CD Besprechungen aktuell

Hier werden, wie vormals im Print-Magazin, verschiedenste CDs vorgestellt.

Soweit nicht anders genannt, alle Reviews von Manfred Hesse

The Wilder Blue – Super Natural

(VÖ: 21.11.2023)

Von Luke Combs, dem Durchstarter der letzten Zeit, in höchste Sphären gelobt, hat die Formation The Wilder Blue, vormals Hill Country, einem hohen Anspruch zu genügen. Das neue Album “Super Natural“ der fünf Musiker aus Texas überrascht mit nicht unbedingt Texas Style Country. Schon der Opener “Bless My Bones“, eine Uptempo Nummer, könnte seinerzeit auch von Charlie Daniels in Sprechgesang intoniert worden sein. Beim Titelsong “Super Natural“ darf Produzent Brent Cobb auch ein wenig mitmachen und die seichte Nummer erinnert ein wenig an den lässigen Folk eines Bob Dylan. “Seven Bridges Road“ mit der Unterstützung des Fans der Band, Luke Combs, präsentiert feine Harmonie Gesänge, die bei diesem Titel unumgänglich sind. Die Extended Version mit fünf Minuten Spieldauer, hat Platz für Luke Combs in der zweiten Strophe geschaffen. Mit einer feinen Ballade, “True Companion“, geht es weiter und in der Folge bleibt die Stimmung eher im Country Folk Style, bevor mit “Excuse Me“ für eine witzige Minute lang ein Blues erklingt. Bluesig auch das “Roll Betty Roll“. Ein munterer, Banjo gestützter Song ist “Ogallala Rail“, eine Beschreibung eines Cattle Drive, ein heutzutage eher wenig besungener Inhalt. Das Album “Super Natural“ von The Wilder Blue überzeugt in seinem Abstand von jeglichem Anspruch auf Air Play oder Chart Platzierungen. Da haben Musiker in der Mitte ihres Lebens gemacht, worauf sie richtig Lust hatten. Absolut hörenswert.

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Wade Hayes – Old Country Still Rocks

(VÖ: 17.11.2023)

Als Wade Hayes 1994 mit seinem Charteinstieg “Old Enough To Know Better“ gleich die Spitzenposition der Bestenliste eroberte, konnte er nicht ahnen, dass er einige Jahre und etlicher Einträge in die Chartlisten später, eine gesundheitsbedingte Pause einlegen musste. Er musste sich seiner bösartigen Krankheit stellen. So kam es, dass sein letztes veröffentlichtes Album “Highways & Heartaches“ aus dem Jahr 2000 stammt. Sind auch auf dem Album “Old Country Rocks“ keine eigenen Titel, sind die Covers seiner persönlichen Heroes eine bemerkenswerte Rückmeldung eines Interpreten, dem seinerzeit eine ganz große Karriere vorausgesagt war. Was dieser Mann durchgemacht hat, kann man ja nur erahnen. Dass er aber wieder ins Rampenlicht gehen kann, ist ein Glücksfall für die Country Music. Wade Hayes hat nichts von seiner besonderen Begabung für diese Musik eingebüßt. Sein vorletzter Titel auf dem Album “Old Country Still Rocks“, “Here I Am“ und der Schlusstitel “I’ll Fly Away“ sprechen wohl für sich. Welcome back Wade Hayes.

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Conner Smith – Smoky Mountains

(VÖ: 26.01.2024)

Mit dem im Höllentempo eingesungenen Titelsong “Smokey Mountains“, beginnt das erste volle Album von Conner Smith recht schwungvoll. Rockig und mit jeder Menge Text, setzt “Creek Will Rise“ die Musik von Conner Smith fort, womit der junge Mann aus Nashville das ausdrücken möchte, was er “seine Seele ausschütten“ nennt. Mit Kollegin Hailey Whitters hat er dann mit “Roulette On The Heart“ ein Duett zu bieten, welches auf Radio Play und Mainstream schielt und dabei klingt wie von The Band Perry. Mit “Heatin‘ Up“ folgt wieder ein “übertexter“ Titel in Uptempo und in Drums gestütztem Arrangement. “Meanwhile In Carolina“ präsentiert eine Ballade, die offenbart, dass Conner Smith durchaus mit seiner Stimme Gefühle ausdrücken kann und nicht von Arrangement zugedröhnt werden muss. Und immer wieder geht es in den Texten um jugendliche Zweisamkeit, die manchmal mit fallenden Kleidern oder einsamen Plätzen im Auto umschrieben ist. Die Single “I Hate Alabama“ aus seiner EP “Didn’t Go Too Far“ aus 2022 fehlt nicht, wie auch “Take It Slow“ aus der gleichen EP. “Regret In The Morning“ ist ein durchaus bemerkenswerter Text in einer Ballade, die ein Zusammensein über Nacht nicht möglich macht, damit niemand am nächsten Morgen ein bedauernswerter Zwischenfall genannt werden muss. Die Vorliebe für sehr lange Texte kennzeichnet das Album “Smokey Mountains“ von Conner Smith mehr als seine Stimme. Dennoch, das ist moderne Country Music und kann eine gute halbe Stunde Unterhaltung sein.

