Country-Weihnacht der Country & Western Friends Koetz

Weihnachtsfeiern gibt es gar viele, natürlich können wir hier nicht über alle berichten. Deshalb wollen wir stellvertretend eine der schönsten herausgreifen. Alljährlich findet am Samstag vor dem zweiten Advent die Country-Weihnacht im Schützenhaus Leipheim statt. Veranstalter sind die Country & Western Friends Koetz 1982 e.V. Dieser Verein hat früher tolle Country-Festivals ausgerichtet und organisiert nach wie vor Konzerte hochkarätiger Künstler aus den USA sowie das alljährliche Bluegrass-Festival Birkenried. Die Weihnachtsfeier freilich findet immer in einer besonders schönen Atmosphäre statt, so haben uns schon viele berichtet. Also haben wir uns diesmal auf den Weg gemacht und verlebten mit mehr als 200 anderen Gästen einen unvergesslichen Abend im vollbesetzten Schützenhaus. Eines vorweg: der Besuch dort lohnt sich allein schon wegen der guten Küche, das ist bekannt in der Szene und die Gäste ließen fleißig Speis und Trank auffahren. Musikalisch lässt man sich hier jedes Jahr etwas Neues einfallen und so stand die Feier 2019 schwerpunktmäßig im Zeichen der Bluegrass-Music.

Punkt 19 Uhr begrüßte unser Freund Peter Wroblewski die Gäste, die aus allen Teilen des deutschsprachigen Raums, sogar aus der Schweiz,  angereist waren und gab die Bühne frei für „The Sacred Sounds Of  Grass“, ein Quartett, das auch beim vorgenannten Festival in Birkenried schon begeistert gefeiert worden war. Aus Dillenburg in Hessen stammen diese Gentlemen, wenngleich zwei von ihnen eigentlich Ostfriesen sind. Gegründet vor 40 Jahren als Schülerband von den Brüdern Sam und Thilo Hain, halten sie seither die Bluegrass-Music hoch in Deutschland und feierten sozusagen an diesem Abend auch ihr Bandjubiläum. Das begann mit einem Medley von deutschen Weihnachtsliedern im Bluegrass-Sound und es folgten viele schöne Gospel-Songs, alle passend zur Adventszeit. Es gibt ja wahrlich mehr schöne Songs, außer dem hinlänglich bekannten „Jingle Bells“ oder „Winter Wonderland“. „When The Golden Leaves Beginn To Fall“ von Bill Monroe ist so ein Beispiel.
Thilo Hain stellte für ein paar Songs sogar sein Banjo beiseite und spielte stattdessen eine Autoharp. Dieses eher seltene Instrument haben auch die Carter Family oder die Good Brothers schon verwendet. Es handelt sich um eine umgebaute und mit Tasten versehene Zither.

In den Pausen konnte man Lose einer Tombola zu einem wohltätigen Zweck erstehen und es wurden langjährige Mitglieder des Vereins geehrt. Einer davon war Bernhard Wiesner und der ist kein Unbekannter: vor dreißig Jahren, und damit wären wir bei den Feierlichkeiten des zweiten Jubiläums an diesem denkwürdigen Abend, gründete Bernhard mit seiner Partnerin Sally Greenfield das Duo „The Greenfields“, das wir in den 90er Jahren, teils auch als komplette Band, mehrfach erleben konnten. Sally´s wunderschöne Stimme war das Markenzeichen, wären Bernhard den Part des instrumentalen Virtuosen innehatte.

Doch der Reihe nach: das zweite Set des Abends wurde vom Duo „Horse Mountain“ aus dem schwäbischen Kusterdingen begonnen. Die beiden, Birgit und Dieter Stoll, sind immer wieder gern gesehene Gäste bei den Kötzern, vermitteln sie doch mit ihrer akustischen Musik feinsten Folk-Feeling. Seit genau zehn Jahren treten die beiden unter diesem Namen kontinuierlich auf.

Damit wären wir bei Jubiläum Nummer drei. Freilich sind die beiden schon viel länger ein Paar und haben auch damals schon miteinander gespielt. Ihre CD „Songs From The Attic“ haben wir ja unlängst vorgestellt. Nach ein paar Titeln kam Sally Greenfield mit auf die Bühne und aus dem Duo wurde ein Trio mit einem gelungenen Mix aus Americana, Bluegrass und Country Music. Zwei Akustikgitarren, ein Kontrabass, dazu mehrstimmiger Gesang, einfach herrlich. Da hörten wir solche fast vergessene Raritäten wie „Love At The Five And Dime“ von Nancy Griffith aber auch einen Song von der 60er-Beat-Band The Troggs. „Love Is All Arround“ heißt der und auch der passt in die Weihnachtszeit! Besonders gefreut hat uns der Jeff Christie-Hit „San Bernardino“, den die Greenfields seinerzeit auf ihrer CD hatten.

