CD Besprechungen - Inhaltsverzeichnis

Peter Rowan – Calling You From My Mountain

(VÖ: 24.06.2022)

Peter Rowan ist, Verzeihung, ein altes Zirkuspferd. Er begann seine musikalische Karriere bereits 1963 als er sein Hochschulstudium abbrach um Profimusiker zu werden. Zunächst als Mandolinen Spieler in verschiedenen Formationen. Auch beim Vater der Bluegrass Music, Bill Monroe, von dem er sich 1967 trennte und mit Dave Grisman die Band Earth Opera gründete. 1969 erschien das erste Album dieser Band. Jetzt, weit über 50 Jahre später, meldet sich Peter Rowan nach seinem letzten Album “Legacy“ aus 2010 mit dem Album “Calling You From My Mountain“ wieder zu Gehör. Über all die vielen Jahre hat Peter Rowan so viele herausragende Bluegrass Musiker kennengelernt oder angelernt, so dass es ihm nicht schwer fiel, für dieses Album wieder eine Musik der Spitzenklasse einspielen zu lassen. Okay, seine Stimme war und ist nicht unbedingt sein stärkstes Instrument. Für einen 80-jährigen Interpreten kann sich das aber immer noch hören lassen. Die 13 Songs auf dem Album “Calling You From My Mountain“ ist kompromissloser Bluegrass. Manchmal etwas schräg gesungen, manchmal berührend wie bei “A Winning Hand“. Der Titelsong “From My Mountain (Calling You)“ mit Unterstützung der Bluegrass Liedermacherin Molly Tuttle, ist ein Hinhörer und bietet mit fast fünf Minuten genügend Raum für die musikalische Ausgestaltung. Instrumental Bluegrass Music kommt auch nicht zu kurz. Etwa beim Highspeed Instrumental “Frog On The Lily Pad“. „Im Jahr als ich geboren wurde war mein Land im Krieg.“, so beginnt der Titel “The Red, The White And The Blue“ und macht sensibel für die Sinnlosigkeit kriegerischer Auseinandersetzungen. Ein Titel, der schon nachdenklich macht. “Dream Heaven“ ist dann ein reiner Folk Song und leitet über zum Schlusstitel “Freedom Trilogy“ in welchem Peter Rowan noch einmal stimmlich aufdreht. Dass er bei diesem Five Minute Song seine tiefen Emotionen einfließen ließ, macht den Song so hörenswert und wenn er dann mit einem fulminanten Instrumental Part endet, ist ein tolles Album gehört.

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Ray Fulcher – Spray Painted Line

(VÖ: 24.06.2022)

Der Mann hat schon eine Menge geleistet in seinem Leben. Etwa seine Master Abschlüsse in Sozialwissenschaften und Pädagogik oder seine Sportkarriere im American Football. Doch die Musik hat ihn immer gereizt. Nun hat Ray Fulcher sein Album “Spray Painted Line“ am Start. Schaut man, für wen er schon als Songschreiber tätig, und mit wem er musikalisch verbandelt war, von Luke Combs über Luke Bryan, Eric Church oder Kip Moore, verwundert es nicht, dass sein Album nur so vor Country Rock strotzt. “Anything Like You Dance“, der vorab als EP Version schon seit 2019 existiert, markiert einen Radio Mix, der sehr gefällig die aktuellen Charts bereichert. Nach den vielen “neu aufgewärmten Deluxe Editions“, die so nervig die Konsumenten geneigt machen sollten, sind Alben wie “Spray Painted Line“ von Ray Fulcher mit 17 Tracks eine Wohltat. Neben seinen Rock Country Titeln transportiert der Mann, der aus New York stammt und in Nashville arbeitet, auch Balladen wie “After The Rain“ oder etwas flockiger “Life Changing Money“.  Ray Fulcher erzählt wortgewaltig in “The Battle Of Betty’s Love“ die Geschichte, wenn sich Zwei streiten, aber ein Dritter sich freut. Die Rocksongs gleichen sich ein wenig, so dass die Balladen eine willkommene Abwechslung bieten. So endet das Album “Spray Painted Line“ von Ray Fulcher mit einer geschmeidig klingenden und dennoch bitteren Erkenntnis des eigenen Versagens und der Entschuldigung an die Liebste im Song “Sorry Heart“. Ray Fulcher hat ein feines Album vorgelegt, das zunächst mit den Rock Songs in eine Richtung weist aber dann immer mehr richtige temporäre Country Music bietet.

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Ty Herndon – Jacob

(VÖ: 15.07.2022)

Seit seinem fulminanten Start in die Charts 1995 mit dem Nummer Eins Titel “What Mattered Most“ hat Ty Herndon bis 2016 sieben Studio Alben vorgelegt. Nun erschien sein neues Album “Jacob“ und darauf hat er Titel gepackt, die sein bisheriges Leben umschreiben mit all den widrigen Umständen, die den jungen Mann so lange gehindert haben zu seiner Homosexualität zu stehen. Besser als in “God Or The Gun“ kann man diese innere Zerrissenheit nicht ausdrücken. Nach seinem Outing war Ty Herndon furchtbar nervös vor seinem ersten Konzert. Als die Menge ihn so richtig abfeierte, lösten sich Spannungen in ihm, was ihn nun ein neues Leben beginnen lässt. Zuvor hatte er mit Drogenmissbrauch und Angstzuständen gekämpft. Da muss ein Mensch erst 60 Jahre alt werden um seine Dämonen besiegen zu können. Bei dieser Befreiung und Bewältigung der Vergangenheit mitleiden zu können, dafür taugen die 11 Tracks des Albums “Jacob“ von Ty Herndon. Er möchte auch Mut machen. Mut zu sich selbst zu stehen. “Fighting With Me“ erzählt davon, die Monster und Geister der Vergangenheit aus dem Wandschrank zu lassen und Freiheit zu generieren. Mit Wendy Moten hat mit “Say It For You“ ein R&B Titel auf das Album gefunden. “Sleeping With A Stranger“ ist eine erneute Abrechnung von Ty Herndon mit seinem ehemaligen Selbst und beileibe keine Country Music. Bei allem Verständnis und Einfühlungsvermögen ist das Album “Jacob“ (ein Verweis auf den Jakob im Alten Testament?) ein sehr emotionsgeladenes Album, welches LeidensgenossInnen von Ty Herndon aus der Seele sprechen dürfte. Den Fans von Country Music, ob modern oder traditionell, wird hier Toleranz und Verständnis abverlangt.

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Luke Combs – Growin‘ Up

(VÖ: 24.06.2022)

Das dritte Album seit seinem Debüt 2017 mit “This One’s For You“ und den Bonus Tracks auf “This One’s For You Too“ heißt “Growin‘ Up“ und unterstreicht den Werdegang des Shooting-Stars der letzten Jahre. Es gibt Künstler, die haben so viel Ego, dass man nicht umhinkommt, von ihnen Kenntnis zu nehmen. Luke Combs ist so ein Typ. Gerade heraus, ungeschliffen und als Sänger mit einer Leidenschaft, die Sogwirkung entfaltet. Gleich mit dem Opener “Doin‘ This“ stellt er klar, dass er nichts anderes auf der Welt lieber macht als Musik und auf kleinen oder großen Bühnen seine Fans zu unterhalten. Beeindruckend, mit welcher Offenheit er erzählt. Kein Wunder, dass dieser Titel in der Grand Ole Opry zu riesigem Applaus führte. Das muss auch einmal gesagt werden: In der Country Music müssen KünstlerInnen nicht immer mit Modelmaßen oder “Sexiest Man Alive Image“ auftreten um zu großen Erfolgen zu kommen. Luke Combs ist einfach ein Typ von Nebenan. Mit treibendem Beat erzählt er in “Any Given Friday Night“ was am Freitagabend so abgeht. Wortgewaltig zelebriert Luke Combs in “The Kind Of Love We Make“ seine totale Hingabe an die Liebste. Kongenial harmonieren die Stimmen von Luke Combs und Miranda Lambert in “Outrunnin‘ Memory“. In “Used I Wish I Was“ kehrt er sein Innerstes nach außen und wiegelt ab, indem er sagt: „Ich könnte kein anderer sein, selbst wenn ich es versuchte“. Die traurige Erkenntnis einer endenden Beziehung thematisiert Luke Combs in “Tomorrow Me“ mit gewohnter Intensität. Wer näher an die Seele von Country Music herangehen möchte, sollte unbedingt dem Text von “Middle Of Somewhere“ lauschen. Da stellt Luke Combs klar, was er an seiner Heimat North Carolina liebt und was er daraus für eine Lebenseinstellung generiert. Den Schluss des 12 Tracks umfassenden Albums markiert der Titel “Going, Going, Gone“, die bittere Erkenntnis, dass “Sie“ fort ist. Lange bleibt der Eindruck eines intensiven Hörgenusses. Der Platz Eins der Alben Charts ist völlig zu Recht erreicht.

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Kristian Bush – 52/In The Key Of Summer

(VÖ: 17.06.2022)

Es steht außer Frage, Kristian Bush ist einer der begabtesten Musiker und Songschreiber der letzten Jahrzehnte in Nashville. Seine musikalische Vielfalt ist enorm und er testet gerne die Grenzen seines Könnens aus. Damit strapaziert er oft Fans, die seine Country Music mögen. Denn dieses Genre bediente er in der letzten Zeit immer weniger. Vielleicht bringen die angekündigten vier Alben unter dem Oberbegriff “52“, mit dem er sein wahres Alter verrät, etwas mehr Country zu Gehör. Nach dem ersten Album der 52-Reihe “52 ATL X BNA“ vom März dieses Jahres, liegt nun mit dem zweiten Werk “In The Key Of Summer“ ein mit 16 Titeln picke-packe volles neues Album von Kristian Bush vor. Locker flockig geht es los mit “Hail Mary“. Allerdings tut man sich mit dem Text schwer. Kristian Bush liebt die versteckten Botschaften. Mit “Tangled Up“ folgt ein weiterer Sommerhit, der aber so weit von Country Music entfernt ist, wie die Sonne von der Erde. Mit seinen ungewöhnlichen Texten präsentiert er aber mit “Everybody Needs A Somebody“ eine ruhige sommerabendgeeignete Ballade. Mit der Popballade “The Mmm Song“ dessen halber Text lediglich aus unsäglichem “mm, mm, mm“ besteht, strapaziert Kristian Bush einmal mehr die Konsumenten. So zieht sich ein roter Faden durch das Album “52-In The Key Of Summer“, der sowohl tanzbare, Pool Party taugliche Titel präsentiert als immer mal wieder Ruhepausen wie mit “Tequila“ oder dem vielleicht schönsten Titel des Albums “Soft Place To Fall“. Mit einem weiteren getragenen Titel, “You Can’t Stop The Sun From Going Down“ endet das Album “52-In The Key Of Summer“ von Kristian Bush. Bleibt festzuhalten, dass diesmal wesentlich mehr Country in die Pop Arrangements eingeflossen ist, als auf einigen Alben zuvor. Kristian Bush will kein Country Barde sein. Er muss seine Musikalität immer neu ausprobieren. Da wird noch viel zu erwarten sein.

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Skeeter Davis – Vintage Cafe – My Greatest Weakness

VÖ: 08.06.2022)

Von 1958 bis 1976 trug sich Skeeter Davis über vierzig Mal in die Top 100 Chart List der Country Music ein. “The End Of The World“ war ihr erfolgreichster Song und ein Paradebeispiel für den Einzug der Pop Music seinerzeit in die Country Music. Oft hatte sie sehr illustre Duett Partner wie Hank Locklin oder Bobby Bare. Oder Porter Wagoner wie im Titel “Heaven Help Me“ sehr schön umgesetzt. Die Reihe “Vintage Café“ bietet mit der Zusammenstellung “My Greatest Weakness“ eine sympathische Retrospektive auf die Musik von Skeeter Davis. Da erklingen so bekannte Klassiker wie “I Forgot More Than You’ll Ever Know About Him“, “Your Cheatin‘ Heart“, “Violet And A Rose“ oder “Set Him Free“ einst eine Nummer Fünf in den Billbord Charts für Skeeter Davis oder “Have I Told You Lately That I Love You“. “Under Your Spell Again“ beendet diesen 24 Tracks umfassenden Rückblick in eine längst vergangene Zeit. Die Fans der modernen Country Music sollten hier mit Geschichtsbewusstsein zuhören. Ja, so hat es sich seinerzeit angehört. Heutzutage kaum vorstellbar.

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Maddie Rean – Doin‘ Me

(VÖ: 24.05.2022)

Freunde von Country Rock aufgepasst! Da ist Maddie Rean aus South Carolina ein absoluter Tipp. Nach den Veröffentlichungen ihrer Singles “Gray“ und “Whiskey And Women“ gibt es jetzt ein Album von der Frau mit der gewaltigen, rauchigen Stimme. “Doin‘ Me“ heißt ihr erstes Album und hat mit 9 Tracks jede Menge fetter Songs im Gepäck. Mit “Wild One“ geht es gleich einmal mit einer Beschreibung einer emanzipierten Frau, die wild und frei agiert, los. Der Titelsong des Albums “Doin‘ Me“ folgt ebenso rockig. Da dürfen sich die Gitarreros einmal richtig präsentieren. Maddie Rean kann auch anders. Die Ballade “Rear View Mirror“ deutet es an. Mit einer Liebeserklärung der feinen Art geht es in “Gray“ weiter. Dort heißt es: „Ich kann es nicht erwarten mit dir grau zu werden.“ Dass damit eine Frau gemeint ist, ist in einem Satz geschickt versteckt. Auch der Titel “Whiskey And Women“ thematisiert das Thema gleichgeschlechtlicher Interessen, denn der Kerl an der Bar steht auf die gleiche Frau wie die Protagonistin. Hat Maddie Rean da schon einen Zaun eingerissen in der konservativen Umgebung des Country Music Business? Letztendlich völlig egal. Mit “For The Money“ erklingt wieder eine schöne Ballade, die sich zu einer Rockhymne steigert. Das Album “Doin‘ Me“ von Maddie Rean ist eine überraschend gelungene Bereicherung des Country Rock Genres und auf der Höhe der Zeit. Inhaltlich und musikalisch. Diese halbe Stunde hat großen Unterhaltungswert. Dafür sorgt Maddie Rean mit ihrer starken Stimme und der Leidenschaft in ihrer Interpretation. Hinzu kommen virtuos eingespielte Gitarrenriffs und runden das Projekt emotional ab.

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BlackHawk – Blue Highway

(VÖ: 24.06.2022)

Überraschung. Nach ihrem letzten Album “Brothers Of The Southland“ aus dem Jahr 2014 gibt es Neues von der Formation BlackHawk, die in den 1990er Jahren die Country Music Charts bereicherten. Das letzte Album hatten die Gründungsmitglieder Henry Paul und Dave Robbins als Duo veröffentlicht. Ihr Trio Partner seit der Gründung in 1992, Van Stephenson, starb 2001. Mit dem neuen Album “Blue Highway“ hat man alte, bislang unveröffentlichte Titel des Trios mit dem einen oder anderen bereits erschienenen Song zusammengestellt. Unverkennbar die musikalische Ausrichtung von BlackHawk, die sich durch ihre nur sechs Studioalben umfassende Karriere zog. BlackHawk schafften es, Country Music in modernem Gewand und mit romantischen Texten auch weniger Country zugeneigten HörerInnen zugänglich zu machen. Entsprechend geschmeidig klingen auch die 14 Titel auf “Blue Highway“. Damit hebt sich diese Musik sehr deutlich vom aktuellen Air Play ab und dürfte wohl eher den Fans von damals recht gefallen. Der flotte Titelsong “Blue Highway“ wird von der sehr getragenen Ballade “Breathe The Night“ abgelöst, der man auch mit über vier Minuten viel Raum gegönnt hat. Mit “One Good Reason“ präsentiert sich ein schmissiger Country Titel, während mit “Wide Open Spaces“ ein zurückgenommener Walzer erklingt. Bei einigen Titeln erahnt man, warum sie seinerzeit nicht auf einem Album erschienen sind. Zum Beispiel “Not By Chance“, das so stark an “Sound Of Silence“ von Simon & Garfunkel erinnert, dass man schon von Plagiat sprechen könnte. Aber unabhängig von der Entfernung zu den modernen Produktionen, die sich auch Country Music nennen dürfen, ist das Album “Blue Highway“ von BlackHawk eine feine Erinnerung an diese Band und an die Zeit ihrer größten Erfolge.

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Blackie And The Rodeo Kings – O Glory

(VÖ: 08.07.2022)

Ungeachtet der Preise, die die Formation Blackie And The Rodeo Kings in ihrem Heimatland Kanada eingeheimst haben, die neueste Produktion der Folk-Rock und Alternative Band ist nicht ohne Einschränkungen zu empfehlen. Gleich der erste Eindruck offenbart ein schludriges Mastering, wenn überhaupt eines stattgefunden hat. Ein Klangmatsch, der aber gut zu den dahin geschlurften Titeln zu passen scheint. Wer sich einmal an provozierendem Songmaterial erproben möchte, sollte sich die 13 Titel des Albums “O Glory“ von Blackie And The Rodeo Kings“ antun.

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Calder Allen – The Game

(VÖ: 10.06.2022)

Immer wenn neue Künstler sich trauen mit einem Debütalbum auf sich aufmerksam machen, ist es spannend. Zum einem interessant, welche Art Musik präsentiert wird, zum anderen ob man Entwicklungspotenzial erkennen kann. Oder einfach nur, ob die Musik und Präsentation gefallen. Im Fall von Calder Allen, einem 19-jährigen jungen Mann aus Texas, muss man genauer hinhören. Calder Allen ist, wie sein Großvater Terry Allen, ein nicht leicht zu nehmender Interpret. Auf dem Album “The Game“ verbindet er traditionelle Klänge, die direkt aus den Baumwollfeldern zu kommen scheinen mit seinem Blues und seinen Singer/Songwriter Ansprüchen, die sich einen Kehricht um Air Play kümmern. Stimmlich ist da sicher noch Luft nach oben obwohl er etwas an Chris Rea erinnert. Auch könnte die Produktion etwas akribischer ausgefallen sein. Auffällig auch, dass Calder Allen seinen “Babies“, seinen selbstgeschriebenen Titeln, den Raum einräumt um alle Verse erzählen zu können. So haben sieben der zehn Tracks auf “The Game“ Überlänge. Es sind die Geschichten, die er erzählt, nicht so sehr das tolle Arrangement, welches man sich hier und da gewünscht hätte. Ein Anfang für Calder Allen, der hoffentlich dem Mainstream weiterhin widersteht. Aber da geht noch was…

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Danni Leigh – Walkin‘ On A Wire

(VÖ: 20.05.2022)

Sie hat alles, was zu einer großen Karriere taugt. Das blendende Aussehen, die Verbundenheit zu traditioneller Country Music und Qualität als Sängerin. Dennoch wollte und will es mit den großen Erfolgen einfach nicht klappen. Als Danni Leigh erkannte, dass weder der Umzug aus Florida nach Nashville als 19-jährige Sängerin mit großen Hoffnungen noch der von bescheidenem Erfolg gekrönte Eroberungsversuch in Europa ihre Karriere richtig zünden konnte, zog sich Michelle Sheetz, so ihr bürgerlicher Name, ins Privatleben zurück. Bis 2007 hatte sie vier Alben veröffentlicht. Nach nunmehr 15 Jahren folgt mit dem Album “Walkin‘ On A Wire“ ein weiterer Versuch. Ihre Musik bleibt traditionell von Swing bis Piano basierte Balladen, von Rumba bis zum Opener “A Honky Tonk Song“, einer Erzählballade. Die Titel wirken ein wenig hausbacken. Hinzu kommt, dass Danni Leigh ihre Stimme als fein ausbalanciertes Instrument ohne Ecken und Kanten einsetzt. Da kommen manche Titel etwas zu glatt zu Gehör. Doch Freunde der Musik von Tammy Wynette oder noch früherer Interpretinnen wird das einen Wiedererkennungswert bescheren. Ob man eine Aufnahme von 45 Sekunden einer Songwriting Session mit der betagten Melba Montgomery als Track auf ein Album packen muss, sei dahingestellt. Das Album “Walkin‘ On A Wire“ ist ein handwerklich solide gemachtes Country Music Album mit Retro Charakter und ohne Aufmerker.

