Wie vormals im Print-Magazin, werden hier, verschiedenste CDs vorgestellt. Hier die Besprechungen die weiter zurück liegen

Soweit nicht anders genannt, alle Reviews von Manfred Hesse

CD Besprechungen - Inhaltsverzeichnis

American Aquarium – Slappers, Bangers & Certified Twangers – Vol.2

(VÖ: 10.12.2021) Nach dem Album “Slappers, Bangers & Certified Twangers – Vol.1“ vom Mai 2021 hat die amerikanische, selbstbetitelte Alternative Country Band American Aquarium im Dezember des gleichen Jahres das Volume Two Album veröffentlicht. Das Thema ist das gleiche wie beim Vorgänger. Mit zehn Titeln, die alle modernisiert wurden, lassen die sechs Musiker aus North Carolina Hit um Hit aus den 1990er Jahren auferstehen. Also Alternative Country ist das sicher nicht. Das ist Country vom Feinsten und obwohl man die Originale schon oft gehört hat, ist man erstaunt, was American Aquarium aus dem Material herausgeholt haben. Mit “Bubba Shot The Jukebox“ (Mark Chesnutt) geht es los und “That Ain’t My Truck“ (Rhett Akins), “Independence Day“ (Martina McBride) folgen. “Nobody Wins“ (Radney Foster), “Strawberry Wine“ (Deana Carter), “Money In The Bank“ (John Anderson) und “Small Town Saturday Night“ (Hal Ketchum) bilden den Mittelteil des Albums “Slappers, Bangers & Certified Twangers – Vol.2“. “Watch Me“ (Lorrie Morgan), “No One Else On Earth“ (Wynonna) und “Maybe It Was Memphis“ (Pam Tillis) sind die letzten Titel des Albums. Politisch korrekt haben American Aquarium darauf geachtet, gleichermaßen Hits von Künstlerinnen und Künstlern zu berücksichtigen. Musikalisch richtig gut gemacht, geht es mal rockig flott zur Sache, mal zurückgenommen und nur einmal bei “No One Else On Earth“ können sie ihre Alternative Roots nicht verleugnen. Wie Bandleader und Sänger BJ Barham zum Schluss aus dem Pam Tillis Klassiker “Maybe It Was Memphis“ ein viereinhalb minütiges Epos macht, ist schon fett. Das Album “Slappers, Bangers & Certified Twangers – Vol.2“ ist beileibe kein Coveralbum von der Stange. Das ist Maßarbeit und macht einfach Freude beim Zuhören. *************************************************************************************

Kristian Bush – Troubadour

(VÖ: 19.11.2021) Als Janece Shaffer die Rhinestone Kostüme in der Country Music Hall Of Fame And Museum betrachtete, überfiel sie ein Gedanke. Wer waren die künstlerisch begabten Schneider, die solche Kostüme hergestellt haben? Die Zeit der Country Music in den 1950er Jahren war geprägt von den Rhinestone Suits vieler Protagonisten. Shaffer recherchierte immer weiter und bekam so viel Material zusammen, dass plötzlich die Idee zu einem Musical entstand. Dabei sollten aber nicht die altbekannten Melodien und Erfolgssongs jener Zeit wiederauferstehen. Es sollte neue Musik erfunden werden. Aber wer sollte Janece Shaffer da zur Seite stehen? Ihre Wahl fiel auf Kristian Bush, dessen musikalischer Background so viel mehr beinhaltet als sein wohl erfolgreichstes Projekt als Mitglied der Band Sugarland. Bush war fasziniert von der Idee und von den Charakteren, die das Musical ausfüllen sollten, die Janece Shaffer skizziert hatte. Kurzum, die beiden hatten eine intensive Zusammenarbeit. 2017 kam das Musical “Troubadour“ auf die Bühne. Nicht zum ersten Mal hatte es Country Music in Theateraufführungen geschafft. Wer es nicht bis in die Theaterhäuser geschafft hat, kann sich die Musik von “Troubadour“ auf dem Album von Kristian Bush zu Gemüte führen. Etliche der 16 Titel sind mit Partnerin Leah Calvett aufgenommen und wenngleich Kristian Bush immer wieder erwähnt, es sei kein Konzeptalbum, ist es genau das. Eine überlegte Abfolge der Songs, die den Inhalt des Musicals wiedergeben. Das Album beginnt mit dem Titel “Father To The Son“ in der modernen Version von Kristian Bush und endet mit einer “Original 1932 Version“ des gleichen Titels. Kristian Bush zeigt mit diesem Album erneut seine Vielseitigkeit und Kreativität. Für ein oberflächliches Konsumieren sind diese Titel jedoch nicht geeignet. *************************************************************************************

Jason Boland – The Light Saw Me

(VÖ: 03.12.2021) Jason Boland & The Strugglers sind in jeder Hinsicht ungewöhnlich. Nicht nur, dass sie sich der Red Dirt Country Music, die einst in Oklahoma als Gegenentwurf zum Nashville Mainstream entwickelt wurde, widmen. Der Grundgedanke des Red Dirt, verschiedene Genres unter der Überschrift Country zusammenzubringen, bedingt auch inhaltlich eigene Wege der Interpretation. Diesem Konzept folgt auch das neue Album von Jason Boland & The Strugglers “The Light Saw Me“. Ob R&B, Country, Rock oder Blues die Führung übernimmt, die 11 Titel sind allesamt ungewöhnlich. Mit dem fröhlichen Titel “Faux Real“, einem Instrumental mit Dobro, Guitar und Fiddle entlässt Jason Boland die Hörer ebenfalls außergewöhnlich. Obwohl das Album als Country Album gemeint ist, ist es aber eher ein Konzeptalbum um ein wiederum außergewöhnliches Thema. Ein Cowboy wird 1890 von Aliens “entführt“ und ist 1990 zurück. Was hat sich in der Zwischenzeit alles verändert? Diese Musik ist nicht für den Massenmarkt gedacht und gemacht. Gleichwohl sind feine Instrumente zu hören und mit Shooter Jennings hat auch ein ganz erfahrener Produzent die Finger im Spiel. Dennoch ist die musikalische Auffassung von Jason Boland & The Strugglers recht speziell und nicht für Fans zeitgenössischer Country Music gemacht. Doch der Blick über den Tellerrand kann durchaus erhellen. *************************************************************************************

Josh Grider – Long Way From Las Cruses

(VÖ: 12.11.2021) Der lange Weg von seiner Heimat in der Stadt Las Cruses, New Mexico, über Texas nach Tennessee ist der Inhalt des Openers und Titelsongs. “New Mexico hat mich großgezogen, Texas hat mich gemacht, Tennessee und ich konnten es nie ganz herausfinden. Ich bin weit weg von Las Cruces und ich bin zu weit gekommen, um jetzt umzukehren.“ Eine Erkenntnis, die sowohl Heimweh als auch Zukunftspläne offenbart. Was sich in den, leider nur 8, Titeln des Albums “Long Way From Las Cruses“ verbirgt, ist richtig gute Country Music. Der zentrale Titel “Two Truths And A Lie“ ist eine total zurückgenommene Ballade, die mit dem ewigen Thema des Leidens in einer Beziehung zur Reflektion einlädt. Weitere Hör Tipps sind “Life’s A Party“, “Can You Feel Me Missing You“ oder “Boots On My Feet“. Oh, das sind ja fast alle Tracks…“Long Way From Las Cruses“ ist ein echt feines Country Album von Josh Grider, der bei allen Songs als Autor oder Co-Autor zeichnet. Das sind gut verwendete 30 Minuten Zeit um einmal innezuhalten. *************************************************************************************

Nathan Carter – Little Old Town

(VÖ: 11.2021) Gleich beim Titelsong hört man irische Klänge heraus. Ist auch kein Wunder, Nathan Carter gilt zurzeit als der angesagteste Country Music Interpret in Irland und auch im United Kingdom. Nun hat er mit dem Album “Little Old Town“ mit 13 Tracks ein vollgepacktes “Pandemie“-Produkt auf dem Markt. Bei “Rambling Rover“ ist man mitten im Pub im Nirgendwo unter Menschen, die bei Guiness und selbst gemachter Musik den Feierabend genießen. Man muss sich von dieser Musik entführen und die Nashville Produktionen hinter sich lassen. Fröhlich angelegte Songs wie “You Got Gold“, “Picture Of You In My Heart“ oder “Hold You Now“ wechseln sich ab mit Balladen wie “My Life With You“, “I’m A Rover“ oder “The Answer Is Everything“. Da hört man einen gut aufgelegten Nathan Carter, der mit guter Stimme den Titeln den nötigen Stand gibt. Selbst den Ausflug ins moderne rockige Gefilde geht man mit ihm gerne mit. Country Music ist das nur ansatzweise. Aber allemal eine richtig gute Unterhaltung. Nathan Carter wagt den Spagat. Mit einem Bein möchte er gern in Amerika und der dortigen Country Music stehen. Mit dem anderen Bein aber ist er seiner Heimat Irland, den keltischen Weisen oder dem UK Markt näher. Das Album “Little Old Town“ ist deshalb auch mehr Country Pop Music, die allerdings fein unterhält. *************************************************************************************

Cody Jinks – Mercy

(VÖ: 12.11.2021) Lange vorbei sind die Zeiten als Cody Jinks als ein smarter Country Interpret mit seiner dunklen Stimme begeisterte. Heutzutage kommen seine Anfänge im Grunge und Rock immer deutlicher auch in seinen, für Country Music Fans produzierten, Alben in den Vordergrund. Gleich mit den ersten beiden Titeln “All It Cost Me Was Everything“ und “Hurt You“ sorgt er für düstere Atmosphäre. Mit ersterem besingt er seine wilde Seite, die vielen Mitmenschen eher Verdruss bereitet. „I’m a walkin‘ talkin‘ livin‘ breathin‘ country song“, heißt es dort und da hat der Texaner vielleicht Recht. Im zweiten Titel geht es um Verletzungen, um Rachegedanken in der Folge einer gescheiterten Beziehung. Mit dem Titelsong des Albums “Mercy“ schlägt Cody Jinks dann gemäßigtere Töne an und da ist sie wieder, die feine Country Music. Beim Titel “I Don’t Trust My Memories Anymore“ ist man in die Zeit von Merle Haggard, Keith Whitley und Kollegen versetzt. Beinahe zärtlich interpretiert Cody Jinks diesen feinen Titel, der so richtig country ist. Eine Anklage ist “Nobody Knows How To Read“, die die modernen Zeiten meint und ob der Gleichgültigkeit der Massen eine düstere Zukunft beschwört. Einen düsteren Höhepunkt markiert “Dying Isn’t Cheap“, in welchem eine Trennung das Ende des eigenen Lebens zur Disposition stellt. Cody Jinks hat mit dem Album “Mercy“ seinen Fans jeder Richtung genüge getan. Die Rock Fans kommen auf ihre Kosten und vielleicht etwas mehr bekommen die Country Music Fans geboten. Trotz des eher düsteren Fadens, der sich durch die 12 Songs zieht, ist das Album hörenswerte Unterhaltung. *************************************************************************************

Allie Colleen – Stones

(VÖ: 24.11.2021) Der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm. Aber im Fall der jüngsten der drei Töchter von Garth Brooks aus erster Ehe mit Sandy Mahl, Allie Colleen (Brooks), kam erst ein Studium zur ausgebildeten Songschreiberin, bevor sie sich anschickte, selbst die Country Music Bühnen zu erobern. „Klar bin ich schon früh mit Country Music konfrontiert gewesen. Ich liebe Ashley McBride aber auch Jo Dee Messina. Sie hat mich als Mädchen sehr beeindruckt.“ Für die elf Songs auf ihrem Debütalbum “Stones“ hat sie mit einigen Songschreiber Kollegen und Kolleginnen gearbeitet und immer verantwortlich mitgeschrieben. Produzent Joe Costa: „Ich ziehe Interpreten vor, die alles können. Die ihre Songs schreiben, ins Studio kommen und sie so interpretieren, dass man jedes einzelne Wort ihrer selbsterlebten Geschichten glaubt. Das alles kann Allie Colleen.“ Mit dem Titelsong “Stones (I Don’t Give A)“ beginnt das Album mit einer kraftvollen Ballade, die mit Americana, Rock und Country gleichermaßen gespickt ist. Aber auch gefühlvolle Balladen kommen nicht zu kurz. “Playin‘ House“, “Don’t Give Your Heart To A Cowboy“, “Vagabond Angels“, “Wildflower“ usw., usw.. Wie Perlen an der Schnur folgt eine Story in Laid Back Gewand auf die nächste. Mit ihrer dunklen Stimme, die plötzlich auch die höheren Regionen erreicht, kann Allie Colleen, die bewusst auf ihren ruhmbeladenen Nachnamen verzichtet, ihre teils autobiografischen Inhalte intensiv transportieren. Allie Colleen hat ihr Songwriting in den Vordergrund ihres ersten Albums gestellt und so ist die Musik relativ gleichbleibend arrangiert und den Balladen angepasst. Dennoch erahnt man die gewaltigen Möglichkeiten, die sich in den Studios in Nashville auftun. Mit diesem Album lässt Allie Colleen auf Fortsetzungen hoffen. Diese Interpretin wird noch einige Country Music Geschichten zu erzählen haben. Auch ohne auf Charterfolg schielende Pop Music Anbiederungen. *************************************************************************************

Blake Shelton – Body Language Deluxe

(VÖ: 06.10.2021) Man nehme das im Frühjahr veröffentlichte Album “Body Language“, füge diesem vier Songs hinzu und nenne das “neue“ Werk Deluxe. Einem Million Seller wie Blake Shelton sollte man zutrauen, auch ohne solche Taschenspielertricks nicht gleich am Hungertuch nagen zu müssen wenn er mal mit den Verkaufszahlen stagniert. Hinzu kommt, dass drei Titel der Deluxe Version von “Body Language“, eher Rock Music als Country Music präsentieren. Zwei Deluxe Titel sind dem Album vorangestellt. “Come Back As A Country Boy“, die gewaltige Hymne auf das Leben als Mann vom Lande, der mit harter Arbeit sein Leben fristet, macht den Anfang. Danach erklingt die “Befreiung“ vom harten Dasein. “Fire Up The Night“ ist ein lupenreiner Rock Song, der die Freitagnacht Party mit all ihren Ausschweifungen zelebriert. Weit weg von Country Music. Etwas gemäßigter bedient der vorletzte, der das ursprüngliche Album “Body Language“ umrahmenden Titel “Throw It On Back“ mit Unterstützung der Kollegen Brooks & Dunn das gleiche Thema. Wie eine Entschuldigung mutet da der letzte Song an. “We Can Reach The Stars“ ist eine Ballade, die nach dem ganzen Macho Gehabe eine Liebeserklärung beinhaltet. Ohne Zweifel, Blake Shelton Superstar kann all diese Genres und Inhalte präsentieren. Er wäre nicht so weit gekommen, wenn er kein ganz Großer seiner Zunft wäre. Das Deluxe Album ist aber nur für diejenigen interessant, die das Album “Body Language“ nicht schon im Regal haben. *************************************************************************************

Blue Rodeo – Many A Mile

(VÖ: 03.12.2021) Die kanadische Country Rock Band ist bereits seit über drei Jahrzehnten bekannt und in Kanada mit etlichen Preisen ausgezeichnet. Die sieben Musiker haben fünf Jahre auf ein neues Album warten lassen. Aber sie sind sich und ihrer Musik treu geblieben. Fließender Sound der die Zeit der 1970er und 1980er Jahre á la Eagles aufleben lässt. Dazu gehören auch Balladen, die mit fünf oder gar sechs Minuten Länge die üblichen Formate sprengen. Musikalisch versetzen sie die Konsumenten zurück in eine Zeit der Harmoniegesang geprägten Wohlfühltitel, die mit allerlei konzertanter Instrumentierung einen besonderen Klangteppich legen. Hier und da sind raue Aufnahmen darunter, die noch etwas Nacharbeit erfordert hätten. Oder ist der “Byrds Sound“ gar beabsichtigt? Soweit ist Kanada von den USA nicht entfernt und dennoch scheint die Bezeichnung Country Rock Band für Blue Rodeo in Nashville sicher einiges Schmunzeln hervorzurufen. In den 12 Songs auf ihrem 15. Album “Many A Mile“ herrscht Harmonie vor, keineswegs rebellischer Rock. Leider sind die Songs anderen großen Bands der Musikgeschichte verblüffend ähnlich und man glaubt fast Tribute Gedanken zu spüren. Feine Musik, feiner Harmoniegesang und zum Träumen geeigneter Sound, charakterisieren das Album “Many A Mile“ von Blue Rodeo. Damit bekommt man eine knappe Stunde sympathischer Unterhaltung, einmal nicht aus der Musikmaschine Nashville. *************************************************************************************

Lucas Hoge – 12.25 (noch ein Weihnachtsmusik-Album)

