann auch ein Girlie Thema intoniert. Eine Barbekanntschaft gibt bei “Janice At The Hotel Bar“ einige Lebensweisheiten preis und bei “The Devil Always Make Me Think Twice“ beschreibt Hailey Whitters, dass man oft wieder besseren Wissens handelt. 12 Titel einer ganz sicher talentierten Songschreiberin haben jede Menge, auch manchmal trauriges, Unterhaltungspotential. Musik ganz unaufgeregt, die die Texte im Vordergrund belässt und eine Stimme, die so unfertig und dennoch so wissend klingen kann. “The Dream“ von Hailey Whitters ist ein feines Album, welches mehrere Annäherungen durchaus benötigt. Mit einer Aneinanderreihung von “Kalendersprüchen“ im letzten Titel “Living The Dream“ endet “The Dream“ und wird beinahe zu einem Konzeptalbum.

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Midland – Live From The Palomino

(VÖ: 28.02.2020)

Wer diese Band nicht gern einmal live erleben möchte, hat das immense Potenzial des texanischen Trios noch nicht schätzen gelernt. Das Album “Let It Roll“ und die gleichnamige Tour zementierten 2019 den Ruhm der Musiker aus Texas. Im legendären Palomino Club in Kalifornien wurde dann das vorliegende Live Album aufgenommen. Tolle 10 Titel, tolle Musik, tolle Stimmung und zurück bleibt das blöde Gefühl, nicht dabei gewesen zu sein. So herrlich traditionell und dennoch so frisch präsentiert, haben Cameron Duddy, Jess Carson und Frontmann Mark Wystrach eine Form gefunden, Country Music auf ganz hohem Niveau einzuspielen, welche alle Lügen straft, die sagen, dass traditionelle Country Music ausgedient hat. Man muss halt wissen, wie man diese Musik verpackt. Kamen die Songs auf dem Album noch sehr “Retro“ daher, so ist dieser Live Mitschnitt ein mitreißendes Erlebnis. Jetzt warten die Fans auf eine Fortsetzung. Hoffentlich nicht zu lange.

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Hayseed Dixie – Blast From The Grassed

(VÖ: 14.02.2020)

Hayseed Dixie ist die Band, die provozieren will. Die seit ihrem Debütalbum “A Hillbilly Tribute To AC/DC“ mit welchem sie Rock Titel mit elektrisch verstärkten Instrumenten in “Rockgrass“ transformierte, einen eigenen Weg geht. Ihre Musik wird mal als Rockgrass, dann als Comedy Rock oder Parody Bluegrass beschrieben. Spaß haben die Musiker sicher. Im neuen Album “Blast From The Grassed“ haben sie diesmal 12 Pop Klassiker aufs Korn genommen. Von “Africa“ über “Staying Alive“ und “Tainted Love“ bis “Dancing Queen“ und “Eternal Flame“ reichen die sicher nicht immer ernst gemeinten Neubearbeitungen durch Hayseed Dixie. Wem’s gefällt. Musikalisch auch recht gekonnt in Szene gesetzt, kann solche Musik bestimmt für eine pfundige Party taugen. Mit Country Music oder Bluegrass hat das aber absolut nichts zu tun. Schnell weiterschalten.

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Brent Cobb – No Place Left To Leave

(VÖ: 07.02.2020)

Von der Neuveröffentlichung seines Albums “No Place Left To Leave“, welches bereits 2006 als Download veröffentlicht wurde, verspricht sich der Singer/Songwriter Brent Cobb endlich die Aufmerksamkeit, die seine Musik verdient. Er ist ein Southern Rocker, was er auch gleich zu Beginn mit dem Opener „Richland“ lautstark unter Beweis stellt. Doch gleich mit dem Titelsong, gleitet er in eine Americana Ballade, die geschmeidig bleibt. Auch als Outlaw lässt sich der Mann aus Georgia gern bezeichnen. Seine Musik ist unangepasst, autark und nicht hitgetrieben. Dennoch hat sich Brent Cobb als Songschreiber für etliche Top Interpreten wie etwa Luke Bryan, Kellie Pickler, Kenny Chesney, Miranda Lambert, Little Big Town, The Oak Ridge Boys einen Namen gemacht. Mit dem Titel “Bar, Guitar And A Honky Tonk Crowd“ macht er klar, was ihm besonders am Herzen liegt. Wer dabei aber an eine feine Honky Tonk Music denkt, wird überrascht sein über die fetten Gitarrenriffs und die unverhohlene Rock Music. Mit “Dirt Road In Georgia“ hat er eine Ballade im Gepäck, die die weiche Seite von ihm zeigt. Eine Hommage an seine Heimat. “Black Creek“ ist dann gute Singer/Songwriter Music, von akustischer Gitarre begleitet. Das Album schließt mit einem reinen Blues. “Hold Me Closely“ verklingt und eine gute halbe Stunde intelligenter Musik endet. Die Wiederveröffentlichung dieses Albums hat, gerade in unserer Neuzeit, absolut eine Berechtigung.

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Lukas Nelson & Promise Of The Real

(VÖ: 25.08.2017)

Bereits drei Jahre alt ist das Album “Lukas Nelson & Promise Of The Real“ welches den Namen der Band trägt, mit der der Sohn von Willie Nelson schon seit einigen Jahren Musik macht. Natürlich trägt er schwer an den ständigen Vergleichen mit dem “Übervater“. Aber er hat die Skills des herausragenden Gitarre Spielens geerbt und weiß damit eindrucksvoll umzugehen. Gleich zu Beginn dauert der Opener “Set Me Down On A Cloud“ einmal über sieben Minuten. Hier ist eine Rockband am Werk, die zunächst die Begleitband von Neil Young war. Hat man die ersten Titel des Albums gehört, erstaunt die stimmliche Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn nicht mehr und man kann Lukas Nelson mit voller Aufmerksamkeit zuhören. Unangepasst ist auch er in seiner Musik, die sich an keine Regeln zu halten scheint. Blues, Rock, American Chanson, Jazz und was auch immer findet man in Sequenzen, auch bei Balladen wie “Just Outside Of Austin“. Der Song “Carolina“ kommt als Rumba daher und ist wohl mit Schmunzeln arrangiert. “Runnin‘ Shine“ ist eine ganz fein produzierte Ballade, die sehr autobiografisch ist. Damit man nicht allzu sehr in Country Music versinkt, hat Lukas Nelson dann mit “Find Yourself“ einen R&B Knaller auf das Album gepackt. Und so wechseln die Genres mit mancher Überraschung und man hat nach den 12 Titeln jede Menge von dem musikalischen Erbe, welches Lukas Nelson in sich trägt, aufgesogen. Sehr anspruchsvoll bisweilen und alles andere als Chartmucke.

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Eleven Hundred Springs – Here ‘Tis

(VÖ: 17.01.2020)

Mit seiner Band Eleven Hundred Springs hatte sich 1998 Frontmann, Sänger, Gitarrist und Bandleader Matt Hillyer sein persönliches Herzensprojekt realisiert. In der Folgezeit wechselten die Besetzungen der Band, da Matt immer auf der Suche nach noch perfekterem Sound war. Heutzutage sind als Musiker, neben Matt Hillyer (lead guitar, lead vocals) noch Steven Berg (upright and electric bass, backing vocals) noch Jordan Hendrix (fiddle), Chad Rueffer (lead guitar, backing vocals, some lead vocals), Ray Austin (steel guitar, dobro) und Christian Dorn (percussion) bei Eleven Hundred Springs an Bord. Mittlerweile gibt es mit “Here ‘Tis“ das 14. Album der Band aus Texas. In einer Rezension war zu lesen: “es gibt Bands, die spielen Country Music und es gibt Country Bands.“ Eleven Hundred Springs gehören eindeutig zur ersten Kategorie. Songwriting, Instrumentierung, Arrangement, alles ist Country Music. Aber Vorsicht für alle Fans der modernen, rockorientierten, chartstürmenden Songs, die oft am Rand dessen rangieren, was man Country Music nennen darf. Hier erklingt Musik, wie Country Music in vergangenen Jahrzehnten klang, die vor allem in den Honky Tonks in Texas die Menschen zum Tanzen und Abfeiern animierte. Gleich zu Beginn, bei “This Morning It Was Too Late“, wird man über vier Minuten mit einer Ballade verwöhnt, die auf Text setzt und zum Träumen verleitet. “Here ‘Tis“ bietet “nur“ 10 Titel, dafür aber laden wunderbar ruhige Laid Back Arrangements zum Zuhören ein oder Swing und Two Step lassen die Tanzbeine unruhig werden. Wie heißt es im Titel “Looking Back“? „Wenn ich zurückblicke, ich würde nichts ändern.“ Hoffentlich gilt das auch für diese Musik, damit wir auch in Zukunft daran erinnert werden, wie wunderbar entspannend Country Music sein kann. Da stört kein übertriebenes Arrangement, man hört einfach nur die Band spielen. Da dürfen Fiddle und Steel Guitar ungehindert Melodien führen und ein einfaches Drums Equipment bleibt unaufgeregt relaxt. Welch feine 35 Minuten Entspannung mit feiner Musik!

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Frank Foster – The Way It Was

(VÖ: 10.01.2020)

Kurz vor seinem 30. Geburtstag hatte Frank Foster wohl genug von seinem Job als Arbeiter bei einer Ölfirma. Er startete eine Profikarriere als Singer/Songwriter in seiner Heimat Louisiana. Nun hat er mit “The Way It Was“ sein achtes Album am Start. Er geht seinen Weg als unabhängiger Künstler mit eigenem Verlag und eigenem Management. Das macht ihn frei von Beeinflussung und frei vom Diktat der Radiostationen. Das merkt man seiner Musik auch an. Das Album beginnt mit “Sunday Dinner“ und einem Orgel Intro. Das geht in eine, von Piano begleitete, 2 Minuten Ballade über, die ein sonntägliches Mittagessen mit Gebet in der Familie beschreibt. Mit dem Titelsong “The Way It Was“ wird diese Retrospektive noch einmal unterstrichen und auch die Musik versetzt die Hörer in eine Zeit, die an die eigene Jugend erinnert. Klar, dass Frank Foster seiner Heimat, den Südstaaten, mit dem Song “Sweet Home Dixie“ eine Hommage widmet. Mit dem “Prison Song“ wandelt sich Stimme und Ausdruck. Ein fetter Blues dringt rockig aus den Lautsprechern. Doch gleich darauf sind die Balladen “A Few More Miles“ und das vier Minuten Werk “Old Friend“ wieder im Erzählmodus mit ganz entspannter Musik. Das toppt Frank Foster noch mit seiner fünf Minuten Ballade von “Katie And Bobby“, ein Titel, der mit einem besonderen Gitarren Sound für eine sphärische Atmosphäre sorgt. Zum Schluss hat Frank Foster noch eine Raw Version in petto. Ein lustiger Schluss eines beeindruckenden Albums. Wie schön, dass es solche Künstler gibt. Gern mehr davon.

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Hawktail – Formations

(VÖ: 10.01.2020)

Fiddlerin Brittanny Haas, Bassist Paul Kowert, Gitarrist Jordan Tice und Mandolinist Dominick Leslie sind die Instrumentalisten der Formation Hawktail. Diese vier außergewöhnlichen Musiker treiben ihre Virtualität in ungeahnte Höhen. Was da in den sieben Titeln des Albums “Formations“ erklingt, ist konzertante Akustikmusik auf Weltmeisterniveau. Sieben Instrumentaltitel mit einer Gesamtlänge von 36 Minuten lassen die Herzen von Fans akustischer, traditionell gegründeter Musik höherschlagen. Ein hoher Anspruch scheint den Instrumentalvirtuosen als Maxime zu gelten. Man hört und staunt. Allerdings ist diese Art von Musik nur etwas für absolute Fans. Sehr speziell, aber unglaublich gekonnt. Ein Geheimtipp also.

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Little Big Town – Nightfall

(VÖ: 17.01.2020)

Die Messlatte haben sich die vier Mitglieder der Band Little Big Town in den vergangenen Jahren selbst sehr hochgelegt. Mit dem Album “Nightfall“ soll die Karriere der Country Pop Band aus Alabama fortgesetzt werden. Mit “Next To You“, der Liebesbezeugung, dass man besser schläft, wenn der Liebste nebenan liegt, beginnt das Werk. Nach drei Minuten ist der Song erzählt. Die Produzenten haben dann noch ein über eine Minute dauerndes Ooh, Ooh, Ooh-Outro angehängt und damit den Song endgültig in die Pop Music katapultiert. Auch der Titelsong “Nightfall“ kann den Bezug zu Country Music nur schemenhaft andeuten. Drum Computer, flaches Arrangement und ein Text, der wenig Aussagekraft besitzt, das ist Pop Musik par excellence. Bis als fünfter Titel “Over Drinking“ erklingt, sucht man Country Music vergebens auf dem Album “Nightfall“ von Little Big Town. Doch die aufkeimende Hoffnung auf echte Country Music wird mit dem Titel “Wine, Beer, Whiskey“ zunichte gemacht. Dieses Bro-Monstrum könnte jede Party kurz vor dem Koma untermalen. Mit “The Daughters“ keimt noch einmal Country Music auf. Darin wird die Frage gestellt, ob es neben dem Gottvater und dem Sohn auch einen Gott für Töchter gibt. Zu allgegenwärtig scheinen die gesellschaftlich festgezurrten Verhaltensregeln für Töchter. Ähnlich “Sugar Coat“. Da wird eine bittere Klage über das Leben geführt. Also, geht doch. Für ein Country Music Album ist das aber zu wenig. Schaut man aus dem Blickwinkel der Pop Musik auf “Nightfall“ von Little Big Town, hat man ein tolles Album eines top abgestimmten Gesangsquartetts vor sich. 13 Titel bieten eine Menge ausgefeilter Arrangements und die Pop Musik Fans werden die Ausflüge in die Country Music sicher tolerieren. Country Fans wissen, dass die wenigen Top Ten Platzierungen von Little Big Town in den Country Charts ihren Grund haben.

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Phil Vassar – Stripped Down

(VÖ: 17.01.2020)

Seit mehr als 20 Jahren versorgt Phil Vassar seine Fans mit gefühlvollen und geschmeidigen Balladen. Seine erfolgreichsten Titel, “In A Real Love“ und “Just Another Day In Paradise“ liegen nun auch schon beinahe zwei Jahrzehnte zurück. Er ist immer noch da und ist sich und seiner Musik treu geblieben. So ist auch sein neues Album “Stripped Down“ geprägt durch konzertant arrangierte Balladen. Das kann er halt am besten. Aber er kann auch rockiger wie bei “Perfect World“ oder bei “Takes Me Back Again“. Doch dabei ist er immer noch recht geschmeidig anzuhören. Die Nähe zur Pop Music ist bei ihm latent, lenkt aber nicht von „seiner“ Country Music ab. Mit seiner leicht angerauten Stimme transportiert er seine Texte eingängig. Im neuen Album gleichen sich die meisten der „nur“ 8 Titel doch sehr. Man bekommt das Gefühl von einer Endlosschleife. Nicht unattraktiv, aber wie aus einem Guss. Wie er selbst über sein Album sagt, sei Weniger oft Mehr. So seien die Songs die Essenz seines musikalischen Schaffens. Phil Vassar wollte sich und sein Piano möglichst unverstellt präsentieren. Dann sagt er etwas, dass man heutzutage nur zweimal unterstreichen kann: „Wir neigen in Nashville zu Überproduktionen, einfach weil wir es können und ich denke, das ist etwas außer Kontrolle geraten. Ich wollte etwas tun, was Garth Brooks in Las Vegas getan hatte. Nur er und seine Gitarre.“ Übertragen auf Phil Vassar bedeutet das, nur er und sein Piano. Obwohl ihn bei der Single “This Is Where The End Starts“ seine Tochter Haley als Gesangspartnerin unterstützt. “Stripped Down“ mag für die Fans ein Highlight sein. Allerdings droht solch eine Produktion im großen Topf der Mainstream Music unterzugehen.

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Sideline – Breaks To The Edge

(VÖ: 10.01.2020)

Nach dem vielbeachteten Vorgängeralbum der Bluegrass Formation Sideline “Front And Center“ liegt nun das aktuelle Werk “Breaks To The Edge“ vor. In den Bluegrass Alben Charts steigt das Album unaufhörlich dem Spitzenplatz entgegen. 12 Titel, wieder abwechslungsreich zusammengestellt von Coverversionen bis zu Eigenkompositionen, sind ein Aushängeschild für Bluegrass Music. Nicht nur, dass die sechs Musiker allesamt absolute Könner an ihren Instrumenten sind, auch der Satzgesang, vom High Tenor bis zum knackigen Bass, ist von bester Qualität. Dabei verzichten Sideline auf experimentelle Ausflüge. So können alle Hörer an dieser Musik ihren Spaß haben. Sind auch die Inhalte oft gar nicht so fröhlich wie die Melodien es suggerieren, die hohe Geschwindigkeit mit der viele Titel eingespielt sind, lassen keine Langeweile aufkommen. Mit “Diggin‘ My Own Grave“ geht es fulminant los und Sideline zeigen gleich einmal, welche Könner da zu Werke gehen. Danach folgt die für Radio Play ausgekoppelten Single “Return To Windy Mountain“, in welcher das Landleben besungen wird. Mit “Southern Wind“ findet sich auf dem Album “Breaks To The Edge“ von Sideline eine ganz feine Ballade, die einmal nicht von der Bluegrass Power getrieben ist. Das Album endet mit “Down In The Willow Garden“, einer rabenschwarzen Mörderballade, die alle großen Bluegrass Formationen wie etwa Flatt & Scruggs oder The Stanley Brothers im Programm hatten. Traditioneller geht’s nicht und ist dennoch frisch erzählt und eingespielt. Zwölfmal Bluegrass vom Feinsten, zwölfmal Spaß beim Hören. Was will man mehr? Ach ja, die Musiker gehören vorgestellt. Steve Dilling am Banjo, Jason Moore am Bass, Skip Cherryholmes an Gitarre und Mandoline, Zack Arnold an Gitarre und Mandoline, Jamie Harper an der Fiddle und Jakob Greer an Gitarre und Gesang blicken auf eine lange Karriere als Musiker zurück. Das dringt aus jedem Song der Gruppe Sideline. Absolut empfehlenswert.

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White Owl Red – Afterglow

(VÖ: 26.02.2020)

Freunde des Genres Americana dürfen sich auf das vierte Album von Singer/Songwriter Josef McManus freuen. Sein musikalisches Soloprojekt hat er White Owl Red genannt und das neue Album heißt “Afterglow“. Mit dem Titelsong geht es auch los. Dann reihen sich die musikalisch erzählten Geschichten wie Perlen auf der Schnur aneinander. Die Mischung aus Americana, Indie Rock, Folk und Country macht die Musik von White Owl Red so interessant. Da steht jemand für seine Auffassung von Musik aufrecht und schielt nicht unbedingt auf Radio Play. Das verspricht eine kurzweilige halbe Stunde Unterhaltung. Von “Hell And The Blues“, “I Walk The Line (For You)“, den konzertanten Balladen “Through Is Through“ und “Wake Up“ bis zum Schlusstitel “Working Class Heroes“, sind das ohne Ausnahme eigenwillige und in ihrer Darbietung herausragende Songs. Für die musikalische Ausgestaltung hat sich Josef McManus etliche Gastmusiker eingeladen. Gesanglich etwas Unterstützung hatte er durch Tonia Smith und Reggae Singer Sage Grey. Der eigene Gesang ist nicht perfekt, passt aber zum Gesamtkonzept, dem Eitelkeiten fern zu liegen scheint. “Afterglow“ muss man mehrfach hören um die Gedanken des Künstlers nachzuvollziehen. Ein Nachglühen ist also durchaus gewünscht.

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Ronnie Dunn – Re-Dunn

(VÖ: 10.01.2020)

Lässt man mal außen vor, dass Ronnie Dunn mit Partner Kix Brooks vom Anfang der 1990er Jahre bis tief in das erste Jahrzehnt der 2000er Jahre die Charts zu ihrem Wohnzimmer machten und sich vor Preisen und Ehrungen als bestes Country Music Duo nicht retten konnten und außer Acht lässt, dass die “Wiedervereinigung“ der beiden Musiker nach mehr oder weniger erfolgreichen Solokarrieren mit dem Album “Re- Boot“ in 2019 nur ein kurzes Aufflackern längst vergangener Zeiten zuließ, ist die Veröffentlichung eines “Re-Dunn“ Albums auf den ersten Blick nicht verlockend. Doch weit gefehlt! Zum einen singt da nicht irgendwer, sondern einer der besten Sänger der Country Music. Zum anderen ist die Songauswahl etwas ganz Besonderes. 24 (!) Titel, die von der Popschnulze “It Never Rains In Southern California“ aus 1972 und “Long Cool Woman (In A Black Dress)“, dem Hollies Titel aus der gleichen Ära bis hin zu Eric Claptons “Wonderful Tonight“ oder “I’m Not In Love“ von der Gruppe 10 CC einen ganz großen Bogen schlagen. Ganz bewusst hat Ronnie Dunn die Cover Songs aufgenommen. Allesamt Klassiker von ihm neu interpretiert und, wie von ihm gewohnt, beeindruckend eingesungen. Ursprünglich sollte es ein reines Rock Song Cover Album werden. Aber Ronnie Dunn konnte doch nicht ganz ohne Country Music. Dann fanden so wunderbare Titel wie “Amarillo By Morning“ oder “The Cowboy Rides Away“, die George Strait Nummern oder “Drinking Thing“, “Ashes By Now“, “Ridin‘ My Thumb To Mexico“, “I Can’t Help It (If I’m Still In Love With You), “Together Again“ oder “That’s The Way Love Goes“ Eingang in die Tracklist. Okay, das Album ist nur zum Teil Country, sogar die Country Cover Songs sind manchmal aus ihren ursprünglichen Komfortzonen herausgeholt worden. Aber es ist immer ein Genuss, dieser Stimme zu lauschen. Dazu ist die tolle Mischung der vielen Titel Garant für einen kurzweiligen Musikabend. Mag es wieder die Fans geben, die sich mehr Country Music von Ronnie Dunn gewünscht hätten, wer bei “Peaceful Easy Feeling“ in der Interpretation von Ronnie Dunn nicht ins Träumen gerät, dem ist einfach nicht zu helfen. Eine tolle Überraschung ist das Album “Re-Dunn“. Hoffentlich gibt es in Zukunft wieder ein „redone“.

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Michael Ray Fain – Country Side

(VÖ: 01.01.2020)

In einer Zeit, in der zum einen immer mehr Künstler sich keine eigene Website leisten, sondern lediglich auf Facebook, Instagram und Co. zu entdecken sind und in einer Zeit, in der es immer mehr Missbrauch mit persönlichen Daten gibt, haben Fans es außerordentlich schwer, sich über etliche Künstler ihrer Wahl zu informieren. So auch im vorliegenden Fall. Wer ist Michael Ray Fain? Wo kommt der Mann her? Welchen Hintergrund hat er als Musiker? Ist das Album “Country Side“ sein Debütalbum? Fragen über Fragen. Das alles ist aus Europa kaum zu beantworten. Michael Ray Fain stammt aus Virginia und hat mit dem Album “Country Side“ ein mit 8 Titeln knapp gehaltenes Werk vorgelegt. Dafür steckt in dem Werk drin, was der Titel vermuten lässt. Traditionelle Country Music. Seine Qualitäten als Sänger sind nicht überragend und manches Arrangement, wie bei “Lil Miss Hollywood“ strapazieren die Zuhörer etwas. Ob man einen Titel wie “Mason Jars & Guitar Strings über 6:21 Minuten ziehen muss, ist auch zu hinterfragen. “Love Will Find A Way“ ist ein Duett. Doch mit welchem weiblichen Part? Also, das klingt alles ein wenig nach einem Selbstverwirklichungstrip. Eine große Karriere wird es da nicht geben. Gehört, gewundert und vergessen.

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Joey Greer – Frontier

(VÖ: 01.01.2020)

Und wieder ein neuer Name, ein neues Gesicht, eine neue Stimme und kaum Infos dazu. Texaner ist Joey Greer und stammt aus einem sehr gläubigen Elternhaus, in welchem er schon sehr früh mit Musik in Verbindung kam.
Sein Album “Frontier“ umfasst 10 Tracks und ist eine Mischung aus Southern Rock und Country. Da geht es zum Teil heftig ab. “Two Steps Away“ etwa ist so ein Knaller. Manche Ballade ist intensiv und kraftvoll zugleich. Joey Greer hat eine Stimme, die diese verschiedenen Genres recht gut bedienen kann. Da fällt das Zuhören nicht schwer. Absolut radiotaugliche Songs hat er auf seinem Album “Frontier“ untergebracht. “Right Here With Me“ beispielsweise. Rockfans kommen bei “Good Enough“ auf ihre Kosten. Wenn zum Schluss die Hymne “How Great Though Art“ als Familienkooperation erklingt, ist ein großer Bogen durch verschiedene Musikrichtungen gespannt. Das sollte zukünftig etwas strukturierter und zielgerichteter angelegt werden und man wird sich auf weitere Produktionen von Joey Greer freuen dürfen.

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Chase Rice – The Album Pt. I

(VÖ: 24.01.2020)

Der ehemalige American Football Spieler Chase Rice hatte erste Beachtung mit seiner Auffassung von Country Music im Jahr 2012 nachdem er in einer Reality Show 2010 auf sich aufmerksam machte. Als er dann auch noch als Mitautor des Erfolgstitels “Cruise“ für Florida Georgia Line genannt wurde, war der Weg frei für eine eigene Karriere als Country Interpret. Mit “The Album PT. I“ lässt er sein viertes Album auf die Menschheit los. Um es gleich vorweg zu nehmen, Chase Rice ist ein Vertreter des Bro Country, des Rock-Pop Country und der es ganz unverhohlen auf Radioplay abgesehen hat. So strotzen seine Arrangements von allerlei Tricksereien und eingängigen fetten Beats. Wenn dann mal eine Ballade wie “Best Night Ever“ erklingt, ist sie mit einem “O-ho, he-O“ Chor hinterlegt und mit Echoeffekten verseucht. Das mag Disco Country Fans begeistern. Mit Country Music hat das aber nix zu tun. Das ist sehr schade. Da sich der O-O-O- Chor einfach nicht vertreiben lässt, ist dieses Album mit seinen 8 Songs nicht unbedingt in ein gut sortiertes Country Music Regal einzuordnen.

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Dustin Lynch – Tullahoma

(VÖ: 17.01.2020)

Dustin Lynch ist ein Country Music Interpret, der aus der Music Mafia Schule zu kommen scheint. 2012 legte er erste Spuren im Business von Nashville. Nach seinem 2017 er Album “Current Mood“ hat er nun sein viertes Album vorgelegt. “Tullahoma“ ist sein Heimatort unweit von Nashville. Seine Musik ist rockig angelegt und setzt auf Radioplay. Damit ist er nicht allein auf weiter Flur. Sowohl seine Songs als auch seine Stimme und vor allem das Arrangement der 11 Songs auf “Tullahoma“ sind verwechselbar uniformiert und bieten erst einmal keinen Punkt zum Aufmerken. Auch das Duett mit Lauren Alaina “Thinking ‘Bout You“ kann von den allzu absehbaren Beats und Effekten nicht ablenken. Selbst recht gut angelegte Balladen wie “The World Ain’t Yours And Mine“ werden kaputt getrommelt. Das ist Musik, die nicht für Kopfhörergenuss geeignet ist. Fette Partystimmung geht sicher. Mann, ist das schade, wenn gute Interpreten so einen gleichgeschalteten Sound produzieren, der von den angesagten Pop Interpreten nicht zu unterscheiden ist. So wird man der Country Music nicht gerecht.