Das dritte lange Set des Abends bestritten dann nochmals „The Sacred Sounds Of Grass“ in Person von Thilo Hain (Banjo), Alfred Bonk (Bass), Hendrik Ahrend (Gitarre) und Sam Hain (Mandoline). Charmant und mit einer Prise hessischem Humor führten die Herren durch das Programm. Da gab es dann noch Klassiker von den Orborne Brothers, den Bluegrass Cardinals und vielen anderen. Der abschließende Gospel „Go Down Moses“, a capella vorgetragen, wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

Zum Ende kamen alle Akteure noch zu einer Session zusammen, bei der man mit „I´ll Fly Away“ und „Will The Circle Be Unbroken“ den Schlusspunkt dieser herrlichen Country-Christmas setzte. Es gab langanhaltenden Applaus für alle Künstler, aber auch für Werner und Markus Barton, die beiden Jungs, die den tollen Sound gemischt haben. Es passt ins Bild, dass am Ende bereits der Termin für die Country Christmas am 12. Dezember 2020 bekannt gegeben wurde und auch gleich die ersten Reservierungen eingingen.
Man kann die Country & Western Friends Koetz nicht genug loben, dafür dass sie solch gute Musik hierzulande auf die Bühne bringen und das schon seit über 35 Jahren.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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Bluegrass Jamboree 2019 in der Kulturfabrik Roth

„Wer Bluegrass verpasst, ist selbst schuld“, schrieben einst die Badischen Neue Nachrichten. Bereits zum 11. Mal ging heuer eine Veranstaltung auf Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, auf die sich die Bluegrass-Fans das ganze Jahr über freuen. Man kann den Veranstalter Rainer Zellner aus Tübingen nicht genügend würdigen. Er tut mehr für die Verbreitung der Bluegrass Music als irgendwer sonst in Mitteleuropa. In akribischer Arbeit recherchiert er die interessantesten und talentiertesten Künstler diese Genres in den USA und in Kanada und holt jedes Jahr drei solche Formationen nach Europa.
Die sind immer so gewählt, dass sie einen guten Kontrast zueinander bilden. Rund vier Wochen ist dieser Tross von ca. 12 Musikern dann mit dem Bus unterwegs. Interessant ist dabei auch, dass sich die Mitglieder dieser drei Bands vorher nicht kannten, auf der Tour aber teils langanhaltende Freundschaften geknüpft werden.

Am 08.12.2019 gastierte die Bluegrass Jamboree in der Kulturfabrik im mittelfränkischen Roth. Den Auftakt machte heuer ein interessantes Duo namens Hoot and Holler: Amy Alvey stammt aus Orange County, Kalifornien und Mark Kilianski aus New Jersey. Kennengelernt haben sich beide auf dem Berklee College of Music in Boston, wo man alle denkbaren Musikrichtrungen, auch Bluegrass studieren kann. Beide leben jetzt in North Carolina, dort wo die Musik zuhause ist, die sie spielen. Das ist nämlich jene Art von Volksmusik, aus der Bluegrass einst hervorging, Hausmusik, wie die Familien auf dem Land sie gemacht haben. Mit Banjo, Akustikgitarre und Fiddle, bisweilen auch mit zwei Gitarren spielen sie alte Traditionals dieser American Roots Music, aber auch eigene Songs mit durchaus hochaktuellen Texten. Zuhause sind die beiden freilich selten, denn sie touren mit einem Van die meiste Zeit durch die USA. Das Open Back-Banjo, das Mark spielt, hat er mit einem Freund selbst gebaut. Wer da glaubt, dieser mehr als hundert Jahre alte Musikstil wäre etwas angestaubt, irrt sich: Hoot and Holler polieren die Songs geschickt auf und präsentieren sie mit starkem Gesang und so viel Spielfreude, dass das Publikum schon richtig begeistert war