(VÖ: 16.11.2021) Es gibt alle Jahre wieder eine Menge an Christmas Alben in allen Musik Genres. So und vielleicht auch gerade in der Country Music. Oft sind es Alben mit den viel zu oft gehörten Traditionstiteln. So auch beim Album “12.25“ von Lucas Hoge. Ob “Sleigh Ride“, “Winter Wonderland“, “O Holy Night“ oder “I’ll Be Home For Christmas“, alle diese Titel sind tausendfach präsentiert. Soweit so gut. Auf dem Album “12.25“ sind Titel wie “Let It Snow“ im Duett mit Jamie O’Neill oder “Mrs. Santa Claus“ mit Kollege Skip Ewing schon kleine Highlights. Sehr zurückgenommen und gefühlvoll vorgetragen ist “December In A Small Town“ und ein flottes “Hey Christmas“ holen die Konsumenten aus der Lethargie. Ein eher traurig angelegter Titel wie “Christmas Without You“ darf auch nicht fehlen, ist aber sehr hörenswert. Das liegt an der Interpretation von Lucas Hoge, dem man ein echtes Bedürfnis, solche Music präsentieren zu können, abnehmen kann. Zum Schluss der 12 Titel erklingt “Let It Snow“, diesmal ohne Duett Partnerin, erneut. Ob Lucas Hoge damit unterstreichen wollte, dass er als ein echter Entertainer, Chansonnier und talentierter Sänger schon zu den Guten seiner Branche zählt? Wer sich an Christmas Songs nicht satthören kann, ist mit dem Album „12.25“ von Lucas Hoge echt gut bedient. *************************************************************************************

Ray Scott – Cover The Earth

(VÖ: 17.09.2021) Mit dem Titelsong “Cover The Earth“, der als Singleauskopplung bereits im September veröffentlicht wurde und als Video schon im Mai bekannt war, beginnt das Album “Cover The Earth“ von Ray Scott mit einer autobiografischen Ballade und jeder Menge Gitarrenunterstützung. War da noch die Rede davon, dass er zum einen die Welt erleben möchte aber dennoch immer seine Heimat Carolina favorisiert, so präsentiert sich das gesamte Album als ein Ausdruck von Niedergeschlagenheit und düsteren Selbsterkenntnissen. So gesehen ist “Cover The Earth“ ein Konzeptalbum, welches Menschen in ähnlichen Lebenssituation aus der Seele sprechen wird. Nach 12 Titeln die, gerade in der pandemiebedingten Zeit der Niedergeschlagenheit, genau dem Coverbild des Albums folgen, auf welchem ein düsterer, grauer Himmel über einer leeren, ins Nirgendwo führenden Straße dräut, sind die geneigten Konsumenten schon arg mit Gefühlen beladen worden. Klar, dass auch die Klischees der einsamen Bar Besucher und deren hochprozentigen Getränken bemüht werden. Hinzu kommt die dunkle Stimme von Ray Scott, die manchem Titel eine besondere Melancholie mitgibt. Jeder einzelne Song des Albums “Cover The Earth“ von Ray Scott ist für sich genommen gut und solide eingespielt und gesungen. In der Gänze gehört, kann man aber schon eine Depression entwickeln. *************************************************************************************

Ray Stevens – Ain’t Nothing Funny Anymore

(VÖ: 08.10.2021) Mit dem als Comedy Album angekündigten Album “Ain’t Nothing Funny Anymore“ meldet sich der 82-jährige Sänger Ray Stevens zu Wort und trifft gerade den Nerv der Zeit. Ja, es ist nicht vieles mehr lustig heutzutage. Seine 14 Titel können da aber auch nicht viel ausrichten. Stevens ist bekannt für seine kuriosen, wortverquirlten Texte und Headlines. Vielleicht ist er auch der letzte der Country Comedy Interpreten. Allerdings scheinen seine Texte nun aus der Zeit gefallen. Wenn bei “The Gambler And The Octopus“ die beiden genannten mit dem Barkeeper um Freibier wetten, dass der Octopus jedes Instrument spielen könne, erklingt auch schon mal ein herzhafter Rülpser zu dem kuriosen Text. Beispielhaft für die Comedy á la Ray Stevens. Dieses Album gehört in die Kuriositätensammlung und hat mit musikalischer Unterhaltung nur etwas zu tun. Solcherlei Humor und Komik muss man schon sehr mögen. *************************************************************************************

Willie Nelson – The Willie Nelson Family

(VÖ: 12.11.2021) Da geht der Mann stramm auf die 90 zu und kann es immer noch. Na ja, nicht mehr ganz so wie früher aber immerhin. Mit dem Familienprojekt “The Willie Nelson Family“ hat er seine Söhne, Töchter und Schwester um sich geschart. Und Trigger, die legendäre Gitarre mit dem riesigen Loch in der Decke, steht auch wieder im Mittelpunkt. Ihren Klang und das Spiel von Willie Nelson darauf ist so unverkennbar wie ein Fingerabdruck. Die 12 Titel des Albums stellen keine besonderen Highlights dar. Teils sehr bekannte Songs wie “Laying My Burdens Down“, “I Saw The Light“ oder “Keep It On The Sunny Side“ sorgen für den Wiedererkennungswert. Etwas herausgehoben aus der Familie ist Sohn Lucas, der einige Lead Vocals beisteuert. Er steht mittlerweile dem Vater nur geringfügig nach. Man merkt dem alten Haudegen Willie Nelson an, dass er viel Freude hatte mit der Familie zu musizieren. Ein sympathisches Album, weil in dieser Zusammensetzung nicht so oft zu bekommen. Wenn Vater Willie und Sohn Lucas gemeinsam den Titel “Why Me“ von Kris Kristofferson einsingen, ist an den zweiten noch lebenden Highwayman gedacht. Das Album “The Willie Nelson Family“ gehört in die Sammlung der Willie Nelson Fans ganz sicher. Fans moderner Country Music sind hier keine Adressaten. *************************************************************************************

Creed Fisher – Go Out Like Hank

(VÖ: 28.01.2021) Schaut man die Männer auf der Homepage von Creed Fisher an, die neben dem Frontmann noch sechs weitere Bandmitglieder zeigt, vermutet man eine Heavy Metal Band. Bärtige, tätowierte, grimmig dreinschauende Kerle umgeben Creed Fisher. Mit dem Album “Go Out Like Hank“ unterstreicht Creed Fisher seinen Nationalstolz, seine Liebe zu seiner Heimat Texas und seinen Anspruch, eigene Erlebnisse in seinen Songs zu verarbeiten. Gleich mit dem Opener “Stomp My Flag, I’ll Stomp Your Ass“ geht es in bester Hard Rock Manier los und die Botschaft ist klar: wenn du nicht für das Vaterland einstehst, bekommst du mächtig Ärger mit Creed Fisher. Doch schon mit dem folgenden Song “Bible On The Table“ schlägt er leisere Töne an und beschreibt das Leben eines einfachen Mannes, der hart arbeitet und seinen Glauben lebt. Bei “Turn Me Loose“ hat Creed Fisher einen lässigen Two Step im Angebot und richtig zärtlich wird er bei “The Girl Right There“. Autobiografisch ist “Honky Tonk Life“. Wieder flotter ist “My Fightin‘ Side“ aber mit den ruhigen Vorgängertiteln konnte Creed Fisher mehr überzeugen. Das beweist auch der Song “Have Mercy On A Man“ in welchem er seine eigene Scheidung nach 12 Jahren Ehe bitter beklagt. Der Titelsong beschließt das 12 Tracks umfassende Album “Go Out Like Hank“ und hat knappe 45 Minuten kurzweilige Unterhaltung zu bieten. Ob man sich tatsächlich ein (Ab-) Leben wünschen sollte, wie es Hank (Williams) führte und Creed Fisher im Titelsong “Go Out Like Hank“ besingt, sei dahingestellt. So sollen der Opener und der Schlusstitel die raue Seite von Creed Fisher unterstreichen. Dazwischen gibt es aber jede Menge feiner und ruhiger Balladen. *************************************************************************************

Hayseed Dixie – Shattered Grass

(VÖ: 29.10.2021) Seit 2001 hat die Formation Hayseed Dixie beinahe jedes Jahr ein Album veröffentlicht. Anfänglich hatten die Musiker nur AC/DC Coverversionen in ihrer Art Bluegrass zu spielen zelebriert. Einige Wechsel der Bandmitglieder haben das Repertoire über die Jahre erweitert. Geblieben ist eine unangepasste Art mit Bluegrass umzugehen. Das spricht sicher nur eine begrenzte Fangemeinde an. Der Albumtitel “Shattered Grass“ deutet ja auch an, dass Hayseed Dixie Bluegrass in ihre, eigen empfundenen, Einzelteile zerlegen. Das ist provokant, extraordinär aber dennoch mit feiner Instrumentenbeherrschung präsentiert. Bei “White Wine“ weiß man gar nicht, welche Einflüsse diesmal zugrunde liegen. Experimentell bestimmt, so auch bei “Lady Of The Bog“, einer Gothic Story entlehnt. 12 Tracks hat das Album “Shattered Grass“ von Hayseed Dixie, den “Hinterwäldlern aus dem Süden“. Da muss man Fan sein.   *************************************************************************************

Jason Aldean – Macon

(VÖ: 12.11.2021) Keine Frage, Jason Aldean gehört seit vielen Jahren zur allerersten Garde der Country Music Artisten. Seine Alben haben (fast) alle in Null Komma Nix die Spitze der Alben Charts erobert. Die Musik von Jason Aldean ist Country Rock auf hohem Niveau und am Puls der Zeit. Nun hat der Mann aus Macon, Georgia, einen besonderen Coup gelandet. Er kündigt ein Doppelalbum an, dessen erster Teil “Macon“ nun erschienen ist. Der zweite Teil, “Georgia“, soll dann im April 2022 folgen. Mit seinem zehnten Album will Jason Aldean eine Hommage an seine Heimat festschreiben. Jeweils 15 Songs umfassen die beiden Teile von “Macon“ und “Georgia“ und man kann sogar die Tracklist des zweiten Teils bereits einsehen. Allerdings entpuppt sich das 30 Titel Werk als “Deluxe Edition“ die jeweils 10 neue Songs beinhalten und um fünf Liveaufnahmen seiner bisherigen Erfolgstitel ergänzt werden. Die ersten vier Songs auf “Macon“ präsentieren den Jason Aldean, der wie eh und je rockt. Mit Kollegin Carrie Underwood folgt dann der Radio Knaller “If I Didn’t Love You“ der seit dem Sommer 2021 rauf und runter gespielt wird. Mit dem Bryan Adams Cover Song “Heaven“ hat Jason Aldean ein besonderes Schmankerl auf sein Album gepackt. Aus so einem guten Material lässt sich halt immer etwas Vortreffliches machen. Die angehängten Livemitschnitte (Track 11 bis 15) von Konzerten aus Los Angeles, Dallas, Las Vegas und St.Louis sind entbehrlich und nur für Fans eine Bereicherung. Lässt man die Marketing Ideen um das Doppelalbum “Macon“ bzw. “Georgia“ beiseite, liegt mit dem ersten Teil ein 10 Songs umfassendes Album von Jason Aldean vor, das seinen Fans genau das liefert, was sie erwarten durften. *************************************************************************************

Kentucky Headhunters – That’s A Fact Jack

(VÖ: 22.10.2021) Die Country Rocker aus Kentucky sind wieder am Start mit einem neuen Album. Das ist mal Fakt. Gleich zu Beginn bei “Gonna Be Alright“ ist klar, hier sind keine Chartrocker am Werk. Hier geht es um echten, fetten Country Rock. Knallige Drums, fetzige Gitarrenriffs und schnörkelloser Gesang bestimmen die Musik von den Kentucky Headhunters. Wenn dann Titel wie “Cup Of Tea“ oder “We Belong Together“ beinahe geschmeidig erklingen, ist der “gemäßigte“ Teil auch schon vorbei und ein astreiner, Heavy Metal Rock erklingt beim Titelsong “That’s A Fact Jack“. Doch halt, “Lonely Too Long“ und der nostalgische Retro Titel “Let’s All Get Together And Fight“ sind wieder für Kentucky Headhunter Verhältnisse Laid Back Music. Nach 2016 wieder ein Album mit 12 Titeln, darauf haben die Fans lange warten müssen. Country Rock und Rock Fans werden hier aber fürstlich bedient. Wen kümmern da irgendwelche Chartplatzierungen oder glattgeschliffenes Radio Play? Schön, dass es Bands gibt, die sich ihrer Musik unverbrüchlich verschrieben haben. *************************************************************************************

Marty Raybon – Marty Raybon Bluegrass

(VÖ: 08.10.2021) Marty Raybon war die Stimme der Formation Shenandoah, der er zwölf Jahre angehörte, dann zurücktrat und später wieder zurückkehrte. In der Zwischenzeit hat er mit seiner zweiten musikalischen Liebe, dem Bluegrass, auf sich aufmerksam gemacht. Seinen Bluegrass Fans versicherte er, dass er wieder mit diesem Genre aufwarten würde. Nun also hat er mit “Marty Raybon Bluegrass“ eine Zusammenfassung mit 32 Titeln u.a. mit seiner Band Full Circle veröffentlicht. Seine außergewöhnliche Stimme verleiht den Gospelsongs wie “Beulah Land“ oder “Get Up In Jesus Name“ eine ganz besondere Intensität. Aber auch die Erinnerung an den Shenandoah Hit “Ghost In This House“ lebt von seiner eindringlichen Stimme. Auch in den superschnellen Bluegrass Nummern kann er klar und deutlich artikulieren. Natürlich fehlt der erfolgreichste Song von Shenandoah, “Next To You, Next To Me“ nicht in dieser Dokumentation des Schaffens von Marty Raybon. “Down The Road“, “That Janie Backer“ ein herzzerreißendes “Look For Me (For I Will Be There Too)“ werden Bluegrass Fans geläufig sein und sind immer wieder schön zu hören. Aber auch elektrisch verstärkte Musik bietet Marty Raybon mit “I’m Working On A Building“ und dem Rest der Zusammenstellung auf “Marty Raybon Bluegrass“. Der Albumtitel täuscht daher etwas. Aus welchen Alben die Songs auch immer zusammengetragen wurden, man ist eine und eine Dreiviertelstunde bestens unterhalten. Wer hört nicht gern die traurige Ballade “He’s Still My Little Man (Mattys Song)“? War Shenandoah mit der Jahrtausendwende Geschichte, Marty Raybon sollte den Country Music und Bluegrass Fans noch lange erhalten bleiben. *************************************************************************************

Toby Keith – Peso In My Pocket

(VÖ: 15.10.2021) Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind nicht allein verantwortlich, dass Toby Keith seit seinem letzten Studioalbum sechs Jahre hat verstreichen lassen. Er war bis zum völligen Aus für Konzerte viel auf Tour. Die Zwangspause hat er, wie viele andere auch, genutzt um Song Konzepte, die bislang brach lagen, fortzusetzen. Dazu nutze er die Abgeschiedenheit seines zweiten Domizils in Mexiko. Offensichtlich fühlte sich der Vorzeige Patriot dort sicherer. Mit den zehn Titeln seines Albums “Peso In My Pocket“ unterstreicht Toby Keith seinen Anspruch, der harte Kerl zu sein, der hier und da auch seine weiche Seite zeigt. Allerdings versteckt sich Toby Keith bei den meisten Tracks hinter allzu oberflächlicher Produktion. Bis auf zwei Titel ähneln sich die Songs und können nur für Toby Keith Fans eine Bereicherung sein. “She’s Drinkin‘ Again“ mit der Beschreibung, was Trunksucht alles kaputt machen kann, markiert als Track#7 erstmals einen Aufmerker. Mit dem Schlusstitel “Happy Birthday America“ erklingt dann wieder der Toby Keith, wie er sich selber sieht. Als einen Bewahrer uramerikanischer Tugenden. Das muss man mögen. Aber in diesem Genre ist Toby Keith glaubwürdig. Das Album “Peso In My Pocket“ markiert jedenfalls keinen Meilenstein der Country Music. *************************************************************************************