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Luke Grimes – Luke Grimes

(VÖ: 08.03.2024)

Möglicherweise ist Luke Grimes ein besserer Schauspieler (Fifty Shades Of Grey, Yellowstone Series…) als Sänger. Was er allerdings mitbringt, ist das erzählerische Momentum, welches für Country Music unabdingbar ist. So hat er sich Songs für sein Debütalbum “Luke Grimes“ ausgesucht, die von seinen Songschreibern und manchmal unter seinem eigenen Mitwirken intelligent getextet sind. So der erste Eindruck der ersten drei Titel. Dann folgt mit “Black Powder“ ein unsagbar nervtötender Titel, der sowohl musikalisch und textlich völlig daneben liegt. Als ob man sich von dieser Strapaze erholen müsste, lässt Luke Grimes mit “Ghost Of Who We Were“ eine feine, mit zerrissener Stimme eingesungene, Trennungsballade folgen. Auch “Oh, Ohio“ ist eine nachdenklich stimmende Ballade, schnörkellos und eindringlich. In “God And A Girl“ scheint er die richtige Partnerin gefunden zu haben denn er beschwört, dass er nur zwei Dinge auf der Welt braucht, Gott und ein Mädchen. Bis auf den einen Ausrutscher ist das Album “Luke Grimes“ von Luke Grimes eine Singer Songwriter Produktion, die phasenweise an Bob Dylans Lyrik erinnert und ähnlich musikalisch umgesetzt ist. Mit 13 Tracks ist dies eine Unterhaltung zum Zurücklehnen und Mitleiden oder einfach nur um den eigenen Gedanken nachzuhängen.

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Sawyer Brown – Desperado Troubadours

(VÖ: 08.03.2024)

Sehr lange warteten die Fans auf ein neues Album von Sawyer Brown, der Band ursprünglich aus Florida. 2011 war “Travelling Band“ das letzte Studioalbum, leider weniger erfolgreich. Nun also das neue Album “Desperado Troubadours“ mit zehn kompromisslosen Country Tracks. Dass man Sawyer Brown gern zuhört, liegt sicher auch an der immer leicht nasalen Stimme von Lead Sänger Mark Miller. Die Arrangements sind glatt und wie bei “I Wouldn‘t Change A Thing“ leicht verdaulich. Die feine Ballade “Socrates“ erzählt von einer Begegnung mit einem ungewöhnlichen Menschen und darf bei Sawyer Brown auch ruhig mal die vier Minuten überschreiten. In “God Bless This Road“ geht es um den langen gemeinsamen musikalischen Weg, den Sawyer Brown zusammen zurückgelegt haben und wie sie immer wieder Spaß an ihrer Arbeit finden. In “Goodnight And Good Morning“ muss sich ein Heranwachsender die Gardinenpredigt der Eltern anhören und kontert:“ Gute Nacht und guten Morgen. Weckt mich dann zum Essen…“. Wer da nicht schmunzeln muss. “This Side Of The Sky“ thematisiert die Vergänglichkeit, die Veränderungen und das Bedauern, den Eltern alle Gedanken dazu nur noch von dieser Seite des Himmels mitteilen zu können. Eine wunderbare Ballade. Mit wieder einer getragenen Ballade, dem Titelsong “Desperado Troubadours“ endet das gleichnamige Album von Sawyer Brown. Was für eine angenehme Erinnerung an Musik, die eingängig, emotional und nachvollziehbar Inhalte präsentiert. Mal Country Rock, mal Songwriter Music, das lange Warten hat sich gelohnt. In 1981 gegründet, blickt Sawyer Brown nun auf 40 Jahre seit ihrem ersten Charteintrag zurück. Respekt.

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Randall King – Into The Neon

(VÖ: 26.01.2024)

„Dieser Junge ist das, was Country Music ausmacht.“ Diese Einschätzung vom Superstar Garth Brooks hängt die Messlatte für Randall King sehr hoch. Sieht man durch die “Brille“ von Garth Brooks, ist das, was Randall King an Musik abliefert, beinahe die Fortsetzung dessen, was der Superstar Brooks in den 1990 er Jahren angefangen hat. Moderne Country Musik mit dem eindeutigen Touch zum traditionellen Erbe. Randall King stammt aus Texas und hat sicher die Honky Tonk Music aus den Saloons seiner Heimat verinnerlicht. Wie bei “What Doesn’t Kill You“, dem Selbstheilungsspruch, dass was einen nicht umbringt nur stärker macht. Mit einem total relaxten Titel, “One Night Dance“ beginnt das Album “Into The Moon“ von Randall King. “Hang Of Hangin‘ On“ ist eine Ballade, die so intensiv eingesungen ist, dass man den Herzschmerz beinahe nachvollziehen kann. “Good Feeling“ ist ein, ganz im Garth Brooks Style verfasster, Uptempo Knaller. Und schon folgt eine feine Ballade mit “The One You‘re Waiting On“. Dringt man weiter in die Folge der 16 Tracks des Albums “Into The Neon“ von Randall King vor, verdichtet sich der Eindruck, hier sollte mal wieder alles raus, was in den letzten Jahren im Regal lag. Die Mischung ist aber sehr überlegt. Immer wechseln Balladen mit Mainstream Country rockiger Art ab. Randall King begeistert am meisten in den ruhigen Balladen, in welchen er seine Stimme im Bariton Bereich in Szene setzen kann. In den Rock Nummern, in welchen er in höhere Tonlagen wechseln muss, überzeugt er weniger. Doch das üppig gestaltete Album “Into The Neon“ von Randall King ist gute Unterhaltung und vor allem, durchaus Country Music.