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Jason Grove – Caribbean Cowboy

(VÖ: 01.07.2022)

Offensichtlich gibt es noch weitere Caribbean Cowboys neben Jimmy Buffet. Zumindest suggeriert dies der Album Titel “Caribbean Cowboy“ von Jason Grove. Wer etwas mehr über den Sänger erfahren möchte, dessen musikalische Einflüsse von anfänglich Bluegrass bis später über Bakersfield Sound bis Merle Haggard reichen, muss sich durch die Social Media Angebote quälen. Mit 10 Tracks ausgestattet, bietet das Album “Caribbean Cowboy“ abwechslungsreiche Musik, die von feinen Balladen wie etwa “She Prays For Me“ oder “West Preddy Texas“ bis zu Laid Back karibischen Klängen wie im Titelsong reicht. Die Geschichten erzählenden Balladen sind prägend für das Album von Jason Grove. Mit schönen Country Titeln wie “Wheels On The Bus“ und “Middle Of Nowhere“ endet eine gute halbe Stunde in der man einfach gut unterhalten wurde. Bleibt die Gewissheit, dass die Selbstheilungskräfte der Country Music immer wieder InterpretInnen, wie etwa Jason Grove, hervorbringen, die sich bewusst gegen den Mainstream stellen und traditionelle Country Music hochhalten.

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Jimmie Allen – Tulip Drive

(VÖ: 23.06.2022)

Nach einigen Jahren harter Erfahrungen in der Music City Nashville, die erst einmal gar nichts mit dem jungen Mann aus Delaware anzufangen wusste, hat sich Jimmie Allen durch die Durst- und Hungerjahre gekämpft. Sehr persönlich sollte das neue Album “Tulip Drive“ ausfallen und bekam den Titel nach der Straße in der eine der wichtigsten Personen in seinem Leben, seine Großmutter, lebte. Zweifelsohne, der Mann hat Geschichten im Gepäck, die es lohnen gehört zu werden. Für einen Interpreten mit afroamerikanischem Hintergrund war es sicher nicht leicht im Country Music Business Fuß zu fassen. Die Erfolge einiger Interpreten von Charley Pride bis Darius Rucker sollten dieses Thema nun endgültig überwunden haben. Jimmie Allen widmet sich gezielt und bewusst der Country Pop Music. Doch auch Freunde der traditionellen Country Music werden mit seinem dritten Album “Tulip Drive“ erfrischend unterhalten. Gleich der Opener “Be Alright“ strotzt vor Coolness, gefolgt von einem R&B basierten “What I’m Talkin‘ ‘bout“. “Down Home“ mit absolutem Chartpotenzial, ein Hispano Track “Peso“ mit Unterstützung von den Rappern Ceelo Green und T-Pain (ein gewagter Sidestep für ein Country Pop Album) oder das Duett “On My Way“ mit Jennifer Lopez (tatsächlich J.Lo) sorgen für jede Menge Überraschungen. Wenn neben den poppigen Crossover Titeln die Piano Ballade “Habits & Hearts“ erklingt, erahnt man, was Jimmie Allen an Ausdruck in seine Songs zu legen vermag. Auch bei “Undo“ kann er mit leisem und leidenschaftlichem Gesang punkten. Das Album “Tulip Drive“ ist keineswegs ein oberflächliches Pop Country Album. Unter den 17 Tracks gibt es feine Musik und die eine oder andere gute Geschichte zu entdecken.

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Parsons Ghost – Parsons Ghost

(VÖ: 27.05.2022)

Gitarrist und Songschreiber Thomas Baker wagt ein Projekt mit dem Album “Parsons Ghost“ für das er unter dem Bandsynonym Parsons Ghost einige der namhaftesten Musiker in Nashville zusammentrommelte und zehn seiner selbstgeschriebenen Songs im Studio aufnahm. Dabei bedient er sich der Stilelemente des Country Rock der 1960er und 1970er Jahre, welcher vor allem in Kalifornien zur Geltung kam. Das reicht von geschmeidigen Songs wie “Dust Bowl Valley“ mit feiner Dobro Untermalung oder dem Opener “Weight Of Traveling Light“ über Singer/Songwriter Balladen wie “Magnetic North“ in rockigem Stil und stampfendem Beat wie bei “Go Down Swinging“ bis “Blackbird Jam“, einem von der E-Gitarre von Thomas Baker geleiteten R&B Instrumental, welches mit einer B3 Organ ergänzt wurde. Bei “Jewel Eyed Gem“ darf ein Banjo für den Hintergrund des bluesigen Titels sorgen und “Ship In A Bottle“ ist dann Country Music pur und erinnert im Ausdruck und Engagement an Travis Tritt. Ein starker Titel. “Back On The Road“ lässt einen flotten Two Step im besten Honky Tonk Style erklingen und den Schluss bildet, etwas experimentell instrumentiert, mit “Curtain Call“ erneut ein Instrumental bei welchem sich die Musiker an den Instrumenten einmal austoben durften. Ein Projekt Album mit toller Musik.

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Steve Earle & The Dukes – Jerry Jeff

(VÖ: 27.05.2022)

Produzent und Anti Star Steve Earle hat seinen Kollegen, die ihn musikalisch beeinflusst haben, immer ein Tribut nachgesendet. Diesmal hat er mit dem Album “Jerry Jeff“ dem Sänger, Gitarristen und Songschreiber Jerry Jeff Walker einen musikalischen Nachruf gewidmet. Jerry Jeff Walker, der als Ronald Clyde Crosby geboren wurde, starb 2020. Obwohl Jerry Jeff Walker nie die Charts so richtig erfolgreich erobern konnte, hat er der Nachwelt mit seinem Song “Mr.Bojangles“ aber einen unsterblichen Klassiker hinterlassen. Auch Steve Earle hat diesen Titel auf sein Tribute Album gepackt und mit seiner lässig alternativen Interpretation die Originalfassung von Jerry Jeff Walker mittig getroffen. Wenn einer dem Texaner Walker nahekommen kann, dann Steve Earle. “Hill Country Rain“, der Titelsong des gleichnamigen Albums von Jerry Jeff Walker aus 1992 zeigt das deutlich. Ganz sicher ein Highlight des Albums “Jerry Jeff“ von Steve Earle ist die Interpretation von “My Old Man“ wobei das Original über das Ohr das Herz noch intensiver erreicht. Die wortgewaltige Ballade “Wheel“, die intensiv und berührend zugleich ist, hat Steve Earle sehr klug umgesetzt bevor, es wäre nicht Steve Earle, mit “Old Road“ ein nur von Mundharmonika untermaltes Klagelied, welches direkt aus den Baumwollfeldern längst vergangener Zeiten zu stammen scheint, erklingt. “Jerry Jeff“ ist ein Album von Steve Earle, welches den Konsumenten maximale Aufmerksamkeit abverlangt. Sowohl für den musikalischen Nachlass von Jerry Jeff Walker, als auch der eigenwilligen Umsetzung durch einen unangepassten, genialen Musiker wie Steve Earle.

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The Often Herd – Where The Big Lamp Shines

(VÖ: 03.06.2022)

Gibt es in England auch das blau schimmernde Gras wie in den Appalachen? Anscheinend ja. Die vier Musiker Robert Hughes, Evan Davies, Niles Krieger und Sam Quintana haben die Band The Often Herd gegründet und zelebrieren Bluegrass Music auf ihrem Album “Where The Big Lamp Shines“. Allerdings klingt ihr Bluegrass sehr europäisch und kann die Nähe zu irischer oder schottischer Fiddle Musik nicht verleugnen. Warum auch? Liegt doch hier der Ursprung dieses Genres. So kann das Instrumental “Sycamore Gap“ begeistern und alle Musiker dürfen zeigen, was sie an ihren Instrumenten können. Die Leadstimme von Robert Hughes klingt meist sehr brav und hier und da würde ein wenig mehr Kraft den Songs guttun. Bei “Rosary Beads“ gelingt das leidlich obwohl die Harmonies wieder so überkorrekt eingesungen sind. Ob man Titel wie “A Sparrow Lingers“ auf eine Länge von über sieben Minuten ausdehnen muss, sei dahingestellt. Einige Titel sind zu konzertant um als begeisternder Bluegrass die Konsumenten zu erreichen. Da wurde zu viel Aufmerksamkeit auf den musikalischen Anspruch gelegt. Das Album “Where The Big Lamp Shines“ wirkt streckenweise ermüdend. Gute Musiker zu haben heißt noch nicht ein packendes Album gestalten zu können. Allzu oft muss man das nicht hören.

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Jaelee Roberts – Something You Didn’t Count On

(VÖ: 20.05.2022)

Bei den International Bluegrass Music Association’s Momentum Awards wurde Jaelee Roberts in 2021 als Vocalist Of The Year ausgezeichnet. Jetzt hat sie ihr Debütalbum “Something You Didn’t Count On“ veröffentlicht. Na ja, so ganz stimmt das nicht. Bereits seit 2021 hat die Multiinstrumentalistin und seit frühester Kindheit mit der Country Music verbundene Sängerin etliche ihrer Titel auf dem Album als Singles bereits veröffentlicht. Ein geschickter Schachzug. So beinhaltet das Album genug Wiedererkennungswert. Selbst wer die Singles nicht kennt, wird von den Songs und vor allem von dem Bluegrass Arrangement von “Something You Didn’t Count On“ begeistert sein. 12 Titel vom Opener und Titelsong, den erwähnten Singleauskopplungen über Cover wie “Landslide“ bis zu feiner Instrumentierung wie in “The Best Of Me“ und bittersüßen Balladen wie “Lie To Me“, das Album von Jaelee Roberts ist sowohl “sortenrein“ als auch unterhaltend abwechslungsreich. Die Award Jury hat ihre warme, eindringliche Stimme zu Recht prämiert, die mal klagend, mal fordernd sich mit bereits berühmten Interpretinnen des Bluegrass jederzeit messen kann. Dem Aufstieg von Jaelee Roberts zu einer ganz großen Interpretin ihres Fachs sollte Nichts im Wege stehen. So dass der Titel “The Beginning Was The End“ sich keinesfalls auf ihre Karriere beziehen kann. Mit einem flotten, treibenden Sound in “Luxury Liner“ endet das Album “Something You Didn’t Count On“ von Jaelee Roberts und hinterlässt mit jeder Menge Banjo-, Mandolin- und Fiddle Music einen tollen Eindruck. Solcherlei Musik übersteht alle Übernahmeversuche durch Rock und Pop. Ein 40 Minuten Genuss.

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Linda Lay & Springfield Exit – Linda Lay

(VÖ:11. 02.2022)

Linda Lay wurde als Linda Clayman in eine musikalische Familie geboren. Ihr Vater, der Mandolinist Jack Clayman gründete eine Familien Band, die sich mit Bluegrass, Gospel, Traditional Music und Country beschäftigte. Linda lernte zunächst Gitarre zu spielen, später dann Bass und das beinahe vergessene Instrument Autoharp zu bedienen. Sie war Gründungsmitglied der Bluegrass Formation Appalachian Trail, die bis heute einer Menge Musiker als Startrampe diente. Sie lernte den begnadeten Gitarristen David Lay kennen und lieben. Fortan war sie Mrs. Lay. Die beiden arbeiteten mit David McLaughlin, der lange schon als einer der besten Mandolinisten gilt. Komplettieren konnte die Band Springfield Exit nur noch der Banjoist und Tenor Singer Darren Beachley. Linda Lay & Springfield Exit war geboren. Nun hat Linda Lay ihr erstes Album unter eigenem Namen veröffentlicht. Zehn Bluegrass Titel laden ein, in die wunderbare Welt der akustischen Musik einzutauchen. Linda Lay sorgt mit ihrem Gesang für eine Vokalführung in den Tracks, die es auch Nicht Bluegrass Fans leicht macht, eine gute halbe Stunde feiner Unterhaltung zu genießen. Wenn ein Cover wie “I’ll Be Here In The Morning“, dem Klassiker von Townes Van Zandt, in der Fassung von Linda Lay erklingt, bekommt der Song einen warmen Anstrich. Begonnen hat das Album mit der bereits veröffentlichten Single “The Happiness Of Having You“, der Coverversion des Charley Pride Titels aus 1975. Die Ballade, die aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs die Geschichte vom “Jingling Hole“ erzählt, folgt auf Platz 2. Der Don Williams Titel “Imagine That“, Steve Earle’s “The Mountain“, Emmylou Harris’s “White Line“ oder das wunderbare “Standing In My Way“, ein Lebensfazit des 2020 verstorbenen Charley Pride, zeugen von dem feinen Musikverständnis von Linda Lay, die ihr nach ihr benanntes Album “Linda Lay“ außergewöhnlich bestückt hat. Dafür aber hat sie es geschafft, einige “vergessene“ Titel sowohl in das Bluegrass Genre zu übersetzen, als auch wieder ans Tageslicht zu befördern. Danke dafür.

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Michael Martin Murphey & Ryan Murphey – Road Beyond The View

(VÖ: 10.06.2022)

Der Geschichtenerzähler Michael Martin Murphey, der sich den Stories des Western Genres über viele Jahre widmete und dessen Oldtime Music oft aus der Zeit gefallen schien, hat nun mit seinem ältesten Sohn Ryan Murphey das Album “Road Beyond The View“ aufgenommen. Und in der Tat muss man bereit sein, vom erwarteten Sound des Vaters Abschied zu nehmen. Hier geht es in neun Tracks um Jazz, Swing und die besonderen Fähigkeiten von Ryan Murphey als Gitarrist. Würde es sich nicht um Michael Martin Murphey handeln, dieses Album gehört an anderer Stelle vorgestellt. Nur für Jazz Fans geeignet.

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Mike Thomas – Three Reasons – Deluxe Edition

(VÖ: 19.06.2022)

Der zweite Anlauf seine Karriere als Sänger und Songschreiber zu starten, scheint nun von Erfolg gekrönt zu werden. Music City Nashville hatte zunächst keine Verwendung für die Musik von Mike Thomas und so zog er sich beruflich aus dem Musikgeschäft zurück. Aber er nutzte seine “Auszeit“ und schrieb an seiner Musik, die nun endlich einen Produzenten erreichte, der mit ihm das Album “Three Reasons – Deluxe Edition“ möglich machte. Alle 13 Titel stammen von Mike Thomas und werden musikalisch von feiner Produzenten Hand umgesetzt. Dabei ist ein Vintage Sound hinterlegt, der die Geschichten, die Mike Thomas erzählt hervorragend in Szene setzt. Auffällig ist zudem, dass etliche der Tracks die Spielzeit bekommen, die sie benötigen und dann auch einmal über sechs Minuten erklingen. Ob es nach Bob Dylan klingt wie bei “Jackson Avenue“ oder dem Titelsong “Three Reasons“, ob eine geschmeidige Ballade ertönt wie bei “Something I Never Said“ oder es swingt wie einst wie bei “Homebody“, die Titel des Albums sind sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. “Sure Feels Right“ oder “Adeline“ mit herrlicher Retro Country Guitar, “Lighter Shade Of True“, der tolle Opener Song oder, oder, oder. Für den Herbst ist bereits ein weiteres Album angekündigt und man darf sich ganz sicher darauf freuen, wenn es nur annähernd so fein ausgearbeitet ist wie das Album “Three Reasons – Deluxe Edition“ von Mike Thomas.

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Paige King Johnson – Honky Tonk Heart

(VÖ: 01.07.2022)

Sie hat sich gut vorbereitet. Aus den Kindertagen und ersten Gitarrenlektionen durch ihren Großvater hat es Paige King Johnson bis zum Studium des Musikgeschäftes an der Belmont University in Nashville gebracht. Wie für eine junge Frau nicht anders zu erwarten, sind die Themen über die ihre selbstgeschriebenen Titel berichten, Reflektionen junger Mädchenträume, der Erwartung des wahren Lebens oder des “Prinzen“. Deshalb sind einige ihrer Titel auch mit einer wohl dosierten Dosis Pop Music gewürzt. Doch daneben hat sie waschechte Country Music im Gepäck wie etwa “Homes In The Homtowns“. Ihr “Baby Don’t“, welches viel Radio Play erhielt, ist wieder eine moderne Pop Country Version. Vielleicht der beeindruckendste Titel ist die Hommage an die eigene Mutter, “She Hold’s This House Together“, in welchem sie die stille Leistung einer Mutter beschreibt. Der Titelsong “Honky Tonk Heart“ hält was er verspricht und lädt zu einem ruhigen Two Step ein. Doch was ist das? Plötzlich wird es ein Uptempo Stück und kann in jeder Disco stattfinden. Paige King Johnson wuchs selbst in einer sehr kleinen Stadt in North Carolina auf. Ihr “Why God Made Small Towns“ reflektiert das geborgene Leben dort. “Used To“, ein Laid Back Waltz markiert noch einmal die lupenreine Country Music von Paige King Johnson. Den Schluss bildet eine “entschärfte“, Version von “Baby Don’t“. Leider bleibt man dann mit einem sehr zwiegespaltenen Eindruck zurück. Einerseits kann Paige King Johnson richtig gute Country Music. Andererseits….

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Alexander Ludwig – Alexander Ludwig

(VÖ: 21.05.2022)

Der Kanadier mit deutscher Abstammung Alexander Ludwig hatte bislang als Schauspieler auf sich aufmerksam gemacht. Er gewann Preise als bester Bösewicht oder für die beste Kampfszene in den Filmen “Die Tribute Von Panem“. Dass er auch Country Music mag und kann, hat er 2020 mit seiner Single “Let Me Be Your Whiskey“ unter Beweis gestellt. Nun hat er sich eine Stufe mehr getraut und mit “Alexander Ludwig“ seine erste EP veröffentlicht. Leider sind nur fünf Titel darauf. Dafür aber sehr hörenswerte Country Music. Mal mit treibendem modernem Beat wie im Opener “Love Today“, mal mit einem relaxten Groove wie bei “How It Rolls“. Auch die ruhigen Titel “Sunset Town“ und “Malibu Blue“ können überzeugen. Mit dem Schlusstitel “Summer Crazy“, dem einzigen Titel an dem Alexander Ludwig als Songschreiber mitgewirkt hat, sollten die Radiomacher schon überzeugt sein, den einen oder anderen Titel in ihr Programm zu integrieren. “Alexander Ludwig“ ist eine EP die durchaus Lust macht auf Fortsetzungen. Moderne Country Music mit Unterhaltungsfaktor.