Zac Brown Band – The Comeback

(VÖ: 15.10.2021) Auf dem Cover scheint er, wie Gott ihn schuf, aus dem Jungbrunnen zu entsteigen und mit dem Albumtitel “The Comeback“ macht Zac Brown, endlich wieder mit seiner Band, den Fans Lust auf seine neuen Titel. Gleich 15 Tracks hat er auf sein neues Album gepackt. Zac Brown kann ja machen was er will, seine enormen Erfolge von Anfang seiner Chartpräsenz an, haben ihn zu Höchstleistungen gezwungen. Die Messlatte liegt also immer sehr hoch bei der Zac Brown Band. Wenn er dann seine musikalischen Fähigkeiten und Ansprüche auf andere Genres ausdehnt, wie beim Album “The Owl“ aus 2019, dann hagelt es Kritik und in diesem Fall zu Recht. Das neue Album “The Comeback“ beginnt mit einem treibenden Beat und wortreichen Lyrics bei “Slow Burn“ oder “Out In The Middle“. Mit “Wild Palomino“ offenbaren sich wieder einmal die Songschreiberqualitäten von Zac Brown. Dieses Liebeslied führt die Zuhörerinnen und Zuhörer nur langsam zum Kern der Geschichte, einer verlorenen Liebe. Mit einer gewaltig arrangierten Ballade beschwört Zac Brown die Zeit der ersten Liebe und der Unbezwingbarkeit der Jugend im Titel “Us Against The World“. Bei “Same Boat“ lässt sich Zac Brown zu küchenpsychologischen Klischees hinreißen, die durch gepfiffene Bridges oder doo-n-doo-doo-doo im Gesangspart nicht gerade intelligenter werden. Den Radiomachern scheint der Song zu gefallen. Er läuft rauf und runter. Erinnert er doch an das leichtgängige “Like My Chicken Fried“. Mit Kollege Marcus King gelang die überwältigende Blues Ballade “Stubborn Pride“, die mit über sieben Minuten und dem feinen Gitarrensolo von Marcus King ganz zu Recht einen Mittelplatz im Album bekam. Da zeigt Zac Brown wieder seinen Anspruch an gute Musik. Fröhlich geht es weiter bei “Fun Having Fun“ bevor der Titelsong, “The Comeback“ die Auswirkungen der Pandemie beklagt und die Hoffnung auf baldige Rückkehr zu dem gewohnten, geliebten Leben ausdrückt. Immer wieder geht es in seinen Songs um Trennung und Verlust, manchmal in lockere Melodien verpackt. Mit Gregory Porter singt Zac Brown “Closer To Heaven“ und beweist wieder seine Ambition über Country Music hinaus zu denken und zu musizieren. Die Fans haben ihn wieder, den Zac Brown mit seiner Band. Das Album “The Comeback“ macht Spaß und Lust auf mehr vom Meister der wortgewaltigen Geschichten und der guten Laune Musik. *************************************************************************************

Amanda Shires – For Christmas

(VÖ: 12.11.2021) Eine viel beschäftigte Musikerin ist die Ausnahme Fiddlerin Amanda Shires. Als Songschreiberin gefragt genauso wie als Fiddlerin, hat sie zudem die Gruppe The Highwomen gegründet, war Mitglied bei den Texas Playboys (?!) und als Duo mit Rod Picott unterwegs. Mit ihrem Christmas Album unterstreicht sie einmal mehr, dass sie als Musikerin eigenes Verständnis präsentieren möchte. Mit großen Flügel Intros beginnen einige der 11 Titel und erzeugen dramatische Stimmung. Selbst bei “Silent Night“, dem einzigen sehr bekannten Weihnachtssong auf dem Album, liegt eine völlig andere Interpretation zugrunde, die mit dem Klassiker kaum etwas gemein hat. Bei drei Songs hat sich Amanda Shires die Familiengruppe The McCrary Sisters als Unterstützung gesichert. Das gibt den Songs den bluesigen, souligen und Gospel Charakter. “For Christmas“ von Amanda Shires ist keineswegs ein Weihnachtsalbum, welches in die Reihe der bekannten Melodienzusammenstellungen passt. Es eignet sich aber hervorragend, eine besinnliche Stimmung in der Zeit der Erwartung zu erzeugen. Dazu passen auch die durchaus weniger fröhlichen, vermutlich selbst erfahrenen Geschichten, die textlich, die sonst so glorifizierte Weihnachtszeit relativieren. Melancholisch, eigenwillig und absolut hörenswert. *************************************************************************************

Brett Young – & Friends – Sing The Christmas Classics

(VÖ: 14.09.2021) Mit einem getragenen “Silver Bells“ beginnt das Album “Brett Young & Friends – Sing The Christmas Classics“. Mit Kollegin Colbie Caillat intoniert der Pop Country Singer mit der eigentümlich nasalen Stimme ein jazziges “White Christmas“. Chris Tomlin ist Partner bei “Silent Night“ und Maddie & Tae lassen es mit Brett Young ganz leicht schneien bei “Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“. Selbst das “Rockin‘ Around The Christmas Tree“, im Duett mit Darius Rucker, ist eher ein ruhiges Abrocken. Der achte und letzte Titel beginnt orchestral und wünscht sehr gefühlvoll ein “Have Yourself A Merry Little Christmas“. Obwohl sehr bekannte Christmas Klassiker auf diesem Album aufgenommen wurden, ist die Interpretation zurückgenommen und sehr besinnlich. *************************************************************************************

Cody Johnson – A Cody Johnson Christmas

(VÖ: 19.11.2021) Sein erstes Christmas Album hat Cody Johnson völlig uneitel “A Cody Johnson Christmas“ genannt. Die 10 Titel umfassende Zusammenstellung von Christmas Songs beginnen getragen mit “Christmas All Year Long“, “Pretty Paper“ und “I’ll Be Home For Christmas“. Der Merle Haggard Klassiker “If We Make It Through December“ löst die getragene Stimmung in feine Swing Tunes auf. “Hat Made Of Mistletoe“ ist ein flotter Country Song während “Away In A Manger“ und “White Christmas“ doch wieder sehr nach Kerzenschein und Lebkuchen klingen. Ein vermeidbares Familienereignis ist “Silent Night“ wo zuerst Töchterchen Clara losträllert, bevor Ehefrau Brandi Johnson übernimmt und mit der zweiten Tochter Cori sowie Papa Cody Johnson der Song völlig schräg wird. Mit den Kollegen Kevin Fowler und Roger Creager singt Cody Johnson ein fröhliches “Feliz Navidad“, das in eine Party übergeht. Mit einem fetten Blues bei “Santa Claus Is Back In Town“ endet “A Cody Johnson Christmas“. *************************************************************************************

Hunter Brothers – Joy To The World

(VÖ: 22.10.2021) Die kanadische Pop Country Formation Hunter Brothers nennt ihr Christmas Album nach ihrer bereits 2016 veröffentlichten Single “Joy To The World“ mit der das Album “Joy To The World“ den Reigen der neun Tracks eröffnet. Mit ihrer Landsfrau und Genre Kollegin Madeline Merlo intonieren die Hunter Brothers “Have Yourself A Merry Little Christmas“ und erinnern kopistisch an die berühmten Kollegen von Home Free. Ganz im Musical Style wird bei “You’re A Mean One Mr. Grinch“ der grüne zottelige Griesgram besungen. Nach einem in ausgefeilten Harmonien intonierten “Holy Night“, erklingt in Pop Country Gewand “What I See“ und mit jeder Menge Dramatik erklingt “What Child Is This“. Jazz ist ebenso Programm wie Pop und die Hunter Brothers spannen stilistisch einen weiten Bogen rund um bekannte Christmas Songs. Eher eine Demonstration der gesanglichen Fähigkeiten der fünf Sänger aus Kanada als ein geschmeidiges Christmas Album. Mit einem eindringlichen, experimentell angelegten “Carol Of The Bells“ endet das Album “Joy To The World“ von den Hunter Brothers und hinterlässt einen diffusen Eindruck. *************************************************************************************

Pistol Annies – Hell Of A Holiday

(VÖ: 22.10.2021) Wenn sich Miranda Lambert, Ashley Monroe und Angaleena Presley zu ihrem Projekt Pistol Annies zusammentun, ist klar, dass nun etwas entsteht, was sich abseits der eigenen Karrieren der drei Frauen bewegen soll. So ist die Songauswahl ihres Christmas Albums “Hell Of A Holiday“ zunächst so gar nicht weihnachtlich. Fette Saxophon Soli und mit dem Titelsong ist gleich einmal klargestellt, dass der Weihnachtsmarathon schon am ersten November beginnt. Und der Stress geht weiter bei “Harlan County Coal“, weil der “Alte“ lieber säuft als sich an den Vorbereitungen zu beteiligen. Bei “Come On Christmas Time“ wird Santa Claus heftig angeflirtet. Wer da nicht sein rot-weißes Kostüm hervorholt ist selber schuld. Mit einem Steel Guitar Intro und einer Orgelbegleitung beginnt “If We Make It Through December“ und markiert eine besonders gelungene Version des Merle Haggard Hits. Eine wunderschöne Erklärung, warum man die Vorweihnachtszeit so zelebriert, ist im Song “Believing“ enthalten. Man kommt nicht umhin. Die Damen haben die Fähigkeiten, solche Songs sehr emotional zu präsentieren. Der Ring-a-ling-a-ling-a ding-dong-ding Titel “Sleigh Ride“ hätte ruhig fehlen dürfen. Mit der a capella Version “Auld Lang Syne“ entlassen Pistol Annies ihre Zuhörerinnen und Zuhörer und haben für eine knappe Dreiviertelstunde feiner Adventsunterhaltung gesorgt. *************************************************************************************

Randy Travis – An Old Time Christmas – Deluxe Edition

(VÖ: 19.11.2021) Man schrieb das Jahr 1989 als es sich zutrug, dass ein aufstrebender Country Music Interpret sich anschickte, sein erstes Christmas Album aufzunehmen. “An Old Time Christmas“ heißt dieses Album und markiert seit damals ein Highlight dieser “Jahresendalben“. Nun wurden die 10 Titel von damals re-mastered um sie mit drei Titeln zu einer Deluxe Edition zu ergänzen. Ein feines Wiederhören z.B. von “White Christmas Makes Me Blue“ oder “Oh, What A Silent Night“ oder das ungelöste Problem wie man sein Herz eigentlich zu Weihnachten verpackt bei “How Do I Wrap Up My Heart For Christmas“. Damals endete das Album “An Old Time Christmas“ mit dem, die Ohren umschmeichelnden, “The Christmas Song“, welches auch in der neuen Überarbeitung strahlt. “Little Toy Trains“, “There’s A New Kid In Town“ und “White Christmas“ komplettieren die Deluxe Edition. Wer damals das Album “An Old Time Christmas“ von Randy Travis nicht ins Regal stellte, kann das jetzt nachholen. Man bekommt ein besonderes Hörerlebnis von einem Interpreten, der für die Christmas Songs geschaffen scheint. *************************************************************************************

Steve Holy – A Christmas To Remember

(VÖ: 22.10.2021) Über zehn Jahre ist es her seit Steve Holy ein Album veröffentlichte. Seine Chartpräsenz und Alben Veröffentlichungen halten sich in engen Grenzen. Nun hat er überraschend ein Christmas Album am Start. Da hat er 10 der bekanntesten Weihnachtssongs zusammengefasst und präsentiert diese konservativ und wenig spektakulär. Im Stil eines Chansonniers singt er ohne besondere Momente erzeugen zu können. Um hier in Begeisterung auszubrechen, muss man schon ein glühender Steve Holy Fan sein.   *************************************************************************************

Steve Wariner – Feels Like Christmas Time

(VÖ: 15.10.2021) Wenn nicht er, wer sollte dann ein Christmas Album machen? Warum? Na, Steve Wariner wurde am Weihnachtstag, dem 25.12.1954, geboren. Zudem bekam er deshalb von den Eltern seinen zweiten Vornamen Noel mitgegeben. Jetzt hat er zum dritten Mal ein Christmas Album aufgenommen. Der Sänger, Songschreiber, Gitarrist und Produzent weiß worauf es ankommt. Mit “Feels Like Christmas Time“ lässt er die Hörerinnen und Hörer an seiner Gitarrenkunst teilhaben wie beim Instrumental “It Came Upon A Midnight Clear“ oder dem Medley “Away In A Manger, O Little Town Of Bethlehem, We Wish You A Merry Christmas“, erneut instrumental vorgetragen. “Christmas In Your Arms“, der Alabama Song aus 2000 ist bei Steve Wariner erneut ein Country Christmas Highlight. Der Wechsel von gesungenen und instrumental eingespielten Titeln setzt sich fort. Zur Unterhaltung in der Adventszeit taugt das Album “Feels Like Christmas Time“ allemal. Wer sich an feinem Gitarre Spiel erfreut, hat hier ebenfalls Genuss. So ist “Feels Like Christmas Time“ von Steve Wariner ein gelungener Stimmungsmacher für eine Zeit auf der Couch unter der Kuscheldecke und mit einem heißen Getränk. *************************************************************************************

Jameson Rodgers – In It For The Money

(VÖ: 23.04.2021) Liest man die Titel der sechs Tracks der neuen EP “In It For Money“ von Jameson Rodgers, so fallen Begriffe wie Bier, Hunde, Mädchen, Rock’n’Roll, Mississippi und Wüste auf. Klingt nach Country Music. Ist es auch. Mainstream Country und zwar von einer sehr erfolgreichen Sorte, angesichts der Chartplatzierungen der Singles “Some Girls“ und “Cold Beer Calling My Name“, letztere mit Luke Combs im Duett. Diese Hymne an Freiheit und Gier nach Leben, stürmte an die Spitze der Charts ebenso, wie “Some Girls“, die bitter nüchterne Betrachtung, was einige Frauen in der Folge einer Trennung machen könnten. Kraftvoll geht es mit dem Titelsong “In It For Money“ weiter. Darin beschreibt Jameson Rodgers autobiografisch den langen mühsamen Weg eines Sängers zum Erfolg und wie stolz er ist, endlich die Früchte jahrelanger Arbeit ernten zu können. Mit “When You Think Of Mississippi“ darf eine Hymne an seine Heimat nicht fehlen. Die EP schließt mit einer weiteren Ballade. “Desert“ strotzt nur so von Klischees und vermeintlicher Lebenshilfe, wenn es heißt, dass immer nur Sonnenschein letztlich eine Wüste hinterlässt. Jameson Rodgers hat unter die wenigen Titel der EP sowohl modernen Country Rock als auch ruhigere Balladen gepackt, was dem Album einige Abwechslung beschert. Leider nur eine EP aber recht unterhaltsam. *************************************************************************************

Tracy Lawrence – Hindsight 2020, Volume 1. Stairway To Heaven, Highway To Hell

(VÖ: 23.04.2021) Im Februar 2021 überraschte Tracy Lawrence seine Fans mit einer besonderen Ankündigung. Vor 30 Jahren begann seine Karriere mit der ersten Nummer Eins “Sticks And Stones“, der noch sieben weitere Platz Eins Erfolge folgen sollten. Wie, nur so wenige? Man möchte es kaum glauben, betrachtet man das riesige Potenzial von Tracy Lawrence. Ein Kerl wie ein Baum, eine unverwechselbare Stimme und die Fähigkeit, sich in den Jahrzehnten den jeweiligen Veränderungen des Musikgeschmacks anpassen zu können, ohne den Bezug zur traditionellen Country Music ganz zu verlieren. Die Ankündigung besagte, dass er in seinem Jubiläumsjahr eine Trilogie von Alben herausbringen möchte. Den Anfang macht nun “Hindsight 2020 Volume 1 Stairway To Heaven Highway To Hell“, ein recht witziger Einfall, ein Album nach den Erfolgstiteln von Led Zeppelin und AC/DC zu benennen. Mit dem Titelsong beginnt das Album mit einer autobiografischen Betrachtung auf ein Leben mit jeder Menge Auf und Abs. “Struggle Struggle“ beschreibt in einer gefühlvollen Ballade den Kampf mit dem Teufel und dem eigenen Versagen am Beispiel von Bobby und Jenny. “Lonely 101“ erinnert sehr willkommen an die 1990er Jahre und die “Time Marches On Zeit“ von Tracy Lawrence. Mit “Whole Lotta Me“ folgt noch eine Retrospektive auf vergangene Zeiten, Orte und Gelegenheiten. Tracy Lawrence pur. Seinen Blicken auf das Leben folgt man gern, da er die Dinge beschreibt, wie sie sind. Ohne Verklärung, ohne Überhöhung, ohne Pathos. Da erzählt einer seine Geschichten in bester Country Music Tradition. Mit den zehn Tracks (Tracks 11 und 12 sind Acoustic bzw. Unplugged Versions von “Hard Times“ und “Whole Lotta Me“) haben die Fans ihren Tracy Lawrence wieder, hatte er sich doch seit seinem letzten Album “Good Ole Days“ aus 2017 etwas rar gemacht. Wer jetzt nicht gespannt auf die Fortsetzung der Trilogie wartet, dem ist nicht mehr zu helfen. *************************************************************************************

Lefty Frizzell – Glad I Found You Lefty!

