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Berichte von Live-Veranstaltungen

 

Take It To The Limit spielen die Songs der Eagles

Die Eagles zählen bekanntlich seit 1971 zu den populärsten Bands weltweit. Ihre Musik stellt eine einzigartige Symbiose aus Folk, Country und Rock dar. Leider waren sie hierzulande nur selten zu erleben. Umso mehr freuen wir uns, wenn es mal eine Tribute-Band gibt, die sich auf die Musik der Eagles spezialisiert hat und davon existieren mehrere. Eine der besten überhaupt konnten wir am 08.02.2024 im ausverkauften kleinen Saal der Nürnberger Meistersingerhalle erleben. „Take It To The Limit“ nennt sich diese zehnköpfige

Formation aus Irland, in Anlehnung an einen der Hits der Eagles. Dass sieben der zehn Bandmitglieder mit Nachnamen „Sheerin“ heißen, ist kein Zufall. Es handelt sich um sechs Brüder und einen Neffen, wie sie dem Publikum erklärten. Zunächst gab es ein kurzes Vorprogramm, dargeboten von Simon Sheerin und seiner Frau mit Country-Songs von Linda Ronstadt, Dolly Parton und Faith Hill. Schon dafür gab es viel Beifall. Was wir dann erlebten, sorgte vom ersten bis zum letzten Titel für Begeisterung pur. Ob „“How Long“, „Peaceful Easy Feeling“ oder „New Kid In Town“, keiner der Eagles-Klassiker fehlte hier im Programm und alles klang absolut authentisch, wie im Original! Das Arsenal an akustischen und E-Gitarren, sechs- und zwölfsaitig, war beeindruckend. So vielseitig wie die Musik der Eagles ist, so behände wechselten auch hier die Musiker

zwischen den Instrumenten hin und her. Klar, dass Des Sheerin zu „One Of These Nights“ zu einem Fretless-Bass wechselt. Auch einige der hierzulande weniger bekannten Songs, z.B. aus dem Eagles-Album „Hell Freezes Over“ hat man im Programm. Annähernd drei Stunden (mit einer kurzen Pause) hat diese grandiose Show gedauert. Es gibt so viele Eagles-Songs, dass man vereinzelt sogar zu einem Medley greifen muss, um sie alle zu berücksichtigen. Beeindruckend ist, neben dem brillanten mehrstimmigen Gesang, auch die Bandbreite der zum Einsatz kommenden Instrumente. Zu „Best Of My Love“ und „The Last Resort“ kommt, wie im Original, eine Steel-Guitar zum Einsatz und zu „Tequila Sunrise“ natürlich auch eine Mandoline. Kein Zweifel: dies ist die beste Eagles-Tribute-Band, die wir bislang erlebt haben. Diese zehn sympathischen Vollblut-Musiker spielen die Musik der Eagles nicht einfach, sie zelebrieren sie mit Inbrunst und voller Begeisterung. Dabei erreichen sie über weite Strecken die Perfektion des Originals und was die Klangfülle angeht, übertreffen sie sie bisweilen sogar!  Mit „Desperado“, „Life In The Fast Lane“ und „Already Gone“ gab es den krönenden Schlusspunkt. Aber natürlich mussten drei Zugaben her: als erstes hörten wir den a-capella-Song „Seven Bridges Road“. Natürlich war „Hotel California“, der wohl bekannteste Hit der Eagles, auch an diesem Abend das Highlight, die Gitarrensoli exzellent gespielt, ehe man sich mit „Take It Easy“ vom begeisterten Publikum verabschiedete. Nächstes Jahr wollen die Jungs wieder kommen, denn sie fühlen sich sichtlich wohl bei uns.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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14. Internationales Bluegrass-Festival Birkenried

Das ist unglaublich: schon zum vierzehnten Mal veranstalteten die Country- und Western-Friends Kötz 1982 e.V. ihr beliebtes Bluegrass-Festival

… im stimmungsvollen Kulturgewächshaus Birkenried, nahe Günzburg gelegen.

Für den Fan dieser Musik zählt diese Veranstaltung zweifelsohne zu den Highlights in Europa. In der Tat reisen da auch Gäste aus dem benachbarten Ausland an. Etwa 120 Gäste können da in gemütlicher Atmosphäre ein unterhaltsames Wochenende verbringen. Einmal mehr hatte man es verstanden, uns ein sehr abwechslungsreiches Kontrastprogramm zu kredenzen. 

Peter Wroblewski

Bunch of Grass

Am Freitag um 19:30 Uhr begrüßte Peter Wroblewski, Vorsitzender der Country- und Western-Friends Kötz, das Publikum und kündigte die erste Band an, das war das Quintett Bunch of Grass, gegründet vor zwei Jahren von dem Schwabacher Gitarristen, Sänger und Songschreiber Markus Rapke. Mit der in Freiburg lebenden Susanne Sievers steht ihm eine exzellente Fiddlerin zur Seite. Bernd Müller am Kontrabass bleibt gern im Hintergrund, doch so für zwei bis drei Songs kommt er auch mal ans Mikro und beweist, dass er auch ein guter Sänger ist. Jesper Rübner-Petersen an der Mandoline stammt aus Dänemark und hat sich im Memmingen niedergelassen. Den weitesten Weg hat Steffen Thede aus Bielefeld, der trotz seines jungen Alters schon zu den versiertesten Banjospielern im Lande zählt.

Bunch of Grass

Die fünf operieren klassisch mit einem Zentralo und optimieren den Sound ständig aufs Neue, indem sie geschickt mit der Dynamik arbeiten. Der zweistimmige, ja manchmal dreistimmige Gesang hat uns immer wieder beeindruckt. Das Repertoire besteht zumeist aus Bluegrass-Klassikern, die man geschickt neu aufpoliert hat. Das sind aber nicht die, die jeder kennt, sondern eher solche, die man hierzulande selten oder nie gehört hat. „Dance With Me Molly“ im Dreivierteltakt ist so ein schönes Beispiel. Aber die Band hat durchaus eigene gelungene Werke im Programm. Der Beifall war enorm.

Bluegrass Cash

Zweiter Act am Freitag war Bluegrass Cash, da sagt und bereits der Bandname, was die vier Herren aus dem Raum Köln sich vorgenommen haben: sie interpretieren Songs, die Johnny Cash mal gesungen hat (auch solche, die er gecovert hat), geschickt im Bluegrass-Sound. Gegründet hat sie der Niederländer Martin Voogd. Seine Kollegen sind Paul Bremen (Geige, Bratsche, Mandoline), Rainer Diekamp (Kontrabass) sowie der bereits bei Bunch of Grass aktive Steffen Thede (Banjo). Das ganze ist unglaublich schön gemacht und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie toll die Songs im Bluegrass-Stil klingen. Da waren sogar Titel dabei, die man auf Anhieb gar nicht Johnny Cash zugeordnet hätte, etwa „Six Days On The Road“ oder „City Of New Orleans“. Das Publikum hatte sichtlich Spaß an dieser gelungenen Darbietung.

Finale-Freitag

Jede der beiden Bands spielte zwei Sets im Wechsel und zum Schluss fanden alle acht Musiker sich noch zu einer finalen Session zusammen. Bei so einer Gelegenheit werden in der Regel Gospel-Klassiker zelebriert, die jeder kennt. Gegen Mitternacht machten wir uns mit fröhlichem Gesicht auf den Weg zum Nachtquartier.

Caludo

Am Samstag öffnete das Gewächshaus bereits um 17 Uhr seine Türen, denn da stehen immer drei Auftritte auf dem Programm. Vorher gab es noch ein unterhaltsames Programm mit Country Music im Café nebenan. Opener am Abend war Caludo, ein Trio, bei dem als Herkunft die Schweiz angegeben ist. Allerdings ist nur Vincent Zurkinden (Kontrabass) ein echter Schweizer. Catie Joe Pidel (Fiddle) stammt aus Minneapolis und lebt in der Schweiz. Gitarrist Stefan Behler stammt aus Norddeutschland und ihn kannten die Fans gut, war er doch schon 2014 mit der Schweizer Band Mala & Fyrmoon in Birkenried zu Gast. Eigentlich ist die Musik von Caludo eher Folk als Bluegrass: Sie spielen American Folk mit einer Prise Bluegrass-Drive. Gelegentlich gibt’s auch mal irische Jigs und Reels zu hören, und auch Songs auf deutsch! Das Besondere: alle Titel stammen aus ihrer eigenen Feder. Nicht alles ist sofort eingängig, doch je länger man zuhört, umso besser klingt´s. Zur Eröffnung des Abends hätte man keine bessere Wahl treffen können.

Nugget

Es folgte das Quartet Nugget aus Österreich. Bereits 1977 soll Helmut Mitteregger (Mandoline) diese Band gegründet haben, damals wahrscheinlich eine Schülerband. Seine Ehefrau Katarina (E-Bass) ist in der Slowakei geboren, er hat sie seinerzeit von einer dortigen Band abgeworben. Die Gitarre spielt der Niederländer Ralph Schut und am Banjo finden wir Jarda Jahoda, geboren in Prag, der zu den Besten in Europa zählt. Diese vier gutgelaunten Leute präsentierten uns klassischen Bluegrass wie aus dem Lehrbuch, jedoch alles geschickt modernisiert. Von „San Antonio Rose“, Western Swing also, bis zu einem aktuellen Country-Titel „Still Loving You“ von den Common Linnets (NL) reicht das vielseitige Repertoire. Dazu ein paar Country-Klassiker, gekonnt auf Bluegrass umgearbeitet, das ganze Programm macht viel Spaß und sorgt für gute Laune, unterstützt durch Helmut´s humorvolle Art, durch das Programm zu führen. Virtuose Soli und toller Gesang, einmal sogar a-capella, was will man mehr?

Coral Creek Sting Band

Headliner am Samstag war die Coral Creek Sting Band aus Colorado (USA). Bandgründer Chris Thompson lebt ganz bewusst in der Stadt Golden in Colorado, weil es in den Rocky Mountains sehr schön ist und weil nirgends mehr Bluegrass gespielt wird als dort in Colorado. Seine Bandkollegen auf dieser Tour sind Matt Thomas (Kontrabass), Allie Kral (Fiddle) und Justin Conrad (Dobro). Letzterer hat unlängst einen Dobro-Contest gewonnen, zählt also zu den besten auf diesem sensiblen Instrument. Alle vier sind exzellente Spezialisten auf ihren Instrumenten und der dreistimmige Gesang ist ein Genuss für die Ohren. Chris Thompson trägt mit seiner sanften, weichen Stimme die meisten Titel solo vor. Da sind eine ganze Reihe schöner Eigenkompositionen dabei, in denen er zumeist die Schönheiten seiner Heimat würdigt, aber auch Coversongs von Flatt & Scruggs, Peter Rowan oder Merle Haggard. Mal klingt es wehmütig, dann aber auch recht furios. Sie verstehen es meisterhaft, aus einem Song, der eigentlich nur zwei Akkorde benötigt, eine wahre Symphonie zu machen.

Finale-Samstag


Der Beifall für alle drei Bands war enorm, wie nicht anders zu erwarten. Er steigerte sich noch mehr bei der abschließenden Session mit Mitgliedern aller drei Bands.

Sonntag-Matinee

Am Sonntagvormittag gab es dann den obligatorischen Gottesdienst und einen anschließenden Weißwurstfrühschoppen mit Musik von Nugget. Ab 14 Uhr stand noch eine Matinee an: die Coral Creek Sting Band brachte noch in weiteren zwei Sets viele schone Songs zu Gehör. „Comes A Time“ von Neil Young ist wohl einer der besten Folksongs überhaupt.  Die Version der Coral Creek Sting Band ist die schönste, die wir je gehört haben.

Wir verbrachten erneut ein herrliches Wochenende in tollem Ambiente. Vergessen wir auch nicht, den Tontechniker Martin zu loben, der für den hervorragenden Sound an allen drei Tagen verantwortlich war. Wir bedanken uns bei Peter Wroblewski und seinem gesamten Team. Hoffen wir, dass diese Veranstaltung noch viele Jahre stattfinden kann.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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Dale Watson im Four Corners Saloon 

Er war lange nicht mehr in Deutschland, doch die Fans haben ihn nicht vergessen. Dale Watson,

1962 in Birmingham, Alabama geboren, zog schon als Jugendlicher nach Texas und ließ sich dort vom texanischen Musikstil inspirieren. Er begann bereits mit zwölf Jahren eigene Songs zu schreiben. Nach dem Besuch der Highschool arbeitete und musizierte er mehrere Jahre lang in lokalen Clubs und Tanzsälen. Im Jahr 1988 zog er nach Kalifornien und erhielt dort ein Engagement bei der Band eines lokalen Clubs in Los Angeles. Später zog es ihn dann doch wieder nach Texas, wo er sehr populär ist. Seit 1995 hat Dale zahlreiche LP´s und Singles mit zumeist eigenen Titeln veröffentlicht.
Im Rahmen einer Europa-Tournee trat Dale Watson am 12.07.2023 im Four Corners Saloon in Untermeitigen (nicht weit von Augsburg) auf. Obwohl das ein Mittwoch war, war der Saloon nahezu ausgebucht, das zeigt, dass er bei den Fans in der Region nach wie vor sehr beliebt ist. Seine Band „The Lonestars“ hat er vor kurzem neu formiert. Er selbst spielt nach wie vor die Leadgitarre und das kann er sehr gut. Die beiden Jungs am Schlagzeug (Manni Pagan) und am Bass (Lawrence Cevallos) sind Texaner und neu in der Band. Geblieben ist Don Pawlak, der Mann an der Steel-Guitar, mit dem er seit 20 Jahren spielt. Dale´s Musikprogramm macht vom ersten bis zum letzen Song viel Freude. Eröffnet hat er die Show an diesem Abend mit „Tennessee Saturday Night“, einem Oldie von Red Foley aus dem Jahr 1955. Seine zumeist selbst geschrieben Titel verbreiten Country-Feeling pur, sind meist schwungvoll und sehr abwechslungsreich. Er erzählt in ihnen Geschichten aus dem Leben und von seinen Erlebnissen in seiner langen Zeit auf Tourneen. Ganz neu und noch nicht auf CD veröffentlicht ist „Texarkana“, ein toller Rockabilly-Song, bei dem das Publikum herrlich den Refrain mitgrölen kann. Überhaupt versteht Dale es meisterhaft, die Gäste mit ein seine Show einzubeziehen, ein echter Entertainer halt. Sein Gesang ist nach  wie vor sehr stark und seine Stimme markant und unverkennbar. Auch die wenigen Coversongs im Programm hat er gut ausgewählt. Da hört man mal „Ring Of Fire“ oder „Tiger By The Tail“, da erkling aber auch mal ein Klassiker von Merle Haggard oder Waylon Jennings. Und dann sind da noch jene eigenen Songs, bei denen man im Intro glaubt, jetzt käme z.B. „Gentle On My Mind“ und dann ist doch ein Dale Watson-Song. Im Übrigen ist der Stil seiner Countrysongs unglaublich abwechslungsreich. Mal ist ein getragene Ballade dabei, dann klingt es wieder nach Mariachi aus Mexico, während der nächste ein fetziger Boogie ist. Ende 2023 wird es eine neue CD geben, da ist dann auch das gelungene „You Are My Friend“ drauf. Eine Ballade über George Jones und eine Hommage an Merle Haggard hat er auch geschrieben, die heißt „Feelin´ Haggard“. Dale vergaß auch nicht, Marianne Theil, die Saloonbesitzerin für ihre Verdienste um die Country Music gebührend zu würdigen. Zum krönenden Abschluss des zweistündigen Auftritts kredenzte man uns mit „A Real Country Song“ noch ein echtes Juwel, ebenfalls sehr zum Mitsingen geeignet. Die Gäste im Four Corners waren sehr angetan.