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American Aquarium – Chicamacomico

(VÖ: 10.06.2022)

Mit den letzten beiden Alben “Slappers, Bangers & Certified Twangers Vol.1 und Vol.2“ hat die Alternative Country Band American Aquarium aus North Carolina ein umfassendes Werk vorgelegt. Sänger, Songschreiber und Frontmann BJ Barham ist seit der Gründung in 2005 der hauptverantwortliche Kopf der Band. Das Songschreiben von BJ Barham ist oft politisch motiviert, wie im Album “Lamentations“ aus 2020 in dem er die Problematik des Rechtsruckes in Amerika unter Präsident Trump kritisch beleuchtet. BJ Barham sagt über das neue Album “Chicamacomico“, dass sei eine völlig neue Ausrichtung der Musik von American Aquarium. Persönlicher, intimer und nachdenklicher. Dabei waren persönliche Verlusterfahrungen aus seiner Familie der ausschlaggebende Punkt. Die zehn Titel befassen sich überwiegend mit entsprechend einschneidenden Erlebnissen im Leben. Schon der Titelsong und Opener “Chicamacomico“ thematisiert mit sehr eindringlichen Worten den Verlust eines Kindes und nutzt dazu die Landschaft um die Lebensrettungsstation Chicamacomico auf den vor North Carolina liegenden Inseln. Ein erstes Ausrufezeichen der Songschreiberkunst von BJ Barham. Der Titel “Just Close Enough“ verdeutlicht die Sprachlosigkeit in einer Beziehung, die Unfähigkeit auszusprechen, was so nötig wäre. „Wir sind immer gerade nah genug um zu weit weg zu sein.“ Der Song ist in ein gleitendes Arrangement gefasst, das die Tiefe des Inhaltes leicht übersehen ließe. “Waking Up The Echoes“ ist die Klage über nicht genutzte Gelegenheiten einem geliebten Menschen zu zeigen, dass man ihn liebt. In dem Fall der Verlust der Mutter. “The Hardest Thing“ ist zudem in ein sehr gefühlvolles Arrangement gehüllt und lässt die Lyrics im Vordergrund wirken. Um die Stimmung des Albums nicht zu düster zu machen, sind auch flottere Titel wie “All I Needed“ zu hören. Nach eigener Aussage ist “Chicamacomico“ das traurigste und dennoch unterhaltsame Album von American Aquarium. Für Freunde von Tanzmucke ist das aber nicht geeignet. Und das ist auch gut so.

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The Blue Dogs – Big Dreamers

(VÖ: 03.06.2022)

1987 gründeten Bobby Houck und Hank Futch die Formation The Blue Dogs. Anfangs verbanden sie die Bluegrass Traditionen ihrer Heimat South Carolina mit modernen Elementen. Daraus entwickelte sich eine Alternative, Country Rock und Roots Rock geprägte Musik. Außergewöhnlich, dass The Blue Dogs in all den Jahren nun mit ihrem neuen Album “Big Dreamers“ erst ihr sechstes Studioalbum veröffentlichen. Möglicherweise legen die mittlerweile fünf Musiker, aus einer Mischung aus gesetzteren Herren und jungen Musikern, mehr Wert auf Live Auftritte und Nähe zum Publikum. Dafür spricht auch, dass man bei der technischen Vervollkommnung des Albums ein wenig mehr Sorgfalt hätte walten lassen können. Der imaginäre “Vorhang“ lässt den einen oder anderen Song eher „verwischt“ rüberkommen. Unter den 11 Titeln ist manchmal geschmeidiger Blues wie bei “If Ever“ und dem Schlusstitel “All Out Of Time“ oder „slippery groove“ wie bei “Carolina Grand“. Aber auch feine Balladen wie bei “The Good Road“ sind auf dem Album zu hören. Dennoch ist der Gesamteindruck eher eingeschränkt. Kein Wunder, das letzte Studioalbum stammt aus dem Jahr 2004. Für die Blue Dogs scheint die Zeit seitdem langsamer vergangen zu sein. Daher für Fans dieser Musik sicher ein Schmankerl.

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Chris Young – Famous Friends Deluxe Edition

(VÖ: 06.06.2022)

Und wieder: man nehme ein Album aus dem Vorjahr, füge ein paar zusätzliche Tracks an und nenne das Ganze ein Deluxe Album. Im Fall von Chris Young kann man nur vermuten, dass die Plattengesellschaft dazu gedrängt hat. Chris Young ist doch ständig im Radio präsent und sein Tourplan ist auch prall gefüllt. Okay, die 14 Titel des Albums “Famous Friends“ aus 2021 waren ein großer Wurf. Chris Young steht für moderne Country Music, der man den Bezug zu traditionellen Vorreitern anmerkt. Mit “Everybody Needs A Song“ beginnt die Deluxe Abteilung und mit Old Dominion hat Chris Young gleich einmal sehr potente Partner für den Titel an Bord. Mit der überzeugenden Country Ballade “If I Knew What Was Good For Me“ hat Chris Young eine moderne Ballade im Gepäck, die knapp an einer Überproduktion vorbeischrammt. Darauf folgt das Duett mit Jimmie Allen “Music Note“ und setzt die Balladensequenz fort. Und auch “Like A Slow Song“ ist aus diesem Material gestrickt und erreicht geschmeidig die Ohren. Zum Schluss zwei Akustik Versionen. Zunächst mit Kollegin Cassadee Pope der Titel “Think Of You“, der sehr gut ohne das Disco Gewummere des 2015 veröffentlichten Originals auskommt. Ähnlich angenehm ist der Schlusstitel “I’m Coming Over“, der Titelsong des Albums aus 2015, der nun von allem vom Inhalt ablenkenden Arrangement Schnickschnack befreit, viel besser daherkommt. Alle Chris Young Fans haben das Album “Famous Friends“ bereits konsumiert. Die Deluxe Edition mit 18 Tracks könnte ein Sahnehäubchen sein. Chris Young ist auf jeden Fall eine Aufmerksamkeit wert.

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Eli Young Band – Love Talking

(VÖ: 03.06.2022)

Die ehemaligen Kommilitonen der University Of North Texas, Mike Eli und James Young, zunächst als Duo unterwegs, sind die Namensgeber der Eli Young Band, die sich mit Jon Jones und Chris Thompson verstärkt haben. In den nunmehr 22 Jahren ihrer Existenz haben die Musiker nun ihr sechstes Studioalbum vorgelegt. Die Nummer Eins Erfolge “Crazy Girl“ (2011), “Even If It Breaks Your Heart“ (2011) und “Drunk Last Night“ (2012) liegen nun schon einige Jahre zurück. Immer noch macht die Eli Young Band ihren modernen Country Sound, der immer wieder mit Pop Music kombiniert ist. Verlassen sie einmal diese Komfortzone, entstehen Balladen, die sowohl modern als auch begeisternd sind. Die Pop Country Titel sind oft mit schwulstigen Liebeserklärungen garniert. Etwas origineller die Story einer Trennung, die in einer Bar stattfand, im Song “Break Up In A Bar“. Laut den Lyrics der perfekte Platz dafür, denn dort gibt es hundert Sorten Whiskey und das favorisierte Bier und jede Menge Mädchen. Eine trotzige Reaktion. Beim mit treibendem Beat garnierten “Love Ain’t“ dient sich der Protagonist als “Ersatz“ für den Ex an. “Chances Are“ ist eine sehr “aufgeblasene“ Ballade, die knapp am Kitsch vorbeischrammt. Hat man die neun Titel gehört, ist es erst einmal genug. Für eine Wiederholung muss Zeit vergehen. Diese Unterhaltung schwankt zwischen Langeweile und Stress. Unter “Love Talking“, gerade in der Country Music, kann man auch andere Titel vermuten.

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Miranda Lambert – Palomino

(VÖ: 29.04.2022)

Miranda Lambert ist scheinbar eine ewig Suchende, getrieben von der Sehnsucht nach Vollkommenheit. Aber auch Selbstzweifel scheinen immer wieder ihren Weg zu versperren. An den 15 Titeln des neuen Albums “Palomino“ ist sie maßgeblich als Songschreiberin beteiligt. Die Produzenten Jon Randall und Luke Dick sorgten für den ausgeklügelten Sound und die Mischung der verschiedenen Songs auf dem Album. Mit “In His Arms“, das schmachtende Liebeslied, “Geraldine“, dem alten “Jolene“ Thema und “Waxahachee“, dem Klang gewordenen Road Movie, sind drei “alte Bekannte“ in neuem Gewand auf das Album gelangt. Wenn Miranda Lambert im Song “Tourist“ die Zeile singt: „’Cause there’s always been a stranger in my soul who loves a good goodbye and a good hello.“, dann beschreibt das ziemlich genau, wie sie zurzeit mit sich kämpft. Auch die Stimme drückt oft eine trügerische Zurückgenommenheit aus, die kurz vor einem Ausbruch zu stehen scheint. So oft hat sie sich schon mit unterschiedlichen Ausrichtungen ihrer Country Music befasst. Nun hat sie aber mit “Palomino“ ein Album vorgelegt, welches man mit Fug und Recht Country Music nennen kann. Ein Beispiel für die Suche nach sich selbst scheint musikalisch im Titel “Music City Queen“ verborgen zu sein. Da hat Country Music einmal mehr das Nachsehen. In manchen Titeln sind textlich etliche Anspielungen verborgen und verbunden mit der vorwurfsvoll klagenden Interpretation von Miranda Lambert, bekommen diese Titel, wie etwa “Strange“ mehr Bedeutung als sie eigentlich verdient hätten. Eine feine Interpretation, was Musik für viele verschiedene Menschen bedeuten kann, ist der Titel “That’s What Makes The Jukebox Play“. Dass Miranda Lambert immer gern einen Ausflug in Pop Music und merkwürdige Erzählungen unternimmt, davon zeugt der völlig überflüssige Titel “Country Money“. Der Song, der durch gewaltiges Air Play gerade das Portmonee von Miranda Lambert füllt, “If I Was A Cowboy“, glänzt wieder durch die Geschlechter wechselnde Bedeutung und zeugt wieder von der Sehnsucht nach einem anderen Leben. Mit dem Album “Palomino“ hat Miranda Lambert keinen Meilenstein gesetzt. Dennoch wechseln mitreißende Momente mit eher belanglosen ab. Es ist natürlich eine Krux, immer wieder für Highlights zu sorgen.

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Mitchell Tenpenny – The Low Light Sessions

(VÖ: 15.04.2022)

Mit einem explosiven Text in der fetten Ballade “Horseshoes And Hand Grenades“ startet Mitchell Tenpenny in sein neues Album “The Low Light Sessions“, mit der Beschreibung unterschiedlicher Charaktere, die sich aber anziehen. Ein ebenfalls textlich fein ausgearbeitetes Thema, dass wir in diesen Zeiten wieder eine sinngebende Leitfigur brauchen, beschreibt Mitchell Tenpenny im Song “Dear Jesus“. Dass liebende Mütter für ihre Kinder, vor allem für die austestenden “running wild kids“, die mal vom rechten Weg abkommen, immer da sind und ihnen Halt geben, davon zeugt der Titel “Mama Raised The Hell Out Of Me“. Immer wieder dürfen Banjos in den Arrangements mit klimpern und sorgen für einen angenehmen Sound. Eine sehr intensive Liebesballade ist “I Can’t Get Another You“, welche tiefe Gefühle auf eine sehr eindringliche Art darbringt. “Don’t Make Me Choose“ hat absolutes Air Play Potenzial, bevor mit “The Way You Are“ die Liebeserklärung an die Angetraute, das nur acht Titel umfassende Album “The Low Light Sessions“ von Mitchell Tenpenny endet. Schade eigentlich. Von solcher Musik kann man ganz sicher mehr vertragen.

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Nitty Gritty Dirt Band – Dirt Goes Dylan

(VÖ: 20.05.2022)

Wer die Alben der Nitty Gritty Dirt Band der “Will The Circle Be Unbroken“ Serie nicht kennt, kann möglicherweise nicht wissen, welche Bedeutung die Nitty Gritty Dirt Band, weit über die Country Music hinaus hat. Über den Literatur Nobelpreisträger Bob Dylan zu erzählen, bräuchte eher ein Buchformat. Wenn sich also die herausragende Nitty Gritty Dirt Band mit Titeln von Bob Dylan beschäftigt, geht es um Qualität in Text und Interpretation. Kein Wunder also, dass einige der zehn Titel aufgrund der ausgedehnten Texte die Vier-Minuten Marke überschreiten. Vielleicht sind die Aufnahmen hier und da so dicht am Original, dass man überlegen muss, ob der Meister des Nuschel-Folk tatsächlich mit im Studio war. Ganz sicher ein Highlight ist der Song “I Shall Be Released“ in welchem die Band Larkin Poe mit ihren tollen Frauenstimmen mitmischt. Mit Rosanne Cash, Steve Earl, Jason Isbell und dem Ehepaar The War And Treaty wird dann der Titel “The Times They Are Changin‘“ zelebriert. Was durfte aus der Zeit der Musik der 1960er und 1970er Jahre von Bob Dylan auf keinen Fall fehlen? Na klar, “Don’t Think Twice, It’s Alright“ und “Quinn The Eskimo (Mighty Quinn)“. Zehn Mal Nitty Gritty Dirt Band und KollegInnen und Material von Bob Dylan. Zehn Mal Nostalgie pur. Mehr aber auch nicht.

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Ronnie Reno & The Reno Tradition – Portfolio

(VÖ: 30.04.2022)

Dass Ronnie Reno ganz und gar von der Karriere seines berühmten Vaters und Banjo Spielers Don Reno beeinflusst wurde, ist klar. Hat der Vater doch mit seinem Spiel u.a. bei Bill Monroe gespielt. Sohn Ronnie erlernte in der Band des Vaters die Mandoline zu beherrschen. Mit seiner Band The Reno Tradition ist er seit vielen Jahren aus der Bluegrass Szene nicht wegzudenken. Er versteht es, die Klänge einer typischen Bluegrass Band mit geschmeidigem Gesang zu verbinden. Sehr eingänglich der Titel “September In Miami“ welcher auch nicht Bluegrass Fans Freude machen wird. Feine, virtuos gespielte Musik bildet immer wieder den Rahmen der Titel. “Freight Train Boogie“, “Listening To The Rain“, “Wild Bill Cheatham“ (ein begeisterndes Instrumental) und etliche der 14 Tracks auf dem Album “Portfolio“ von Ronnie Reno & The Reno Tradition zeugen davon. Was da an Mandolinen- und Banjo Kunst geboten wird, ist einfach klasse. Aber auch Fiddle und Gitarre werden eindrucksvoll in Szene gesetzt. Eine Dreiviertelstunde toller Hörgenuss und Ablenkung von Beat, Rock, Bass Gedröhne und Computer Drums. Was könnte einen Musikabend interessanter gestalten. Okay, für die Nicht Bluegrass Fans sollte vielleicht ein Random Play mit anderen Genres empfohlen werden. Wer aber klasse Musikern lauschen möchte, ist hier richtig.

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Tommy Townsend – Southern Man

(VÖ: 29.04.2022)

Eine richtige Rarität ist das Album “Southern Man“ von Tommy Townsend. Warum? Tommy Townsend begann an dem Album zu arbeiten im Jahr 1987 und bearbeitete es weiter 1995. Nun hat es noch einmal viele Jahre gebraucht, um endlich veröffentlicht zu werden. Tommy Townsend stammt aus einer musikalischen Familie. “Alle Townsends spielten ein Instrument und es gab eine Familienband.“ Tommy spielte Schlagzeug mit fünf Jahren und mit 12 wünschte er sich eine Telecaster Gitarre, weil sein Idol, Waylon Jennings, solch ein Instrument spielte. Dass Träume manchmal wahr werden, zeigt die Geschichte, dass Tommy Townsend auf Waylon Jennings traf und dieser ihn protegierte. Mehr noch, er prophezeite dem Teenager eine große Karriere. Folgerichtig kümmerte sich Jennings mit seinem Bassisten Jerry Bridges um die Förderung des Jungen. Als Dankeschön stellt Tommy Townsend nun etliche Jahre nach dem frühen Tod von Waylon Jennings dessen Grußwort an den Anfang seines Albums “Southern Man“. Zudem werden Waylon Jennings und Jerry “Jigger“ Bridges als Produzenten genannt. Musik also aus einer anderen Epoche der Country Music. Das dokumentieren die zehn Titel allemal. Bei einigen Songs singt Waylon Jennings ein wenig mit oder spielt Gitarrenparts ein. So groovt es wie so oft bei Waylon Jennings. So auch bei “Lesson In Loneliness“ oder dem Titelsong “Southern Man“. Aber auch feine Balladen haben ihren Platz auf dem Album “Southern Man“. Etwa “Could And Still Do“, “If You Can’t Stand The Heat“ oder “How High This Tree Will Grow“. Diese halbe Stunde Country Music ist eine Zeitreise und man wacht nur ungern aus den Gedanken an diese Epoche wieder auf.

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Home Free – The Sounds Of Lockdown

(VÖ: 15.04.2022)

Die Gesangskünstler von Home Free vorzustellen hieße Eulen nach Athen zu tragen. Wer aber noch nie Musik von dieser Ausnahme A Capella Formation gehört hat, hat jetzt mit dem Doppelalbum “The Sounds Of Lockdown“ eine wunderbare Gelegenheit, dies nachzuholen. Gleich 20 Titel, allesamt bekannte, erfolgreiche Songs aus etlichen Jahrzehnten, haben Home Free bearbeitet und Klassikern der Country Music und aus anderen Genres ihren Stempel aufgedrückt. Los geht es mit “On The Road Again“, “Flowers On The Wall“, “Crazy“, “The Gambler“ und immer weiter durch die Nummer Eins Titel der Country Music. Über “Amazed“, “Bless The Broken Road“ und viele weitere mehr. Für die Bearbeitung von “One Voice“ haben sich Home Free den einstigen Kinderstar Billy Gilman, für den dieser Titel im Jahr 2000 ein Top Twenty Erfolg war, als “sechsten Mann“ mit ins Studio geholt. Immer wieder begeisternd wie das Beat Boxing die Gesangsharmonien unterstützt und vorantreibt. Dieses einzigartige Konzept funktioniert nach über 20 Jahren immer noch. Zugegeben, oft sind die Titel sehr getragen. Dafür aber haben sie feine Ausarbeitungen erfahren und dokumentieren die Klasse des Originalmaterials. Wenn Basssänger Tim Foust intoniert und die Tenöre Austin Brown und Rob Lundquist in die Harmonien einfallen, ist das ein ums andere Mal ein Genuss. Mit “Moonshine“, ein Titel des nordirischen Singer/Songwriters Foy Vance und “Diamond Dreams“ von Castro schleichen sich auch “Nicht Country Stücke“ in die Trackliste und lockern den Hörgenuss auf. Mit Drive erklingt “Workin‘ For A Livin‘“, einst auch von Huey Lewis & The News und Garth Brooks aufgenommen. Songs von The Surface, Jason Isbell, Rick Astley, Percy Slegde (die Version von “When A Man Loves A Woman“ von Home Free ist sicher ein Highlight des Albums), der Wellerman Song in einem Shanty Medley bis hin zum U2 Klassiker “I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ (noch so ein Highlight) bilden die zweite Hälfte des Albums “The Sounds Of Lockdown“ und bilden den Gegenpart zu den Country Adaptionen der ersten Titelreihe. Diese Stunde des Zuhörens ist sicher herausfordernd aber auch absolut lohnenswert. Home Free Qualität eben.