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Ray Scott – Billboards & Brake Lights

(VÖ: 10.11.2023)

Mit Produzent Jim “Moose“ Brown hat Ray Scott offensichtlich ein großes Los gezogen. Das neue Album “Billboards & Brake Lights“ strotz nur so von Country Music. Manchmal morbide wie in “Long Black Cadillac“, eine wunderbar instrumentierte Ballade, kombiniert mit der eindrucksvollen tiefen Stimme von Ray Scott. Das ist schon echt feine Unterhaltung. Auch sentimentale Rückblicke sind erlaubt wie in “Old Roads And Old Friends“. Klar, dass auch eine Liebeserklärung wie in “I Fall In Love With You Again“ nicht fehlt. In “Hey Fool“ muss man eine Weile warten, bis man erfährt, dass der Erzähler am Ende sich selbst beschreibt. Und wieder hat die Stimme von Ray Scott diesen Text eindrucksvoll getragen. In “Keeper“ beschreibt Ray Scott, warum er den Versuchungen widersteht und nicht zum Betrüger wird. Im Titelsong “Billboards & Brake Lights“ schwingt die bange Frage mit, ob “Sie“ wohl bei ihm bleiben wird. Wieder mit feinem Gespür instrumentiert. Mit dem Titel “Better Than This“ berührt Ray Scott ein hochsensibles Thema. Suchtabhängigkeit, die zu Suizidgedanken führen kann. Starker Tobak. Mit “Loner“ wird wieder eine traurige Emotion geteilt, die Einsamkeit und Zweifel thematisiert. “Heartache“ präsentiert einen Ray Scott, der nicht mehr ruhig erzählt, sondern seine Emotion geradezu herausschreit. 13 Titel umfasst das Album “Billboards & Brake Lights“ von Ray Scott und ist nicht eine Sekunde langweilig. Das ist mal wieder ein tolles Beispiel für gutes Songwriting und Producing. Natürlich präsentiert von einer beeindruckenden Stimme. So wünscht man sich Ray Scott und so wünscht man sich Country Music.

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Spencer Burton – North Wind

(VÖ: 26.01.2024)

Der Kanadier Spencer Burton, der auch in der Indie Rock Band Attack In Black oder solo als Gray Kingdom tätig war, gibt seiner Liebe zu Country Music immer wieder Raum. Mit dem Album “North Wind“ hat er zehn Songs zu bieten, die ihn als feinfühligen Interpreten präsentieren. Sein Erscheinungsbild mit wilder Mähne und Vollbart lässt zunächst anderes Songmaterial vermuten. Doch Spencer Burton erzählt manchmal wie John Denver und ist eher Folk Music inspiriert, dann wieder ist er munter und mit tanzbarer Musik unterwegs. Dem Titelsong, der eher einer epischen Erzählung ähnelt, hat Spencer Burton mit über fünf Minuten sehr anspruchsvolle Zeit zum Zuhören eingeräumt. Auch der Schlusssong “Goodbye“ flacht den anfänglich positiven Eindruck des Albums “North Wind“ von Spencer Burton etwas ab. Da liegt Licht und weniger Licht dicht beieinander. Da wäre mehr drin gewesen.

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Alex Miller – My Daddy’s Dad

(VÖ: 12.04.2024)

Alex Miller ist ein Verteidiger echter, traditioneller Country Music gegen die Übernahmeversuche der Pop Music. Seine EP “My Daddy’s Dad“ beweist dies in jedem einzelnen der fünf Titel. Ob eine Steel Guitar jammert, eine Fiddle weint oder zurückgenommene Drums einen beschwingten Honky Tonk vorantreiben wie im Opener “She Makes Dirt Look Good“, so geht Country. Würde es einer Überschrift bedürfen, müsste über der EP das Wort Liebe stehen. Im ersten Song drückt Alex Miller seine totale Begeisterung und Verliebtheit über seine Angebetete aus. Bei „Oh, Odessa“ bewundert er erneut eine Frau. Diesmal allerdings erkennt er, dass der Versuch “Sie“ an sich zu binden dem Versuch gleichkommt, den Wind mit dem Lasso einfangen zu wollen. “The Last House In God’s Country“ ist eine Liebeserklärung an die eigene Herkunft, das Drei Zimmer Haus, welches der Vater selbst baute und das klare Statement, um keinen Preis dieses Leben tauschen zu wollen. Im Titel “Ain’t Ever Saying Never“ drückt er seine Liebe zur Partnerin erneut aus. Jedoch hat “Sie“ ihn, der sich nicht binden wollte, eingefangen. Der letzte Titel und Titelsong der EP “My Daddy’s Dad“ ist eine wundervolle Ballade, in der Alex Miller den Großvater mit Hochachtung verehrt und ihm dankt. Denn ohne ihn wäre er nicht der erfolgreiche Sänger geworden und so setzt er um, was dem Großvater verwehrt blieb. Diese EP ist ein ganz feines Beispiel für Country Music Erzählungen, die authentisch und glaubhaft, ganz sicher für sehr viele Fans nachvollziehbar, vor allem aber begeisternd ist.