(VÖ: 26.03.2021) Was waren das für Zeiten in den 1950er Jahren als Songs gleich mehrere Wochen den Platz Eins der Charts halten konnten. Wie etwa “Always Late (With Your Kisses)“ von Lefty Frizzell, gleich für 12 Wochen an der Spitze der Billboard Country Single Charts. Mit der nun wieder aufgelegten musikalischen Erinnerung an Lefty Frizzell mit dem Album “Glad I Found You Lefty!“ hat das Label Amanita ganz tief in die Archive gegriffen. Unter den 15 Titeln sind aber nicht nur die Chartstürmer. Dennoch oder gerade deshalb, kann man sich einen recht guten Überblick über den ältesten der Country Music Frizzell Brüder verschaffen. Die Chartkarriere von Lefty Frizzell währte von 1950 bis 1975 und war von sechs Nummer Eins Erfolgen gekrönt. Dieses Album wendet sich folglich an Fans der Country Music aus den 1950er und 1960er Jahren. Da erklingen getragene Balladen, flotter Ragtime oder Boogie. Heutzutage ist Lefty Frizzell sicher nicht mehr so bekannt und beinahe vergessen. Schön, dass es mutige Labels gibt, die solche Musik erneut auf den Markt bringen. Das Album “Glad I Found You Lefty!“ ist sauber aufgenommen und dennoch vermisst man das typische Knacken eines alten Plattenspielers. Der Albumtitel ist dem Song “Glad I Found You“ von Lefty Frizzell aus dem Jahr 1956 entlehnt. Eine schöne Erinnerung an Lefty Frizzell, der 1975 mit nur 47 Jahren an einem Schlaganfall verstarb. *************************************************************************************

Luke Bryan – Born Here Live Here Die Here – Deluxe Edition

(VÖ: 09.04.2021) Im August 2020 erschien das Album “Born Here Live Here Die Here“ von Luke Bryan und hatte 10 Tracks im Gepäck. Wie es offensichtlich zurzeit en vogue zu sein scheint, erschien nun eine Deluxe Edition, die dem ursprünglichen Album sechs Titel hinzufügt. Mit “Country Does“ beginnt der Anhang, eine Hymne auf den konservativen Aspekt von Tradition und einfachem Landleben gefolgt von der bitteren Ballade “Drink A Little Whiskey Down“, die vom erfolglosen Versuch erzählt, mit Whiskey über eine Trennung hinwegzukommen. “Waves“ drückt mit überbordenden Worten eine Verliebtheit im siebten Himmel aus und ist Pop Music pur mit ein wenig Country gewürzt. Mit “Bill Dance“ erzählt Luke Bryan von seinem ganz persönlichen Traum, als Fischer so berühmt zu werden wie eben jener Bill Dance. Auch mit dem letzten Song des Anhangs “Floatin‘ This Creek“ wird das Anglerleben erneut zum Thema. Manchmal sind die Deluxe Edition Alben eher überflüssig. Luke Bryan hat seinen Fans aber mit den zusätzlichen Titeln angenehme Unterhaltung geboten. Wer das Album aus 2020 noch nicht im Regal hat, ist mit der erweiterten Version “Born Here Live Here Die Here“ aber bestens bedient. *************************************************************************************

Reba McEntire – Hallelujah, Amen

(VÖ: 02.04.2021) Nach der EP “Women To The Front“ füttert Reba McEntire ihre Fans erneut mit kleinen Häppchen. Mit der EP “Hallelujah, Amen“ ist ein Gospel Special mit sechs Titeln erschienen. Vielleicht in der Pandemie Zeit ein probates Mittel, um den Menschen ein wenig Stütze anzubieten. Die Titel sind sowohl locker flockig, wie bei “Sky Full Of Angels“, als auch eher getragen wie bei “How Great Thou Art“. Die Fans werden es längst erkannt haben, alle Titel dieser Zusammenstellung sind bereits erschienen. Meist auf dem Album “Sing It Now – Songs Of Faith & Hope“ aus dem Jahr 2017. Es schmälert ja nicht die feine Interpretation von Reba McEntire und die inhaltlichen Werte dieser Songs. Ob man allerdings solche Wiederveröffentlichungen machen sollte, ist diskussionswürdig. *************************************************************************************

Tim McGraw – Here On Earth – Ultimate Edition

(VÖ: 16.04.2021) Auch Tim McGraw folgt dem Konzept, ein bereits veröffentlichtes Album durch Anhänge aufzuwerten und erneut auf den Markt zu werfen. Hier also die Erweiterung des 2020 erschienen Albums “Here On Earth“. Mit “Undivided“, dem Duett mit Tyler Hubbard, dem Georgia Part von Florida Georgia Line, beginnt der Anhang. Dann folgen mit “Thought About You“ und “Neon Church“ Titel, die bereits auf dem Album “Neon Church“ 2018 erschienen sind. “Cuttin‘ Onions“ beschreibt eine Mutter, die mit Sorge sieht, wie der Sohn dem Vater zunehmend mehr ähnelt und das nicht immer im positiven Sinn. Mit “The Truth Is“ verlässt Tim McGraw endgültig die Country Music und erzählt eine R&B Story, die wortgewaltig verschwurbelt daherkommt. Eine in Country Music verpackte Blasphemie lässt er dann mit “God Moves The Pen“ folgen. Wer Shakespeare und Hank Williams in einem Atemzug nennt und dann noch behauptet, dass Jesus das Herz bewegte und Gott den Stift führte, hat wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen. Das braucht kein Mensch. Wer immer noch nicht genug hat vom Pop Gesülze, der kann “Keep Your Eyes On Me“, das Duett mit Faith Hill, aushalten. Auch der letzte Titel der “Ultimate Editon“ unterstreicht die völlig überzogenen Ambitionen, den Konsumenten psychologische Weisheiten zu präsentieren. Da wird mit bombastischer Instrumentierung und Arrangement so getan, als wäre Tim McGraw ein besonders Erleuchteter. Man wendet sich mit Kopfschütteln ab. *************************************************************************************

Canaan Smith – High Country Sound

(VÖ: 02.04.2021) Eine Abrechnung mit dem ganz großen Musikgeschäft in Nashville steht als eine Quasi Überschrift über dem neuen Album “High Country Sound“ von Canaan Smith. Der Singer/Songwriter aus Virginia hatte 2015 mit der Singleauskopplung “Love You Like That“ aus seinem ersten Album “Bronco“ erste Erfolge und mit dem Major Label Mercury einen sehr potenten Partner. Doch, aus welchen Gründen auch immer, wollte seine Karriere nicht in Gang kommen. Jüngst tat er sich mit seinen Freunden von Florida Georgia Line zusammen und veröffentlichte sein zweites Album “High Country Sound“ unter dem FGL Label Round Here Records. Entsprechend rockig kommen einige seiner 12 Songs auf dem neuen Album daher. So etwa “Catch Me If You Can“ unter Mitwirkung von Singer/Songwriter Kollege Brent Cobb. Mit “Grounded“ beginnt das Album recht eingängig und Canaan Smith beschreibt darin, dass er immer an seine Heimat, seine Erinnerungen und Erlebnisse gebunden bleibt, wohin er auch  geht. Country Stuff also. Mit “Mason Jars & Fireflies“ folgt ein Pop Country Titel, der den ersten Eindruck schon wieder aufhebt. Mit “Colder Than You“ hat Canaan Smith seit Wochen erhebliches Air Play und hebt sich als langsame Nummer stark von den sonst in den Radiostationen bevorzugtem Sound ab. Er selbst findet diesen Song, den er mit Tyler Hubbard und Brian Kelley (FGL) geschrieben hat auch textlich gelungen. Es geht schlicht um eine Trennung, die wohl gerade noch zum richtigen Zeitpunkt kam. Mit dem nächsten Titel, “High Country“, wird schon wieder der positive Eindruck des Vorgängers verwischt, zu banal ist der Text. Mit “Sweet Virginia“ erinnert sich Canaan Smith an die Zeit, als er Virginia in Richtung Nashville verließ und zwischen den Zeilen steht, dass er dort seine Träume nicht verwirklichen konnte. In “Like I Ain’t Missing You“ erzählt er davon, dass er sich selbst betrügt, wenn er eine andere Frau küsst und so tut, als würde er seine Ex nicht vermissen. Das ist wieder eine gängige Country Ballade, wenn auch im Text stark verkürzt. Beim Schlusstitel haben die Kumpels von FGL mal nicht ihre Vorstellung von Lyrics eingebracht und heraus kam ein durchaus ansprechender Text, der zwar in ein Pop Country Arrangement gepackt wurde, aber dennoch läuft wie geschmiert. “High Country Sound“ ist als Titel dieses Albums ein wenig zu dick aufgetragen. Aber für eine gute Unterhaltung bestens geeignet. *************************************************************************************

Eric Church – Heart

(VÖ: 16.04.2021) & (VÖ: 20.04.2021) Soul (VÖ: 23.04.2021) Gleich eine Trilogie musste es sein, um die Fans zu verwirren. Eric Church ist für viele Fans ein Super Star. Für andere ist er ein überambitionierter Künstler mit dem Hang zur Selbstüberschätzung. Betrachtet man die Aufteilung der aktuellen Veröffentlichungen als Marketing Trick, so bleibt dem Konsumenten die 24 Titel (Heart 9, & 6, Soul 9) zusammen zu betrachten. Da werden die Hörer von einer Stimmung in die nächste katapultiert. Von gefühlvollen Balladen in bombastische Arrangement Gefilde und wieder zurück in Schmuse Country und nochmal in experimentell aufgemotzten Rock. Man gewinnt den Eindruck, dass es hier darum geht, eine eierlegende Wollmilchsau zu produzieren. Als Negativbeispiel sei “Break It Kind Of Guy“ genannt, in welchem ein Bee Gees Disco Geheule als Backing Vocals den Song von Country Music so weit entfernt, dass es kaum zu glauben ist. Eric Church lässt dann mit “Hell Of A View“ eine gängige radiotaugliche Ballade folgen. Wer sich schon beim ersten Teil der Trilogie “Heart“, “&“, “Soul“ um die eigene Achse gedreht fühlte, wird auch bis zum Schluss von diesem Verwirrspiel umgeben. Eric Church ist einer, an dem man sich hervorragend reiben kann. Vieles von seinem Verständnis von Musik kann mit Country Music, selbst mit den aktuellen Auffassungen von Mainstream, oft nur schwer zusammengebracht werden. Ob man so etwas braucht? Fans traditioneller Country Music werden sich wieder einmal bei Eric Church’s Werken mit Grausen abwenden. *************************************************************************************

Gary Allen – Deep Cuts

(VÖ: 24.04.2021) Auch bei Gary Allen‘s neuester Produktion hat es nur zu einer EP gereicht. Dabei hatte er genug Zeit seit seinem letzten Album “Set You Free“ aus 2013 für genügend Material zu sorgen. Vielleicht musste er sich aber, wie viele andere, neu erfinden. Beim Konsum der 6 Titel auf “Deep Cuts“ fällt schon auf, dass Gary Allen nun als harter Rocker wahrgenommen werden möchte. Angesichts der Titel “Like It’s A Bad Thing“ und “Bones“ möchte man fragen, ob die Zeit seiner weichen Balladen nun vorbei ist. Doch mit “Half Of My Mistakes“ ist er wieder beinahe der “Alte“. Diese gängige Ballade macht Lust auf mehr. Aber dann muss man wieder mit schwer verdaulichen Arrangements kämpfen, bevor mit “No Regrets“ die EP versöhnlich endet. Der Eindruck, welches dieses Album hinterlässt, wirft Fragen auf. Ja, die Welt um uns verändert sich. Präsentation von Musik findet auf neuen Wegen statt und, um möglichst viele Konsumenten zu gewinnen, setzen daher einige Künstler auf musikalische Wechselbäder und Demonstrationen ihrer Vielseitigkeit. Schade eigentlich. *************************************************************************************

Hermann Lammers Meyer – What Comes Next

(VÖ: 10.01.2021) Country Music Interpreten aus Deutschland muss man heutzutage mit der Lupe suchen. Doch halt, einen gibt es seit vielen, vielen Jahren immer noch. Hermann Lammers Meyer, der beinahe ein halbes Jahrhundert des Musikschaffens auf dem Konto hat, legt mit “What Comes Next“ ein neues Album voller traditioneller Country Music vor. Der Pedal Steeler aus dem Emsland hat über all die vielen Jahre nie seine Verbundenheit zu dieser “echten“ Country Music aufgegeben. Ob er mit Johnny Bush den Titel “Country Music“ präsentiert oder seine wundervolle Pedal Steel erklingen lässt, Freunde dieser Musik haben garantiert ihre Freude daran. Zudem ist Hermann Lammers Meyer seinen Fans immer zugetan. Er bietet einen Telefonservice an, in der Corona Zeit sicher ein probates Mittel mit ihm in Kontakt zu treten. Ohne respektlos zu sein, darf man ihn als ein altgedientes Zirkuspferd bezeichnen. Es gibt keinen Sturm innerhalb der Musikbranche, den er nicht mitgemacht hat. Da er in den USA kein Unbekannter ist und um die alten Heldinnen und Helden weiß, gewinnt er z.B. auch Norma Jean, mit der er das Duett “Your Angel Steps Out Of Heaven Each Night“ eingesungen hat. Das Album “What Comes Next“ strotz nur so von Hermann Lammers Meyer bearbeiteter traditioneller Musik. In der Zeit der stressigen Rock Country Übermacht ist dies eine Wohlfühloase. So reiht sich Waltz an Waltz, Erzählung an Erzählung oder einfach nur Honky Tonk an Honky Tonk. Dem Titel “Hold Her In Your Hand“ widmet Hermann Lammers Meyer über vier Minuten und man kann nachvollziehen, dass man seine Angebetete nie mehr loslassen möchte. Hier und da mit Swing gewürzt, laden etliche Songs zum fröhlichen Two Step ein. Mit 14 Titeln bietet das neue Album “What Comes Next“ jede Menge alter Melodien und vor allem einen Hermann Lammers Meyer so gut wie eh und je. Ja, was kommt denn als nächstes? Hoffentlich noch jede Menge, von einem, der die Traditionen der Country Music bewahrt. *************************************************************************************

Gabby Barrett – Live From The Goldmine

(VÖ: 2021) Mit gerade einmal 18 Jahren konnte Gabby Barrett 2018 den dritten Platz bei American Idol ergattern. 2020 folgte dann ihr erstes Studioalbum “Goldmine“. Nun also liegt ein “Live“ Album mit dem Titel “Live From The Goldmine“ als EP mit 7 Titeln vor. Allerdings, sollten die Titel tatsächlich aus einem Livemitschnitt stammen, sind die Tracks von allem Liveeindruck befreit. Dafür steht eine rockige Gören Country Music im Vordergrund, die ganz sicher in die Reihe der heutigen Krawallproduktionen passt, mit denen sich manche Produzenten um die größte mediale Aufmerksamkeit kloppen. Das Ursprungsalbum hatte es in den US Charts nicht bis ganz nach oben geschafft. Daran wird auch dieser Nachzieher nichts ändern. Nach gut 20 Minuten hat man diesen Angriff auf die Ohren überstanden. *************************************************************************************

Josh Turner – The Answer

(VÖ: 02.04.2021) Auch Josh Turner konnte der Versuchung nicht widerstehen, sich mit einer EP in Erinnerung zu rufen. Frei nach dem Rezept: man nehme bereits erfolgreich gelaufene alte Titel, mische einige Cover darunter und verkaufe das Ganze als neues Produkt. Dass es sich um so herausragende Titel wie “Me And God“, das Epos “How Great Thou Art“ oder “I Saw The Light“ (beide Titel mit Sonya Isaacs eingesungen) handelt, lässt erahnen, worum es dem smarten Sänger aus South Carolina geht. In dieser Zeit der harten Prüfung durch die Pandemie möchte Josh Turner mit diesen, aus seinem tiefen Glauben motivierten, christlichen Titeln eine Lebenshilfe geben. Die Botschaft lautet: was auch geschieht, im Glauben liegt die Antwort. Ob das viele Menschen erreicht, wer weiß? *************************************************************************************

Amanda Cook – Narrowing The Gap

(VÖ: 26.03.2021) Bluegrass Fans dürfen sich freuen. Amanda Cook und ihre Band haben ein neues Album veröffentlicht. “Narrowing The Gap“ liefert mit zehn Tracks jede Menge atemberaubend eingespielte und gesungene Bluegrass Music. In der Tat, hat sie damit erneut einen engen Schulterschluss mit allen Freunden der akustischen und traditionsbasierten Musik hinbekommen. “Narrowing The Gap“ ist bereits das vierte Album für die Interpretin aus Virginia, die in Florida geboren wurde und schon sehr früh in der Band des Vaters mitmischte und das dritte Album unter dem Mountain Fever Records Label. 2014 erschien ihr Debütalbum “One Stop Along The Road“, von welchem sie den Titel “Get On Board“ auch für das neue Album übernommen hat. Mittlerweile hat sie in ihrer Band ganz hervorragende Musiker um sich geschart und präsentiert auf ihrem neuesten Werk eine Bluegrass Music, die frisch und voller Schwung mit tollen Melodien aber auch manchmal mit nachdenklichen Texten aufwartet. Bereits mit dem Opener “Get On Board“, ein absoluter “Catchy Song“, hat sie die volle Aufmerksamkeit der Hörer gewiss. Das treibende Banjo von Carolyne VanLierop-Boone gibt dem Song den Sound des Zuges, in den Amanda auffordert einzusteigen. Mit dem Folgetitel “Lonesome Leaving Train“, den sie mit dem Grammy Award Nominee Thomm Jutz geschrieben hat, erzählt sie die anrührende Geschichte einer jungen Braut, die sich weit in den Westen aufmacht ihren Liebsten zu treffen aber nicht findet, was sie sucht. Beide Titel sind als Single bereits erfolgreich ausgekoppelt. Die dritte Singleauskopplung ist “West Virginia Coal“ und beschreibt das harte Leben in den Kohleminen in Virginia. Hinzu kommen feine Balladen wie “When You Came Back Down“ oder “Curtains“ mit denen Amanda Cook eindrucksvoll ihre Stimme zur Geltung bringt. Den Schluss bildet “Where Are You Darling“ und lässt die Hörer noch einmal teilhaben an den feinen Instrumenten und macht garantiert Lust auf mehr. Bluegrass Music vom Feinsten, modern und eindringlich. Das macht richtig Laune. *************************************************************************************

Brett Kissel – What Is Life?