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Zweiter Act waren die Price Sicters aus Ohio. Dass eine traditionelle Bluegrass-Band von zwei Frauen geleitet wird, das hat Seltenheitswert. Leanna spielt Geige und ihre Zwillingsschwester Lauren Mandoline. Zusammen beherrschen sie einen zweistimmigen Gesang, so traumhaft schön, wie ihn wohl nur Geschwister zustande kriegen, die ihr Leben lang miteinander gesungen haben. Traditionelle Bluegrass-Stücke dominieren hier und dennoch wirkt diese Musik kein bisschen konservativ, sondern deutlich peppiger als die der alten Meister. Dazu tragen auch die drei männlichen Bandkollegen bei: Matthew Parsons (Gitarre) und Andrew Brown (ein Linkshänder am Kontrabass!) erweisen sich auch als tolle Solisten auf den Instrumenten und starke Solo-Sänger. Der Knaller freilich ist der erst 21 Jahre junge Lincoln Hensley, der eigentlich aussieht wie ein Konfirmand. Noch nie haben wir einen so jungen Banjo-Spieler erlebt, der dieses Instrument bereits so brillant beherrscht. Seit sieben Jahren übt dieses Naturtalent nun und wenn er konsequent so weiterarbeitet, dürfte er bald auf einer Ebene mit Legenden wie Earl Scruggs oder Douglas Dillard stehen. Nach diesem Auftritt hat das Publikum in der ausverkauften Kulturfabrik bereits getobt.

Nach einer Pause, in der die Künstler in Foyer freundlich und geduldig Autogramme schrieben und zu einem Schwätzchen zur Verfügung standen, folgte die dritte Band: Chicken Wire Empire aus Wisconsin sind offenkundig angetreten, Bluegrass zu modernisieren. So wie es einst schon Bands wie Newgrass-Revival taten. Schon optisch wirken sie gar nicht wie Bluegrass-Musiker. „Jamgrass“ nennt man diesen Stil auch und da fließen deutlich mehr jazzige Noten ein, bisweilen sogar etwas Blues- und Rock-Elemente. Ein relativ langsames Stück wirkte gar etwas mystisch und klang ein wenig nach Klassik. Dazu zogen bei düsterem Licht Nebelschwaden über die Bühne. Auch der Geist von Grateful Dead (Jerry Garcia war ja im Herzen ein Bluegrass-Fan) war da deutlich zu spüren. Doch nicht für lange, dann machten sie deutlich, dass sie ihren Bill Monroe studiert haben. Ryan Ogburn (Mandoline), Jordan Kroeger (Bass), Jon Peik (Banjo), Greg Brundage (Gitarre) und Ernest Brusubardin IV. (Fiddle), alle fünf sind sie erstklassige Solisten, zelebrieren virtuose Soli und entwickeln dabei einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil, dem sogar die Traditionalisten unter den Fans Respekt zollen müssen. Vor allem Jordan Kroeger erweist sich dabei als starker Solo-Sänger.

Keine der Bands spielt eine Zugabe, auch wenn die Zuschauer dies fordern. Rainer Zellner hat sich nämlich etwas noch Besseres ausgedacht: Am Ende des Abends gibt es stets eine Session aller beteiligten Künstler, bei der Rainer selbst zur Mandoline greift. Wenn dann dreizehn Musiker auf der Bühne stehen und in die Saiten hauen, als gäbe es kein Morgen, weiß man kaum noch, wohin man zuerst gucken soll. Dann erklingen Klassiker wie „Keep On The Sunny Side“, bei denen auch die Gäste mitsingen können. Der Beifall war so vehement, dass noch zwei Zugaben hermussten. Da freuen wir uns doch jetzt schon auf die Tournee 2020.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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Country Superstar Brad Paisley zum ersten Mal live in Deutschland

Es war die Nachricht auf die viele deutsche Country Fans sehnsüchtig gewartet haben. US Country Stars kommen nach Deutschland.