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Cody Johnson – Leather

(VÖ: 03.11.2023)

Cody Johnson ist ein Country Music Interpret aus Texas, der sich nicht zu schade ist, ein Album zu veröffentlichen, dessen Titel allesamt von Songschreibern ohne ihn entstanden sind. Er ist ein beeindruckender Interpret und verleiht mit seiner Intensität den Songs den besonderen Kick. Sein neuntes Studioalbum lässt er mit “Work‘ Boots“, einer Ansprache an seine Boots beginnen, die ihn ja sowohl unter der Woche bei der Arbeit als auch am Wochenende beim Tanzen unterstützen. Nach dem eher mäßigen Track “Double Down“ hat Cody Johnson auf seinem neunten Album “Leather“ mit “Watching My Old Flame“ eine gefühlvolle Ballade zu bieten, die einen bitteren Rückblick auf eine vergangene Beziehung thematisiert. Mit jeder Menge Klischees huldigt er seiner Heimat Texas in “That’s Texas“. Eher überflüssig. Wortgewaltig geht es in “Jesus Loves You“ um die Religion. Mit Kollege Jelly Roll geht es in “Whiskey Bent“ um die bittere Erkenntnis, dass man nicht mehr verbessern kann, was man unter Einfluss des starken Schnapses verbockt hat. Der Titelsong ist ein verklärtes Loblied auf die rauen Tugenden eines Cowboys. Zu den Highlights des Albums zählt zweifelsohne der Titel “Long Live Country Music“, den Cody Johnson mit den Kollegen Brooks & Dunn als Hymne auf die geliebte Musik zelebriert. “The Painter“ ist eine Liebesballade über die Frau, die alles in seinem Leben mit Farben füllen kann. Mit der besinnlichen Zwiesprache mit Gott in “Make Me A Mop“, in welcher es um gewünschte Vergebung und Reue geht, endet das Album “Leather“ von Cody Johnson. Sicher kein großer Wurf, aber hörenswert allemal. Es muss ja nicht immer das beatgetriebene Pop Zeug sein.

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Corey Smith – Suburban Drawl

(VÖ: 10.11.2023)

Mit einer Stimme, die wie ein Messer schneiden kann, präsentiert Cory Smith sein neuntes Album “Suburban Drawl“. Nach dem Opener “Still In The Running“ folgt mit “Learning To Drive“ eine Allegorie auf das Erwachsenwerden, welches sowohl das Autofahren als auch die Annäherung an das andere Geschlecht beschreibt. Bei “Weed And Whiskey“ wird das Thema Alkohol und Drogen ein weiteres Mal strapaziert, allerdings musikalisch eher weniger. Mit “Football Games And Girls“ muss eine weitere Allegorie herhalten um zu beklagen, dass nicht immer die “Besseren“ gewinnen. Unerwartet zurückgenommen hat Cory Smith seine innersten Gedanken zur wichtigsten unwichtigen Nebensache der Welt, seinem Sport Football, in einen hörenswerten Song gepackt. Auch in “Cellophane“ scheint es um Drogen zu gehen und man muss sich fragen, ob da eine Subkultur normalisiert werden soll. Völlig ungeschönt und aufrichtig berichtet er in “No Music“ vom Musikerleben, dem Fernbleiben von Daheim und den vielen Menschen, die nach der Show auf ihn einstürzen. Da sollte manch ein überschwänglicher Fan einmal reflektieren, ob hinter der Kunstfigur der Stars nicht auch echte, lebende und fühlende Menschen stecken. “The Regular“ ist eine Selbstbeschreibung im Bewusstsein, dass der Erzähler eben doch nur ein ganz einfacher Kerl mit all seinen Fehlern ist. Mit 14 Tracks ist das Album “Suburban Drawl“ von Corey Smith üppig ausgefallen. Trotz einiger eher mäßigeren Titel ist diese Dreiviertelstunde unterhaltsamer Hörgenuss.

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Glen Templeton – All American

(VÖ: 27.10.2023)

Erst sein zweites volles Album hat Glen Templeton mit “All American“ am Start. Die zehn Tracks bieten eine muntere Mischung von schwerem Country Rock im Opener “All American Honky“ über heimatliebende Balladen wie in “Bury Me In Texas“ bis zu Liebesballaden wie “My Favorite“. “Right Down The Line“ ist musikalisch einer der anspruchsvolleren Songs, hätte man beim Mixing besser aufgepasst denn da knallen Effekte immer von der Seite in den Gesamteindruck und stören gewaltig. Zum Schluss sind zwei Tracks angefügt, die den Eindruck erwecken, da war nicht genug Material vorhanden um das Album zu füllen. Schade, denn der Eindruck, den Glen Templeton hinterlässt, macht Lust auf mehr von dem Mann aus Alabama, der jetzt in Nashville sein Glück sucht.

 

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Matt Tucker – Untucked

(VÖ: 15.02.2024)