Blake Shelton – Fully Loaded: God’s Country

(VÖ: 13.12.2019)

Das haben sich die Macher beim Warner Music Nashville Label fein ausgedacht. Kurz vor Weihnachten bringt man ein Album von Blake Shelton auf den Markt. Der Country Star, der zurzeit angesagt ist, wie kaum ein anderer und der mit der Single “God’s Country“ auch die CMA prämierte Single Of The Year 2019 am Start hatte. Also für die Gabentische sollte es das längst überfällige und, von den Fans erwartete, neue Album von Blake Shelton geben. Und dann das: von den 12 Titeln auf “Fully Loaded: God’s Country“ können die Fans nur fünf neue Titel ausmachen. Natürlich beginnt das Album mit “God’s Country“, einem Song, der sich Menschen außerhalb des “America First“ Landes eher schwer erschließt. Diesen Nationalismus bedient auch der Titel “Hell Right“ bei welchem Trace Adkins seine knackige Stimme beisteuert und der als Country Music ebenfalls schwer zu verdauen ist. Klar, dass sich die neue Frau an seiner Seite, Popsängerin Gwen Stefani, auch mit Blake Shelton auf dem Album platzieren darf. “Nobody But You“ heißt dieser Popsong, auf den man als Country Music Fan durchaus verzichten kann. Sodann folgen die bereits erwähnten sieben “alten“ Titel. Das kann man also überspringen. Bleiben noch die letzten beiden Songs auf dem Album. “Jesus Got A Tight Grip“ markiert dann endlich einen neuen Country Song, der trotz des poppigen Arrangements als Country durchgehen kann. Zum Schluss hat man den Partysong “Tequila Sheila“, den seinerzeit Bobby Bare auch nicht unter die Top Ten bringen konnte, auf das Album gequetscht. Die Version von Blake Shelton ist, mit der künstlichen Live Atmosphäre aufgemotzt, auch nicht gerade ein Knaller. Was haben sich die Macher bei Warner Music Nashville dabei gedacht? Aufmerksame Country Fans werden sich hier nicht die Münzen aus der Tasche ziehen lassen. Und “Fully Loaded“ sollte wohl die Kasse werden.

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Wade Hayes – Who Saved Who

(VÖ: 13.12.2019)

Schön, dass es wieder Musik von ihm gibt. Beinahe hat man Wade Hayes vergessen, der seit 2011 mit einer Darmkrebserkrankung zu kämpfen hat. Er war ja nicht weg und seit 2012, seit es ihm gesundheitlich besser ging, hat er 2015 mit “Go Live Your Life“ und 2017 mit “Old Country Song“ zwei Alben veröffentlicht. Nun also das neue Werk “Who Saved Who“, welches mit 10 Titeln ganz konservativ ausgestattet ist. Mit “Ex Factor“ beginnt es gleich rockig, wie man es von ihm gewohnt war. Doch schon “Beautiful Mess“ und der Titelsong “Who Saved Who“ lassen gefühlvolle Balladen erklingen. Dabei klingt die Stimme von Wade Hayes brüchig und voller Wissen, dass im Leben nicht immer alles wunschgemäß verläuft. “Honky Tonk In Texas“ swingt dann den Blues fort und bringt mehr Schwung. “Just Call Me Lonesome“, der Radney Foster Titel aus 1992 folgt und leitet eine Reihe richtiger Country Music ein. “Ask That Girl To Dance“, “She Made It Look Easy“, “Behind This Guitar“ und “Revelation“ lassen Erinnerungen wach werden, an eine Zeit, in der Country Music noch nicht von Rock und Pop aufgesogen wurde. Es ist ein Manko unserer Jetztzeit, dass solche Musik die Charts nicht erobern wird. Aber für Fans ist “Who Saved Who“ ganz sicher eine feine Bereicherung der eigenen Musiksammlung. Es ist Wade Hayes absolut zu gönnen, dass er mit seiner Musik eine gute Zukunft vor sich hat. Er weiß ganz sicher, wie schnell sich das Blatt wenden kann.

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Tracy Byrd – Live At Billy Bob’s Texas

(VÖ: 08.11.2019)

Als der Ansager im angeblich weltgrößten Honky Tonk Saloon in Fort Worth, Texas, mit Tracy Byrd den Star des Abends ankündigte, konnten sich die Gäste auf eine geballte Ladung Country Music freuen. Den Livemitschnitt dieses Konzertes gibt es nun auch auf Tonträger. Nach dem Opener “It’s About The Pain“ geht es gleich weiter mit dem gescheiterten Versuch sich mit Jose Cuervo anzulegen. Mit dem gleichen Drive feuert Tracy Byrd dann noch “I’m From The Country“ ab. Aber auch ruhig und melancholisch kann der Texaner erklingen. “I Wanna Feel That Way Again“ ist solch eine feine Ballade. Ja, dieses Livealbum bringt keine Überraschungen. Es ist ein Konzert, in welchem die größten Hits von Tracy Byrd aus der Zeit zwischen 1992 und 2003 noch einmal aufleben. Seine einzigen beiden Nummer Eins Erfolge, “Ten Rounds With Jose Cuervo“ und “Holdin‘ Heaven“ fehlen ebenso wenig, wie seine Top Ten platzierten Titel. Beeindruckend ist seine Stimme und die Performance, die absolut professionell, beinahe in Studioqualität, das Publikum mitreißt. Einziger Wermutstropfen sind die teilweise recht abrupt endenden Titel. Das Publikum vor Ort war dermaßen frenetisch, dass es wohl recht schwierig war, sanftere Fade Outs zu generieren. Dennoch gibt dieses Album einen, über eine Stunde währenden, Eindruck einer Country Music, aus einer Zeit als Country Music den Namen noch verdiente. Tracy Byrd ist sich und dieser traditionell gegründeten Musik in all den Jahren treu geblieben. Das mag der Grund dafür sein, dass er nach der Jahrtausendwende die Charts nicht mehr erstürmen konnte. “Keeper Of The Stars“, “Drinkin‘ Bone“, “Don’t Take Her She’s All I Got“ und “Watermelon Crawl“ sind die letzten Titel des Albums “Live At Billy Bob’s Texas“ von Tracy Byrd. Wenn die Fans sicherlich auch alle seine Erfolgstitel auf seinen Studioalben bereits im Regal haben, hier wünschte man sich, auch dabei gewesen zu sein. Man kann die begeisterte Stimmung der Menschen im Billy Bob’s sooo gut nachvollziehen.

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TJ Walker – The Long Game

(VÖ: 15.11.2019)

TJ Walker hat sein Debütalbum “The Long Game“ auf den Markt gebracht. Gleich beim ersten Titel “Cowboy Outta Me“ hört man aufmerksam zu. Country Music ohne Frage, doch irgendwie klingt das anders. Kein Wunder, kommt der Multiinstrumentalist, der sein Musikverständnis von den Eltern vererbt bekam, doch aus „dem tiefen Süden, des…vereinigten Königreiches von Great Britain. So jedenfalls auf seiner Homepage nachzulesen. Die Liebe zur Country Music ereilte ihn, als er seine Flitterwochen in Arizona verbrachte. Aber seine musikalischen Wurzeln lassen TJ Walker recht experimentell an die Country Music herangehen. „Ich tat mein Bestes um die Titel so zu gestalten, dass sie zum Nachdenken anregen, sie interessant zu machen oder auch lustig. Ich mag es Geschichten zu erzählen oder mit überraschenden Wendungen zu versehen.“ So sind seine Songs auch mal richtig Country und dann wieder Americana oder schlicht Singer/Songwriter Material. Hinzu kommt seine Virtuosität an den verschiedenen Saiteninstrumenten. Das Arrangement seiner zehn Songs auf “The Long Game“ verzichtet auf überzogene Effekte. Da stehen Text und Melodie im Vordergrund. Wie der Titel schon ausdrückt, ist “Funky Country Boy“ ein Experiment, ein Hybrid aus Funk und Americana. Auch bei den meist über vier Minuten dauernden Spiellängen seiner Titel geht TJ Walker seinen eigenen Weg. Mag seine hohe Stimme nicht jedem behagen, interpretiert er aber akzentuiert. “Coming Home“ markiert eine Musik, die an die Pop Ära der 1960er Jahre erinnert und dennoch einen Country Song präsentiert. Mit “The Long Game“ hat TJ Walker ein gelungenes Debüt hingelegt. Hat man sich einmal eingehört, bieten die zehn Songs eine wohltuend

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Brett Kissel – Now Or Never

(VÖ: 01.01.2020)

Knapp hat Brett Kissel sein achtes Album “Now Or Never“ gehalten. Nur acht Songs umfasst das Werk, welches fulminant mit “Drink About Me“ beginnt. Dann folgt mit “A Few Good Stories“ eine Country Pop Ballade von der Stange. Erwartungsvoll begegnet man dem nächsten Titel, “That’s Country Music“. Na endlich jemand, der einem erklärt, dass Country Music die Geschichten aus dem echten Leben der Menschen erzählt. Genial, dass darauf noch niemand gekommen ist. Mit Wumm, Wumm, Wumm geht es bei “Young Enough“ weiter und zielt auf Radioplay. Das bekommt dann noch eine Pop-Steigerung in “She Drives Me Crazy“ mit der Gesangerweiterung von Crazy durch Crai-ai-ai-ai-ai-aisy. Oh Mann, was ein Käse. Das folgende “Hummingbird“ ist dann etwas beruhigender aber immer noch ein Leichtgewicht. Der Versuch den Klassiker “If You See Her/If You See Him“ von Brooks & Dunn und Reba McEntire mit dem Titel “I’m Not Him, I’m Not Her“ als Duett von Brett Kissel und Christine Taylor zu kopieren, ist zwar zu offensichtlich, markiert aber dennoch einen der besseren Songs auf dem Album “Now Or Never“. Schade, der achte Versuch ein Publikum von sich und den zweifelsohne vorhandenen Gesangsqualitäten zu überzeugen, ist nicht gelungen. Brett Kissel, nie gehört? Wenn das so weiter geht, wird es auch so bleiben.

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Duke Weddington & Higher Ground Bluegrass – Auburn Sky

(VÖ: 27.12.2019)

Bluegrass Fans werden bei dieser Musik ins Schwärmen geraten. Wann gibt es schon einmal ein Album mit 10 Instrumentals? Fast nur Instrumentals. Bei “Maiden Mollie/Mollie In The Glens“ ist der Gesangspart eingebaut und notwendig. Dafür unverkennbar die Herkunft aus der “alten Welt“. Keltische Klänge, pur und unverstellt, etwa bei “Tears In The Wind“, stellen das Grundgerüst des Albums “Auburn Sky“ dar. Und das von einer Formation aus New Mexico? Alles an diesem Album ist außergewöhnlich und damit umso bemerkenswerter. Die traditionellen Melodien in der Bearbeitung von Duke Weddington streicheln die Ohren und die Seele gleichermaßen. Dafür verantwortlich sind die tollen Musiker neben Ken „Duke“ Weddington (Banjo) sind das Laura Leach Devlin (Bass), Patrick Mahoney (Fiddle), Dave Devlin (Resophonic Guitar) und Fred Bolton (Guitar). Mitgewirkt haben außerdem Char Rothschild (Uilleann Pipes, Whistle), Ian Fleming (Lead Guitar), Nikelle Gessner-Garcia (Fiddle), Bob Gray (Mandolin) und Dain Forsythe (Bodhran). Eine gute halbe Stunde feinster Musik ohne Gedröhne und Dauerbeatbeschallung, was kann es Entspannenderes geben? Gleich zu Beginn haben Banjo und Gitarre einen kleinen Dialog und stimmen auf die folgenden Titel ein. Das ist Bluegrass in einer, für alle Fans guter Musik verdaubarer, Präsentation. Gäbe es doch mehr davon.

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Jesse Friszell – Rose Gold Renegades

(VÖ: 20.12.2019)

Bislang hatte Jesse Friszell lediglich eine EP am Start. Nun aber, mit dem Album “Rose Gold Renegades“, einen Longplayer mit 10 Titeln für die Fans parat. Country Pop mit Chartrhythmen, lassen den ersten Eindruck eher mit verhaltenem Optimismus ausfallen. Zentriert in Asheville, North Carolina, arbeitet Jesse Friszell schon länger als Gitarrist und Songschreiber. Mit “Hearts And House Keys“ erklingt ein Country Pop, der sich einhüllt in eine Dauerbegleitung einer Steel Guitar. Die Drums, die vom Computer zu kommen scheinen, erinnern aber doch zu sehr an Pop. Dennoch kommen seine Songs eingängig daher und das zweite Hinhören lohnt dann doch. Hatte er vorher noch die “Drinking Songs“ im Fokus, so geht es bei “Rose Gold Renegades“ um das uralte Ringen der Menschen um Liebe und Treue, um Enttäuschung und Hoffnung. Waren die ersten Titel eher beschwingt, erklingt der Titelsong als langsame Ballade. Etwas weniger Pathos in seiner Interpretation, auch im Arrangement, hätte diesem Trennungsschmerz-Opus besser getan. Die Charts wird Jesse Friszell mit diesem Album nicht umkrempeln. Für einen entspannten Abend mit Country Music im Hintergrund taugt das Album “Rose Gold Renegades“ allemal.

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George Ducas – Yellow Rose Motel

(VÖ: 06.12.2019)

George Ducas hat für die ganz Großen geschrieben. Garth Brooks, Trisha Yearwood, Sara Evans, Eli Young Band oder George Jones. Der Texaner mit einem Universitätsabschluss in Ökonomie tauschte eine gesicherte Zukunft als Banker oder so etwas gegen eine Karriere als Profimusiker ein. Sein viertes Album “Yellow Rose Motel“ umfasst 12 Titel und gerade mit dem Titelsong des Albums “Yello Rose Motel“ präsentiert George Ducas eine Blues Country Ballade, in der es heftig zu geht. Der Protagonist verliebt sich in eine Prostituierte dermaßen, dass er es nicht ertragen kann, sie mit anderen Freiern zu sehen. Er erschießt sie und den “Gast“ gleich mit. Ein Sujet, welches auch nicht alle Tage in der Country Music thematisiert wird. Manche Arrangements mit Bläsersätzen erinnern sehr an die gute alte Zeit der Mavericks. Und immer wieder unterbrechen Balladen die Uptempo Range. Etwa wenn er mit dem Titel “Eastwood“ nicht etwa mit einer Hommage an den genialen Western Darsteller erinnert, sondern seiner Angebeteten sich als einen ganzen Kerl, wie der Western Held, anbietet. Mit einem langen Gitarren Outro hinterlässt der Titel zudem einen fulminanten Eindruck. Es lohnt sich den Texten von George Ducas einmal etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Seinen Blick auf die Menschen in den unterschiedlichsten Situationen versteht er meisterlich in Texte zu bannen. Modern sind die Arrangements und gleichzeitig so richtig “country“. Wie bei “Unlove You“, so muss Country Music heute klingen. Der Ausflug in Bro Country mit “I Got This“ wäre aber verzichtbar. Durchaus radiotaugliche Titel wie “Why Start Now“ oder “Baby Mama“ komplettieren das Album “Yellow Rose Motel“ von George Ducas. Das ist Musik, mit der die Fans ganz sicher rundum zufrieden gestellt werden.

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Brantley Gilbert – Fire & Brimstone

(VÖ: 04.10.2019)

Mit dem Motto seiner 2020er Tour, “Fire’t Up“, beginnt das fünfte Album von Brantley Gilbert. Schon die ersten Titel des 15 Tracks umfassenden Werkes lassen keinen Zweifel, dass hier wieder sein Image des rauen Rockers vor jeglicher Country Music steht. Da Produzent Dann Huff erneut für das Album, welches mehr Songschreiber aufweist als Titel, verantwortlich ist, ist die Ausrichtung auf Rock, Pop und bestenfalls Bro-Country nicht überraschend. Unglaublich langweilig der Titel “Welcome To Hazeville“, der nach den Rock Openern etwas Solideres hätte bieten können. Chance vertan. Das Duett mit Lindsay Ell, “What Happens In A Small Town“, schielte auf die Charts. Mit etwas weniger überzogenem Arrangement wäre da beinahe eine gute Ballade entstanden. “She Ain’t Home“ und “Lost Soul’s Prayer“ sind austauschbare Balladen, die eher Gähn Attacken provozieren. Doch schon kracht es wieder bombastisch bei “Tough Town“ bevor der Titelsong “Fire & Brimstone“ dokumentiert, dass Brantley Gilbert auch Country Music kann. Das wird dann allerdings auf recht ermüdenden 5:22 Minuten zelebriert. Wenn es dann einmal nicht ständig aus den Lautsprechern dröhnt, wie bei “Bad Boy“, hat das Album durchaus Momente zum Zuhören. Brantley Gilberts raue Stimme eignet sich sowohl für die rockigen Stücke, als auch für Balladen. Mehr davon, und er könnte mehr Aha-Effekte erzielen. “Fire & Brimstone“ enthält aber zu viel Chart Mucke, Pop Country und wirkt stellenweise überproduziert.

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Cody Jinks – After The Fire

(VÖ: 11.10.2019)

Als Cody Jinks auf der Bühne der Grand Ole Opry im August 2019 sein Debüt hatte, rieben sich einige Zuschauer verwundert die Augen. Nein, das war keine jüngere Ausgabe von ZZ Top. Mit langem Rauschebart, der entsprechenden Frisur und den vielen Tattoos, entsprach der Texaner jedoch genau dem Zeitgeist. Na ja, so ganz neu ist dieses Image nicht. Cody Jinks hat seine musikalische Karriere in einer Heavy Metal Band gestartet und erst später die Country Music für sich entdeckt. Nach seinen ersten Alben aus den Jahren 2008 war es etwas ruhig geworden um den kleinen Mann mir der großen Stimme aus Texas. Im Herbst 2019 hatte er sich etwas Spezielles einfallen lassen. Kurz hintereinander veröffentlichte Cody Jinks seine Alben “After The Fire“ und “The Wanting“ unter seinem eigenen Label Late August Records. Mit dem Titel “After The Fire“ beginnt das gleichnamige Album so, wie man Cody Jinks seit jeher kennt. Ruhig, intensiv und dennoch modern. “Yesterday Again“ ist eine Ballade, die so eindringlich ist, weil sie mit ganz viel Gefühl arrangiert wurde. Ein Laid Back Rhythmus und eine Steel Guitar, sorgen für jede Menge Country. Ballade folgt auf Ballade und formen ein Album, welches wie aus einem Guss entstanden ist. Bitter wie bei “William And Wanda“ oder auch leicht als Lullabye Song wie “Dreamed With One“ bis hin zu ungewohntem Swing, diesmal als Instrumental “Tonedeaf Boogie“, bietet das Album “After The Fire“ allen Fans ein gelungenes und grundsolide gestaltetes Country Music Album á la Cody Jinks.

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Cody Jinks – The Wanting

(VÖ: 18.10.2019)

Wenn Cody Jinks auf seinem Album “The Wanting“, übrigens der Titelsong entstand unter Mitwirkung von Tennessee Jet, in seinem zweiten Song “Same Kind Of Crazy As Me“ anstimmt, hat das durchaus autobiografische Züge. Ebenso bei “Never Alone Always Lonely“ kehrt er sein Inneres nach außen. In etlichen seiner Songs wird die Ich-Form benutzt. So sind die, in Eigenverantwortung entstandenen, Alben ein Abarbeiten etlicher auf der Seele von Cody Jinks liegenden Themen. Mit jedem neuen Ich-Song geht der Seelenstriptease weiter und lässt eine selten gewordene Intimität zu. Da kommt der Gedanke an ein Konzeptalbum auf. Ziel – die Bewältigung etlicher Probleme, das Bewusstsein um die vielen Fehler, die gemacht wurden und die Erkenntnis, dass wahre Werte nicht auf einem Bankkonto zu finden sind. Kommen dem aufmerksamen Zuhörer etliche Arrangements und Kompositionen seiner Songs so bekannt vor, sind die Alben “After The Fire“ und “The Wanting“ eine überraschend erfreuliche Wiederbegegnung mit einem Interpreten, der an seiner Musik über so viele Jahre festgehalten hat und sich ehrenvoll von dem Pop-Quatsch mancher zeitgenössischer Produktionen fernhält. Mehr mediale Aufmerksamkeit sei Cody Jinks allemal gegönnt.

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Gary Allan – Smoke Rings In The Dark (Deluxe Edition)

(VÖ: 26.10.1999)

20 Jahre ist es her, seit Gary Allan mit “Right Where I Need To Be“ seinen Nummer Fünf Erfolg in die Charts brachte. Der Titelsong seines 1999 aufgenommenen Albums “Smoke Rings In The Dark“ verpasste knapp die Top Ten. Nun, zum Jubiläum, erscheint das Album, lediglich um einen bislang unveröffentlichten Titel ergänzt, als Deluxe Edition. “Long Year“ ist ein eher unscheinbarer Titel, der es seinerzeit irgendwie nicht auf einen Tonträger geschafft hat. Die Tatsache, dass man dieses Album nun sowohl zum Download, zum Streamen und als Black Vinyl und in einer Sonderedition als Green Vinyl erwerben kann, rechtfertigt wohl kaum eine größere Begeisterung für eine erneute Veröffentlichung. Abgesehen davon, dass es wieder einmal Zeit wurde, etwas von dem Mann aus Kalifornien zu hören. Aber etwas Neues wäre wünschenswert gewesen. Solch eine “Deluxe Edition“ braucht wirklich niemand. Die Fans schon gar nicht.

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Old Dominion – Old Dominion

(VÖ: 25.10.2019)

Eine total angesagte Formation, die jüngst bei den Acadamy Of Country Music Awards den Preis als beste Vocal Group Of The Year ausgezeichnet wurde, sind Old Dominion. Da haben Musikverantwortliche aus Nashville mit Matthew Ramsey (lead vocals), Trevor Rosen (guitar, keyboards), Whit Sellers (drums), Geoff Sprung (bass guitar) und Brad Tursi (guitar) einen guten Griff getan, als sie diese Musiker zusammengebracht haben. Ganz dem Zeitgeschmack entsprechend, vereint die Musik von Old Dominion zeitgemäße rockige Country Music mit Pop Elementen und lässt gleichzeitig keinen Zweifel am Country Music Ursprung. Sind oft Debütalben “Self Titled“, haben sich Old Dominion bis zu ihrem dritten Studioalbum damit Zeit gelassen. Mit der Country Pop Ballade “Make It Sweet“ geht es los und nach dem eher leichtgewichtigen Titel “Smooth Sailing“ ist “One Man Band“ ein erster Hinhörer. Titel Nummer vier, “Never Be Sorry“ hat mit Country Music so viel zu tun wie – ach lassen wir das. Man drückt die Next Taste bis Titel 8, “Here You Now“ um erneut festzustellen, dass Country Music zu kurz kommt. Radiotauglich allemal. Aber in Erinnerung bleibt da nix. Mit allerlei Arrangement Schnick Schnack lenkt die Produktion von der Leichtgewichtigkeit des Albums ab. Allein der vorletzte Titel, “Paint The Grass Green“, versöhnt annähernd. Da glimmt ein wenig echtes Feeling auf. Der Schlusstitel “Some People Do“ ist dermaßen künstlich emotional verblasen, dass man froh ist, die drei Minuten überstanden zu haben. Abgesehen von den Gesangsharmonien, die hoffentlich echt sind, braucht kein Country Music Fan dieses Album.

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Toby Keith – Greatest Hits: The Show Dog Years

(VÖ: 25.10.2019)

Toby Keith, der 1,90m große Strahlemann mit dem Hang zu allzu deutlicher Vaterlandsliebe, fasst mit dem Greatest Hits Album seine Chartplatzierungen, die unter seinem eigenen Label Show Dog erschienen sind, zusammen. Los geht es allerdings mit seiner aktuellen Single und dem Motto seiner Tour 2019, “That’s Country Bro“. Die Aufzählung der vielen Namen aus der Vergangenheit der Country Music scheint endlos und wird von einem fetten Beat getrieben. 2005 gründete er sein eigenes Label und in der Folgezeit bis dato hatte er 5 Nummer Eins Hits. “Love Me If You Can“, “She Never Cried In Front Of Me“, “God Love Her“ und “American Ride“ sind daher auf seiner Greatest Hits Compilation. Auch sein Party Hit “Red Solo Cup“, der beständig unter den schlechtesten Country Music Songs gelistet wird. Sein “American Ride“ in der neuen Fassung “Official Remix“ mit DJ KO ist der Schlusstitel des 16 Tracks umfassenden Albums und markiert einen weiteren traurigen Tiefpunkt bei der vorsätzlichen Verbiegung der Country Music. Toby Keith hat mit seiner brachialen Präsenz offenbar damit kein Problem. Der neuaufgenommene Titel “Don’t Let The Old Man In“ zeigt aber einen ganz anderen Toby Keith. Gefühlvoll und zurückgenommen erklingt eine feine Ballade, die im Film “The Mule“ mit Clint Eastwood Verwendung fand. Bei “Hope On The Rocks“ bleibt Toby Keith bei den für ihn eher leisen Tönen. Auf diesem Album wechseln sich Balladen, die wohltuend arrangiert sind, mit kraftvolleren Titeln ab, für die der Hüne aus Oklahoma bekannt ist. Der neue Titel “Back In The 405“ markiert wieder einen Stil Mix, der nur schwer mit Country Music vergleichbar ist. Toby Keith Fans werden dieses Album nicht brauchen, weil sie alle diese Titel bereits im Regal haben. Es ist aber eine gute Gelegenheit, Toby Keith einmal näher kennen zu lernen, da er in den Show Dog Years nur das gemacht hat, was ihn besonders antrieb und was er allein verantwortete.

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Allison Moorer – Blood

(VÖ: 25.10.2019)

Die jüngere Schwester von Shelby Lynne, wurde 1998 über Nacht zu einem gefeierten Star. Auf den hochgelobten Song, “A Soft Place To Fall“, der im Film “Der Pferdeflüsterer“ mit Robert Redford für Aufsehen sorgte, folgte jedoch keine große Karriere für Allison Moorer. Nach weniger erfolgreichen Alben mit Country Music, änderte sich die Titelauswahl auf den weiteren Alben von ihr mehr und mehr in Folk, Rock und Pop Genre. Nach dem Album “Not Dark Yet“, welches sie mit Schwester Shelby Lynn aufnahm, liegt nun mit “Blood“ ein neues Werk von Allison Moorer vor. Mit den Titeln “Bad Weather“, “Cold, Cold Earth“ und “Nightlight“ beginnt das Album mit der gewohnt einfühlsamen Stimme von Allison Moorer und ist meist eher Folk als Country. Mit “The Rock And The Hill“ erklingt dann aber eine Rock Nummer, die aufwühlt. Als ob man sich von diesem Schock erholen sollte, erklingt dann “I’m The One To Blame“ und könnte ein Zwilling von eingangs erwähntem Filmsong sein. “Set My Soul Free“ ist mit einer wunderbaren Gitarrenbegleitung ein echtes Highlight des Albums. Überhaupt sind die Titel auf “Blood“ nicht überproduziert, sondern oft nur mit feiner Instrumentierung unterstrichen. “The Ties That Bind“ lädt ein, sich den Text einmal näher anzuschauen. “Blood“ von Allison Moorer ist ein Singer/Songwriter Album mit dem nicht auf die Charts gezielt wurde. Es bietet feine Unterhaltung, vorgetragen von einer Frau, der man anhört, dass sie in ihrem Leben so manchen Schicksalsschlag hinnehmen musste.