Brad Paisley kam im Rahmen seiner World Tour auch für ein Konzert nach Deutschland. Das Konzert am 9. Oktober im Tempodrom in Berlin war der erste Auftritt des Superstars in Deutschland überhaupt und binnen weniger Tage restlos ausverkauft. Er wurde von Chris Lane begleitet, der ebenfalls sein Deutschlanddebüt gab.
In seiner Heimat USA ist er längst einer der ganz Großen. Er hat drei Grammys, zwei American Music Awards, 14 Academy of Country Music Awards und 14 Country Music Association Awards (einschließlich Entertainer of the Year) gewonnen und seine Alben parken quasi ohne Unterbrechung in den Charts. Seit 2001 ist er stolzes Mitglied der Grand Ole Opry. Als Brad Paisley acht Jahre alt war, schenkte sein Großvater ihm seine erste Gitarre und brachte ihm das Spielen bei. Der begabte Brad Paisley schrieb bereits im Alter von zwölf Jahren erste eigene Songs und trat mit 13 als Vorband der Countrysänger George Jones und Ricky Skaggs auf. Sein 1999 erschienenes Debütalbum „Who Needs Pictures“ wurde mit Platin ausgezeichnet und sein erster Nummer-eins Hit wurde die Single-Auskopplung „He Didn‘t Have to Be“.
Mit seiner Auswahl von 23 Titeln hatte der „Gitarrengott“ alles richtig gemacht und einen sehr guten Überblick über seine bisherige Karriere geboten. So gab es zum Auftakt gleich  mit „Southern Comfort Zone“, „Ticks“, „The World“ und „Water“ vier Hits am Stück. Die ersten längeren Gitarreneinlagen von Brad Paisley gab es dann beim „Perfect Storm“ und „Whiskey Lullaby“ in dem er seinen Namen „Gitarrengott“ alle Ehre machte.
Brad zeigte sich sehr Publikumsnah, indem er immer wieder Kontakt über den Laufsteg zu seinen Fans aufnahm. Während des  Songs „This Is Country Music“ signierte er die gerade bespielte Gitarre, um sie dann an eine kleine Konzertbesucherin zu verschenken. Auch bekam ein kleiner Junge seinen Cowboyhut.
Brad Paisley hat das Konzert definitiv mit einem tollen, energiegeladenen besetzten Set zum Höhepunkt gebracht, das eine Menge Spaß machte und durchweg großartige Energie hatte. Er zeigte seine unglaublichen Fähigkeiten als Sänger, Songwriter und Gitarrist und es war eine brillante unterhaltsame Leistung. Ich habe es wirklich genossen, all die verschiedenen Seiten seines Sounds zu sehen, und es ist klar, warum er so lange an der Spitze dieses Geschäfts ist – diese Kombination aus Talent, Humor und Können ist wirklich ein Gewinner. Nach rund 2 Stunden Country Music vom Feinsten endete die Show mit dem hymnischen „Alcohol“ das lautstark von den Fans mitgesungen wurde.
Bleib zu hoffen, dass der nächste Besuch von Brad Paisley nicht so lange dauert. Wobei auf seinem offiziellen Tour-Shirt auch „Munich“ stand. 

„Vorprogramm“ – Chris Lane 

Bevor die Zuschauer dem dreifachen Grammy-Preisträger zujubeln durften, kam erst einmal Chris Lane auf die Bühne. Seit seinem Durchbruch in der Szene mit dem Nummer-eins-Hit „Fix“ steigt der aufgehende Stern von Chris Lane mit GOLD- und PLATIN-Singles, zwei Top-10-Alben und über 850 Millionen kombinierten Streams immer höher. . Lane gewinnt immer mehr Anerkennung und wurde vom MusicRow Magazine zu einem der 2017 Next Big Thing Artists ernannt und bei den iHeartRadio Music Awards, ACM Awards und Radio Disney Music Awards nominiert.  Der 34-Jährige aus North Carolina hatte unter anderem seine erfolgreichsten Singles „I Don’t Know About You“ und „Take Back Home Girl“ mitgebracht. Nachdem er in der Vergangenheit bereits einen  heißbegehrten Platz im Vorprogramm auf Tour mit Florida Georgia Line, Dustin Lynch, Garth Brooks, Tim McGraw + Faith Hill und Rascal Flatts einheimste steht er nun auch mit Brad Paisley auf der Bühne.
Die Besucher reagierten auf den Newcomer zurückhaltend obwohl er mit dem Publikum gearbeitet, Hände geschüttelt und völlig Authentisch war. Seine Musik ist Geschmackssache. Stimmung kam erst beim Medley auf, bei dem Lane unter anderem Hits von Brooks & Dunn, Tracy Byrd, John Michael Montgomery, George Strait und Garth Brooks darbot.

Karl Hofmann

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11. Internationales Bluegrass-Festival Birkenried