Mit der fetten Rocknummer “Overdrive“ beginnt das Album “Untucked“ von Matt Tucker und macht gleich einmal klar, hier geht es um Country Rock. Der Titelsong ist für seine Verhältnisse eine Ballade und Matt Tucker kann mit seiner Stimme durchaus überzeugen. Allerdings hat man beim Mixing und auch beim Mastering nicht die nötige Sorgfalt walten lassen. Zu dominant sind oft die Drums, die zudem auch mal als Computer Drums eingefügt sind. Dadurch ist der Sound aggressiv und lenkt von den Titelinhalten ab. Möglicherweise haben da mehrere Produzenten und Techniker ihre Hände im Spiel gehabt. Die Klarheit mit der Matt Tucker seinen Country Rock präsentiert, spricht dennoch positiv für ihn. Fans dieser Musikrichtung werden fulminant bedient. “Honky Tonkin‘ All Night“ ist ein tanzbarer Honky Tonk, der ins Ohr und in die Beine geht. Wer, wie Matt Tucker, aus Rock Hill, South Carolina, stammt, ist wohl dem Rock für immer verpflichtet. Mit “Wonder Woman“ stellt er dann eine Ballade vor, die konzertant arrangiert ist. Für seine Wonder Woman möchte er der Mann aus Stahl sein. “American Dreamer“ beschreibt diese amerikanische Lebensart des festen Glaubens an den großen Erfolg eines Tages. Durchaus nachdenklich machend ist der Song “Can Survive“ der für die National Cancer Assistance Foundation zu ihrem Hoffnungssong wurde. “Rember Livin‘“ scheint da nahtlos reinzupassen. “I Miss You Girl“ ist wieder eine Liebesballade und zeigt den Rocker Matt Tucker einmal mehr sehr gefühlvoll. Mit 16 Tracks ist das Album “Untucked“ von Matt Tucker üppig ausgefüllt. Trotz der Schwächen, die eine gefühlte Überproduktion entstehen lassen, ist das reichlich Musik auf die Ohren der Fans moderner, Rock basierter Country Music.

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The Stetson Family – The Stars, If You Look Closely

(VÖ: 19.04.2024)

Mit dem Opener und Titel Track “The Stars, If You Look Closely“ beginnt das Album der australischen Band The Stetson Family mit einer Erinnerung an das 2016 verstorbene Bandmitglied Andy Carswell, der den Titel mit Nadine Budge, der Leadsängerin von The Stetson Family, schrieb. Nachdenklich geht es mit “The Other Side“ weiter. Die akustische Instrumentierung hilft dabei, die Melancholie anzunehmen. Für das vierte Album mussten neun Jahre vergehen, vielleicht auch um aus der Starre nach dem Verlust des Bandmitgliedes herauszukommen. Das swingende “Dollar In My Hand“ wird von Mandoline und Banjo fein in Szene gesetzt. Die Band: Nadine Budge (lead vocals, guitar), John Bartholomeusz (guitar, lead guitar), Colin Swan (banjo), Greg Field (fiddle, madolin) und Luke Richardson (double bass) haben mit dem Titel “Nightfall“ eine feine ruhige Instrumentalnummer zu bieten, die alle Instrumente sehr geschmeidig zu Gehör bringt und zum Träumen einlädt. Man merkt, dass diese fünf Musiker schon länger ihr Handwerk beherrschen. Da gibt es kein oberflächliches Nachjagen der Mainstream Moderne. So sind die 11 Tracks eine Präsentation eigener Kompositionen und Arrangements. Im Übrigen von Ern Rose, einem in Australien sehr geachteten Produzenten, mit entsprechender Aufmerksamkeit produziert. Einige Titel wie “Make Me Ashes“ kommen beschwingt daher. Doch so manche Zeile ist doch eher nachdenklich machend. So liegt über dem Album “The Stars, If You Look Closely“ stets eine getragene Stimmung bis hin zur Melancholie. Wie der Titel des Albums schon ausdrückt, sollte man hier ruhig einmal genauer hinschauen bzw. hinhören. Wieder ein Beispiel für die sehr kreative und lebendige Country Music Szene Made in Australia.

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Kyle Park – All Nighters

(VÖ: 12.01.2024)

Um es vorweg zu nehmen, die 12 Tracks des Albums “All Nighters“ von Kyle Park sind allesamt gute Unterhaltung und teils tanzbare Country Music. Soweit so gut. Das eine oder andere Voice Doubling stört gewaltig und man hört genauer hin. Da werden Arrangements gerne mal aus “vorgefertigten“ Sequenzen zusammengeschustert. Der fast immer gleiche Beat vermittelt einen soliden Eindruck. Inhaltlich geht es, wie so oft, um die Kneipen, den Whiskey, das Bier und was sich daraus alles für Verwicklungen ergeben können. So ist der Eindruck der ersten Tracks. Mit dem Titel “Rewind“ in der Mitte des Albums, kann Kyle Park zum ersten Mal richtig punkten. Ja, wenn man doch manchmal die Zeit zurückdrehen könnte, um eigene Fehler zu korrigieren. Auch die Hymne auf die Heimat und das eigene Land, das man unter keinen Umständen aufgeben darf, ist Kyle Park mit “Hill Country Home“ gelungen. Die bittere Ballade und Klage an die fremdgehende Partnerin hat in “Who, What, Where, When and Why“ einen beeindruckenden Titel bekommen. Die Fragen: Wer, Was, Wo, Wann und Warum, beschreiben die Verzweiflung in einer solchen Beziehung. Mit der schmachtenden Ballade “The Way That You Lay On My Mind“ hat Kyle Park noch einen echten Country Song zu bieten. Und auch der Schlusstitel “All That I’m Holding Against You (Is Me)“, setzt die bessere zweite Hälfte des Albums “All Nighters“ von Kyle Park fort. Danach versöhnt, hat man ein durchaus kurzweiliges Album genossen.