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Joshua Hedley – Neon Blue

(VÖ: 22.04.2022)

„Nach all den niederdrückenden Erlebnissen und Zurücknahmen durch die Pandemie wollte ich einfach ein Album machen, dass den Menschen Freude bereitet.“ So einfach kommentiert Joshua Hedley sein zweites Studio Album “Neon Blue“. Eigentlich ist dem nichts hinzuzufügen. Schon das Vorgängeralbum “Mr. Jukebox“ hatte einige Aufmerksamkeit erregt. Nun widmet sich der Sänger, Songwriter, Violinist und Gitarrist aus Florida dem Sound der 1990er Jahre. Für die einen war dies die Zeit der letzten richtigen Country Musiken, für andere war es bereits der Aufbruch über New Country zu der Mainstream Rock, Pop Country Music der Jetztzeit. Joshua Hedley gelingt der Spagat zwischen Sounds von George Jones und George Strait oder Ray Price und Joe Diffie, dessen früher Tod ihn sehr getroffen hatte. Fetter Honky Tonk wie beim Titelsong “Neon Blue“ oder klassische Country Nostalgie wie bei “Bury Me With My Boots On“ stehen gleichberechtigt nebeneinander. Die Abwechslung macht eine besondere Attraktivität des Albums “Neon Blue“ von Joshua Hedley aus. Liebevoll ist der Text im Song “Found In A Bar“ und das Arrangement umspült den Titel vorsichtig. Vom Cover schaut ein bärtiger Mann mit Tattoos auf den Armen eher gefährlich und dann bringt der Typ so zärtliche Lyrics wie im langsamen Walzer “Let’s Make A Memory“. Wenn der letzte Ton des Albums vom Song “River In The Rain“ verklungen ist, hat die Seele ordentlich Country Music Feeling getankt. Gelobt seien die Selbstheilungskräfte, die die Country Music vor einer totalen Übernahme durch Rock und Pop bewahren. Das Album “Neon Blue“ gehört in die Sammlung der Fans, die Country Music in der ursprünglichen, wenn auch modern adaptierten Weise, mögen.

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Jason Aldean – Georgia

(VÖ: 22.04.2022)

Es war ein Konzept angekündigt, welches die Heimat von Jason Aldean als Trailer nutzt, um teils sehr persönliche Songs zu transportieren. Schon der Teil 1 “Macon“, dem Geburtsort von Jason Aldean hatte mit 10 Studioaufnahmen das Konzept eröffnet. Dass dann noch fünf Liveaufnahmen angehängt wurden, ist den Verkaufserwartungen geschuldet. Diesem Produktionskonzept bleibt man bei Broken Row Records auch bei dem neuen Album “Georgia“ treu. Wieder gibt es 10 neue Songs und angehängte fünf Liveaufnahmen. Mit “Whiskey Me Away“, einer bitter-melancholischen Ballade, die in einen trotzig modernen Sound gehüllt ist, beginnt die Hommage an Georgia, dem Heimatstaat von Jason Aldean. Auch “Trouble With The Heartbreak“ ist gleich geformt. Wortgewaltig und gleichzeitig voller Zerrissenheit ist der Song “The State I’m In“ und wie so oft bei Jason Aldean sehr opulent arrangiert. Wäre da nicht die Spielerei mit dem Stimmveränderungstool und nicht soviel Pop Arrangement, aus dem Titel “Ain’t Enough Cowboy“ hätte ein echter Country Song werden können. Die Titel gleichen sich irgendwie. Zunächst eine neugierig machende Erzählstrophe und dann die Pop Music in den Refrain Parts. Lediglich der letzte Titel “Your Mama“ lässt der Erzählung Raum. Klar, die Hommage an alle Mütter dieser Welt steht jenseits aller Kritik. Die Liveaufnahmen offenbaren dann wieder was Jason Aldean am meisten begeistert. Fette Gitarrenriffs, jede Menge Rock und moderne Musik, die mit Country nur am Rande zu tun hat. Die Fangemeinde liebt es und das sei auch gut so. Sein unumstrittener Status als ganz Großer der, ja man muss es akzeptieren, Country Music gibt ihm Recht. Was hätte man aus dem Konzept, seiner Heimat ein musikalisches Denkmal zu setzen, alles herausholen können. So bleibt es eher unglaubwürdig.

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Midland – The Last Resort: Greetings From

(VÖ: 06.05.2022)

Midland hat, wie viele andere während der Pandemie, durch mehrere Veröffentlichungen mit weniger Tracks auf sich aufmerksam machen müssen. Nichts ist schädlicher, als aus dem Fokus der Fans zu geraten. Also haben sich die drei Musiker aus Texas nun entschlossen, dass Mini Album “The Last Resort“ aus 2021, welches nur fünf Titel umfasste, um weitere sieben Songs zu ergänzen. Mit dem typischen einlullenden Midland Sound und “The Last Resort“ geht es los und inhaltlich ist es aber unentspannt melancholisch. Danach folgt eher ein “Liedchen“ mit “If I Lived Here“. Flotter zwar aber es vermittelt den Eindruck eines oberflächlichen Songwritings. Nach einigen Songs der EP aus 2021 folgt mit “Longneck Way To Go“ wieder der Midland Sound und ein schlagerhafter Text. Die Zeit, in der sich die drei Musiker in Kalifornien zusammentaten, scheint im Titel “Life Ain’t Fair“ durch. Sehr nahe an Folk und California Sound bleibt der Titel eher unscheinbar wäre da nicht die Steel Guitar, die für Hinhörer sorgt. Endlich mal etwas Abwechslung bietet der Rock Song “King Of Saturday“ doch ist das keine Country Music mehr. Auch “Paycheck To Paycheck“ soll vom geschmeidigen Midland Sound wegführen, kann aber nicht wirklich überzeugen. “Bury Me In Blue Jeans“ überlegt, was wirklich wichtig ist und was bleibt, wenn man abtreten muss. Mit der dann doch überzeugenden Trennungsballade “Adios Cowboy“ endet das Album “The Last Resort: Greetings From“ von Midland. Da haben die drei Musiker gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Fans dieses feinen Sounds werden die kleinen Schwächen in manchen Songs nicht stören. Die Stimme von Mark Wystrach macht an einigen Stellen Einiges wieder gut.

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Cole Swindell – Stereotype

(VÖ: 08.04.2022)

Wer die Charts aufmerksam studiert, hat sicher den Titel “Never Say Never“ auf dem Schirm. Das Duett von Cole Swindell mit Laney Wilson kletterte seit der Veröffentlichung im November 2021 stetig nach oben und wird immer noch im Radio gespielt. Die Rock Pop Country Ballade erzählt von der explosiven Mischung einer leidenschaftlichen Beziehung. Einen witzigen Trick hat Cole Swindell in den Titel “She Had Me At Heads Carolina“ eingebaut. Da erzählt er von der jungen Frau, die in der Karaoke Bar den Titel “Heads Carolina Tails California“ von Jo Dee Messina singt und ihn begeistert. Sogar die Melodie des Original Titels durfte er in seinen Song einarbeiten. Damit ist die Liste der verantwortlichen Songschreiber gleich auf sechs Namen gewachsen. Auch “Single Saturday Night“ stammt aus 2021 und war auch in den Charts sehr erfolgreich. Da hatte Cole Swindell einmal nicht mitgeschrieben. Oft sind sehr wortreiche Texte in Country Rap Style präsentiert und zielen unverhohlen auf Radio Play. Aber Cole Swindell kann auch klassische Country Music und Themen wie in “I’m Gonna Let Her“, der liebevollen Ballade über die Beziehung, die ihn zu einem besseren Leben verändert. Mit 13 Titeln hat Cole Swindell seinen Fans in seinem vierten Album ein ordentlich gepacktes Werk dargebracht. Das Album “Stereotype“, dessen Titelsong beschreibt, wie “Sie“ ihn seine vorgefasste Meinung über Bord werfen lässt, ist sicher kein Jahrhundertwerk. Das ist solide gemachte Musik, leider sehr einheitlich arrangiert und mit wenigen Überraschungen. Dem studierten Marketing Experten, dessen Kommilitone Luke Bryan ihn einst nach Nashville holte, ist das sicherlich klar und daher beabsichtigt, um den Nerv der Zeit zu treffen. Etwas weniger Computer und mehr handgemachten Sound hätten dem Album gutgetan. Mit dem letzten Titel “Walk On Whiskey“ sind Ansätze dafür erkennbar. Wenn auch der “Whiskey Lullaby“ von Brad Paisley etwas durchklingt. Warum Cole Swindell vier Jahre brauchte für sein Album “Stereotype“, wer weiß? Auf jeden Fall gut unterhaltende moderne Country Music.

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Corb Lund – Songs My Friends Wrote

(VÖ: 29.04.2022)

Der Kanadier Corb Lund ist schon lange im Musikgeschäft und hat mittlerweile zehn Studioalben veröffentlicht. Sein Bekanntheitsgrad beschränkt sich eher auf seine Heimat und in den Charts ist er auch nicht zu finden. Okay, seine Gesangqualitäten sind vielleicht nicht optimal. Dafür aber kümmert er sich um Country Music, Folk, Western, Indie oder Bluegrass gleichermaßen. Corb Lund scheint ein Music Scout zu sein. So hat er in seinem neuen Album “Songs My Friends Wrote“ zehn Titel zusammengestellt, die heutzutage beinahe völlig in Vergessenheit geraten sind. Los geht es mit “Highway 87“ von Hayes Carll, dessen “Little Rock“ auch Eingang auf das Album von Corb Lund und seiner Band The Hurtin‘ Albertans fand. “Montana Waltz“, “Road To Los Cruces“, beide ursprünglich von Ian Tyson, Tom Russells “Blue Wing“, “Spookin‘ The Horses“ vom Alternative Country Landsmann Fred Eaglesmith und “Age Like Win“ von Todd Snider zeugen von seinen Such und Find Qualitäten. Das Album “Songs My Friends Wrote“ ist sicher kein Highlight. Aber es ist ein musikalischer Ausflug in die Welt der Country, Indie und Western Music, der die geneigten Hörer in Gefilde führt, die nur sehr wenig oder gar nicht mehr musikalisch zugänglich sind. Nur für Fans von Charts abgewandter Musik.

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Dallas Wayne – Coldwater, Tennessee

(VÖ: 22.04.2022)

Auch ein Tausendsassa wie Dallas Wayne kommt in die Jahre. Nunmehr 64 Jahre alt, blickt er auf eine Karriere als Sänger, Radio Moderator, Schauspieler und Synchronsprecher zurück. Sein neues Album “Coldwater, Tennessee“ hat er nach seiner bereits 2006 auf dem Album “Big Thinkin‘“ erschienenen Single benannt und diese gleich noch einmal veröffentlicht. Mit der herzzerreißenden Ballade “He Even Brought Her Flowers“, in der die brüchige Sprechstimme von Bill Anderson für einen besonderen Moment sorgt, ist eine getragene Stimmung vorherrschend, die mit feinen Songs wie “Under The Overpass“ oder “That Could Be Me And You“ schließlich im sechseinhalb Minuten Titel “I’m Your Biggest Fan“ einen, das Album abschließenden, Höhepunkt findet. Dazwischen gibt es auch flottere Melodien wie bei “If These Walls Could Cry“ wo aber Text und Rhythmus in krassen Gegensatz stehen. Der rockige Opener “I Hit The Road (And The Road Hit Back), der vom Album “Here I Am In Dallas“ aus 2001 stammt zeigt, dass Dallas Wayne immer noch rocken kann. Mit zehn Tracks ist das Album “Coldwater, Tennessee“, auch wenn einige Songs bereits bekannt sind, durchaus hörenswert. Produzent Buddy Cannon versteht sich auf die Präsentation von Interpreten, die gesetzteren Alters sind. Da sollte man keine Computer Modul Music oder Rock Over Guitars erwarten. Auch dieses Album wird nur Fans von Laid Back Country Music alter Schule gefallen.

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Dave Miller – Prayers In The Wind

(VÖ: 13.05.2022)

Der Multiinstrumentalist Dave Miller, der wahrscheinlich alle Instrumente spielen kann über die man Saiten spannt, ist zudem als Produzent tätig und schreibt seit vielen Jahren seine Songs selbst. Dennoch ist er wenig bekannt. Sein Plattenlabel beschreibt zu seinem neuen Album “Prayers In The Wind“ seine Musik so: „Dave schreibt mit der klugen Perspektive eines erfahrenen Troubadours. “Prayers In The Wind“ nimmt den Hörer mit auf eine Reise zu salzigen Charakteren aus Daves Vergangenheit und sorgt dafür, dass die unbesungenen Helden, die in den Schlachten des Alltags kämpfen, nicht mehr unbesungen sind. Seine Lieder finden Ehrfurcht in weitläufigen Aussichten der natürlichen Pracht und erweichen mit ergreifendem Humor im Kampf um ein würdevolles Altern. Sie werfen einen Blick auf den bittersüßen Abschied von lebenslang Liebenden und geben uns dringend benötigte Inspiration in mitreißenden Hymnen der Dankbarkeit und Hoffnung. Dieses Album hat eine Tiefe und Klarheit, die den Hörer berührt und Lust auf mehr macht, mit einem Witz und einer Einfachheit, die wie ein neuer Cent glänzt.“ Das ist ganz schön hochgehängtes Lob. Die Musik auf diesem Album lehnt an Original Country Music vergangener Jahrzehnte und ist auch im Arrangement traditionell und überraschend. Wie etwa der Einsatz eines Waschbrettes bei “Washboard Mama“. Mit “Least Of These“, “Prayers In The Wind“ oder “Isabella“, alles sehr bedächtige Balladen, offenbart sich die nicht gerade überragende Stimmqualität von Dave Miller. Das Album “Prayers In The Wind“ ist eine Dreiviertelstunde Unterhaltung aus einer Zeit, als Country Musik noch vom harten Leben auf dem Land erzählte und mit wenig Tam Tam präsentiert wurde. Wieder ein Album für Spezialisten.

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Dustin Herring – Acquired Taste

(VÖ: 10.05.2022)

Ein neues Gesicht, ein neuer Interpret? Mitnichten. Schon 2015 hat der studierte Agrartechniker aus Alabama mit seinem Debütalbum “Genova County“ den Grundstein für seine Karriere gelegt. Ein Jahr später legte er mit dem Album “The High I Grave“ nach. Neben einigen Singleveröffentlichungen und seiner Live Performance u.a. als Opener für Jamey Johnson, Ashley McBryde oder Mark Chesnutt hat er an eigenem Songmaterial gearbeitet. Nun also erschien sein Album “Acquired Taste“. Es scheint in Mode zu kommen, dass sich Künstler auch auf Alben, zumal diese mehr über Musik Plattformen vertrieben werden, zunächst in einem kleinen Intro selbst vorstellen. So beginnt das Album auch mit einem eher schüchternen: „Dies ist Dustin Herring in Acquired Taste“. Na gut. Ob man dann auch noch mit einem: „Das war….“ enden muss, bleibt fragwürdig. Was aber in den echten zehn Tracks des Albums geboten wird, ist wunderbare 90er Jahre Country Music. Dieser Eindruck entsteht auch durch die stimmliche Nähe zu Tracy Lawrence, die Dustin Herring sehr interessant macht. Die Songs sind ebenfalls im Stil dieser Blütezeit der modernen Country Music gestaltet. Flotte Rhythmen und frische Arrangements sorgen für gute Laune. Doch halt, was ist das denn? Eine feine Hommage an einen der Heroen der Country Music, Willie Nelson, erklingt in “Myself Willie“. Und einem weiteren Helden seiner Kindheit hat Dustin Herring mit dem Garth Brooks Cover “Alabama Clay“ gehuldigt. Von diesem Künstler und dieser Musik darf es ruhig ein wenig mehr geben.

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Gord Bamford – Diamonds In A Whiskey Glass (Deluxe Diamond Edition)

(VÖ: 20.05.2022)

Sein 2021 erschienenes Album “Diamonds In A Whiskey Glass“ hat der kanadische Country Interpret Gord Bamford nun als eine Deluxe Edition erneut auf den Markt gebracht. Aber der vielfach ausgezeichnete Musiker hat gleich sieben neue Titel angehängt. Schon das Ursprungsalbum hatte richtig gute Country Music zu bieten. Mit Highlights wie “Hag On The Jukebox“, dem Opener “Heaven On Dirt“ oder dem Titelsong in welchem die Bruchstücke einer Beziehung im Whiskey wie Diamanten funkeln, ist das Album sehr gut bestückt. Im Song “Fishin‘“ spielt der Rat des Vaters an die Tochter, das Leben wie beim Angeln zu betrachten, eine entscheidende Rolle. Die tiefe Liebeserklärung in “Marry Me Again“ könnte nicht intensiver sein. Die Deluxe Erweiterung beginnt erst einmal mit drei rockigen Titeln, die eher dem Mainstream huldigen und den feinen Eindruck der Vorgängertitel verwischen. Erst das Duett mit Terri Clark “I Ain’t Drunk“ führt wieder zu der Country Music zurück, die für Gord Bamford zu einer Wohlfühlzone wurde. Und so lässt er seine Deluxe Edition auch mit drei weiteren sehr angenehmen Titeln enden. Mit solcherlei Deluxe “Zweitveröffentlichungen“ kann man gut umgehen. Besonders wenn man das “ältere“ Album noch nicht kennt. Ein feines Beispiel, dass gute Country Music auch außerhalb der USA gemacht wird. Okay, so weit entfernt sind sich die Länder ja nicht. Diese Stunde mit 18 Songs war sowohl unterhaltend als auch entspannend und sehr angenehm.

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Old Crow Medicine Show – Paint This Town

(VÖ: 22.04.2022)

Eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Formation ist die Band Old Crow Medicine Show. Eine American String Band deren Genres Folk, Oldtime, Americana und Alternative Country eine Musik hervorbringen, die zum einen künstlerisch hochklassig ist, zum anderen oft unangepasst und aufmüpfig daherkommt. Auch im neuen Album “Paint This Town“ haben die Musiker aus Nashville wortgewaltig einige Geschichten zu erzählen. Gleich mit dem Opener und Titelsong beschreiben sie die Rebellion der Jugend und ihrem Drang sich aus der Enge der Kleinstadt zu befreien. “Gloryland“ dagegen ist die Klage darüber, dass Old Crow Medicine Show nicht mehr erkennen können, dass sie in einem gelobten Land leben angesichts der vielen negativen Schlagzeilen der Neuzeit. Obwohl die musikalische Nähe zu Bob Dylan in der letzten Zeit nicht den erhofften Erfolg brachte, ist der Einfluss des Übervaters des modernen Songwritings zum Beispiel bei “Reasons To Run“ überdeutlich. Bis zur Avantgarde steigern sich Old Crow Medicine Show bei Titeln wie “Painkiller“ oder “Used To Be A Mountain“. Mit “DeFord Rides Again“ setzen sie dem ersten Star der Grand Ole Opry ein Denkmal. DeFord Bailey wurde als schwarzer Musiker lange Zeit die Anerkennung verweigert, die ihm zustand. Seit 2020 hat der Bundesstaat Mississippi eine neue Flagge. Mit der Geschichte um den Flaggenwechsel setzen sich Old Crow Medicine Show in “Brand New Mississippi Flag“ auseinander. Dem oft besungenen John Brown, der seinen Kampf gegen die Sklaverei mit dem eigenen Leben bezahlte, gilt der Titel “John Brown’s Dream“ und ist mehr geschrien als gesungen. Da wird der Alternative Gedanke auf die Spitze getrieben. Die 12 Tracks auf dem Album “Paint This Town“ von Old Crow Medicine Show ist wahrlich keine leichte Kost. Das ist für ein oberflächliches Zuhören nicht geeignet. Musikalisch oft sehr ungewöhnlich, sind die Texte der Songs aber meist anspruchsvoll und zum Nachdenken anregend.