(VÖ: 09.04.2021) Mit dem ungewöhnlichen Opener Track, in welchem Brett Kissel erzählerisch die Frage aufwirft, was eigentlich das Leben ausmacht, beginnt das Album “What Is Life?“ und markiert bereits sein neuntes Studiowerk. Der Kanadier Brett Kissel, der in seiner Heimat schon hoch dekoriert wurde, begreift sich als Storyteller, der allerdings die breite Palette der Genres von Pop Country über Traditional Country und Accoustic Music in seine Titel einarbeitet. Vielleicht ist manches Element, wie etwa die gesprochenen Liebeserklärungen seiner drei, noch recht kleinen, Kinder viel zu viel des Guten. Mag er auch noch so stolz auf seine Familie sein, das hält eher davon ab, ihn als Künstler ernst zu nehmen. Hat man das Album “What Is Life?“ mit seinen 11 echten Tracks (die drei Kinder Schmusereien werden abgezogen) gehört, bleibt der Eindruck, dass hier ein Künstler mit Hang zur einfachen Psychologie den Hörern den Weg in eine bessere Welt zeigen möchte. Ob das ankommt, mögen die Konsumenten entscheiden. Ansprüche sind sicher wichtig und gut, man sollte es aber nicht übertreiben. So kann man das Album “What Is Life?“ von Brett Kissel durchaus abhaken und sich anderen Werken zuwenden. *************************************************************************************

Brian Kelley – BK’s Wave Pack

(VÖ: 13.04.2021) Wäre es nicht Brian Kelley, die eine Hälfte des erfolgsverwöhnten Duos Florida Georgia Line, man müsste die EP “BK’s Wave Pack“ vom “Beach Cowboy“ als Pop Country Schlagerzeug abtun. Und mit vier Songs auf diesem unbedeutenden Werk, verwöhnt der sehr von sich überzeugte Kelley seine Fans nicht gerade. Dass er sich des Genres Caribbean Country Music widmet, zeigt eine andere Seite des sonst doch im Duo mit Kollege Tyler Hubbard eher rockigen Interpreten. Allerdings hat dieses Genre bereits Kenny Chesney für sich okkupiert. Schaut man auf die Texte der vier Songs der EP “BK’s Wave Pack“, so wird man auch nicht gerade in Begeisterungsstürme ausbrechen. Schlagerhaft und oberflächlich, gerade mal zum Abfeiern geeignet. Das braucht niemand und in einer Zeit, in der die Fans nach guter Unterhaltung gieren, sollte man sich doch etwas mehr Mühe geben. Solch ein Produkt fällt durch. *************************************************************************************

Morgan Wade – Reckless

(VÖ: 19.03.2021) Ein Debütalbum ist immer eine besondere Aufmerksamkeit wert. Bei Morgan Wade, die zu ihrem Erstlingswerk die tiefenpsychologische Suche nach ihrem Selbst in den Fokus stellt, muss man einfach hinhören. Irgendwo zwischen Rock, Pop und Country scheint sie sich gefunden zu haben. Dass die teils nebulösen Arrangements verschleiern, was die junge Frau ausdrücken möchte, hindert den Blick auf das, was die Sängerin aus Florida zu sagen hat. Zudem möchte sie sich interessanter machen, indem sie ihr Alter geheim hält. Dass das nicht lange gut geht, sollte in der heutigen Zeit einer 26-jährigen Frau klar sein. Zehn Songs umfasst das Album “Reckless“ und beginnt mit dem Titel “Wilder Days“, in welchem Morgan Wade das Spannungsfeld einer jungen verliebten Frau zu einem älteren Mann thematisiert. So sind die meisten Songs auf der Thematik der bitteren Enttäuschung und der Hoffnung auf Erlösung aus der kleinstädtischen Enge durch den “Prinzen“ geprägt und lassen das Album “Reckless“ einerseits sehr authentisch wirken und kann in seiner Intensität durchaus berühren. Andererseits ermüdet die Melancholie trotz der motzigen Interpretation von Morgan Wade. Wären da nicht die feinen Balladen wie “Mend“ oder “Met You“, die beinahe ungeschminkt tiefe Einblicke in die Emotionen der Texte geben, bei denen Morgan Wade überall mitwirkte und ihren Stempel aufdrückte, das Album wäre beinahe im vielfältigen Musikgeschäft nicht weiter aufgefallen. So aber ist “Reckless“ von Morgan Wade allen empfohlen, die fernab von Chartmucke immer Freude an intensiver Singer/Songwriter Music haben. *************************************************************************************

Steve Gulley & Tim Stafford – Still Here

(VÖ: 19.03.2021) Eine ganz besondere Melancholie liegt über dem Album “Still Here“ von zwei der besten Musiker des Bluegrass der Gegenwart. Tim Stafford, der Bluegrass Professor, musste erleben, dass sein Partner beim Album “Still Here“, Steve Gulley, nach kurzem schwerem Kampf gegen den Krebs im August letzten Jahres verstarb. Steve Gulley war für Tim Stafford ein ebenbürtiger Gitarrist und mit ihrem Projekt “Still Here“ haben die beiden ein, an traditionellen Bluegrass angelehntes, Album aufgenommen. Mit den 11 Titeln schielen Steve Gulley & Tim Stafford nicht auf großen Ruhm, sondern lassen die Melodien einfach fließen und vor allem, sie geben sich den Klängen hin und steuern mit zurückgenommenem Gesang eindeutig das Ziel an, die Bluegrass Tradition in die heutige Zeit zu transportieren. Zu erzählen haben die beiden Musiker auch eine Menge. Einzelne Titel herauszugreifen scheint unnötig. Solch eine Musik sollte man einfach auf sich wirken lassen. Da ist so viel Achtsamkeit auf das Arrangement verwendet und jegliche Eitelkeit vermieden, dass man beinahe andächtig zuhören muss. Da haben sich zwei Musiker gefunden, die sich als Gitarristen und als Sänger gesucht und gefunden haben. Gulley und Stanford arbeiten traditionelle Songs auf und lassen sie in die Neuzeit hineingleiten. Da dürfen Banjo und Fiddle genauso stattfinden, wie die virtuos gespielten Gitarren der Musiker Steve Gulley & Tim Stafford. Ja, mit “Still Here“ ist klar, Steve Gulley ist immer noch unter uns. Posthum, aber sehr präsent. Das Album “Still Here“ ist absolut hörenswert und eine feine Erinnerung an Steve Gulley. *************************************************************************************

The Golden Roses – Devil’s In The Details

(VÖ: 19.03.2021) „Texanische Country Music ist nur ein bisschen störrischer und etwas abseits.“ So werben The Golden Roses auf ihrer Homepage für ihre Musik. In der Tat haben sich John Mutchler, Kopf der Band und Frontmann, Troy Wilson am Bass, Shawnee Rose an den Drums und Fiddlerin Heather Rae Johnson für eine sehr traditionelle Art der Country Music entschieden. Sie machen Honky Tonk Dance Hall Music, gewürzt mit Western Swing, einer Prise Bluegrass, ja sogar etwas Bakersfield Sound. Tanzbare, eingängige 12 Titel haben The Golden Roses auf ihr zweites Studioalbum gepackt. Mit einem a capella Intro zum Song “When I’m Gone“ geht es gleich einmal mit viel Schwung los. Ein augenzwinkernder Answer Song folgt mit “San Antonio By Sundown“ gefolgt vom Titelsong “Devil’s In The Details“, eine feine von der Fiddle geleitete Laid Back Ballade. Als ein Fan sich den Lieblingshut von John Mutchler schnappte, war der ziemlich sauer und schrieb prompt den Titel “Song About My Cowboy Hat“. Die Gesangsqualitäten sind vielleicht nicht High End aber für diese Laune machende Musik gerade richtig. Man kann also auch mit solch traditioneller Musik richtig Party machen. Der “Song I Can’t Write“ wurde doch geschrieben und wer könnte sich der herrlich jammernden Steel Guitar bei “No Guitars In Prison“ entziehen? Mit dem Two Step herausfordernden “That Old House“ endet das Album “Devil’s In The Details“ von The Golden Roses. Ungewöhnlich wie der Bandname ist die Musik in der heutigen Zeit. Der geneigte Konsument wird aber ganz sicher prima unterhalten und darf hoffen, dass solche Country Music nicht vom Einheitsgedudel der Pop Country Industrie verdrängt wird. Es muss nicht immer die Radio Play oder Chart stürmende Musik sein, um gute Unterhaltung zu bieten. Die Dreiviertelstunde mit The Golden Roses ist ein liebenswerter Ausflug in die „störrische“ Country Music aus Texas. *************************************************************************************

Midland – The Sonic Ranch

(VÖ: 19.03.2021) In den, besonders für Künstler, schweren Corona Zeiten erinnern viele Musikschaffende die Fans an sich selbst und ihre Musik. Manche veröffentlichen EP’s mit bereits fertiggestelltem Material, welches nie auf einer Bühne gespielt werden konnte. Andere packen jede Menge Songs aus ihrer Vergangenheit in ein umfangreiches Album, manchmal durch einige wenige Neuheiten ergänzt. Und was macht eine Band, die 2018 noch mit dem ACM Award für die beste Vocal Group Of The Year ausgezeichnet wurde? Die Gruppe Midland lässt mit ihrem neuen Album die Konsumenten in ihre Bandvergangenheit blicken. In die Anfänge aus dem Jahr 2014 und die Band hat mit “The Sonic Ranch“ sowohl das riesige Areal der Recording Studios an der Grenze zu Mexiko im Blick, als auch die legendäre Atmosphäre, die schon viele eigenwillige und authentische Country Music Produktionen hervorgebracht hat. Nachdem sich der Videoregisseur Cameron Duddy mit Jeff Carson einer Band anschloss, war die Urzelle von Midland gefunden. Ein weiterer Kumpel von Cameron Duddy ist Mark Wystrach, der als Unterwäsche Model seinen Lebensunterhalt bestritt. Das Trio Midland war komplett. Beim Label Big Machine bekamen sie ihre Chance und 2017 erschien ihr Debütalbum “Midland“ als EP. Das Album “On The Rocks“ folgte im gleichen Jahr und 2019 erschien das Album “Let It Roll“. Beide Alben kletterten bis an die Spitze der Alben Charts. Fans von Midland werden sich verwundert die Ohren reiben, wenn sie die 12 Titel auf “The Sonic Ranch“ hören. Dabei fängt alles ganz flüssig und “Midland geschmeidig“ mit einer Adobe House Version von “Fourteen Gears“ an. Mark Wystrach’s Stimme schmeichelt und kratzt an der Grenze zum Pop. Für manche sind Midland nicht Country genug, für andere sind sie in der heutigen Zeit genau das Gegenteil. Eine “Raw Version“ von “Cowgirl Blues“ folgt und ist alles andere als umwerfend. Das aber war ganz sicher die Absicht von Midland, den Fans zu zeigen, wie alles begann und wie es zum typischen Midland Sound kam. So fallen die weniger begeisternden Titel, wenn beispielsweise Jeff Carson singt, weniger ins Gewicht. Dafür erkennt man die Charismatik von Mark Wystrach umso deutlicher. Seine Stimme und der Retro Sound machen den Erfolg der Band aus. Mit “This Town“ endet das Album “The Sonic Ranch“ von Midland. Diese Laid Back Ballade, unterstützt von Hammond B3 Organ und Piano, lässt die Hörer mit einem entspannten und vergnüglichen Gefühl zurück. Dieser Blick in das “Making Of“ der Band Midland ist ein gelungener, wenn auch riskanter, Schachzug in der heutigen Zeit auf sich aufmerksam zu machen. *************************************************************************************

Brent Funkhouser – The Next Karaoke Star

(VÖ: 03.03.2021) Americana Songs am laufenden Band hat Brent Funkhouser auf sein Erstlingswerk gepackt. Bob Dylan lässt grüßen, Red Dirt Sound á la Turnpike Troubadours gemischt mit Singer Songwriter Balladen teils mit Celli unterlegt, das begegnet den Hörern seines selbst produzierten Albums “The Next Karaoke Star“. Leider ist das Werk technisch nicht überzeugend. Der Sound ist dumpf, irgendwie unaufgeräumt und hinterlässt eine düstere Stimmung. Absicht oder nicht, wenn der Anspruch an sich und die Botschaft überzogen wird, kann es leicht passieren, dass sich Konsumenten abwenden. Die herausgehobene Single “The Blues, Mary“ ist solch ein Beispiel. Mit fünfeinhalb Minuten viel zu lang, durch die Streichersequenzen überladen und einfach “too much“. Leider kann Brent Funkhouser mit seiner Stimme keine höhere Aufmerksamkeit erlangen. Ein weiteres fünfeinhalb Minuten Werk, “I Really Mean“ ist langatmig und wenig begeisternd. Der zehnte und letzte Titel ist wieder fünf Minuten lang und so bringt es das Album auf 42 Minuten Langeweile. Keine Abwechslung, dem Blues viel zu viel Raum gewährt und dazu weder stimmlich noch instrumental, geschweige denn im Arrangement ausgearbeitet, taugt dieses Album eher dazu als Ladenhüter zu enden. *************************************************************************************

Corb Lund – Agricultural Tragic Deluxe

(VÖ: 26.06.2020) Fleißig ist er, der Corb Lund. Vielfach in seiner Heimat Kanada mit Preisen bedacht, hat er seit seinem ersten Album “Modern Pain“ aus dem Jahr 1995 mittlerweile mit dem neuen Album “Agricultural Tragic“ sein zehntes Studioalbum veröffentlicht. Mit “90 Seconds Of Your Time“ beginnt das Album recht ungewöhnlich mit einem Sound irgendwo zwischen den Beatles, Rolling Stones und ja was eigentlich? Mit “Old Men“ folgt eine Ballade mit Country Sound bevor mit dem Duett mit Jaida Dreyer, “I Think You Oughta Try Whiskey“ ein bestenfalls Thekenknaller erklingt. 16 Titel umfasst das Album “Agricultural Tragic“ und die wahre Tragik wäre es, wenn in Kanada keine besseren Interpreten zu finden wären, die man mit Preisen bedenken könnte. *************************************************************************************

Mark Chesnutt – Live From The Honky Tonk

(VÖ: 12.02.2021) Ja, er ist einer der ganz großen Abräumer der 1990er Jahre. Die fetten Jahre sind für Mark Chesnutt aber scheinbar vorbei. Seine letzte Nummer Eins, “I Don’t Want To Miss A Thing“ stammt aus 1998. Natürlich sind alle seine Nummer Eins Titel auf dem Livemitschnitt seines Konzertes im Honky Tonk “The Trap“ in Nashville vertreten. Das Doppelalbum präsentiert einen Mark Chesnutt “at his best“. Medleys mit Songs von Waylon Jennings, George Jones oder Johnny Cash ergänzen die Bestenliste seiner eigenen Erfolge. Hinzu kommen einige Coverversionen von sehr bekannten Titeln. Insgesamt 27 Songs bekommt man geboten. Die knalligen Drums, fetten Gitarrenriffs und ein stets präsenter Mark Chesnutt versetzt die Hörer in jene Zeit und man bekommt eineinhalb Stunden Country Music, die man auch so nennen darf. Konzertmitschnitte sind ja immer so eine Sache. Hier jedoch hat es sich gelohnt. Das ist feine Musik, gut in Szene gesetzt, ohne überflüssig lange Saalakustik. Wer Mark Chesnutt noch nicht auf dem Schirm hatte, wird hier hervorragend bedient. Die Fans reihen das Album sicher in ihre Sammlung ein. Was mit “It’s A Little Too Late“ begann, endet mit “I Don’t Want To Miss A Thing“, in welchem die Band erst einmal Konzertathmosphäre schaffen darf, bevor Mark Chesnutt seinen größten Charterfolg präsentiert. Das Album “Live From The Honky Tonk“ ist sicher kein Muss aber ein “Nice To Have“. *************************************************************************************

Aaron Crawford – Honky Tonk Electricity

(VÖ: 03.2021) Aaron Crawford stammt aus Seattle, Washington, ganz im Nordwesten der USA. Country Music aus diesem Teil der Staaten? Na ja, wie man’s nimmt. Aaron Crawford ist ein Musiker, der Country Music mit Seattle Sound verbindet. Was mit Bands wie Nirvana, The Foo Fighters oder Pearl Jam unter der Bezeichnung Grunge als eine Spielart der Rock Music begann, fügt Aaron Crawford zu seiner Country Music hinzu. Da ist schon mal jede Menge Rock im Gepäck. Aber auch absolut radiotaugliche Balladen wie “It Ain’t Complicated“, das nach den ersten drei Titeln seines neuen und vierten Albums “Honky Tonk Electricity“ für eine Atempause sorgt. Die elf Titel des Albums lassen keinen Zweifel, Aaron Crawford fühlt sich der traditionellen Country Music verpflichtet. Das drückt sich durch seine Texte und auch durch Instrumentierung aus. Allerdings versteht er es, seine Arrangements mit den Rock Elementen geschickt zu verbinden. Heraus kommt eine frische, moderne Mischung, die ganz sicher in den Charts und im Radio gewürdigt werden wird. Nach dem Titel “This Town“, der wieder jede Menge Rock präsentiert, erzählt Aaron Crawford in der gefühlvollen Ballade “Priceless“ von den nicht erfüllten Träumen, die Eltern nicht mehr realisieren konnten. Die Botschaft an den Sohn lautet: egal, was das Leben kostet, du bist unbezahlbar. “Hotel Lovin‘“ ist dann wieder ein rockiger Titel, der an die 1960er Jahre erinnert. Eine Erinnerung an den Tag der Vermählung lässt Aaron Crawford im Titel “Wedding Day Rewind“ mit flotten, beinahe poppigen Klängen aufblühen. Wie es sich für einen Independent Künstler gehört, ist auch ein Titel wie “Drunk Or Stoned“ mit von der Partie. Was zu Beginn mit dem Titelsong “Honky Tonk Electricity“ eine noch etwas eigenwillige Interpretation von Country Music darstellte, Song für Song wird man mit der Music von Aaron Crawford vertrauter. Also ganz ehrlich, es gibt weniger unterhaltsame Produktionen. Das macht schon Spaß beim Zuhören. *************************************************************************************