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Old Crow Medicine Show – Live At The Ryman

(VÖ: 04.10.2019)

Seit 1998 krempelt diese Formation aus Nashville Bluegrass, Old Time Music und Folk zu Newgrass und Alternative Country um. Unbändige Spielfreude, einzigartige Ideen und virtuose Instrumenten Beherrschung kennzeichnen zudem diese Band. Band allein reicht eigentlich nicht. Wie der Name sagt, handelt es sich eher um ein Showkonzept. So gelang auch der Sampler von Aufnahmen aus dem ehrwürdigen Ryman Auditorium, der Mother Church Of Country Music, zu einem Fest. Die auf diesem Album zusammengestellten Titel stammen aus den Jahren 2013 bis 2019 und dokumentieren die feste Größe, die Old Crow Medicine Show auf dieser Bühne nun einmal sind. Immer ganz knapp am Country-Bluegrass-Punk vorbeischrammen oft die Titel wie “Brushy Mountain Conjugal Trailer“. Auch der alte Blues Klassiker “CC Rider“ ist mit einer gepfiffenen Strophe völlig aus den Fugen arrangiert und doch so traditionell Bluegrass. “Sixteen Tons“ etwa kommt als eine, musikalisch gut gemachte, Parodie daher und dann drischt der Song “Methamphetamine“ auf 5:35 Minuten unbarmherzig mit der bitteren Wahrheit um diese Todesdroge auf die Hörer ein. Da ist der Klamauk plötzlich verschwunden. Auch das ist Old Crow Medicine Show. Der Umbruch zu “Louisiana Woman“ fällt dann etwas schwer. Doch “Wagon Wheel“ leitet den Schluss des Albums “Live At The Ryman“ von Old Crow Medicine Show wieder mit etwas mehr Spaßfaktor ein. Ein Titel zum Mitswingen, mit 6:14 Minuten auch für ein kleines Tanz-Workout geeignet. Ein “Will The Circle Be Unbroken“ in der Bearbeitung von Old Crow Medicine Show macht als letzter Titel des Albums noch einmal richtig Alarm. Herrlich wie die Titel sowohl in ihrer Länge als auch in der Bearbeitung der Old Crow Medicine Show alle Grenzen zu sprengen scheinen.

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LeAnn Rimes – Live At Gruene Hall

(VÖ:25.09.2019)

Schwerer Gitarrensound empfängt die Hörer des Livemitschnittes eines Konzertes von LeAnn Rimes in der ehrwürdigen Dance Hall in New Braunfels in Texas. Aber nicht nur Rock kann LeAnn Rimes, das einstige Wunderkind. Sie verfügt immer noch über eine beeindruckende Stimme und wenn sie “Wasted Days And Wasted Nights“   anstimmt, verstummen die Zweifler. Das ist großes Kino. Nach dieser Hommage an den unvergessenen Freddy Fender folgen Erinnerungen an Buck Owens mit “Streets Of Bakersfield“, an Merle Haggard mit “Tonight The Bottle Let Me Down“, an Bob Wills mit “San Antonio Rose“, an David Allen Coe mit “You Never Even Called Me By My Name“ (5:39 min!) und an Willie Nelson mit “Always On My Mind“. Da hat LeAnn Rimes einen weiten Bogen gespannt und in Texas genau den Geschmack des Publikums getroffen. Ganz sicher ein Highlight des Livekonzertes und des Livealbums, ist der Titel von Oasis aus dem Jahr 1995, “Wonderwall“, in der Interpretation von LeAnn Rimes. Natürlich hat sie auch ihre erste Chartplatzierung, “Blue“, präsentiert und als Swing Nummer in Texas ins Schwarze getroffen. Tut man gern einmal einen Livemitschnitt ab, hier wünscht man sich, bei diesem Konzert dabei gewesen zu sein. Eine großartige Stimme widmet sich großartigen Songs vieler Kollegen aus vergangener Zeit. Wenn mit “Always On My Mind“ das Konzert endet, ein Titel, den LeAnn Rimes ganz behutsam interpretiert, geht eine ganz besondere Party zu Ende. Besser kann man Musik kaum genießen.

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Kiefer Sutherland – Reckless & Me

(VÖ: 26.04.2019)

Nach seinem ersten Album “Down In A Hole“ aus 2016, hat der Schauspieler Kiefer Sutherland erneut seiner zweiten Leidenschaft, der Musik, mit dem neuen Album “Reckless & Me“ gehuldigt. Das beginnt mit einer Rockballade, “Open Road“, und lässt der rauen Stimme des Kanadiers freien Lauf. Mit “Something You Love“ schließt sich eine Uptempo Rock-Pop Nummer an, bevor mit “Faded Pair Of Blue Jeans“ ein annähernd nach Country Music klingender Titel erklingt. Der Titelsong des Albums “Reckless & Me“ kommt mit bluesigem Arrangement als schwere Kost daher. Mit “Blame It On Your Heart“ tönt die alte Honky Tonk Nummer, die vor über 20 Jahren der jungen Patty Loveless gut gelungen ist. Kiefer Sutherland heimste 2015 eine Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller ein. Soweit muss man bei dem Konsum seines Albums “Reckless & Me“ beileibe nicht gehen. Der Versuch, Folk, Rock, Pop und Country in ein Album zu packen, gelingt ihm gerade so. Die 10 Titel unterhalten solide. Ein Merkaufzeichen hat Kiefer Sutherland damit jedoch nicht gesetzt.

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Ned LeDoux – Next In Line

(VÖ: 08.11.2019)

Gleich zweimal muss der geneigte Hörer Tatsachen aus dem Leben von Ned LeDoux ausblenden, will er das neue Album “Next In Line“ beurteilen. Ja, er ist der Sohn von Rodeo und Country Music Legende Chris LeDoux (gest.2006) und er erlitt einen schweren Schicksalsschlag kurz bevor sein Album erschien. Seine zweijährige Tochter erstickte zuhause bei einem tragischen Unfall. Schon mit dem Titel “Worth It“ wird die stimmliche Ähnlichkeit zu seinem Vater deutlich. Die Musik ist freilich moderner, rockiger aber ganz klar traditionell gegründet. Gut, Ned LeDoux ist nicht der begnadetste Sänger. Aber muss man das sein, wenn man seine Songs mit Leidenschaft und Freude präsentiert? “Dance With You Spurs On“ als Uptempo Version oder “Next In Line“, der Titelsong, als ruhige Ballade, zeigen zwei Seiten von Ned LeDoux. Ob er allerdings jetzt an der Reihe ist, ein ganz Großer zu werden, entscheiden die Fans. Seinem Vater folgt er in jedem Fall mit der Songauswahl, der meist von ihm selbst geschriebenen Titel, die den Cowboy Mythos fortsetzen, den einst Chris LeDoux so zelebrierte. Besonders schön erklingt die Ballade “Path Of Broken Dreams“, weil sie zum einen so einfach und unaufgehübscht aufgenommen ist und weil sie direkt aus dem Herzen kommt. Auch Pop Country findet statt bei “Just A Little Bit Better“. Na ja. Wenn Ned LeDoux aber den Titel “Great Plains“ anstimmt, wird klar, er ist der nächste in der Reihe der Interpreten der LeDoux Familie. Chris hätte ganz sicher seine Freude, dass sein Weg von seinem Sohn fortgesetzt wird. Ned LeDoux lässt vor seinem letzten Song, “Homegrown Western Saturday Night“ auf seinem Album “Next In Line“ ein Intro vom Vater Chris LeDoux erklingen. So sind sich Vater und Sohn so nah wie es nur geht. Nochmal, Ned ist Ned und Chris ist Chris. Fans des Vaters werden auch ihm nahe sein.

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Hootie And The Blowfish – Imperfect Circle

(VÖ: 08.11.2019)

Gestartet ist die Band Hootie And The Blowfish 1986 als Rockband und seit der Zeit ist Darius Rucker sowohl Gründungsmitglied als auch Frontmann und Leadsänger. Mittlerweile hat man sich selbst in das Genre Alternative eingeordnet. Das ist sicher der aktuellen musikalischen Ausrichtung der Band geschuldet, die sich sowohl des Mainstream Rock als auch der Country Music in der Pop Variante bedient. Darius Rucker ist im Genre Country Music schon lange ein hochgeachteter Interpret. Nicht verwunderlich also, dass auch seine Band Hootie And The Blowfish oft nach diesem Genre klingt. Das Album “Imperfect Circle“ bietet mit 13 Songs genau das. Mal Pop Music, mal Soft Rock, mal Mainstream Country. Eine eierlegende Wollmilchsau? Das ist noch nie gelungen und so bleibt das Album irgendwie zwischen allen Stühlen hängen. Was aber an der Attraktivität der Titel nichts ändert. Doch gleich der erste Titel, “New Year’s Day“ fordert die Hörer heraus. “Miss California“ ist ein Country Song, wenn auch etwas langatmig. So auch “Not Tonight“, ein Titel, der so ganz und gar zwischen allen Genres hin und her schwingt. Wäre da nicht die geschmeidige Stimme von Darius Rucker, man würde das Album eher unter ferner liefen abhaken. Selbst die Ballade “Change“, die den Schluss des Albums markiert, lebt von der Stimme von Darius Rucker. Was allerdings bemerkenswert ist, ist die Tatsache, dass Hootie And The Blowfish nach 14 Jahren wieder ein Studioalbum produziert haben. Legt man keine allzu großen Erwartungen in ein solches Comeback, ist “Imperfect Circle“ genau das, was der Titel aussagt. Ein nicht ganz perfekter Kreis, der um einige Musikstile herumgezogen wurde. Dennoch feine Musik zum Zuhören.

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Sarah Lee Langford – Two Hearted Rounder

(VÖ: 08.11.2019)

Das Debütalbum von Sarah Lee Langford wird als Americana, Psychedelic Folk und Country Music Zusammenstellung beschrieben. Will man über die Sängerin und Songschreiberin persönliche Fakten erfahren, muss man sich mühsam durch Social Media Plattformen quälen. Warum muss man sich vor den Fans derart verstecken und geht nicht progressiv mit einer umfassenden Homepage auf den Start der eigenen Karriere zu? Da sollten die Verantwortlichen beim Label Cornelius Chapel Records mehr für ihre Interpreten tun. Mit dem Titelsong “Two Hearted Rounder“ wird erst einmal das Genre Psychedelic Folk bedient. “Painted Lady“ wiederum ist ein in flottem Two Step Tempo gehaltener, Alternative Country Song. Dabei besticht die deutlich akzentuierte Stimme von Sarah Lee Langford, die neben ihren Gitarrensoli, die ungestört zelebriert werden, einen angenehmen Hörgenuss garantiert. Sie transportiert ihre Inhalte mit einer glaubwürdigen Lebenserfahrung und mit einer latenten Melancholie. Eigenwillig sind die Songs und keinesfalls chartverdächtig. Da sind Anspruch und Musikalität der Sängerin, die ihre ersten Erfahrungen mit Musik in der Familien Bluegrass Band sammelte, zu geradlinig. Gut, dass es unter den zehn Titeln auf dem Album “Two Hearted Rounder“ auch flottere Songs gibt wie “Growing Up“ oder beschwingten Country Waltz wie bei “Watch Me“. Das sind Inseln zum Ausruhen von den bedeutungsschwangeren Titeln. Auf jeden Fall ist das Arrangement des Albums vielfältig und einfallsreich. “Two Hearted Rounder“ von Sarah Langford ist ein Singer/Songwriter Album, welches sich überraschend angenehm gegen den Pop Rock Country Mainstream stemmt. Mit “Big Woman“ und “Sing My Own Love Song“ endet das Album. Gespannt darf man abwarten, ob, wann und was als Nächstes von Sarah Lee Langford zu hören sein wird. Hoffentlich wird sie nicht von der Maschinerie in Nashville kaputt gemacht.

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Miranda Lambert – Wildcard

(VÖ: 01.11.2019)

Miranda Lambert ist in der letzten Zeit viel beschäftigt. Sie hastet von Moderation zu Moderation der verschiedensten Veranstaltungen und so bleibt ihr weniger Zeit für ihre eigene Karriere. Doch nun, nach ihrem letzten Album “The Weight Of These Wings“ aus 2016 hat sie mit “Wildcard“ ein neues Studioalbum veröffentlicht. Dass sie gerne provoziert, hat Miranda Lambert immer wieder unter Beweis gestellt. So beginnt das neue Album auch gleich mit einem Song, der von Country Music so weit entfernt ist, wie die Erde zur Sonne. “White Trash“ soll den Bezug zu den Wurzeln in der unterprivilegierten Bevölkerung dokumentieren. Das ist bei ihr ebenso unglaubwürdig, wie musikalisch gerade noch ertragbar. Mit den 14 Titeln auf dem Album “Wildcard“ haben Miranda Lambert und Produzent Jay Joyce ganz unverhohlen auf Pop/Rock Mainstream gesetzt. Wenn dann Titel wie “Settling Down“ oder “How Dare Your Love“ erklingen, ist man erleichtert, dass Miranda Lambert nicht ganz vergessen hat, was, trotz aller Popeinflüsse, Country Music sein könnte. Wenn man weiß, was dieser Shooting Star der vergangenen Jahre tatsächlich draufhat, kann man nur ungläubig den Kopf schütteln. Aufdringliche Arrangements verhindern ein ums andere Mal ihre stimmlichen Möglichkeiten. Wäre da nicht ein Highlight auf dem Album mit dem Song “Tequila Does“, man müsste das Album “Wildcard“ von Miranda Lambert einreihen unter die vielen unbedeutenden Produktionen der Mainstream Neuzeit. Daran ändert auch nichts mehr die Ballade “Dark Bars“, die zum Schluss für etwas Feeling sorgt. So kennt man Miranda Lambert. Manchmal viel Licht und manchmal eben nicht.

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Jon Pardi – Heartache Medicine

(VÖ: 27.09.2019)

Gute Country Music Interpreten stammen nicht immer aus dem mittleren Westen oder den Südstaaten der USA. Jon Pardi wuchs in Kalifornien auf und startete auch dort seine musikalische Karriere. Nun liegt mit “Heartache Medication“ das vierte Studioalbum von ihm vor. Vorweggenommen: das wird die Erfolge der Vorgänger ganz sicher toppen. Jon Pardi versteht es meisterlich Tradition und Moderne zu verbinden. So sind seine Songs radiotauglich arrangiert und transportieren dennoch die bekannten Klischees. So auch der Titelsong, in dem die Medikation gegen Liebeskummer aus dem Zapfhahn bzw. der Flasche kommt. Der Titel “Nobody Leaves A Girl Like That“ thematisiert eben genau das. Bei aller Begeisterung für die tolle Country Interpretation von Jon Pardi fällt auf, dass die Produktion des Albums überzogen wurde. Stimme und Arrangement liefern sich einen andauernden Wettstreit, der die geneigten Hörer stressen dürfte. Fetzig kommt “Me And Jack“ daher, um mit “Don’t Blame It On Whiskey“ von einer feinen Ballade abgelöst zu werden, welche als Duett mit Lauren Alaina eingesungen wurde. Stilgerecht wird “Tequila Little Time“ mit Mexican Trumpets eingeleitet. Unter den 14 Titeln des Albums “Heartache Medication“ von Jon Pardi ist mit Whiskey, Tequila und Beer dem Honky Tonk Thema Nummer Eins genügend Platz eingeräumt. So fällt das Album als ein Testosteron gesteuertes Werk aus, welches den echten Kerlen ganz sicher gefallen wird. Ganz im Ernst, solch traditionell gegründete Musik findet man nicht sehr oft heutzutage. Allein dafür gebührt Jon Pardi ein dickes Lob. Mit einem zarten Banjo Intro beginnt der Schlusssong “Starlight“, der geschmeidig in die Ohren fließt. Da wird der eine oder die andere gerne das Album “Heartache Medicine“ von Jon Pardi auf die persönliche Playlist setzen. Zu Recht.

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The Cumberland River Project – The Cumberland River Project

(VÖ: 06.03.2020) !!! – Vorankündigung –

Da wird ein Album angekündigt, welches erst Anfang März des nächsten Jahres veröffentlicht werden soll. Dabei braucht es keine lange Vorbereitungszeit um die 13 Titel aus der Feder von Frank Renfordt aus Hohenlimburg, dem Stadtteil von Hagen, NRW, einzuordnen. Oder doch? Doch zunächst ein Rückblick. Musik war schon immer die absolute Leidenschaft von Frank Renfordt und Reisen in die USA brachten ihn in Verbindung mit Country Music. Songschreiben war sowieso sein Ding und so schrieb er „seine“ Country Songs in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts. Verglich er sich mit den Produktionen von Country Größen jener Zeit, fühlte er, dass sein Gesang und sein Gitarre Spiel noch nicht das Potenzial hatten, welches seine Titel verdient gehabt hätten. So dauerte es einige Jahre, bis er sein Country Music Project einem professionellen Studio in Nashville und dessen Produzenten Dave Demay anvertraute. Der machte aus dem Singer/Songwriter Material radiotaugliche Musik, die den Vergleich mit Titeln der aktuellen Musikszene in Nashville nicht zu scheuen braucht. Allein deshalb schon heißt das 13 Titel umfassende Album “The Cumberland River Project“, liegt Nashville doch an gleichnamigem Fluss. Wie alter Wein, der bei entsprechender Qualität einige Zeit reifen muss, wurden die Songs von Frank Renfordt erst jetzt zum Leben erweckt. Der geneigte Hörer bekommt, dem Zeitgeist entsprechend, sowohl Country Pop geboten als auch einige Storytelling Songs. Aber auch moderne Country Music, die man sich gerne anhören kann. Man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass hier ein Versuchsballon gestartet wurde, um auszuloten, wie das Cumberland River Project ankommt. Die Zeit ist gut gewählt, scheint doch gerade die Zeit gekommen, in der Country Music hierzulande wieder im Aufwind ist und internationale Stars auf ihren Konzerttouren auch in Deutschland Station machen. Es soll einmal nicht näher auf die Inhalte der Titel dieses Albums eingegangen werden. Das sollten die Konsumenten selbst nachholen. Als besonderer Service sind die Lyrics zu den Songs auf der Homepage von The Cumberland River Project nachzulesen. Wo hat dieser Musiker all die Jahre gesteckt? Country Music Fans dürften bei The Cumberland River Project sicher gut unterhalten werden.

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Lady Antebellum – Ocean

(VÖ: 15.11.2019)

Mit Studioalben haben Lady Antebellum ihre Fans nicht gerade überhäuft. Mit der neuen Produktion “Ocean“ liegt das siebte Album vor. Dennoch gehören Hillary Scott, Dave Haywood und Charles Kelley zu den besten Botschaftern der modernen Country Music des letzten Jahrzehnts. Ihre Pop Country Balladen vom Feinsten haben Fans in der ganzen Welt begeistert. Ganz zu schweigen vom Supererfolg “Need You Now“ aus 2009. Und dennoch wurde es ruhiger um das erfolgsverwöhnte Trio. Das letzte Album aus 2017 generierte nicht den erhofften großen Erfolg. Mit dem neuen Album soll nun ein Neustart eingeleitet werden. Da erklingt etwa bei “You Can Do You“ ein harter Rocksound, vorsichtshalber eingebettet zwischen den eingängigen Balladen “Crazy Love“ und “What I’m Leaving For“ ganz im gewohnten Lady Antebellum Style. Und so gelangen die Melodien an die Ohren wie Wellen des Ozeans an die Gestade. “Be Patient With My Love“ dreht sich um die bittere Erkenntnis der eigenen Fehler und die Bitte um Vergebung. Große Gefühle, große Balladen und entsprechend voluminöses Arrangement. Produzent Dann Huff hat hier alle Register gezogen. Wenn dann bei “Alright“ fröhlich ein Banjo das Intro markiert, ist man sichtlich erleichtert. Hillary Scott führt dann auch eher beschwingt durch den Titel, der aber die Botschaft transportiert, dass das Leben voller Widrigkeiten steckt und man dennoch voller Zuversicht voran gehen sollte. So drehen sich etliche Texte um Probleme, Fehler, Versagen. Keine leichte Kost und emotional wie für Lady Antebellum gemacht. Harmonien, die mit mächtigen Arrangements große Balladen generieren, sorgen für den Lady Antebellum Sound. Schon wird von besonderem Tiefgang gesprochen. Doch Titel wie “Boots“ oder “The Thing That Wrecks You“ (mit Unterstützung durch Little Big Town) oder “Mansion“ klingen eher nach Pop und seichter Psychologie. Mit dem Titelsong des Albums “Ocean“ endet eine Abfolge von 13 emotional recht beladener Titel. Jede Menge Engagement, jede Menge feine Instrumente und jede Menge wunderbare Harmonien füllen die Songs. Ob Textzeilen wie: „du bist ein Ozean, schön und blau, ich möchte in dir schwimmen“ die Zuhörer begeistern können?“ Ocean ist ein durch und durch geplantes und professionell umgesetztes Album, welches die Bereitschaft, sich von den Wellen der Emotionen tragen zu lassen, ziemlich herausfordert. Aber wer könnte das besser zu Gehör bringen als Lady Antebellum?

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Luke Combs – What You See Is What You Get

(VÖ: 08.11.2019)

Mit dem Knaller Song “Beer Never Broke My Heart“, nach welchem auch seine Tour 2020 benannt ist, beginnt das Album “What You See Is What You Get“ vom aktuellen Überflieger Luke Combs. Schon sein 2017 erschienenes Album “This One’s For You“ schlug ein wie eine Bombe. Luke Combs ist eine imposante Erscheinung. Groß, gewichtig und mit einer unglaublichen Präsenz ausgestattet, schickt er sich an, neben Chris Stapleton ein weiterer Interpret zu sein, der sich nicht in die glatt geschliffene Mainstream Linie einreihen möchte. Das zweite Album von ihm beinhaltet 17 Songs und ist damit recht großzügig ausgefallen. Und zum zweiten Mal eroberte Luke Combs Platz Eins der Country Alben Charts. Klar, dass er musikalisch mit seinen schweren Beats, rockigen Arrangements und seiner eindringlichen Stimme ganz und gar dem Zeitgeist entspricht. Hinzu kommen Texte, die zwar die gängigen Themen der Country Music aufgreifen, sie aber ganz eigenwillig erzählen. Viele Strophen schildern ungeschminkt jede Menge Erlebnisse. Hinter der rauen Schale, die die Stimme von Luke Combs vermuten lässt, verbirgt sich ein sensibler Charakter, der etwa bei “Even Though I’m Leaving“ eine innige Vater Sohn Beziehung beschreibt. Natürlich fehlen die Barroom Stories nicht und die bitteren Rückblicke auf gescheiterte Beziehungen. Selbst eher der Pop Music zu zuordnete Texte, wie etwa bei “Moon Over Mexico“, lässt die gewaltige Interpretation von Luke Combs als fette Rock Country Balladen erklingen. Wenn er bei “1,2 Many“ davon singt, dass er nicht aufhören kann, wenn er erst einmal angefangen hat (in mehrerer Hinsicht), glaubt man dies sofort. Das geht dermaßen ab. Besonders intensiv interpretiert Luke Combs seine allein geschriebenen Titel wie “New Every Day“ oder “Reasons“. Balladen im rockigen Style zwar, aber intensive Balladen. Nach so viel bombastischen Arrangements, hört man verwundert bei “Dear Today“ einer Live Akustik Version zu, die aber dann unvermittelt in einen Studiosong übergeht. Im Titelsong beschreibt sich Luke Combs unvergleichlich treffend. Nach den 17 Tracks auf “What You See Is What You Get“ ist man restlos überzeugt, warum dieses Album von Luke Combs den Spitzenplatz der Charts im Sturm eroberte.

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Clint Black – Still Killin‘ Time

(VÖ: 08.11.2019)

Es ist ruhig geworden um Clint Black. Seine erfolgreichste Zeit liegt nun schon über 20 Jahre zurück. Ein neues Album von ihm wäre daher schon mehr als überfällig. Das letzte stammt aus dem Jahr 2015 und war nicht sonderlich erfolgreich. Nun also erschien “Still Killin‘ Time“. Gleich zu Beginn ein Schmankerl. Eine All Star Produktion mit dem neuen Titel “This Old House“ bei welchem Trace Adkins, Dierks Bentley, Sara Evans, Cody Jinks, Michael Ray, Darius Rucker, Travis Tritt, und Steve Wariner mitwirkten. Titel Nummer Zwei ist “No One Here For Me“, eine getragene Ballade. Dann folgen Liveaufnahmen von “Killin‘ Time“, “A Better Man“, “Walkin‘ Away“, “Summer’s Comin‘“, “Tuckered Out“, “Good Run Of Bad Luck“, “Like The Rain“ und “Nothin‘ But The Taillights“. Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Das Album “Still Killin‘ Time“ sollte die Tour zum 30-jährigen Bühnenjubiläum von Clint Black einleiten. Wer auf ein komplett neues Album von ihm gehofft hatte, wird enttäuscht sein. Schade um die verpasste Gelegenheit.

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Micky & The Motorcars – Long Time Comin‘

(VÖ: 01.11.2019)

Nachdem die Brüder Micky und Gary Braun bereits in ihrer Heimat Idaho erste Erfahrungen als Musiker sammelten, arbeiteten sie in der Red Dirt Band Reckless Kelly seit 1998 in Texas und hatten dort schon zehn Studioalben veröffentlicht. Irgendwann war es Zeit für eine Veränderung. 2003 gründeten sie die Formation Micky & The Motorcars. Nach dem letzten Album, “Across The Pond – Live From Germany“ aus dem Jahr 2015, liegt nun mit “Long Time Comin“ das neunte Album von Micky & The Motorcars vor. Mit 11 Titeln präsentieren Micky Braun (Gitarre, Gesang), Gary Braun (Gitarre), Dustin Schaefer (Gitarre), Joe Fladger (Bass) und Bobby Paugh (Schlagzeug) in klassischer Besetzung Texas Roots Rock Country und Alternative Country. Da ist kein Platz für zuckersüße Arrangements oder aufgeblasene Instrumentierungen. Geradeaus treibender Sound trägt die Uptempo Stücke wie “Road To You“ oder “Alone Again Tonight“. Mit Folkeinfluss erklingt die Ballade “All Looks The Same“ und lässt eine Harmonika klingen, so wie seinerzeit bei Bob Dylan. “Run Into You“, eine gefühlvolle Ballade, erzählt von dem Wunsch “Sie“ wieder zu treffen und auf einen Neufang zu hoffen. Klug wechseln sich getragene Balladen mit den rockigen Titeln ab und sorgen für eine gute Mischung. Der Titelsong “Long Time Comin‘“ beschließt das Album von Micky & The Motorcars und fordert auf, allen Widrigkeiten zu trotzen und immer weiter zu gehen. “Long Time Comin‘“ ist ein kurzweiliges Album voller unverstellter Musik, die mal Roots, mal Alternative, mal Folk ist; aber immer Country Music made in Texas. Wer die Band 2012 auf ihrer Tour durch Deutschland erleben durfte, hatte ganz sicher viel Spaß.

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Livewire – Wired!

(VÖ: 25.06.2009)

Eine besondere Eintagsfliege. So könnte man das erste und einzige Album der Bluegrass Band Livewire überschreiben. 1989 fanden sich der Banjoist Scott Vestal, Wayne Benson (Mandoline), Robert Hale (Gitarre) und Ernie Sykes (Bass) zur Formation Livewire zusammen. Allesamt erfolgreiche Mitglieder in so bekannten Bluegrass Bands wie Doyle Lawson & Quicksilver, Reno Brothers oder J.D. Crowe’s New South. 1990 erschien ihr Album “Wired!“. Mit den 12 Titeln darauf, modulierten die vier Musiker Bluegrass zu einem leichten Hörgenuss. So etwa den Klassiker “Love Please Come Home“, einst von Bill Monroe intoniert. Aber auch den Merle Haggard Song “The Longer You Wait“ übertrugen Livewire mit leichter Hand in das Bluegrass Genre. Dass diese vier Musiker ihre Instrumente meisterlich beherrschen und einsetzen, versteht sich von selbst. 20 Jahre nach ihrer Gründung wurde ihr Album “Wired!“ erneut veröffentlicht und das mag der Grund sein, warum das Werk noch einmal 10 Jahre später beworben wird. Und zwar zu Recht. Der Titel “Wired!“, ein Instrumental, der dem Album den Namen gab, zeugt von der Virtuosität und Klasse der Musiker. Allgegenwärtig das Banjo von Scott Vestal und der feine Harmoniegesang, der die Leadstimmen, meist von Robert Hale, hervorragend umhüllt. Livewire wurde als Newgrass Band einsortiert, weil sie sowohl Verstärker benutzten, als auch gern Songmaterial aufgriffen, welches nicht aus dem traditionellen Songbook des Bluegrass entnommen war. So ist das Album “Wired!“ ein kurzweiliger, halbstündiger Trip in die Gefilde der Bluegrass Music. Auch wenn Livewire Geschichte sind, nach so vielen Jahren ist das Hörgenuss vom Feinsten. Das sollte auch Nicht Bluegrass Fans gefallen.