Text und Fotos: Jürgen Stier

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Kiefer Sutherland im Serenadenhof Nürnberg

Die meisten von uns kennen Kiefer Sutherland vor allem als Schauspieler, doch er hat schon vor etlichen Jahren seine Liebe zur Musik entdeckt. Der 1966 in England geborene Kanadier hat übrigens einen berühmten Vater, den Schauspieler Donald Sutherland. Sein ungewöhnlicher Vorname stammt von Warren Kiefer, einem Regisseur, der Donald Sutherland seinerzeit seine erste Filmrolle ermöglichte. 

Neben seiner Schauspielerkarriere ist Kiefer als Musikproduzent tätig und leitet zusammen mit Jude Cole ein eigenes Label. Sutherland hat 2016 sein erstes Album „Down in a Hole“ veröffentlicht, die Songtexte hat er zusammen mit Jude Cole geschrieben und komponiert. 2019 veröffentlichte er sein zweites Album „Reckless & Me“.  Sein drittes Album „Bloor Street“ erschien 2022. Viele der Songs auf dem neuen Album sind während der Pandemie entstanden, als es kaum Auftrittsmöglichkeiten gab, so erzählte er uns in Nürnberg.
Für die Tournee 2023 hatte uns Mr. Sutherland auch zwei Special Guests mitgebracht. Das waren die Songschreiberin Sari Schorr mit ihrem Partner. Sari ist Bluessängerin aus New York City. Die Tochter eines Piloten und eines Models wuchs in einem musikalischen Umfeld auf. Zu ihren Vorbildern zählt sie insbesondere Ella Fitzgerald. Während ihrer Studienzeit hatte sie klassischen Gesangsunterricht. Aufgrund ihrer starken Stimme wurde sie ermuntert, Opernsängerin zu werden. Sari bevorzugte jedoch die Improvisation des Jazz und Blues und begann auch, Songs zu schreiben. Ihre Songs gehen dem Zuhörer nicht ganz leicht ins Ohr, doch ihre Stimme, das muss man anerkennen, ist phänomenal. Ein wenig erinnerte sie uns an Sheena Gee, die wir 2022 in der Bauernfeind-Arena erlebt haben. Für ihren halbstündigen Auftritt erhielten die beiden viel Beifall. Nach einer kurzen Pause war dann Hollywood-Feeling angesagt. Begleitet von fünf absolut professionellen Musikern erschien Kiefer Sutherland auf der Bühne und zog das Publikum sofort in seinen Bann. Er ist mehr als ein Songschreiber, er ist ein Geschichtenerzähler und ein Entertainer zugleich. Und Geschichten hat er gar viele zu erzählen, teils verbal, teils in unterhaltsamen Songtexten verpackt. Und er gibt sich publikumsnah, ohne Starallüren, so als würde man ihn seit langem persönlich kennen. Dazu passt die Inszenierung: kein aufwändiges Bühnenbild, nur sein Vorname an der Rückwand, dazu etwas Licht und etwas Nebel (den wir Fotografen bekanntlich nicht so gerne mögen). Kein Firlefanz, Konzentration auf das Wesentliche. Was uns auch auffiel: Es ist ja heutzutage schon ganz normal, dass Musiker ein Smartphone oder Tablett an den Mikro-Ständer montieren und von dort die Songs ablesen. Kiefer und seine Band brauchen so was nicht, das zeugt von Professionalität. Viele der Gäste im ausverkauften Serenadenhof haben Kiefer schon bei deiner Tour 2018 erlebt. Damals klang seine Musik stark nach Country. Wer das heuer erneut erwartete, sah sich vielleicht etwas enttäuscht, denn er hat seinen Musikstil komplett neu ausgerichtet und auch seine Band ist eine andere. Was wir am 11.07.2023 in Nürnberg erlebten, war zumeist melodischer, aber durchaus auch harter Gitarren-Rock der Siebziger Jahre. Teils klingt´s auch etwas nach Springsteen, bisweilen auch durchaus nach Blues oder etwas Rockabilly. Langweilig wird diese Mischung keinen Moment, die Songs gehen schnell ins Ohr und sind abwechslungsreich. Und doch hat er durchaus mal einen überraschenden Cover-Song mitgebracht, z.B. von Patty Loveless „Blame It To My Heart“ – Sutherland kann nach wie vor Country, kein Zweifel! Von seinen eigenen Titeln hat uns das gefühlvolle „Chasing The Rain“ am meisten berührt. Die Texte seiner Songs erzählen auch von der Zeit, als er in jungen Jahren als Rodeo-Reiter mit Pickup und Pferdeanhänger unterwegs war, aber auch von seiner kleinen Heimatstadt, wo sich alles an den vier Straßenecken zutrug, dort wo sich die beiden Hauptstraßen kreuzten. Zum Abschluss des 80 Minuten dauernden Auftritts erlebten wir Kiefer´s wohl bekanntesten Song „It´s Friday Night“. Das Publikum war begeistert. 

Text und Fotos: Jürgen Stier

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19. Internationales Bühler Bluegrass-Festival

Am Wochenende 5. und 6. Mai 2023 fand schon zum 19. Mal das beliebte Bluegrass-Festival in Bühl, ca. 50 km südlich von Karlsruhe gelegen, statt.

Bluegrass festival Bühl Patrick Fuchs

Patrick-Fuchs

Aus der Vergangenheit weiß man, dass hier stets hochkarätige Bands aus mehreren europäischen Ländern und auch aus den USA eingeladen werden. Der Freitagabend stand unter dem Motto „Bluegrass unter Hebebühnen“ und fand in der Werkstatthalle des Landmaschinenhändlers Oechsle statt. Die Idee ist gut und sie hat bereits Tradition in Bühl, simuliert man damit doch die Atmosphäre eines Barn Dance Abends, wie er früher in den USA oft abgehalten wurde. Da räumte ein Farmer am Wochenende seine Scheune aus und da wurde dann gefeiert, musiziert und getanzt bis zum Abwinken. 

Bluegrass Festival Bühl Johnny & The Yooahoos

Johnny & The Yooahoos

Um 20 Uhr begrüßte Veranstalter Patrick Fuchs die bereits zahlreich angereisten Gäste und stellte die erste Band vor. Johnny & The Yooahoos kommen aus dem Raum Mühldorf am Inn. Schon beim Festival in Birkenried 2022 hatten diese „jungen wilden“ für Furore gesorgt und diesmal wirkte ihr Auftritt noch stärker. Es ist die neue, herzerfrischende Art, wie sie Bluegrass, mit nur einem Zentral-Mikro interpretieren. Da sind starke eigene Titel, aber auch Klassiker z.B. von den Stanley Brothers, nur dass man die fast nicht mehr wieder erkennt. Der dreistimmige Gesang ist nicht so brav wie bei anderen Bands, da ertönen wahre Tenor-Stimmen, dass die Wände wackeln. Es gibt Gospel, A-Capella-Gesang und virtuose Soli auf Gitarre, Mandoline und Banjo. Sie können aber auch mal langsam und gefühlvoll, je nach Stimmung. Diese vier Jungs haben wahrlich Bluegrass im Blut.

Die zweite Band des Abends kam aus den Niederlanden und ist in der Szene keine Unbekannte:

The Bluegrass Boogie Men

The Bluegrass Boogie Men

 haben sich der traditionellen Musik verschrieben, interpretieren diese aber auf ihre eigene, ganz originelle Art. Auch hier wechseln gekonnte Soli mit zwei- und dreistimmigem Gesang. Da erklingt American Roots Music, gefolgt von Klassikern von Hank Williams, Flatt & Scruggs oder Jimmy C. Newman. Und sogar der „Orange Blossom Special“, mit Fiddle und Harmonika vorgetragen, kommt hier mal wieder zu Ehren. Man spürt vom ersten Titel an, dass sie ihre Musik aus Spaß machen. Dieser Spaß überträgt sich auch sogleich auf das Publikum. Man blickt in lauter fröhliche Gesichter.

Zum krönenden Abschluss des Freitags holte man Johnny & The Yooahoos nochmal mit auf die Bühne zu einem gemeinsamen Gospel-Finale. Da erklangen dann „I Saw The Light“ und „Will The Circle Be Unbroken“ und der langjährige Fan fühlte sich zurück versetzt zu jenen großartigen Sessions, die die Nitty Gritty Dirt Band seinerzeit initiiert hat. Der Beifall der Gäste für beide Bands war enorm.

Blue Side Of Town

Blue Side Of Town

Am Samstag gab es dann in der Fußgängerzone ein Nachmittagsprogramm auf einer Open Air-Bühne. Die Söllingen Swingers aus der Bühler Gegend zeigten Square Dance vom Feinsten und ihr Caller erklärte dem Publikum viel Wissenswertes über diese traditionelle Art des Tanzens. Es folgte der Auftritt einer Freiburger Band mit dem Namen Blue Side Of Town. Die zelebriert Bluegrass wie aus dem Lehrbuch, nicht so wild und nicht so originell wie die Bands am Freitag Abend, aber exzellent vorgetragen und mit vielen Klassikern, die die Fans so gerne mögen. Auch Line Dance gab es zu bestaunen, von der Bühler Tanzschule Fromme. Die anwesenden Line Dancer stellten erfreut fest, dass sie die meisten Tänze kannten. Auch Kinder und Jugendliche werden da unterrichtet und zeigten Kostproben des gelernten. Dann war es Zeit, zu verschnaufen und sich zu stärken (auch dafür ist in Bühl natürlich gesorgt), denn es stand ein umfangreiches Abendprogramm bevor.

Bluegrass fest Boom Ditty

Boom Ditty

Schon um 17 Uhr ging es los im Saal des Bürgerhauses Neuer Markt und dieser Saal ist mit seiner guten Bestuhlung, Akustik und Atmosphäre bestens geeignet für einen gelungenen Konzertabend. Vier Bands stellte uns Patrick Fuchs freudestrahlend vor und auch hier hatte man ein tolles Kontrastprogramm zusammengestellt. Den Anfang machte charmanter Bluegrass-Folk aus dem Südwesten Frankreichs. Boom Ditty sind eine sechsköpfige Band, die mit zwei Gitarren, Kontrabass, Mandoline, Banjo und Dobro eine enorme Klangfülle erzeugt. Das meiste sind eigene Titel, die man hier auf englisch vortrug. Einer, der die Band schon auf Festivals in Frankreich erlebt hatte, sagte uns, dass Boom Ditty sich dort noch besser präsentiert, weil sie in ihrem Element sind, wenn sie in ihrer eigenen Sprache singen können. Überhaupt war es erst das 2. Mal, dass die Band außerhalb Frankreichs gespielt hat, erklärte die hübsche Janine Terhoff (Mandoline, Gesang), die einzige Deutsche in der Band. Und doch machte der Auftritt viel Freude und das fachkundige Publikum dankte mit reichlich Applaus. 

Cousin Hatfield

Cousin Hatfield

Nach einer kurzen Pause waren unser Freunde aus dem Norden der Niederlande an der Reihe. Cousin Hatfield nennt sich dieses Quartett, das als Studentenband angefangen hat und, je nach Laune, auch einen ganzen Abend lang Country spielen kann. Entsprechend verpackten die vier auch etliche Country-Oldies, z.B. von Merle Haggard, Patsy Cline oder sogar Südstaaten-Rock von Lynnyrd Skynnyrd in ihrem abwechslungsreichen Programm. Doch alles erklang ganz klar im Bluegrass-Sound. Ein eigener Titel namens „Las Vegas“ hat absolutes Hit-Potential, geht er doch sofort ins Ohr und in die Beine. Ein Highlight von Cousain Hatfield ist der starke Gesang von Nathalie Schaap am Kontrabass. Ein bisschen mehr Banjo-Soli hätten wir uns noch gewünscht und Gitarrist Martin Schimmel, der auch ein sehr guter Sänger ist, hätte ruhig noch ein paar Songs mehr beitragen können. Ansonsten: eine klasse Band!

Fog Holler

Fog Holler

Nach einer längeren Pause folgte die erste von zwei amerikanischen Bands. Fog Holler kommen aus Portland, Oregon und warten mit einem tollen Retro-Outfit auf. Ihre Musik klingt, als käme sie geradewegs aus den 40er und 50er Jahren und dennoch sind es zumeist eigene, neue Titel. Tradition trifft hier auf Innovation! Zweistimmiger Gesang von Casey Holmberg und Tommy Scholz wechselt mit virtuosen Banjo-Soli. Der angestammte Fiddler James Rossi konnte leider nicht auf die Tournee mitkommen, doch mit der jungen Lilian Sawyer fand mal eine würdige Vertretung. Musiker im Publikum lobten ihre ungewöhnlich exakte Art zu spielen. Auch Noah Laniakea am Kontrabass, der die meisten der Songs schreibt, erhielt viel Lob. Gelegentlich erklingt auch bei dieser fröhlichen Band auch mal ein Klassiker von Bill Monroe oder Jimmy Martin. Vor allem aber war das eine tolle Show, die Fog Holler da präsentierten.