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Viele Fans erinnern sich an die herrlichen Country-Festivals, die die Country und Western-Friends Kötz 1982 e.V. rund 30 Jahre lang organisiert haben. Die gibt es leider nicht mehr, aber man stellt regelmäßig Veranstaltungen mit namhaften Künstlern im kleineren Rahmen auf die Beine. Fester Termin im Kalender ist jedes Jahr das liebevoll organisierte Bluegrass-Festival Anfang September. Das geht über drei Tage und findet statt in dem idyllischen Kulturgewächshaus in Birkenried, wenige Kilometer von Günzburg entfernt. Dieses Wochenende erfreut sich größter Beliebtheit und speziell der Samstag ist fast immer ausverkauft. Am Freitag, den 06.09.2019 begrüßte der Vorsitzende Peter Wroblewski kurz nach 19 Uhr die schon zahlreich aus mehreren Ländern angereisten Gäste und stellte den Opener des Festivals vor: Die Dapper Dan Mensind keine Unbekannten in Birkenried. Seit ihrem ersten Gastspiel dort haben sie sich haben sie sich mit zahllosen Auftritten in Deutschland, Frankreich und Österreich einen Namen gemacht, sind im Vorprogramm namhafter Bluegrass-Größen aufgetreten. Mit den typischen Instrumenten Dobro, Banjo, Akustikgitarre, Waschbrett, Fiddle, Bass und Mandoline präsentiert diese Band einen Querschnitt aus Country, Bluegrass, Folk und vielem mehr. Songs wie „My Daddy Was A Moonshine Man“ erzählen vom Leben in den Apalachen, andere, wie „Sin Waggon“ kennt man von den Dixie Chicks. „Alone and Forsaken“ von Hank Williams versetzt einen in die Anfänge der Country Music wie wir sie heute kennen. Will man aus dieser illustren Formation jemanden besonders hervorheben, dann sicher den Banjospieler Hank Hambone, der für seine Soli immer wieder Szenenapplaus erhält. Eine geschickte Bluegrass-Interpretation eines alten Nancy Sinatra-Hits und der Film-Sountrack „My Rifle, My Pony And Me“ rundeten den abwechslungsreichen Auftritt ab. Es folgte eine noch relativ neue Schweizer Band mit niederländischem Gitarristen: Jessie & The Gentshaben 2017 ihre erste CD veröffentlicht und nach kurzer Zeit den Swiss Country Music Award erhalten. Jessie Hardegger, die hübsche dunkelhaarige Sängerin mit den großen Augen und dem immer freundlichen Lächeln, spielt Mandoline und verfügt über eine helle, glasklare Stimme, ideal für Interpretationen von Songs wie „Jolene“ oder „Travelling Soldier“. In Punkto Ausstrahlung steht ihr Rick Noorlander kaum nach, wenn er die männlichen Solo-Parts singt und Gitarre spielt. Putzi Mayr, der Gentleman mit dem schwarzen Hut zelebriert derweil herrliche Melodien auf der Dobro, aber nicht immer: gegen Ende des Auftritts greift er gern zum Akkordeon und dann ist Cajun-Time angesagt. Zu Klassikern wie „Lache Pas La Patate“ klatscht das Publikum begeistert mit und man könnte fast glauben, der längst verstorbene Jimmy C. Newman wäre wieder unter uns. Die Jessie und die Gents nehmen uns mit auf eine Reise zum Western Swing, zur Irish Folk Music und mit den Dixie Chicks („Long Time Gone“) schließlich wieder zurück zum Bluegrass und zu Musik von Alison Krauss. Kein Wunder, dass diese tolle Band inzwischen sogar nach Kanada eingeladen wurde. Dass gegen Mitternacht alle zehn Musiker noch zu einer viel umjubelten Session zusammenkamen, auch das hat Tradition in Birkenried und macht den Akteuren ebenso viel Freude wie den Gästen.
Am Samstagnachmittag gibt es im Café nebenan immer eine Open Stage, bei der die Gäste bei freiem Eintritt zuhören können. Gespielt wird, was den Musikern, die sich da einfinden so einfällt. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen und da bleibt auch viel Zeit für interessante Gespräche.
Die Show am Samstagabend begann bereits um 17 Uhr, denn da stehen immer drei Bands auf dem Programm, die jeweils im Wechsel zwei Sets á einer Stunde spielen. Das Publikum darf sich also auf rund sechs Stunden Bluegrass freuen. Damit die Abwechslung gewährleistet bleibt, engagiert man hier immer drei Bands mit ganz unterschiedlichem Background. Attila & Friendsspielen zwar von der Basis her Bluegrass, haben aber viele andere Musikstile einfließen lassen. Das verwundert nicht, dann Attila Tapolczai, geboren in Budapest, hat sich nach musikalischen Reisen durch viele Länder in Augsburg niedergelassen, wo er die Basis für seine Arbeit und die passenden Bandkollegen fand. Aus Kulmbach, Norddeutschland, dem Allgäu, der Slowakei und Ungarn stammen diese jungen Leute und sie operieren behände mit Geige, Bratsche, Mandoline Akustikbass und Dobro, verarbeiten Musik aus Kentucky, Irland und der Welt. Sie erzählen in ihren Songs Geschichten aus dem Alltag, von fernen Ländern, manchmal klingt das melancholisch, dann wieder geht richtig die Post ab. Meist sind es Attila´s eigene Songs, die den Zuhörer in den Bann ziehen, aber Folk-Klassiker aus den USA, etwa das schöne „Paradise“ von John Prine oder „Star Of