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Lacy J. Dalton – Can’t Tell Your Heart Who To Beat For

(VÖ: 02.02.2024)

Wenn die Stimme manchmal nicht mehr das Standing hat wie früher, so hat Lacy J. Dalton, nun beinahe 80 Jahre alt, kaum etwas von ihrer beeindruckenden Präsenz als Sängerin eingebüßt. Mit “Scarecrow“, dem Song aus 2019, beginnt das Retrospektiv Album “Can’t Tell Your Heart Who To Beat For“. Aber bei “Slip Away“, dem Song aus dem Album “The Last Wild Place“ aus 2004 demonstriert Lacy J. Dalton, welche Macht sie noch in ihrer Stimme hat. Natürlich durfte der Line Dance Hit “Black Coffee“ nicht fehlen und auch hier sind die Jahre ihrer Lebenserfahrung unglaublich präsent in ihrer aktuellen Interpretation. Den Titel “Crazy Blue Eyes“ mit dem sie 1979 erstmals in den Charts auftauchte, interpretiert Lacy J. Dalton unterstütz von einem aufmerksamen und behutsamen Arrangement beeindruckend. Berührend auch die Liebeserklärung an das eigene Kind in “Little Boy Blue“, welches immer in den Augen der Mutter ihr kleiner Sohn bleibt. Der Titelsong greift noch einmal zurück zum Album “Scarecrow“. Hier nutzt Lacy J. Dalton ihre stimmlichen Möglichkeiten in Passagen ohne Text noch einmal aus. Auch “Life’s About Now“ stammt aus dem “Scarecrow“ Album, ist aber hier ein wenig „too much“. Doch “Takin‘ It Easy“, die Nummer Zwei der Charts für Lacy J. Dalton aus 1981 erinnert an die große Erfolgszeit der Sängerin aus Pennsylvania. Mit “Everybody Makes Mistakes“, einem weiteren Top Ten Erfolg aus 1981 endet diese sympathische Erinnerung an eine sehr beeindruckende Künstlerin und Stimme. Es war hoch an der Zeit, Lacy J. Dalton einmal wieder in das Bewusstsein der Freunde echter und guter Country Music zu holen.

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Missy Raines – Highlander

(VÖ: 09.02.2024)

Missy Raines ist eine der meistdekorierten Musikerinnen des Bluegrass. Sie gilt in der Branche als Ikone der Bassspielerinnen. Ihre Performance mit dem Stand Up Bass hat unglaublich vielen Produktionen ihren Stempel aufgedrückt. Auch als Solo Künstlerin tritt Missy Raines gern in Erscheinung. So jetzt wieder mit ihrem fünften Studioalbum “Highlander“ als Bandleaderin und Musikerin an ihrem Instrument. Worauf sich die Konsumenten freuen dürfen, ist unverstellte Bluegrass Music. Sowohl die mitwirkenden Musiker sind an ihren Instrumenten einfach beeindruckend, als auch die Titelauswahl begeistert durch kompromisslose Zuwendung zu Bluegrass “at its best“. Missy Raines schart nun für ihr Album “Highlander“ große Namen als Mitwirkende um sich. Kathy Mattea, Laurie Lewis, Dudley Connell, Michael Cleveland and Danny Paisley lassen sich da ausmachen. Über all den zehn tollen Titeln schwebt der Gesang von Missy Raines und dokumentiert ihre tiefe Verwurzelung mit der Musik ihrer Heimat West Virginia. Mit ihrer Band Allegheny spannt Missy Raines einen weiten Bogen im Genre Bluegrass. Von Uptempo Tracks, deren Inhalt ja nicht immer den fröhlichen Tempi entsprechen, bis hin zu total traditionell umgesetzten Stücken. Für Bluegrass Fans ist dieses Album eine wertvolle Bereicherung im Sammlerregal. 

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Nathan Carter – Music Man

(VÖ: 08.12.2023)

Mit dem munteren Titel “If You Love Somebody“ im Louisiana Swamp Style beginnt das Album “Music Man“ des irischen Interpreten Nathan Carter. Doch schon “Dear Elizabeth“ versetzt die Zuhörer mitten hinein in einen irischen Pub. Die Irish Tin Whistle startet “In The Kingdom Of Kerry“ und eine Hymne auf die Heimat erklingt. Nathan Carter mischt moderne Country Titel gekonnt mit der Musik von der grünen Insel. So kann man beide Fangruppen miteinander ins Gespräch bringen. Von den 11 Tracks sind nur wenige als “Nicht Country“ auszumachen. Dafür aber sind die Titel wie der Live Schlusssong “Mull Of Kintyre“, weil hinreichend bekannt, gerne zu konsumieren. So ist der Titel des Albums “Music Man“ von Nathan Carter klug gewählt. Er präsentiert sich als Sänger, dem seine Musik Freude bereitet. Ob Country oder nicht, was bedeutet das schon? Eine hörenswerte halbe Stunde.

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Holler Choir – Songs Before They Write Themselves

(VÖ: 12.01.2024)