Level Best

Level Best

Krönender Abschluss, und da hatte man uns nicht zuviel versprochen, waren die aus dem Osten der USA stammenden Level Best. Der Name ist Programm: Alles hier ist vom Feinsten! Fünf Bluegrass-Profis mit langjähriger Erfahrung präsentierten und die Musik, die wir so lieben, in Reinkultur. Das begann mit einer Bluegrass-Version des Country-Klassikers „Ridin´ My Thumb To Mexico” und führte über Musik von Jimmy Rodgers zu etlichen Bluegrass-Klassikern, aber auch Eigenkompositionen. Gekonnt operieren sie mit nur einem Zentral-Mikro und arbeiten geschickt mit der Dynamik. James Field (Gitarre) spricht sogar ganz gut deutsch, er traut sich nur nicht! Am Banjo erlebten wir mit Ed Lick eine der Legenden der Szene. Mandoline spielt Liza Kay Howard-Hughes, Fiddle und Dobro spielte ihr Ehemann Wally Hughes und am Bass, bescheiden im Hintergrund, finden wir Mary Burdette. Die fünf machen nur aus einem Grund zusammen Musik: weil es ihnen Freude macht. Entsprechend haben sie sich ein traumhaft schönes Programm zusammengestellt, bei dem der Zuhörer bisweilen feuchte Augen bekommt. Der Song „So Happy Together“ von den Turtles, einer Beatband aus den 60ern, bringt das auf den Punkt. Das Publikum applaudierte stehend. Kann man das noch toppen? Klar doch, mit einem Finale, bei dem alle 19 Musiker noch mal zusammen in die Saiten hauten, als gäbe es kein Morgen. Der Klassiker „Good Old Mountain Dew“ passt da perfekt. Niemanden im Saal hielt es da noch auf seinem Sitz.

Bluegrass Festival Bühl

Finale

Fazit; die Reise nach Bühl hat sich mehr als gelohnt. Weiter so Patrick Fuchs und sein Team! Die Fans, die teils von weit her angereist waren, freuen sich schon auf das 20. im nächsten Jahr. Loben wollen wir auch die Stadt Bühl für die Unterstützung und ganz besonders Matthias, den jungen Mann am Mischpult, der perfekte Arbeit leistete. Herzlichen Dank auch an Herbert Schildhammer von den Illertal Cowoys, der uns am Samstagabend im letzten Moment zwei Plätze organisiert hat, von denen aus tolle Fotos möglich waren.

Bericht/Fotos: Jürgen Stier

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High South in Warmensteinach

Schon wenn der Name High South nur genannt wird, kommen viele Musikliebhaber ins Schwärmen.

Kurt Keller, Veranstalter der Eventlocation „Zum Hans“ in Warmensteinach am Fichtelgebirge schafft es immer wieder, namhafte Künstler auf die Bühne zu bringen. Am 10.03.2023 war es wieder mal so weit.

Big S

Doch bevor High South gegen 21 Uhr sich die Ehre gaben, erlebten wir eine tolle Vorband, die dort schon einmal die Show eröffnet hatte. Das freilich war diesmal eine Überraschung, denn Kurt Keller kündigt solche Special Guests mittlerweile nicht mehr vorher an. Es handelte sich um „Big S“. Dieses Trio zelebriert handgemachte Musik in bester Songwriter-Tradition, gepaart mit dem Sound aktueller Country Music. Der Kopf der Band ist der Sänger und Songwriter Steve Maier, ein Mann mit toller Stimme. Eine Auswahl seiner selbst geschriebenen Titel hat er auf dem Album „Own World“ veröffentlicht. Die Texte, nun ja, voll aus dem Leben gegriffen. Der angestammte Bassist von Big S war leider erkrankt, deshalb übernahm, wie schon beim Auftritt 2022, Leadgitarrist Helli den Bass. Mike, den Mann am Cajon, der auch tollen Background-Gesang beisteuert, kannten wir bereits von der Münchner Band Rebel Bunch. Gut 45 Minuten unterhielten die drei uns prächtig und stimmten das Publikum so recht ein, auf das was da kommen sollte.

High South

Über High South hatte man ja nur Gutes gehört und wer, wie ich, die Band schon dreimal erlebt hatte, war sehr gespannt. Die Besetzung hatte sich in den letzten drei Jahren immer wieder etwas verändert, ebenso der Sound, in dem sie ihre Songs präsentieren. Mal hatten wir sie als Trio rein akustisch erlebt, mal mit Begleitung mit ihrem Produzenten Josh Leo als Leadgitarrist, mal in Fünfer-Besetzung. Aktuell ist aus dem Trio ein Duo geworden, weil Phoenix Mendoza ausgestiegen ist und sein Nachfolger Devon Pangle nicht mehr zur Verfügung steht.

Diese freundlichen jungen Künstler aus Nashville führen mit einer unglaublichen Spielfreude jene Songwriter- und Folk Music-Tradition fort, wie wir sie von Künstlern wie Neil Young oder Bands wie Crosby Stills & Nash, Poco oder den Eagles kennen. Auf das Covern bekannter Klassiker ihrer Vorbilder verzichten sie mittlerweile ganz. Jamey Garner, der Virtuose auf der Mundharmonika, stammt aus Illinois und Kevin Kampos ist Kalifornier mit mexikanischen Vorfahren. Kevin lebt mittlerweile in Österreich und ist dort verheiratet. Getroffen haben sie sich einst in Nashville, wo sie sich schnell einen Namen gemacht haben. Neu in der Band war diesmal ein Gitarrist, den die Fans aus Bayern bestens kennen: Louis Thomaß spielt ja ansonsten u.a. in der Band von Ronnie Nash. Auch hier bei High South fand er sich in seinem Element, weil er auch zum dreistimmigen Harmoniegesang beitragen kann. Mit Artjom Feldtser am Bass und Hanser Schüler an den Drums erlebten wir die beiden sympathischen Jungs aus Hamburg wieder, die High South schon 2020 begleitet hatten. 

Einen solch brillanten Gesang wie von High South haben wir lange nicht mehr gehört. „Joshua Tree“, ein Song der in der kalifornischen Wüste entstand, „Honestly“ oder „All We Need“, alle diese traumhaft schöne Songs und sie erzählen Geschichten aus dem Leben, vermitteln aber vor allem Hoffnung, Kraft, und Zuversicht. Die Melodien sind traumhaft schön. „Peace, Love & Harmony“ heißt einer ihrer älteren Songs aus dem gleichnamigen Album und der blieb uns nicht nur im Gedächtnis hängen, nein der ging auch direkt ins Herz, weil er Mut macht und Hoffnungen weckt, dass der Menschheit schon bald eine friedliche Zukunft beschert sein möge. Das ist weit mehr ein Song, das ist eine Vision! So erlebten wir, immer schön im Wechsel, mal einen der älteren Songs, mit denen sie uns schon 2020 erfreut hatten und dann mal wieder einen der neuen Titel, denn High South schreiben ständig neue gelungene Songs.

Abgerundet wird die Show in der Regel mit einem Johnny Cash-Titel in ganz eigenem Sound und, so wie an diesem Abend, mit „The Weight“, einem Klassiker von The Band, der früheren Begleitband von Bob Dylan.

Lobend erwähnen muss man auch, dass die Jungs nach der zweistündigen Show mit viel guter Laune den Gästen zur Gesprächen zur Verfügung standen. Und sie fühlen sich wohl hier bei uns, haben sich schon viel umgesehen, gut gegessen und getrunken und nette Leute kennen gelernt. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Europa-Tournee dieser sympathischen Band.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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The Kruger Brothers im Pfleghof in Langenau

Am 12.11.2022 gastierten die in North Carolina lebenden Kruger Brothers im Rahmen einer Europatournee  im Pfleghofsaal in Langenau, nicht weit von Ulm gelegen.
Veranstaltet wurde der Auftritt von den Country und Western Friends Kötz 1982 e.V. 

Peter Wroblewski

Um 20 Uhr begrüßte der Vorsitzende Peter Wroblewski das Publikum in seiner typisch freundlichen, humorvollen Art. Wir erlebten einen stimmungsvollen Abend in dem mit ca. 120 Gästen ausverkauften Saal. Sofort fiel auf, dass im Publikum viele Musiker waren, die die Kruger Brothers zumeist schon mehrfach erlebt hatten und sich sehr auf das Wiedersehen freuten. Eigentlich muss es ja ‚Krüger Brothers’ heißen, denn die beiden Brüder Jens und Uwe Krüger stammen aus Deutschland. Weil sie in den USA leben und arbeiten, haben sie halt die Pünktchen über dem u weggelassen. Sie begannen schon in jungen Jahren zu singen und Instrumente zu spielen. Aufgewachsen in einer Familie, in der Musik ein wichtiger Bestandteil des Lebens war, waren sie vielfältigen musikalischen Einflüssen ausgesetzt. Bereits im Alter von elf und zwölf Jahren traten die Brüder regelmäßig auf und begannen ihre Profikarriere 1979. Dritter Mann auf der Bühne ist der höchste kreative Bassist Joel Landsberg, ein gebürtiger New-Yorker, der ebenfalls deutsch spricht und mit seinem fünfsaitigen Bass herrliche Akzente setzt. Dieses Trio hat sich durch unermüdliche Arbeit einen hervorragenden Ruf erworben und wird in den USA und Europa zu allen großen Festivals eingeladen. Gemeinsam begründeten sie einen unvergleichlichen Musikstil, für den sie heute bekannt sind. Das Trio hat seit 2002 seinen Sitz in Wilkesboro, North Carolina. Aufgetreten sind sie auch öfter zusammen mit anderen Folk-Größen, z.B. mit Doc Watson. Im weitesten Sine kann man die Musik als Bluegrass bezeichnen, aber es ist halt nicht der klassische Stil, wie wir ihn von anderen Bands kennen. Jens ist ein Meister auf dem Banjo und das gleiche kann man von seinem Bruder Uwe auf der Gitarre sagen. Uwe singt die meisten Solo-Parts und es wird auch dreistimmig gesungen, aber nicht mit solch hellen Stimmen wie sonst bei Bluegrass, sondern tief und sonor. Uwes Art zu singen erinnert uns ein wenig an Irish Folk Music und in Irland liegt ja auch eine der Wurzel amerikanischer Musik

Kruger Brothers

Gleich zu Beginn zelebrierte Jens eine wahre Hymne auf dem Banjo, das mindestens sieben Minuten lange „Appalachian Concerto“. In den zumeist selber geschriebenen Stücken geht es um ihre Heimat North Carolina, um die Verbundenheit mit der Natur, um Fernweh und um das Thema Eisenbahn. Immer wieder begeistert uns Jens mit seinen herrlichen Soli auf dem Banjo. Er ist ein Virtuose, vor allem aber spielt er sehr, sehr gefühlvoll. Man merkt, dass alles aus tiefster Seele kommt. Die Musik geht dem Zuhörer sofort tief ins Herz. Ein Musiker, der die drei schon öfter gesehen hat, sagte mir, dass dieses Trio nie stehen bleibt. Bei jedem Auftritt versuchen sie, die Songs weiter zu perfektionieren, immer noch mal einen drauf zu setzen, immer noch schöner zu gestalten als zuvor. Bisweilen fließt da auch eine leicht jazzige Note ein. Basis der Musik der Kruger Brothers ist klar das, was man heute als Old Time Music bezeichnet, die Volksmusik aus den Appalachen. Daher beherrscht Jens nicht nur den Drei-Finger-Stil sondern auch die älter Clawhammer-Technik. Gewürzt mit irischen Einflüssen und herrlichem Bluegrass-Feeling ergibt das eine Musik, die mit jedem Titel mehr Freude macht. Selten hat man ein derart begeistertes Publikum erlebt! Gegen Ende des Abends hörten wir dann noch ein paar bekannte Stücke aus der Feder anderer Künstler, z.B. „Paradise“ von John Prine oder „Don´t Think Twice“ von Bob Dylan. Aber auch die interpretieren sie liebevoll in ihrer ganz eigenen Art. Als Zugabe wünschte sich die Mehrheit der anwesenden Musiker im Publikum das herrliche „Carolina In The Fall“ und mit „The Steets Of London“ (Ralph McTell), ebenfalls herrlich aufpoliert verabschiedeten sich die drei sympathischen Herren. 

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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13. Bluegrass-Festival Birkenried 2022

Das jährliche Bluegrass-Festival,

ausgerichtet von den Country- und Western-Friends Kötz 1982 e.V., konnte heuer vom 26. bis 28. August wieder im üblichen Rahmen stattfinden. Für den Bluegrass-Fan zählt diese Veranstaltung zweifelsohne zu den Highlights des Jahres. Veranstaltungsort ist das nahe Günzburg gelegene Kulturgewächshaus in Birkenried. Etwa 120 Gäste können da in gemütlicher Atmosphäre ein höchst unterhaltsames Wochenende verbringen. Erneut sorgten die Veranstalter mit einem geschickt ausgewählten Kontrast-Programm für Abwechslung. Keine Band ist wie die andere, vielmehr interpretieren die Künstler die Musik ganz unterschiedlich und es gibt auch nicht nur Bluegrass zu hören.

Peter Wroblewski

Peter Wroblewski, Vorsitzender der Country- und Western-Friends Kötz eröffnete das Festival am Freitag um 19:30, nicht ohne die Verdienste des kürzlich verstorbenen Eberhard Finke zu würdigen. Er war Gründungsmitglied und den Kötzern Jahrzehnte lang eng verbunden. Seinem Andenken wurde das Festival 2022 gewidmet.

Lounge Pickers

Los ging es am Freitag Abend mit einer Band aus der Schweiz, den Lounge Pickers. Mit Gitarre, Mandoline, Kontrabass und Banjo zelebrieren diese vier Gentlemen mittleren Alters Bluegrass wie aus dem Lehrbuch. Jedoch: sie tun, was auch andere Bluegrasser bisweilen tun, sie vergreifen sich des Öfteren an Songs aus ganz anderen Genres und arrangieren sie geschickt auf Bluegrass um. Mit dem CCR-Klassiker „Have You Ever Seen The Rain“ eröffneten sie die Show, es folgten Bluegrass-Standards, aber auch Folklore aus der Schweiz, Musik von Grateful Dead und z.B. „I Walk Alone“ von Green Day. „Turn The Page“ kennt man von Bob Seger oder Metallica, nunmehr auch als Bluegrass. Eine höchst abwechslungsreiche Mischung also. Nicht alle vier sind im Übrigen Schweizer: Der Bassist Bernd Müller ist in Ravensburg zu Hause und war erst im Juli mit der Band Bunch of Grass im Schwabacher Stadtpark zu erleben.