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The Oak Ridge Boys – Down Home Christmas

(VÖ: 25.10.2019)

Am 19.11.2019 startete die hochdekorierte Formation The Oak Ridge Boys ihre Down Home Christmas Tour. Das machen die vier Herren, die in der gegenwärtigen Besetzung schon seit den 1960er Jahren zusammenarbeiten, in diesem Jahr zum 30. Mal (!). mit 11 Songs ist das Album zur Tour und für die Vor- und Weihnachtszeit sowohl mit einigen Traditionals wie “Silent Night“ oder “Amazing Grace“ bestückt, als auch mit neuen Songs wie “South Alabama Christmas“ oder “Don’t Go Pullin‘ On Santa Claus‘ Beard“. Dass William Lee Golden, Richard Sterban, Duane Allen und Joe Bonsall alle über 70 Jahre alt sind, kann man auch auf diesem Album hören. Sind auch die Arrangements großartig, lässt sich nicht verhehlen, dass die Stimmen brüchiger geworden sind. Mit der Erfahrung vieler Jahrzehnte im Musikgeschäft und des Trainings sind die Oak Ridge Boys dennoch in der Lage, gerade für ihre vielen Fans, ein Album mit Tiefgang zu präsentieren. Erinnert es doch an die Vergänglichkeit und an die Hoffnung, die in die Ankunft des Erlösers gesetzt wird. Nach einem sehr getragenen “Silent Night“ erklingt ein aufgeräumtes und swingendes “Hallelujah Emmanuel“. Auch diesmal wieder ist Dave Cobb als Produzent verantwortlich für “Down Home Christmas“. Dieses Album wartet nicht mit Überraschungen auf. Man hört die gealterten Gesangsartisten, die mit den Effekten aus ihren Stimmen einst brillierten und auch diesmal wieder hört man gern den Tenor und dazu gegensätzlich den knackigen Bass. Keine Frage, die Oak Ridge Boys gehören zu den beeindruckendsten Gesangsformationen, die dazu über eine unglaubliche, viele Jahrzehnte währende, Karriere verfügen. Mit “Amazing Grace“ in einer traditionellen, getragenen Version, die mit einem Vorwort eingeleitet wird, endet das Album “Down Home Christmas“ der Oak Ridge Boys“. Für Fans sicher eine Ergänzung ihrer Sammlung.

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Wade Bowen – Twelve Twenty-Five

(VÖ: 08.09.2019)

Mit einem 60er Jahre Beat unterlegt, beginnt das Christmas Album von Wade Bowen mir dem Titel “Christmas (Baby Come Home)“. Das klingt erst einmal noch gar nicht so weihnachtlich. Der Vertreter des Texas Country und des Red Dirt Sound hat gerne eigenwillige Interpretationen. Doch schon mit Track 2, “O Holy Night“, stimmt sich der geneigte Hörer auf die Zeit der Kerzen und der Erwartung ein. Auch hier klingt das Arrangement nach längst vergangenen musikalischen Hoch-Zeiten. Lustig auch der Titel des Albums. Er bezeichnet lediglich die Produktionsnummer von seinem Label Bowen Sounds: BS 1225. Wade Bowen wäre nicht der Rebell, würde er beispielsweise “Santa Claus Is Coming To Town“ brav und bieder dahinträllern. Bei ihm grooved ein Honky Tonk und macht richtig gute Laune. Ja, auch ganz besinnlich kann es der Sänger aus Waco, Texas, angehen lassen. Im Frank Sinatra American Chanson Style, leicht jazzig, erklingt “I’ll Be Home For Christmas“. Wade Bowen lässt sich bei einigen Titeln auf seinem 13 Titel umfassenden Album z.B. von Sohn und Schwager unterstützen. Da swingt es ein ums andere Mal, um dann wieder ganz traditionell zu klingen. Selbst dem, doch so strapazierten, Titel “White Christmas“ vermag Wade Bowen in einem Laid Back Arrangement einen fein anzuhörenden Nimbus zu verleihen. Zwischen den bekannten Christmas Songs, hat Wade Bowen immer wieder interessante und hörenswerte “neue“ Songs eingeflochten. So etwa “Once Upon A Christmas“ das einem Western-Outlaw Genre entnommen zu sein scheint. Doch es geht schlicht um die Geburt des Herrn. Mit “If We Make It Through December“ verneigt er sich tief vor einem der ganz großen Stars der Country Music, Merle Haggard. Auch vor dem Jahrtausend Weihnachtssong “Last Christmas“ macht Wade Bowen nicht Halt und arrangiert den Titel etwas anders und kleidet ihn neu ein. Dann aber ist es genug mit Beats und Groove. Mit dem letzten Titel, “Silent Night“, wird noch einmal deutlich, dass es hier um Weihnachten geht. Über 5 Minuten haben die Hörer genug Gelegenheit, sich auf das Fest der Feste einzustimmen. Ein feines Album, welches dem Anlass ganz sicher gerecht wird. Da hat mal jemand richtig viel Engagement in ein Christmas Album gelegt.

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Jason Aldean – 9

(VÖ: 22.11.2019)

Es ist sein neuntes Album und Jason Aldean nennt es schlicht so. Das haben andere Superstars auch so gemacht. Ja, das ist er allerdings. Ein Star der Superlative. Regelmäßig klettern seine Alben bis ganz nach oben und er füllt Stadien mit Menschenmassen unglaublichen Umfangs. Dass Jason Aldean nach dem schrecklichen Anschlag während seines Konzertes 2017 beim Route 91 Harvest Festival nahe Las Vegas, bei dem über 50 Menschen ihre Leben verloren, wieder zur Musik zurückgefunden hat, ist gut so. Mit dem Opener “Tattoos And Tequila“ singt Jason Aldean davon, dass Tattoos für die Erinnerung sind und Tequila zum Vergessen. Klischee? Und ob. Davon lebt das neunte Studiowerk des Mannes aus Georgia, dessen Karriere seit längerem auf höchstem Level schwebt. Dabei ist es schon über 10 Jahre her, dass er mit seinem Hit “Big Green Tractor“ vier Wochen die Charts anführte. Welche Fakten man auch über Ihn in Erfahrung bringt, stets ist man mit Superlativen konfrontiert. Ob es daran liegt, dass sich mittlerweile die Songschreiber darum reißen, einen Song von ihm interpretiert zu bekommen? Denn der erfolgsverwöhnte Sänger schreibt seine Titel nicht selbst. Dafür hat er mit 16 Songs sein Album “9“ ganz schön umfangreich ausgestattet. Die Mischung seiner Titel reicht von schweren, rockigen Gitarrenriffs bis zu modernen Balladen mit jeder Menge Brimborium im Arrangement. Schade manchmal, weil seine Stimme und seine intensive Interpretation zeitweise unterzugehen drohen. Unter den Titeln sind etliche, die sich um übliche Klischees drehen, wie beispielsweise Trinken. Auffällig auch, dass die Songs nicht allzu lange erklingen. Die Drei-Minuten-Grenze wird nur selten leicht überschritten. Nur der Schlusstitel “She Likes It“ macht mit 4:34 Minuten eine Ausnahme. Angenehm, dass auch Balladen wie “I Got What I Got“ oder “Came Here To Drink“ oder “I Don’t Drink Anymore“ auf das Album gelangten. Sie lockern die Abfolge der vorhersehbaren Mainstream Country Rock Nummern auf. Mit “9“ wollte Jason Aldean einfach fortsetzen, was ihn in den letzten Jahren in den Olymp der Country Music brachte. Ein wegweisendes Werk ist ihm aber damit nicht gelungen. Die Fans bekommen, was sie von ihm erwarten.

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Florida Georgia Line – The Acoustic Sessions

(VÖ: 18.10.2019)

Allen denjenigen, die bislang um die Musik des Duos Florida Georgia Line einen Bogen gemacht haben, sei das Album “The Acoustic Sessions“ ans Herz gelegt. Von allen Radau-Arrangements befreit, präsentieren Bryan Kelley und Tyler Hubbard ihre Erfolgstitel der vergangenen sieben Jahre als Akustikversionen. Dass dabei immer noch genug Dynamik in den Songs steckt, ist zum einen der Stimme und dem Engagement von Sänger Tyler Hubbard geschuldet. Aber auch die Songs offenbaren ihr wahres Potenzial, welches Konsumenten, die die New Country Rock Versionen bislang nicht mochten, nun entdecken können. Mit dem Überknaller “Cruise“ beginnt das Album verheißungsvoll. Dann folgen, wie Perlen auf der Schnur die Nummer Eins Hits und Top Ten Titel des Duos, welches in Nashville gecastet wurde. Mit 17 Titeln hat man ja fast ein Doppelalbum vor sich. Von “Stay“ über “May We All“, “Get Your Shine On“ und “God, Your Mama And Me“ bis “Meant To Be“ sind die großen Hits alle dabei. Fans von Florida Georgia Line werden das Album “The Acoustic Sessions“ ganz sicher in ihre Sammlung einverleiben. Allerdings offenbaren manche Titel die Einfachheit und Eintönigkeit, beispielsweise bei “This Is How We Roll“ wo der Rap nicht so ganz zur Akustik passen will. Die Annäherung an den Caribean Sound bei “Sun Daze“ klappt bei Kenny Chesney besser. Hier leider nicht so unbeschwert, wie vielleicht beabsichtigt. Dafür kann die folgende Ballade “Dirt“ umso mehr, weil von feinem Harmoniegesang gestützt, überzeugen. Ähnlich “entblättert“ auch der Titel “Confession“, der dann seine Poporientierung klarstellt. Der Top Hit “H.O.L.Y.“ ist sicher ein Highlight auch in der vorgelegten Akustikversion. Ist der letzte Ton verklungen, hat der geneigte Konsument jede Menge Musik gehört. Country Music? Manchmal. Pop? Schon sehr. Man schrammt ganz leicht an einer Übersättigung durch die FGL Harmonien vorbei.

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King Calaway – Rivers

(VÖ: 04.10.2019)

Da finden sich sechs junge Musiker aus Schottland, Gibraltar und verschiedenen Bundesstaaten der USA in Nashville zusammen und wollen die Musikszene dort aufmischen. Was mit der EP aus dem Frühjahr 2019 und der Hit Single “World For Two“ begann, soll nun mit dem ersten Album weitergehen. King Calaway heißt die Band und “Rivers“ ihr Erstlingswerk. Überschrieben wurde das Album mit: American Pop Music aus Nashville. Und genau das ist es auch. Pop Music, die an die Boy Groups des letzten Jahrhunderts erinnert. Da die Produktion in Nashville stattfand, ist ein gewisser Einfluss moderner Country Music spürbar. Gute Laune wollen King Calaway verbreiten und ihre Liebe und Leidenschaft zum Musizieren (Zitat) ausdrücken. Das spürt man tatsächlich. Für Fans von wirklicher Country Music ist da aber nicht viel Fleisch am Knochen. Zu viele Popelemente blasen die Titel auf und bei sechs Musikern muss wohl auch das Arrangement für jeden genug Aufmerksamkeit bereithalten. Wenn dann nach all dem Gedröhne ein Titel wie “Grow Old“ erklingt, entfährt einem unwillkürlich ein „na also, geht doch“. Zwar immer noch sehr poppig, aber verdaulich. Selbst die Popballade “I Do“ versöhnt ein wenig. Natürlich darf “World For Two“, die Hitauskopplung aus der EP nicht fehlen. Man kann dem Album ein feines Händchen im Arrangement nicht absprechen. Hier haben junge Musiker offensichtlich für ein sehr junges Publikum produziert. Das hat sicher seine Fans. Um sich mit vielen, vielen Vorgängern in der Country Music zu messen, braucht es noch etwas mehr Verständnis für Country Music, wenn überhaupt gewünscht.

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Lainey Wilson – Redneck Hollywood

(VÖ: 13.09.2019)

Nach ihrem Debütalbum mit ihrem Namen aus 2018 liegt nun eine EP mit 4 Titeln von Lainey Wilson vor. Aus einem kleinen Ort in Louisiana, machte sie sich in die Music City Nashville auf. Der Traum von einer Karriere als Sängerin trieb sie an. Bislang musste sie auf größere Anerkennung warten. Das erste Album mit 7 Titeln und nun die folgenden 4 Songs bilden noch keinen ausreichenden Hintergrund. Zumal Lainey Wilson sich in Interpretation, Stimmlage oder Songwriting nicht bemerkenswert heraushebt, aus dem schier unerschöpflichen Pool an jungen Talenten, die in Nashville ihr Glück suchen. Ziemlich Panne die mäßige Produktion des Titels “L.A.“, der die EP beschließt. Mit diesem letzten Eindruck sollte man sich nicht von Hörern verabschieden. Das macht keinen Appetit auf mehr. So wird Lainey Wilson noch etwas auf den Erfolg warten müssen.

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BaCoN – Sizzling at the Rattlesnake Saloon

(VÖ: 2019)

Diejenigen Fans, die am 13.1.2019 im Münchner Rattlesnake Saloon zu Gast waren, erlebten eine gigantische Party und sie haben wahrscheinlich fieberhaft darauf gewartet, dass die versprochene CD mit dem Mitschnitt dieses Abends erscheint. Damals gab sich das Trio BaCoN die Ehre, das sind die beiden Sänger und Songschreiber Jeffrey Backus aus Landshut und Jesse Cole aus Berlin sowie ihr Partner Nick Nolte aus Burgthann (nicht zu verwechseln mit dem Schauspieler) am Cajon die Ehre. Weil Jesse an dem Tag Geburtstag hatten, wollten die drei etwas ganz besonderes daraus machen und luden sich noch drei namhafte Musikerkollegen ein: Achilles Kuhn an der Steel Guitar, Steiger Mich´ am Banjo (beide aus der Oberpfalz) sowie den Bassisten Jim Klopfenstein, den man in der Münchner Szene sicher nicht vorstellen muss. Da wurden eine Reihe herrlicher Country-Klassiker zelebriert, doch auf die nun erschienene CD packte man ausschließlich die Songs, die Jeffrey und Jesse selbst geschrieben haben. Jeder der beiden hat etwa die Hälfte dieser 15 Titel beigesteuert. Das sind Songs mitten aus dem Leben gegriffen und die klingen einfach traumhaft schön. Wir können sie hier nicht alle aufzählen, aber einer der schönsten dürfte „Love Ain´t Easy“ aus der Feder von Jesse sein, der klingt so ein wenig nach Eagles. Bewundernswert, wie die drei Gastmusiker hier mit den Solisten harmoniert haben, obwohl sie die Songs nie zuvor einstudiert hatten. Dass auch der Humor nicht zu kurz kommt, wenn eine solch illustre Band auf der Bühne steht, versteht sich von selbst und selbst das kommt auf der CD rüber. Siehe die trockenen Kommentare von Steiger Mich´ im Hintergrund, sowie das Gelächter der Gäste. Ein Song ist dabei, den Jesse und Jeffrey nicht selbst geschrieben haben: „I Ain´t Your Milkin´ Cow“ stammt von Gus Backus, Jeffrey´s berühmtem Vater. Keinen konnte ahnen, dass Gus nur etwa einen Monat nach diesem Konzert für immer von uns gehen würde. Und einen vortrefflichen Song gibt es, den Jesse und Jeffrey zusammen verfasst haben: „I Ain´t Nothing Serious“, da geht´s um eine gesunde Portion Selbstironie. Seinen schönsten Song „The Cropduster“ hat sich Jeffrey für den Schluss aufgehoben. Diese CD ist etwas ganz besonderes und sollte in der Sammlung eines echten Country-Fans nicht fehlen. Review: Jürgen Stier

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Tim Grimm – Heart Land Again

(VÖ: 27.09.2019)

Im Jahr 2000 hatte Tim Grimm sein Coming Out mit dem Album “Heartland“. Nun fast 20 Jahre später, legt er die Songs von damals neu auf. Diesmal aber mit seiner Family Band. Das sind seine Ehefrau Jan Lucas Grimm und den beiden Söhnen Connor und Jackson. Tim Grimm gehört seit Jahren zu den besten Interpreten der American Folk Music und hatte mit der Familie bereits in 2017 mit “A Stranger In This Time“ ein Projekt am Start. Wird er auch als Folk Music Hero gefeiert, er ist oft mehr “Country“ als mancher Interpret der Neuzeit, der sich diesem Genre zugehörig fühlt. Außerdem ist der Folk von Tim Grimm oftmals ein flotter, rhythmischer, ja sogar tanzbarer Folk. Daneben stehen aber auch so wunderbare Balladen wie “Better Days“, die fast mit Erzählstimme vorgetragen sind und über ein wundervoll gefühlvolles Arrangement verfügen. Laid Back total. Das muss man erst einmal sacken lassen. Da lässt ein Musiker seine 20 Jahre alte Musik in neuem Gewand erstrahlen und ist dennoch ganz, ganz weit vom Mainstream entfernt. Das erfordert Mut und vor allem Liebe. Liebe zu dieser Musik und zu den Menschen des Heartland von denen Tim Grimm seine Stories “geborgt“ hat. In den ländlichen Gebieten, in denen die Menschen oftmals sehr hart arbeiten müssen um ihren Lebensunterhalt zu sichern, gibt es besondere Sichten auf das Leben. Hier zählen andere Dinge wie Konsumzwänge und überhebliches Imponiergehabe. Hier geht es um Verlässlichkeit, um Geradlinigkeit und Ausdauer. Dass daneben aber auch Freude am Leben entsteht, davon erzählt Tim Grimm. Mit zwei neuen Titeln hat er sein Album “Heart Land Again“ ergänzt. Überwiegend ist das Arrangement der Songs auf die feinen akustischen Gitarrenriffs gegründet und sorgen für ein besonderes Hörvergnügen. Wer möchte da eine Grenze zwischen Country und Folk Music ziehen? Völlig egal. Wer Tim Grimm von damals verpasst hat, sollte hier ganz sicher einmal mit Freude zuhören. Welch eine Freude muss Tim Grimm selbst haben, mit seiner Familie das zu tun, was ihm am meisten Spaß macht. Musik.

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Eric Paslay – Live In Glasgow

(VÖ: 20.09.2019)

Eric Paslay machte 2011 auf sich aufmerksam, als er erstmals in den Top 50 auftauchte. Zwei Jahre später hatte er eine Nummer Zwei mit dem Titel “Friday Night“. Beim Mitschnitt seines Livekonzertes in Glasgow, anlässlich seiner Europa Tour 2019, fehlen seine Hits wie “Song About A Girl“, “Friday Night“ oder “She Don’t Love You“ natürlich nicht. Ganz sicher hat Eric Paslay Country Music in die Wiege gelegt bekommen. Als Interpret der Neuzeit, widmet er sich allerdings oft den fetzigen, rockigen und leider auch Mainstream Musiken, mit denen die Charts erobert werden und mit denen man Hallen füllen kann. Klar, dass jede Menge Begeisterung der schottischen Fans auf dem Live Album “Live In Glasgow“ zu hören ist. Der Texaner unterhielt sein Auditorium zwischen den Titeln humorvoll und dennoch auf den Punkt zeigend. Wie es oft bei Livekonzerten ist, dauern manche Titel inklusive der Anmoderation schon mal locker über 5, manchmal über 6 Minuten. Titel 4 auf dem Album, zeigt bei der Trennungsballade “Amarillo Rain“ einen gefühlvollen und gleichzeitig unglaublich engagierten Sänger und Interpreten. Da ist jede der über 5 Minuten ein Genuss. Auf einmal passt das bombastische Arrangement wie Deckel auf Topf. Angenehm seine Moderation, dass Musik ein verbindendes Element in der ganzen Welt ist. „Egal welche Flagge du schwenkst. Es kommt darauf an, was du im Herzen empfindest.“ In einer Liveshow gelingen auch Experimente wie Songs zu verbinden, wie der Track “Here Comes Love/On The Road Again“ beweist. Der Wechsel zwischen soliden Balladen und den modernen Rock Country Stücken, haben ganz sicher das Konzert in Glasgow zu einem Erlebnis werden lassen. Das Album zum Konzert gibt einen Eindruck davon und macht neugierig auf Eric Paslay und was da noch alles zu erwarten sein wird.

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Kevin Daniel – Things I Don’t See

(VÖ: 20.09.2019)

Nach zwei EPs, mit denen Kevin Daniel vorsichtig in das Business startete, erschien nun mit seinem Album “Things I Don’t See“ der erste Longplayer. Dabei ist Musik seit früher Kindheit zu einem Lebensmittelpunkt für den Mann aus North Carolina geworden. Seine EP “FLY“ entstand allerdings aus einer tragischen Wende in seinem Leben, als er erfuhr, dass seine Mutter und Stiefvater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Kevin Daniel schrieb daraufhin etliche Titel, um das Erlebte zu verarbeiten. Bis dahin hatte er in zwei Quartetten mitgespielt, in vier Hochschulorchestern, zwei Jazz und Blue Bands, einer Bluegrass Band, einer Punk Ska Gruppe Musik gemacht und als Tenor in einer A Capella Band gesungen. Seine Fähigkeiten als Multiinstrumentalist waren dabei in jeder seiner Bands hochgeschätzt. Weil Kevin Daniel über so viele verschiedene Einflüsse zu seinem ersten Studioalbum kam, wird seine Musik am ehesten mit Americana beschrieben. Wenngleich seine Balladen ganz gut in das Genre Country Music passen. Er hat was zu erzählen und er tut dies sehr eindringlich. Mit Arrangements, die eigenwillig, rockig und dann wieder in Kombination z.B. mit breitem Raum für eine Pedal Steel daherkommen. Mit einer sehr einprägsamen Stimme, die über ein Vibrato verfügt, dringt Kevin Daniel in die Ohren. Titel wie “22“, bei welchem Celli einen Song begleiten, der eigentlich eine Country Music Instrumentierung fordert oder “Xanax, Cocaine & Whiskey“, der als ein Honky Tonk Waltz eingespielt wurde, zeigen, dass auch sein Verständnis vom Geschichtenerzählen von seichten Mainstream Balladen weit entfernt sind. Immer wenn man geglaubt hat, der gerade erklingende Song ist klar, hat Kevin Daniel eine kleine Überraschung im Arrangement im Ärmel. Nach 11 Tracks überlegt man unwillkürlich was man eigentlich gehört hat. Auf jeden Fall ein sehr interessantes und anspruchsvolles Album, welches viel mehr Country in seinem Americana beinhaltet. Da hat das Zuhören richtig Spaß gemacht.

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Home Free – Dive Bar Saints

(VÖ: 06.09.2019)

Kaum jemand wird bezweifeln, dass Home Free zurzeit die beste A Capella Formation ist, die sich (nicht ausschließlich) mit Country Music befasst. Sind auch ihre Charterfolge eher zu vernachlässigen, haben die fünf Musiker seit dem Jahr 2000 für jede Menge Aufmerksamkeit gesorgt. Dabei haben einige Wechsel in der Besetzung von Home Free stattgefunden. Vor allem ein Bass Sänger war nicht leicht zu finden, der ins Konzept und die Harmonien passte. Es ist immer wieder frappierend, was die Sänger und der für das Beatboxing zuständige Vokal Perkussionist aus ihren Songs herausholen. Mit dem Album “Dive Bar Saints“ legen Home Free ein Produkt vor, das sie diesmal ganz allein verantworten. 12 Titel, die hier und da auch mit instrumentaler Begleitung arrangiert wurden, wirken wie eh und je durch die fantastischen Harmoniegesänge und die kleinen Überraschungen, die immer mal wieder eingebaut sind. Neu auch, dass es sich bei den Titeln auf “Dive Bar Saints“ nicht nur um Cover Songs handelt. Gerade Tim Foust (der mit dem unglaublichen Bass) schrieb bei etlichen Titeln mit. Foust brachte auch wesentlich mehr Country in das Repertoire von Home Free. Allein dem Tenorsänger Rob Lundquist zuzuhören ist ein Genuss. Wenn Home Free den Vince Gill Titel “Go Rest High On That Mountain“ vortragen, der plötzlich in ein “Amazing Grace“ mutiert, kommt die Klasse des Arrangements zutage. Home Free eben. Zum Schluss des Albums “Dive Bar Saints“ räumen Home Free mit den Ressentiments gegenüber der Hymne “Take Me Home, Country Roads“ auf und präsentieren eine sowohl respektvolle als auch eigenständig interpretierte Coverversion. Sicher auch mit einem Augenzwinkern. Die Fans müssen nicht fürchten, dass Home Free sich allzu weit von ihren wunderbaren A Capella Fähigkeiten entfernen werden. Das ist große Kunst.

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Jenny Anne Mannan – Carnies & Cowboys

(VÖ: 03.09.2019)

Nach ihrem Album “Saints & Sinners“ aus dem Jahr 2012 mussten erst 7 Jahre vergehen, bis von der charismatischen Multiinstrumentalistin Jenny Anne Mannan ein neues Studioalbum erschien. “Carnies & Cowboys“ heißt das Werk und bietet mit seinen 12 Tracks jede Menge feiner Musik. Jenny Anne Mannan, die mit der Familie Watkins, dem damaligen Rückgrat der Nickel Creek Band, eng verbunden ist, ist selbst eine mehrfach ausgezeichnete Fiddlerin und mit verschiedenen Formationen im Bluegrass zuhause. Solo Projekte dürfen deshalb auch durchaus einmal von Pop Country beeinflusst sein. „Meine Musik ist die Tochter von Texas Fiddling und der Familie Bluegrass; das Stiefkind des Rock’n’Rolls; die Nichte von Old Country, Gospel und Whiskey; die Enkelin von Mountain Old Time Music.“ So beschreibt Jenny Anne Mannan ihre musikalische Ausrichtung. So vielfältig sind auch die Titel ihres Albums “Carnies & Cowboys“. Sie transportiert ihre Songs mit einer einprägsamen Stimme, die trotz des einen oder anderen Wacklers sehr klar und dominant ist. Country Music ihrer eigenen Art traut sich die Sängerin aus dem US Bundesstaat Washington zu präsentieren. Fest auf Old Time Tunes gegründet, sind ihre Songs aber dennoch frisch und scheinen aus der Zeit gefallen zu sein. So überwiegen auch die Balladen, die tatsächlich als Enkel der Mountain Old Time Music gelten können. “Lead Me To The Gallows“ oder “Prepare For Me A Place“ sind solche Beispiele. Auch die Spieldauer der meisten Songs liegt über 4 Minuten, bei “100 Ways To Beat The Blues“ sogar bei 6:32 Minuten. Damit das Album nicht zu balladesk ausfällt, hat Jenny Anne Mannan mit “Tattoos“ und “The Road“ etwas flottere Rhythmen eingeflochten. Es bleiben dennoch Balladen und das ist gut so. “Carnies & Cowboys“, der Titel erschließt sich im letzten Song, “Minnesota State Fair“, einer Ballade um das Geschehen dieser Veranstaltung. Das Album “Carnies & Cowboys“ von Jenny Anne Mannan ist außergewöhnlich und, weil richtige Country Music, absolut empfehlenswert.

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Trisha Yearwood – Every Girl

(VÖ: 30.08.2019)

Als Trisha Yearwood sich 2018 einen lang gehegten Wunsch erfüllte und mit “Let’s Be Frank“ ein Tribute Album an den großen amerikanischen Sänger und Entertainer Frank Sinatra aufnahm, war ihre Fangemeinde zunächst irritiert. Aber mit ihrer Stimme, die sehr wohl auch mit einem großen Orchester beeindruckt, konnte Trisha Yearwood beweisen, welch gute Interpretin sie ist. Davor war sie über 10 Jahre abstinent, was Veröffentlichungen von Studioalben anbetrifft. Nun gibt es wieder einen Longplayer von ihr. Was dürfen die Fans von dem Album “Every Girl“ erwarten? Mit 14 Songs gibt es jede Menge Musik von einer der erfolgreichsten Interpretinnen der Country Music schlechthin. Wenn es mit “Workin‘ On Whiskey“ losgeht, ist augenblicklich klar, dass hier wieder die Trisha Yearwood am Start ist, auf die man so lange warten musste. Kraftvoll und eindringlich klingt sie, wie eh und je. Yeah. Gleich danach erklingt ein Popsong, der jedem Musical entsprungen sein könnte. Na ja. Doch schon mit der, Piano begleiteten, Ballade “Home“ werden die Hörer wieder versöhnt. Trisha Yearwood kann aus solch einem Material eine Country Ballade machen. Der Titel “Every Girl In This Town“, der dem Album den Namen gab, ist wieder eine typische Trisha Yearwood Ballade. Mit unglaublicher Power vorgetragen, singt sie vom Erwachsenwerden junger Mädchen und hat diese Zielgruppe klar im Blick. Und es geht weiter mit den “Yearwood-Balladen“. Bei “What Gave Me Away“ darf Gatte Garth Brooks ein wenig unterstützen, obwohl das gar nicht nötig wäre. “Something Kinda Like It“ lässt Raum für tolle Instrumente und hat Speed. Gleich darauf wird es bei “When Lonely Calls“ wieder sehr getragen, bevor mit “The Matador“ die vielleicht schönste Ballade des Albums “Every Girl“ erklingt. Gänsehaut garantiert. Das setzt sich auch bei “Bible And A 44“ fort, der Ballade über den Vater, mit Patty Loveless in den Harmony Vocals. Das Duett mit Don Henley, “Love You Anyway“ beschließt dieses großartige Album. Endlich ist sie wieder da. Die Trisha Yearwood, die Country Music und vieles mehr so unglaublich intensiv darbieten kann. Wow.