Wer Lust hat auf richtig feine Oldtime Music in modernem Arrangement und exzellenter Instrumentaldarbietung, ist mit dem zehn Tracks umfassenden Album von Holler Choir “Songs Before They Write Themselves“ hervorragend bedient. Schon der Titel des Albums lässt erahnen, dass es hier um intelligent erdachte und gemachte Musik geht. Holler Coir, das sind Frontmann, Sänger und Gitarrist Clint Roberts, die Clawhammer Style Banjoistin Helena Rose und Upright Bass Spieler Norbert McGattigan, und die sind alles andere als ein “Brüll Chor“. Mit jeder Menge Gefühl und feinen Texten präsentieren Holler Choir ihre Musik in appetitlichen Dosierungen. Mit einem munteren Sound beginnt das Album, allerdings mit dem nachdenklich machenden Titel “One Less Lie“. Produzent Michael Ashworth (Steep Canyon Rangers) hat dem Trio einige Könner an ihren Instrumenten zur Seite gestellt. So z.B. Bridger Dunnagan an der Fiddle, der gleich zu Beginn sein Können demonstrieren kann. “Fair Weather Lover“ beklagt eine Beziehung, die, wenn es Probleme gibt, auseinandergeht weil es einen “Schönwetterpartner“ gibt. Ein wenig Banjo, ein führender Bass und schon ist ein musikalischer Teppich ausgelegt. Einige Titel wurden bereits früher als Singles veröffentlicht. In das Album “Songs Before They Write Themselves“ von Holler Choir eingebunden, bilden sie das Rückgrat des Werkes. Gerade hat man noch einen treibenden Sound bei “Darlene“ gehört, da kommt ein Americana, beinahe experimentell konstruiertes Arrangement bei “Heart-Shaped Box“ und fällt aus dem Rahmen. „Ein Barhocker ist besser als eine Kirchenbank, denke ich. Wenn du nach Gott oder der Wahrheit suchst, such auf hartem Untergrund.“ So sinngemäß lautet die Botschaft im letzten, wieder munter und gekonnt eingespielten Schlusstitel “Ain’t Too Soon“. Das ist nichts für Pop Musik Fans. Hier muss man einfach richtig zuhören und hat dafür eine gute halbe Stunde bester Unterhaltung.

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Jay Webb – Mama Tried

(VÖ:17.11.2023)

Rap-Country Music. Das muss als Überschrift über dem Album “Mama Tried“ von Jay Webb stehen. Zehn Mal der gleiche Beat und die gleiche Dauerberieselung mit sehr viel Text, kennzeichnen die Titel des Albums, welches mit dem einstigen Erfolgstitel von Merle Haggard überhaupt nichts mehr gemein hat. Nach zehn ziemlich gleichförmigen Songs ist auch dem geduldigsten Zuhörer der Genuss ausreichend. 

 

 

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Josh Abbott Band – Somewhere Down The Road

(VÖ: 26.01.2024)

Ein kleines Füllhorn an verschiedenen Tempi, Arrangements und Inhalten hält Josh Abbott mit seiner Band in seinem neuen Album “Somewhere Down The Road“ für die Konsumenten bereit. Den Insidern ist der Texaner Josh Abbott längst ein Begriff. Jetzt hat er seine Band neuformiert und kann mit einem kräftigen, teils rockigen Sound aufwarten. Dabei sind die Arrangements immer abwechslungsreich und spannend. Ob beim flotten “What Were You Thinking“ oder beim Schlusstitel “Brutus, Judas And You“ wo es um die Untreue schlechthin geht, da bleibt kein Bein ruhig. Dann wieder hat Josh Abbott total spannende Laid Back Music zu bieten, wie bei “The Sale“ oder bei “Back To Normal“. Die ruhigen Balladen wie das bedeutungsgeladene “Guilt Of A Man“ oder die Liebesbekundung bei “She‘ll Always Be“ kommen auch nicht zu kurz. Mit 12 Tracks ist das Album “Somewhere Down The Road“ von der Josh Abbott Band gut gefüllt und bietet eine halbe Stunde richtig abwechslungsreiche und hörenswerte moderne Country Music.

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Kristen Kelly – Warrior

(VÖ: 16.02.2024)

Mit jeder Menge Opposition in der Stimme beginnt Kristen Kelly ihr neues Album “Warrior“ mit dem Opener “Drink Myself Out Of Love With You“ und es muss bezweifelt werden, ob man durch Komasaufen einen Seelenschmerz bekämpfen kann. Die Verlassenheitsgefühle sind zunächst das Thema des Albums “Warrior“ von Kristen Kelly und man darf gespannt sein, ob sich das thematisch ändert. Der Titel “Ex Old Man And An Ex Girl Friend“ ist eine bittere Abrechnung, sowohl mit “Ihm“ als auch mit der vermeintlichen Freundin. “Feeling Nothing“ hat mindestens zwei bemerkenswerte Textzeilen. „Sag mir wohin ist die Liebe gegangen, wenn sie fort ist“ und „Ist es nicht komisch, dass ich nichts mehr für ihn empfinde?“. Und dennoch würde nichts sich besser anfühlen, als noch einmal so zu lieben wie vorher. Starke Emotionen. Mit “He Called Me Baby“ kann Kristen Kelly den feministischen Blick auf eine Beziehung noch einmal verstärken und erinnert ein wenig an die Zerrissenheit der Sängerin Melanie aus längst vergangener Zeit. Verfolgt man die Inhalte der 13 Songs des Albums “Warrior“ von Kristen Kelly, beginnt man zu begreifen, was der Albumtitel ausdrücken möchte und was die eigentliche Botschaft der Sängerin aus Texas ist. Beziehungsschmerz wird sich in Stärke umwandeln.  Nein, das Thema hat sich im Verlauf des Albums nicht wesentlich verändert. Es geht um Beziehungen, meist gescheiterte. Ein richtig beeindruckendes Album.