The County Down“, eine hundert Jahre alte Ballade aus Irland, müssen einfach sein. Verabschiedet hat sich die Band standesgemäß mit „Whiskey In The Jahr“ und „Ride On“, einer gefühlvollen Ballade von Christy Moore. Das Kontrastprogramm war hervorragend gelungen, denn das Trio Interstate Express, das danach spielte, versetzte die Gäste zurück in eine Zeit, als es weder Country noch Bluegrass gab. Als American Roots Music bezeichnet man diese erdige, naturverbundene Folk Music gemeinhin. Schon die Bandbesetzung erstaunt: Ein Engländer, ein Australier und ein Amerikaner haben sich hier zusammengetan, um uns Volksmusik aus den Apalachen, Songs von Auswanderern, aber durchaus auch mal Musik, wie man sie zu Square Dance spielt, nahezubringen. Dazu ein paar Lieder von Woody Guthrie, in denen es um Bürgerrechte und Gewerkschaftler geht, und Bluegrass-Klassiker von Uncle Dave Macon, langweilig wird das keinen Moment. Gitarre, Banjo, Fiddle, zwei starke Stimmen, mehr braucht man dazu nicht, dennoch kommt bisweilen eine Mundharmonika dazu und der Engländer Joe Buirsky lockert das Ganze gern mit ein paar Tanzeinlagen auf. Auch diese drei sympathischen Jungs erhielten viel Beifall. Was folgte, war zweifellos das Highlight des Festivals, in diesem Punkt waren sich alle einig. Im Jahre 1978 gründete Silvio Ferretti (Banjo, Gesang) in Genua die Bluegrass-Band Red Wine. Martino Coppo (Gesang, Mandoline) ist ebenfalls langjähriges Mitglied, die beiden anderen sind bedeutend jünger: Silvio´s Sohn Marco Ferretti zählt auf der Akustikgitarre vermutlich zu den besten Virtuosen in Europa und Bassist Lucas Bellotti ist ein Allrounder, der alle denkbaren Musikstile beherrscht. 2018 feierte die Band ihr 40. Jubiläum und war aus diesem Anlass mit dem amerikanischen Bluegrass-Sänger Peter Rowan auf Europatournee. Man kennt sich untereinander in der Szene. So verwundert es nicht, dass die Herren u.a. einen Song namens „Bottomlands“ aus der Feder von Will Maring (aus ihrer CD An Ocean From Home) spielten. Will Maring wohnt in Illinois, hat aber rund 10 Jahre in München gelebt und bei der Band Shady Mix gesungen. Red Wine spielen klassischen Bluegrass auf qualitativ höchstem Niveau, ihr mehrstimmiger Gesang klingt toll und die Instrumentensoli sorgen ein ums andere Mal für Beifall. Man spielt dankenswerterweise nicht die hinlänglich bekannten Klassiker von Bill Monroe & Co. sondern viele eigene Titel und auf Bluegrass umgeschriebene Folk-Songs, wie „American Girl“ von Tom Petty oder „Fiddle And Bow“ aus Irland. Dazu gibt´s ein wenig Country und Western Swing. Vorgestellt wurde auch die neue CD „Carolina Red“, die man in den Studios von Jens Krüger in Wilkesboro, North Carolina produziert hat und die von Kritikern in den höchsten Tönen gelobt wird. Genua ist, so erzählt Martino Coppo mit einem Augenzwinkern, für drei Dinge bekannt: Für die Band Red Wine, für sein gutes Pesto und für den berühmtesten Sohn der Stadt, Cristoforo Colombo, der ja bekanntlich Amerika entdeckt hat und ohne den wir uns hier nie zu einem Festival dieser herrlichen Bluegrass-Musik versammeln würden. Deswegen würdigen ihn die vier Herren auch mit einem eigenen Song unter dem lässigen Titel „Home Town Boy“. 
Auch am Ende des Samstages kamen elf der dreizehn Musiker nochmal zu einer Session zusammen und die dürfte an Begeisterung alles in den Schatten gestellt haben. Auf Klassiker wie „Cherokee Shuffle“, „Long Journey Home“ oder „Soldier´s Joy“ einigte man sich hier und es hat schon etwas Faszinierendes, wenn da z.B. links auf der Bühne ein Engländer, ein Italiener und ein Slowake um ein Mikrofon herum stehen und freudestrahlend ihre drei Banjos spielen. Dramatisch war am Ende auch der Beifall. Überhaupt muss man das Birkenrieder Publikum loben: alle sind voll bei der Sache und quittieren jedes gelungene Instrumentensolo mit spontanem Beifall. Nach jedem Auftritt gibt es so lange tosenden Applaus, bis eine oder mehrere Zugaben gespielt werden.
Die Gäste, die am Sonntag noch da sind, erwartet morgens ein Gottesdienst, der findet bei schönem Wetter unter freiem Himmel, vor der nahegelegen Waldkapelle, statt, ansonsten im Gewächshaus. Auch hier gab es diesmal eine tolle musikalische Untermalung, denn die Herren von Red Winesangen ein paar Gospels, zum Teil auch a-capella vorgetragen. Sogar der Herr Pfarrer war tief beeindruckt. Nach einem Weißwurstfrühstück spielten Red Wine noch eine Stunde zur Matinee, ehe sie sich wieder auf den Weg nach Genua machten. Wer Zeit hatte, konnte am Nachmittag noch die Musik von Strictly Bluegrassgenießen, einer Band aus München, die seit vielen Jahren zu des festen Größen der Szene zählt. Den Country- und Western Friends Kötz gebührt unser Respekt für diese mit viel Enthusiasmus aufgezogene Veranstaltung. Das erste September-Wochenende 2020 haben wir uns im Kalender schon mal freigehalten.