Clint King – How Do I

(VÖ: 03.2021) Was kann ein Musiker wie Clint King in Corona Zeiten anderes tun, als ein eigenes Album zu veröffentlichen? Er hat mit so vielen Künstlern auf der Bühne gestanden und mit seinem Gitarre Spiel manches Konzert absolviert. Mit “How Do I“ stellt er erstmals seine eigene Country Music vor. Gleich nach dem, mit Laura Turner geschriebenen Titelsong, erklingt mit “Sad Song“ ein Titel, der zum großen Teil aus der Melodie von “Mamas Don’t Let Your Babies Grow Up To Be Cowboys“ besteht. Das Clint King dann eine Abwandlung einbindet, macht die Verwirrung nicht kleiner. Manches Arrangement klingt ungewöhnlich unfertig. Aber halt, das ist nach eigenen Angaben eher beabsichtigt. So hat Clint King etliche Titel im One Take Verfahren aufgenommen, um eine möglichst hohe Authentizität herzustellen. Dabei stehen natürlich seine Fähigkeiten als Gitarrist im Vordergrund. Meist sind seine Songs leichtes Singer/Songwriter Material wie bei “My Forever“ mit der Harmoniestimme von Laura Turner. “Smokey Eyes“ scheint eine Hommage an den Gitarren Sound der 1950er Jahre zu sein. Durchaus nachvollziehbare Melancholie zieht sich durch die zehn Titel des Albums “How Do I“ von Clint King. So bei “When It’s My Time To Die“ mit den Gedanken wie es sein wird, wenn man gehen muss. Der Schlusstitel “Endure“, ein von Piano getragenes Instrumentalstück drückt aus, was gerade in der Pandemiezeit viele Menschen beschäftigt. Was kommt noch alles auf uns zu und was müssen wir noch ertragen? Dieses Album ist eher etwas für Liebhaber ruhigerer Klänge und ein Beispiel dafür, dass ein toller Gitarrist nicht immer ein guter Geschichtenerzähler ist. *************************************************************************************

Nick Norman – Nick Norman

(VÖ: 05.03.2021) Nick Norman, schon mal gehört? Wer das recherchieren will, muss tief graben. Eher geheim gehalten werden soll, dass der Sänger aus South Carolina schon mehrere Anläufe machte, im Musikgeschäft Fuß zu fassen. Country Music war bislang nicht darunter. Nun also mit dem Debütalbum “Nick Norman“ im neuen Genre, hat er ein elf Titel umfassendes Album veröffentlicht, welches einen Bogen spannt zwischen Soul, R&B, Pop und ein wenig Country. Eine Klavierballade, “All In“, die verdächtig an James Blunt erinnert, eine Metapher bei “The Cock Crows“ wird von Jamey Johnson unterstützt, eine R&B Ballade mit Partnerin Rebecca Lynn Howard oder “Rolling In The Grave“, welches als Singer/Songwriter Titel beginnt und sich in einen Partysong wandelt bei dem Josh Abbott mit schrammelt, alle diese Titel können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Nick Norman in der Country Music nicht angekommen ist. Lediglich beim Titel “Life Is Good“ entdeckt man seine Country Stimme. Ist halt nicht so leicht, das alte Training der Stimme als Pop Barde abzulegen. Dabei kann der Sänger tatsächlich intensiv und gekonnt phrasieren und weiß seine Stimme wandelbar einzusetzen. Country Rocker Lee Brice, der Jugendfreund von Nick Norman, zögerte nicht, ihn als Produzent unter Vertrag zu nehmen. Schnell sind die Titel gehört und das war es aber auch. *************************************************************************************

Reba McEntire – Women To The Front

(VÖ: 05.03.2021) Auch Reba McEntire konnte nicht widerstehen, dem quasi Berufsverbot durch die Corona Pandemie eine EP als Lebenszeichen von sich zu veröffentlichen. Sechs Titel erinnern an die beeindruckende Liste von Songs, die Reba in die Charts brachte. Der Opener “I’m A Woman“ aus dem Jahr 1979 war aber keine Chartplatzierung für Reba McEntire sondern für Jeanne Pruett. Doch schon der folgende Song, “Is There Life Out There“ war 1992 eine Nummer Eins. “My Sister“, “State Of Grace“ und “I Won’t Stand In Line“ waren auch eher weniger erfolgreich für den Top Star der 1990er Jahre mit dem feuerroten Haarschopf. Zum Schluss der EP “Women To The Front“ erklingt dann mit “How Was I To Know“ wieder ein Titel aus der langen Reihe der Nummer Eins Erfolge für Reba McEntire. In der Tat ist es schön von Reba wieder was zu hören, ihr letztes Album stammt ja aus 2019. Diese EP muss aber nicht in jedes Regal einsortiert werden. *************************************************************************************

Tony Smith – Stir The Embers

(VÖ: 2021) Country Music made in Australia hat Tony Smith mittels Crowd Funding in ein Album gepackt. Und er hat einiges zu erzählen. Sein Leben von und mit der Natur, die Naturgewalten wie riesige Feuersbrünste, Flutkatastrophen oder der tägliche Kampf, der Erde eine Ernte abzuringen. All dies prägte den Mann aus dem kleinen Ort Wentworth im australischen Bundesstaat New South Wales. Seine Songs sind ruhige Balladen, die auch die Beziehungen zwischen Liebenden nicht auslassen. “Lean On Me“ ist eine geradlinige Ballade voller Zuversicht. “Smoke And Mirrors“ zieht eine Lebensbilanz und “Dirt Kids“ beschreibt wie „schmutzige“ Kinder aufwachsen. Dem Titelsong des Albums “Stir The Embers“ widmet Tony Smith fünfeinhalb Minuten und zeichnet ein Bild vom Lagerfeuer in welchem die Glut angefacht werden muss. Der Geist der alten Gitarre, die in der Zimmerecke steht, inspirierte ihn zu “The Ghost Of This Guitar“, eine locker flockige Ballade. Das Album “Stir The Embers“ entfacht beileibe keine Glut beim Zuhören. Es bietet aber einen liebenswerten Blick nach Down Under. Rein und unschuldig kommen die Titel daher und sind befreit von allem, was auf Chart Music deuten könnte. Wenig spektakulär und dennoch als Unterhaltung durchaus geeignet. *************************************************************************************

Trace Adkins – Trace 25: Dreamin‘ Out Loud

(VÖ: 27.02.2021) Auf 25 Jahre Chartpräsenz blickt Trace Adkins zurück und veröffentlicht das Album “Trace 25: Dreamin‘ Out Loud“. Neun seiner Top Platzierungen in den Charts hat er nun erneut veröffentlicht. Mit “There’s A Girl In Texas“ über “(This Ain‘t No) Thinkin‘ Thing“ bis “You’re Gonna Miss This“ und “Ladies Love Country Boys“ feiert Trace Adkins seine Nummer Eins Charterfolge seit seinem ersten Erscheinen in den Bestenlisten seit 1996. Seine Fans haben all diese Titel natürlich schon in der Sammlung. So ist auch dieses Album lediglich ein Versuch nicht in Vergessenheit zu geraten. Ist ja auch schon einige Zeit vergangen seit seinem letzten Studioalbum “Something’s Going On“ aus 2017. Es wäre allemal schöner den hünenhaften Country Interpret Trace Adkins mal wieder live in Action zu sehen und zu hören. *************************************************************************************

Clint Roberts – Rose Songs

(VÖ: 26.02.2021) Clint Roberts stammt aus einer kleinen Stadt in North Carolina und hat sich seine musikalischen Skills nach und nach selbst beigebracht. Angefangen hatte alles mit einer Ukulele. Über Banjo kam er zur Gitarre und in Berührung mit dem Merle Travis Picking Style. Damit verfügt der junge Mann über ausreichend Mittel, seine Musik dem Publikum als One Man Band näherzubringen. Nach eigenen Angaben hat die Arbeit an seinem Debütalbum “Rose Songs“ mehr als 5 Jahre gedauert. „Rose Songs ist für mich ein Abschließen mit vielen Dingen aus meiner Vergangenheit und gleichzeitig ein hoffnungsvoller Blich in meine Zukunft.“ So beschreibt Clint Roberts sein Outcoming Project. Gleich mit den ersten Balladen “Nero’s Waltz“ und “The Drifter“ malt er eindrucksvolle musikalische Bilder. Zudem verfügt er über eine “völlig normale“ Stimme, die ihn aber ganz nah an die Hörer herankommen lässt. Die ersten beiden Songs sind als Bonus Tracks No. 11 und 12 in jeweiliger Akustikversion angefügt. In bester Singer/Songwriter Manier dauern viele Titel über vier Minuten. Ein Blick auf die Lyrics bei “Nero’s Waltz“ offenbart eine politische Satire gegen den, wie Clint Roberts es ausdrückt, unternehmerischen und kulturellen Nihilismus in Amerika, der gern unter dem Deckmantel höherer Tugend und gottgegebenen Rechts präsentiert wird. Feine Laid Back Balladen wie “Annabelle“ folgen dem Anspruch von Clint Roberts, ein Album mit tiefer gehenden Botschaften zu präsentieren. “Amarillo“, “Broken Horns“ oder “Carolina Moon“ setzen diesen Anspruch fort. An dem Titel “Chrysalis“ hat Clint Roberts über fünf Jahre gearbeitet und ihn regelrecht konstruiert. Heraus kam eine fünfeinhalb Minuten dauernde bittere Ballade über die Einsamkeit. Musikalisch ist das Album “Rose Songs“ von Clint Roberts eher im Americana angesiedelt. Eine knappe Stunde voller klagender Balladen könnte dem einen oder der anderen leicht zu viel werden. Hörenswert ist das aber allemal. *************************************************************************************

Dale Watson – Dale Watson Presents The Memphians

(VÖ: 26.02.2021) Was hat man als Fan von Dale Watson schon alles erleben dürfen. Er ist und bleibt ein Unikum. Sein neues Werk verblüfft erneut. Nachdem er seinen Wohnsitz nach Memphis verlegte, konnte er sich wohl der musikgeschichtlich Hochbedeutung dieser Stadt nicht entziehen. So entstanden zehn Instrumentaltitel, die, wie aus der Zeit gefallen, die 1950er Jahre musikalisch zurückholen. Mit dem typischen Gitarrensound, wie einst hierzulande von Ricky King zelebriert, und mit der Hammond B-3 Organ garniert, erklingen die Titel mal im Pop Sound jener Jahre oder swingend zum Tanzen einladend. Mit “Deep Eddy“ huldigt Dale Watson dem Stargitarristen Duane Eddy unverblümt. Mit diesem Projekt dokumentiert Dale Watson einmal mehr seine Fähigkeiten mit den sechs Saiten seiner Gitarren umzugehen. Bei “Hernando’s Swang“ sieht man die Petticoats der Damen fliegen und die Bleistiftbinder der Herren, die nur mühsam in den Jacketts gehalten werden. Typisch für Dale Watson, dass er den letzten Titel des Albums “Dale Watson Presents The Memphians“ dem Gitarristen Gary Claxton gewidmet hat, der sich im Januar 2011 im Alter von 50 Jahren das Leben nahm. Dale Watson hat mit diesem Album ganz sicher all jenen eine Freude gemacht, die die Musik jener Zeit noch live erlebt haben. Aber auch jenen, die gern einmal über den Tellerrand der Einheitssuppenschüssel der Pop Music hinausschauen möchten. Eine tolle Idee und zudem hervorragend eingespielt und arrangiert. *************************************************************************************

Hailey Whitters – Living The Dream (Deluxe Edition)

(VÖ: 26.02.2021) Das Album “The Dream“ aus dem Jahr 2020 von Hailey Whitters hatte trotz sehr vielen Lobpreisungen der Fachpresse in de USA offensichtlich nicht den erhofften kommerziellen Erfolg. Was tun in Zeiten von Corona? Na klar, man nimmt die 12 Songs, möbelt alles ein wenig auf, fügt fünf weitere Titel hinzu und verkauft das Ganze als Deluxe Edition unter dem Namen des letzten Songs des Vorgängeralbums “Living The Dream“. So sind die ersten 12 Titel die bekannte Popmusik von Hailey Whitters, die sich immer noch im Girlie Image zuhause fühlt. In den Pop Arrangements sorgt man mit etlichen Tricks die Gesangsqualitäten der Sängerin aus Iowa auf die Sprünge zu helfen. Hailey Whitters hat Songs u.a. für Little Big Town geschrieben. So ist auch der erste Deluxe Titel, “Fillin‘ My Cup“ mit Little Big Town zusammen eingesungen. Interessanter wird es bei “Glad To Be Here“ dem Duett mit Brent Cobb. Allerdings wird auch hier dem Pop gehuldigt. “How Far Can I Go“ mit Trisha Yearwood, “How To Break A Heart“ mit Unterstützung durch Lori McKenna und Hillary Lindsey und schon gar nicht der Schlusstitel “The Ride“ feat. Jordan Davis können dem ursprünglichen Material des Albums “The Dream“ mehr Glanz verleihen. Ein netter Versuch aber völlig unnötig als drittes Album überhaupt, ein aufgewärmtes Produkt den Fans unterjubeln zu wollen. Man möchte Hailey Whitters zurufen: „Hailey, werde erwachsen.“ *************************************************************************************

Ray Stevens – Great Country Ballads

(VÖ: 02.2021) Ganz ohne Frage ist Ray Stevens einer der letzten ganz großen Sänger der Country Music der 1960er und 1970er Jahre. Mit nunmehr über 80 Lebensjahren demonstriert er noch einmal, was er aus den zwölf großen Balladen der Country Music machen kann. Er beginnt mit “Please Help Me I’m Falling“ und “Crazy“ führt dann mit “City Lights“, “Your Cheatin‘ Heart“, “Bouquet Of Roses“ und “Crying Time“ bis zu “Til I Get It Right“. Bewundernswert, dass sich Ray Stevens in diesem Alter noch einmal dem Publikum stellt. Allerdings wird sein Publikum nur aus wenigen Puristen, Nostalgikern und Sammlern bestehen. Das ist in der tat nicht mehr zeitgemäß. Aber Ray Stevens macht noch einmal auf unvergessene Klassiker der Country Music aufmerksam. Kaum zu glauben, dass es dafür heutzutage noch ein Publikum gibt. Ray Stevens ist zu wünschen, dass er bei bester Gesundheit weiter Spaß an der Musik hat. Einige wenige Fans werden mit ihm feiern. *************************************************************************************

Carly Pearce – 29

(VÖ: 19.02.2021) Es wurde langsam Zeit, dass Carly Pearce ihr Girlie Image ablegt, was ihr mit der EP “29“ auch gelang. Schade, dass sie einen steinigen Weg gehen musste, um nicht nur die Teenager Zimmer zu erreichen. Eine Scheidung, nach wenigen Monaten Ehe, hat tiefe Wunden bei ihr hinterlassen. Das unterstreicht Carly Pearce gleich zu Beginn mit dem Song “Next Girl“. Darin versucht die “Ex“ der Neuen zu sagen, was sie erwarten wird. In einer Zeile taucht dabei der Zweifel an der eigenen Schuld auf. Verstärkt wird das Thema Trennung und Schuld im Titel “Should Have Known Better“. Der Ex hatte es geschafft die Schuld an der Trennung ihr in die Schuhe zu schieben. Das hat autobiographische Züge. “Liability“ stellt die Lügen, die der Ex ihr auftischt, in den Vordergrund und arbeitet weiter an dem roten Faden der EP “29“. Mit dem Titelsong “29“ gibt es keinen Zweifel mehr. Diese Songs musste Carly Pearce schreiben, um sich selbst zu therapieren. Persönlicher geht es nicht. Alle Fans berührender Geschichten um zerbrochene Beziehungen bekommen hier einen authentischen Einblick in die Bitterkeit danach. Mit den sieben Titeln auf “29“ zeigt Carly Pearce die verletzte Frau und keinesfalls das Girlie von einst. Ein Album das voller Emotion von einer berührend eingesungenen Intensität ist. Das ist Country Music in modernem und mit viel Aufmerksamkeit eingearbeiteten Arrangement. Carly Pearce und “29“ ist absolut hörenswert. *************************************************************************************