Johnny & The Yooahoos

Die zweite Band des Abends bildete einen totalen Kontrast: die jungen Wilden hauten in die Saiten, anders kann man es nicht beschreiben. Johnny & The Yooahoos kommen aus dem Raum Mühldorf am Inn, Oberbayern also. Schon ihr Auftreten mit langen Haaren und Stirnbändern ist beinahe eine Provokation, umso mehr die Tatsache, wie sie Bluegrass interpretieren. Dass die beiden Brüder, die die Band gegründet haben, aus der Rock-Musik kommen, mag man gern glauben. Dennoch: sie haben Bluegrass im Blut. Da sind starke eigene Titel, aber auch Klassiker z.B. von den Stanley Brothers, nur dass man die fast nicht mehr wieder erkennt. Der dreistimmige Gesang ist nicht so brav wie bei anderen Bands, da ertönen wahre Tenor-Stimmen, dass die Wände wackeln. Mit „The Weight“ von The Band rundeten sie ihre gelungene Show ab. Das fachkundige Birkenrieder Publikum dankte es mit frenetischem Beifall. Zum Abschluss bat man die Launge Pickers noch mal zu einer Session mit auf die Bühne: „Will The Circle Be Unbroken“.

Am Samstag Nachmittag gab es im Bluebird-Café neben dem Gewächshaus eine offene Bühne bei Kaffee und Kuchen. Dort spielten u.a. die Waikiki Sundowners, die in Birkenried vor einigen Jahren schon einmal bei der Sonntagsmatinee zu hören waren. Sie sind spezialisiert auf Hawaii-Musik. Da bleibt auch immer viel Zeit für interessante Gespräche

Grasset 4

Grasset 4

Die Abendshow am Samstag, mit drei Bands, begann bereits um 17:30 Uhr. Zum Auftakt spielte eine weitere Band aus Oberbayern, Grasset 4, gegründet von Sängerin Adiaha und die wohnt tatsächlich in einem kleinen Ort namens Grasset nahe Burgkirchen an der Alz. Adiaha hat eine sehr schöne Stimme und spielt Mandoline und Banjo, nicht so virtuos wie die Kollegen der anderen Bands, aber sehr gefühlvoll. Kürzlich war man um einen Gitarristen verlegen, doch man wurde fündig: Christian Benke, der ansonsten bei den Huckleberry Five spielt, ist ein langjähriger Profi, der es schaffte, sich in Rekordzeit in des Programm von Grasset 4 einzuarbeiten. Um es gleich vorweg zu nehmen: keiner der Songs von Grasset4 ist im Original Bluegrass, Sie stammen von den Beatles, Melanie Safka, den Dixie Chicks und sogar von Canned Heat. Aber alles wird ohne Rücksicht auf Verluste verbluegrassed! Abgerundet wird die gelungene Show der Band von dem grandiosen a calpella-Stück „Down To The River To Pray“ von Alison Kraus aus dem Film „O Brother Where Art Thou“. 

John D. & the Rose

John D. & the Rose

Das erst vor 2 Jahren gegründete Duo John D. & the Rose, diesmal unterstützt von Ulli Brehm am fünfsaitigen Kontrabass (auch so was gibt es!) spielte dann zur Abwechslung mal reine Country Music. Man ist spezialisiert auf die schönsten Songperlen aus mehreren Jahrzehnten. „18 Wheels And A Dozen Roses“, „God Must Be A Cowboy“ oder “Blue Eyes Crying In The Rain“ sind nur drei Beispiele. Kein Zweifel, das ist mehr als nur gute Country Music, das ist Balsam für die Seele des Country-Fans! Schöner kann man Country nicht machen.

Four Wheel Drive

Als Headliner angekündigt waren dann Four Wheel Drive und schon vom ersten Stück an wussten wir warum. Diese Band zählt zum Besten was Bluegrass in Europa je hervorgebracht hat. Stellen wir sie mal einzeln vor: Der Niederländer Joost van Es gehört an der Fiddle schon fast zu den Legenden und Bassist Alfred Bonk, der ostfriesische Hesse, besticht auch durch seinen Bluegrass-typischen Gesang. Aus Belgien kommt Jan Michielsen (Gitarre) und das Banjo spielt Jürgen Biller aus Stuttgart. Neu dabei ist der auch in Franken bestens bekannte Helmut Limbeck an der Mandoline. Das sind also fünf hochkarätige Virtuosen auf ihren Instrumenten, und ihr mehrstimmiger Gesang sorgt immer wieder für Begeisterung. Bei ihren Soli arbeiten sie geschickt mit der Dynamik des Zentralmikros. Viele der Stücke von Bill Monroe, Flatt & Sgruggs und anderen Größen kennt man. Die Show dieser Band ist in der Tat Bluegrass in Vollendung. Die Gäste im Gewächshaus haben gebrüllt vor Begeisterung. Manchmal, so wie in Birkenried, hat Four Wheel Drive eine Gastsängerin dabei und dann gibt´s eine Zeit lang Country Music pur.

Four Wheel Drive mit Jolanda Peters

Jolanda Peters heißt diese charmante junge Dame aus Utrecht und ihre Stimme braucht den Vergleich mit Stars wie Patsy Cline, Dolly Parton oder Tammy Wynette nicht zu scheuen. Traumhaft schön war vor allem ihr Duett mit Joost van Es bei „If I Needed You“.

Am Sonntag Vormittag gab es dann den obligatorischen Gottesdienst und einen anschließenden Weißwurstfrühschoppen. Ab 12 Uhr stand noch eine Matinee an: Four Wheel Drive gaben sich nochmals eine Stunde lang die Ehre. Nach einem deftigen Mittagessen vom Grill spielten dann John D. & The Rose nochmals 2 Stunden ihre Country-Songperlen zum Dahinschmelzen.

Wir verbrachten erneut ein herrliches Wochenende in tollem Ambiente, ein Genuss für alle, die Bluegrass, aber auch allgemein handgemachte akustische Musik mögen. Vergessen wir auch nicht, den Tontechniker Martin zu loben, der für den hervorragenden Sound an allen drei Tagen verantwortlich waren. Wir bedanken uns bei Peter Wroblewski und seinem gesamten Team. Nächstes Jahr sind wir alle wieder dabei.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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Comeback von Brad Paisley

Es war die Sensationsmeldung auf die, die deutsche Country-Community so gewartet hat. Brad Paisley kommt im Sommer 2022 für ein Konzert zurück nach Deutschland.

Nach seinem ausverkauften und frenetisch umjubelten Live-Debüt in Berlin im Oktober 2019 präsentierte er sich nun erst zum zweiten Mal auf einer deutschen Bühne. Ein exklusives Musik-Highlight, das kein Country Fan verpassen durfte. Das Open-Air-Konzert am 31. Juli 2022 fand in der traumhaften Kulisse des Schlossgartens in Schwetzingen statt. Bei hochsommerlichen Temperaturen von über 30 Grad Celsius diente für viele Besucher der Cowboyhut nicht nur als Accessoire, sondern auch zum Schutz vor der Sonne.

Bevor Brad Paisley mit seiner Stammband die Bühne betrat, durfte mit dem Heidelberger Alex Auer mit den Detroit Blackbirds ein lokaler Act als Opener das Publikum unterhalten.

Man entschied sich für einen Musiker aus der Region…Alex Auer (Gitarrist u.a. bei Xavier Naidoo) einen Blues Gitarrist….Warum!!!… einen durchaus guten Gitarristen, der sich bemühte mit seinen Lousiana Blues die Brad Paisley Fans zu gewinnen, was leider nicht gelang. Wir haben in der Deutschen Countryszene sehr viel talentierte Bands und Künstler die für einen passenden Eröffnungsact besser gewesen wären. 

Brad Paisley hat sich seinen Platz in der Geschichte der Country-Musik als einer der talentiertesten und meistausgezeichneten männlichen Solokünstler des Genres verdient. In den letzten 21 Jahren wurde er für sein Songwriting und sein unübertroffenes Showtalent mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Brad Paisley hat Country-Musik im Blut! Gerade mal mit 12 Jahren schrieb er seinen ersten Song, heute kann er auf 18 Nummer Eins – Platzierungen zurückblicken. Mehrfach mit dem Grammy und zahlreichen weiteren Awards ausgezeichnet, ist Brad Paisley aus der Country-Szene nicht mehr wegzudenken.

Pünktlich um 20.30 Uhr ging das Feuerwerk los. Schwarze Jeans, schwarzes Hemd, heller Hut und eine quietschbunte Crook Telecaster in den Händen: Brad Paisley zeigt, wie Countrymusik im Paisley-Stil geht – rockig, eingängig, abwechslungsreich.

Mit einem Hit-Dreierpack startete das über anderthalbstündige Programm. „American Saturday Night“, „Beat This Summer“ und „Online“. Drei echte, stimmungsvolle Hausnummern zum Auftakt. Vor allen Dingen die Zuschauer im sogenannten „Front of Stage“-Bereich gingen schnell in Partylaune über.

Um dem Publikum möglichst nah zu sein, wechselte Brad Paisley immer wieder seine Position auf der Bühne, auch reichte ihm der Laufsteg nicht mehr aus, stattdessen nahm er ein Bad in der Menge, verteilt fleißig Gitarrenpicks und schenkt einem Jungen mit Kopfhörern sogar eine seiner Gitarren. Der Hut von Ihm flog dann auch noch in die Menge.

Im Gegensatz dazu stand der wohl emotionalste Moment des Abends: „Whiskey Lullaby“. Bei der mehrfach ausgezeichneten Ballade spielte der Star allein auf der akustischen Gitarre, während die Fans die Handylichter einschalteten und so für eine besondere Atmosphäre im mittlerweile dunklen Schlosspark sorgten. Den Abschluss des Konzerts bildete wie gewohnt der Gassenhauer „Alcohol“, nachdem sich das Publikum vorher beim Fan-Favoriten „Mona Lisa“ zu Recht selbst gefeiert hatte.

Rund 3.500 Zuschauer sind laut Angaben des örtlichen Veranstalters beim Konzertabend mit Brad Paisley im Schwetzinger Schlosspark dabei gewesen.

Bericht/Fotos: Karl Hofmann
(Quellen: u.a.diverse mit Genehmigung)

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The Growling Old Men in Bad Berneck

Bluegrass-Musiker sind bekannt für ihre ausgefallenen Band-Namen. John Lowell (Gesang, Gitarre) und Ben Winship (Gesang, Mandoline), beide aus den USA, treten zusammen unter dem Namen „Growling Old Men“ auf.

Dabei sind die beiden weder alt noch brummig, sondern zwei exzellente und überaus kreative Musiker, die traditionelle und moderne Bluegrass-Music mit Country, Western und Folk vereinen.

Für die Deutschland-Tournee 2021 konnte Ben Winship leider nicht mitkommen, doch man fand eine würdige Vertretung: Martino Coppo (Mandoline, Gesang) von der italienischen Band Red Wine, den kennen die Fans bereits von Auftritten u.a. beim Bluegrass-Festival in Birkenried. Dritter Man auf der Bühne war der aus Oberfranken stammende Allround-Musiker Thomas Kärner, der die beiden mit Kontrabass und Gesang unterstützte. Erstaunlich, wie schnell Martino sich in die nicht alltäglichen Songs von John eingearbeitet hat und, umgekehrt, man auch Songs aus dem Programm von Red Wine aufgenommen hat.

Nun haben wir ja solch wunderbare, handgemachte Musik schon an den verschiedensten Orten erlebt, aber in einer Kirche – das war eine neue und sehr schöne Erfahrung. Das Trio spielte nämlich am 29.10.2021 in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Bad Berneck im Fichtelgebirge. Vor dem Altar, wo normalerweise der Pfarrer den Segen spendet, trugen die drei Herren ihre Musik vor. Es wurden alle Instrumente nur über Mikrofone verstärkt, das hat sich bei dieser Art akustischer Musik seit langem bewährt. Virtuosen sind sie alle vier auf ihren Instrumenten und der mehrstimmige Gesang ist ein Genuss, ebenso wie die Solostimmen von John Lowell und Martino Coppo.

Die Songs waren überaus abwechslungsreich und so richtig was zum Zuhören. Mal fetzig, mal getragen und melodisch, so richtig was fürs Herz, da vergeht so ein Abend wie im Flug. Sie spielen viele eigene Songs, die teils auch Ben Winship geschrieben hat. John liebt die alten Westernsongs, wie sie einst die Cowboys an den Lagerfeuern gesungen haben. In anderen geht´s ums Fischen und bedeutende philosophische Aspekte des Alltags. „Eight More Miles To Louisville“ kennen wir alle noch von der Band Shady Mix. Bluegrass gab es u.a. in Form von virtuosen Instrumentals oder dem Bill Monroe-Klassiker „Little Cabin Home On The Hill“. Aus der Feder von John Prine hörten wir den wunderschönen Folksong „Paradise“, gefolgt von dem Instrumental „The Road To Spencer“ von Ricky Sklaggs. Von Songwriter Norman Blake stammt der Titel „Randall Collins“ mit so einprägsamen Zeilen wie ‚Fifteen Dollars is my gain…’

Wie gesagt: eine höchst kreative Formation, resultierend aus der unterschiedlichen Herkunft der drei sympathischen Jungs.
Ausdrücklich hat man sich auch beim Tourmanager in Person von Thomas Kärner´s Ehefrau Herta für die tolle Betreuung bedankt. Es lohnt sich übrigens auch, mal auf der Internetseite www.growlingoldmen.com zu stöbern. Dort gibt es Videos, Bilder und Links zu den Seiten der einzelnen Musiker sowie vieler anderer.

Mit zwei herrlichen eigenen Titeln aus John Lowell´s Feder ging ein unvergesslicher Abend zu Ende. Der Applaus des begeisterten Publikums sprach für sich.