Jürgen Stier

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Nachlese zum Auftritt am 20. Juli 2019 von

Paul Overstreet in der Four Corners Dance Hall

Nach längerer Abstinenz gastierte der mit Grammy und „CMA Songwriter of the Year“ ausgezeichnete Paul Overstreet am 20.07.2019 wieder einmal in Deutschland und zwar im Four Corners in Untermeitingen. Neben einem Konzert in Norwegen und einer Veranstaltung in London, war das einer der seltenen Auftritte des ansonsten schreibenden und produzierenden Künstlers. Das Publikum kam zahlreich in Erwartung feiner Musik sowie exquisiter Songs und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht. Im Rücken die Formation Mr. Jay’s unterstützt durch Carlton Moody zumeist an der Mandoline, wurde ein unterhaltsames Programm geboten. Macht es aus, dass Paul Overstreet seit 6 Jahren nicht mehr in Deutschland aufgetreten ist oder war er an diesem Abend besonders gut aufgelegt – Paul Overstreet präsentierte sich extrem ausdrucksstark und spielfreudig. Mit „For ever and ever, Amen“ als Paukenschlag setzte er sofort ein Zeichen. Es folgte ein Feuerwerk mit Hits aus seiner Feder.
Selbstverständlich durften auch Lieder aus seinem neuen Album „Somewhere In The Caribbean“, wie z. B. „Some Beach“, nicht fehlen. Der einzige Wermutstropfen war, dass er nach ca. eineinhalb Stunde die Bühne verließ. Aber offensichtlich war das den Zuschauern zu wenig, denn deren enthusiastische Reaktion holte den Sänger ziemlich schnell wieder auf die Bühne zurück. Als Zugabe wurden noch zwei seiner Bestseller nämlich „Heroes“ und „Deeper Than A Holler“ gespielt. Einen erneuten Versuch das Konzert zu beenden quittierte das Publikum mit nicht enden wollendem Applaus und so belohnte er die Besucher noch mit „Takin‘ It Easy“ aus seinem neuen Album. Dass er nach der Show noch für seine Fans da war um Autogramme zu geben, Selfies zu machen und ein bisschen mit ihnen zu plaudern entschädigte diese ein bisschen für den doch etwas kurzen Auftritt. Bleibt uns nur die Hoffnung, dass die nächste Veranstaltung mit Paul Overstreet diesmal nicht so lange auf sich warten lässt.

Monika

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Dale Watson
in der Four Corners Music Hall

Es ist sicher allgemein bekannt, dass Dale Watson richtig gute, traditionelle Country Music macht. Bei der ersten seiner zwei Shows in der Four Corners Music Hall am 13.06.2019 im Rahmen seiner diesjährigen Europatour, stellte er dies einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Sein Repertoire scheint schier unerschöpflich zu sein und man fragt sich unwillkürlich, ob es jemals zwei genau gleiche Konzerte des Entertainers gegeben hat.
Nach dem Opener „Honky Tonkers Don’t Cry“ dauerte es nicht lange, bis der erste Zuruf „Frisco“, im Original von Merle Haggard, aus dem Publikum kam, was Dale Watson sofort umsetzte. Natürlich spielte er auch Songs aus seinem neuen Album „Call Me Lucky“ u.a. den Titelsong, „David Buxkemper“ und „The Dumb Song sowie weitere Hörerwünsche. Aber diesmal stellte der Sänger auch seine humorvolle Seite vor, indem er z.B. sein „weltbestes Bier – Lone Star aus Texas“ vorstellte oder eine Darbietung seiner Yogaübungen zum Besten gab.
Wie auch immer, das Publikum hatte jede Menge Spaß und die Show ging wieder viel zu schnell vorbei. Da Dale Watson ein vorzüglicher Künstler ist, der sich auch im Umgang mit seinen Fans sehr professionell und dabei liebenswert verhält, wäre es traurig, wenn die beiden Auftritte am 13.6. und 14.6.2019 tatsächlich die letzten Auftritte des sympathischen Musikers in Deutschland wären. Hat er doch über Facebook angekündigt künftig keine Europatouren zu unternehmen. Ein kleines Hintertürchen bleibt aber offen, er äußerte nämlich, dass er zu einzelnen Festivals sofern er eingeladen wird, durchaus noch auftreten würde. Wir hoffen natürlich trotzdem Dale Watson wieder hier in Deutschland hören zu können.
Für sein weiteres Wirken wünschen wir ihm alles Gute und sagen danke an Dale Watson für viele klasse Shows und seine tolle Musik.