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Riley Green – Different `Round Here

(VÖ: 20.09.2019)

Riley Green, Singer/Songwriter aus Alabama, legt mit “Different `Round Here“ sein Debutalbum vor. Mit der bereits 2018 erfolgreichen Single “There Was This Girl“ beginnt das Werk mit einer Hymne auf ein besonderes Mädchen. Aber gleich mit den nächsten Titeln “Different `Round Here“ und “Same Old Song“ macht Riley Green deutlich, dass er in den Klischees des Lebens eines echten Südstaatlers verhaftet sein will. Fischen, Jagen, Trinken, Kämpfen, Trucks und so weiter. Aus diesen Songs tropft der amerikanische Nationalismus pur. Die Verherrlichung von Red, White and Blue schlechthin. Musikalisch ist das in moderne, rocklastige Gitarrenriffs verpackt und somit dem Zeitgeist angepasst. Wenn Riley Green in Erinnerung an seinen Großvater, Bufford Green, die feine Ballade “I Wish Grandpas Never Died“ stellt sich eine nachdenkliche Stimmung ein. Der Mittelteil des Albums ist dann auch wesentlich ruhiger als der Beginn. Na also, geht doch und moderne Country Music erklingt. “Bettin‘ Man“, “Numbers On The Cars“ etwa oder “Break Up More Often“ zeugen davon. “Different `Round Here“ ist mit 14 Titeln üppig ausgefallen. Allerdings klingen einige Songs aber sehr ähnlich und Inhalte werden ebenfalls mehrfach strapaziert. Aber das Werk ist keineswegs langweilig. Hier und da, hätte weniger Arrangement und weniger Gitarreneinsatz den Songs besser getan. Nach vier Wochen in den Alben Charts und der Spitzenplatzierung 11, geht es stetig abwärts mit “Different `Round Here“. Von diesen Alben gibt es mehr als genug.

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T.G. Sheppard – Midnight In Memphis

(VÖ: 20.09.2019)

Die letzte Nummer Eins von T.G. Sheppard war vor über 30 Jahren mit “Strong Heart“. Dabei hatte es 1974 mit seiner ersten Top Platzierung, “Devil In A Bottle“ vielversprechend begonnen. Tatsächlich hatte T.G. Sheppard zwischen 1974 und 1986 immerhin 14 Nummer Ein Hits. Sein letztes Album, “T.G. Sheppard & Friends“ stammt aus dem Jahr 2015. Nun hat der 75-jährige Mann aus Humboldt, Tennessee, mit dem Album “Midnight In Memphis“ ein neues Projekt am Start. Wie der Titel vermuten lässt, darf der größte aller Interpreten der populären Musik, Elvis Presley, hier gewürdigt werden. Mit seinem Song “I Wanna Live Like Elvis“ geschieht dies gleich zu Beginn des Albums. Dass T.G. Sheppard immer noch ein großer Interpret ist, beweist er Song für Song. Ist seine Stimme auch nicht mehr ganz so gewaltig und wackelt hier und da, seine Ausstrahlung ist beeindruckend. 13 Titel, von denen viele die vier Minutengrenze überschreiten, hat er auf dieses Album gepackt. Vor Cover Songs wie “Black Coffee“ schreckt er auch nicht zurück. Was besticht, ist die klare Aufnahme seiner Stimme, so dass man den Texten leicht folgen kann. Ja, T.G. Sheppard ist ein Vertreter der Country Music längst vergangener Zeiten auch wenn die Produktion dieses Album mit jeder Menge Computer Schnick-Schnack versucht, ein modernes Outfit zu kreieren. Vor allem die wenig intelligenten Drums stören oft. Es ist immer wieder schön, dass Country Music Interpreten auch in fortgeschrittenem Alter stattfinden können. Gerade sie haben ja oft eine Menge zu vermitteln. Klar, dass hier nur Fans die Ohren öffnen, die noch wissen, was eine Wählscheibe ist. “Midnight In Memphis“ ist sicher kein Jahrhundertwerk aber eine liebenswerte Begegnung mit einem beinahe in Vergessenheit geratenen Künstler. Wenn das Album mit “The Day Elvis Died“, ist nicht nur der Kreis um Memphis geschlossen. Es lässt leider auch die Gewissheit zurück, dass alle einmal gehen müssen. T.G. Sheppard sei ein langer und erfüllter Lebensabend gegönnt.

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The Grascals – Straighten The Curves

(VÖ: 20.09.2019)

Nashville scheint nun nicht gerade das Zentrum der Bluegrass Music zu sein. Dennoch kommt eine der hochdekoriertesten Formationen dieses Genres aus der Music City USA. The Grascals, nun auch schon 15 Jahre am Start, wurden zuletzt als Band mit dem Preis für die beste Instrumental Gruppe vor der Society of the Preservation of Bluegrass Music of America geehrt. Zudem bekam das Bandmitglied Kristin Scott Benson zum wiederholten Mal den Titel Banjo Performer Of The Year. Da sind mit ihr 5 weitere Kollegen Garanten für exzellente Musik. So auch wieder auf dem neuen Album “Straighten The Curves“. The Grascals verstehen es, traditionellen Bluegrass so aufzuarbeiten, dass auch modernerer Musik zugetanen Fans begeistert zuhören. Der Satzgesang, die herausragende Instrumentenbeherrschung und nicht zuletzt die Songauswahl und deren Mischung machen aus einem Album wie “Straighten The Curves“ einen besonderen Genuss. Immer mal wieder erklingen Songs, die zunächst gar nicht recht in den Bluegrass passen wollen. Die Ballade “They Laughed“ ist solch ein Beispiel. Da dürfen die Highspeedplayer einmal ausruhen und eine ruhige Laid Back Melodie vortragen. Der alte Eddie Rabbit Knaller “Drivin‘ My Life Away“ bekommt in der Version von The Grascals ein neues Gewand. Und einem der größten Blue Collar Artists, Merle Haggard, setzen sie mit dem Titel “Haggard“ ein musikalisches Denkmal. Mit dem Instrumental “AndiWayne“ führen die Grascals die Hörer wieder in die Gefilde der akustischen Akrobatik zurück. Mit “What Does God Look Like“ folgt eine Ballade, die mit den wunderbaren Möglichkeiten der tollen Instrumentierung spielt. So wechseln Hardcore Bluegrass Stücke mit Gospel Songs oder an Country Music angelehnten Bluegrass ab. Die Mischung der 12 Titel macht die Attraktivität des Albums “Straighten The Curves“ aus. Von solch intelligenter und liebevoll eingespielter Musik darf es jederzeit mehr sein.

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Lakeside – Moving On

(VÖ: 13.09.2019)

Sonntagmorgen und den Besuch der Kirche verpasst? Kein Problem. Das neue Album der Gospel/Bluegrass Formation Lakeside in den Player und den 11 Songs lauschen. Da ist soviel Glaube, Hingabe und Demut enthalten, dass es einem Kirchenbesuch beinahe gleichkommt. Was die beiden gesetzten Herren Jackie Cummings (bass, lead/harmony vocals) und Greg Blankenship (mandolin, lead/harmony vocals) ihren wesentlich jüngeren Bandkollegen Lucas Blankenship, John Robert Freels und Walt Williamson beibringen konnten, ist akustische Musik auf hohem Niveau. Durch und durch dem christlichen Leitfaden verpflichtet, ist das Album “Moving On“ speziell dem Gospel Genre entnommen. “I Saw The Light“, “Trusting The Grace“, “A Sinners Prayer“ oder “Power In His Name“ zeigen im Titel schon, worum es geht. Beinahe nebenbei erklingen die akustischen Instrumente in feinster Qualität. Was als Familienunternehmen, The Gospel Bluegrass Boys aus Madisonville, Tennessee, begann, wurde zur Formation Lakeside weil sich einige Bandbesetzungsänderungen ergaben. “Moving On“ ist ein berührendes Album. Man darf solch ein Album nicht zerreden, ob man nun gläubig ist oder nicht. Selbst für eher weniger gläubige Hörer ist diese Musik ein wohltuender Genuss.

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Crystal Gayle – You Don’t Know Me

(VÖ: 06.09.2019)

Mindestens so lang wie ihre beeindruckende Haarpracht ist die Karriere von Crystal Gayle. Im September 1970 hatte sie ihren Charteinstieg mit “I’ve Cried (The Blue Out Of My Eyes), damals ein Platz 23. Nach 16 Jahren Abstinenz hat sie nun mit einem Nostalgie Album “You Don’t Know Me“ wieder einen Longplayer auf dem Markt. Mit dem alten Marty Robbins Titel “Ribbon Of Darkness“ beginnt die Retrospektive. Die folgenden 14 Tracks zelebrieren das Comeback einer Zeit der Country Music, welches heutzutage aus der Zeit gefallen scheint. “Please Help Me I’m Falling“ (Hank Locklin), “Hello Walls“ (Willie Nelson), “There Goes My Everything“ (Dallas Frazier/Jack Greene) und so weiter und so weiter. Etwas störend ist das Low Budget Arrangement, welches mit Computerunterstützung nicht für den nötigen Tiefgang sorgt. Crystal Gayle, die jüngere Schwester von Loretta Lynn, hat die Gene, die ihr ein lebenslanges Können als Sängerin bescheren. Eine reife Persönlichkeit präsentiert hier einen Hit längst vergangener Zeit auf den nächsten. Gut, dass wenigstens ihre Stimme nicht “geschönt“ wurde. Das Feeling für die alten Kamellen hat Crystal Gayle nicht verloren obwohl sie sich ab dem Ende der 1970er Jahre den Crossover Songs in Richtung Pop widmete. Die vielen Klassiker hat man ganz sicher in den Originalen in besserer Erinnerung als in der Interpretation von Crystal Gayle. Bemerkenswert, dass solch ein Album heutzutage eine Chance auf Veröffentlichung hat. Allein das ist aller Ehren wert.

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Zac Brown Band – The Owl

(VÖ: 20.09.2019)

Man muss Zac Brown als Kopf der gleichnamigen Band als einen der herausragenden musikalischen Köpfe der letzten Jahre einordnen. Allerdings möchte man angesichts der tollen Titel, die so wunderbar in die Country Music hineingepasst haben, beim Hören des neuen Albums, “The Owl“, vor Enttäuschung aufschreien. Schon mit dem Album “Jekyll & Hyde“ aus 2015 hatte Zac Brown die Country Music Pfade eigenwillig verändert. Nun mit diesem Werk verlässt er ganz und gar dieses Genre. R&B, Dancefloor Pop, Rock, Rap und Hip-Hop dominieren. Nachdem man die ersten drei Titel “The Woods“, “Need Is“ und “OMW“ überstanden hat, platziert Zac Brown mit der Popballade “Someone I Used To Know“, zugegeben ein fettes Teil nur leider keine Country Music, den Versuch einer Versöhnung mit vielleicht verschreckten Hörern. Auch “Me And The Boys In The Band“ ist so ein musikalisches Feigenblatt. Mit dem Produzenten Jason „Poo Bear“ Boyd, der für Justin Bieber oder Brantley Gilbert arbeitete, ist die Ausrichtung auf Pop und Country ferne Genres gewollt. Da nützt es auch nichts, dass zum Schluss mit “Leaving Love Behind“ eine von Piano begleitete Ballade erklingt, die den Sänger Zac Brown deutlich heraushebt. “The Owl“ ist musikalisch sicher seinem Können und seinem Niveau angepasst. Für Fans der Country Music, selbst der zeitgemäßen, scheint dieses Album eher nicht gedacht. Die Fleischtöpfe der anderen Genres scheinen halt besser gefüllt zu sein.

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The Highwomen – The Highwomen

(VÖ: 06.09.2019)

Da haben sich vier Künstlerinnen, die längst eigene Solokarrieren haben, für ihre Zusammenarbeit einen bedeutungsvollen Bandnamen gegeben. Natürlich wird man an die Jahrhundertkollaboration von Jennings, Kristofferson, Cash und Nelson erinnert, die als Highwaymen unterwegs waren. Rein zufällig? Wenn nicht, dann muss das gleichnamige Album von Brandi Carlisle, Natalie Hemby, Maren Morris und Amanda Shires einige Vergleiche aushalten. So beginnt das Album auch gleich mit der feminisierten Version des Klassikers “Highwayman“ als “Highwomen“. Da zeigen die vier Damen ihre stimmlichen Qualitäten nacheinander und als Quartett wie im Vorbild. Laut eigener Einschätzung soll das Album ein eindeutiges Bekenntnis zu der Power von Frauen und deren selbstbewusster Einnahme gleichberechtigter Positionen in der Musik sein. „Jeder kann eine Highwoman sein. Es geht darum, sich zusammenzuschließen, das eigene Ego, so sehr es nur geht zurückzustellen, sich gegenseitig hochzuhalten und andere Frauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu (ver-)stärken. Schulter an Schulter.“ Diese Überschrift wollen die Highwomen über ihr Album geschrieben wissen. Jede der vier Frauen schreibt ihre Titel gern selbst und so sind die 12 Songs auf “Highwomen“ von ihnen geschrieben oder mitgeschrieben. Selbst den Albumtitel haben sie “umgeformt“. Die Themen variieren. Von der Emanzipation der Frau wie in “Redesigning Women“ zu enttäuschter Liebe bei “Loose Chains“ und dem Gefühl als Hausfrau eingezwängt zu sein, wie bei “My Name Can’t Be Mama“. Noch einige andere, auch gesellschaftlich immer noch nicht akzeptierte, Themen erwarten die Hörer. Musikalisch wechseln sich Balladen mit Uptempo Stücken ab, wobei die nachdenklichen Titel überwiegen. Das Album der Highwomen ist eindeutig an das weibliche Publikum gerichtet. Dass Frauen sich ihre verdienten Plätze in der Musik erobern, ist nicht neu. Auch in der Country Music. Hält das Album also, was der Titel vermuten ließ? Ja und nein. Manchmal wird etwas zu viel Pathos eingesetzt um kritische Themen zu transportieren. Manchmal plätschert die Melodie dahin. Country? Allemal. Berechtigt waren die Highwomen mit ihrem Album auf Platz Eins der Album Charts. Durchaus hörenswert.

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Kevin Fowler – Barstool Stories

(VÖ: 23.08.2019)

Mit Charterfolgen hat Kevin Fowler sich und seine Fans bislang nicht verwöhnt. Ob das diesmal mit dem Album “Barstool Stories“ gelingen kann? Mit der Single “Neon“ beginnt das Album schon mal mit jeder Menge Speed, gefolgt von “Breakin‘ In A Broken Heart“ einem tanzbaren Honky Tonk. Und mit “Country Song To Sing“ lässt Kevin Fowler in einer Ballade ein Klischee auf das nächste folgen. Dazu darf eine Steel Guitar einmal zeigen, was man damit machen kann. Ist das schon wieder zu viel Tradition? Sollte es Kevin Fowler gelingen, der Versuchung an die großen Dollartöpfe um jeden Preis zu gelangen widerstehen? Es wäre für jeden echten Country Music Fan ein Gewinn. 11 Titel bietet das Album “Barstool Stories“ und überrascht wohltuend nicht mit Mainstream, sondern bleibt herrlich der texanischen Honky Tonk Music verpflichtet. So kann bei “Tequila Kisses“ musikalisch die Nähe der Grenze zu Mexiko eingearbeitet werden. Mit “Better With Beer“ und “A Drinkin‘ Song“ ist das Thema Alkohol dann ausreichend gewürdigt, wobei man bei letzterem wunderbar schwofen kann. Noch eine feine Ballade, “She’s Growing On Me“ rundet das Album “Barstool Stories“ ab. “Fake I.D.“ ist ein weiterer Song zum Abfeiern, bevor die Ballade “Heaven“ das Album beschließt. Nun ist auch klar, warum Kevin Fowler nicht ganz oben in den Charts zu finden sein wird. Zu traditionell, zu texanisch, zu Country. Großartig.

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Justin Moore – Late Nights And Longnecks

(VÖ: 23.08.2019)

Seine Herkunft kann Justin Moore auch in seinem fünften Studioalbum nicht außen vorlassen. Er stammt aus einem kleinen Kaff in Arkansas und seine erste Nummer Eins, “Small Town USA“, erzählte 2009 auch davon. Auf dem neuen Album präsentiert sich der stimmgewaltige Moore mit lauten, fetzigen Titeln, die gern mit den Lebensumständen spielen, die man in einer Kleinstadtumgebung zu ertragen hat. Moderne Country Music und ein Refresh des Begriffes Neotraditionalist, beschreiben wohl annähernd, was die Konsumenten bei seinem Album “Late Nights And Longnecks“ erwartet. Da sind fast alle Themen alter Tradition vertreten. Alkohol in seinen Facetten, vom Spaßmacher bis hin zum Zerstörer. Liebe zum Vaterland und wie man ein „echter“ Amerikaner wird. Natürlich auch die Religion und die Familie. Klar, das gab es alles schon. Lässt man sich einmal von der Musik leiten, erschließt sich ein grundsolides Country Music Album, welches obwohl recht flott und modern eingespielt, sich gegen die Überfälle der Rock Music auf die Country Music schützen konnte. 10 Songs in alt bekanntem Gewand und dennoch hörenswert. Justin Moore schafft es mit seiner Stimme und seinem Engagement die Zuhörer mit dem zu versorgen, was Country Music ausmacht. Geschichten erzählend, wenn auch thematisch oft gehört, ist Justin Moore mit seinen Songs keinesfalls langweilig. Dafür sorgt das Arrangement, welches immer knapp am Rand zu den ganz harten Klängen des zeitgemäßen Mainstreams aufgesetzt wurden. So verbindet der Titel “Small Town Street Cred“ das Thema seiner ersten Nummer Eins, gepaart mit den viel zu Rock lastigen Klängen der Neuzeit. Soll sich heutzutage ein Album verkaufen, muss es wohl solche Adaptionen enthalten und die Konsumenten müssen das ertragen. In vorgenanntem Titel, wurde den Gitarreros etwas zu viel Freiraum gelassen. Und so verkommt der traditionelle Ansatz fast vollständig. Wen kümmert da noch, dass die Themen so altbacken sind? Gut, dass es zum Schluss noch drei Titel gibt, die die Ohren entlasten. “Late Nights And Longnecks“ von Justin Moore ist der Versuch eines richtig guten Interpreten für jeden Geschmack ein Häppchen bereitzuhalten. Für den großen Wurf bis an die Spitze der Alben Charts hat es diesmal nicht gelangt.

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Heartland – I Loved Her First – The Heart Of Heartland

(VÖ: 26.07.2019)

Da werden die Fans ganz schön verladen. Der Titel der neuen Produktion der Indie Formation Heartland ist derselbe wie 2006 ihres ersten und bislang einzigen Albums. Als Re-Release ist das neue Werk angekündigt und wer geglaubt hat, die Tracks von damals werden nun, etwas aufpoliert, in neuem Gewand erscheinen, irrte gewaltig. Bis auf den einzigartigen Erfolgstitel, der “Wedding Story“, “I Loved Her First“ sind die übrigen 9 Titel des Albums neu. Neu ist allerdings auch, dass sich die Band mit Tracy Lawrence, der bei fast allen Tracks als Partner zu hören ist, einen Hochkaräter ins Boot geholt haben. Das Album beginnt mit “Thank God For The Hard Times“, einer grundsoliden modern eingespielten Ballade, gefolgt von “Let Go“, einer Slow Tune Trennungsballade. Die langsamen Titel dominieren das Album und zeigen eine Intension auf, die den Songs zugrunde liegt. Es geht um ein ureigenes Anliegen der Country Music, das Geschichtenerzählen. Die jeweils führende Stimme der Akteure passen auch überaus gut in dieses Genre. “Judge A Man By His Woman“ etwa ist 4:21 Minuten lang und wartet mit einer B3-Organ Begleitung auf, die heutzutage beinahe in Vergessenheit geraten ist. Noch ein “Longplayer“ erklingt 4 Minuten lang mit dem Titel “Angel“. Nachdem der zehnte Track, “When Love Comes Around“ unter Mithilfe von Samantha Crawford verklungen ist, reibt man sich verwundert die Ohren. Da hat Heartland mit “I Loved Her First“ (klar, dass dieser Track heraussticht) nach so langer Zeit wieder ein Album am Start und dann so etwas. 10 Balladen, in einer Zeit, in der es manchen Fans ja nicht rockig genug sein kann. Mutig und gut. Warum das Verwirrspiel mit einem Re-Release bleibt aber das Geheimnis von Heartland.

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Midland – Let It Roll

(VÖ: 23.08.2019)

Den Aufschlag machten Midland 2017, als sie gleich mit ihrem ersten Album “On The Rocks“ auf Platz 2 der Country Album Charts stürmten. Da haben sich Mark Wystrach, Jess Carson und Cameron Duddy die Messlatte für das Nachfolgealbum verdammt hochgelegt. Mit “Let It Roll“ als Titelsong beginnt das neue Album kräftig, rockig und fett. Gleich danach erklingt mit “Fourteen Gears“ eine Midtempo Ballade, die auch aus einer anderen Epoche der Country Music stammen könnte. Modern und traditionell zugleich. Leicht verdaulich und absolut Spaß bereitend. So geht Country mit Potenzial zum Feiern. Mark Wystrach ist die Stimme, Jess Carson der Gitarrist und Cameron Duddy der Bassist. In dieser einfachen Grundbesetzung ist die Musik von Midland entsprechend kompromisslos. Dass Midland aus Texas kommen, ist nach den ersten Titeln bereits klar. Honky Tonk auf hohem Niveau, Gitarrenriffs fernab vom Herzschmerz und knallige Rhythmen machen den Beginn des Albums aus. Doch Midland können auch anders, was man bei der feinen Ballade mit dem alten Thema “Cheatin‘ Songs“ hören kann. Mit 14 Titeln ist das Album “Let It Roll“ üppig ausgefallen. Bei allen Songs waren Midland federführend als Songschreiber unter Mithilfe einiger sehr bekannter Kollegen verantwortlich. Von Song zu Song verstärkt sich der Wohlfühlcharakter beim Zuhören. Dafür sorgte das Produzenten Trio Dann Huff, Shane McAnally und Josh Osborne. Da ist schon mal das eine oder andere Arrangement sehr aufdringlich. Doch schon ist es wieder direkt und eindringlich allein durch die Stimme von Mark Wystrach getragen, wie bei “I Love You Goodbye“. In bester Honky Tonk Tradition mit einem Augenzwinkern erklingt “Every Song’s A Drinkin‘ Song“ mit der umwerfenden Erkenntnis, dass jeder Song ein Drinking Song ist, wenn du trinkst. “Fast Hearts And Slow Towns“, “Cheatin‘ By The Rules“, “Playboys“ oder der Schlusstitel “Roll Away“, da reiht sich Country Music an Country Music. Kein Wunder, dass es Midland mit ihrem Album “Let It Roll“ diesmal bis auf Platz Eins der Country Music Album Charts geschafft haben. Leider ist die Dichte der herausragenden Produktionen heutzutage so hoch, dass sich kaum ein gutes Album länger dort oben halten kann. “Let It Roll“ von Midland sollte in keiner Country Music Sammlung fehlen.

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Ty Herndon – Got It Covered

(23.08.2019)

Was soll das denn? Da veröffentlicht Ty Herndon nach seinem letzten Album “House On Fire“ aus 2016 endlich wieder ein neues Werk und dann eines mit 15 Cover Songs seiner eigenen Hits. Komisch. Doch es steckt ganz sicher ein triftiger Grund dahinter. Ty Herndon outete sich nach zwei gescheiterten Ehen als schwul. Dass dies im Genre Country Music ähnlich gern gesehen wird, wie im Profifußball, war nicht gerade förderlich für den Mann aus dem tiefen Süden der USA. Kaum einer interessiert sich dafür, welche Qualen jemand aushalten muss, der sich sein Leben lang verstellen musste. So gesehen könnte es sein, dass Ty Herndon sich mit dem Album “Got It Covered“ neu erfindet. In zweifacher Hinsicht bekommt der Titel des Albums besondere Bedeutung. Schluss mit dem Verbergen und gleichzeitiges Modernisieren der, doch so erfolgreichen, Titel wie “Living In A Moment“, “What Mattered Most“, “I Want My Goodbye Back“, “A Man Holdin‘ On (To A Woman Letting Go)“ und, und, und. Die alt bekannten Titel zeitgemäßer präsentiert zu bekommen, ist erstmal nicht schlecht. Auf die vier Dance Mix Versionen von “Living In A Moment“, “Walking In Memphis (gleich zwei Versionen?) und “That Kind Of Night“ hätte der gute Sänger Ty Herndon doch bitte verzichten sollen. Damit lockt er keine Teenies auf die Tanzfläche und das gesetztere Publikum wird sich lieber an seinen ursprünglichen Charterfolgen erfreuen. Ganz ehrlich? Auch wenn man Ty Herndon als Interpret sehr mag, auf dieses Album kann man getrost verzichten.

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Rodney Crowell – Texas

(VÖ: 16.08.2019)

Eine besondere Hommage an seine Heimat Texas, wo er 1950 in Houston das Licht der Welt erblickte, hat sich Rodney Crowell mit seinem Album “Texas“ gegönnt.  Obwohl Rodney Crowell aus 1988/89 fünf Nummer Eins Charterfolge vorweisen kann, war er nie einer, der auf den Mainstream geschielt hat. So sind auch die ersten Titel auf “Texas“ schwerer Blues-Rock, wo man unweigerlich an die harten Jungs auf den Ölfeldern denken muss, wenn die sich nach Feierabend im Saloon den Dreck aus der Kehle spülen. Erstaunlich, dass da Gastinterpreten/innen wie Lee Ann Womack, Vince Gill oder Randy Rogers mit von der Partie sind. “Deep In The Heart Of Uncertain Texas“ ist unzweifelhaft ein texanischer Country Waltz, der zudem durch Ronnie Dunn, Willie Nelson und Lee Ann Womack eine besondere Aufwertung bekommt. Beim nächsten Titel reibt man sich die Ohren. Da klingt es gleich wie seinerzeit bei den Beatles und wer singt da mit Rodney Crowell? Genau, Ringo Starr. Der wiederum war der erste, der bei der Produktion von “Texas“ dabei sein wollte. Nach und nach kamen weitere Stars dazu und so ist dieses Album ein “Lone Star-Centric Album Of Collaborations“. Okay, die Titel heben sich gewaltig vom Mainstream und von seichten Country Music Balladen ab. Hier toben das Leben und die Musiker sich an ihren Instrumenten aus. Dafür sind mit Lyle Lovett (“What You Gonna Do Now“ mit knalligen Drums) und Steve Earle (Brown & Root, Brown & Root) auch Musiker mit dabei, die für Unabhängigkeit und Rebellion immer zu haben sind. Speziell sind Titel wie “I’ll Show Me“, welches, bluesig und mit Piano und B3-Organ gleichzeitig begleitet, eher ein American Chanson darstellt. Mit “The Border“ macht Rodney Crowell auf die unsäglichen Geschehnisse an der mexikanisch-amerikanischen Grenze aufmerksam. Ein berührender Titel. Die Two Step ummantelte Geschichte von den beiden jungen Kriminellen “Treetop Slim & Billy Lowgrass“ markiert wieder einen typischen Songwriter Song. Wenn mit “Texas Draught Part 1“ das Album endet, hat man das Gefühl, ein Stück vom echten Texas kennengelernt zu haben. Dem Altmeister Rodney Crowell sei Dank.