Jürgen Stier
Fotos: Jürgen Stier

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12. Bluegrass-Festival Birkenried 2021

Das jährliche Bluegrass-Festival, ausgerichtet von den Country- und Western-Friends Kötz 1982 e.V., zählt zu den Highlights, die man sich schon frühzeitig im Kalender eintragen sollte.

Dabei läuft das Ganze eher familiär ab: keine große Konzerthalle, sondern das urgemütliche Kulturgewächshaus in Birkenried bei Günzburg ist Austragungsort dieses herrlichen Wochenendes und genau das macht den besonderen Charme aus. Bis zu 140 Gäste können da normalerweise teilnehmen, wegen der aktuellen Beschränkungen waren es heuer weniger. Aber nach der kompletten Absage 2020 war die Freude groß, am Wochenende 27. bis 29. August 2021 wieder dabei sein zu dürfen. Erneut sorgten die Veranstalter mit einem sehr geschickt ausgewählten Kontrast-Programm für Abwechslung. Keine Band ist wie die andere, vielmehr interpretieren die Künstler dieses Genre ganz unterschiedlich und nicht alles ist streng am Bluegrass verhaftet. 

Los ging es am Freitag Abend mit einer Band aus dem Schwabenland, die schon vor fast 40 Jahren gegründet wurde: Helmut & The Hillbillies, das sind Helmut Limbeck (bekannt u.a. von der Cripple Creek Band), der spielt Fiddle und Mandoline, Jürgen Biller (Banjo), Bernd Müller (Bass) und Frontmann Norbert Dengler (Gitarre). Nach rund 20 Jahren Pause hat sich dieses Quartett nun wieder zusammengefunden und legt eine enorme Spielfreude mit virtuosen Soli an den Tag. Es erklingen viele Bluegrass-Klassiker von Bill Monroe, Jimmy Martin, Flatt & Scruggs und anderen berühmten Größen, aber durchaus auch mal ein Folksong, wie „The Last Thing On My Mind“ von Tom Paxton. Die Jungs verwendeten beim Auftritt in Birkenried Einzelmikrofone. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, Norbert Dengler reizt das Publikum mit seinen kauzigen Geschichten immer wieder zum Lachen. Zudem überträgt sich die Freude an der Musik schnell auf die Zuhörer. Kein Zweifel: diese Band wird in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten.

Die zweite Band des Abends wählte einen etwas anderen Ansatz und verwendete das für Bluegrass typische Zentralmikrofon: Aus Mailand kommen Blue Dust, fünf Herren in dunklen Anzügen mit hervorragendem Satzgesang, die ebenfalls Bluegrass wie aus dem Lehrbuch zelebrieren. Ein besonderer Leckerbissen ist „Fox On The Run“, bei dem die Titelzeile „Like A Fox“ gar vierstimmig erklingt. Blue Dust tut das, was viele Bluegrasser gerne tun: sie vergreifen sich an Musikstücken ganz anderer Richtungen: egal ob „Blue Suede Shoes“ (Carl Perkins), „Things“ (Nancy Sinatra) oder der italienische Klassiker „Di Mi Quando“. Wenn Sänger Perry Meroni mit Anzug und Stetson die Bühne betritt, fühlt man sich augenblicklich in die 50er Jahre versetzt; nicht nur äußerlich, auch die Stimme ist verblüffend. Mit virtuosen Soli auf Gitarre, Mandoline und Banjo begeisterte diese sympathische Band uns ein ums andere Mal und der Chorgesang ist hervorragend. Geschickt nutzen sie dabei die Dynamik im Umgang mit dem Zentralmikro. Zum krönenden Abschluss, wie könnte es anders sein: „O Sole Mio“ in der Version von Elvis Presley, da heißt es dann „It´s Now Or Never“, im Bluegrass-Sound versteht sich. Das Publikum tobte wie selten zuvor. Kein Wunder, dass man Blue Dust schon zum dritten Mal nach Birkenried eingeladen hat!

Am Samstag Nachmittag gab es im Bluebird-Café neben dem Gewächshaus eine offene Bühne bei Kaffee und Kuchen. Das erst kürzlich gegründete Duo John D. & the Rose, bei einigen Songs unterstützt von dem Solo-Performer Johnny Guitar gab ein paar starke und nicht oft gespielte Country-Juwelen zum Besten. U.A. hörten wir „Sunday Morning Coming Down“ von Johnny Cash. John D.´s Stimme ist wie gemacht für solche Songs.

Die Abendshow am Samstag, mit drei Bands, begann bereits um 18 Uhr. Zum Auftakt spielte eine Band aus dem Raum Mühldorf am Inn: Die New Backroads sind vier Herren in den besten Jahren, die sich aus Spaß an der Musik zusammengefunden haben. Es müssen nicht immer große Namen sein, auch eine solche Band aus Freizeitmusikern kann dem Publikum jede Mange Spaß bereiten. Das tun sie mit einer ganzen Reihe eigener Songs. Bandgründer Petro Schkarlat ist ein musikalischen Multitalent, hier spielt er vornehmlich die Mandoline. Seinen Mitstreiter Helmut Höll (Gitarre) stellt er gern als den ‚Mann aus Sonora’ vor, wegen dessen sonorer Stimme. Edi Hofmann spielt einen akustischen Bass und der im Allgäu geborene Luggi Mühlegger ist für das Five-String-Banjo zuständig. Es erklingen aber auch bekannte Country-Klassiker, etwa von Bobby Bare, Marty Robbins, Don Williams und sogar der „Cherokee Boogie“ von BR549. Lob verdient auch der mehrstimmige Gesang der Herren.

Es folgte ein weiterer mitreißender Auftritt unserer italienischen Freunde von Blue Dust, bei dem wir erneut die schönsten Songs und Instrumentals vom Freitag genießen durften, ergänzt mit dem Don Gibson-Hit „I Can´t Stop Loving You“. Den krönenden Schluss bildete diesmal „Marina, Marina, Marina“, ein 1959er Hit von Rocco Granata, im Bluegrass-Sound versteht sich.

Die Frankfurter Band Grey Eagle ist in ihrer jetzigen Besetzung noch jung, doch Bandgründer und Gitarrist ‚Ali’ Wittmer spielt Bluegrass und andere Stilrichtungen seit vielen Jahren zusammen mit Rüdiger Horne (Banjo, Dobro), der in Frankfurt ein Lokal besitzt, wo sich die fünf Herren zum Proben treffen. Dieter Zanger (Mandoline) kann derzeit leider nicht dabei sein, den Bass spielt der in den USA geborene James D. Spahr und George Baehr (Fiddle, Mandoline) kennen wir u.a. auch von den Grass Root Ties. Die Jungs nehmen den Zuhörer mit auf eine musikalische Reise, mit einer kurzweiligen Mischung aus Country-Hits, wie „Mama Tried“, Gospels wie „Come On Down“ und Bluegrass-Raritäten, die man nicht jeden Tag hört. Bemerkenswert ist auch ihr Fachwissen: Ali Wittmer kennt praktisch jeden bedeutenden Künstler der Bluegrass-Szene und dessen wichtigste Werke. Zu dem Titel „Angeline The Baker“ von Crooked Still übernimmt George Baehr den Bass, James spielt ein toll klingendes Clawhammer-Banjo und singt dazu mit heller klarer Stimme. Mit „Banjo Stampede“ präsentieren sie auch ein selbst geschriebenes, virtuoses Instrumental. Zum Schluss: ein starker Gospel, a capella vorgetragen, dreistimmig, was will man mehr! Keine der Bands an diesen zwei Abenden durfte ohne Zugabe gehen und das Publikum machte sich gegen Mitternacht höchst erfreut auf den Heimweg. 

Am Sonntag ab 10:30 gab es dann den obligatorischen Gottesdienst, musikalisch umrahmt mit Gospel-Music von Grey Eagle und einen anschließenden Weißwurstfrühschoppen mit der gleichen Band. Ab 14 Uhr stand noch eine Matinee der besonderen Art an: Petro, Edi und Luggi von den New Backroads spielen nämlich noch in einer anderen Band namens Waikiki Sundowners, die sich vornehmlich der Hawaii-Musik verschrieben hat. Petro spielt hier die klassische Hawaii-Gitarre und Luggi spielt Saxofon und Ukulele. Der musikalische Bogen dieser fünf Herren reicht allerdings noch weiter, über etwas Blues und Country-Oldies bis zum Western Swing des Texaners Bob Wills. Nicht fehlen dürfen hier solche Leckerbissen wie „San Antinio Rose“, Blue Hawaii“ und der „Steel Guitar Rag“.

Fazit: Wir verbrachten ein herrliches Wochenende in tollem Ambiente, ein Genuss für alle, die Bluegrass, aber auch allgemein handgemachte akustische Musik mögen. Vergessen wir auch nicht, die beiden Jungs zu loben, die für den hervorragenden Sound an allen drei Tagen verantwortlich waren. Unseren allergrößten Respekt vor Peter Wroblewski und seinem Team. Nächstes Jahr sind wir alle wieder dabei.

Jürgen Stier

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C2C Fans feiern 3 Tage in Berlin begeistert die Stars der internationalen Countryszene

Das Country to Country Festival – das jährlich seit 2013 in London und seit 2014 in Dublin und seit 2016 in Glasgow zeitgleich stattfindet – hat sich bereits mit über 50.000 Besuchern zum größten und populärsten Country Music Festival Europas etabliert. Seit letztem Jahr findet es nun auch zeitgleich in Berlin und Amsterdam statt. Präsentiert werden weltweit gefeierte Country Stars sowie Nachwuchstalente aus Nashville, Großbritannien und Europa.

Das Country to Country Festival in Berlin vom 06.03. bis 08.03.2020 hat auch in diesem Jahr das Publikum überzeugt. Nach der erfolgreichen Premiere 2019 ging das C2C-Festival erstmals in diesem Jahr mit 3 Tagen, 8 Bühnen sowie über 30 Künstlern an den Start und machte Berlin am vergangenen Wochenende zum Country Hotspot.

Die Veranstalter des  größten internationalen Country Music Festivals Europas durften auf dem frei zugänglichen Areal rund um die Verti Music Hall 8.000 Besucher  begrüßen, die sich über drei Tage von einem Feuerwerk der modernen Country Music begeistern ließen. Unter den Festivalbesuchern und den zahlreichen internationalen Künstlern herrschte eine großartige und besonders familiäre Stimmung.

Der Townsquare auf dem Mercedes-Platz bot in diesem Jahr ein vielfältiges Unterhaltungsprogramm: Neben einem größeren kulinarischen Angebot, einer Fotobox und Ständen für Merchandise, Bekleidung oder Schmuck, gab es erstmals eine Townsquare-Bühne. Dort trotzten Top-Stars und begehrte Newcomer dem kühlen Wetter und boten einen Vorgeschmack auf das, was das Publikum auf den acht Neben- und Hauptbühnen erwartete.

Eine weitere Premiere konnten die Besucher bei den „THE BLUEBIRD CAFE-Veranstaltungen“ erleben. Das legendäre THE BLUEBIRD CAFE – eine Institution in Nashville und spätestens bekannt aus der gefeierten US-TV Serie „Nashville“ – war zum ersten Mal Gast auf dem C2C-Festival in Berlin. Auf dem Ausflugsschiff der Reederei Riedel präsentierten am Samstag die begehrten Nashville-Newcomer AUSTIN JENCKES, CAYLEE HAMMACK und FILMORE abwechselnd ihre Songs „in the round“. Auf dem schon vor Wochen ausverkauften Sonntagsschiff spielten #1-Sänger TEBEY und Songschreiber-Legende TONY ARATA, zusammen mit Nashville“-Serienstar CHARLES ESTEN. 

Lindsay Ell

Aber auch auf den weiteren Nebenbühnen war ständig ein hochkarätiges Programm zu erleben. So traten hier die meisten Acts mehrfach und auf unterschiedlichen Bühnen auf, dass kein Fan auf seinen Lieblingskünstler verzichten musste.

The Cadillac Three

Ab dem späten Nachmittag feierten die Festivalbesucher in der Verti Music Hall weiter. Am Freitag heizten TEBEY, LINDSAY ELL, THE CADILLAC THREE und LUKE COMBS, einer der aufregendsten Newcomer Nashvilles war erstmals als Headliner beim C2C in Berlin dabei. Wahrhaftig, ehrlich und geerdet. Was man von Luke Combs sieht und hört, fühlt man auch.

Luke Combs

Mit „Does To Me“ Luke Combs feat. Eric Church und Better Together“ ist ein Track von Combs zweiter CD „What You See Is What You Get“, den Combs mit Ray Fulcher und Tyler Reeve geschrieben hat. In dieser Woche ist dieser schöne Titel auf Platz 17 der Country Airplay Charts und durfte an diesen Abend nicht fehlen.

In den Pausen sorgten AUSTIN JENCKES, KYLE DANIEL und CAYLEE HAMMACK für Begeisterung auf der Spotlight Bühne, die sich in diesem Jahr im Innenraum der Verti Music Hall befand.

JIMMIE ALLEN war sowohl Künstler als auch Gastgeber der Hauptbühne am Samstagabend und kündigte zur Eröffnung des Abends die Newcomer CAYLEE HAMMACK, FILMORE und AUSTIN JENCKES, „INTRODUCING NASHVILLE“ mit ABBY ANDERSON, ERIC PASLAY UND TENILLE TOWNES sowie DARIUS RUCKER an.

Darius Rucker

Als Leadsänger und Gitarrist von Hootie & the Blowfish gehört DARIUS RUCKER schon seit den 1990er Jahren zu den weltweit etablierten Künstlern. Nach großen Erfolgen mit der Band, die auch in Deutschland Alben wie „Cracked Rear View“ oder „Fairweather Johnson“ in die Charts brachten, wandte sich Darius Rucker 2008 als Solokünstler dem Country zu. Dabei gewann er einen seiner drei Grammys 2014 als beste Country-Solodarbietung für seinen bisher größten Hit „Wagon Wheel“, der Dreifachplatin in den USA erreicht hat und natürlich auch hier nicht fehlen durfte.

NOAH SCHNACKY, RUNAWAY JUNE, CHARLES ESTEN und BRETT YOUNG feuerten ihr Publikum am Sonntag, dem letzten Festivalabend von der Hauptbühne an, während die Umbaupausen von SEAFORTH, KASSI ASHTON und FILMORE auf der Spotlight Stage versüßt wurden.