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Dale Watson – Jukebox Fury

(VÖ: 22.04.2022)

Dale Watson versteht es seit mehr als drei Jahrzehnten immer wieder auf sich aufmerksam zu machen. Dabei hat er nie die Charts gestürmt. Allzu eigenwillig ist seine Musik, die er wandelbar wie ein Chamäleon stets neu verpackt. Mit dem neuen Album “Jukebox Fury“ stellt er 12 Klassiker in seinen Country Music Kontext. Mit Bob Segers “Turn The Page“, dem Epos über das rastlose und oft einsame Leben eines Musikers auf Tour, geht es eindringlich los. Schon folgt mit “Sundown“ ein Song, der einst von der Folk Ikone Gordon Lightfoot zum Welthit gemacht wurde. Dale Watson lässt viel Raum für die E-Gitarre und hat ein rockiges Arrangement daraufgelegt. Willie Nelsons “Always On My Mind“ beginnt er im Elvis Cover Style und wird von Linda Gail Davis als Duett Partnerin unterstützt. Dale Watson bleibt sich auch mit der Songauswahl von “Polk Salad Annie“, “For What It’s Worth“ oder “Treat Her Right“ treu. Diese Titel dürften nicht vielen Fans in Erinnerung sein. Aber es lohnt sich, sie in der Bearbeitung von Dale Watson zu erleben. Schon mit “I’ve Always Been Crazy“ hat er einen weiteren bekannten Klassiker im Gepäck und zudem mit Lorrie Morgan eine Duett Partnerin der ersten Klasse. “Have You Ever Seen The Rain“ macht richtig Laune und mit “The Gambler“, “A Horse With No Name“ und “Act Naturally“ (mit der schweizerischen Rockabilly Formation Hillbilly Moon Explosion) hat Dale Watson noch drei weitere Cover auf seinem Album, die man getrost “Jukebox Furys“ nennen kann. Dieses Album ist wieder Dale Watson pur und macht einfach Spaß.

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ERNEST – Flower Shops

(VÖ: 11.03.2022)

Gerade läuft der Titelsong des Albums “Flower Shops“ im Radio rauf und runter. Bereits im Dezember 2021 veröffentlicht, konnte der Song gleich richtig punkten. Ernest Keith Smith, so sein vollständiger Name, stammt aus Nashville und machte als Songschreiber für Morgan Wallen, Jake Owen, Florida Georgia Line, Thomas Rhett oder Chris Lane auf sich aufmerksam. Mit den Großbuchstaben setzt er seinen Namen sozusagen als Überschrift ein. Der große Mann mit den Tattoos auf den Armen lässt aber überraschend weiche Musik erklingen. Dabei sind seine Texte so gar nicht geschmeidig wie beispielsweise in “Comfortable When I’m Crazy“ wo es voller Selbstkritik heißt, dass zwischen Pillen, Alkohol und “Ihr“ alle möglichen Fehler von ihm verursacht wurden. Der Titel “Flower Shops“ mit ein wenig Unterstützung von Morgan Wallen ist ein bitterer Versuch die Trennung mit jeder Menge Rosen und anderer Blumen und einer Entschuldigung irgendwie noch aufzuhalten. Das Thema Trennung zieht sich wie ein roter Faden durch das Album “Flower Shops“ von ERNEST. Und immer wieder geht es um die Verfehlungen durch Alkohol und Drogen. Das Gegensätzliche zwischen Texten und Musik gibt dem Album eine Spannung, die das Werk interessant macht. Sonst könnten die 11 Titel leicht in Gleichförmigkeit abgleiten. Zum Schluss gibt es eine Akustik Version von “Flower Shops“ wieder mit Morgan Wallen und da hat ERNEST gut daran getan. Das zweite Studioalbum von ihm lässt auf weitere Produktionen hoffen.

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Randall King – Shot Glass

(VÖ: 18.03.2022)

Auf seiner Homepage lässt Randall King voller Stolz einen “Ritterschlag“ von Garth Brooks zitieren: „Dieser Junge ist das, was Country Music ausmacht.“ Und Recht hat er, der Garth Brooks. Scheinbar unerschöpflich ist der Pool an jungen Künstlerinnen und Künstlern im Genre Country Music. Wenn dann immer wieder Interpreten wie Randall King auftauchen, die sich der traditionellen Country Music widmen und diese mit modernen Arrangements in die Jetztzeit transportieren, sind das die viel beschworenen “Selbstheilungskräfte“, die die Country Music davor bewahren von Pop/Rock Music aufgesogen zu werden. Das dritte Album von Randall King “Shot Glass“ liegt nun vor, nachdem er 2018 mit seinem Solo Debüt Album “Randall King“ und 2011, damals noch mit seiner Randall King Band, “Old Dirt Road“ zwei Vorgänger Alben und mit “Leanna“ eine EP am Start hatte. Mit den 11 Songs auf seinem neuen Album “Shot Glass“ hat Randall King jede Menge toller Country Titel zu bieten. „Manchmal sind die kleinen Momente im Leben tatsächlich die größten.“ So wird Randall King im Interview zitiert. Mit Shot Glass sind Situationen gemeint, die man an einer Bar sitzend erleben kann, wenn man in das Schnapsglas blickt und über die vergangenen Momente, ob gut oder schlecht, des eigenen Lebens nachdenkt. In den Texten der 11 Titel erwartet die Konsumenten aber keine tiefgreifende Psychologie. Vielmehr sind die einfachen Gedanken um Heimat, Liebe und Trennungen bis hin zu Glauben (in “I’ll Fly Away“) in nachvollziehbare Zeilen gepackt. Ganz im Sinne von Warner Music Nashville, die wieder einmal mehr auf traditionell orientierte Künstler setzen. “Shot Glass“ ist daher kein Chart Stürmer Album aber ein geschmeidig anzuhörendes Album des Texaners Randall King mit Potenzial für mehr gute Country Music.

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Bobby Duncan – Maybe This Time

(VÖ: 19.04.2022)

„Dieses Album ist definitiv die ehrlichste und persönlichste Sammlung von Songs, die ich bisher veröffentlicht habe. Es ist eine Geschichte darüber, herauszufinden, wie man scheitert, sich wieder aufrappelt und es erneut versucht, während man lernt, dass es in Ordnung ist, wenn man noch öfter scheitert. Ich wusste schon früh, dass es Zeit brauchen würde, genügend Songs zu sammeln, um diese Geschichte zu erzählen. Man kann die Lektionen des Lebens nicht beschleunigen und so brauchte es seine Zeit.“ So beschreibt Bobby Duncan sein neuestes Album. Über zehn Jahre liegen zwischen seinem letzten Album und “Maybe This Time“. Dafür ist der Mann aus Texas ein fleißiger Konzert Act. Einst von Walt Wilkins ermutigt, seinen eigenen Weg als Singer/Songwriter zu gehen, schreibt Bobby Duncan seine Songs selbst. Manche sehen seine Musik in Americana beheimatet, manche hören hier und da Pop Country Music heraus. Alle haben ein wenig recht. Solch geschmeidige Balladen wie “Down On The Avenue“ oder “Enough“ mit viel Schmelz in der Stimme vorgetragen, verdeutlichen den Bobby Duncan Sound, der dem Sänger so wichtig ist. So sind die Balladen über das alltägliche Scheitern im Leben oder die bitteren Niederlagen zwar hochglanzverpackt aber irgendwie auch glaubhaft. Bei “Everything Just Might Be Alright“ klingt Bobby Duncan eher nach Americana und die Gitarrenriffs machen den Song interessant. Die zehn Titel ähneln sich, bis auf wenige Ausnahmen, sehr und leicht könnte man bei so viel Psychologie die Lust verlieren zuzuhören. “Maybe This Time“ ist kein Party Album und sein Roter Faden hinterlässt eine eher nachdenkliche Stimmung. Die musikalische Auflösung aus den Niederlagen heraus zu einer hoffnungsvollen Zukunft hat Bobby Duncan nicht hingekriegt.

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Ian Noe – River Fools & Mountain Saints

(VÖ: 25.03.2022)

Musik und Poesie Ikone Bob Dylan, geehrt, geadelt und mystifiziert, ist scheinbar der geheime Übervater der Musik von Ian Noe. So ähnlich die Stimme, die Arrangements und, ja auch, die Texte. Da geht es oft um verlorene Liebe, Armut, Sucht oder Tod. Die Verse von Ian Noe sind oft düster und nicht leicht zu verdauen. Aber sie sind ähnlich poetisch wie die des „Übervaters“. Manche mögen von vorgezogener Staffelstabweitergabe an Ian Noe denken. Die zwölf Titel des Albums “River Fools & Mountain Saints“ beinhalten aber genau das. Balladen, Balladen, Balladen mit tiefgehenden Texten und mit zurückgenommenen Arrangements. Nur hin und wieder wie bei “Burning Down The Prairie“ entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik und Spannung. Mit dem zweiten Album nach “Between The Country“ aus 2019 hat Ian Noe mit “River Fools & Mountain Saints“ wieder ein Album für Fans eines eher realistisch enttäuschten Blicks auf das Leben im Singer/Songwriter Style zusammengestellt. 12 Titel sind dann aber auch eine Herausforderung.

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Reba McEntire – My Chains Are Gone (Hymns & Gospel Favorites)

(VÖ: 25.03.2022)

Der Albumtitel macht es deutlich. Hier geht es einerseits um Gospel Music und die musikalische Umsetzung tiefen Glaubens. Andererseits präsentiert von einer der beeindruckendsten Stimmen der Country Music. Reba McEntire hat mit “ My Chains Are Gone (Hymns & Gospel Favorites)“ ein 12 Titel umfassendes Glaubensbekenntnis abgelegt. Und so fehlen die bekannten Gospelsongs wie “Amazing Grace“, “I’ll Fly Away Away“, “When The Roll Is Called Up Yonder“ oder “How Great Thou Art“ nicht in der Trackliste. Beim Medley “In The Garden/ Wonderful Peace“ ist die Familienformation The Isaacs mit dabei. Bei “Sofly And Tender“ sind dann Kelly Clarkson & Trisha Yearwood im Aufgebot. Dieses Album passt sicher besser in die Advents- und Weihnachtszeit. Aber warum eigentlich? Der Glaube, wenn man ihn hat, ist doch immer vorhanden und die Interpreten und Interpretinnen künden halt jederzeit davon. Das Album “ My Chains Are Gone (Hymens & Gospel Favorites)“ von Reba McEntire hat eine Dreiviertelstunde Besinnlichkeit und Abkehr vom alltäglichen Wahnsinn des “Human Racer“ zu bieten. Schade, dass Reba McEntire ihre Gesangsqualitäten hinter die Bedeutung der Gospel Music zurückgenommen hat.

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Robert Deitch – A Stone’s Throw

(VÖ: 01.03.2022)

Schier unerschöpflich scheint die Nashville Music Scene an Songschreibern und Interpreten. Manche sind seit vielen Jahren als Konstrukteure erfolgreicher Songs am Werk, manche warten, tingelnd durch die Musik Kneipen am Broadway, auf ihre Entdeckung. Warum hierzulande Robert Deitch nicht bekannter ist, wer weiß? Er hat über 30 Songs teils sehr erfolgreich für andere InterpretInnen geschrieben. Mit seinem Album “A Stone’s Throw“ hat er nach seiner EP “Water Tower“ aus 2020 ein klasse Album am Start. Auch er ist ein Interpret der neueren, raueren Liga wie die großen Namen wie Chris Stapleton oder Luke Combs, von denen er auch etliche Songs im Repertoire hat. Auf seinem Album “A Stone’s Throw“ kann er allerdings seine Songschreiber Qualitäten beweisen. Seine Interpretationen sind so herrlich selbstverständlich, unaufgeregt und intensiv. Entweder sind sie so einschmeichelnd wie bei “Carolina Sky“ oder zum Zuhören auffordernd wie bei “Shadow Of My Steeple“. Seinem Song “Contact High“ hat Robert Deitch mit viereinhalb Minuten den meisten Raum eingeräumt. Dafür hat er eine soulige Ballade, die mit R&B nicht spart, als einen Kontrapunkt in sein Album eingebaut. Diese neun Songs auf dem Album “A Stone’s Throw“ von Robert Deitch sind allesamt hörenswert.

  

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Alex Miller – Miller Time

(VÖ: 29.04.2022)

Alex Miller ist ein junger Mann, gerade noch ein Teen kurz vor dem Wechsel zum Twen. Vom Cover schaut ein sehr junges und erwartungsvoll offenes Gesicht des jungen Mannes aus Kentucky. Also rein mit dem Album in den Player. Und dann erklingt eine Oldtime Music, die man nicht erwartet hat. Schon mit dem ersten Track “Breaking The Bank“ erklingt ein Titel, der an Ernest Tubb erinnert und voller Schwung mit einem Oldtime Arrangement die „gute alte Zeit“ aufleben lässt. Schon folgt eine feine Trennungsballade mit “Through With You“ und “Don’t Let The Barn Door Hit Ya“ lässt dem Swing freien Lauf. Da dürfen die Musiker um Gitarrist Brent Mason auch mal zeigen, was sie können. Eine Cover Version von “Kentucky’s Never Been This Far From Tennessee“ der Label Kolleginnen von Alex Miller des Duos Steel Blossoms swingt und schmeichelt den Ohren. Auch das von Alex Miller allein geschriebene “I’m Over You, So Get Over Me“ ist auf Swing Sound gegründet. Mit der nachdenklich stimmenden Ballade “Boys In Uniform“ gedenkt Alex Miller patriotisch den Soldaten. So sind die meist swingenden Titel immer von ruhigen Balladen unterbrochen. Den Schluss des zehn Titel umfassenden Albums “Miller Time“ von Alex Miller markiert der Hank Williams Gospel “I’m Gonna Sing“ für den Alex Miller die Altvorderen von den Oak Ridge Boys als Gesangspartner gewinnen konnte. Mehr Hommage an eine Zeit, die für viele Fans die echte Country Music hervorbrachte, kann man kaum in ein Album packen. Toll, dass, gerade von jungen Musikern, heutzutage solche Produktionen gibt. Davon darf es ruhig etwas mehr geben.

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Jefferson Ross – Southern Currency

(VÖ: 18.03.2022)

Jefferson Ross ist seit vielen Jahren mit seinen eigenen Alben als Southern Folk Interpret bekannt. Er steht für die eher leisen Töne, für fein ausgearbeitete Melodien. Darüber hinaus hat er für viele weit bekanntere KollegInnen geschrieben und als Musiker gearbeitet. Lange hat man nichts mehr von ihm gehört. Nun also mit dem Album “Southern Currency“ legt er wieder 11 seiner Songs in die Hände und Ohren der Fangemeinde. Wie der Album Titel es vorgibt, lässt Jefferson Ross keinen Zweifel, was in den Südstaaten tatsächliche Währung ist. So ist es nicht verwunderlich, dass er in seinen Titeln Bezug nimmt, auf die Dixie Land States wie in “Alabama Is A Winding Road“, in “Two Kentucky Brothers“, oder in “Down In Macon, Georgia“. Eine ganz zarte Ballade hat er mit “Turquoise And Tangerine“ in die Mitte seines Albums “Southern Currency“ gesetzt. Drei Minuten völlige Entspannung. Etwas flotter ist dann “You Can’t Go Home Again“ und erzählt eine Geschichte aus dem Leben. Nur die Melodie kommt sehr bekannt vor. “High Times In The Low Country“ ist wieder eine ganz feine Ballade im Singer/ Songwriter Style ohne überzogenes Arrangement. Eine Anlehnung an den Mississippi Delta Blues erklingt bei “King Of Mississippi“ bevor “The Nashville Neon Waltz“ über fünf Minuten Zeit gibt, ob mit oder ohne Partner/in den Gefühlen feien Lauf zu lassen. Wenn der Titelsong “Southern Currency“ das gleichnamige Album von Jefferson Ross beschließt, hat man 45 Minuten feinster Unterhaltung genossen. Da lohnt es sich auch einmal tiefer in die Texte hineinzuhören. Hier und da ist Poesie in den Lyrics. Bleibt zu hoffen, dass Jefferson Ross uns nicht mehr so lange auf weitere gute Musik von ihm warten lässt.

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The Del McCoury Band – Almost Proud

(VÖ: 18.02.2022)

Die Del McCoury Band hatte ihr erstes Album, “The Mountain“, 1999 mit Unterstützung von Steve Earle veröffentlicht. Sieben Alben waren es mit “Del And Woody“ bis 2016. Nun also hat Vater Del mit Söhnen Ronnie und Robbie und ihren Bandmates Alan Bartram und Jason Carter nach sechs Jahren Abstinenz mit “Almost Proud“ ein neues Werk am Start. Del McCoury, Jahrgang 1939, repräsentiert zweifelsohne einen traditionellen Bluegrass. Wenn sich auch z.B. mit “Love Don’t Live Here Anymore“ ein Country Music Titel einschleicht oder bei “Once Again“ ein ruhiger Honky Tonk erklingt, das Grundthema der Del McCoury Band ist und bleibt Bluegrass. Der oft schneidende Leadgesang von Del McCoury ist gewöhnungsbedürftig, die Harmonien manchmal auch. Dafür aber sind die Instrumente virtuos eingespielt und sorgen für einen absoluten Hörgenuss. Mit dem Bar Piano gestützten Titel “Other Shore“ endet das 12 Tracks umfassende Album “Almost Proud“ der Del McCoury Band. Sicher ein Highlight des Albums ist der Titel “Running Wild“, der hält was er verspricht. Das ist Bluegrass im Highspeed Modus. Als Solo Artist war Del McCoury keine große Karriere vergönnt. Als er sich mit seinen Söhnen in einer Band zusammentat, wurde daraus eine respektable Formation, die so herrlich Retro dem Bluegrass huldigt.