Dale Harper & The Highlanders – Ghost Town

(VÖ: 02.2021) Seit den späten 1980er Jahren ist Dale Harper als Musiker, Singer/Songwriter und Bandleader unterwegs. Stets hat der Mann aus West Virginia Country Music und Southern Rock gespielt und diese Genres verbunden. Er stellt den Typ des Outlaws dar, wie es besser kaum geht. So fängt sein Album “Ghost Town“ auch mit dem Titel “Call Me An Outlaw“ an. Gelungener Groove, kraftvoller Gesang und feine Gitarrenriffs rahmen den Song ein. Eine tolle Ballade in zurückgenommenem Tempo ist “Funny How Sounds“. Dale Harper überschreibt seine Homepage mit: „I’m an analog man in a digital world!“ Wie sympathisch. Von sich selbst gibt er nur preis, dass er das Gitarre Spiel von seinem Vater bereits mit 8 Jahren lernte. Als der Vater wenige Jahre später starb, warf es den pubertierenden Dale aus der Bahn. Nach eigenen Angaben hatte er jede Menge auf dem Kerbholz bevor er zu Gott fand, was ihn wieder auf den rechten Weg führte. In der Country Rock Ballade “Ghost Town“ skizziert Dale Harper das Leben in einer verlassenen Stadt, die einst prosperierte. Mit dem Titel “On And On“ schließt sich eine weitere intensive Ballade an, die die 5 Minuten überschreiten darf. Manche Geschichte muss eben länger erzählt werden. Dale Harper schafft es, sowohl an George Jones als auch an Travis Tritt oder Waylon Jennings zu erinnern. Gerade bei “You’re Not Here“. Alle Achtung. Mit “The Gift“ setzt er seinem Vater ein musikalisches Denkmal. Darin beschreibt er das Geschenk seiner ersten Gitarre und seinen Weg, der sich daran anschloss. Mit einem fetzigen “What’s Going On“ á la Lynard Skynard schließt das Album “Ghost Town“ von Dale Harper und hinterlässt das wohlige Gefühl, dass es solche ursprüngliche Country Rock Musik noch gibt. “I’ve never been in Nashville.“, singt Dale Harper in “The Gift“. Und das scheint auch gut so zu sein. Im Übrigen von seinen Bandkollegen der Highlanders (eine Hommage an seine schottischen Vorfahren) hervorragend in Szene gesetzt. *************************************************************************************

Willie Nelson – That’s Life

(VÖ: 26.02.2021) Das 71. (!) Solo Studio Album von Willie Nelson ist nach 2018 (Album “My Way“) erneut dem vielleicht größten Entertainer, Frank Sinatra, gewidmet. Willie Nelson lässt mit den 11 Titeln jede Menge American Chansons und Jazz erklingen. Jazz Fans kommen da sicher auf ihre Kosten. Warum wird das in einem Country Music Magazin vorgestellt? Na ja, erstens handelt es sich um Willie Nelson, einen der letzten Urgesteine u.a. der Country Music. Zweitens setzt Willie Nelson fort, was er seine ganze Karriere hindurch immer wieder getan hat. Er verbindet Jazz und Country oder widmet sich ganz dem Jazz. Übrigens schadet ein Blick über den Tellerrand hinaus ja nicht. Country Music Fans werden hier nicht fündig. Ob “That’s Life“, “I’ve Got You Under My Skin“ oder “Learning The Blues“, mit dem Album “That’s Life“ ehrt ein ganz Großer der Country Music einen ganz Großen der modernen Musik. *************************************************************************************

Jacob Bryant – Practice What I Preach Deluxe Edition

(VÖ:02.2021) Bereits im Februar 2019 erschien das Album “Practice What I Preach“ von Jacob Bryant mit 12 Songs. Jetzt in der Saure Gurken Zeit der Pandemie erscheint eine Deluxe Version, die um fünf Titel erweitert wurde. Der Mann aus Georgia präsentiert Musik, die mehr Rock als Country beinhaltet. Harte Gitarrenriffs, donnernde Drums und Hard Rock Arrangements stressen mehr als sie gefallen können. Die Deluxe Version setzt fort, was vor zwei Jahren als Debütalbum für Jacob Bryant begann. Hoffentlich wird sich die Country Music nicht weiter in eine solche Richtung verändern. Das hat mit Country Music nur noch am Rande zu tun. *************************************************************************************

Florida Georgia Line – Life Rolls On

(VÖ: 12.02.2021) So sehr lange sind Tyler Hubbard und Brian Kelley als Duo Florida Georgia Line nicht unterwegs. Dennoch haben sich die beiden einen Namen gemacht als moderne Country Music Interpreten, die 2012 als ihr erstes Album erschien, als Erneuerer hochgejubelt wurden. Mittlerweile sind ihre Titel, wie auf dem neuen Album “Life Rolls On“ schon beinahe traditionell, betrachtet man die Entwicklung der Country Rock Music der jüngsten Zeit. Modern ist ja absolut okay, neue Wege gehen ebenso. Was aber mit diesen “Erneuerern“ losgetreten wurde, ist manchmal schwer zu ertragen. Wenn Florida Georgia Line beispielsweise ihr “I Love My Country“ zelebrieren, wünscht man sich etwas mehr Geschmeidigkeit und weniger Druck. Nach den 16 Titeln dieses Albums ist es aber auch mal wieder gut mit der Moderne. Da ist so viel Pop-Rock Gedöns unterlegt, dass einem der Gedanke an Country Music schon mal verloren geht. Nach dem unsäglichen “America First“ Gefasel hat man hierzulande vielleicht genug von der Red White And Blue Verherrlichung. Leider sind Florida Georgia Line solche Vertreter und dokumentieren dies mit dem Titel “U.S. Stronger“. Verspielte Arrangements und Computer Zeug, das macht beim Zuhören nicht gerade Spaß. Von guter, wirklich konstruierter anspruchsvoller Musik mal ganz zu schweigen. Diese Dreiviertelstunde des Zuhörens kann verdammt lang sein. *************************************************************************************

Randy C. Moore – Lufkin

(VÖ: 05.01.2021) Ganz sicher ist Randy C. Moore einer der bestausgebildetsten Musiker, Interpret und Songschreiber. Der Mann aus Humble, Texas, studierte in Nashville an der Belmont University Songschreiben und Aufnahmetechnik. Er war Opening Act für etliche der ganz großen Stars wie LeAnn Rimes, Vince Gill, David Allen Coe und seine Songs wurden von vielen Stars aufgenommen. Als Songschreiber ist er sehr gefragt uns seine Radio Show wird weltweit ausgestrahlt. Nach seinem ersten Album “Hxy 59“ liegt nun das zweite Album “Lufkin“ vor und bietet mit 10 Songs eine gute halbe Stunde mit ruhiger, stimmungsvoller Musik. Das Konzept ist so einfach wie genial. Randy C. Moore erzählt aus dem normalen Leben seiner Heimat. Die texanische Kleinstadt Lufkin steht hier stellvertretend für so viele kleine Orte auf dem Land, wo das Leben zwar manchmal hart, aber auch auf die wenigen wirklich wichtigen Dinge reduziert ist. So handeln die Songs von Randy C. Moore von der Hausmusik, vom Fischen mit dem Vater, vom Cowboy, vom Abhängen im Saloon, vom besten Freund des Menschen oder von den Träumen vom Erfolg, die so viele Künstler in Nashville haben. Das alles in Laid Back Balladen verpackt, bietet das Album “Lufkin“ feine Erzählkunst, die mit schöner Musik unterlegt ist. Da gibt es keine Ausreißer in Stil oder Genre. Das ist aus einem Guss und präsentiert eine selten gewordene Lässigkeit im Vortrag. Wohlwissend, dass man mit diesem Songmaterial keine Charts stürmen wird. Gerade deswegen ist “Lufkin“ von Randy C. Moore absolut hörenswert. *************************************************************************************

Lucas Hoge – Sunday Sessions

(VÖ: 22.01.2021) Tiefer christlicher Glaube ist in der amerikanischen Gesellschaft fest verankert. Die Verehrung Gottes und seines Sohnes, ist zudem für viele gläubige Menschen auch hierzulande ein fundamentaler Ankerpunkt des Lebens. Ein Bekenntnis zum Glauben an Gott ist das Album “Sunday Sessions“ von Lucas Hoge. Der Mann aus Nebraska hat 10 Titel auf das Album gepackt, die instrumental fein eingespielt und mit viel Achtsamkeit arrangiert und letztlich produziert wurden. Lucas Hoge, der als Frontmann mehrere Bands, meist mit christlicher Botschaft, fungierte, ist ein überzeugter und überzeugender Erzähler der frohen Botschaft von der Allgegenwart Gottes. Selbst wenn man die Lyrics nicht Zeile für Zeile nachvollziehen kann, gibt die Inbrunst, mit der Lucas Hoge seine Songs vorträgt, ein Wohlgefühl beim Zuhören. Da steckt Titel für Titel Hoffnung und Vertrauen auf die Gnade Gottes drin. Auch wenn viele Menschen diese Seite menschlichen Daseins negieren oder ablehnen, ist es immer beeindruckend, auf Menschen wie Lucas Hoge zu treffen. Ob “Sweet By And By“, “Power In The Blood“ oder “How Great Thou Art“, von einem eindrucksvollen Sänger wie Lucas Hoge vorgetragen, man kann sich diesem Genre schwer entziehen. Einen Sonntagmorgen kann man ganz sicher mit dieser Musik wunderbar gestalten. Gerade in Zeiten, die viele von uns verunsichern. Ist man gläubig oder nicht, Lucas Hoge hat für sich und sicher für viele Überzeugte und Zweifler eine fest gefügte Antwort. Es lohnt sich da einmal hinzuhören. Schöne Musik ist es allemal. Eine allgegenwärtige virtuos gespielte Dobro sorgt für ein echtes Wohlgefühl. *************************************************************************************

Mary Chapin Carpenter – The Dirt And The Stars

(VÖ: 07.08.2020) Fans feiner Lyrics, die manchmal so verblüffende Wendungen nehmen, und Fans ganz ausgeklügelter Musik mal als Americana, mal als American Chanson und selten als Country Music Anlehnung wissen um die Qualitäten von Mary Chapin Carpenter. Die Sängerin aus New Jersey ist seit über 30 Jahren eine ganz bedeutende Künstlerin dieser Genres. Sie als Country Sängerin zu bezeichnen, wäre nicht gerecht. Sie ist viel mehr. Fast immer stemmt sie sich gegen Mainstream und bietet ihren Fans musikalisches Seelenfutter vom Allerfeinsten. Leichte Unterhaltung ist einfach nicht ihr Ding und so lässt sie ihre Titel auch gerne mal vier, fünf oder bis zu sieben Minuten weilen. Da versteht es sich von selbst, dass die musikalische Untermalung nur von richtigen Könnern ihres Fachs gestaltet wird. Das ist immer eine Freude zu hören. Den Andeutungen und Narrativen ihrer Songs zu folgen, ist nicht immer leicht.  Country Music sucht man auch auf dem Album “The Dirt And The Stars“ vergebens. Mary Chapin Carpenter kann ihre Vergangenheit in der Folk Music Szene nicht verleugnen. Allerdings hat sie dieses Genre mit ihren Ansprüchen angereichert. Ihre Stimme, die oft dunkel dann aber wieder angehoben intensiv die Hörer fasziniert, ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal für die Sängerin. Oft sind bittere Lebensweisheiten die Inhalte ihrer Songs. So wie bei “Asking For A Friend“ oder bei “It’s Ok To Feel Sad“. Die nachdenklichen Parts werden gern von Piano und Cello untermalt oder von Mary Chapin Carpenter mehr gehaucht als gesungen. Mit dem Titelsong “The Dirt And The Stars“ blickt eine Frau in ihren besten Jahren mit einer wissenden Sehnsucht auf das zurück, was damals leicht und flüchtig war. Da ist eine Künstlerin auf dem Zenit ihres Ausdruckes und anspruchsvoller Botschaften angekommen. Das ist keine leichte Kost und damit umso wertvoller in der heutigen Ex und Hopp Zeit. Ob eine B3 Organ oder eine wunderbar nostalgisch gespielte halbakustische Gitarre die Songs umschmeicheln, da ist jede Menge Raum gelassen für diese künstlerischen Elemente. Das allein ist das Hören des Albums “The Dirt And The Stars“ von Mary Chapin Carpenter wert. Welch ein Genuss. Mit zwei Bonus Tracks ist das Album somit auf 13 Songs und über eine Stunde Spieldauer eine echte Bereicherung gut sortierter Musiksammlungen. *************************************************************************************

Michael Hearne – Better Days

(VÖ: 18.01.2021) Es gibt sie noch, die Singer und Songwriter, die mit eher leisen Tönen und feinen Texten begeistern können. Michael Hearne ist solch ein Könner. Der so untypisch zurückhaltende Texaner, macht seit über vierzig Jahren eine Mischung aus Folk und Country Music und unterhält seine Hörer auf eine unaufdringliche und dennoch eindringliche Weise. Wenn er etwa bei “Tennessee Road“ an den großen Elvis Presley erinnert oder bei “A Song For John Prine“ an den 2020 verstorbenen Meister des Songschreibens gedenkt, Michael Hearne setzt eine liebgewonnene Tradition fort. So sind seine Songs eine Demonstration, wie man auch ohne Arrangement Tricks gute musikalische Unterhaltung präsentieren kann. Die Nähe seiner Heimat zu Mexico hat ihn sicher für den Titel “Una Mas, Por Favor“ inspiriert. Man möchte einstimmen: davon darf es ruhig etwas mehr sein. Zum Schluss des Albums “Better Days“ erinnert er mit “Mother Nature“ daran, dass wir doch nur ein kleiner Teil eines großen Ganzen sind. So verbindet Michael Hearne Aussagen mit feiner Musik, die sowohl unterhält aber auch einmal innehalten lässt. Das ist beileibe keine charttaugliche Radio Play Music. Und genau das macht den Wert dieses Albums aus. Eine Ruhe Oase in der oft so übertrieben hektischen Zeit, von der wir uns so gern einmal eine Pause wünschen. “Better Days“ von Michael Hearne ist so eine Möglichkeit des Entspannens. *************************************************************************************

The Small Town Sinners – Union Ave

(VÖ: 05.11.2020) Punk, Grunge, Blues, Rock trifft manchmal auf Country. Die drei Männer und die Frau, die vermutlich die Jungs der Band voll im Griff hat, das sind The Small Town Sinners. “Union Ave“, mit dem Coverbild aus Bakersfield, ist das Debütalbum der Band. Sie entziehen sich jeglicher Versuche, sie in eine Musikrichtung zu verorten. Das ist Avantgarde pur und somit keine einfache Kost. Wenn mal Songs wie “Where We Go“ im Bob Dylan Sound ertönen oder “Cheaters Love Song“ á la Townes Van Zandt, ist die außergewöhnliche musikalische Anspruchshaltung der Band greifbar. “Union Ave“ ist ein ganz und gar ungewöhnliches Album. Mit 15 Titeln ist dieser Ausflug in die Hemisphäre der Musik für Fans von Kunst fernab des Mainstream ein fetter Happen. Country Music Fans werden hier sicher nicht fündig. Interessant aber dennoch. *************************************************************************************

Tony Kerr – Crying My Heart Out Over You

(VÖ: 2021) Fans alter Country Music Songs oder Titel aus längst vergangener Zeit, aufgepasst: Das Album des irischen Country Sängers Tony Kerr, “Crying My Heart Out Over You“, bietet genau das. Wunderbar nostalgische Titel, wie den Titelsong oder den Merle Haggard Klassiker “Silver Wings“. Oder “Don’t Let Me Cross Over“, eine Nummer Eins für Carl & Pearl Butler im Jahr 1962. Wer bei “Back In Love By Monday“ nicht ins Schwärmen gerät, hat allerhöchstens die Gnade der späten Geburt. Nicht zu vergessen, das Duett mit Leona Williams, “Just Between The Two Of Us“, welches einst Merle Haggard mit Ehefrau Bonnie Owens einsang. Das Album des hierzulande recht unbekannten Iren Tony Kerr ist eine liebevolle Erinnerung an alte Zeiten. Aber nicht nur das. Tony Kerr ist ein richtig guter Country Sänger und mit diesem Album rührt er an das Herz eines jeden Fans guter alter Country Music. Oh wie selten gibt es solches heutzutage. *************************************************************************************

Branded Bluegrass – Somebody‘s Child

(VÖ: 11.01.2021) Ein Familienprojekt von Larry Norfleet, Jesse Norfleet und Tristen Norfleet, ergänzt durch Upright Bass Player Mike Martin ist unter dem Bandnamen Branded Bluegrass am Start. Alle Mitglieder spielten schon länger in verschiedenen Bands der Bluegrass Music. So ist auch das Album “Somebody‘s Child“ weitestgehend als Bluegrass Album zu hören. Etwas Gospel, etwas Storytelling Country, alles in feine akustische Instrumentierung gehüllt, und fertig ist das Paket. Mit der Single “Mama‘s Kitchen Table“ geht es los. In dem kleinen Heim spielte sich das Leben rund um den Küchentisch halt ab. Leider können die Lead Vocals mit der Virtuosität der Instrumente nur schwerlich mithalten. 12 Songs umfasst das Album der Band aus Kokomo, Indiana. Besondere Highlights sind aber nicht darunter. So fließen die Melodien dahin und nach 40 Minuten hat man sich kurzweilig unterhalten. *************************************************************************************