Brett Young

BRETT YOUNG der Headliner am Sonntag. Brett Young wuchs auf in Kalifornien und lernte als Teenager Gitarre spielen. In der High School half er beim Schulgottesdienst und übernahm die musikalische Gestaltung. Hauptsächlich war er während seiner Schulzeit aber ein erfolgreicher Baseballspieler, der im High-School- und im Collegeteam und stand schon unter Beobachtung der Profiteams, als eine Ellbogenverletzung die Sportkarriere beendete. Da er sich musikalisch vor allem in Richtung Country und Country-Pop entwickelt hatte, beschloss er Mitte der 2010er nach Nashville zu gehen.

Brett Young ist zweifellos einer der Senkrechtstarter in der modernen Country Music. Mit seinem im Februar 2017 erschienenen Album hat sich der Songwriter gleich mal in den oberen Etagen der Hitlisten eingenistet. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass selbiges ebenso mit dem zweiten Album „Ticket to L.A.“ gelingen wird. Mit seinen Song „Catch“ liegt er bereits auf Platz 15 der Top 25 Billboard Hot Country Songs Charts.

Erstmalig konnten die C2C-Besucher an allen drei Abenden bei der Aftershow-Party in der 260 Grad Rooftop-Bar bei noch mehr Country Music ausgelassen weiterfeiern. Gastgeber der ausverkauften Aftershow-Partys waren JIMMIE ALLEN am Freitag, WILLIE JONES am Samstag und mit TWINNIE fand das C2C-Festival am Sonntag seinen Abschluss.

Leider sagten Temecule Road, Old Dominion (Derzeit auf Platz 5 der Top 25 Billboard Hot Country Songs Charts mit dem Song One Man Band“) und A Thousand Horses vermutlich wegen dem Corona Virus ab.

 Quelle: Semmel Concerts Entertainment GmbH // Karl Hofmann  Fotos: Karl Hofmann // HeadNutPictures

Mehr Fotos demnächst unter http://www.western-michelau.de/fotographie/2020/index.html

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Abschiedstournee der Good Brothers

Am 25. Februar hatten wir im Münchner Rattlesnake-Saloon Gelegenheit, die Good Brothers aus Ontario, Kanada hierzulande ein (vorläufig) letztes Mal zu erleben. Meine erste Begegnung mit den Zwillingsbrüdern Bruce und Brian sowie ihrem jüngeren Bruder Larry datiert aus dem Jahr 1993 auf der damalige Country Music Fan Fair in Sinsheim. Aber das war beileibe nicht ihre erste Aktivität in unseren Breiten. Geradezu unglaubliche 41 Europa-Tourneen haben die Jungs seither absolviert und dabei mehr als 800 Konzerte gespielt, die meisten in den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz. Bei all diesen 41 Tourneen hat sie Kees de Haan, der tüchtige Konzertagent aus den Niederlanden betreut und ist mit ihnen mehr als 100.000 km durch die Lande gefahren.

Auch in Franken waren sie öfters, etwa im Baton Rouge in Dürrenmungenau. Die Musiker, die das Trio begleiteten, waren immer wieder andere, aber einige waren so oft dabei, dass wir sie ebenfalls schon zu unseren Freunden zählten. Stellvertretend möchte ich hier den leider im Vorjahr verstorbenen Schlagzeuger Bill Carruthers nennen. Die Jungs sind über 70 und haben im letzten Jahr etwas gekränkelt, deshalb haben sie beschlossen, ab jetzt kürzer zu treten und nur noch einige Konzerte in der Heimat zu spielen. Wir dürfen uns also glücklich schätzen, dabei gewesen zu sein, denn dies war die offizielle Abschiedstournee der Good Brothers.

Dazu hatte Bruce sich etwas besonderes einfallen lassen: Als Begleitmusiker hatte er seine beiden Söhne Travis und Dallas mitgebracht, die beide schon in den Neunzigern mit in Deutschland waren. Dallas ist Bassist und Travis ein talentierter Solist auf Fiddle, Mandoline und Akustikgitarre. Diese beiden Brüder haben sich im Übrigen als Duo The Sadies einen Namen gemacht und sie gastieren z.B. am 09.04.2020 in Krefeld.

Da standen nun an diesem Dienstag im Rattlesnake-Saloon fünf Familienmitglieder auf der Bühne und bereiteten uns einen unvergesslichen Abend. Das Repertoire der Goods reicht weit hinaus über das Thema Country Music, denn da ist eine gute Dosis Bluegrass dabei. Da beweist Larry am Banjo ein ums andere Mal sein überragendes Können bei „Fox On The Run“, „Duelling Banjos“ und sogar einem eigenen Titel. Aber wir hörten auch herrliche Folk-Songs, von ihrem Freund Gordon Lightfoot etwa den Song „Cotton Jenny“ oder von John Denver das wunderschöne „Sweet Surrender“. Es war die Mutter von Bruce, Bryan und Larry, die sie schon im Kindesalter zum Singen und Musizieren animiert hat und da gab es schon eine Vorliebe für irische Musik, die sich bis heute bei den Goods erhalten hat. Ihr Andenken halten sie mit einem Medley am Leben, das in den Klassiker „You Are My Sunshine“ mündet, vom Publikum lautstark mitgesungen.
Faszinierend ist auch schon immer, dass man mit rein akustischen Instrumenten auskommt: Bruce spielt vorwiegend Dobro und auch Autoharp, ein traditionelles Instrument, das schon die Carter Family gern benutzt hat. Brian beherrscht neben seiner Gitarre auch die irische Tin Whizzle. Der dreistimmige Gesang ist eine Freude, aber gegen Ende durfte Sohn Travis mal einen Song zum Besten geben und stahl den anderen beinahe die Show.
War das nun wirklich das letzte Mal, dass diese sympathische Band uns unterhalten hat? War da nicht eben ein Augenzwinkern im Spiel? Warten wir es ab. Fest steht: Dieser Abend hatte etwas Feierliches und Ergreifendes zugleich. Bruce bedankte sich immer wieder, dass so viele Gäste Jahr für Jahr zu ihren Shows gekommen sind. Ein wenig feuchte Augen hatten wir alle. Den Lightfoot-Klassiker „Alberta Bound“, bei dem richtig die Post abgeht, heben sie sich meist für den Schluss auf und da blickt mal mit einem Mal nur noch in fröhliche Gesichter.

Jürgen Stier

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Country-Weihnacht der Country & Western Friends Koetz

Weihnachtsfeiern gibt es gar viele, natürlich können wir hier nicht über alle berichten. Deshalb wollen wir stellvertretend eine der schönsten herausgreifen. Alljährlich findet am Samstag vor dem zweiten Advent die Country-Weihnacht im Schützenhaus Leipheim statt. Veranstalter sind die Country & Western Friends Koetz 1982 e.V. Dieser Verein hat früher tolle Country-Festivals ausgerichtet und organisiert nach wie vor Konzerte hochkarätiger Künstler aus den USA sowie das alljährliche Bluegrass-Festival Birkenried. Die Weihnachtsfeier freilich findet immer in einer besonders schönen Atmosphäre statt, so haben uns schon viele berichtet. Also haben wir uns diesmal auf den Weg gemacht und verlebten mit mehr als 200 anderen Gästen einen unvergesslichen Abend im vollbesetzten Schützenhaus. Eines vorweg: der Besuch dort lohnt sich allein schon wegen der guten Küche, das ist bekannt in der Szene und die Gäste ließen fleißig Speis und Trank auffahren. Musikalisch lässt man sich hier jedes Jahr etwas Neues einfallen und so stand die Feier 2019 schwerpunktmäßig im Zeichen der Bluegrass-Music.

Punkt 19 Uhr begrüßte unser Freund Peter Wroblewski die Gäste, die aus allen Teilen des deutschsprachigen Raums, sogar aus der Schweiz,  angereist waren und gab die Bühne frei für „The Sacred Sounds Of  Grass“, ein Quartett, das auch beim vorgenannten Festival in Birkenried schon begeistert gefeiert worden war. Aus Dillenburg in Hessen stammen diese Gentlemen, wenngleich zwei von ihnen eigentlich Ostfriesen sind. Gegründet vor 40 Jahren als Schülerband von den Brüdern Sam und Thilo Hain, halten sie seither die Bluegrass-Music hoch in Deutschland und feierten sozusagen an diesem Abend auch ihr Bandjubiläum. Das begann mit einem Medley von deutschen Weihnachtsliedern im Bluegrass-Sound und es folgten viele schöne Gospel-Songs, alle passend zur Adventszeit. Es gibt ja wahrlich mehr schöne Songs, außer dem hinlänglich bekannten „Jingle Bells“ oder „Winter Wonderland“. „When The Golden Leaves Beginn To Fall“ von Bill Monroe ist so ein Beispiel.
Thilo Hain stellte für ein paar Songs sogar sein Banjo beiseite und spielte stattdessen eine Autoharp. Dieses eher seltene Instrument haben auch die Carter Family oder die Good Brothers schon verwendet. Es handelt sich um eine umgebaute und mit Tasten versehene Zither.

In den Pausen konnte man Lose einer Tombola zu einem wohltätigen Zweck erstehen und es wurden langjährige Mitglieder des Vereins geehrt. Einer davon war Bernhard Wiesner und der ist kein Unbekannter: vor dreißig Jahren, und damit wären wir bei den Feierlichkeiten des zweiten Jubiläums an diesem denkwürdigen Abend, gründete Bernhard mit seiner Partnerin Sally Greenfield das Duo „The Greenfields“, das wir in den 90er Jahren, teils auch als komplette Band, mehrfach erleben konnten. Sally´s wunderschöne Stimme war das Markenzeichen, wären Bernhard den Part des instrumentalen Virtuosen innehatte.

Doch der Reihe nach: das zweite Set des Abends wurde vom Duo „Horse Mountain“ aus dem schwäbischen Kusterdingen begonnen. Die beiden, Birgit und Dieter Stoll, sind immer wieder gern gesehene Gäste bei den Kötzern, vermitteln sie doch mit ihrer akustischen Musik feinsten Folk-Feeling. Seit genau zehn Jahren treten die beiden unter diesem Namen kontinuierlich auf.

Damit wären wir bei Jubiläum Nummer drei. Freilich sind die beiden schon viel länger ein Paar und haben auch damals schon miteinander gespielt. Ihre CD „Songs From The Attic“ haben wir ja unlängst vorgestellt. Nach ein paar Titeln kam Sally Greenfield mit auf die Bühne und aus dem Duo wurde ein Trio mit einem gelungenen Mix aus Americana, Bluegrass und Country Music. Zwei Akustikgitarren, ein Kontrabass, dazu mehrstimmiger Gesang, einfach herrlich. Da hörten wir solche fast vergessene Raritäten wie „Love At The Five And Dime“ von Nancy Griffith aber auch einen Song von der 60er-Beat-Band The Troggs. „Love Is All Arround“ heißt der und auch der passt in die Weihnachtszeit! Besonders gefreut hat uns der Jeff Christie-Hit „San Bernardino“, den die Greenfields seinerzeit auf ihrer CD hatten.

Das dritte lange Set des Abends bestritten dann nochmals „The Sacred Sounds Of Grass“ in Person von Thilo Hain (Banjo), Alfred Bonk (Bass), Hendrik Ahrend (Gitarre) und Sam Hain (Mandoline). Charmant und mit einer Prise hessischem Humor führten die Herren durch das Programm. Da gab es dann noch Klassiker von den Orborne Brothers, den Bluegrass Cardinals und vielen anderen. Der abschließende Gospel „Go Down Moses“, a capella vorgetragen, wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

Zum Ende kamen alle Akteure noch zu einer Session zusammen, bei der man mit „I´ll Fly Away“ und „Will The Circle Be Unbroken“ den Schlusspunkt dieser herrlichen Country-Christmas setzte. Es gab langanhaltenden Applaus für alle Künstler, aber auch für Werner und Markus Barton, die beiden Jungs, die den tollen Sound gemischt haben. Es passt ins Bild, dass am Ende bereits der Termin für die Country Christmas am 12. Dezember 2020 bekannt gegeben wurde und auch gleich die ersten Reservierungen eingingen.
Man kann die Country & Western Friends Koetz nicht genug loben, dafür dass sie solch gute Musik hierzulande auf die Bühne bringen und das schon seit über 35 Jahren.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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Bluegrass Jamboree 2019 in der Kulturfabrik Roth

„Wer Bluegrass verpasst, ist selbst schuld“, schrieben einst die Badischen Neue Nachrichten. Bereits zum 11. Mal ging heuer eine Veranstaltung auf Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, auf die sich die Bluegrass-Fans das ganze Jahr über freuen. Man kann den Veranstalter Rainer Zellner aus Tübingen nicht genügend würdigen. Er tut mehr für die Verbreitung der Bluegrass Music als irgendwer sonst in Mitteleuropa. In akribischer Arbeit recherchiert er die interessantesten und talentiertesten Künstler diese Genres in den USA und in Kanada und holt jedes Jahr drei solche Formationen nach Europa.
Die sind immer so gewählt, dass sie einen guten Kontrast zueinander bilden. Rund vier Wochen ist dieser Tross von ca. 12 Musikern dann mit dem Bus unterwegs. Interessant ist dabei auch, dass sich die Mitglieder dieser drei Bands vorher nicht kannten, auf der Tour aber teils langanhaltende Freundschaften geknüpft werden.