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Dolly Parton – Run Rose Run

(VÖ: 04.03.2022)

Soll man nun überrascht sein oder vor Ehrfurcht innehalten? Mit ihrem 48. Studioalbum steuert Dolly Parton auf einen weiteren Superlativ ihrer Karriere zu. Als wollte sie mit der Musik Industrie abrechnen, hat Dolly Parton mit dem Autor James Patterson das Buch “Run Rose Run“ geschrieben, welches Anfang März 2022 herausgegeben wurde. Es wäre nicht Dolly Parton, der man ja mehrere Tausend Songs als Songschreiberin zurechnet, wenn sie das Thema nicht auch musikalisch aufbereitet hätte. Kurzgefasst, erzählt Dolly in den 12 Tracks die Geschichte von AnnieLee, die mit großen Erwartungen auf eine Karriere als Interpretin nach Nashville zieht und die, wie so viele, viele andere auch feststellen musste, dass ihre Träume an der harten Wirklichkeit eines knallharten Musik Geschäftes zerschellen. Wie viel Selbsterlebtes Dolly Parton da hineingepackt hat, bleibt ihr Geheimnis. Sie aber hat es geschafft. Dolly Parton gehört zu den unumstrittenen Ikonen der Country Music. Sie erfand sich selbst als eine Kunstfigur und nahm allen Neidern den Wind aus den Segeln. Hinzu kommt, dass sie über die vielen Jahrzehnte als Geschäftsfrau niemanden zu fürchten hat und tun und lassen kann, was sie will. Können, Fleiß und Beharrlichkeit stehen hinter ihrem Erfolg. Mit “Run“ beginnt Dolly die Erzählung der Aufbruchsstimmung, die schon bei “Big Dreams And Faded Jeans“ einen Dämpfer erhält. Eine Warnung, immer vorsichtig zu sein, beinhaltet “Snakes In The Grass“. Die Romanze kommt auch nicht zu kurz. In “Demons“ heißt es, dass niemand seine Dämonen allein bekämpfen muss. Den männlichen Part übernahm hier Ben Haggard. Auch bei “Lost And Found“ ist mit Joe Nichols ein Gaststar mit an Bord. Mit dem letzten Titel “Love Or Lust“ erklingt ein Musical Duett mit Richard Dennison, welches sich sicher nicht zufällig auf das Album geschlichen hat. Man kann es nehmen wie man will. Das Album “Run Rose Run“, ein Konzeptalbum oder nicht, ist ein Wiederhören mit einer immer noch hörenswerten Dolly Parton.

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Drake White – The Optimystic

(VÖ: 11.03.2022)

Manchen Menschen lädt das Schicksal viel mehr auf als man eigentlich verkraften könnte. Drake White wurde von einem Schlaganfall während eines Konzertes von den Füßen gerissen. Ärzte prophezeiten ihm das Ende seiner Musikerkarriere. Mehrere Hirn OPs und eine gruselige Genesungsgeschichte folgten. Dass nun nach seinen Alben “50 Years Too Late“ (2011) und “Spark“ (2016) mit “The Optimystic“ ein neues Album von ihm vorliegt, ist kaum zu fassen. Der Titel des Albums verbindet listig den Optimismus, den es braucht, um sich aus solch aussichtsloser Situation heraus zu kämpfen und das Mysterium, welches manche Menschen mit göttlicher Fügung gleichsetzen. So endet das Album auch mit einer eigenwilligen Fassung von “Amazing Grace“. Es beginnt aber mit dem schon erwähnten “50 Years Too Late“ und “American Thunder“, zwei rockig trotzigen Songs. Doch unter den 14 Tracks des Albums “The Optimystic“ von Drake White befinden sich so ruhige Balladen wie das soulige “Rainbow State Of Mind“ oder die Erkenntnis, dass alles seine Zeit braucht bei “It Takes Time“. Und die Balladen setzen sich fort mit “Power Of A Woman“, “Legends Never Die“ oder “Angel Side Of You“. Den Titelsong “The Optimystic“ hat Drake White voller Inbrunst, Erkenntnis und Erwartung eingesungen. Wer gern mit Musik unterhalten werden möchte, die inhaltlich mehr zu vermitteln hat, als Mainstrem Bum-Bum und uniformierte Arrangements, der hat mit dem Album “The Optimystic“ eine gute Vorlage.

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Ned LeDoux – Buckskin

(VÖ: 11.03.2022)

Als Sohn eines sehr erfolgreichen und beliebten Vaters als Musiker und Interpret in dessen Fußstapfen zu treten, ist eine gewaltige Aufgabe. Wenn man dann noch den gleichen Sound in der Stimme hat, sind die ständigen Vergleiche eher lästig und hinderlich. Ned LeDoux hat es aber hingekriegt. Er setzt unbeirrt sein Genre der Cowboy Songs fort. Damit wird er zum Bewahrer eines Teils der Country Music, die in der modernen Zeit zu verschwinden droht. Längst haben Quads und LKW die Pferde und die Lagerfeuerromantik abgelöst. Doch hinter den Songs von Ned LeDoux, die er fast alle mitgeschrieben hat, steht ein anderer Gedanke. „Leute, haltet an alten bewährten Traditionen fest. Was unseren Vätern half, hilft auch heute noch.“ Was ist falsch daran, an Traditionen festzuhalten? Natürlich klingt Ned LeDoux moderner als sein väterliches Vorbild. Da rockt es mal mehr oder weniger. Da ist das Arrangement konzertanter und fette Gitarrenriffs finden Eingang in die Songs. Auch vor Rap scheut Ned LeDoux nicht zurück. Der Titelsong ist eine gesprochene Beschreibung eines Rodeo Rittes, der alles zerstören kann aber auch zur Legende werden lassen kann. Die Welt der harten Kerle, die es im Rodeo ja immer noch gibt, ist ein ums andere Mal Thema. “He Ride The Wild Horses“ oder “Rodeo Dreams“ zeugen davon. Sie sind selten geworden, die Interpreten, die sich den Cowboy Songs verschrieben haben. Umso schöner, dass Ned LeDoux für Nachschub sogt. Mit “Cowboy Is His Name“ und “Damn Good Cowboy“, den beiden Schlusstiteln des Albums “Buckskin“, lässt Ned LeDoux noch einmal einen Film vor den Augen der aufmerksamen Zuhörer ablaufen. Nach den Alben “Sagebrush“ aus 2017 und “Next In Line“ aus 2019 setzt der Cowboy aus Wyoming die Tradition dieser Musik erfolgreich fort.

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Maren Morris – Humble Quest

(VÖ: 25.03.2022)

Nach einer Phase der Selbstzweifel und der Hilflosigkeit in der Pandemie ausgebremst zu sein, hat Maren Morris ein neues Album mit selbstgeschriebenen bzw. mitgeschriebenen Titeln veröffentlicht. “Humble Quest“ soll eine Selbstreflexion sein, die ihr helfen soll, den eigenen Weg im Leben und als Künstlerin wieder zu finden. Sehr dramatisch sind ihre Einlassungen zum neuen Album. Dabei hat sie als junge Mutter doch einen besonderen Mittelpunkt ihres Lebens gefunden. Was sollen also die „demütigen Fragen“? Die 11 Titel sind allesamt sehr feminin und teils eher behutsam eingesungen. Der jüngste Hype um die Sängerin aus Texas, ihre Nominierungen für etliche Awards sprechen eine andere Sprache, als dass Maren Morris Unsicherheiten haben müsste. Sie spielt weiterhin mit einem Girlie Image, welches bis hin zur Präsentation als Kindfrau zelebriert wird. Die Musik, auch auf dem jüngsten Album, liebäugelt mit Pop Music und kann nur phasenweise die Herzen von Country Music Liebhabern erreichen. Mag das Album “Humble Quest“ für Maren Morris eine Befreiung sein, die bedeutungsschwangere Melancholie verhilft in den Zeiten der Pandemie aber nicht zu mehr Unbeschwertheit.

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Amanda Ann Platt And The Honeycutters – The Devil And The Deep Blue Sea

(VÖ: 25.02.2022)

Mit 20 Tracks haben Amanda Ann Platt And The Honeycutters ihr neues Album “The Devil And The Deep Blue Sea“ gleich als Doppel Album präsentiert. Americana ist ihr Genre und hier und da schleichen sich Country Tunes wie selbstverständlich zwischen die Titel. “The Devil“ beispielsweise darf dann auch mal fünf Minuten dauern. Mit “Desert Flowers“, “Even Good Men Get The Blues“, “Lessons In Gravity“ und “Only Just To Smile“ gibt es weitere 5-Minuten-Songs, die allesamt eine getragene Stimmung transportieren. So vermittelt das Album, weitab von Chart Music, einen sehr persönlichen Eindruck. Amanda Ann Platt schreibt ihre Titel scheinbar erst einmal für sich und stellt sie dann dem Publikum vor. Die Musik, das Arrangement und die oft zurückgenommene Instrumentierung lassen ihre Stimme stets im Vordergrund. Nach beinahe eineinhalb Stunden Zuhörens hat man eine gehörige Dosis Amanda Ann Platt abbekommen. Aber wer sich von der besinnlichen Stimmung nicht forttragen lässt, ist richtig gut unterhalten. Die Zeit seit ihrem letzten Album 2019 haben Amanda Ann Platt And The Honeycutters gut genutzt. Ihre Americana Music ist nicht experimentell, eher geschmeidig. Die etwas flotteren Titel bieten die Möglichkeit zum Luftholen, wenn die Melancholie Überhand zu nehmen droht. Einem Irrtum erliegt man beim Titel “Rabbit“, dem man einen flotten Sound unterstellen könnte. Er stellt einen der ruhigsten und ergreifendsten Momente des gesamten Albums dar. Eine Pedal Steel zum Niederknieen sorgt für den feinen Sound. In einer Rezension von Maeri Ferguson heißt es: „Egal, wohin sie einen führt, Platt spart nie mit der Inszenierung: das Gefühl der Straße unter ihr, die Musik im Hintergrund, die Art, wie das Licht verblasst. Sie fängt all das unbeirrt in ihrem Songwriting ein, egal ob sie Nostalgie, Glauben, Erinnerungen oder eine sich verändernde Welt um sich herum erforscht. Ob in der Süße oder in der Schroffheit, Platt bleibt eine beeindruckende Geschichtenerzählerin.“ Das trifft es recht gut.

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Cedar Hill – New Chapter

(VÖ: 04.03.2022)

Ein Bandjubiläum, welches auf 55 Jahre zurückblicken kann, gibt es auch nicht alle Tage. Frank Ray gründete 1967 die Formation Cedar Hill, die über all die Jahre natürlich viele wechselnde Band Mitglieder hatte. Bluegrass ist ihr Thema und das beherrschen Cedar Hill nach wie vor meisterlich. Hinzu kommt, dass Cedar Hill nicht nur alte Standards zum Besten geben. Sie haben immer neue Songs im Repertoire, die in Text und Musik allen interessierten Zuhörern den Zugang zum Genre Bluegrass leicht machen. Aber auch Titel wie “Stanley Sound“, eine Hommage an Ralph Stanley, der mit seinen Stanley Brothers zu einer Ikone wurde, oder solch ein beeindruckendes Instrumental wie “Leavin‘ Egypt“ kommen aus dem Herz des Bluegrass. Immer wieder treibt ein Banjo die Titel voran, wie bei “Art Of Love“ oder “Number One At The Bottom“. Dabei sind die Texte oft weit weniger fröhlich wie die Melodien es vermuten lassen. Bei “I Can’t Settle Down“ meint man im Intro den ersten Star der Grand Ole Opry, Uncle Jimmy Thompson, an der Fiddle zu hören. Ein feiner Rückgriff im Arrangement. Aber auch ruhige Titel komplettieren das Album. “9“ ist ein Country Song der feine Laid Back Music transportiert. “Tend To My Flowers“, ein ruhiger Walzer, befasst sich mit dem Älter Werden und mit dem Gedanken an das Ende des Daseins. Ob Cedar Hill mit ihrem Album “New Chapter“ tatsächlich ein neues Kapitel aufgeschlagen haben, mögen die geneigten Hörer entscheiden. Die 11 Titel bieten auf jeden Fall eine halbe Stunde hochwertiger und ohrenschmeichelnder Unterhaltung.

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Deborah Allen – The Art Of Dreaming

(VÖ: 18.03.2022)

Sie hatte sich einst ein Herz gefasst und in dem Restaurant, in dem sie als Kellnerin arbeitete, einfach Roy Orbison angesprochen. Der nahm sie prompt als Sängerin in seine Band auf. Später arbeitete sie mit Tennessee Ernie Ford und wurde als Overdubbing Partnerin von Jim Reeves ihm posthum als Duett Stimme beigemischt. Musikalisch hat Deborah Allen seit ihrem Karrierebeginn und ihrem ersten Album aus 1984 schon so einiges erlebt. Das spiegelt sich auch in ihrem Album “The Art Of Dreaming“ welches nun erscheinen ist. Mit dem durchaus Radio Play tauglichen “Run Baby Run“ beginnt das Album. bevor mit “Memphis Rendevouz“ ein R&B Sound erklingt. “It’s Only Goodbye“ ist ein eher merkwürdiger Versuch rockig zu klingen. Hätte man etwas mehr Sorgfalt beim Mastering walten lassen, ein Titel wie “Patsy Cline Crazy“ könnte ein Hin Hörer sein. Den Titelsong hat Deborah Allen an den Schluss des 12 Track Albums gesetzt und ihm über fünf Minuten eingeräumt. Pop Arrangement, ein Stilmix Kauderwelsch und eine 90er Jahre Retro Verpackung lassen einen eher verstörenden Eindruck zurück. Die kläglichen Versuche als Rockröhre wahrgenommen zu werden und die beinahe verzweifelt anmutenden Gesangspartien, die zeigen sollen, was die Sängerin aus Memphis, Tennessee, immer noch so alles draufhat, ergeben ein Album, welches nicht unbedingt in jedes gut sortierte Regal gehört.

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Sarah Davison & Ivy Philips – Ragtime Fiddle

(VÖ: 06.02.2022)

Eine sehr ungewöhnliche und zugleich lustige Produktion ist das Album “Ragtime Fiddle“ von Sarah Davison und Ivy Philips. Dabei handelt es sich um sieben Instrumentals, die eine Zeit des Ragtime auferstehen lassen. Während Sarah Davison mit ihrem Bar Piano einen mitreißenden Rag beisteuert, lässt Ivy Philips mit ihrer Fiddle den Rag in den Titeln so richtig schmelzen. So bekannte Melodien wie “Dream A Little Dream Of Me“, “Faded Love“, “Black And White Rag“ oder der “Tiger Rag“ sind hier in einer Atmosphäre dargebracht, die an so viele Western Filme mit den Szenen aus den Saloons erinnern. Mit dem “12th Street Rag“ endet die kleine Auswahl. Wer schon immer mal nach solcher Musik, vielleicht zur Untermalung von Präsentationen oder einfach nur zum vergnüglichen Zuhören gesucht hat, das Album “Ragtime Fiddle“ hält was es verspricht.

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Tammy Rogers & Thomm Jutz – Surely Well Be Singing

(VÖ: 21.01.2022)

Da haben sich die beiden Musiker endlich zu einem gemeinsamen Album aufgerafft. Die Fiddlerin Tammy Rogers, die eine wichtige Stütze der Band The Steeldrivers ist und der Gitarrist, Songwriter, Produzent und Bewahrer der Oldtime Tunes im Bluegrass, Thomm Jutz, der seine Wurzel in Baden hat. Beide arbeiten schon sehr lange in vielen Produktionen oder Songprojekten zusammen. Thomm Jutz wurde unlängst mit zwei seiner Alben für Grammy Awards einmal nominiert und in die erweiterte Auswahl gewählt. Bei den 12 Titeln des Albums “Surely Will Be Singing“ erwartet die geneigten Hörer*innen eine Mischung aus Old Time Tunes, getragenem Vortrag und aufgewecktem, fröhlichen Bluegrass. Bei “A Writer’s Tear“ ist Country Music das führende Genre und Tammy Rogers und Thomm Jutz ergänzen sich mit ihren Stimmen hervorragend. Das setzt sich bei “About Last Night“ und “Five Winters More To Come“ fort. Gut, dass es immer wieder die locker flockig klingenden Melodien gibt, die von Banjo und Gitarre gekonnt begleitet werden. Das Album “Surely Will Be Singing“ hätte sonst einen melancholischen Eindruck hinterlassen. So aber gelingt der Wechsel zwischen den nachdenklich stimmenden Titeln und der Lockerheit der flotteren Tunes. Über allem aber steht die Oldtime Music und deren Bewahrung. Mit diesem Album ist fernab jeglicher Chartaufmerksamkeit eine gute halbe Stunde feiner Unterhaltung garantiert.

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The Cactus Blossoms – One Day

(VÖ: 11.02.2022)

Ja gibt’s denn das auch noch? Was die Brüder Jack Torrey und Page Burkum als Duo The Cactus Blossoms, auf Tour von einer Band aus Cousins und einem weiteren Bruder unterstützt, da mit dem Album “One Day“ vorlegen, ist eine Zeitreise. Zurück in die Zeit der Gitarrenmusik von Duane Eddy oder den Balladen eines Roy Orbison oder der legendären Gruppe The Byrds. Pop Music der 1960er erklingt bei “Is It Over“ und das “Runaway“ erinnert stimmlich an die Everly Brothers. Country Music? Weit gefehlt. Damals wie heute streiten sich die Kritiker ob das auch in der Country Music stattfinden kann. The Cactus Blossoms bezeichnen sich selbst als eine Indie Rock Band und haben damit so was von Recht. Dennoch ist die Musik so herrlich Retro und macht von Titel zu Titel Spaß beim Zuhören. Das Arrangement spart auch nicht mit Aufmerksamkeit gegenüber der “guten alten Zeit“ und so darf eine Steel Guitar tragend bei “Not The Only One“ erklingen oder bei “Ballad Of An Unknown“ treiben die Gitarren den Song voran und die Steel sorgt für eine mystische Stimmung. Mit dem 11. Track “If I Saw You“ ist diese ungewöhnliche Auswahl schon vorbei. The Cactus Blossoms haben sich echt einen Kopf gemacht, diese Musik wiederzubeleben und Freunde der geschmeidigen Melodien werden auch abseits von Country Music hier ihre Freude haben.