Monika 

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Thomas Michael Riley
im Kulturgewächshaus Birkenried

Die Country & Western Friends Kötz 1982 e.V. verdienen ein ums andere Mal unser Hochachtung. Seit vielen Jahren haben sie den Mut, hochkarätige Country-Künstler auf die Bühne zu bringen, für die man sonst weit reisen müsste. Das Jahr ist noch keine 5 Monate alt, da durften wir bereits eines der Highlights erleben: am 10. Mai gastierte im Kulturgewächshaus Birkenried, nahe Günzburg, der baumlange Texaner Thomas Michael Riley mit seiner insgesamt vierköpfigen Band und präsentierte uns bodenständige, echte Country Music aus dem Herzen von Texas, wie man sie besser nicht machen kann. ‚Schade, dass die keine Steel-Guitar dabei haben’, dachten wir im ersten Moment, wurden aber schnell eines besseren belehrt: wer solch einen Gitarristen wie Kenny Grimes in der Band hat, kann auf eine Steel-Guitar getrost verzichten.
Ganz ähnlich dem Stil des großen Steve Piticco versteht er es ein ums andere Mal, seiner E-Gitarre solch herrliche Melodien zu entlocken, dass man die Augen schließt und glaubt, eine Steel-Guitar zu hören. Kenny hat viele Jahre mit Stars wie Garry P Nunn oder Hal Ketchum gespielt. Thomas Michael Riley, der irische Vorfahren hat, zählt in Texas zu den ganz Großen, hat viele Auszeichnungen erhalten und organisiert jedes Jahr Anfang Juni in Luckenbach, Texas ein dreitägiges Festival, bei dem sich die besten Bands auf den Bühnen abwechseln. An diesem Abend in Birkenried erlebten Faszination pur, Country-Songs vom allerfeinsten. Ein paar Klassiker, wie „Luckenbach, Texas“ oder „Folsom Prison Blues“ lockerten die Stimmung auf, doch die meisten Songs stammten aus Rileys eigener Feder und sind mitten aus dem Leben gegriffen. „Get Back Up And Ride“ oder „Memphis“ sind Beispiele dafür und „Boys From Luckenbach“ ist eine etwas wehmütige Erinnerung an die Anfänge der Texas-Musikszene, in der er an die Outlaws Willie Nelson, Waylon Jennings, Garry P Nunn, Jerry Jeff Walker und die anderen Gründerväter erinnert, die sich seinerzeit vom zu glatt gebügelten Nashville-Sound abwandten. Das Faszinierende ist: obwohl man die Songs noch nie gehört hat, glaubt man sofort, sie schon ewig zu kennen. Sie gehen augenblicklich ins Ohr, ins Herz und ins Blut. Diese Musik ist Medizin, besser als flüssige oder gepulverte. Von solch einem Abend zehrt man mindestens drei Monate lang. Die 16 Euro, die die Gäste im vollbesetzten Kulturgewächshaus bezahlt haben, waren ein echter Freundschaftspreis für das, was und diese vier gestandenen Texaner präsentiert haben. Auch mit Schlagzeuger Louie Broussard und Bassist Donnie Price hat Riley einen Glücksgriff getan, alle harmonieren perfekt. Und natürlich sind alle vier bodenständige Kerle, die gern ein Schwätzchen mit den Gästen halten.

Sie lobten die deutsche Gastfreundschaft, das deutsche Bier und Riley spricht sogar etwas deutsch. Keine Frage, dass diese großartige Band vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Gitarrist Kenny erhielt immer wieder Szenenapplaus für seine traumhaft schönen Soli. Ob man zu dieser Musik auch tanzen kann? Nicht in Birkenried, da ist kein Platz, doch Twostepper und andere Paartänzer hätten ihre helle Freude. Wir spürten deutlich, dass angesichts des begeisterten Publikums auch die Musiker ihren Spaß hatten. Wie anders ist es zu erklären, dass nach dem offiziellen Ende noch sechs Zugaben folgten, u.a. der „London Homesick Blues“ und der Keith-Whitley-Klassiker „When You Say Nothing At All“. 

Jürgen Stier