Dale Watson
in der Four Corners Music Hall

Es ist sicher allgemein bekannt, dass Dale Watson richtig gute, traditionelle Country Music macht. Bei der ersten seiner zwei Shows in der Four Corners Music Hall am 13.06.2019 im Rahmen seiner diesjährigen Europatour, stellte er dies einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Sein Repertoire scheint schier unerschöpflich zu sein und man fragt sich unwillkürlich, ob es jemals zwei genau gleiche Konzerte des Entertainers gegeben hat.
Nach dem Opener „Honky Tonkers Don’t Cry“ dauerte es nicht lange, bis der erste Zuruf „Frisco“, im Original von Merle Haggard, aus dem Publikum kam, was Dale Watson sofort umsetzte. Natürlich spielte er auch Songs aus seinem neuen Album „Call Me Lucky“ u.a. den Titelsong, „David Buxkemper“ und „The Dumb Song sowie weitere Hörerwünsche. Aber diesmal stellte der Sänger auch seine humorvolle Seite vor, indem er z.B. sein „weltbestes Bier – Lone Star aus Texas“ vorstellte oder eine Darbietung seiner Yogaübungen zum Besten gab.
Wie auch immer, das Publikum hatte jede Menge Spaß und die Show ging wieder viel zu schnell vorbei. Da Dale Watson ein vorzüglicher Künstler ist, der sich auch im Umgang mit seinen Fans sehr professionell und dabei liebenswert verhält, wäre es traurig, wenn die beiden Auftritte am 13.6. und 14.6.2019 tatsächlich die letzten Auftritte des sympathischen Musikers in Deutschland wären. Hat er doch über Facebook angekündigt künftig keine Europatouren zu unternehmen. Ein kleines Hintertürchen bleibt aber offen, er äußerte nämlich, dass er zu einzelnen Festivals sofern er eingeladen wird, durchaus noch auftreten würde. Wir hoffen natürlich trotzdem Dale Watson wieder hier in Deutschland hören zu können.
Für sein weiteres Wirken wünschen wir ihm alles Gute und sagen danke an Dale Watson für viele klasse Shows und seine tolle Musik.

Monika

 

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Thomas Michael Riley
im Kulturgewächshaus Birkenried

Die Country & Western Friends Kötz 1982 e.V. verdienen ein ums andere Mal unser Hochachtung. Seit vielen Jahren haben sie den Mut, hochkarätige Country-Künstler auf die Bühne zu bringen, für die man sonst weit reisen müsste. Das Jahr ist noch keine 5 Monate alt, da durften wir bereits eines der Highlights erleben: am 10. Mai gastierte im Kulturgewächshaus Birkenried, nahe Günzburg, der baumlange Texaner Thomas Michael Riley mit seiner insgesamt vierköpfigen Band und präsentierte uns bodenständige, echte Country Music aus dem Herzen von Texas, wie man sie besser nicht machen kann. ‚Schade, dass die keine Steel-Guitar dabei haben’, dachten wir im ersten Moment, wurden aber schnell eines besseren belehrt: wer solch einen Gitarristen wie Kenny Grimes in der Band hat, kann auf eine Steel-Guitar getrost verzichten.
Ganz ähnlich dem Stil des großen Steve Piticco versteht er es ein ums andere Mal, seiner E-Gitarre solch herrliche Melodien zu entlocken, dass man die Augen schließt und glaubt, eine Steel-Guitar zu hören. Kenny hat viele Jahre mit Stars wie Garry P Nunn oder Hal Ketchum gespielt. Thomas Michael Riley, der irische Vorfahren hat, zählt in Texas zu den ganz Großen, hat viele Auszeichnungen erhalten und organisiert jedes Jahr Anfang Juni in Luckenbach, Texas ein dreitägiges Festival, bei dem sich die besten Bands auf den Bühnen abwechseln. An diesem Abend in Birkenried erlebten Faszination pur, Country-Songs vom allerfeinsten. Ein paar Klassiker, wie „Luckenbach, Texas“ oder „Folsom Prison Blues“ lockerten die Stimmung auf, doch die meisten Songs stammten aus Rileys eigener Feder und sind mitten aus dem Leben gegriffen. „Get Back Up And Ride“ oder „Memphis“ sind Beispiele dafür und „Boys From Luckenbach“ ist eine etwas wehmütige Erinnerung an die Anfänge der Texas-Musikszene, in der er an die Outlaws Willie Nelson, Waylon Jennings, Garry P Nunn, Jerry Jeff Walker und die anderen Gründerväter erinnert, die sich seinerzeit vom zu glatt gebügelten Nashville-Sound abwandten. Das Faszinierende ist: obwohl man die Songs noch nie gehört hat, glaubt man sofort, sie schon ewig zu kennen. Sie gehen augenblicklich ins Ohr, ins Herz und ins Blut. Diese Musik ist Medizin, besser als flüssige oder gepulverte. Von solch einem Abend zehrt man mindestens drei Monate lang. Die 16 Euro, die die Gäste im vollbesetzten Kulturgewächshaus bezahlt haben, waren ein echter Freundschaftspreis für das, was und diese vier gestandenen Texaner präsentiert haben. Auch mit Schlagzeuger Louie Broussard und Bassist Donnie Price hat Riley einen Glücksgriff getan, alle harmonieren perfekt. Und natürlich sind alle vier bodenständige Kerle, die gern ein Schwätzchen mit den Gästen halten.

Sie lobten die deutsche Gastfreundschaft, das deutsche Bier und Riley spricht sogar etwas deutsch. Keine Frage, dass diese großartige Band vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Gitarrist Kenny erhielt immer wieder Szenenapplaus für seine traumhaft schönen Soli. Ob man zu dieser Musik auch tanzen kann? Nicht in Birkenried, da ist kein Platz, doch Twostepper und andere Paartänzer hätten ihre helle Freude. Wir spürten deutlich, dass angesichts des begeisterten Publikums auch die Musiker ihren Spaß hatten. Wie anders ist es zu erklären, dass nach dem offiziellen Ende noch sechs Zugaben folgten, u.a. der „London Homesick Blues“ und der Keith-Whitley-Klassiker „When You Say Nothing At All“. 

Jürgen Stier