Am 08.12.2019 gastierte die Bluegrass Jamboree in der Kulturfabrik im mittelfränkischen Roth. Den Auftakt machte heuer ein interessantes Duo namens Hoot and Holler: Amy Alvey stammt aus Orange County, Kalifornien und Mark Kilianski aus New Jersey. Kennengelernt haben sich beide auf dem Berklee College of Music in Boston, wo man alle denkbaren Musikrichtrungen, auch Bluegrass studieren kann. Beide leben jetzt in North Carolina, dort wo die Musik zuhause ist, die sie spielen. Das ist nämlich jene Art von Volksmusik, aus der Bluegrass einst hervorging, Hausmusik, wie die Familien auf dem Land sie gemacht haben. Mit Banjo, Akustikgitarre und Fiddle, bisweilen auch mit zwei Gitarren spielen sie alte Traditionals dieser American Roots Music, aber auch eigene Songs mit durchaus hochaktuellen Texten. Zuhause sind die beiden freilich selten, denn sie touren mit einem Van die meiste Zeit durch die USA. Das Open Back-Banjo, das Mark spielt, hat er mit einem Freund selbst gebaut. Wer da glaubt, dieser mehr als hundert Jahre alte Musikstil wäre etwas angestaubt, irrt sich: Hoot and Holler polieren die Songs geschickt auf und präsentieren sie mit starkem Gesang und so viel Spielfreude, dass das Publikum schon richtig begeistert war

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Zweiter Act waren die Price Sicters aus Ohio. Dass eine traditionelle Bluegrass-Band von zwei Frauen geleitet wird, das hat Seltenheitswert. Leanna spielt Geige und ihre Zwillingsschwester Lauren Mandoline. Zusammen beherrschen sie einen zweistimmigen Gesang, so traumhaft schön, wie ihn wohl nur Geschwister zustande kriegen, die ihr Leben lang miteinander gesungen haben. Traditionelle Bluegrass-Stücke dominieren hier und dennoch wirkt diese Musik kein bisschen konservativ, sondern deutlich peppiger als die der alten Meister. Dazu tragen auch die drei männlichen Bandkollegen bei: Matthew Parsons (Gitarre) und Andrew Brown (ein Linkshänder am Kontrabass!) erweisen sich auch als tolle Solisten auf den Instrumenten und starke Solo-Sänger. Der Knaller freilich ist der erst 21 Jahre junge Lincoln Hensley, der eigentlich aussieht wie ein Konfirmand. Noch nie haben wir einen so jungen Banjo-Spieler erlebt, der dieses Instrument bereits so brillant beherrscht. Seit sieben Jahren übt dieses Naturtalent nun und wenn er konsequent so weiterarbeitet, dürfte er bald auf einer Ebene mit Legenden wie Earl Scruggs oder Douglas Dillard stehen. Nach diesem Auftritt hat das Publikum in der ausverkauften Kulturfabrik bereits getobt.

Nach einer Pause, in der die Künstler in Foyer freundlich und geduldig Autogramme schrieben und zu einem Schwätzchen zur Verfügung standen, folgte die dritte Band: Chicken Wire Empire aus Wisconsin sind offenkundig angetreten, Bluegrass zu modernisieren. So wie es einst schon Bands wie Newgrass-Revival taten. Schon optisch wirken sie gar nicht wie Bluegrass-Musiker. „Jamgrass“ nennt man diesen Stil auch und da fließen deutlich mehr jazzige Noten ein, bisweilen sogar etwas Blues- und Rock-Elemente. Ein relativ langsames Stück wirkte gar etwas mystisch und klang ein wenig nach Klassik. Dazu zogen bei düsterem Licht Nebelschwaden über die Bühne. Auch der Geist von Grateful Dead (Jerry Garcia war ja im Herzen ein Bluegrass-Fan) war da deutlich zu spüren. Doch nicht für lange, dann machten sie deutlich, dass sie ihren Bill Monroe studiert haben. Ryan Ogburn (Mandoline), Jordan Kroeger (Bass), Jon Peik (Banjo), Greg Brundage (Gitarre) und Ernest Brusubardin IV. (Fiddle), alle fünf sind sie erstklassige Solisten, zelebrieren virtuose Soli und entwickeln dabei einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil, dem sogar die Traditionalisten unter den Fans Respekt zollen müssen. Vor allem Jordan Kroeger erweist sich dabei als starker Solo-Sänger.

Keine der Bands spielt eine Zugabe, auch wenn die Zuschauer dies fordern. Rainer Zellner hat sich nämlich etwas noch Besseres ausgedacht: Am Ende des Abends gibt es stets eine Session aller beteiligten Künstler, bei der Rainer selbst zur Mandoline greift. Wenn dann dreizehn Musiker auf der Bühne stehen und in die Saiten hauen, als gäbe es kein Morgen, weiß man kaum noch, wohin man zuerst gucken soll. Dann erklingen Klassiker wie „Keep On The Sunny Side“, bei denen auch die Gäste mitsingen können. Der Beifall war so vehement, dass noch zwei Zugaben hermussten. Da freuen wir uns doch jetzt schon auf die Tournee 2020.

Bericht und Fotos: Jürgen Stier

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Country Superstar Brad Paisley zum ersten Mal live in Deutschland

Es war die Nachricht auf die viele deutsche Country Fans sehnsüchtig gewartet haben. US Country Stars kommen nach Deutschland.

Brad Paisley kam im Rahmen seiner World Tour auch für ein Konzert nach Deutschland. Das Konzert am 9. Oktober im Tempodrom in Berlin war der erste Auftritt des Superstars in Deutschland überhaupt und binnen weniger Tage restlos ausverkauft. Er wurde von Chris Lane begleitet, der ebenfalls sein Deutschlanddebüt gab.
In seiner Heimat USA ist er längst einer der ganz Großen. Er hat drei Grammys, zwei American Music Awards, 14 Academy of Country Music Awards und 14 Country Music Association Awards (einschließlich Entertainer of the Year) gewonnen und seine Alben parken quasi ohne Unterbrechung in den Charts. Seit 2001 ist er stolzes Mitglied der Grand Ole Opry. Als Brad Paisley acht Jahre alt war, schenkte sein Großvater ihm seine erste Gitarre und brachte ihm das Spielen bei. Der begabte Brad Paisley schrieb bereits im Alter von zwölf Jahren erste eigene Songs und trat mit 13 als Vorband der Countrysänger George Jones und Ricky Skaggs auf. Sein 1999 erschienenes Debütalbum „Who Needs Pictures“ wurde mit Platin ausgezeichnet und sein erster Nummer-eins Hit wurde die Single-Auskopplung „He Didn‘t Have to Be“.
Mit seiner Auswahl von 23 Titeln hatte der „Gitarrengott“ alles richtig gemacht und einen sehr guten Überblick über seine bisherige Karriere geboten. So gab es zum Auftakt gleich  mit „Southern Comfort Zone“, „Ticks“, „The World“ und „Water“ vier Hits am Stück. Die ersten längeren Gitarreneinlagen von Brad Paisley gab es dann beim „Perfect Storm“ und „Whiskey Lullaby“ in dem er seinen Namen „Gitarrengott“ alle Ehre machte.
Brad zeigte sich sehr Publikumsnah, indem er immer wieder Kontakt über den Laufsteg zu seinen Fans aufnahm. Während des  Songs „This Is Country Music“ signierte er die gerade bespielte Gitarre, um sie dann an eine kleine Konzertbesucherin zu verschenken. Auch bekam ein kleiner Junge seinen Cowboyhut.
Brad Paisley hat das Konzert definitiv mit einem tollen, energiegeladenen besetzten Set zum Höhepunkt gebracht, das eine Menge Spaß machte und durchweg großartige Energie hatte. Er zeigte seine unglaublichen Fähigkeiten als Sänger, Songwriter und Gitarrist und es war eine brillante unterhaltsame Leistung. Ich habe es wirklich genossen, all die verschiedenen Seiten seines Sounds zu sehen, und es ist klar, warum er so lange an der Spitze dieses Geschäfts ist – diese Kombination aus Talent, Humor und Können ist wirklich ein Gewinner. Nach rund 2 Stunden Country Music vom Feinsten endete die Show mit dem hymnischen „Alcohol“ das lautstark von den Fans mitgesungen wurde.
Bleib zu hoffen, dass der nächste Besuch von Brad Paisley nicht so lange dauert. Wobei auf seinem offiziellen Tour-Shirt auch „Munich“ stand. 

„Vorprogramm“ – Chris Lane 

Bevor die Zuschauer dem dreifachen Grammy-Preisträger zujubeln durften, kam erst einmal Chris Lane auf die Bühne. Seit seinem Durchbruch in der Szene mit dem Nummer-eins-Hit „Fix“ steigt der aufgehende Stern von Chris Lane mit GOLD- und PLATIN-Singles, zwei Top-10-Alben und über 850 Millionen kombinierten Streams immer höher. . Lane gewinnt immer mehr Anerkennung und wurde vom MusicRow Magazine zu einem der 2017 Next Big Thing Artists ernannt und bei den iHeartRadio Music Awards, ACM Awards und Radio Disney Music Awards nominiert.  Der 34-Jährige aus North Carolina hatte unter anderem seine erfolgreichsten Singles „I Don’t Know About You“ und „Take Back Home Girl“ mitgebracht. Nachdem er in der Vergangenheit bereits einen  heißbegehrten Platz im Vorprogramm auf Tour mit Florida Georgia Line, Dustin Lynch, Garth Brooks, Tim McGraw + Faith Hill und Rascal Flatts einheimste steht er nun auch mit Brad Paisley auf der Bühne.
Die Besucher reagierten auf den Newcomer zurückhaltend obwohl er mit dem Publikum gearbeitet, Hände geschüttelt und völlig Authentisch war. Seine Musik ist Geschmackssache. Stimmung kam erst beim Medley auf, bei dem Lane unter anderem Hits von Brooks & Dunn, Tracy Byrd, John Michael Montgomery, George Strait und Garth Brooks darbot.

Karl Hofmann

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11. Internationales Bluegrass-Festival Birkenried