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CAAMP – By And By

(VÖ: 26.07.2019)

Ein ganz und gar außergewöhnliches Album ist der dritte Longplayer des Indie Folk Trios CAAMP. „Wir schrieben die Songs auf “By And By“ in der Hoffnung, dass sie Schmerz lindern und Freude bereiten.“ Ein ehrenwerter und hoher Anspruch. Mit “Feels Like Home“ beginnt eine musikalische Reise durch die Zeit des Erwachsenwerdens der drei Musiker. Taylor Meier und Evan Westfall kennen sich bereits seit ihrer gemeinsamen Schulzeit. Dort hatten sie gleiches Interesse an der Musik von Creedence Clearwater Revival, The Hollies und Cat Stevens. Taylor Meier ist die Stimme und der Gitarrist, Evan Westfall ist für Harmony Vocals , Banjo und Percussion zuständig, während Matt Winson den Bass beisteuert. Die Titel auf “By And By“ haben einen Retro Touch und sind minimalistisch umgesetzt. Wer allerdings ein dahinplätscherndes Folk Album erwartet, wird überrascht sein, mit welchen Raffinessen und Tempowechseln CAAMP ihr Album entwickelt haben. Schon bekommt man den Eindruck, dass hier und da im One Take Verfahren aufgenommen wurde. Hat auch Country Music hier keinen Eingang gefunden, sind die 12 Titel auf “By And By“ dennoch ein feiner Appetithappen. So selbstverständlich klar und schnörkellos und dabei pfiffig ausgearbeitet, sind die Songs immer höchst interessant und bereiten tatsächlich Freude. In den Texten geht es nach eigenen Angaben um Themen wie, zu viele Drinks mit den besten Leuten zu haben, die man kennt, um Herzschmerz und Trennung und Liebe. Einige der Titel wurden geschrieben, als die Musiker 17 Jahre alt waren, erzählen die jetzt 25-jährigen. Ob man so jungen Menschen einen bereits dermaßen tiefen Blick in die verschiedenen Höhen und Tiefen des Lebens abnehmen sollte? “By And By“ ist ein feines Album, ob man es nun in Folk-Rock, Americana oder Indie-Folk verortet, ist völlig egal. Einfach zuhören und mitfühlen.

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Tanya Tucker – While I’m Livin‘

(VÖ: 23.08.2019)

17 Jahre sind eine lange Zeit, in der wir kein neues Album von Tanya Tucker hören durften. Das mutete an, wie das aktive Karriereende der texanischen Ikone der Country Music. Die beiden Alben nach 2002, “Live At Billy Bob’s“ und “My Turn“ enthielten keine neuen Titel. Wie es auch immer gelungen ist, Tanya Tucker wieder ins Studio zu bekommen, ist das Geheimnis der Produzenten Brandi Carlisle und Shooter Jennings. Brandi Carlisle hat sicher mit ihren Fähigkeiten als Songschreiberin gepunktet und Shooter Jennings profitierte davon, dass Tanya Tucker den Sohn ihres guten Freundes Waylon Jennings bereits als kleinen Bub auf dem Schoß geschaukelt hat. Nicht immer gelingen solche “Revivals“. In diesem Fall aber schon. Gleich beim ersten Titel “Mustang Ridge“, wenn die Stimme von Tanya Tucker einsetzt, ist man um Jahre zurückversetzt. Wie (Entschuldigung) geil ist das denn, die Stimme der Frau wieder zu hören, die das weibliche Pendent zu dem Klischee des rauen, whiskeytrinkenden, ewig ruhelosen Country Interpreten galt. In der Tat hat die Biografie von Tanya Tucker so einige Kapitel, auf die sie sicher heute gerne verzichtet hätte. Das hört man auch in ihrer Stimme, die immer noch einzigartig rau und zerrissen zugleich klingt. So ist auch der Titel des 10 Titel umfassenden Albums bedeutungsvoll gewählt. “While I’m Livin‘“ ähnelt einer musikalischen Biografie von Tanya Tucker und ist damit umso berührender. Nach so vielen Jahren der Abstinenz ist ihre Stimme immer noch kraftvoll und eindringlich. Bis auf die Coverversionen “High Ridin‘ Heroes“, “Hard Luck“ und “The House That Build Me“, wurden die restlichen Titel von Brandi Carlisle, Tim & Phil Hanseroth und Tanya Tucker selbst geschrieben. Wenn beispielsweise “The Day My Heart Goes Still“ erklingt, hört man nicht nur den Song. Man kann ihn mitfühlen. Selbst die Coverversion von dem Miranda Lambert Hit “The House That Build Me“, bekommt durch die Interpretation von Tanya Tucker einen Vintage Charakter, der den Titel erneut aufwertet und die Zuhörer ganz tief berührt. Kaum eine andere Sängerin kann soviel Vorwurf, soviel Leid und soviel Gefühl in ihre Songs legen, wie Tanya Tucker. Der Titel “Seminole Wind Calling“ demonstriert das eindrucksvoll. “While I’m Livin‘“ ist ein Album, welches Tanya Tucker bestimmt einen Platz in den Rängen der ewigen Klassiker beschert. Nicht nur angesichts der von ihr bis dahin geleistete Arbeit für die Country Music.

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Vince Gill – Okie

(VÖ: 23.08.2019)

Wenn einer der talentiertesten Musiker der Country Music sein Album “Okie“ nennt, muss man einfach die Ohren spitzen. Sein letztes Album “Down To My Last Habit“ ist aus dem Jahr 2016 und nach erfolgreicher Tour mit den Eagles, die Vince Gill herausragend ergänzte, hatte er wieder Zeit für ein Studioalbum. Schaut man sich die Auflistung der Preise und Auszeichnungen an, die Vince Gill bislang bekommen hat, weiß man, dass er einer der Edelsteine der Country Music ist. Das fantastische Gefühl für Musik, seine unglaublich intensive Art zu interpretieren und nicht zuletzt sein Können als Gitarrist, gehören zum Besten, was es derzeit in der Country Music zu bestaunen gibt. Mit seinem Album “Okie“ gibt der sympathische Mann aus Nashville einen tiefen Einblick in sein Empfinden der Musik. Seine Bescheidenheit ist beinahe sprichwörtlich und so finden immer wieder ehrende Titel für Kollegen Eingang in seine Alben. Diesmal explizit für Guy Clark, “Nothin‘ Like A Guy Clark Song“ oder mit “A World Without Merle Haggard“ für den Grantler Merle Haggard. Auch seine Frau Amy Grant bedachte er mit dem Titel “When My Amy Prays“. Ebenso seinen Vater mit dem Titel “That Old Man Of Mine“, der ihn immer ermunterte, seinen Weg in der Musik zu gehen. Wer außer Vince Gill könnte sich trauen, ein Album mit 12 Balladen ohne jedwedes Arrangement-Gedönse zu präsentieren? Zu jedem der Titel könnte man ausführlich Stellung nehmen. Das hieße aber vielleicht, diese besondere Stimmung, die dieses Album ausmacht, vorab zu zerreden. Vince Gill erzeugt mit seinem Album “Okie“ eine ganz einzigartige Rückbesinnung auf eine Zeit, in der die Country Music die Menschen in ihren schweren Stunden begleitete und aufrichtete. Diese Verbeugung vor seinen alten Kollegen ist es wert in die Regale der Fans aufgenommen zu werden. Wenn die graue Herbstzeit beginnt, sollten diese Songs unbedingt erklingen. Wer dann noch nicht verstanden hat, was Country Music ausmachen kann, dem ist wahrscheinlich nicht zu helfen.

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Tracy Lawrence – Made In America

(VÖ: 16.08.2019)

“Time Marches On“, das gilt auch für Tracy Lawrence, dessen gleichnamige Single 1996 sein bislang größter Hit war. An Charterfolgen gemessen, ist Tracy Lawrence nach seinem fulminanten Start zu Beginn der 1990er Jahre, eher ein Interpret im Mittelfeld. Dass er aber immer für Country Music sorgte und sich nicht jedem Pop Geklingel unterwarf, macht ihn zu einem, der die Fahne der Country Music hochzuhalten versucht. Wurde er zuletzt für seine doch sehr dem Zeitgeist angepassten Alben kritisiert, kündigte er sein neues Album “Made In America“ wieder als eines der “straighten“ Country Alben an. Inhaltlich greift der große Sänger aus Texas in die bewährte Klischeekiste. Mit “Made In America“ sollten die Themen angesprochen werden, auf die seine Landsleute so stolz sind. Soweit so nachvollziehbar. Mit dem Titelsong “Made In America“ beginnt das Album in gewohnter Tracy Lawrence Manier der 1990er. Da ist natürlich auch der unverwechselbare Klang seiner Stimme ein Ausrufezeichen. „Das ist mein persönlichstes Album, das ich je gemacht habe. Das ist, worauf ich stolz bin und ehrt die amerikanischen Arbeiter und alles was gut für unser Land ist. Ich habe etliche der 12 Songs mitgeschrieben, habe in jedem Titel mein Herz und meine Seele ausgeschüttet. Ich denke, es wird bei meinen Fans nachwirken und bei allen Liebhabern von Country Music in dieser Nation.“ Solche Einlassungen, wie die von Tracy Lawrence zu seinem Album “Made In America“, hat man zur Genüge gehört. Entblättert man das Drumherum, bleibt ein Eindruck, der in die politische Situation in Amerika einzuordnen ist. Abgesehen davon, ist Tracy Lawrence kein Album gelungen, welches Geschichte schreiben kann. Das Arrangement ist immer noch viel zu rockig und lässt Balladen wie “Nothin‘ Burns Like You“ nicht dazu kommen, ganz tief in die Gefühle der Konsumenten vorzudringen. Wenn dann Titel wie “First Step To Leaving“ oder “It Ain’t You“ erklingen, hat man den Tracy Lawrence vor Augen und im Ohr, den man wegen seiner Stimmlage und seines Ausdruckes liebt. Gerade den locker flockigen Melodien kann er eine feine Intension mitgeben und man weiß gar nicht, soll man nun darauf tanzen oder lieber zuhören. Oder am besten beides. Vielleicht das Highlight des Albums markiert “Givin‘ Momma Reasons To Pray“. Diese Ballade erinnert an längst vergangene Zeiten, als Geschichten aus dem wahren Leben das wesentliche Merkmal der Country Music war. Auf einmal erklingt dann auch ein Solo der Steel Guitar wie selbstverständlich und nicht verdrängt durch Pop Arrangements. Leider geht diese feine Stimmung zum Ende des Albums verloren und dem Zeitgeist huldigend, wird es wieder rockiger und das ständige Wummern der Hintergrundmusik wird zum Einheitsbrei.

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Willie Nelson – Ride Me Back Home

(VÖ: 21.06.2019)

Der Mann ist 86 (!) Jahre alt und scheint immer noch genug Kraft und Lust an der Musik zu haben. Das allein ist schon bemerkenswert. Nun liegt sein neues Werk vor und widmet den ersten und Titelsong, “Ride Me Back Home“ seiner besonderen Aufmerksamkeit für Pferde. 11 Songs, überwiegend von Willie Nelson und seinem Produzenten Buddy Cannon geschrieben, lassen die Hörer staunen, was der “Red Headed Stranger“ immer noch draufhat. Okay, die Stimme wirkt hin und wieder etwas brüchig. Bei Songs wie “My Favorite Picture Of You“ ist dies sogar gefühlvoll eingesetzt. Gern verlässt Willie Nelson eingetretene Country Music Pfade. So lässt er bei “Seven Year Itch“ ein jazziges American Chanson erklingen. Eine gehörige Portion Politik liegt im Titel “Immigrant Eyes“ in welchem sein treuer Wegbegleiter, seine Gitarre “Trigger“, wieder virtuos von ihm in Szene gesetzt wird. Willie Nelson liebt den Jazz in Verbindung mit seinem Singer/Songwriter Material. Fans purer Country Music müssen hier stark sein. Aber schon mit “One More Song To Write“ ist er wieder der Country Willie Nelson. “Nobody’s Listening“ erzählt die bittere Geschichte eines Mannes, der nahe New Orleans bei dem damaligen Jahrhundertsturm all seinen Besitz verlor, den er sich so hart erarbeitet hatte und er ist sich sicher, niemand hört ihm zu. Mit “It’s Hard To Be Humble“ erklingt ein selbstironischer Walzer über einen Mann, der findet, dass es hart ist, freundlich zu sein, wenn man so ein toller Hecht ist. Bei diesem Song sind die Söhne von Willie Nelson, Lucas und Micah, mit von der Partie. Ein typischer Laid Back Titel, “Maybe I Should’ve Been Listening“ beschließt das Album “Ride Me Back Home“ und bilanziert traurig, dass er wohl besser zugehört hätte, als sie Auf Wiedersehen sagte. Sind vielleicht auch, an Charterfolgen gemessen, die erfolgreichsten Zeiten von Willie Nelson vergangen, für einen intensiven Hörgenuss sorgt er immer noch.

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William Lee Golden – My Life’s Work

(VÖ: 19.07.2019)

Ganz sicher eine der schillerndsten Figuren der Country Music ist William Lee Golden. Nicht erst seit seinem 80. Geburtstag, fällt er durch seinen langen weißen Bart und die schlohweißen langen Haare auf. Der ehemalige Bariton der Oak Ridge Boys blickt auf ein Leben voller Hochs und Tiefs. Beinahe legendär seine gescheiterten Ehen. Unstet ist er geblieben. Dabei widmete er sich zuletzt mehr und mehr der Gospel Music und seiner naiven Malerei. Mit dem Album “My Life’s Work“ sorgt er schon wieder für Verwirrung. Gab es nicht 2000 schon einmal ein Album dieses Namens? Egal. Mit 11 Tracks ist dieses neue Album mit dem bezeichnenden Titelsong so etwas wie eine Lebensbilanz. Und William Lee Golden kann nicht verleugnen, dass er zeit seines Lebens mit der Super Formation Oak Ridge Boys in Verbindung gebracht wird. Er klingt halt so und er liebt die Harmonien aus dieser Zeit, die auch das neue Album stützen. Als Solo Künstler hat William Lee Golden bislang kaum große Erfolge gehabt. Etwas nostalgisch klingen die Titel auf “My Life’s Work“ trotz aller Drum Computer Sequenzen und Arrangement Schnick Schnacks. Doch singen kann er nun mal und das macht dieses Album hörenswert. Ob bei den ruhigen Balladen oder den rockigen Uptempo Stücken, stets interpretiert er sehr eindringlich. Besondere Aufmerksamkeit bekommen die beiden Schlusstitel, “The Stone“ und “Burnin‘ Up The Road“, die mit 4:58 Minuten und 5:26 Minuten breiten Raum einnehmen. “My Life’s Work“ ist ein Retro Album eines Sängers, der in seinem früheren Leben alle Ehrungen erfahren hat, die man bekommen kann. Furore wird er mit dem Album “My Life’s Work“ aber nicht machen können.

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Malenco – Berries For The Old Town
(VÖ: 26.07.2019)

Das Label Brambus hat schon oft eher ungewöhnliche Künstlerinnen und Künstler oder außergewöhnliche Musik präsentiert. Der neue Zugang heißt Malenco und der Musiker aus der Schweiz, hat sein drittes Album sehr experimentell aufgestellt. “Berries For The Old Town“ oszilliert zwischen Singer/Songwriter Music, Americana und experimentellem Folk. Die 10 Titel des Albums werden einerseits als rau und ungeschliffen, andererseits “wie in Stein gemeißelt“ beschrieben. Tatsächlich hat sich der Produzent mit Pop Music Hintergrund, Sandro Dietrich, schon Mühe gegeben, die von Malenco recht ungeschmückten Titel mittels feiner Hand zu einem Fluss zu bringen. Mag die Stimme von Malenco noch ausbaufähig sein, dem folkigen Songwriter Material scheint sie angepasst. Seine überdeutliche Aussprache der Texte lässt die Zuhörer erfahren, welche Stories sich in seinen Songs verbergen. Manchmal lässt Bob Dylan grüßen, wenn Malenco Gitarre und Harmonika bespielt und ansonsten seine Geschichte erzählt. Besonders experimentell und etwas schwerer verdaulich, sind Titel wie “My Own Free Will“ oder “Easy To Go With The Tide“. Mit “Blossom White Girl“ enthält das Album “Berries For The Old Town“ einen Titel, der eher locker flockig daherkommt. Hat man alle Songs gehört, bleibt der Eindruck eines Albums aus dem Experimentallabor. Da trifft ein hoher Anspruch an Aussage auf das Problem der publikumswirksamen Präsentation. Malenco präsentiert hier Musik für Liebhaber und keinesfalls für ein breites Publikum.

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Zane Williams – The Oak Tree And The Weed
(VÖ: 17.06.2019)

„Ich liebe Country Music und ich möchte sie nicht untergehen sehen. Ich möchte eine ruhige Country Music alter Schule machen, die von den Leuten gehört wird, wenn sie auf ihrer Veranda sitzen und der untergehenden Sonne zuschauen. Diese Musik ist nicht schick oder ausgefallen. Sie ist ehrlich und real. Ist das nicht das, wie Country Music sein sollte?“ Solche Gedanken entnimmt der geneigte Fan dem Internet Auftritt von Zane Williams. Der Sohn zweier Professoren mit dem eigenen Studium der Mathematik hat sich ganz und gar der “Poesie für den einfachen Mann“ verschrieben. Sein siebtes Album “The Oak Tree And The Weed“ ist live mitgeschnitten und dokumentiert wie dicht Zane Williams am Publikum arbeitet und mit welch tollen Musikern er sich umgibt. Da konnte und sollte kein Produzenten Schnick Schnack seine Musik beeinflussen. Da hört man Texas Honky Tonk Music und Western Swing neben Singer/Songwriter Balladen. So kamen auch einige Ansagen mit auf den Tonträger, die gefühlvoll einstimmen auf die folgenden Songs. In etlichen Titeln erweckt Zane Williams das Feeling längst vergangen geglaubter Zeiten der Country Musik. Manchmal genügt seine feine Gitarrenbegleitung allein aus, um den Song fühlbar werden zu lassen. Gleichen sich auch einige Titel wie ein Ei dem anderen, so schüttet Zane Williams auf seinem Album “The Oak Tree And The Weed“ ein Füllhorn bester Country Music aus. Eine Country Music, die nicht dem Zeitgeist entgegen- sondern gegenübersteht. Manchmal werden seine Titel phasenweise “nur“ gesprochen und erzählen somit ihre Botschaft. So auch beim Titelsong “The Oak Tree And The Weed“. Nach 19 Titeln verklingt der letzte Ton und lässt die Hörer mit dem Gefühl zurück, an einem Konzert teilgenommen zu haben, welches direkt zum Kern der Country Music führte.

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Jared Rogerson – Branch Of The Tree
(VÖ: 02.07.2019)

2005 veröffentlichte Jared Rogerson sein erstes Album “Bad Hay“ eine Heimproduktion und dies sollte das Outcoming des Cowboy Interpreten aus Wyoming sein. Mit dem Album “Branch Of The Tree“ stellt er nun sein fünftes Werk vor. Zunächst besticht die deutliche Aussprache des Sängers, die es leicht macht, seine Texte zu verfolgen. 10 Titel umfasst “Branch Of The Tree“ und beginnt mit “Right Here With Us“, einer tanzbaren Pop Country Nummer, die ein wenig an Schlagermusik erinnert. Auch die Ballade “Cowboy Face“ ist textlich eher ein Leichtgewicht. Mit dem Titelsong wird es ein wenig düster und rockiger; allerdings hört es sich aufgesetzt an. Nach der Ballade “Beautiful Scars“ folgt der Two Step “In This Cage“. Etwas heraus sticht der Uptempo Song “Texas In 1880“. Musikalisch ist da mehr los und Jared Rogerson interpretiert direkter, authentischer. Er ist auch als alleiniger Produzent für sein Album “Branch Of The Tree“ verantwortlich. Da dürfen einige Balladen auch die 4 Minuten Grenze überschreiten. Mit einer fast 5 Minuten währenden Ballade, “I Could Use A Song“, endet seine Zusammenstellung. Bombastisch und überfrachtet entlässt dieser Titel die Hörer. “Branch Of The Tree“ scheint alle Klischees zu bedienen, mit denen manche Kritiker die Country Music zu diffamieren versuchen. Das mag für viele Fans mitten ins Interesse treffen. Für manche wäre etwas weniger Pathos und mehr “Reality“ dichter an der Country Music. “Branch Of The Tree“ von Jared Rogerson fordert sicherlich zu kritischer Auseinandersetzung mit seinem Album heraus.

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Aaron Watson – Red Bandana
(VÖ: 21.06.2019)

Zeit vergeht und Aaron Watson blickt nun auch schon auf 20 Jahre im Music Business zurück. Das tut er mit seinem neuen Album “Red Bandana“, welches 20 neue Songs enthält, die alle von ihm geschrieben wurden. Dabei ist es gerade einmal 2 Jahre her, seit der Veröffentlichung des letzten Albums “Vaquero“. Das neue Werk beginnt mit einer Hommage an seinen texanischen Songwriter Kollegen Guy Clark, gefolgt von dem Instrumental “El Comienzo Del Viaje“ im Tex-Mex Gewand, welches als Intro für den nächsten Titel “Dark Horse“ dient. Das könnte durchaus als Filmmusik durchgehen und lässt die weiten Landschaften vor den Augen der Hörer entstehen, die als Kulisse eines jeden Western dienen. Aaron Watson sagt über sich selbst: „Ich habe mich immer als einen Anti-Rock Interpret empfunden. Die Leute mögen mich, nicht weil ich ein Rock Star bin, sondern weil ich wie sie bin.“ Tatsächlich ist Aaron Watson ein sperriger, unangepasster Typ. Er geht seinen Weg mit vielen Windungen. Da blitzt eine unbändige Kraft weitab vom Mainstream auf und gleich darauf scheint er mit genau diesem Genre zu flirten. Das hat ja auch immer wieder für Charterfolge gesorgt und Radio Play hat noch nie geschadet. Selbst orchestrale Violinen Sätze als Bridges sind ihm recht. Mit der Singleauskopplung “Kiss That Girl Goodbye“ schielt Aaron Watson ganz unverhohlen auf die Charts, was auch gelingt angesichts der Pop Elemente, mit denen der Song aufgepeppt wurde. Mit “Country Radio“ lässt er einen Ohrenschmeichler folgen, der eine Folge von drei Titel über vier Minuten Spieldauer einleitet. Es folgt eine endlose Aufzählung von legendären Interpreten, die Aaron Watson im Song “Legends“ als seine Helden vorstellt. Bestimmt nicht zufällig angelehnt an die besten Zeiten von George Strait, ist “Am I Amarillo“, welches in Stil und Musiksequenzen beinahe plagiatisch vorbeifließt. Bei “Live Or Die Trying“ greift Aaron Watson zu Bro Country und macht wieder einmal deutlich, dass man bei ihm auf Wendungen und Überraschungen gefasst sein muss. Der Titelsong “Red Bandana“ ist wieder eine Wendung. Ein überwiegend gesprochener Song, der die eine oder andere Lebensweisheit aneinanderreiht um mit einem opulenten, anderthalbminütigen Outro zu enden. Ganz und gar außergewöhnlich ist die Zusammenstellung auf “Red Bandana“ und dürfte den Songwriter, den Interpreten, den Texaner und Chartkünstler Aaron Watson rundum präsentiert zu haben. Mit diesem umfangreichen Werk sind die Hörer mit verschiedensten Vorlieben fürstlich bedient. Mit dem letzten Titel “58“, der 58 Sekunden dauert, endet augenzwinkernd das Album “Red Bandana“ von Aaron Watson.

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Bruce Robison & Kelly Willis – Beautiful Lie
(VÖ: 21.06.2019)

Was? Jetzt macht Bruce Willis auch Musik? Nein, nur zu schnell über das Cover gelesen. Es handelt sich beim Album “Beautiful Lie“ um die neue Kollaboration des Ehepaares Kelly Willis und Bruce Robison. Zum vierten Mal haben sie sich zusammengetan und präsentieren 10 Duette. Beide Künstler sind ja in eigenen Projekten musikalisch unterwegs. Bruce Robison ist gefragter Songschreiber (Travelling Soldier) und fungiert als Frontmann bei Bruce Robison And The Back Porch Band. Kelly Willis ist eine viel beschäftigte Interpretin, deren Genres sowohl Americana als auch Neo Traditionalismus sind. Auf ihrem Album “Beautiful Lie“ geht es indes sehr traditionell zu. Neben Uptempo Songs bestechen vor allem Balladen, wie etwa der Titelsong “Beautiful Lie“, eine Coverversion des Titels von den Amazing Rhythm Aces. Dass Bruce Robison und Kelly Willis neben der Erziehung ihrer vier Kinder die Zeit finden, auch zusammenzuarbeiten, ist ein Gewinn für die Musik. Bei “Brand New Me“ grooved es vier Minuten dreißig und übergibt an den letzten Titel. So herrlich unaufgeregt ist das Album “Beautiful Lie“, etwa bei “Coming Down“, “Lost My Best“ oder beim Schlusssong “Heartache To Houston“. “Beautiful Lie“ zeugt von einer Liebe zur Musik und von einem Verständnis zueinander, sowie zum Genre Country Music in vielen Facetten. Eine willkommene Abwechslung vom Mainstream Dauergedröhne.

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Dale Watson – Live Deluxe…Plus
(VÖ: 19.07.2019)

Dale Watson ist schon eine imposante Erscheinung. Mittlerweile ist seine Haartolle schlohweiß und lässt ihn noch interessanter erscheinen. Er wurde in Alabama geboren, zog aber schon früh mit den Eltern nach Texas. Heute nennt man ihn auch den texanischen Troubadour. Offenbar war die Nachfrage groß genug, um mit der 2 CDs umfassenden Neuerscheinung herauszukommen. Es handelt sich bei den jeweils 23 Tracks um aufgehübschte Aufnahmen der Livekonzerte “Live In London, England“ (aus 2002) und “Live At Newland, NL“ (aus 2006). Wer sich von den teils abrupten Ausblendungen der Liveakustik nicht abschrecken lässt, kann sich also mit “Live Deluxe…Plus“ die Konzerte ins Regal holen, die im Original nicht mehr zu bekommen sind. Für Dale Watson Fans ein Muss. Allen anderen seien seine Studioalben empfohlen. Oder ein Livekonzert, vielleicht im Continental Club in Austin, Texas. Dale Watson ist ein Interpret dessen Stimme sowohl an Merle Haggard als auch an Elvis erinnert, mit deren Musik er ja auch immer wieder leibäugelt. 46 Livemitschnitte, die teils durch die Zurufe des Publikums aneinandergereiht wurden, stellen eine geballte Ladung Musik dar, die, nicht dabei gewesenen, Fans ein wenig von der damaligen Atmosphäre nacherleben lässt.