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Adam Sanders – Right In The Middle Of It

(VÖ: 02.02.2024)

Meist wirft Adam Sanders seinen Fans kleine Häppchen zum Hörverzehr hin. 2018 seine Debüt-EP mit seinem Namen als Titel. 2021 das erste volle Album “What If I’m Right“. Dann folgten im Jahr 2022 vier EP’s, bevor nun 2024 sein nächstes und neuestes volles Album “Right In The Middle Of It“ veröffentlicht wurde. Es startet mit einer modernen Ballade über einen ungewollten Hausverkauf. Aber was soll der Erzähler mit so viel Platz, wenn “Sie“ nicht mehr da ist? Mit der rockigen Beschreibung über ein Wochenendvergnügen, welches in seiner Banalität vom Alltagsstress ablenken soll, geht es munter weiter. Beinahe flehentlich beschwört Adam Sanders in “How’d You Do It“ eine mögliche Wiedervereinigung mit der Verflossenen. Nach seinem Erfolg seinerzeit mit dem Titel “Daddy Jesus And Earnhardt“, in welchem er dem absoluten Helden der NASCAR Rennen huldigte, hat er mit dem Song “NASCAR“ wieder einen solchen Titel am Start. Richtig überzeugen kann er, trotz allen Getöses im Arrangement damit aber nicht. Je mehr man in dem Album weiterstöbert, verstärkt sich der Eindruck, manches bereits gehört zu haben. Da erinnert Adam Sanders an die Musik von Jason Aldean. “Right Im The Middle Of It“ ist ein modernes Country Album ohne Highlights. Kann man machen, muss man aber nicht.

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Bela Fleck – Rhapsody In Blue

(VÖ: 12.02.2024)

Gleich zu Beginn, Country Music wird man hier nicht hören. Wie der Titel des nur vier Titel umfassenden Albums “Rhapsody In Blue“ schon klarstellt, ist das neue Werk von Ausnahme Banjoist Bela Fleck der Musik von George Gershwin gewidmet. Auf solch eine anspruchsvolle Idee muss man erst einmal kommen. Das ist nur etwas für Musikenthusiasten, unabhängig von jeglichem Genre. Zeigt aber einmal mehr, dass Musiker immer versuchen die Grenzen in ihrem Schaffen zu erweitern. Über 18 Minuten Jazz in Verbindung mit dem Virginia Symphony Orchestra mit dem Titel “Rhapsody In Blue“ ist schon genussvoll. Aber Achtung, nur richtige Hardcore Fans von Bela Fleck werden hier durchhalten. 

 

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Charles Esten – Love Ain’t Pretty

(VÖ: 26. 01.2024)

Nach den vielen Gesangseinlagen der Serie Nashville im TV hat Charles Esten immer wieder versucht, in der Country Music einen Platz zu erobern. Mit seinem neuen Album “Love Ain’t Pretty“ jetzt also ein aktueller Versuch. Der Titelsong startet das Album und ist so langweilig, dass man gespannt ist, ob da noch etwas mehr kommt. Wer die Songs der Nashville Serie kennt und weiß, mit welchen Arrangement Tricks da gearbeitet wurde, wird nicht überrascht sein, dass das Album “Love Ain’t Pretty“ von Charles Esten genauso aufgebaut ist. 14 Tracks auch mit der Unterstützung von Country Rocker Eric Paslay bei “Down The Road“ machen aus diesem Album kein Highlight. 

 

 

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Corb Lund – El Viejo

(VÖ: 23.02.2024)

Ein spanischer Titel einer Country und Alternative Musikers aus Kanada, das klingt spannend. Und gleich der erste Track des Albums “El Viejo“ ist spannend. Da haben Musiker einen Bogen gespannt und Corb Lund interpretiert im Opener “The Cardplayer“ rau und unverstellt, dass Deppen meist auch noch Glück haben. Das macht schon einmal richtig Laune. Mit “Was Forth Worth Worth It“ nimmt Corb Lund das Thema einst von Terri Clark bearbeitet erneut im Alternative Style auf. Mit dem Titelsong erinnert Corb Lund an einen Freund, der nicht mehr da ist. Mit “When The Game Gets Hot“ erinnert er musikalisch an Zeiten, in denen Country Rebellen wie John Hartford Grenzen erweiterten. Mit dem Titel “Insh’allah“ thematisiert er die Traumata als Kriegsveteran auf eine überraschende Weise. Ein rundum ungewöhnliches Album ist dem Alterative Berufsoppositionisten Corb Lund gelungen und das ist wieder nix für Liebhaber leicht verdaulicher Musik.

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Drake Milligan – Jukebox Songs

(VÖ: 16.02.2024)

Nicht gerade spendabel zeigt sich Drake Milligan mit seiner neuen EP “Jukebox Songs“. Nur 4 Tracks dürfen die Konsumenten anhören. Mit dem Opener “What I Coudn’t Forget“ tröstet sich Drake Milligan sehr schnell mit einer Barbekanntschaft über eine gescheiterte Beziehung hinweg. In “I Got A Problem“ ist er so verliebt, dass kein Vergleich wie “deine Küsse schmecken wie Whiskey und ich bin en Trinker“ oder “du bist eine Wild Card und ich bin ein Spieler“ flach und hergeholt ausreicht um seine Begeisterung zu beschreiben. Eine bittersüße Trennungsballade ist “Don’t Leave Me Loving You“. Schlussendlich besingt Drake Milligan in “Jukebox Songs And Barstool Beers“ die Freitagnacht Vergnügungen. Abgesehen von der wirklich anhörbaren Stimme von Drake Milligan ist die EP “Jukebox Songs“ eben genau nicht mehr oder weniger als der Titel ausdrückt.