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The Infamous Stringdusters – Toward The Fray

(VÖ: 18.03.2022)

Wenn es bei den Grammy Nominierungen um Bluegrass geht, dann sind The Infamous Stringdusters in den letzten Jahren immer wieder ganz weit vorn bis hin zum Grammy Gewinn letztes Jahr. In der Tat sind die herausragenden Musiker im Sinne ihres Bandnamens echt “berüchtigte Saitenhexer“. Die Virtuosität, mit der Travis Book (bass), Andy Falco (guitar), Jeremy Garrett (fiddle), Andy Hall (Dobro), and Chris Pandolfi (banjo) ihre Instrumente in Szene setzen, ist überwältigend. Das neue Album “Toward The Fray“ (frei übersetzt: In den Kampf ziehen) lässt martialische Inhalte vermuten. Doch mit sehr nachdenklichen Texten beginnt es mit “Hard Line“ und “I’m Not Alone“. Im Opener heißt es: „Gibt es einen Weg, wie wir es ausdiskutieren können. Unseren Weg aus der Flut der Lügen finden bevor wir beide ertrinken oder wird alles über uns hereinbrechen?“ Als Travis Brook den Titel schrieb, konnte er nicht ahnen, wie aktuell er zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sein würde. Flehentlich ist die Feststellung nicht allein zu sein, im nächsten Song. Da hat der Pandemie Blues voll zugelangt. Die zeitkritischen Betrachtungen gehen weiter. Im Titel “Means To An End“ heißt es beispielsweise: „Was kann der Mensch tun, wenn wir nicht wissen, was wahr ist?“ Dazu ist die Bluegrass Music der Infamous Stringdusters so modern, wie man sie nur einspielen kann. „Lasst uns auf der Seite der Freiheit stehen. Denn es kann keinen Frieden geben, wo immer Gerechtigkeit verweigert wird, wenn Städte in der Sommerhitze brennen. Aber Leute, mein Volk, es gibt keinen anderen Weg zu lieben, außer dass sich unsere ängstlichen Seelen dem Kampf zuzuwenden.“ Diesen Zeilen des Titelsongs “Toward The Fray“ ist nichts hinzuzufügen. So ist das Album nicht nur ein Frustrationsprodukt der Pandemie in der die Bandmitglieder neue Wege suchen mussten und fanden, um an neuem Material zu arbeiten. The Infamous Stringdusters nutzen ihre Ausnahmestellung in der Bluegrass Music um in kritischen Betrachtungen zu den aktuellen Entwicklungen in der Welt und zur Gleichgültigkeit vieler Menschen Stellung zu beziehen. Der längste Titel “Revolution“ ist ein Instrumental und begeistert mit über fünf Minuten toller Musik voller Spannung im Arrangement. Es gibt aber auch die weniger beladenen Texte wie bei “How Do You Know“ mit der Frage, wie man die Liebe eigentlich erkennt. Oder locker flockig bei “Spirit’s Wild“ wo das rastlose Leben eines Lebenshungrigen beschrieben wird. Das Album “Toward The Fray“ der Infamous Stringdusters ist wieder eine bemerkenswerte Produktion der fünf Musiker aus Nashville, die neben ihrer grandiosen Instrumenten Beherrschung auch einige tiefer gehende Inhalte zu vermitteln vermögen. Nicht nur für Bluegrass Fans eine absolute Empfehlung.

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Markus Rill & The Troublemakers – Everything We Wanted

(VÖ: 08.04.2022)

Seit 25 Jahren geht Markus Rill mit seiner Band The Troublemakers einen eigenwilligen musikalischen Weg. Obwohl oft im Zusammenhang mit Country Music zu hören, ist seine Musik aber weit mehr. Seine selbstgeschriebenen Texte, seine Musikalität und seine Botschaften an die Konsumenten zeigen einen sensiblen Künstler, der sich nicht um Charts oder Radio Play schert. Gleich mit dem Opener seines neuen Albums “Everything We Wanted“ greift er ganz tief rein in die Moralkiste der Menschen, nein der Menschheit. „Wir hatten alles was wir wollten, doch wir wollten mehr.“ Was daraus wurde, skizziert Markus Rill knapp mit der Erinnerung an die Entwicklung der Menschheit vom ersten Feuer über das Rad bis hin zu Fracking, von freier Pornographie bis zu Geld, das für viele zu einem Gott wurde. Zu weit ausgeholt? Ja, eindeutig, obwohl der Ansatz richtig ist. Dann schwenkt Markus Rill um auf die Beziehungsebene und eine gescheiterte Liebe. Mit jeder Menge Pathos erzeugt er auf den ersten Songs des Albums “Everything We Wanted“ den ihm eigenen Tiefgang. Ja, er ist ein Songwriter und Interpret, der mit Rock, Soul und Country gleichermaßen umgehen kann. Seine raue Stimme erinnert auch an seine Vorbilder wie etwa Townes Van Zandt. Mit der Bitte an Gott, eingedenk der eigenen Schwächen doch nicht so streng mit ihm zu sein, überzeugt Markus Rill als Songwriter im Titel “Slack“. “Always Trusted You“ ist eine zu Herzen gehende Ballade über die schmerzhaften Verluste, wenn die Zeit der Eltern abgelaufen ist und die für immer geglaubte Sicherheit verloren geht. Die Pandemie Zeit hat ganz sicher zu einem künstlerischen Stau geführt, die viele Künstler nutzten um neue Songs zu schreiben. So scheint es auch Markus Rill gegangen zu sein. Mit 14 Tracks hat er sein neues Album vollgefüllt. Vielleicht ein wenig zu voll. Inhaltlich ganz sicher. Sowohl Musik als auch Text lässt eine mehr als melancholische Stimmung zurück. Davon abgesehen, ist Markus Rill mit seiner Band The Troublemakers eine sehr wichtige Bereicherung im Musikgeschäft hierzulande, welches gerade von der Schlagerbranche vereinnahmt wird. Leichte Kost ist das Album “Everything We Wanted“ allerdings nicht.

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Joe Nichols – Good Day For Living

(VÖ: 18.02.2022)

Nach seinen Alben Veröffentlichungen hätte man die Uhr stellen können. Regelmäßig alle zwei Jahre hatte Joe Nichols seit 2002 ein neues Werk am Start. Diesmal hat es für das neue Album “Good Day For Living“ aber fünf Jahre gebraucht. Wieder einmal hat Joe Nichols das Label gewechselt und nun mit Derek George und Mickey Jack Cones zwei Produzenten wieder gefunden, die ihm 2013 bei seinem Top 3 Album “Crickets“ bereits zur Seite standen. Mit “Brokenhearted“ (eine feine Anlehnung an seinen Erfolgssong “Brokenheartsville“), einer Klage darüber, dass in Nashville kaum noch Sad Songs zu hören sind und die Party Musik die Überhand gewinnt, startet das Album “Good Day For Living“ mit einem geschmeidigen traditionellen Country Song. Das setzt sich inhaltlich fort bei “I Got Friends That Do“ im Duett mit Kollege Blake Shelton und mit “Home Run“, einem feinen Songschreibereinfall, in welchem das Leben mit einem Baseball-Spiel verglichen wird. Quasi eine “Gebrauchsanweisung“ liefert Joe Nichols seinem Nachfolger bei der Verflossenen im Song “Dance With The Girl“ ab. Darin erzählt er von den Dingen, die er nicht getan hat um seine Partnerin zu halten. Mit dem Titelsong “Good Day For Living“ driftet Joe Nichols dann doch ab in die “Nimm es leicht, wenn es auch dicke kommt“ Psychologie. Bei “That’s How I Grew Up“ erzählt er davon, dass er meist auf die harte Weise lernte, sich im Leben zurecht zu finden. Dann liefert er mit Songs wie “Reckon“, “Why Can’t She“ und “One Step Closer“ die Balladen ab, die sich emotional mit vergangenen Beziehungen auseinandersetzen. Den Schluss des Albums “Good Time For Living“ bilden zwei sehr zu Herzen gehende Titel. In “Hawaii On Me“ möchte Joe Nichols, dass wenn er einmal stirbt, seine Lieben nicht sein Geld in teure Urnen oder Beerdigungsfeiern investieren. Sie sollen nach Hawaii fliegen und dort mit den Füßen im Meer an ihn denken. Mit “She Was“ gedenkt er einer (seiner?) Mutter, die solch eine feste Größe für die Familie war. War, bis sie gehen musste. Mit diesen 13 Titeln hat Joe Nichols ein wunderbar traditionelles Album vorgelegt, das der Klage im Opener Song entgegensteht. Da wurden jede Menge Gefühle und auch traurige Momente besungen und der Country Music gehuldigt, wie es das moderne Mainstream Gedudel eben nicht zu vermitteln vermag. Das ist wieder einmal ein Highlight der Neuerscheinungen.

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Kristy Cox – Shades Of Blue

(VÖ: 04.02.2022)

Schon seit einigen Jahren mischt Kristy Cox die Bluegrass Szene in den USA mächtig auf. Als gebürtige Australierin hat sie sich auch im Bluegrass Mutterland einen großen Respekt erarbeitet. Regelmäßig ist sie in diesem Genre für Preise aller Art nominiert. Mit einer frischen, modernen Interpretation lässt Kristy Cox solch eine traditionelle Musik wie Bluegrass in der heutigen Zeit absolut leicht verdaulich erklingen. Mit ihrem Album “Shades Of Blue“ gelingt ihr erneut ein großer Wurf. 12 tolle,  mit feiner Musik umkleidete, Songs transportieren liebevoll und aufmerksam Bluegrass mit der klaren, diesem Genre angepassten, Stimme von Kristy Cox. Die Produktion des Albums hat wunderbare Musiker zur Aufnahme bewegen können. So klingen die Instrumente wie sie sollen und begeistern ein ums andere Mal durch Virtuosität der Musiker. Gleich der Opener “Appalachian Blue“ lässt Kristy Cox schwärmen: „Ich bin so aufgeregt über die Veröffentlichung meiner zweiten Single “Appalachian Blue“. Dieser Track macht so viel Spaß und fasst alles, was ich an Bluegrass-Musik liebe, in einem Song zusammen!“ Bei “Kentucky’s Never Been This Far From Tennessee“ ist Marty Raybon, ehemals Stimme der Band Shenandoah, als Duett Partner dabei. Der Song drückt aus, dass sich Bluegrass und Nashville Music nicht ausschließen. Ein eher ruhiger Bluegrass Titel ist die Erinnerung, dass der Teufel ursprünglich auch ein Engel war in “The Devil Was An Angel Too“. “I’m Not Built That Way“ und “This Is Where You Kiss Me“ setzen die ruhige Phase des Albums etwas fort, ehe es mit “Blue Ain’t A Colour Anymore“ wieder etwas mehr Tempo im Gepäck hat. Doch noch einmal erklingen nachdenkliche Töne im Schlusstitel “If Heaven Was A House“, eine Parabel mit den Gedanken an die Familie und die, die nicht mehr da sind. Das Album “Shades Of Blue“ ist eine ganz feine Bluegrass Demonstration und der Beweis, dass man diese Musik über die Jahrzehnte und alle Computertechniken hinweg eindrucksvoll transportieren kann.

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Mike Kuster – Better Late Than Never

(VÖ: 22.02.2022)

“Um Country zu singen, muss man Country leben, und das macht die Musik von Mike Kuster so viel bedeutungsvoller“. So wird das Debütalbum von Mike Kuster promotet. Da ist was dran, wenn auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber mit Titeln wie “The King Of Honky Tonk“ oder dem geschmeidigen Opener und Titelsong “Better Late Than Never“ hat Mike Kuster für Fans traditionell gegründeter Country Music ein reichhaltiges Album gepackt. Was könnte an der Aussage “Country Music Whiskey And One Good Friend“ missverständlich sein? Mike Kuster ist ein Interpret der zweiten Reihe und dort wird er wahrscheinlich auch weiterhin gelistet sein. Mit seinem Album “Better Late Than Never“ hat er seine Musik dargeboten, die in Produktion und Arrangement durchaus überzeugen. Stellt man dieses Album gegen die Hochglanz Produktionen aus Nashville, muss er einfach hintenanstehen. Ist seine Musik deshalb schlechter? Nein. Aber Radio Play oder Chart Platzierungen werden ihm nicht vergönnt sein.

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Muscadine Bloodline – Dispatch To 16th Ave.

(VÖ: 08.10.2021)

Schon gleich mit dem ersten Song des Albums mit dem gleichen Namen “Dispatch To 16th Ave“ beschreibt das Duo Muscadine Bloodline die Ängste und Erwartungen junger Musiker, die in Nashville auf eine Entdeckung und bestenfalls eine Karriere hoffen. Dass Charlie Muncaster und Gary Stanton dem Traum von einer großen Karriere in Nashville nicht bedingungslos nachjagen, beweisen sie mit ihrem neuen Album. „Nach langer Suche haben wir endlich das Gefühl, dass wir gefunden haben, was wir sagen wollen und wie wir klingen wollen. Das Album ist in dem Konzept arrangiert, die Künstler zu ehren, die vor uns kamen. Sie nahmen mit einer begrenzten Anzahl von Instrumenten auf und benutzten keine modernen Sounds oder Schnickschnack.“ Diesem Ansatz folgend haben Muscadine Bloodline einige der neuen Titel auf “Dispatch To 16th Ave.“ sehr authentisch aufgenommen. „Charlie spielte alle akustischen Gitarrenparts, Gary tat dasselbe mit der E-Gitarre und wir nutzten unsere Touring-Band, um den rohesten und echtesten Sound zu erzeugen, den wir bringen konnten – ohne Bearbeitungen.“ Besonders die Hymnen an die Heimat Alabama zelebrieren sie in den Titeln “Southern“ und “Down In Alabama“. Aber auch die Herz-Schmerz Balladen “My Side Of Town“ oder “Dead On Arrival“, die das uralte Thema der gescheiterten Beziehungen thematisieren, sind minimalistisch arrangiert und wirken dadurch umso intensiver. Das über vier Minuten dauernde “The Toll“ haut in die gleiche Kerbe bevor das rockige, schnelle “Dyin‘ For A Livin‘“ aus der melancholischen Stimmung erlöst. Mit “No Pedal Steel“ wird noch einmal deutlich, dass man eine jammernde, klagende Pedal Steel kaum ertragen kann, wenn man selbst niedergeschlagen und einsam ist. Ja, aber das macht es doch aus. “Dispatch To 16th Ave.“ ist alles andere als ein Chartstürmer Album. Dafür aber eine ganz feine halbe Stunde Country Music.

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Priscilla Block – Welcome To The Block Party

(VÖ: 11.02.2022)

Eine in die moderne Zeit und deren Medien gehörige Künstlerin ist Priscilla Block. Als die aus North Carolina stammende Sängerin nach Nashville kam, ereilte sie das Schicksal so vieler anderer auf Karriere hoffenden Künstlerinnen und Künstler vor ihr. Zunächst beobachtete sie intensiv die Szene, das Business und schrieb erste eigene Songs. Diese hatte sie über Social Media Plattformen präsentiert und so wurde schließlich auch Mercury Records auf sie aufmerksam und gab ihr die Möglichkeit beim Unterlabel InDent ihr erstes komplettes Album aufzunehmen. Mittlerweile ist sie ständig im Radio Play vertreten. “My Bar“ beispielsweise oder “Wish You Were The Whiskey“ bedienen den Mainstream aufs Trefflichste. Gesanglich erinnert Priscilla Block etwas an Miranda Lambert und das kann ein großes Hindernis sein. Die meisten der 12 Titel auf ihrem Album “Welcome To The Block Party“ (welch ein tricky Wortspiel und welch ein selbstbewusster Titel) sind sehr ähnlich und uniform arrangiert. Der Schlusstitel “Peaked In High School“ sticht etwas heraus, ist er doch ohne großes Beiwerk zur akustischen Gitarre dargebracht. Da scheint wieder einmal ein “Rohdiamant“ gefunden worden zu sein. Hoffentlich wird er nicht beim Zuschliff kaputt gemacht.

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Raechel Whitchurch – Finally Clear

(VÖ: 16.04.2021)

Country Music “Made in Australia“ ist vielen Country Music Fans längst geläufig. Raechel Whitchurch reiht sich mit ihrem Debüt Album “Finally Clear“ in eine Reihe vieler Kolleginnen und Kollegen aus Down Under ein. Mit 13 Songs, die sowohl sehr feminin sind als auch durchaus zeitgemäßen Anforderungen an größtmöglicher Fanakzeptanz genügen, hat die Sängerin aus Adelaide auch einige Überraschungen im Gepäck. Nach dem Opener “I Found Home“ und danach “You Ain’t One Of Us“, der musikalischen Beschreibung, wie schwer es im Country Business sein kann, räumt Raechel Whitchurch mit einigen Country Music Klischees ordentlich auf im Song “I Used To Think I was An Outlaw“, was sich auch in der musikalischen Umsetzung ausdrückt. Immer wieder hat sie kleine Gimmicks in den Songs, in der Abwechslung der einzelnen Tracks und spannt einen weiten Bogen von eher leichten, luftigen Songs bis zu nachdenklich stimmenden Erzählungen. Diesem Album kann man ganz getrost eine Chance geben. Klar, das ist kein Nashville Mainstream und auch weit weg von Charts oder Radio Play. Aber es sind grundsolide und von Herzen kommende Titel, denen man jederzeit anmerkt, dass sie nicht aus den Hochglanzschmieden der USA kommen.

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Colette Jones – Deluge

(VÖ: 08.01.2022)

Das Debütalbum von Colette Jones hat 10 Balladen im Gepäck, die Folk/ Country Musik transportieren. Wobei der Fokus eindeutig auf Folk Music ausgerichtet ist. Titel wie “Rescue Me“ oder “In Dreams“ sind auch gern einmal über fünf Minuten lang. Da sich die Stücke kaum voneinander unterscheiden, ist das Album “Deluge“ tatsächlich eine Überflutung. Wer sich darauf einlässt, gerät in Gefahr von Emotionen überflutet zu werden. Mit einem Sopran und wunderbar verständlicher Phrasierung lässt Colette Jones die Zuhörer mühelos teilhaben an ihren Inhalten. So drehen sich die meisten Texte um Sehnsüchte und große Gefühle. Colette Jones ist beeinflusst von traditioneller Musik, sie spielt eine Menge Instrumente u.a. Autoharp, ein Instrument welches heutzutage kaum noch zu hören ist. Allerdings ist Country Music hier nicht zu finden. Dennoch ist das Album “Deluge“ von Colette Jones durchaus hörenswert. Vor allem für Fans von emotionalen Balladen.

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Dylan Wheeler – Times Are Changing

(VÖ: 03.02.2022)

Nach vorangegangenen EP’s und Singleveröffentlichungen seit 2018 hat Dylan Wheeler mit “Times Are Changing“ ein Album mit 10 Tracks vorgelegt. Er wird als ein Paradebeispiel für Independence Music aus Texas vorgestellt und ist mit seiner Alternative Rock Country Music kompromisslos. Mit den Rockballaden “Back To You“ und “Save You Now“ beginnt das Album. Mit der überaus kraftvollen Ballade “Dozer“ besingt er eine Beziehungskrise und dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Manchmal trotzig, manchmal bitter, sind die ungeschönten Blicke auf die Tiefs in Beziehungen. Der Titelsong ist dann wieder lupenreiner Rock und nervt durch ausgedehnte Gitarrenriffs und Anlehnungen an große Rockbands. Independent halt. Würde Dylan Wheeler nicht auch einmal eine Country Rock Ballade wie “Through This World“ einstreuen, das Album hätte in der Country Music nichts verloren. Der Titel “My Head“ scheint ihm sehr wichtig zu sein. Ihm hat er über fünf Minuten Raum gegeben. Die Ballade ist reichhaltig instrumentiert und arrangiert und könnte auch auf Alben von Bryan Adams und Kollegen stattfinden. Das Album “Times Are Changing“ von Dylan Wheeler ist etwas für Fans von Rock und Independence Music. Dylan Wheeler jedenfalls ist höchst engagiert in seinen Vorträgen und ob sich die Zeiten für ihn tatsächlich zum Guten wandeln, wird sich zeigen.

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Gary Allan – Best I Ever Had

(VÖ: 11.02.2022)

Gary Allan folgt vielen anderen Kolleginnen und Kollegen, die in den Pandemiezeiten EP’s auf den Markt bringen um sich weiter in Erinnerung zu halten. So auch mit diesem Werk. Sechs Titel umfasst die EP “Best I Ever Had“ von Gary Allan. Los geht es mit “Drop“ aus dem Album “Set You Free“ aus 2013. Dann folgt der textlich beeindruckende Song “SEX“ gefolgt vom Titelsong “Best I Ever Had“ und der schönen Ballade aus 1996 “Her Man“, die sein Charteinstieg war. “Right Where I Need To Be“ (1999) und “The One“ (2001) sind die restlichen Titel der EP. Gary Allan zu lauschen ist immer ein Genuss. Ob man dazu aber aufgewärmte Singles aus mehreren Jahrzehnten als EP zusammengepackt konsumieren muss, sei dahingestellt.