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Jim Lauderdale – From Another World
(VÖ: 21.06.2019)

In den Charts einst und heute findet man seinen Namen nur sehr selten. Jim Lauderdale, der von Kollegen als einer der fleißigsten Musiker der Country Music gelobt wird, ist sich selbst stets treu geblieben. Er zielt nicht unbedingt auf die Charts. Dennoch haben Songs aus seiner Feder anderen Stars zu großen Erfolgen verholfen. Er gilt eher als ein Americana Interpret, der gern experimentiert und Grenzen auflöst. Dass beweist er auch auf seinem neuen Album “From Another World“. Ist der Titel nun selbstironisch gewählt oder nicht, die Musik von Jim Lauderdale ist anders. Schon zum Anfang des Albums erklingt mit “Some Horses Run Free“ ein Titel, der sich ohne weiteres in einen fetten Rocksong wandeln ließe und dennoch dicht am Genre Country Music bleibt. Wie aus den 1960er Jahren scheint “The Secrets Of The Pyramids“ in die Neuzeit gekommen zu sein. Ob da die Beatles Pate standen ohne es zu wissen? Den Texten von Jim Lauderdale kann man entnehmen, dass es ihm um seine Mitmenschen geht, die er genau beobachtet und analysiert. Wenn “One Away“ erklingt, scheint man allerdings sowohl in eine längst vergangene Zeit versetzt, als auch in eine andere musikalische Welt transportiert. Da verschwimmen die Grenzen zwischen Country und Beat/Pop. Dann wieder bei “Listen“ gibt es eine ganz feine Songwriter Ballade, die mit Laid Back Music für eine relaxte Stimmung sorgt. Dieses Feeling wird mit “For Keeps“ fortgesetzt, bevor mit “Slow Turn In The Road“ wieder die Verbindung von Psychedelic Music und Americana einen gelungenen Versuch darstellt. Ganz traditionelle Klänge bietet der Titel “I’ll Forgive You If You Don’t“. Etwas schnulzig ist “The Graceland Horses“ bevor der letzte Titel “Are You Trying To Make A Song Out Of Us?“ eine Mixtur aus Rock, Funk und Americana zu sein scheint. Den guten Eindruck der so verschiedenen musikalischen Interessen von Jim Lauderdale könnte man beinahe vergessen. Lässt man diesen Titel mal beiseite, hat “From Another World“ von Jim Lauderdale zum einen seinen Ruf als Individualist gestärkt und zugleich bewiesen, dass er ein Könner ist.

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The Steel Wheels – Over The Trees
(VÖ: 11.07.2019)

„Wir wissen, wo wir herkommen. Wir sind eine String Band aus Virginia aber wir entwickeln uns weiter mit diesem Album und wir begrüßen die Zukunft.“ Ein selbstbewusstes Statement begleitet die Veröffentlichung des siebten Albums der Accoustic Roots Music Gruppe, die sich anschickt, die Country Music um einen weiteren Horizont zu erweitern. Mit ausgeklügelten Harmony Vocals, außergewöhnlichen Arrangements und besonders eindrucksvoller Instrumentenbeherrschung, bieten die fünf Musiker von gefühlvollen Balladen wie etwa “I’ll Be Ready“ und “Falling“ und beatgetriebenen Songs wie “Keep On“ ein breites Spektrum. Experimentell klingen viele der 11 Songs auf “Over The Trees“. Dabei ist das Grundthema des Albums eher traurig, besinnlich. Unter dem Eindruck des frühen Todes der zehnjährigen Tochter von Fiddler Eric Brubaker entstanden Songs die von Nöten und Ängsten berichten. Wenn das Album mit dem a capella Titel “This Year“ endet, ist man von diesem Spirit umfangen. Sehr wahrscheinlich, dass man dann auf Repeat drückt, um noch einmal von der besonderen Klasse dieser Band und den tollen Harmonien zu kosten. Wow, wie weit weg vom Mainstream entzieht sich diese Musik jedweden Schubladendenkens und ist dennoch so unglaublich gut.

 

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Darryl Worley – Second Wind: Latest And Greatest
(VÖ: 26.04.2019)

Mit lediglich 3 Nummer Eins Hits ist Darryl Worley nicht gerade ein Superstar. Obwohl sein patriotischer Titel “Have You Forgotten?“, der Ballade über den Terrorangriff auf die Twin Towers aus dem Jahr 2003, ganze 7 Wochen den Platz Eins der Charts innehatte. Auch die beiden anderen Platz Eins Titel von ihm, “Awful, Beautiful Life“ und “I Miss My Friend“ stammen aus den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts. Neben den genannten Titeln erwarten den Konsumenten auf seinem neuen Album “Second Wind: Latest And Greatest“ aus den bereits früher veröffentlichten Songs noch “When You Need My Love“, “Good Day To Run“, Titelsong “Second Wind“, “Family Tree“ und “Tennessee River Run“. Damit sind 8 der 15 Titel auf “Second Wind“ den “Greatest“ zuzuordnen. Da wechseln feine Balladen mit rockigen bzw. tanzbaren Uptempo Stücken ab. Darryl Worley, der waschechte Tennessee Boy, hat sich mit nur 20 Titeln, die er in die Charts bringen konnte, einen sicherlich soliden guten Ruf erarbeitet. Sein letztes Album, “Sounds Like Life“ stammt aus dem Jahr 2009 und landete unter “ferner liefen“. Danach hatte Darryl Worley noch zwei Singles in den Charts, die beide aus unveröffentlichten Alben entnommen waren. Schlagzeilen machte er 2007 mit seinen Nacktaufnahmen im Magazin “Playgirl“. Nun also 7 neue Titel und der Versuch mit dem Album “Second Wind“ noch einmal Luft unter die Schwingen zu bekommen. Die “Latest“ Titel beginnen mit “Lonely Alone“, einer ruhigen Ballade, die durchaus an seine früheren Erfolge heranreicht. Bei “Whiskey Makes Me Think About You“ verbindet sich Funk, Soul und Country auf eine sympathische Weise. Dabei bleibt die Stimme des Erzählers Darryl Worley stets im Vordergrund und zeugt von einer fähigen Hand am Mischpult. “It’s Good To Be Me“ markiert einen weiteren modernen Country Music Titel, der tanzbar und eindringlich zugleich ist. “Do Something Good“ ist dann eine ruhige Ballade mit der Aufforderung seinen Mitmenschen doch einfach mal etwas Gutes zu tun. Obwohl angekündigt war, dass dieses Album den traditionellen Country Sänger Darryl Worley und den neuen funky souligen Interpreten Darryl Worley präsentiert, fügen sich die “Greatest“ mit den “Latest“ zu einem homogenen Album zusammen. Lediglich der Bläsersatz im Intro des Schlusstitels, “Working On A Love Song“ lässt mehr Soul Feeling entstehen. Alles in Allem ein gelungenes Album. Darryl Worley bleibt ein bemerkenswerter Interpret der Country Music, Nummer Eins Hits hin oder her.

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Lonesome River Band – Outside Looking In
(VÖ: 24.05.2019)

Seit nunmehr über 30 Jahren gibt es die Lonesome River Band und ist eine der herausragenden Stützen der Bluegrass Music überhaupt. Sammy Shelor, der Banjoist und Bandleader, verstand es über all die Jahre die Besten der Besten Musiker in seine Formation zu integrieren. So liest sich die Liste der ehemaligen Mitglieder und der Gastinstrumentalisten wie das Who Is Who der Bluegrass Music. Die letzten vier Alben aus der langen Liste der Diskografie der Band entstanden beim Label Mountain Home. So auch das neueste Werk, “Outside Looking In“. 13 Titel umfasst das Album und wechselt von klassischem High Speed Bluegrass zu Storytelling Ballads, die dann in ausgefeilte Arrangements gekleidet sind und die Hörer mit den akustischen Instrumenten in feine Stimmung versetzen können. Der ausgeklügelte Satzgesang, z.B. bei “Little Magnolia“ trägt ebenfalls zu der Klasse der Lonesome River Band bei, die ja gerade deswegen mit vielen Preisen überschüttet wurden. In etlichen Songs bekommen die Musiker ausreichend Gelegenheiten ihre Instrumente in begeisternden Soli zu präsentieren. “If I Had A Cheating Heart“ mit 4:20 Minuten ist solch eine tolle Darbietung. Der Titelsong, “Outside Looking In“ oder “Cassidy’s Prayer Book“ beinhalten durchaus Texte, die man auf sich wirken lassen sollte. “Circle Of Lies“ oder “Wreck Of My Heart“ beschreiben die Schwierigkeiten in kaputten Beziehungen. Ein Instrumentaltitel darf auch nicht fehlen und so kann man bei “Home Of The Red Fox“ alle Instrumente pur und sauber herausgearbeitet genießen. Das Album “Outside Looking In“ der Lonesome River Band endet mit einer Coverversion von “Calling Elvis“ aus der Feder von Mark Knopfler und ist mit fast 5 Minuten ähnlich opulent wie bei dem Meister Knopfler und seinen Dire Straits. Dieses Album ist sehr empfehlenswert auch für Hörer, die keine absoluten Bluegrass Fans sind.

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Rodney Atkins – Caught Up In The Country
(VÖ: 09.05.2019)

Was Veröffentlichungen von Alben betrifft, war es sehr ruhig um Rodney Atkins geworden. Immerhin stammt sein letztes Werk, “Take A Back Road“, aus dem Jahr 2011. Nun liegt sein neues Album “Caught Up In The Country“ vor und lässt keinen Zweifel daran, dass Rodney Atkins zu den angesagten Interpreten der Country Music zählt. Er war auch nicht untätig in den letzten Jahren, tourte fleißig und arbeitete an neuer Musik. Dafür nahm er sich, laut eigener Aussage, einfach mal mehr Zeit für jeden Song. So entstanden sehr persönliche Titel, die ganz sicher auch auf den Einfluss seiner Frau Rose Falcon zurückzuführen sind. Sie hat als Songwriterin einige Songs für Top Acts geschrieben. 2017 bekam sie Sohn Ryder und damit hatte die junge Familie eine neue Aufgabe. Auf dem Album “Caught Up In The Country“ wechseln sich kraftvolle, rockige Titel mit feinen Balladen unter den 12 Titeln ab. Zu Beginn bei “Burn Something“ ertönt ein ruhiges Intro und eine ruhige Erzählerstimme von Rodney Atkins, um zu einer richtig kraftvollen Ballade zu mutieren, in der es um eine explosive Beziehung geht. Mit dem Titelsong, “Caught Up In The Country“, erklärt Rodney Atkins, warum er sich im Leben auf dem Land so aufgehoben fühlt. Im Arrangement wird aber unverhohlen mit fetten Beats und Mainstream Firlefanz auf die Charts gezielt. Ob das gelingt? Es sei ihm gegönnt seinen bislang sechs Nummer Eins Erfolgen weitere hinzuzufügen. Mit der Ballade “Figure Out You (Riddle)“ erinnern Rodney Atkins und Rose Falcon an Tim McGraw und Faith Hill. Dabei ist ihr Liebesduett genauso intensiv und hörenswert. “My Life“ setzt die Liebesballaden fort wie auch “Cover Me Up“. Bis zum Schlusstitel, “Waiting On A Good Day“ ändert sich die Grundstimmung nicht und so haben die Balladen eindeutig den meisten Raum bekommen. Mag auch noch so viel Persönliches in dem Album “Caught Up In The Country“ verarbeitet sein, Rodney Atkins wünscht man sich eher mit seinen rockigen Titeln.

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Blue Moon Rising – After All This Time
(VÖ: 17.05.2019)

Als Tim Tipton, Justin Moses (heute nicht mehr dabei), Chris West und Keith Garrett im Jahr 2000 die Band Blue Moon Rising gründeten, sollte es zunächst nur darum gehen, unter Freunden überlieferte Bluegrass Melodien aufzugreifen und Spaß am gemeinsamen Musizieren zu haben. Bald schon stellte sich heraus, dass ihnen mehr Potenzial zur Verfügung stand, als die Musiker selbst von sich angenommen hatten. Nun, beinahe 20 Jahre später, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Formation Blue Moon Rising eine feste Größe innerhalb der Bluegrass Music ist. Ihr siebtes Album, “After All This Time“, zeugt davon. 13 Titel umfasst das Album und führt die Hörer behutsam von Titel zu Titel in eine Welt der sowohl virtuos als auch beinahe geheimnisvoll interpretierten Bluegrass Music. Der fein ausgearbeitete Satzgesang kann jedwedes Sujet transportieren. Da kommen altbekannte Titel wie “It Doesn’t Matter Anymore“ oder “Stand By Me“ auf eine äußerst wohltuende Weise zu Gehör. Blue Moon Rising präsentieren auf “After All This Time“ keine rekordverdächtige High Speed Bluegrass Music. Da steht eher eine ganz entspannte Laid Back Stimmung im Vordergrund. Dabei kommen aber die Fähigkeiten der sechs Musiker keinesfalls zu kurz. Brandon Bostic (Resonator Guitar), Chris West (Guitar), Justin Jenkins (Banjo), Keith Garrett (Mandolin), Randall Massengill (Guitar) und Tim Tipton (Bass) haben ein Arrangement zugrunde gelegt, welches dem Genre Bluegrass einen weichen Teppich unterlegt. Natürlich dürfen Soli aller Instrumentalisten stattfinden. Bei solch einer Musik kann man sich einfach zurücklehnen und genießen. Beinahe überflüssig, einzelne Titel des Albums “After All This Time“ von Blue Moon Rising herauszustellen. Ein Highlight allerdings ist die Adaption des Fred Eaglesmith Titels, “The Rocket“, in das Genre Bluegrass. Ein absoluter Ohrenschmeichler. Wenn zum Ende des Albums mit “We’ll Meet Again Sweetheart“ erklingt, ist nicht nur eine Hommage an Lester Flatt & Earl Scruggs gelungen. Ein tolles Album findet so einen würdigen Abschluss und kann nur bestens empfohlen werden.

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Liam Kennedy-Clark – Another Habit
(VÖ: 24.05.2019)

Gern vergisst man hierzulande, dass es “Down Under“ auch Country Music gibt. Im Land und Erdteil Australien denkt man nicht sofort an Country obwohl eine ganze Reihe ganz hervorragender Musiker dieses Genre bereichert haben. So wie Lee Kernaghan, der auch als „“Ziehvater“ für Liam Kennedy-Clark gelten darf und der über ihn sagt, er sein ein brillianter neuer Singer/Songwriter, eine Granate als Gitarrist und der Shooting Star in der australischen Country Music Szene. Dem Multiinstrumentalist wurde eine Fülle von Talent in die Wiege gelegt. Liam Kennedy-Clark scheint mit und durch die Musik überhaupt zu leben. Sein drittes Album, “Another Heart“, ist modern und traditionell zugleich. Die Arrangements sind teils bombastisch, teils zurückgenommen und präsentieren die Titel stets angemessen, ob als ruhige Ballade oder Uptempo Stück. Auf den 10 Songs seines Albums “Another Habit“ präsentiert Liam Kennedy-Clark eine Country Music, die erkennbar nicht aus dem Mutterland dieses Genres stammt, aber dennoch so zeitgemäß und gleichzeitig traditionell daherkommt. Sicher ist ein solches Werk nicht mit den heute angesagten Chartstürmern zu vergleichen. Diesem jungen Künstler sei zu wünschen, dass er seinen Weg in der Country Music weitergeht und dass man ihn weltweit zur Kenntnis nimmt.

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Ian Noe – Between The Country
(VÖ: 31.05.2019)

Liebhaber von klarer, unverstellter Singer/Songwriter Music sollten sich diesen Namen merken: Ian Noe. Kaum ein Interpret der letzten Jahre war so dicht an Bob Dylan, einem der größten Singer/ Songwriter, wie Ian Noe. Stimme, Arrangement, Texte, Ausdruck und was auch immer, man ist verblüfft. Wow, mit welcher Intension dieser Musiker seine Stories erzählt, ist ganz großes Kino. Soll man da auf einen der 10 Titel seines Albums “Between The Country“ besonders eingehen? Nur insoweit, als es sich hierbei eher um den Folk Rock handelt, der einst Bob Dylan groß machte. Wie es im Genre Folk recht üblich ist, erzählt auch Ian Noe manchmal über 4 Minuten lang seine Geschichten. Wunderbare Laid Back Music, der man einen Tiefgang nicht absprechen kann. Nennt er auch John Prine oder Merle Haggard als besondere Einflussgrößen für seine Musik, die Folk Music hat ihn am stärksten beeinflusst. Für alle Freunde von weiteren seiner Vorbilder wie Woodie Guthrie oder Neil Young ist Ian Noe eine wundervolle Ergänzung. “Between The Country“ bereichert jedes gut sortierte Musikregal.

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Dustin Sonnier – Between The Stones And Jones
(VÖ: 24.05.2019)

Geht das überhaupt? Musik zwischen den Rolling Stones und George Jones zu präsentieren. Da hat sich der junge Musiker aus Louisiana mächtig viel vorgenommen. Sein zweites Album, “Between The Stones And Jones“ will genau diesen vermeintlichen Gegensatz aufarbeiten.  So geht es also los mit einem rockigen “The Way She’s Looking“. “Ain’t Got One Honky Tonk“ relativiert aber sogleich die Richtung des Albums und lässt erst einmal beschwingten Honky Tonk erklingen. Bei “Dear Huntin‘“ hört man einer Ballade im Dreivierteltakt zu und vermisst die Stones keineswegs. Der Titelsong “Between The Stones And Jones“ fällt weniger als Rocknummer aus. Vielmehr als ein fetziges Uptempo Honky Tonk Stück. Der etwas in die Irre führende Titel “What She Don’t Know, Won’t Hurt Her“ ist dann aber eindeutig eine Hommage an George Jones, einen der größten Interpreten der Country Music überhaupt. Im weiteren Verlauf der 14 Songs auf “Between The Stones And Jones“ wechseln sich Balladen, swingender Honky Tonk und rockige Titel ab. Da ist für jeden etwas dabei. Dustin Sonnier verfügt zudem über eine trainierte Stimme, die den verschiedenen Titeln stets gerecht wird. Den Mann sollte man sich merken und man darf sich schon einmal auf weitere Alben des Country Interpreten aus dem tiefen Süden der USA freuen.

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Tim Bluhm – Sorta Surviving
(VÖ: 29.03.2019)

Der Mann hatte einige Nackenschläge zu verkraften. 2015 überlebte er einen Flugzeugabsturz und seit 2017 kämpfte er mit verschiedenen Infektionen um sein Leben. Als seine Ehe und musikalische Partnerschaft mit Frau Nicki 2018 zerbrach, war für Tim Bluhm nur noch eine Richtung erkennbar. Nach vorn. Der Multiinstrumentalist, Gründer und Mitglied von etlichen Bands, denen er meist als Frontsänger vorstand, fügte nun der langen Reihe von Alben auf denen er solo oder in einer Band mitwirkte, ein neues Soloalbum hinzu. “Sorta Surviving“ ist so etwas wie der ganz persönliche Blick nach vorn. So beginnt das Album auch folgerichtig mit dem Titel “Jesus Save A Singer“, in welchem er seinem Schöpfer dankt und sich selbst lediglich als einen einfachen Sänger tituliert. Singer/Songwriter Music der zurückgenommenen Art und feine Honky Tonk Music erwartet die Hörer. Ein guter Schuss musikalische Retrospektive macht aus “Sorta Surviving“ ein gängiges Album, das aber dennoch eine Botschaft trägt. Tim Bluhm, der im Süden von Kalifornien aufwuchs, beherrscht verschiedene Gitarren, Piano und Drums. Seine Songs trägt er mit einer angenehm warmen Stimme vor, die, wenn nötig, auch eindringlich sein kann. Seine Singleauskopplung “Raining Gravel“ ist eine Ballade, die dem American Chanson eher angehört als Country Music. Der Titelsong beschreibt das Leben als Musiker, der stets auf Achse ist und der bemerkt, dass er ein Alter erreicht hat, in welchem die Girls vor der Bühne nicht mehr der eigenen Altersgruppe entsprechen. Beinahe viereinhalb Minuten widmet Tim Bluhm dem Titel “Del Rio Dan“. Ein Titel, der eher in die Psychedelic Folk Ecke gehört. Eine Coverversion des Klassikers “I Still Miss Someone“ ist in der Bearbeitung von Tim Bluhm eine sehr persönlich gefärbte Ballade. Er kann aber auch anders. “Squeaky Wheel“ ist ein Uptempo Road Song, der vom Umherreisen, vom Ankommen und Weiterziehen und den Begegnungen dazwischen erzählt. Da treibt ein feines Banjo den Song weiter und weiter. Mit “Kern River“ endet das Album “Sorta Surviving“ mit seinen 10 Tracks. Der letzte Titel ist Country Music pur und eine Hommage an etliche Orte in den Rockies. Von Lake Shasta bis zum Kern River und Mount Whitney. Gut, dass es Tim Bluhm wieder gut zu gehen scheint. Seine eingeschlagene Richtung als Interpret stimmt auf jeden Fall.

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Steve Earle & The Dukes – Guy
(29.03.2019)

Man ist von Steve Earle ja gewohnt, dass er sich nicht verbiegen lässt und dass er seine Vorstellung von Country Music mit Outlaw Elementen und Rock zu verbinden versteht. So ist auch sein neues Album “Guy“ in diesem Sinne keine Ausnahme. Aber Steve Earle lässt hier mit seiner Band, The Dukes, seinen Freund und sein Vorbild Guy Clark posthum auf großer Bühne auftreten. Guy Clark war, wie Steve Earle, nie auf Chartplatzierungen aus. Er war ein Singer/Songwriter aus Texas, der eine Fülle bemerkenswerter Titel schrieb. 16 davon hat Steve Earle nun ausgesucht um seinen Hero zu ehren, der im Mai 2016 verstarb. Ob “Desperados Waiting For A Train“, “Rita Ballou“, “The Ballad Of Laverne And Captain Flint“, “The Last Gunfighter Ballad“ oder zum Schluss des Albums “Old Friends“, man hat Guy Clark vor Augen. Alle Titel sind eingerahmt vom typischen Sound der Dukes und sofort als Musik von Steve Earle erkennbar. Balladen soweit das Ohr hören kann. Dabei gibt es immer mal wieder Überraschungen im Arrangement. Steve Earle hat eben sein ganz eigenes und teils geniales Gefühl für die Präsentation von Musik. Etliche der Songs dürfen 4 Minuten und länger sein und damit haben die Musiker den Rahmen, der aus den Titeln ein ums andere Mal einen Hörgenuss werden lässt. Man wird Titel von Guy Clark kaum in den Charts finden. Fans der texanischen Country Music werden ihn aber als einen der ganz Großen seines Faches in Erinnerung halten. Ohne Zweifel wird dies auch Steve Earle zu teil werden. Seine Spuren in der Country Music hat er nicht nur als Interpret sondern auch als sehr geachteter Produzent mehr als deutlich hinterlassen. Kein Mainstream kann ihn dabei stören. Das Album “Guy“ ist voller Hochachtung vor dem Freund und Mentor produziert und bekommt dadurch einen besonderen Charme. Das ist kein Stoff zum Abfeiern, eher zum Nachdenken.

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Adam Carroll – I Walked In Them Shoes
(VÖ: 12.04.2019)

Kein geringerer als Produzent Lloyd Maines hielt die Fäden in der Hand als Adam Carroll sein nunmehr neuntes Album in einer einzigen Sitzung aufnahm und steuerte seinerseits den einen oder anderen Instrumentalpart bei. Carroll nennt als erste Vorbilder Joe Ely, Robert Earl Keen und Guy Clark und schon weiß man, dieser Kerl ist Texaner und fügt sich in die Tradition texanischen Songwriter ein. Gesang ist nicht sein herausragendes Merkmal. Adam Carroll war zunächst durch Rock Music beeinflusst und übte auf der E-Gitarre. „Doch erst die akustische Gitarre ließ mich fühlen, wie kein anderes Instrument vorher.“ So beschrieb Adam Carroll, wie er zu seinem Stil kam und wie er sich mit den Balladen identifiziert, die er zu seiner Akustikgitarre vorträgt. Manchmal klingt er wie Townes Van Zandt und wirkt in seiner Direktheit und Schnörkellosigkeit beinahe introvertiert. Da erinnert er an Bob Dylan und fügt eine weitere Assoziation eines musikalischen Überfliegers für die Hörer hinzu. Auch auf die typische Harmonica Begleitung verzichtet er nicht. Es versteht sich von selbst, dass alle 10 Titel seines Albums “I Walked In Them Shoes“ von ihm selbst geschrieben wurden. Er kündigt sie auch kurz und knapp mit Titel an, was für ein Studioalbum eher ungewöhnlich ist. Da die Titel sich gleichen, wie ein Ei dem anderen, fehlt dem Album etwas Esprit. Nur Stimme und eine akustische Gitarre. Das hat etwas von Live Atmosphäre eines kleinen Klubs. Sicher gut geeignet für einen ganz ruhigen Kaminabend mit einem guten Buch und die Musik bildet den leisen Hintergrund. Auch für Freunde von Storytelling Songs ist “I Walked In Them Shoes“ eine gut verständliche Kost.

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Horse Mountain: Songs From The Attic
(VÖ: 2019)

Es gibt eine bemerkenswerte neue CD und die kommt nicht aus den USA. Das Duo ‚Horse Mountain’ im schwäbischen Kusterdingen beheimatet, konnten wir u.a. schon ein paar Mal beim Bluegrass-Festival in Birkenried erleben. Seit sage und schreibe 45 Jahren musizieren Birgit und Dieter Stoll bereits zusammen und diese Erfahrung zahlt sich aus. Das neue Werk trägt den Titel „Songs From The Attic“, weil es praktisch im heimischen Dachboden aufgenommen wurde. Doch keine Sorge, die Akustik ist tadellos. Handgemachte, akustische Folk- Country- und Americana-Music haben die beiden sich vorgenommen und genau das können sie auch am besten. Überwiegend kommen hier nur akustische Gitarren, Kontrabass, Banjo und Mundharmonika zum Einsatz, nur bei wenigen Titeln erklingt mal eine Melodie auf der E-Gitarre oder der Steel-Guitar. Alle Instrumente haben die Birgit und Dieter selber eingespielt. Sage und schreibe achtzehn Songs enthält diese CD. Wir können die hier natürlich nicht alle einzeln würdigen, nur so viel: aus dem Umfeld der Byrds stammt „Sin City“, geschrieben 1969 von Chris Hillman und Gram Parsons. Noch etwas älter ist „Hard Times“ (1854) vom ‚Vater der amerikanischen Musik’, Stephen Foster, der damals mehr als 200 Volkslieder komponiert hat. So geht das munter weiter mit „City of New Orleans“ in der Originalfassung von Steve Goodman, das wir alle von Arlo Guthrie kennen. „500 Miles“ wurde erstmal ein Hit von den Journeymen (1961) und der Klassiker „Don´t Fence Me In“ (1934) wurde so oft gecovered, dass man es gar nicht mehr aufzählen kann. Bei „Jealous Heart“ (Jenny Lou Carson, 1944) stutzten wir einen Moment: Die Melodie kennen wir doch? Klar, das Lied gab´s mal auf deutsch von Lale Andersen („Blaue Nacht am Hafen“). Es ist unglaublich, was die beiden hier ausgegraben und gekonnt neu aufbereitet haben. Die Songs klingen herrlich und die Zeit beim Hören vergeht wie im Flug. Lobo, die Everly Brothers oder Willie Nelson hätten sicher ihren Spaß, diese Versionen Ihrer Songs zu hören. „Songs From The Attic“ ist ein echtes Juwel, das in der Sammlung von Liebhabern authentischer Folk- und Country-Music nicht fehlen sollte.