Catherine Britt – Home Truths

(VÖ: 15.01.2021) Freunde der australischen Country Music werden Catherine Britt sicher kennen. Ihr erstes Studioalbum stammt bereits aus 2001. Nach einer Lehrzeit in Nashville kehrte Catherine Britt auf den fünften Kontinent zurück und arbeitete dort sowohl solo, als auch in einem Bandprojekt. Ihr Album “Home Truths“ ist eine Rückkehr zu der Country Music, die sie früher präsentierte. Eher traditionell gegründet und dennoch leichtgängig und absolut radiotauglich. Zu Beginn erläutert sie im Song “I’m A Country Song“ ihr Country Feeling. Sie ist gereift, auch weil das Leben sie durch eine Brustkrebserkrankung schwer geprüft hat. Nun als mehrfache Mutter hat sie das Girlie Image vergangener Tage abgestreift. Bei “Country Fan“ hat sie sich den australischen Vorzeige Country Sänger Lee Kernaghan als Duett Partner gesichert. Bei “Hard To Love“ mischt Jim Lauderdale mit. Catherine Britt kann stimmgewaltig mit etlichen der ganz hochdekorierten Sängerinnen der Neuzeit mithalten. Mit viel Empathie und Kraft interpretiert sie ihre Songs in welchen sie Erfahrungen wie das Mutter Sein in “Gonna Be Momma“ besingt oder die bitteren Wahrheiten wie im Titelsong “Home Truths“. Das Album ist aufmerksam arrangiert und bietet sowohl den Fans moderner Interpretationen als auch Traditionalisten genügend Songs die gefallen. Mit diesen Titeln des Albums “Home Truths“ von Catherine Britt ist man angenehm unterhalten. *************************************************************************************

Scott MacKay – Stupid Cupid

(VÖ: 08.01.2021) Aus Kanada kamen schon immer bemerkenswerte Interpretinnen und Interpreten der Country Music. Vom legendären Hank Snow bis zur Pop Country Überfliegerin Shania Twain. Aber auch Terri Clark, k.d. lang, Anne Murray oder jüngst Tenille Townes haben es über ihr Heimatland hinausgeschafft, als Stars der Country Music große Beachtung zu erlangen. Da kommt plötzlich ( okay seit 2012) ein Scott MacKay her und macht mit ganz besonderer Beziehung zur Country Music auf sich aufmerksam. Er fühlt sich der Country Music der 1950er und 1960er Jahre verbunden und so ist sein drittes Album “Stupid Cupid“ auch in Arrangement und Instrumentierung dieser Zeit entlehnt. Nach dem Albumtitel “Stupid Cupid“ und anschließend “11 Yellow Roses“, zwei flotte Two Step Dance Songs, folgen mit “Opposites Attract“ und “Romance Novel“ ruhigere Balladen. Nachdenklich machend und mit einer ins Herz gehenden Mundharmonika untermalt, ist der Titel “They’re Makin‘ Love Below Us“. So wechseln sich flotte Rhythmen mit langsamen Balladen ab und versetzen die Hörer wieder in die Zeit der guten alten Country Music. Zum Schluss gibt es noch etwas Lebenshilfe mit den nur gesprochenen Zeilen zu “God Walks Into A Bar“. In jeder Hinsicht außergewöhnlich für die heutige Zeit ist das Album “Stupid Cupid“ von Scott MacKay. *************************************************************************************

Morgan Wallen – Dangerous – The Double Album

(VÖ: 08.01.2021) Der Mann wird bereits als der kommende Superstar der Country Music gehandelt. Gemessen an seinen Download Zahlen ist Morgan Wallen ganz sicher auf diesem Weg. Nach zwei EPs und seinem ersten kompletten Album “If I Know Me“ aus 2018 folgt nun mit “Dangerous – The Double Album“ ein Mammutprojekt, welches mit 30 Titeln und eineinhalb Stunden Spieldauer für die Fans ein ganz dickes Paket darstellt. Die Corona bedingte Zwangspause im Tour Plan generierte jede Menge Zeit um neue Songs zu schreiben. Und so folgte Song auf Song. Morgan Wallen wollte nach eigenen Angaben kein Doppel Album machen, als er anfing zu schreiben. Schon gar nicht sollten “Lückenfüller“ produziert werden. So ist er stolz auf jeden einzelnen Track auf seinem neuen Album. Treibende Rhythmen, starke Erzählungen in modernes Arrangement gepackt, so zieht es sich durch vielen Songs. Gleich die ersten Titel lassen die Zuhörer in seiner Musik versinken. In “Sand In My Boots“ entwickelt sich eine Geschichte um eine sich anbahnende Beziehung, erzählt in feinster Modern Country Music. Gleich darauf folgt mit “Wasted On You“ das Bild eines verkaterten Morgens mit der Erkenntnis, dass er selbst Schuld hat wenn die Beziehung kaputt geht. Es folgen einige Songs, die sich um Whiskey als vermeintlichen Helfer drehen. Da sind auch einige Country Pop Rock Arrangements dabei. Dann aber gibt es wieder feine Country Music, etwa mit der modernen Ballade “Wonderin‘ Bout The Wind“. Mit Kollege Chris Stapleton bestellt er bei “Only Thing That’s Gone“ beim Bartender den letzten, starken Drink. Mit der Ballade von Jason Isbell “Cover Me Up“ hinterlässt Morgan Wallen einen ganz starken Eindruck. Intensiv, kraftvoll und voller Emotion. Immer wieder geht es in den Texten um das Leben in den kleinen Orten, die man kaum Städte nennen kann und das Erstaunen, in einer anderen, beispielsweise Nashville, Welt die Augen zu öffnen. Beim Titelsong “Dangerous“ muss man schon sehr fit sein um den in rasendem Tempo gesungenen Versen folgen zu können. Das ist ein poporientierter Titel, auf den man gut hätte verzichten können. Bei der Fülle an Titeln kann man leicht den Überblick verlieren. Manches klingt ähnlich. Dennoch ist das Album “Dangerous“ von Morgan Wallen ein gelungenes Projekt, welches den Interpreten richtig gut präsentiert. Feine Balladen wechseln sich mit rockigeren Songs ab. Da mussten wohl jede Menge Songs einfach mal veröffentlicht werden. Offensichtlich hat Morgan Wallen noch viel mehr auf der Pfanne. Sonst hätte er aus diesem Doppelalbum sicher zwei getrennte Werke gemacht. Man darf gespannt sein, was von ihm noch zu hören sein wird. *************************************************************************************

Steve Earle & The Dukes  – J.T.

(VÖ: 04.01.2021) Steve Earle ist ein Ausnahmekünstler aber auch einer, an dem sich die Geister scheiden. Zum einen ist er ein genialer Songschreiber und Produzent, auch als Interpret hat er große Erfolge eingeheimst. Als Vater hatte er ganz sicher Defizite. Am 23.08.2020 starb sein Sohn Justin Townes an einer Überdosis Heroin. Vater Steve Earle, selbst immer mit diesen Dämonen kämpfend, musste seinen Sohn vor ihm gehen lassen. Das ist harter Tobak. Er setzt noch einen drauf, indem er ein Tribute Album für seinen Sohn veröffentlicht. Mit dem Album “J.T.“ setzt er posthum Justin Townes Earle, den er nach seinem musikalischen Hero Townes Van Zandt benannte, ein Denkmal. Zehn Songs seines Sohnes nahm er mit seiner Band The Dukes auf und ergänzte um seine eigenen persönlichen Worte im letzten Titel “Last Words“. Das ist kein Album zum Feiern obwohl mit Titeln wie “They Killed John Henry“ oder “I Don’t Care“ und “Harlem River Blues“ eine beinahe fröhliche Beschwingtheit einhergeht. Das Album “J.T.“ ist nur etwas für Steve Earle Fans. Dass Steve Earle nach seinen Tribute Alben für Guy Clark (“Guy“) und Townes Van Zandt (“Townes“) nun auch für seinen Sohn ein Tribute machen musste, ist bewegend und hat mit fröhlicher Unterhaltung nichts zu tun. *************************************************************************************

The Infamous Stringdusters – Dust The Halls: An Acoustic Christmas Holiday!

(VÖ: 04.12.2020) Für ihren innovativen Umgang mit Bluegrass Music sind The Infamous Stringdusters u.a. mit einem Grammy dekoriert worden. Alle fünf Musiker aus Nashville sind Meister ihres Fachs. Hinzu kommt, dass die Band immer wieder mit intelligenten Ausflügen in die Welt der Musik aufwarten und mal Bluegrass, mal akustische Aufarbeitungen unterschiedlicher Genres angehen. Zunächst wollte die Band nur Konzerte geben. Mittlerweile haben sie zehn Studioalben produziert. Ein Christmas Album stand erst einmal nicht auf der To Do Liste. Mit “Dust The Halls: An Acoustic Christmas Holiday!“ hat sich das geändert. Zehn der bekanntesten Christmas Songs haben The Infamous Stringdusters überarbeitet. Diese akustische Präsentation ist sowohl absolut hörenswert, als auch ganz sicher eine liebenswerte Abwechslung unter den Christmas Produktionen, welche manchmal hart an der Grenze zum Kitsch vorbei schrammen. Nicht so hier. Von “Joy To The World“, tatsächlich macht der Titel Laune, über “Little Drummer Boy“ und “Jingle Bells“, das jazzige “Christmas Is Coming“ bis zu “Holy Night“ spannen The Infamous Stringdusters einen Bogen, der sowohl die Festlichkeit berücksichtigt, als auch fröhliche Unterhaltung bietet. Das ist ein selten zu beobachtendes Können im Zusammenhang mit Christmas Alben. Also unbedingt für das nächste Weihnachtsfest vormerken. Mit dem Titel gebenden Schlusstitel, “Dust The Halls“, haben The Infamous Stringdusters allen Staub weggefegt und die Ankunft des Herrn gebührend vorbereitet. *************************************************************************************

Sturgill Simpson
   – Cuttin‘ Grass Vol.1 – The Butcher Shoppe Sessions (VÖ: 16.10.2020)
   – Cuttin‘ Grass Vol.2 – The Cowboy Arms Sessions (VÖ: 11.12.2020)

Als sich Sturgill Simpson 2020 von einer Covid 19 Erkrankung erholt hatte, durchstöberte er seinen Songfundus. Die Idee dahinter: er wollte alte Songs neu interpretieren, sie bis auf den Kern entkleiden und schauen, ob sie sich auch überarbeitet hören lassen können. Falls nicht wären es eben keine guten Songs. Okay, Sturgill Simpson benutzte dafür einen Kraftausdruck. So ist er halt. Sperrig, unangepasst, oppositionell aber irgendwie mit besonderen Gaben ausgestattet. Als Singer/Songwriter ist er unter seinen Kollegen hochgeachtet und so war es für ihn auch kein Problem für sein Projekt “Cuttin‘ Gras“ die Creme de la Creme der Instrumenten Zauberer zu gewinnen. Gleich einmal 20 Songs hat er auf den ersten Teil des Projektes unter dem Untertitel “The Butcher Shoppe Sessions“ gepackt. Bluegrass ist das Genre und bietet mit beinahe einer Stunde jede Menge toller Bluegrass Music. Hinzu kommt die Stimme von Sturgill Simpson, die den Mann aus Kentucky zu einem Outlaw macht und herrlich traditionell klingt. Dabei kann Sturgill Simpson auch ganz anders und manche Produktion von ihm hat seine Fans schon mal verwundert die Köpfe schütteln lassen. Am Album “Cuttin‘ Grass Vol.1 – The Butcher Shoppe Sessions“, welches auch im gleichnamigen, von David Ferguson und John Prine geleiteten Studio produziert wurde, gibt es nichts zu meckern. Feine Bluegrass Music, tolle Songs. Das Nachfolge Album “Cuttin‘ Grass Vol.2 – The Cowboy Arms Sessions“ bietet noch einmal 12 Titel im klaren Bluegrass Gewand. Von “Call To Arms“ über “Hero“ und “Tennessee“ bis “You Can Have The Crown“, wieder haben die Übersetzungen von Sturgill Simpson Songs in das Bluegrass Genre bestanden. Hier und da schlich sich ein schlichtes Singer/Songwriter Arrangement ein, welches dem Hörgenuss jedoch zugutekommt. Noch einmal hält Sturgill Simpson eine gute halbe Stunde Country Music bereit, die keinen Zweifel daran lässt, dass hier ein sehr bewusst traditionell arbeitender Musiker am Werke ist. Und so widmet er den letzten Song, “Hobo Cartoon“ der ganz alten Zeit indem er Jimmie Rodgers und Bing Crosby ehrt und sich in die „Roarin‘ 20s“ wünscht. Wer auch nur ansatzweise mit Bluegrass etwas anfangen kann, sollte sich die beiden Alben “ Cuttin‘ Grass Vol.1 – The Butcher Shoppe Sessions“ und “Cuttin‘ Grass Vol.2 – The Cowboy Arms Sessions“ nicht entgehen lassen. Hörgenuss ist garantiert.

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Aaron Watson – American Soul

(VÖ: 08.01.2021) Wie Aaron Watson bereits bei seinem letzten Album “Red Bandana“ aus 2019 erläuterte, symbolisiert dieses Accessoire für ihn das Herz der einfachen, hart arbeitenden Menschen. Etwas “old school“ wie er selbst sagt, aber zeitlos. Diesem Thema hat er sich auch in seinem neuen Album “American Soul“ gewidmet. In den zehn Titeln geht es um klassische Country Music Themen. Die Freitagabend Sause, die bittere Erkenntnis des Verlassenwerdens, die in Stein gemeißelten Tugenden der „wahren Amerikaner“ und das Wissen, dass nur der eigene Hund ihn noch nie enttäuschte. Auch der Whiskey wird ausreichend zitiert, so dass das Album “American Soul“ genau auch das beinhaltet, was sich Aaron Watson unter der amerikanischen Seele vorstellt. Der Texaner aus Amarillo stellt nun sein achtes Studioalbum vor und bleibt mit der Musik der traditionellen Ausrichtung treu. Wenngleich die Arrangements gern mit rockigeren Sequenzen aufwarten. Nein, Texas Honky Tonk ist das nicht, aber durchaus kurzweilig. Die Charts hat Aaron Watson bislang noch nicht gestürmt und auch mit diesem Album wird das schwer möglich sein. Trotz teils vieler Liedstrophen sind die Botschaften einfach und vorhersehbar. Es muss ja nicht immer die Spitze sein. Oft genügt es, einfach “old school“ zu sein und sich nicht zu verbiegen. *************************************************************************************

Barry Gibb – Greenfields – The Gibb Brothers Songbook Vol.1

(VÖ: 08.01.2021) Wer erinnert sich noch an die großen Erfolge der Bee Gees, die in den 1960er und 1970er Jahren der Popmusik weltweit ihren Stempel aufdrückten? Von den drei Brüdern lebt nur noch der älteste. Nun hat Barry Gibb im Gedenken an seine verstorbenen Brüder Robin und Maurice im gemeinsamen Songbook gekramt. Mit der Unterstützung des Produzenten Dave Cobb hat er für eine Neuveröffentlichung vieler der Erfolgssongs der Bee Gees etliche namhafte Stars, nicht nur der Country Music, als Duett Partner gewinnen können. Keith Urban, Little Big Town, Alison Krauss oder Dolly Parton und andere. Wer könnte sich besser als Partnerin bei “Too Much Heaven“ eignen, den Falsettgesang von Barry harmonisch zu begleiten, als Alison Krauss? Die Gruppe Little Big Town ist bei “Lonely Days“ und “How Deep Is Your Love“ vertreten. Bei letzterem Titel greift mit Tommy Emmanuel ein wahrer Meister an der Gitarre ein und so entstand ein viereinhalb Minuten Werk. Der ersten Zeile des letzten Titels “Butterfly“ ist vielleicht der Albumtitel “Greenfields“ entlehnt. Dort heißt es: „Green fields where we used to wander.“ Seine Affinität zu Country Music hat Barry Gibb beinahe zu einem Bürger Nashvilles werden lassen. Deshalb die vielen Stars der Country Music als Partner. Längst ist er eine Ikone der Popgeschichte. Mit Dolly Parton holte er sich zum Titel “Words“ ebenfalls eine Ikone ins Studio. Obwohl das Album sofort in fast allen Chartlisten bis ganz nach oben kletterte, ist und bleibt es Musik Popmusik. Sicher für eingefleischte Fans der Bee Gees eine liebenswerte Erinnerung an lange vergangene Zeiten. Vielleicht denkt der fast 75-jährige Barry auch schon an sein musikalisches Vermächtnis. So gesehen hat Barry Gibb mit “Greenfields – The Gibb Brothers Songbook Vol.1“ alles richtig gemacht. Sicher wird ein Vol. 2 bald folgen. *************************************************************************************