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Jim Gaudet And The Railroad Boys – Hillbilly Rock N Roll

(VÖ: 06.01.2022)

Was Jim Gaudet und seine Kollegen der Railroad Boys seit Jahren praktizieren, ist eine ganz eigene Bluegrass Interpretation. Mal wähnt man sich in Louisiana im Swamp Land. Dann wieder in den Blue Ridge Mountains oder wie mit dem neuen Album “Hillbilly Rock N Roll“ mittendrin in der Zeit des Rock’n’Rolls der 1950er und 1960er Jahre. Ein Upright Bass, eine Mandoline, eine Fiddle, eine Gitarre und die ungeschliffene Stimme von Jim Gaudet genügen, um ein fröhliches, temporeiches Album zu produzieren. Hinzu kommen so manche Gimmicks in den Arrangements. Dass diese Band Mitglieder schon einige Jahre als Musiker absolviert haben, merkt man vom ersten Ton an. Die trauen sich ungewöhnliche Stops und Einsätze und einen eigenen Harmoniegesang. Auch Irish Music vom Feinsten findet da statt. Also alles andere als langweilig. Das ist Spaß Musik für Fans von Bluegrass und Hillbilly Rock N Roll. Die Musik ist so traditionell und dennoch so unglaublich modern. Das kratzt manchmal an experimenteller Musik. Selbst tanzbare Jive Music oder Blues lockern den Hörgenuss tüchtig auf. Eine tolle halbe Stunde Musik fernab vom Mainstream Radio Play. Ein Live Konzert mit Jim Gaudet And The Railroad Boys muss eine Freude sein. Ersatzweise kann das Album “Hillbilly Rock N Roll (straight from the still) aber auch für jede Menge kurzweilige Unterhaltung sorgen.

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Walker Hayes – Country Stuff The Album

(VÖ: 21.01.2022)

Walker Hayes hat seit seinem Debütalbum “Reason To Rhyme“ aus dem Jahr 2011 nun, elf Jahre später, sein drittes Album “Country Stuff The Album“ vorgelegt. Daran kann man unschwer ermessen, wie schwer es ist, in der Country Music zu bedeutendem Ruhm zu gelangen. Dabei hat Walker Hayes einen College Abschluss in Musikwissenschaften und einige Engagements als Songschreiber in der Musikfabrik Nashville vorzuweisen. Er selbst bezeichnet seine Musik als Pop Country. Das stimmt ganz sicher, hat er doch etliche Pop Elemente wie rhythmisches Klatschen oder typische Pop Arrangements mit seiner Auffassung von Country verwoben. Das klingt teilweise sehr angebiedert an den Pop Markt wie bei “Life With You“ und wird getoppt von so völlig abgedrehtem Rap Pop wie bei “U Gurl“. Wer da nicht schnell genug die Forward Taste drücken kann… Von den 13 Titeln seines Albums kann lediglich “Briefcase“, ein Duett mit Lori McKenna als Country Music durchgehen. Zum Schluss hilft Carly Pearce bei “What If We Did“ noch einmal einen lupenreinen Pop Song zu Gehör zu bringen. Das war wohl nix.

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Wesley Dennis – Then And One More Day

(VÖ: 21.05.2021)

Sein viertes Album “Then And One More Day“ preist Wesley Dennis mit dem Warnhinweis: Vorsicht! Enthält Country Music an. Und er tut gut daran. Los geht es gleich mit dem Charley Pride Erfolgstitel aus 1970 “ (I’m So) Afraid Of Losing You Again“ und Wesley Dennis interpretiert so wie es einst in Mode war. Mit dem Keith Whitley Song “Where Are All The Girls I Used To Cheat With“ geht es weiter und die stimmliche Nähe zum Original verblüfft ein wenig. Zu seinen eigenen Songs wie “Halo And Horns“, “Love The Tired Out Of You“ oder “Then And One More Day“ hat Wesley Dennis Coverversionen von Keith Whitley oder John Berry eingebaut. Er ist stimmlich so nah an Keith Whitley, dass man überlegen muss, ob das natürlich so ist oder absichtlich. Egal wie, Wesley Dennis hat mit dem Album “Then And One More Day“ mit 13 Tracks eine feine Laid Back Music zusammengestellt, die allen Fans der Musik von einst gefallen muss. Endlich wieder einmal Musik ohne Drum Computer und dem ganzen Rock Pop Trara drumherum. Das ist eine Dreiviertelstunde Balsam für die Seele.

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Bobby Allison And Gerry Spehar – Delta Man

(VÖ: 21.01.2022)

Von Bobby Allison und Gerry Spehar haben nicht viele Musikliebhaber gehört. Zum einen liegt die wilde Zeit der beiden schon weit zurück und zum anderen haben sie beide trotz vieler Jahre im Business kaum Aufmerksamkeit erregen können. Immer wieder über die Jahrzehnte haben beide Musiker für Projekte zueinander gefunden. Nun ist im Selbstverlag das Album “Delta Man“ erschienen und hat 15 Songs zu bieten, von denen die meisten von Bobby Allison gesungen sind. Gerry Spehar hatte sich vor etlichen Jahren ins Private zurückgezogen. Ohne Zweifel ist Bobby Allison auch der talentiertere Sänger. Ein Unfall hatte ihn früh aus der Bahn geworfen und an den Rollstuhl gefesselt. Zudem kämpft er mit der fiesen Parkinson-Krankheit. Unter den Tracks des Albums “Delta Man“ findet man so feine Duette wie “River“ von Gerry Spehar und Lisa McKenzie oder Americana, Folk beeinflusste Titel á la Eagles wie der Opener “Kinda Like Love“. Dazwischen etwas experimentelle Songs aber immer den Bezug zu Country Music suchend. Nein, man wird die Namen Bobby Allison und Gerry Spehar sicher nicht dauerhaft im Gedächtnis behalten. Das Album “Delta Man“ ist für Sammler und Musikliebhaber der Mainstream abgewandten Musik interessant.

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Brent Cobb – Now Let’s Turn To Page

(VÖ: 28.01.2022)

Von Brent Cobb ist man ja gewohnt, dass er die leisen Töne manchmal auch stimmgewaltig interpretieren kann. Seine Balladen haben oft einen Tiefgang, bei dem man gar nicht genau verstehen muss, wovon der Sänger erzählt. Man spürt den Schmerz regelrecht körperlich. Mit Alben Veröffentlichungen ist Brent Cobb eher sparsam umgegangen. Von 2006 bis 2018 hat er magere drei Alben produziert. Nun aber hat er mit “Now Let’s Turn To Page“ ein Gospel Special aufgenommen. Mit neun Titeln, vom getragenen Opener “Just A Closer Walk With Thee“ oder “In The Garden“ bis zu rockig bluesigem Sound bei “Are You Washed In The Blood“, schafft es Brent Cobb dem Thema Gospel agiles Leben einzuhauchen. Wenn er zur nächsten Seite blättert, ist man gespannt, was beispielsweise auf den Klassiker “Softly And Tenderly“ folgt. Mit dem akustischen “Old Rugged Cross“ wird man einmal mehr überrascht. Ein Gospel Chor erzeugt eine religiöse Atmosphäre intensivster Art. Nach so viel Besinnlichkeit löst das rockige “We Shall Rise“ ein wenig die innere Einkehr. Zum Schluss noch eine Überraschung. Aber die werden sich nur Fans von solch christlicher Musik gönnen. Also wer mag blättert auf Seite…

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Eddie Montgomery – Ain’t No Closing Me Down

(VÖ: 27.10.2021)

Als 2017 der Partner von Eddie Montgomery, Troy Gentry bei einem Helikopterabsturz ums Leben kam, war dies ein weiterer Schicksalsschlag, den Eddie Montgomery hinnehmen musste. Nicht nur, dass 1991 sein damals dreijähriger Sohn bei einem Autounfall ums Leben kam, musste er 2015 auch noch seinen Sohn Hunter begraben, der sein Leben an die Drogensucht verlor. Was manche Menschen aushalten müssen ist oft unfassbar. Aber Eddie Montgomery hat sich aus der Trauer lösen können und nun mit “Ain’t No Closing Me Down“ sein erstes Solo Album produziert. Die Pandemie Zeit hat er genutzt und mit namhaften Songschreibern an seinem neuen Album gearbeitet. „Ich wollte mit den Songs meine Seele trösten. Ein großer Teil dieser Seelenheilung hört man auf “Alive And Well“, die Geschichte meines Lebens und ich glaube, Troy war zugegen als ich den Titel schrieb.“ Mit dem Titel “Ain’t No Closing Me Down“ (Ich lasse mich nicht unterkriegen) beginnt das Album und Eddie Montgomery interpretiert den Song trotzig und auf einen Neubeginn ausgerichtet. Im Titel “Alive And Well“ heißt es: „Es ist schwer wieder aufzustehen, wenn du zwei Söhne und den besten Freund verloren hast. Ich wäre nicht ich, wenn es sie nicht gäbe.“ Die Verarbeitung vergangener aber auch gegenwärtiger Erlebnisse und Emotionen hat Eddie Montgomery angegangen in Titeln wie “My Son“ oder “Higher“, ein Song über seine Erfahrungen mit Alkohol und Drogen mit der unvergleichlichen Tanya Tucker im Duett, die diesem Thema ganz sicher etwas beizutragen hat. Bei “Ain’t She’s Beautiful“ wird man in die Irre geführt, handelt es sich doch nicht um eine Frau, die so schön ist, sondern um die amerikanische Flagge. Mit dem letzten Titel “Somewhere South“ hat Eddie Montgomery noch einmal schwere Gedanken im Gepäck. „Whiskey ist ein Lügner, Zeit ist ein Dieb und wenn das Leben ein Zirkus ist, wenn das Leben ein Chaos ist, und ich an deiner Türschwelle stehe. Nun, ich hatte mal einen Schlüssel, aber dies ist nicht meine Nacht. Ich habe einen Fluchtwagen in der Auffahrt. Wenn jemand fragt, wohin ich gehe, sag‘ ihnen, ich fahre irgendwo in den Süden.“ Mit seinem Album “Ain’t No Closing Me Down“ hat Eddie Montgomery ein beeindruckend autobiografisches und ehrliches Werk vorgelegt. Manche Songs sind, wie einst von Montgomery Gentry gewohnt, für manche Fans zu rockig. Andere wiederum finden einige Titel viel zu country. „Wenn die Fans das so sehen, haben wir alles richtig gemacht.“ Da hat Eddie Montgomery völlig recht. Ein starkes Album. So oder so.

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Eric Brace & Last Train Home – Everything Will Be

(VÖ: 01.2022)

Unverstellter Americana Sound, Roost Music und Ausflüge in Mexican Sound, Folk und Pop ist das musikalische Gerüst des neuen Albums von Eric Brace & Last Train Home. Der Opener und Titelsong “Everything Will Be“ ist eine leicht rockig angelegte Ballade, die zum Ende hin von einer Trompete in ein Chanson Arrangement geleitet wird, welches wiederum von rockigen Gitarrenriffs abgelöst wird. So lässt Eric Brace und seine Band Last Train Home die Zuhörer stets im Unklaren, was sie noch so erwartet. Schon mit “Lily Of The Day“ erklingt ein Midtempo Country Song der zum Mitsingen animiert. Trompeten und Posaunen leiten “If I Had A Nickel“ ein und es entwickelt sich ein Bar Music Sound mit Pianobegleitung. “The Six O’Clock Train And A Girl With Green Eyes“ ist eine Hommage an John Hartford und versetzt die Zuhörer in die Zeit der experimentellen 1960er Jahre. Wenn dann zum Ende hin “I’m An Old Cowhand (From The Rio Grande) verswingt erklingt und mit der Fassung von Roy Rogers aus dem Jahr 1943 nicht wirklich verwandt ist, wird klar, dass Eric Brace und seine Band Last Train Home niemals auf Radio Play hoffen. Den Vogel der Independence Music schießt dann der Schlusstitel “When I’m Dead And Gone“ ab, der seinerzeit von der britischen Rockband McGuiness Flint zelebriert wurde. Das Album “Everything Will Be“ richtet sich an Freunde unangepasster, nicht klassifizierbarer Musik, die irgendwo zwischen Americana, Mexicana, Jazz, Blues und Alternative Country angesiedelt ist.

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Morgan Wade – Reckless Deluxe Edition

(VÖ:28.01.2022)

Das Album Reckless vom März des vergangenen Jahres „schrie“ geradezu nach einer Ergänzung. So ist eine Deluxe Edition erschienen, die das ursprüngliche Album um ganze sechs Titel erweitert. Läge man noch drei, vier Songs drauf, wäre ein neues Album gelungen. Nein, heutzutage muss es eine Deluxe Edition sein. Vielleicht hat sich das Album nicht so toll verkauft wie erhofft. Muss man das haben? Zudem gipfelt die Deluxe Edition in dem völlig danebengegangenen Versuch sich dem Songmaterial von “Suspicious Minds“ zu widmen. Da braucht es schon etwas mehr Können als mit fetten Gitarren den Titel kaputt zu rocken. Wer das Album “Reckless“ schon im Regal hat, braucht hier nicht mehr zuzugreifen. Morgan Wade baut sich ein Image als rockige, Proteststimme gegen, ja was eigentlich auf. Eine Zumutung.

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The Cripple Creek Band – Last Of A Dying Breed

(VÖ: 24.01.2022)

Nein, das ist kein Album der Band aus Nürnberg. Leider. Diese Cripple Creek Band stammt aus dem Westen der USA und kombiniert Rock, Americana und Country in ihrer Musik. Das fünfte Album heißt “Last Of A Dying Breed“ und bietet mit zehn Titeln eine musikalische Abfolge von feinen Balladen wie “Standing In The Rain“ und “Sleep Till Noon“ bis zu Uptempo Rocksongs wie “Drink And Play Guitar“ oder “The Time Has Come“. Das Album “Last Of A Dying Breed“ fängt auch ungewöhnlich mit dem Instrumental “Redemption Creek“ an. Dazwischen eine Coverversion von “The Night They Drove Ole Dixie Down“ und zum Schluss mit “What Comes With You“ ein Country Song mit Banjo Begleitung und Fiddle Solo. Okay, eine Offenbarung ist das Album nicht. Aber liebenswert anders, als der Mainstream Einheitsbrei allemal.

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Tracy Lawrence – Hindsight 2020 Vol.3: Angelina

(VÖ: 28.01.2022)

Es ist vollbracht. Tracy Lawrence hat seine Trilogie Alben komplettiert und mit “Hindsight 2020 Vol. 3: Angelina“ vollendet. Genau wie bei den beiden Vorgänger Alben mischt Tracy Lawrence auch diesmal wieder einige seiner alten Erfolgstitel wie “Time Marches On“, “Paint Me A Birmingham“, “Sticks And Stones“ oder “Texas Tornado“ in neuen Aufnahmen mit neuen Titeln. Erneut hat er mit 11 Titeln ein Album gepackt, das sowohl Nostalgie bedient, als auch sein Festhalten an traditioneller Country Music demonstriert. Warum allerdings das Bild von Birmingham zum Schluss noch einmal gemalt werden musste, bleibt das Geheimnis von Tracy Lawrence. Abgesehen davon, dass man immer gern Musik von Tracy Lawrence hören kann und der Einfall, die Pandemie mit einer Trilogie zu überbrücken, die eben auch nicht viel Neues zu bieten hat (aber immerhin keine Deluxe Edition ist), ist auch das dritte Album der “Hindsight 2020“ Serie kein Straßenfeger.

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Gabriel Riby – Countryside

(VÖ:2022)

Außer, dass der Mann aus Brasilien kommt, sind Infos über ihn nur über Social Media Accounts zu erfahren.
Country Music made in Brasil? Abgesehen davon, dass das Album “Countryside“ von Gabriel Riby überrascht, ist es eher ein Independent Projekt, als auch nur in der Nähe von Major Label Interesse.
Gabriel Riby wechselt zwischen rockigen Songs und Balladen hin und her. Dabei ist weder die stimmliche Qualität, noch die der Produktion akzeptabel. Nur als Exot aus Brasilien sich der Country Music verbunden zu fühlen, ist nicht genug.
Netter Versuch.

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Jacob Bryant – Bar Stool Preacher

(VÖ: 21.01.2022)

Neues von Jacob Bryant nach seinem Album “Practice What I Preach“ aus 2019 nun das neue Werk “Bar Stool Preacher“. Der Mann aus Georgia hat einige Nackenschläge in seinem Leben hinnehmen müssen und es ist erstaunlich, dass er noch lebt und Musik machen kann. Lässt man das aber einmal beiseite, bleibt der Blick auf ein Album, welches sowohl moderne rockige Titel bietet, als auch Balladen, die Jacob Bryant meist in autobiografischem Gewand präsentiert. Der rote Faden ist aber rockige Musik. Nichts Weichgespültes, selbst dann nicht, wenn es um sehr intime Erlebnisse geht. So lässt Jacob sein Album “Bar Stool Preacher“ enden mit dem Titel “Amen“. Da beschreibt er, wie er sich dem “Teufel“ Musik verschrieben hat und in einer Zelle wiederfindet und darum betet, überleben zu dürfen. Danach will er nur noch heim zu seiner Mutter und als er sieht, dass sie in Erwartung seiner Heimkehr vor dem Haus nie das Licht ausgemacht hatte, bricht er weinend zusammen. Davor erzählt er in weiteren 12 Titeln aus seinem sehr bewegten Leben und seinem persönlichen Albtraum, von Alkohol und Drogen. Jacob Bryant liefert ein sehr intimes Album ab, das musikalisch den rauen Charme des Rockers vermittelt. Das aber in den Texten einen Menschen zeigt, der ganz unten war und der weiß warum und der sich wieder nach oben kämpft.

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Ruthie Collins – Cold Comfort (Expanded Version)

(VÖ: 07.01.2022)

Nach ihren Alben “Ruthie Collins“ aus 2014, “Get Drunk And Cry“ aus 2017 und “Cold Comfort“ aus 2020 erscheint nun eine Expanded Version des Albums “Cold Comfort“. Um einen neuen Titel und drei Unplugged Versionen ergänzt, entstand ein 15 Titel umfassendes Album. Es beginnt mit “Joshua Tree“ einer zuckersüßen Liebesballade. Und mit spätpubertären Lyrics geht es im Titel “Cheater“ weiter. Mit engelsgleichem Sopran wie bei “Untold“ oder dem Titelsong “Cold Comfort“ bietet das Album musikalisch wenig Abwechslung und ruft bei Nichtfans sicher eine gewisse Müdigkeit hervor. Da nützt es auch nichts, dass die letzten drei, zum Ursprungsalbum hinzugefügten Titel “Joshua Tree“, “Hey Little Girl“ und “Wish You Were Here“ unplugged und mit akustischen Instrumenten dargeboten werden. Die sehr feminine Sicht auf die Welt von Ruthie Collins findet sicher ihre Fans. 15 Songs am Stück sind aber eine Herausforderung.