Jürgen Stier

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Reba McEntire – Stronger Than The Truth
(VÖ: 05.04.2019)

Retro ist in. Das dachte sich auch Reba McEntire und kündigte ihr neues Album als “pure country music“ an. Im ersten Titel, “Swing All Night Long With You“ geht es auch gleich mit einem aufgeweckten Honky Tonk Swing traditionell los. Darauf folgt mit dem Titelsong “Stronger Than The Truth“ eine Ballade, wie man sie von Reba McEntire erwarten darf. Eine Trennungsgeschichte bei der ein Fazit bleibt: es gibt keinen Whiskey, der stärker ist, als die Wahrheit. Das gleiche Sujet bedient der Titel “Storm In A Shot Glass“, diesmal als Mainstream Rockballade arrangiert. Eine Hommage an Tammy Wynette verbirgt sich in dem bitteren Resümee “Tammy Wynette Kind Of Pain“. Bis auf den Songschreibertrick, die Titel “Stand By Your Man“ und “D-I-V-O-R-C-E“ zu zitieren, bleibt der Song etwas zurück. Verwöhnt wird man aber gleich darauf mit der Ballade “Cactus In A Coffee Can“. Darin wird eine herzzerreißende Geschichte erzählt. Zwei Frauen sitzen im Flugzeug nebeneinander und kommen ins Gespräch, in dessen Verlauf, die eine ihre Lebensgeschichte erzählt, die zu Tränen rührt. Das ist der Stoff, den Reba McEntire braucht, um mit ihrer außergewöhnlichen Stimme tiefer gehende Gefühle auszudrücken. Produzent Buddy Cannon hat für einige besondere Gitarrenparts mit Brent Mason einen der besten seines Fachs ins Studio geholt, was gelegentlich für richtig feinen Musikgenuss sorgt. Das Album “Stronger Than The Truth“ ist ohne Zweifel ein Country Album, welches auf Balladen setzt, die die Hörer im Innersten berühren sollen. Das gelingt, weil Reba McEntire in der Lage ist, wie kaum eine andere, solche Inhalte zu transportieren. Dass es bei den 12 Titeln lediglich zweimal fröhlich swingen und zweimal rockig grooven darf, ist zu vernachlässigen. Den Schluss des Albums “Stronger Than The Truth“ bildet die Ballade “You Never Gave Up On Me“. Das gab es doch schon einmal. 1982 hatte Crystal Gayle einen gleichnamigen Titel in den Charts. Mit einem anderen Text und mit leisen Pianoklängen werden die Hörer entlassen. Ja, das Album enthält Country Music. Ob es, wie angekündigt, das Album ist, welches Reba McEntire wieder zurück zu ihren Country Music Wurzeln führt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist “Stronger Than The Truth“ eine feine Zusammenstellung, überwiegend balladesker Musik und für einen genüsslichen Musikabend bestens geeignet.

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Aaron Lewis – State I’m In
(VÖ: 12.04.2019)

Neues vom Wanderer zwischen den Genres Grunge und Country, Aaron Lewis. Sein nunmehr drittes Album, welches sich mit Country Music beschäftigt, heißt “State I’m In“. Mittlerweile dürfte sich der bärtige Endvierziger aus Vermont vom Gespött erholt haben, als er 2014 die amerikanische Hymne mit einem falschen Text vortrug. Zuvor hatte er ziemlich über Pop-Diva Christina Aguilera hergezogen, die den gleichen Fehler gemacht hatte. Verletzlich präsentiert sich Aaron Lewis im Titelsong “State I’m In“, in welchem er sowohl sein Leben als Musiker zu beklagen scheint, als auch eine verlorene Beziehung. Martialisch ist der Titel “God And Guns“ angelegt. Da wird die uramerikanische Beziehung zu Waffen und eine unbedingte Vaterlandsliebe beschworen. Eine hierzulande eher umstrittene Einstellung. So schwanken die Inhalte des Albums “State I’m In“ von Aaron Lewis zwischen dem Image eines harten Kerls, dem man besser nicht blöd kommt und dem empfindsamen, einsamen Wolf, den es auf der Suche nach Glück umhertreibt. Einen interessanten Gedanken besingt Aaron Lewis bei “If I Were The Devil“. Angesichts dessen, was er alles tun würde, wenn er der Teufel wäre, zieht er eine ernüchternde Bilanz. Was alltäglich so geschieht in der Welt, lässt für den Teufel wenig zu tun übrig. Alles, was ihm an Qualen für die Menschen einfällt, haben diese sich selbst bereits angetan. Aaron Lewis ist auf allen 10 Songs der Erzähler mit einer Bass-Bariton Stimme, die ein Outlaw haben muss. Wenn er beispielsweise im Titel “Burnt The Sawmill Down“ besingt, dass er das Sägewerk des Vaters seiner Angebeteten niederbrannte, nachdem dieser ihn mit Waffengewalt von seiner Tochter fernhielt. Schon mit seinem letzten Album “Sinner“ hat Aaron Lewis klar gemacht, dass er die Country Music bereichern kann. Mit seinem neuen Werk “State I’m In“ unterstreicht er dies. Aaron Lewis wird die Charts nicht ansatzweise erobern können. Aber er steht für eine Country Music, die absolut in die Zeit passt.

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Brooks & Dunn – Reboot
(VÖ: 05.04.2019)

Als Brooks & Dunn 2009 beschlossen, zukünftig getrennte musikalische Wege zu gehen, hatte ihre letzte Nummer Eins bereits fünf Jahre auf dem Buckel. Der Stern des, mit Awards überhäuften, Super Duos schien zu verblassen. Zudem hatten Kix Brooks und Ronnie Dunn unterschiedliche Auffassungen über die Ausrichtung ihrer Zusammenarbeit. Ob die große Ehre, 2019 in die Reihe der Besten der Besten in die Country Music Hall Of Fame gewählt worden zu sein, den Ausschlag gab, nach 10 Jahren der Abstinenz ein gemeinsames, neues Album vorzulegen, sei dahingestellt. Mit “Reboot“ haben Brooks & Dunn ein Ausrufezeichen gesetzt. Beinahe selbstlos, haben sie für 12 ihrer erfolgreichen Titel junge, aktuell angesagte Kolleginnen und Kollegen ins Studio geholt und neu aufgenommen. Mit dem Abräumer der jüngsten Vergangenheit, Luke Combs, beginnt das Album treffend mit dem Song “Brand New Man“. Brett Young steuert bei “Ain’t Nothing ‘Bout You“ jede Menge Soul bei und “Neon Moon“ erlebt ein Reboot der Sonderklasse durch Kacey Musgraves. Neue Arrangements unter der Regie von Dann Huff lassen die altbekannten Erfolgstitel neu erstrahlen. “Lost And Found“ mit Tyler Booth, “Hard Working Man“ mit Brothers Osborne, “You’re Gonna Miss Me When I’m Gone“, überraschend different arrangiert, mit Ashley McBryde und “My Maria“ mit Thomas Rhett bilden das Mittelstück des Albums “Reboot“. Mit “Red Dirt Road“ beginnt die Schlusssequenz des Albums bei dem Cody Johnson seinen Einsatz hat. Selbst der sehr strapazierte Line Dance Knaller “Boot Scootin‘ Boogie“ erlebt ein Refresh mit Brooks & Dunn und den Männern der Gruppe Midland. “Mama Don’t Get Dressed Up For Nothing“ in einer Country Rock Version der Gruppe LANCO sorgt für zeitgemäßen Sound, bevor “Believe“ unter Mitwirkung von Kane Brown, der mit seinem R&B Hintergrund dem Album “Reboot“ von Brooks & Dunn einen sehr besinnlichen Ausgang beschert. Dieses Album präsentiert keineswegs “alten Wein in neuen Schläuchen“. Vielmehr ist diese Zusammenstellung ein Beispiel dafür, was man aus herausragend guter Musik machen kann. Zudem ebenso beispielgebend, was “altgediente“ und hochdekorierte Interpreten ihren “musikalischen Kindern“ weiterzugeben haben. Für Brooks & Dunn Fans ein Muss. Allemal aber für Fans guter Country Music in modernem Gewand ein Appetithappen.

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Randy Rogers Band – Hellbent
(VÖ: 26.04.2019)

Nach drei Jahren wieder ein Album der Randy Rogers Band. “Hellbent“ heißt es und hält manchmal was der Titel, übersetzt “wie wild“, verspricht. Mit „Drinking Money“ geht es auch gleich zur Sache. “Sie“ ist nicht zugegen um “Ihm“ zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat und so gibt er sein Geld aus für Whiskey und Poker, wohlwissend, dass dieser Lebenswandel das Leben kosten kann. Mit “Anchors Away“ stellen Randy Rogers und seine Band eine Trennung einmal ganz anders dar. Guten alten Roots Country Rock präsentiert der Titel “Comal County Line“. Ein beschwingter Walzertakt rahmt “We Never Made It To Mexico“ ein. Aus den manchmal gleichförmig klingenden Balladen sticht “Fire In The Hole“ heraus und beschreibt eine Liebe, die ein kurze Zündschnur hat und den Beteiligten wie eine Bombe um die Ohren fliegt. Ein Sad Song ist “Wine In A Coffee Cup“ in welchem es um die Lügen und Vertuschungen geht, die eine Alkoholabhängige zur täglichen Routine gemacht hat. Die Texte der 11 Titel auf “Hellbent“ der Randy Rogers Band scheinen alle aus dem echten Leben der Bandmitglieder zu stammen. Da wird die Trivialität eines unspektakulären Lebens ungeschminkt beschrieben aber auch die weniger erbauenden Seiten von Abhängigkeit und der verzweifelte Versuch der ganzen Tristesse zu entfliehen. Musikalisch ist dieses Album eher Normalmaß, was aber der Country Music sehr wohl gut zu Gesicht steht. Es muss ja nicht immer “Höher, Weiter, Schneller“ zur Maxime ausgerufen werden. Klare, nicht auf Effekthascherei ausgerichtete, Musik, bereichert die Menükarte der Country Musik auf angenehme Weise. “Hellbent“ ist wieder ein Beispiel dafür, dass es auch abseits der Charts sehr viel zu entdecken gibt.

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Markus Rill & The Troublemakers – Songland
(VÖ: 03.05.2019)

Seit langer Zeit entwickelt sich Markus Rill immer weiter als herausragender Musiker aus Deutschland. Über zwanzig Jahre legte er etliche Alben vom Feinsten vor und blieb dennoch ein Geheimtipp. Das könnte daran liegen, dass sich Markus Rill mit seiner Band, The Troublemakers, stets einer Schubladen Kategorisierung erfolgreich entzogen hat. Er wird mal als Folk Musiker, mal als Singer Songwriter, mal als Interpret guter, handgemachter, inhaltsvoller Balladen, mal als Americana Künstler und mal als Interpret von Country Music eingeschätzt. Klar, er präsentiert alle diese Stile. Aber Markus Rill steht für viele Musikrichtungen, nur einen gewissen Anspruch müssen sie gewährleisten. Mit dem neuen Album, “Songland“, warten in den 15 Tracks wieder einige Überraschungen auf die Konsumenten. “Fearless“ etwa präsentiert eine feine Gospel Adaption mit Textzeilen wie: „born to be fearless, born to be free.“ Es sind die Texte, die solch ein Album zu einem besonderen Produkt machen. Obwohl die Band, The Troublemakers, eine neue Besetzung aufweist, sind ihre ausnahmslos qualitativ hochwertig eingespielten Instrumentalparts angenehm zurückgenommen. So bleibt die Stimme von Markus Rill im Vordergrund und gibt jedem, manchmal emotional an die Grenzen gehenden, Gefühl rau und authentisch Ausdruck. “Songland“ ist wieder ein Album von Markus Rill & The Troublemakers welches heraussticht, aus den vielen Pop-Musik Alben, die sich mit Einsatz von Steel Guitar oder Fiddle und Banjo den Anschein von Americana oder Country Music geben. Diese Musiker um den Würzburger, der längst seine Ehrungen auch in Nashville bekommen hat, gehen einen anderen Weg. Das Arrangement der Titel auf “Songland“ lässt für viele verschiedene musikalische Vorlieben Raum und dürfte ganz sicher ein breites Fanpublikum finden. Es handelt sich nicht um kommerziellen Einheitsbrei, sondern um ganz fein ausgearbeitete Titel eines der wohl besten Songschreibers in Deutschland. Mit einer besonderen Melancholie geht “Songland“ mit dem Titel “The Great Mystery“ zu Ende. „Wo werde ich hingehen, wer werde ich sein, wen werde ich lieben, wird sie mich lieben, was werde ich finden, was werde ich sehen – das ist ein großes Mysterium.“ Wie ein Ausrufezeichen unterstreicht der letzte Titel die Intension von Markus Rill, die dieses Album wieder so gelungen werden ließ. “Songland“ ist ganz sicher ein Ausflug in das Land guter Musik und feiner Balladen.

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Marty Brown – American Highway
(17.05.2019)

25 Jahre sind vergangen, bis sich Marty Brown wieder in ein Aufnahmestudio begeben hat. Was war da los? Der Mann aus Kentucky ist ein bekennendes Landei. Dass er mit dem Leben und Lebensentwürfen vieler Menschen in den großen Städten seine Probleme hat, äußerte er immer wieder. Eine Art von Unangepasstheit, wenn man so will, hat bei Plattenbossen eher für Zurückhaltung gesorgt. Marty Brown wuchs in den Tabakfeldern seiner Heimat auf, wo er später auch arbeitete. Die Liebe zur Musik erbte er von seinen Eltern. Besonders seine Mutter lehrte ihn erste Gitarrengriffe und etliche Songs, die sie besonders gern und häufig sang. Kein Wunder, dass sich aus seiner Biografie entnehmen lässt, dass er als seine musikalischen Einflüsse, neben seinen Eltern, Hank Williams, John Denver, George Jones oder Roy Orbison nennt. Aber auch die Musik von Neil Diamond hat es ihm angetan. “American Highway“ ist das fünfte Album von Marty Brown, nachdem die vier Vorgänger nur wenig Aufmerksamkeit erregten. Für die ganz große Karriere hatte es bislang nicht gereicht. Mit den 10 Tracks auf “American Highway“ präsentiert Marty Brown Country Rock oder einfach All-American Singer Songwriter Music. Seine Stärke liegt im Songwriting. So hat er äußerst erfolgreiche Titel geschrieben. “I’m From The Country And I Like It That Way”für Tracy Byrd, “When I Stop Loving You” für Trace Adkins, „It Ain’t Me If It Ain’t You“ für Brooks & Dunn oder „I Pulled A Hank Last Night“ fürWilliam Michael Morgan, sind Beispiele für sein Talent als Songschreiber. Außerdem tourte er z.B. mit Garth Brooks, Alan Jackson oder Hank Williams Jr.. Das Attribut authentisch trifft seine Interpretationen wohl am ehesten. Marty Brown ist kein Gesangsvirtuose. Wenn er aber seine ruhigen Balladen mit tieferer Stimmlage erzählt, ist er absolut hörenswert. Das Album startet mit dem Road Song “American Highway“ und gleich darauf kommentiert er bei “I’m On A Roll (Better Than It’s Ever Been)“, friedlich versöhnt, seine Vergangenheit, in der er so manchen Nackenschlag hinnehmen musste und blickt auf sein heutiges Leben mit Zufriedenheit. Bei “When The Blues Come Around“ lässt er aber doch Gedanken an seine harten Zeiten zu, auf die man am Besten vorbereitet sein sollte. Es steckt überhaupt sehr viel von Marty Brown in den Songs auf seinem Album “American Highway“. Da mussten sicher etliche Emotionen verarbeitet werden. Ehrlicher kann man sich kaum präsentieren. Man sollte die Titel nicht an sich vorbeifließen lassen. Es lohnt sich einmal genauer hinzuhören.

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Brent Moyer – Doing Better Now
(VÖ: 26.04.2019)

Auch abseits der Charts gibt es Musiker und Interpreten, die für die Country Music sehr wichtig sind. Oder vielleicht gerade deshalb. Musiker, deren Hauptanliegen gute Musik ist, haben es bisweilen schwer eine verdiente Anerkennung zu bekommen. Das trifft auch auf Brent Moyer zu, der seit über 30 Jahren als Interpret, Songschreiber und Produzent arbeitet. Sein exzellentes Gitarre Spiel garantiert ihm und den Fans stets ein hohes Niveau in seinen Songs. Auf seinem neuen Album, “Doing Better Now“ hat er sich bei 10 der 12 Songs Co-Autoren ins Boot geholt. Illustre Namen wie Joe Collins, John Hadley oder Thomm Jutz liest man da. Letzterer, bestens bekannt als der Ausnahmegitarrist aus dem Badischen, der in Nashville als Produzent arbeitet und sich nicht nur im Bluegrass einen geachteten Namen gemacht hat, steuert mit “Just To See The Other Side“ einen Americana Titel aus seiner Feder bei. Das Album beginnt mit einem fließenden Country Song, der aus einer Vergangenheit grüßt, als Rock und harter Sound noch in weiter Ferne lagen. Gleich darauf erklingt mit “Stop Boudé“ eine Cajun Music und mit “Broke A Lot Of Mirrors“ ein Storytelling Honky Tonk. “Lawrenceburg“ könnte eine Titelmusik für einen Cowboyfilm sein. Sein Synonym, The Global Cowboy, hat sicher damit zu tun, dass er sich in seiner langen Karriere sehr oft in die weite Welt getraut hat. So produziert er schon lange beim Schweizer Label Brambus Records und seine aktuelle Tour findet auch überwiegend in der Schweiz statt. Auf dem Titelsong “Doing Better Now“ swingt es vorzüglich und wartet mit feinen Instrumentaleinlagen auf. Mit angenehmer Baritonstimme bringt Brent Moyer bei “Not About Nice“ auch bittere Erkenntnisse, von einer Jazztrompete eingerahmt, leicht verdaulich zu Gehör. Ein Beispiel für feines Gitarre Spiel ist der Titel “Snowblind“, der in ein mexikanisches Arrangement gekleidet ist und mit dem Saxophon von Jay Patton zur Weltmusik mutiert. Ein Highlight des Albums. Der über 70-jährige Brent Moyer hat der Musikwelt ganz sicher noch viel zu geben. Beim letzten Titel, “Love And Laughter“, ist der, mit brüchiger Stimme vorgetragene, Teil schon zu Ende, als sich noch einmal ein feines Gitarre-Outro anfügt und das Album wunderbar ausklingen lässt. “Doing Better Now“ ist ein wirklich “gut gemachtes“ Album von hoher Qualität.

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George Strait – Honky Tonk Time Machine
(VÖ: 29.03.2019)

Es ist schon 5 Jahre her, seit George Strait mit der “The Cowoy Rides Away Tour“ seinen Bühnenabschied beging. Der Musik wollte er aber treu bleiben und legte folglich weitere Alben auf. Nach nunmehr drei Jahren folgt mit “Honky Tonk Time Machine“ eine neue Produktion des Country Stars, der Superlativen sammelt wie kaum ein anderer. Sage und schreibe über 60 Nummer Eins Hits, sagenhafte Zuschauerzahlen bei seinen Konzerten und die Tatsache, dass er seit seinem ersten Charteintrag mit der Single “Unwound“ aus 1981 beinahe 40 Jahre als Top Act der Country Music gilt. Sein Stil ist texanisch geprägt und bedient, wie auch im neuesten Album, den Honky Tonk wie auch die ruhigen Balladen. George Strait ist sich stets treu geblieben und die Fans können sich auf ihn verlassen. 13 Titel, bei den meisten hat George Strait als Co-Autor mitgewirkt, bieten den Fans der eher traditionell angelegten Country Music wieder ein feines Album. Mit der Single “God And Country Music“ will George Strait wieder ganz nach oben. Ob das gelingt? Es ist so ein vertracktes Ding mit der Gunst der Konsumenten. Hat man einmal seinen schrittweisen Rückzug verkündet, wird es zunehmend schwerer als aktueller Star präsent zu bleiben. Früher konnten die Plattenverkäufe für volle Konzerthallen sorgen. Heute ist es eher umgekehrt. Insoweit hat George Strait seinen “Abgang“ vorbereitet. Oder etwa nicht? Schon füllt er doch wieder Stadien mit der aktuellen “Strait To Vegas“ Show. Der Rücktritt vom Rücktritt? Bei der Qualität von George Strait selbst und seinen Songschreibern wie Dean Dillon oder Sohn Bubba Strait klingt, swingt und schmeichelt es wie eh und je. Wenn “Take Me Away“ die Hörer zum Two Step im Texas Honky Tonk auffordert oder bei der Stroytelling Ballade “The Weight Of The Badge“ an die Menschen erinnert, die für die Gemeinschaft Gesundheit oder gar das eigene Leben riskieren, sind die Hörer mitten im Herz der Country Music angekommen. Selbst die aufpolierte Version von “Old Violin“, das einst Johnny Paycheck unter die Top 25 brachte, ist eine ganz feine Ergänzung des Albums “Honky Tonk Machine“. Obwohl der Sound und die Interpretation von George Strait den Fans so präsent und vertraut erscheint, gibt es immer wieder besonders gute Titel zu entdecken. So auch diesmal. Der Mittsechziger kann der Country Music ganz sicher noch einige Jahre wertvolle Beiträge hinzufügen. Den Abschluss bildet “Sing One With Willie“, eine Walzerversion, die an solche Heroen wie Merle Haggard, Waylon Jennings oder Johnny Cash erinnert. Das einzigartige Gitarre Spiel von Willie Nelson kündigt den Altmeister schon lange an, bevor er selbst einen Gesangspart übernimmt. “Honky Tonk Machine“ ist ein wertvolles Album und unterstreicht erneut die große Klasse von George Strait.

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Clay Walker – Long Live The Cowboy
(VÖ: 21.01.2019)

Er sei nun endlich bei sich angekommen. Das lässt Clay Walker zur bevorstehenden Veröffentlichung seines Albums “Long Live The Cowboy“ verlauten. Es war sehr ruhig um ihn geworden. Sein letzter Charteintrag stammt aus dem Jahr 2012 und sein letztes Album “She Won’t Be Lonely Long“ sogar aus 2010. Mit den 11 Songs auf dem neuen Longplayer will Clay Walker an die zeitgenössische Spitzengruppe der Country Music Anschluss finden. Man merkt dem Album an, dass hier mit aller Macht der Zeitgeist beschworen wird. Doch wie man aus einem Arbeitspferd kein Rennwunder machen kann, so ist das auch mit Clay Walker. Die Kiekser in seiner Stimme sind reifer und auch weniger geworden. Aber den modernen Cowboy muss man ihm nicht unbedingt abnehmen. Gerade von ihm, der seine Nummer Eins Erfolge in den Jahren 1993 bis 1997 hatte und mit “Rumor Has It“ oder “This Woman And This Man“ durchaus herausragende Titel platzierte, erwartet man keine Rock Country oder Bro Country Music. Das passt einfach nicht. “Little Miss Whiskey“ ist so ein wenig überzeugender Versuch ganz hypermodern zu erscheinen. Dabei ist Clay Walker immer dann richtig gut, wenn er seine Balladen wie “Napkin“ oder “Workin‘ On Me“ vorträgt. Doch auch ein Uptempo Song kommt richtig gut. “Makes Me Want To Stay“ hat einen treibenden Groove und ein modernes aber gut abgestimmtes Arrangement. Mit “Love Is Like The Rain“ endet das Album und da ist er gut herauszuhören, der Clay Walker, der keine Stimmakrobatik braucht und dennoch seine Inhalte eindringlich präsentiert. Die Verwandlung in einen Rocker steht ihm nicht und seine Fans lieben ihn für das, was er seit eh und je gut kann. Mit “Long Live The Cowboy“ hat der fast 50-jährige Texaner ein Album vorgelegt, welches einige irritierende Titel aufweist, aber letztlich zu einem versöhnlichen Gesamteindruck führt.

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Detentions – Yes It Is
(VÖ: 11.01.2019)

 

Der Name der Formation Detentions bedeutet frei übersetzt: Nachsitzen. Dan Sullivan und Chris Hillier sind beide Lehrer und so lag der witzige Name sicher nahe. Nachdem die beiden ihre Gemeinsamkeiten in der Vorliebe für Musik entdeckten, führte ihre Zusammenarbeit 2010 schließlich zu ihrem ersten Album “Rockamole“. Nun haben sie ihr fünftes Album am Start. “Yes It Is“ ist erneut geprägt durch die unaufgeregten Arrangements, die feinen Balladen und klaren Texte. Das ist Singer/Songwriter Music vom Feinsten. Eine Mischung aus Country/Rock/Coastal und Americana bilden das musikalische Gerüst für die Music von The Detentions. Die beiden Musiker beschreiben ihre musikalischen Einflüsse von Kiss, The Police über The Beatles über Singer/Songwriter Jim Croce, Gordon Lightfoot und John Mellencamp bis Robert Earl Keen, James McMurtry, Jerry Jeff Walker und Walt Wilkins. Bei solch einer Bandbreite ist für verschiedenste Unterhaltung gesorgt. Mal locker und flockig, mal ganz ruhig und besinnlich bis zu eher fröhlichen Titeln reicht das Angebot. Nach “nur“ 10 Titeln ist Schluss und man hätte gern noch mehr gehört. Vielleicht sollte man mal in den Vorgängeralben stöbern. Auf jeden Fall heben sich The Detentions wohltuend vom Radio Play ab.

 

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Thomm Jutz, Eric Brace, Peter Cooper – Riverland
(VÖ: 8. Februar 2019)

 

Ein neues Konzeptalbum des herausragenden Gitarristen und hoch geachteten Produzenten Thomm Jutz, der diesmal mit den Kollegen Eric Brace und Peter Cooper kollaboriert, nimmt auf den 14 Tracks Bezüge zu bestimmten Büchern, die mit dem Thema Mississippi umgehen. Ob Mark Twain, Willie Morris oder William Faulkner, die literarischen Vorlagen handeln entweder vom großen “Old Man River“ oder vom Bundesstaat Mississippi, vor allem aber von den Menschen im Süden der USA entlang des gewaltigsten Flusses Nordamerikas. Thomm Jutz sagte hierzu: „Die amerikanische Musik ist so stark beeinflusst durch den Staat Mississippi und durch den Fluss, dass daran keiner vorbeikommt, der sich für amerikanische Musik interessiert“. Grandiose Ideen des Produzenten, Gitarristen, Songschreiber und Harmoniesänger Jutz, die Geschichte und Geschichten des Mangolia State musikalisch aufzuarbeiten. Die große Flut, der Bürgerkrieg, Rassenproblematik oder ganz einfach die Heimat des Blues, das sind unerschöpfliche Themen, die ja auch die genannten Literaten beeinflusst haben. Die Kollegen Eric Brace und Peter Cooper sind sozusagen die Frontmänner des Projektes. Schon mit dem ersten Titel, “River City“, wird deutlich, dass es hier um wunderbar behutsam arrangierte und eingespielte Musik geht. Gitarre Spiel wie seichte Wellen des Mississippi, begleitet von sanft durchdringenden Bassklängen, die andeuten, dass der große Fluss auch wild und gefährlich sein kann. Da widmen sie einen Titel Mike Fink, Beiname “King Of The Keelboat Men“, dem Raubein und legendären Flussschiffer, der mit den Kielbootseglern auf dem Mississippi unterwegs war. Aber mit “To Be A Steamboat Man“ geht es um die modernere Technik der Dampfschifffahrt. Mit der besinnlich fließenden Ballade “Mississippi Rest My Soul“ endet das “Riverland“. Mit diesem Album zeigen Eric Brace, Peter Cooper und Thomm Jutz eine ganz eigene, besondere Seite von Musik aus dem Süden der USA. Lässt man sich darauf ein, öffnet sich der Blick auf die Gemeinsamkeiten, die Menschen dort wie hier miteinander verbinden. “Riverland“ ist ein Album für Liebhaber echter, handgemachter Singer/Songwriter Music vom Feinsten.

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Joe Nichols – Never Gets Old – Traditional Country Series
(VÖ: 31. August 2018)

 

Ein Projekt, welches auf einer außergewöhnlichen Idee beruht, ist von Joe Nichols 2018 auf den Weg gebracht worden. Der Sänger aus Arkansas, dessen Karriere 2002 mit seinem Hit “Brokenheartsville“ so richtig durchstartete, kam wohl 2017 nach seinem Album “Never Gets Old“ auf die Idee, jeden Monat eine Coverversion alter Hits seiner musikalischen Vorbilder zu veröffentlichen. Dazu jeweils ein extra produziertes Video. Die EP “Never Gets Old – Traditional Country Series“ beginnt mit dem Song “Good Ole Boys Like Me“, der einst für Don Williams ein Top 2 Hit war. Weiter geht es mit “The Rose Is For Today“ (No. 70 der Billboard Charts 1981 für Jim Chesnut). Eine ganz ruhige Version des Merle Haggard Klassikers “Sing Me Back Home“ schließt sich an. Ein Ronnie Milsap Titel, “There’s No Gettin‘ Over Me“ aus dem Jahr 1981 und “Ten Feet Away“ von Keith Whitley sind Titel 4 und 5, bevor mit “Choices“ vom Altmeister George Jones und aus der Feder von Billy Yates die Hommage an diese Künstler und an diese tollen Titel endet. Eine feine Auswahl, die von Joe Nichols auf seine eigene Art interpretiert wurde und vielleicht gerade deshalb keineswegs verstaubt daherkommen. Gerne mehr davon.

Manfred Hesse