Viele Fans erinnern sich an die herrlichen Country-Festivals, die die Country und Western-Friends Kötz 1982 e.V. rund 30 Jahre lang organisiert haben. Die gibt es leider nicht mehr, aber man stellt regelmäßig Veranstaltungen mit namhaften Künstlern im kleineren Rahmen auf die Beine. Fester Termin im Kalender ist jedes Jahr das liebevoll organisierte Bluegrass-Festival Anfang September. Das geht über drei Tage und findet statt in dem idyllischen Kulturgewächshaus in Birkenried, wenige Kilometer von Günzburg entfernt. Dieses Wochenende erfreut sich größter Beliebtheit und speziell der Samstag ist fast immer ausverkauft. Am Freitag, den 06.09.2019 begrüßte der Vorsitzende Peter Wroblewski kurz nach 19 Uhr die schon zahlreich aus mehreren Ländern angereisten Gäste und stellte den Opener des Festivals vor: Die Dapper Dan Mensind keine Unbekannten in Birkenried. Seit ihrem ersten Gastspiel dort haben sie sich haben sie sich mit zahllosen Auftritten in Deutschland, Frankreich und Österreich einen Namen gemacht, sind im Vorprogramm namhafter Bluegrass-Größen aufgetreten. Mit den typischen Instrumenten Dobro, Banjo, Akustikgitarre, Waschbrett, Fiddle, Bass und Mandoline präsentiert diese Band einen Querschnitt aus Country, Bluegrass, Folk und vielem mehr. Songs wie „My Daddy Was A Moonshine Man“ erzählen vom Leben in den Apalachen, andere, wie „Sin Waggon“ kennt man von den Dixie Chicks. „Alone and Forsaken“ von Hank Williams versetzt einen in die Anfänge der Country Music wie wir sie heute kennen. Will man aus dieser illustren Formation jemanden besonders hervorheben, dann sicher den Banjospieler Hank Hambone, der für seine Soli immer wieder Szenenapplaus erhält. Eine geschickte Bluegrass-Interpretation eines alten Nancy Sinatra-Hits und der Film-Sountrack „My Rifle, My Pony And Me“ rundeten den abwechslungsreichen Auftritt ab. Es folgte eine noch relativ neue Schweizer Band mit niederländischem Gitarristen: Jessie & The Gentshaben 2017 ihre erste CD veröffentlicht und nach kurzer Zeit den Swiss Country Music Award erhalten. Jessie Hardegger, die hübsche dunkelhaarige Sängerin mit den großen Augen und dem immer freundlichen Lächeln, spielt Mandoline und verfügt über eine helle, glasklare Stimme, ideal für Interpretationen von Songs wie „Jolene“ oder „Travelling Soldier“. In Punkto Ausstrahlung steht ihr Rick Noorlander kaum nach, wenn er die männlichen Solo-Parts singt und Gitarre spielt. Putzi Mayr, der Gentleman mit dem schwarzen Hut zelebriert derweil herrliche Melodien auf der Dobro, aber nicht immer: gegen Ende des Auftritts greift er gern zum Akkordeon und dann ist Cajun-Time angesagt. Zu Klassikern wie „Lache Pas La Patate“ klatscht das Publikum begeistert mit und man könnte fast glauben, der längst verstorbene Jimmy C. Newman wäre wieder unter uns. Die Jessie und die Gents nehmen uns mit auf eine Reise zum Western Swing, zur Irish Folk Music und mit den Dixie Chicks („Long Time Gone“) schließlich wieder zurück zum Bluegrass und zu Musik von Alison Krauss. Kein Wunder, dass diese tolle Band inzwischen sogar nach Kanada eingeladen wurde. Dass gegen Mitternacht alle zehn Musiker noch zu einer viel umjubelten Session zusammenkamen, auch das hat Tradition in Birkenried und macht den Akteuren ebenso viel Freude wie den Gästen.
Am Samstagnachmittag gibt es im Café nebenan immer eine Open Stage, bei der die Gäste bei freiem Eintritt zuhören können. Gespielt wird, was den Musikern, die sich da einfinden so einfällt. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen und da bleibt auch viel Zeit für interessante Gespräche.
Die Show am Samstagabend begann bereits um 17 Uhr, denn da stehen immer drei Bands auf dem Programm, die jeweils im Wechsel zwei Sets á einer Stunde spielen. Das Publikum darf sich also auf rund sechs Stunden Bluegrass freuen. Damit die Abwechslung gewährleistet bleibt, engagiert man hier immer drei Bands mit ganz unterschiedlichem Background. Attila & Friendsspielen zwar von der Basis her Bluegrass, haben aber viele andere Musikstile einfließen lassen. Das verwundert nicht, dann Attila Tapolczai, geboren in Budapest, hat sich nach musikalischen Reisen durch viele Länder in Augsburg niedergelassen, wo er die Basis für seine Arbeit und die passenden Bandkollegen fand. Aus Kulmbach, Norddeutschland, dem Allgäu, der Slowakei und Ungarn stammen diese jungen Leute und sie operieren behände mit Geige, Bratsche, Mandoline Akustikbass und Dobro, verarbeiten Musik aus Kentucky, Irland und der Welt. Sie erzählen in ihren Songs Geschichten aus dem Alltag, von fernen Ländern, manchmal klingt das melancholisch, dann wieder geht richtig die Post ab. Meist sind es Attila´s eigene Songs, die den Zuhörer in den Bann ziehen, aber Folk-Klassiker aus den USA, etwa das schöne „Paradise“ von John Prine oder „Star Of The County Down“, eine hundert Jahre alte Ballade aus Irland, müssen einfach sein. Verabschiedet hat sich die Band standesgemäß mit „Whiskey In The Jahr“ und „Ride On“, einer gefühlvollen Ballade von Christy Moore. Das Kontrastprogramm war hervorragend gelungen, denn das Trio Interstate Express, das danach spielte, versetzte die Gäste zurück in eine Zeit, als es weder Country noch Bluegrass gab. Als American Roots Music bezeichnet man diese erdige, naturverbundene Folk Music gemeinhin. Schon die Bandbesetzung erstaunt: Ein Engländer, ein Australier und ein Amerikaner haben sich hier zusammengetan, um uns Volksmusik aus den Apalachen, Songs von Auswanderern, aber durchaus auch mal Musik, wie man sie zu Square Dance spielt, nahezubringen. Dazu ein paar Lieder von Woody Guthrie, in denen es um Bürgerrechte und Gewerkschaftler geht, und Bluegrass-Klassiker von Uncle Dave Macon, langweilig wird das keinen Moment. Gitarre, Banjo, Fiddle, zwei starke Stimmen, mehr braucht man dazu nicht, dennoch kommt bisweilen eine Mundharmonika dazu und der Engländer Joe Buirsky lockert das Ganze gern mit ein paar Tanzeinlagen auf. Auch diese drei sympathischen Jungs erhielten viel Beifall. Was folgte, war zweifellos das Highlight des Festivals, in diesem Punkt waren sich alle einig. Im Jahre 1978 gründete Silvio Ferretti (Banjo, Gesang) in Genua die Bluegrass-Band Red Wine. Martino Coppo (Gesang, Mandoline) ist ebenfalls langjähriges Mitglied, die beiden anderen sind bedeutend jünger: Silvio´s Sohn Marco Ferretti zählt auf der Akustikgitarre vermutlich zu den besten Virtuosen in Europa und Bassist Lucas Bellotti ist ein Allrounder, der alle denkbaren Musikstile beherrscht. 2018 feierte die Band ihr 40. Jubiläum und war aus diesem Anlass mit dem amerikanischen Bluegrass-Sänger Peter Rowan auf Europatournee. Man kennt sich untereinander in der Szene. So verwundert es nicht, dass die Herren u.a. einen Song namens „Bottomlands“ aus der Feder von Will Maring (aus ihrer CD An Ocean From Home) spielten. Will Maring wohnt in Illinois, hat aber rund 10 Jahre in München gelebt und bei der Band Shady Mix gesungen. Red Wine spielen klassischen Bluegrass auf qualitativ höchstem Niveau, ihr mehrstimmiger Gesang klingt toll und die Instrumentensoli sorgen ein ums andere Mal für Beifall. Man spielt dankenswerterweise nicht die hinlänglich bekannten Klassiker von Bill Monroe & Co. sondern viele eigene Titel und auf Bluegrass umgeschriebene Folk-Songs, wie „American Girl“ von Tom Petty oder „Fiddle And Bow“ aus Irland. Dazu gibt´s ein wenig Country und Western Swing. Vorgestellt wurde auch die neue CD „Carolina Red“, die man in den Studios von Jens Krüger in Wilkesboro, North Carolina produziert hat und die von Kritikern in den höchsten Tönen gelobt wird. Genua ist, so erzählt Martino Coppo mit einem Augenzwinkern, für drei Dinge bekannt: Für die Band Red Wine, für sein gutes Pesto und für den berühmtesten Sohn der Stadt, Cristoforo Colombo, der ja bekanntlich Amerika entdeckt hat und ohne den wir uns hier nie zu einem Festival dieser herrlichen Bluegrass-Musik versammeln würden. Deswegen würdigen ihn die vier Herren auch mit einem eigenen Song unter dem lässigen Titel „Home Town Boy“. 
Auch am Ende des Samstages kamen elf der dreizehn Musiker nochmal zu einer Session zusammen und die dürfte an Begeisterung alles in den Schatten gestellt haben. Auf Klassiker wie „Cherokee Shuffle“, „Long Journey Home“ oder „Soldier´s Joy“ einigte man sich hier und es hat schon etwas Faszinierendes, wenn da z.B. links auf der Bühne ein Engländer, ein Italiener und ein Slowake um ein Mikrofon herum stehen und freudestrahlend ihre drei Banjos spielen. Dramatisch war am Ende auch der Beifall. Überhaupt muss man das Birkenrieder Publikum loben: alle sind voll bei der Sache und quittieren jedes gelungene Instrumentensolo mit spontanem Beifall. Nach jedem Auftritt gibt es so lange tosenden Applaus, bis eine oder mehrere Zugaben gespielt werden.
Die Gäste, die am Sonntag noch da sind, erwartet morgens ein Gottesdienst, der findet bei schönem Wetter unter freiem Himmel, vor der nahegelegen Waldkapelle, statt, ansonsten im Gewächshaus. Auch hier gab es diesmal eine tolle musikalische Untermalung, denn die Herren von Red Winesangen ein paar Gospels, zum Teil auch a-capella vorgetragen. Sogar der Herr Pfarrer war tief beeindruckt. Nach einem Weißwurstfrühstück spielten Red Wine noch eine Stunde zur Matinee, ehe sie sich wieder auf den Weg nach Genua machten. Wer Zeit hatte, konnte am Nachmittag noch die Musik von Strictly Bluegrassgenießen, einer Band aus München, die seit vielen Jahren zu des festen Größen der Szene zählt. Den Country- und Western Friends Kötz gebührt unser Respekt für diese mit viel Enthusiasmus aufgezogene Veranstaltung. Das erste September-Wochenende 2020 haben wir uns im Kalender schon mal freigehalten.

Jürgen Stier

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Nachlese zum Auftritt am 20. Juli 2019 von

Paul Overstreet in der Four Corners Dance Hall

Nach längerer Abstinenz gastierte der mit Grammy und „CMA Songwriter of the Year“ ausgezeichnete Paul Overstreet am 20.07.2019 wieder einmal in Deutschland und zwar im Four Corners in Untermeitingen. Neben einem Konzert in Norwegen und einer Veranstaltung in London, war das einer der seltenen Auftritte des ansonsten schreibenden und produzierenden Künstlers. Das Publikum kam zahlreich in Erwartung feiner Musik sowie exquisiter Songs und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht. Im Rücken die Formation Mr. Jay’s unterstützt durch Carlton Moody zumeist an der Mandoline, wurde ein unterhaltsames Programm geboten. Macht es aus, dass Paul Overstreet seit 6 Jahren nicht mehr in Deutschland aufgetreten ist oder war er an diesem Abend besonders gut aufgelegt – Paul Overstreet präsentierte sich extrem ausdrucksstark und spielfreudig. Mit „For ever and ever, Amen“ als Paukenschlag setzte er sofort ein Zeichen. Es folgte ein Feuerwerk mit Hits aus seiner Feder.
Selbstverständlich durften auch Lieder aus seinem neuen Album „Somewhere In The Caribbean“, wie z. B. „Some Beach“, nicht fehlen. Der einzige Wermutstropfen war, dass er nach ca. eineinhalb Stunde die Bühne verließ. Aber offensichtlich war das den Zuschauern zu wenig, denn deren enthusiastische Reaktion holte den Sänger ziemlich schnell wieder auf die Bühne zurück. Als Zugabe wurden noch zwei seiner Bestseller nämlich „Heroes“ und „Deeper Than A Holler“ gespielt. Einen erneuten Versuch das Konzert zu beenden quittierte das Publikum mit nicht enden wollendem Applaus und so belohnte er die Besucher noch mit „Takin‘ It Easy“ aus seinem neuen Album. Dass er nach der Show noch für seine Fans da war um Autogramme zu geben, Selfies zu machen und ein bisschen mit ihnen zu plaudern entschädigte diese ein bisschen für den doch etwas kurzen Auftritt. Bleibt uns nur die Hoffnung, dass die nächste Veranstaltung mit Paul Overstreet diesmal nicht so lange auf sich warten lässt.

Monika

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Dale Watson
in der Four Corners Music Hall

Es ist sicher allgemein bekannt, dass Dale Watson richtig gute, traditionelle Country Music macht. Bei der ersten seiner zwei Shows in der Four Corners Music Hall am 13.06.2019 im Rahmen seiner diesjährigen Europatour, stellte er dies einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis. Sein Repertoire scheint schier unerschöpflich zu sein und man fragt sich unwillkürlich, ob es jemals zwei genau gleiche Konzerte des Entertainers gegeben hat.
Nach dem Opener „Honky Tonkers Don’t Cry“ dauerte es nicht lange, bis der erste Zuruf „Frisco“, im Original von Merle Haggard, aus dem Publikum kam, was Dale Watson sofort umsetzte. Natürlich spielte er auch Songs aus seinem neuen Album „Call Me Lucky“ u.a. den Titelsong, „David Buxkemper“ und „The Dumb Song sowie weitere Hörerwünsche. Aber diesmal stellte der Sänger auch seine humorvolle Seite vor, indem er z.B. sein „weltbestes Bier – Lone Star aus Texas“ vorstellte oder eine Darbietung seiner Yogaübungen zum Besten gab.
Wie auch immer, das Publikum hatte jede Menge Spaß und die Show ging wieder viel zu schnell vorbei. Da Dale Watson ein vorzüglicher Künstler ist, der sich auch im Umgang mit seinen Fans sehr professionell und dabei liebenswert verhält, wäre es traurig, wenn die beiden Auftritte am 13.6. und 14.6.2019 tatsächlich die letzten Auftritte des sympathischen Musikers in Deutschland wären. Hat er doch über Facebook angekündigt künftig keine Europatouren zu unternehmen. Ein kleines Hintertürchen bleibt aber offen, er äußerte nämlich, dass er zu einzelnen Festivals sofern er eingeladen wird, durchaus noch auftreten würde. Wir hoffen natürlich trotzdem Dale Watson wieder hier in Deutschland hören zu können.
Für sein weiteres Wirken wünschen wir ihm alles Gute und sagen danke an Dale Watson für viele klasse Shows und seine tolle Musik.

Monika 

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Thomas Michael Riley
im Kulturgewächshaus Birkenried

Die Country & Western Friends Kötz 1982 e.V. verdienen ein ums andere Mal unser Hochachtung. Seit vielen Jahren haben sie den Mut, hochkarätige Country-Künstler auf die Bühne zu bringen, für die man sonst weit reisen müsste. Das Jahr ist noch keine 5 Monate alt, da durften wir bereits eines der Highlights erleben: am 10. Mai gastierte im Kulturgewächshaus Birkenried, nahe Günzburg, der baumlange Texaner Thomas Michael Riley mit seiner insgesamt vierköpfigen Band und präsentierte uns bodenständige, echte Country Music aus dem Herzen von Texas, wie man sie besser nicht machen kann. ‚Schade, dass die keine Steel-Guitar dabei haben’, dachten wir im ersten Moment, wurden aber schnell eines besseren belehrt: wer solch einen Gitarristen wie Kenny Grimes in der Band hat, kann auf eine Steel-Guitar getrost verzichten.
Ganz ähnlich dem Stil des großen Steve Piticco versteht er es ein ums andere Mal, seiner E-Gitarre solch herrliche Melodien zu entlocken, dass man die Augen schließt und glaubt, eine Steel-Guitar zu hören. Kenny hat viele Jahre mit Stars wie Garry P Nunn oder Hal Ketchum gespielt. Thomas Michael Riley, der irische Vorfahren hat, zählt in Texas zu den ganz Großen, hat viele Auszeichnungen erhalten und organisiert jedes Jahr Anfang Juni in Luckenbach, Texas ein dreitägiges Festival, bei dem sich die besten Bands auf den Bühnen abwechseln. An diesem Abend in Birkenried erlebten Faszination pur, Country-Songs vom allerfeinsten. Ein paar Klassiker, wie „Luckenbach, Texas“ oder „Folsom Prison Blues“ lockerten die Stimmung auf, doch die meisten Songs stammten aus Rileys eigener Feder und sind mitten aus dem Leben gegriffen. „Get Back Up And Ride“ oder „Memphis“ sind Beispiele dafür und „Boys From Luckenbach“ ist eine etwas wehmütige Erinnerung an die Anfänge der Texas-Musikszene, in der er an die Outlaws Willie Nelson, Waylon Jennings, Garry P Nunn, Jerry Jeff Walker und die anderen Gründerväter erinnert, die sich seinerzeit vom zu glatt gebügelten Nashville-Sound abwandten. Das Faszinierende ist: obwohl man die Songs noch nie gehört hat, glaubt man sofort, sie schon ewig zu kennen. Sie gehen augenblicklich ins Ohr, ins Herz und ins Blut. Diese Musik ist Medizin, besser als flüssige oder gepulverte. Von solch einem Abend zehrt man mindestens drei Monate lang. Die 16 Euro, die die Gäste im vollbesetzten Kulturgewächshaus bezahlt haben, waren ein echter Freundschaftspreis für das, was und diese vier gestandenen Texaner präsentiert haben. Auch mit Schlagzeuger Louie Broussard und Bassist Donnie Price hat Riley einen Glücksgriff getan, alle harmonieren perfekt. Und natürlich sind alle vier bodenständige Kerle, die gern ein Schwätzchen mit den Gästen halten.

Sie lobten die deutsche Gastfreundschaft, das deutsche Bier und Riley spricht sogar etwas deutsch. Keine Frage, dass diese großartige Band vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Gitarrist Kenny erhielt immer wieder Szenenapplaus für seine traumhaft schönen Soli. Ob man zu dieser Musik auch tanzen kann? Nicht in Birkenried, da ist kein Platz, doch Twostepper und andere Paartänzer hätten ihre helle Freude. Wir spürten deutlich, dass angesichts des begeisterten Publikums auch die Musiker ihren Spaß hatten. Wie anders ist es zu erklären, dass nach dem offiziellen Ende noch sechs Zugaben folgten, u.a. der „London Homesick Blues“ und der Keith-Whitley-Klassiker „When You Say Nothing At All“. 

Jürgen Stier